Emo DESCOVICH ein österreichischer Radiopionier

  Bild: Technik und noch viel mehr allgemeinverständlich erklärt.

Das bot über Jahrzehnte und über vier politische Systeme hinweg Emo Descovic mit seinen Büchern, Artikeln und Vorträgen.

Auffällig ist nur, das es bis dato kein bekanntes Portrait von ihm gibt.


EINLEITUNG:

Stehen wir um 2026 vor einer Art Zeitenwende, in der weltpolitisch gesehen vieles bisherige über Bord geworfen wird und vermutlich über die nächste Zeit einer Neuformierung bedarf, so stellt sich die Frage wie in der Vergangenheit mit solchen starken Verwerfungen wo ganze Systeme auf den Kopf gestellt wurden umgegangen wurde.

Der Übergang von der österreichisch-ungarischen Monarchie über den ersten Weltkrieg und der ersten Republik, deren erneute "Ablöse" durch das Dritte Reich mit der dann letztlich gefestigten 2. Republik bietet uns einen möglichen Vergleichsrahmen für all die Umwälzungen in diesen Epochen.

Stellvertretend als einer der in allen vier Systemen dabei war ist Herr Emo Descovich, Kapitän der k&k Marine. Auch Emil Descovich geschrieben.

Kapitäne der einstigen k&k Marine waren eine Quelle für das österreichische Radiowesen, das wir bereits im Zusammenhang mit

auszugsweise beleuchtet haben.

Die von Descovich bewußt allgemeinverständlich gehaltenen Beiträge haben mich bei der Suche nach Fachartikeln zu unseren Themen ihn als Autor bisher in meiner Wahrnehmung weitgehend übersehen lassen was sich hiermit korrigiert hat.


Inhalt:

  1. Einführung

  2. Lebenslauf

  3. Chronologie

  4. Quellen & Verweise

  5. Lesetips des Autors


 

Lebenslauf:

Er wurde als Emil Alois Cornelius Josef Descovich 1878 in Wien geboren gemäß Taufmatrikel Sankt Josef, Wien 2.

Der Vater war Emil Descovich und seine Mutter Adolfine geb. Lissek.

Am Dienstag, dem 1. April 1952, verstarb Regierungsrat Emo Descovich im 75. Lebensjahr.

Verheiratet hat er sich im 33. Lebensjahr am 15.5.1911 in Allentsteig/NÖ, mit Philippine, geborene Dütz/Dötz, aus Allentsteig 205.

Damals wohnend in der Körnergasse 7, Wien 2.

Begraben liegt er am Wiener Friedhof Lainz, zusammen mit seiner Frau und zwei weiteren Familienmitgliedern.

Zur Erinnerung: Die Gegend um Allentsteig wurde unter dem NS Regime zum größten Truppenübungsplatz was vielfach ein Schleifen und Absiedeln der darin liegenden Dörfer einhergehen ließ.

Nachkriegsgewalt an der Familie:

Zur Schwiegermutter von Emu findet sich folgender Eintrag [Wiener Zeitung, 4. Jänner 1948]:

Franziska Nowak geb. Dötz.
T 468/47. Am l6. Februar 1947 drangen in den frühen 
Morgenstunden Unbekannte in die Wohnung
der Franziska Nowak, geb. Dötz. geboren
am 6. Jänner 1869 in Allentsteig, dortselbst Nr. 205
wohnhaft ein, entführten sie, raubten ihr gehörige
wertgegenstände und ist die im 77. Jahre stehende
altersschwache und kränkliche Frau nicht mehr zurückgekehrt.
Da hienach wahrscheinlich ist, daß die Genannte
den Tod gefunden hat, wird auf Ansuchen der
Philippine Descovich in Wien XIII., Feldkellergasse 20,
das Verfahren zum Beweise des Todes eingeleitet und die Aufforderung 
erlassen, bis zum 10. März 1948 dem Gerichte über die Vermißte
Mricht zu zeben.
Noch Ablauf dieser Frisst und nach Aufnahme
der siewseise wird über den Antrag entschieden
werden.
Kreisgericht Krems, Abt. 3, am 4. September
1947. 16597 


Würdigung des Lebenswerks:

Emo Descovich als Bahnbrecher der Funktechnik (1947)

Im Dezember 1947 veröffentlichte die Badener Zeitung eine umfassende biografische Würdigung des Gelehrten, die Descovichs fundamentale Rolle beim Aufbau des österreichischen Funkwesens beleuchtet und die hier um weitere Details ergänzt Aussagekräftig scheint.

Geboren am 9. März 1878 in Wien als Sohn eines Bahnbeamten, schlug er nach dem Gymnasium die Offizierslaufbahn an der Marineakademie Fiume ein.

Als "Schiffshäuptling" und späterer Linienschiffsleutnant auf der SMS „Habsburg“ – dem damals modernsten, mit Funk ausgestatteten Schlachtschiff der Monarchie – eignete er sich völlig autodidaktisch die technischen Grundlagen der drahtlosen Telegraphie an.

Berufen in das Marinetechnische Komitee, übernahm er maßgeblich die Organisation des militärischen Funkwesens und reformierte die Apparaturen durch das System der „tönenden Löschfunken“.

Auf seine Initiative geht die Errichtung der ersten Radiostation Österreichs in Pola zurück, deren Sendeversuche mit Nauen die weltweit ersten wissenschaftlichen Aufschlüsse über tageszeitliche Schwankungen der Empfangsenergie lieferten – Ergebnisse, die kurz darauf von Guglielmo Marconi bestätigt wurden.

 

Descovich trieb zudem den Bau der Großfunkstation Deutsch-Altenburg, nachmals Radio-Austria (1915/16) voran, schloss nebenbei ein Jusstudium ab und setzte im Handelsministerium die Verstaatlichung des Funkwesens auf Handelsschiffen durch.

Nach dem Ersten Weltkrieg agierte er unter anderem als technischer Berater und Redakteur der Neuen Freien Presse (1925–1939) und war als profilierter Sachbuchautor („Ums blaue Band“, „Technik der Tiefe“) tätig.

Nachdem er während der NS-Diktatur vollständig ausgeschaltet* worden war, stellte er seine Expertise nach 1945 in den Dienst des amerikanischen Nachrichtendienstes.

Titel Korvettenkapitän a.D. - Außer Dienst.

*Siehe Zusammenfassung am Ende des Beitrages

Quelle: Badener Zeitung, 68. Jahrgang, Nr. 97, Samstag, 6. Dezember 1947, S. 4.

Chronologische Dokumentation und technische Analyse

Die auffällig schier unendliche Fülle an Aufsätzen und Ereignissen wie auch der Themenbreite selbst läßt ihn als gut vernetzten "Hans Dampf in allen Gassen" erscheinen was es zur Herausforderung machte eine Aufstellung zu machen die seinem Wirken auch nur annähernd gerecht werden kann.

Ein Auftreten das wir u.a. wenn auch deutlich geringer im Umfang von Josip Sliskovic kennen. Einer Person der Radiobranche der Herr Prof. Pichler bereits eine Literatur gewidmet hat.

Chronologische Übersicht der Publikationen & Vorträge Emu Descovich

Bild  Datum Titel / Ereignis Buch Artikel Vortrag Radiosendung
  7. November 1907 Mitteilungen aus dem Gebiete des Seewesens (Pola), November- Heft. Über den derzeitigen Stand der Wellentelegraphie.
Von Linienschiffsfähnrich Emil Descovich.
  X    
  19. November 1909 Das moderne Schlachtschiff und seine Bedeutung als Kampfmittel, Vortrag im Militärwissenschaftlichen und Kasinovereine (Wiener Zeitung)     X  
1910 Der Wert unserer Kriegs- und Handelsmarine (Moderne Illustrierte Zeitung f. Reise und Sport)   X X  
  12. März 1910 Wiener Universitätsreise: Rede über Volkswirtschaftspolitik (Neue freie Presse)     X  
  7. Mai 1910 Universität Wien Vortrag zur Flottenfrage (Neue freie Presse)     X  
  13. Jänner 1911 Niederöst. Gewerbeverein, Die Bedeutung der Marine für die Volkswirtschaft (Die Zeit)     X  
  12. April 1912 Urania Wien, Die Entwicklung der drahtlosen Telegraphie, Mit Experimenten und Lichtbildern (Wiener Zeitung)     X  
  10. April 1913 Fachblatt Natur und Völkerkunde "Geheimrat Slaby" Nachruf (Neue Freie Presse)   X    
  3. März 1914 Transozeanische Wellentelegraphie, (Neue freie Presse)   X    
  23. Mai 1914 Zeitschrift "Überall", Berlin, Aufsatz über strategischen Wert der öst.-ungarischen Küste sowie öst. ungarische Erfindungen im maritimen Gebiete. (Streffleur's Militärblatt)   X    
  25. Oktober 1914 Über Funkentelegraphie und tönende Löschfunken (Hefte Urania Wochenschrift; Wiener Zeitung)   X    
18.11.1914 Unsere Helden im Weltkrieg (Co-Autor) X
  2. Mai 1915 Kriegsbilder - Seekrieg (Materialzusammenstellung f. Urania; Öst. Illustrierte Zeitung)   X    
1915  Das U-Boot (Co-Autor)      
  17. November 1915 In Eintracht stark - Heft 3 Die militärische Rüstung. Seeflotte - Luftflotte X      
             
  15.02.1924 Radio-Gruß (Leitartikel im „Radiohändler“) X
21.03.1924 Was ist Radio? (Vorankündigung/Eigenverlag) X
  1924 Was ist Radio? (Fachauszüge in „Radiowelt“) X X
  1927  Für die Bildtelegraphie, Neue Erfolge der Radiobildübertragung (Radiowelt)       
  1927  Ozeanflug und Radio (Radiowelt)       
  1927  Die Photozelle (Radiowelt)       
  1927  Der sprechende Strahl (Radiowelt)       
1927 Unsere Technik und Amerika X      
  26. März 1927 Stereo-Hören (Neue Freie Presse) X      
  12. September 1927 Marschall Shiang Kaichek: Ausgewählte Reden; (Rezension, Neue freie Presse) X      
  1928  Fernspruch, Kabel und Radio (Radiowelt)       
  1928  Radionebelkompaß  (Radiowelt)       
  1928  Radiosicherung des Luftverkehrs (Radiowelt)       
  1928  Bildtelegraphie, Fernkino und Fernsehen  (Radiowelt)       
  1928  Optischer Ausgleich für den Phonofilm (Funkmagazin)       
  1928  Radioortung und Ozeanflüge (Funkmagazin)       
  1928  Radio und Weltraumschiffahrt  (Funkmagazin)       
  1928  Weltzeitung (Funkmagazin)       
  1929  Hopkins polyglotter Sprechfilm (Radiowelt)       
  1929  Rado auf Rettungsbooten (Radiowelt)       
  1929  Überseeischer Telegrammverkehr (Radiowelt       
  7. September 1930 Andrées Ballonfahrt zum Pol, Radiovortrag (Neue freie Presse)       X
  29. September 1930 Walfang Einst und Jetzt (Radio Wien)       X
1931 Um's blaue Band X      
  1932  Das Jahr 1932 in der Technik(Radio Wien)        
  1932  Eine Automobilfahrt vor 130 Jahren und Richard Trevithick (Radio Wien)        
  1932 Fritz Franz Maier und seine Schiffsform (Blätter für Geschichte der Technik 1952)        
1932 Technik der Tiefe X      
  1933  Vom Briefsstab zum Fernsprecher (Radio Wien)      
  1933  Vom Einbaum zum Gleitboot  (Radio Wien)      
  1933  Vom Schlitten zum Kraftwagen (Radio Wien)      
  1933  Kantaphon - die Singmaschine (Radio Wien)      
  25.Oktober 1934 Gemeinschaftsstunde der arbeitslosen Jugend. Sonderbare Bauten (Radio-Wien)       X
8. Juli 1935 Die Geburt des Tanks. Aus der Geschichte einer österreichischen Erfindung. (Radio Wien)   X   X
  26. Juli 1935 Eiserne Maschinisten (Radio Wien)       X
  4. September 1935 Die Technik der Inkas (Radio Wien)   X   X
  1936 Die technischen Errungenschaften des Jahres 1936 (Lichtbildvortrag; Techn. Museum Wien; Der Tag)   X    
  1938  Weißes Reich im schwarzen Erdteil   (Geo. Ges.)       
  1938  Das Verkehrswesen Argentiniens (Geo. Ges.)       
  1938  Italien Handel mit Italienisch-Ostafrika  (Geo. Ges.)      
  22. April 1938  Aufsätze zu Fernostkonflikt und Schlachtschiffrage (in Zeitschriftvorstellung in Freie Stimmen)       
  3. Juli 1938  Zu "Neue Bücher über Luftfahrt" (Neue freie Presse)       
  21. August 1938  Über Nikolaus von Horthy (Beitrag; Neue freie Presse)       
  4. September 1938  Das Mittelmeer - Ein Portrait (Rezension, Neue freie Presse)       
  27. November 1938  Das Doppelgesicht Südafrikas (Rezension; Neue Freie Presse)       
  27. November 1938  Die Entwicklung des Kriegsschiffes (Lichtbildvortrag; Neues Wiener Tagblatt)      
  25. Dezember 1938  Kampf um die Schnelligkeit (Neue freie Presse)        
  15. Jänner 1939  Rezension: Tiere sehen und kennen lernen (Neue freie Presse)       
  20. Juli 1939  Siebzig Jahre Suezkanal (Radiovortrag)      
  24. September 1939  Bosporus und Dardanellen (Radiovortrag)       
  6. November 1939  Sprache im Aufstieg  (Wiener neueste Nachrichten)      
  20. November 1939  Gold und Diamanten in Südafrika (Wiener neueste Nachrichten)      
  9. Dezember 1939  Kampf um die Meerengen. Dre Krimkrieg. Eine geschichtliche Erinnerung. Radiovortrag      
  19. Dezember 1939  Englische Zwingburgen. Beschawar. (15 Min. Radiovortrag) Vortragsserie      
  30. Dezember 1939  Unsere Bremen (Urania Lichtbildvortrag)       
  8. März 1940  Was die Welt den Deutschen Verdank- Große Erfindungen (5 Minuten Radiovortrag)       
  13. April 1940  Wie die Klasse der Kreuzer zu ihrem Namen kam (Urania Lichtbildvortrag)      
  27. April 1940  Große Leistungen deutscher Technik. Die Erfindung der Zeitlupe. (Radiovortrag)      
  30. April & 10.Mai 1940  Die Waffen des Seekrieges, auf Einladung der KDF u.a.       
  26.05.1942 Das Schlachtschiff – Rückgrat der Flotte (Lichtbildervortrag; Neues Wiener Tagblatt) X
  24. Februar 1944  Admiral Tegetthof (Uni Wien zu "Persönlichkeiten aus dem Wiener Geistesleben; Kleine Volkszeitung)       
  Jänner & 10. Dezember 1946  Aus der Geschichte der Technik (Radio Wien Sender II - Herbst Vortragsfolge je 10 Minuten) u.a. Betraton, Einblicke in den Aufbau der Materie      
  09.02.1947 Edison als Techniker und als Mensch (Lichtbildervortrag) X
  06.12.1947 Biografische Würdigung (Badener Zeitung) X
  19. April 1949 & 21- Jänner 1949 Raketen- und Düsenflugzeuge (Salzburger Volkszeitung & Wiener Kurier)      
  1950  Notrufgerät für Flugzeuge (Radioamateur 7/1950)      
  04.04.1952 Nachruf auf Regierungsrat Emo Descovich (Wiener Kurier) X
Bild  Datum Titel / Ereignis Buch Artikel Vortrag Radiosendung
             

Anmerkung: Die Zusammenstellung wurde mit KI Unterstützung aufbereitet.


Transozeanische Wellentelegraphie. Umfassender Artikel am Vorabend des 1. Weltkrieges

Zusammenfassung:

Der Artikel beschreibt den rasanten Ausbau der transozeanischen Funktelegraphie im Jahr 1913, um die weltweite Kommunikation von unzuverlässigen Überseekabeln unabhängig zu machen.
Großprojekte verbinden Staaten wie die USA, Deutschland, Frankreich und Portugal. Technisches Fundament ist die Erzeugung elektrischer Wechselströme, die Schwingungen im Äther auslösen.
Für diese enormen Distanzen gewinnen Hochfrequenzmaschinen (wie jene von Goldschmidt oder Arco) massiv an Bedeutung, da sie im Gegensatz zu älteren Funkensystemen kontinuierliche, ungedämpfte Wellen erzeugen.
Die Station in Eilvese bei Hannover nutzt beispielsweise ein solches System, um direkte Funkverbindungen mit Tuckerton in den USA über eine Distanz von rund 6400 Kilometern aufzubauen.
Für stabile Tag- und Nachtverbindungen über den Atlantik werden extrem lange Wellen (bis zu 10.000 Meter) und riesige Antennenanlagen benötigt. Neben der klassischen Telegraphie rückt auch die drahtlose Telephonie in greifbare Nähe;
erste menschliche Stimmen wurden bereits über Tausende Kilometer übertragen.
Die Technologie revolutioniert den weltweiten Nachrichten- und Schiffsverkehr.

Quelle: [Neue Freie Presse, 3. März 1914]


Publizistische Anfänge im Ersten Weltkrieg: Emo Descovich als Co-Autor (1914)

Die publizistische Tätigkeit von Emo Descovich reicht weit vor die Anfänge des Rundfunks zurück und stand bereits im Jahr 1914 im Zeichen der zeithistorischen Ereignisse.

Eine zeitgenössische Verlagsanzeige dokumentiert seine Rolle als Co-Autor einer groß angelegten patriotischen Jugendschrift zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Gemeinsam mit Hauptmann Emil Seeliger verfasste der damalige Linienschiffsleutnant Emo Descovich das Werk „Unsere Helden im Weltkrieg“, welches im renommierten Verlag von Moritz Perles (k.u.k. Hofbuchhandlung, Wien) erschien.

Die Schrift war ausdrücklich „der Jugend und dem Volke gewidmet“ und sollte durch eine fundierte, erzählende Darstellung der Armee- und Marineorganisation sowie biografische Schilderungen der Heerführer aus der Masse damaliger Jugendschriften herausstechen.

 
Bild: Verlagsanzeige für die zeitgemäße Jugendschrift „Unsere Helden im Weltkrieg“ von Emil Seeliger und Emo Descovich. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Quelle: Oesterreichisch-ungarische Buchhändler-Correspondenz, Nr. 46, 55. Jahrgang, 18. November 1914, S. 595.

Die Geburtsstunde des österreichischen Rundfunks:

Ein „Radio-Gruß“ zur ersten Ausgabe des „Radiohändlers“ (1924)

Ein zentrales Dokument für die österreichische Mediengeschichte markiert das Jahr 1924, in dem der reguläre Rundfunkbetrieb in Österreich seine Anfänge nahm.

In der ersten Ausgabe der Fachzeitschrift „Der Radiohändler“ vom 15. Februar 1924 wandte sich Kapitän Emo Descovich mit einem programmatischen Leitartikel direkt an die junge Pioniergeneration des Radiohandels.

Auf Einladung der Schriftleitung verfasste er einen allgemein aufklärenden Beitrag über das Wesen der drahtlosen Telephonie und Telegraphie.

In bemerkenswert anschaulicher, populärwissenschaftlicher Weise erläuterte Descovich darin die physikalischen Grundlagen der Funktechnik:

Er zog Vergleiche von sichtbaren Wasserwellen und hörbaren Schallwellen in der Luft hin zu den damals postulierten, unsichtbaren „Ätherwellen“.

Descovich erklärte dem Leserkreis den Ursprung des Begriffs „Radio“ (vom lateinischen radius für Strahl) und hob die fundamentale Eigenschaft der neuen Technik hervor, Nachrichten im Gegensatz zur klassischen Telefonie ohne Drahtverbindung zeitgleich an eine unbegrenzte Anzahl von Empfangsstationen innerhalb der Sendereichweite zu verbreiten – ein Umstand, der anfangs im rein privaten Kommunikationswesen noch als Nachteil galt, nun aber das Fundament des beginnenden Rundfunkzeitalters bildete.

Quelle: Der Radiohändler, 1. Jahrgang, Heft 1, 15. Februar 1924, S. 1–2.

Der boomende Fachmarkt:

Verlagsanzeigen für Descovichs Buchproduktionen (1924)

Wie rasant die Nachfrage nach verlässlicher Fachliteratur im Frühjahr 1924 anstieg, belegt eine Großanzeige der Verlags- und Großbuchhandlung Josef Rubinstein in der Oesterreichischen Buchhändler-Correspondenz. Unter dem Titel „RADIO – NEUE AUSLIEFERUNGEN!“ bewarb das Wiener Verlagshaus im März 1924 neben führenden Fachzeitschriften wie der „Radio-Welt“ oder dem „Radio-Kurier“ auch den bevorstehenden Eigenverlag des Werkes

„Was ist Radio?“ von Kapitän Emo Descovich.

Mit einem Umfang von zirka 200 Seiten, reichhaltigen Illustrationen und einem avisierten Ladenpreis von K 30.000 bis K 40.000 richtete sich das Werk gezielt an den boomenden Markt der Händler und Amateure.

 
Bild: Fachhandels-Großanzeige von Josef Rubinstein mit der Vorankündigung zu Emo Descovichs Buch „Was ist Radio?“. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Quelle: Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz (Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel), Nr. 12, 21. März 1924, S. 161.

Grundlagenliteratur der Rundfunkpioniere:

Das Standardwerk „Was ist Radio?“ (1924)

Die rasante Entwicklung des neuen Mediums im Jahr 1924 verlangte nach tiefergehender Fachliteratur für die wachsende Zahl von Radio-Enthusiasten und Technikern.

Die renommierte Fachzeitschrift „Radiowelt“ griff dieses Informationsbedürfnis in ihrer 29. Ausgabe auf und veröffentlichte detaillierte Auszüge aus dem damals frisch erschienenen Buch „Was ist Radio?“, verfasst von Kapitän Emo Descovich.

Das Werk bot eine fundierte, systematische Einführung in die Radiotechnik und galt in der Frühphase des österreichischen Rundfunks als maßgebliches populärwissenschaftliches Standardwerk zur Erklärung der drahtlosen Signalübertragung.

Quelle: Radiowelt, 1. Jahrgang, Nr. 29, 1924.

TECHNIK UND // VERKEHRSWESEN

Stereo-Hören. Von Emo Descovich. Textauszug

Bei Sprechmaschinen wie bei Radiogeräten wird oft ein Mangel in Bezug auf die Natürlichkeit der Wiedergabe empfunden. In jener Richtung sind zwei verschiedene Bestrebungen im Gange. Dabei geht es vor allem darum, das Gefühl der Wiedergabe durch eine Sprechmaschine oder durch Rundfunkübertragung dank des unzulänglichen Hörens eines bloßen Tones zu verbessern, unser Tonsinn zu täuschen. .... Für Rundfunkzwecke kann man nun, statt der Aufnahme eine Gehörverzögerungsplatte und in das Trichter hineingeschiebt, die auf beiden Ohren eine Phasenverzögerung, die zur Erzeugung des Stereoeindrucks im Hören zu sagen sind, noch vorübergehend die Täuschung auf freiem Platze ruft.

In neuester Zeit hat man sich diesem Übelstand zu erleichtern gesucht durch Heranziehung der Radiotechnik zu diesem Zweck. Man kann auch mehr in der Technik davon sprechen, als ein Schulbeispiel dafür zu geben, die Aufnahmeausrüstung eines Mikrofons derartig anzuordnen, um dadurch jene Einwirkung hervorzurufen, welche ein Hörer im Konzertsaal unter ganz normalen Verhältnissen genießt. .... Deren verschiedene Signale werden durch besondere Leitungen getrennt, über den Umweg auf die je nach der Filtermethode und Apparatekonstruktion abgestimmten Empfänger in den Kopfhörern respektive Lautsprechern geführt, d. h. so, daß das linke Ohr jenes Signal erhält, welches für die Schallaufnahme durch das entsprechend an einer oder anderen Stelle installierte Mikrofon bestimmt ist. Die Trennung dieser Signale bleibt der Witz der ganzen Sache, da ein Mangel an seiner Klarheit den Stereoeffekt beeinträchtigt. Aber man kann an dieser Stelle das Bestreben sehen, mit recht im geringen Maße eine Stereo-Wiedergabe herbeizuführen, die in recht vielen Jahren eine solche Stereo-Tonkunst vollkommen erarbeitet und allgemein nutzbringend verbreiten wird. Dasjenige wird eine plastischere Wirkung erzielen als ein einfacher Trichter.

Ein ähnliches, von demselben Prinzip geleitetes Verfahren hat der Wiener Radiotechniker Alfred Steyrer bei gleichen Bestrebungen angewendet. In seiner Fachzeitschrift „Funk“ besteht seine Anordnung darin, daß auf jeder Dynamikstufe des Radiogerätes ein Schwingkreis geschaltet wird. Die Tonsignale dienen als Schallwellen und werden somit den Trichtern auf einen Bestimmungsort gebracht. Dieses ist so eingerichtet, daß voneinander der Abstand derselbe wie bei den Ohren ist, also nach der menschlichen Physiologie. Dadurch soll ein vollwertig natürlicher Stereoeffekt plastisch und natürlich und fast für eine bewundernswerte Akustik auf diese einfache Weise erzielen.

Bei der Wiedergabe von Radiosendungen kann somit erst noch ein anderer Zustand überall im Zimmer entstehen, wo man der Musikaufnahme zuhört und zwar so, daß der Zuhörer die Orientierung und die Natur der Musik, bzw. des Konzertes, wie im Konzertsaal vorzufinden, in Bezug auf die Hörbarkeit als genau natürlich hat das wäre ein beachtlicher Fortschritt.

.... Die Wichtigkeit der technologischen Untersuchung macht dieses Thema hier zu einem der wertvollsten Forschungsobjekte der Gegenwart und der Zukunftsgeschichte.

Quelle: Neue Freie Presse, 26. März 1927

Wehrwissenschaftliche Vorträge im Zweiten Weltkrieg: Das Schlachtschiff als Rückgrat der Flotte (1942)

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs war Emo Descovich, mittlerweile im Rang eines Korvettenkapitäns, weiterhin als wehrwissenschaftlicher Referent und Publizist aktiv.

Am Dienstag, dem 26. Mai 1942, hielt er im vollbesetzten Saal des „Hauses der Technik“ einen vielbeachteten Lichtbildervortrag. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften sowie dem NS-Bund deutscher Techniker organisiert und widmete sich dem hochaktuellen Thema „Das Schlachtschiff – Rückgrat der Flotte“.

In seinen Ausführungen bot Descovich zunächst einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung dieses Schiffstyps und setzte sich anschließend kritisch mit den vor dem Krieg aufgekommenen Zweifeln an dessen militärischer Zweckmäßigkeit auseinander.

Trotz des rasanten Aufschwungs von Luft- und Torpedowaffen argumentiert er gegen die Ansicht, das Schlachtschiff sei technologisch überholt. Während nahe der Küsten Landstützpunkte diese Funktion übernehmen könnten, bleibe das Schlachtschiff auf hoher See der unverzichtbare Rückhalt und das Rückgrat jeder Flotte.

Descovich schloss seinen Vortrag mit der Feststellung, dass das Schlachtschiff zwar oft totgesagt worden, jedoch stets gestärkt daraus hervorgegangen sei.

Quelle: Neues Wiener Tagblatt, 76. Jahrgang, Nr. 144, Mittwoch, 27. Mai 1942, S. 4.

Die Nachkriegsära und die Volksbildung:

Edison-Feiern im Technischen Museum Wien (1947)

Im Februar 1947 stand die Wiener Kultur- und Techniklandschaft ganz im Zeichen des 100. Geburtstages des legendären amerikanischen Erfinders Thomas Alva Edison. Zu diesem Anlass initiierte das Technische Museum in Wien eine Reihe feierlicher Abend- und Sonntagsveranstaltungen, bei denen Emo Descovich erneut seine herausragende Rolle in der populärwissenschaftlichen Volksbildung unter Beweis stellte.

Am Sonntag, dem 9. Februar 1947, hielt Regierungsrat Descovich vor großem Publikum einen Lichtbildervortrag mit dem Titel „Edison, der große Amerikaner, als Techniker und als Mensch“.

Flankiert wurden die Feierlichkeiten am darauffolgenden Sonntag durch die Vorführung des zeitgenössischen US-Spielfilms „Der junge Edison“.

Quelle: Welt am Abend, 2. Jahrgang, Nr. 33, Samstag, 8. Februar 1947, S. 4.
 

Nachruf auf einen Rundfunkpioneer:

Zum Ableben von Regierungsrat Emo Descovich (1952)

Ein bedeutender Rückblick auf die frühen Wegbereiter der österreichischen Medien- und Techniklandschaft führt in das Jahr 1952.

Am Dienstag, dem 1. April 1952, verstarb Regierungsrat Emo Descovich im 75. Lebensjahr. Descovich zählte zu den maßgeblichen Pionieren auf dem Gebiet des nationalen Radiowesens. Besondere Anerkennung erlangte er weit über die Grenzen Österreichs hinaus durch seine Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse in gemeinverständlicher Form zu publizieren. Neben seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen war er auch journalistisch prägend aktiv; nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 gehörte er dem Redaktionsstab des Allgemeinen Nachrichtendienstes (AND) an.

Quelle: Wiener Kurier, Ausgabe vom 4. April 1952, S. 2 (Meldung des AND/WK).


Versuch einer Einordnung seines Lebenswerkes


Die schiere Fülle seiner Aktivitäten lassen keinen Zweifel am überproportionalen persönlichen Engagement, einem Talent und Willen seines Tuns.

Gesamtchronologisch Betrachtet hatte er als junger Marineangehöriger das Glück gepaart mit dem Gespür für die Zeit mit der neuen Technik der Funk Telegraphie schon sehr früh an seiner Entstehung intensiv Fühlung zu nehmen. Das militärische Umfeld in Friedenszeiten ihm auch die Zeit und Möglichkeit verschaffen ließ.

Hinzu kommt seine Leidenschaft für die Seestreitkräfte der k&k Marine im Allgemeinen zu dem sich ein Interesse für alles Technische aber auch Völkerkundliche hinzu addiert und ihm extrem vielseitig auftreten hat lassen.

Glück auch, das er seine jungen Militärjahre noch zur Zeit VOR dem Ersten Weltkrieg absolviert hatte was ihm das hohe Risiko eines Einsatzes als reines "Kanonenfutter" als einfacher Marinematrose ersparte.

Wie er, angenommenerweise als Monarchist, die Zeit der Ersten Republik politisch wahrgenommen hat bleibt hier noch offen.

Er dürfte zudem seine berufliche Tätigkeit als Beamter und die daraus resultierenden bzw. lenkbaren Kontakte und Themenfelder elegant für seine privat motivierten Tätigkeiten verwertet haben.
Ob sich hier ein bekanntes Klischee über Beamte im Allgemeinen ableiten läßt soll dahingestellt bleiben.
 

Seine militärische Laufbahn und fachlichen Interessen kamen auch in dieser Zeit zum Ausdruck was ebenso auch für die Zeit des Zweiten Weltkrieges zutrifft.

Glück auch, das er ab 1938 für den aktiven Dienst in der Wehrmacht mit 60 Lebensjahren letztlich wohl zu alt war.
Inwieweit und wie er in dieser Zeit "Farbe" bekannt hat?
Als Beamter im Staatsdienst hätte er wohl ein klares Bekenntnis zum Dritten Reich abgeben müssen was ihm als in der Herkunft der k&k Zeit, in der er ebenso noch auf den Kaiser seinen Eid abgelegt hat wahrscheinlich nicht möglich war.

Möglich war ihm dennoch die laufende thematische Begleitung der Wehrmacht/Marine und deren Waffensysteme über die Kriegszeit hinweg auch im Radio was eine zumindets pragmatische Zusammenarbeit mit den NS Organisationen bedingt haben dürfte.

Er abschließend in seinem Leben die ersten sieben Jahre des Wiederaufbaues Österreichs aber auch des Auflebens der Technik noch erleben konnte./span>

Quellen und Verweise (Auszug)

  1. Oesterreichisch-ungarische Buchhändler-Correspondenz, Nr. 46, 55. Jahrgang, 18. November 1914, S. 595.
  2. Der Radiohändler, 1. Jahrgang, Heft 1, 15. Februar 1924, S. 1–2.
  3. Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz, Nr. 12, 21. März 1924, S. 161.
  4. Radiowelt, 1. Jahrgang, Nr. 29, 1924.
  5. Neues Wiener Tagblatt, 76. Jahrgang, Nr. 144, Mittwoch, 27. Mai 1942, S. 4.
  6. Welt am Abend, 2. Jahrgang, Nr. 33, Samstag, 8. Februar 1947, S. 4.
  7. Badener Zeitung, 68. Jahrgang, Nr. 97, Samstag, 6. Dezember 1947, S. 4.
  8. Wiener Kurier, Ausgabe vom 4. April 1952, S. 2.

Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

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Textzusammenstellung 6-7/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 18.06.26