Einblicke in den MÜTER BMR-90 Bildröhren Meß-Regenerator 

   Müter BMR90

 Bild: Mobiler Defibrillator für die emissionsschwache Bildröhre. Alles im Koffer bereit zur Lebensverlängerung.


EINLEITUNG:

Im Privatgewerbe der einstigen Fernsehservicebetriebe war der Besitz und die stete Anwendung eines Bildröhrenmeßgerätes mit integrierter Regenerierfunktion kaum wegzudenken.

War es doch meist weniger die befürchtete Annahme eines Kunden mit seinem plötzlich nicht mehr funktionierenden defekten TV, wonach dieser nun wegen einer irreparabel beschädigten Bildröhre wirtschaftlich das Zeitliche gesegnet hätte.

So sah eher noch der Techniker, dass die Bildröhre schon am Ende ihrer Leuchtkraft, ihrer Schärfe, einem brauchbaren Kontrast oder auch einem homogenen Farbbild angelangt war. Also eher die Frage der Qualität denn der reinen Funktionalität noch "ein Licht" abzugeben im Raum stand.

An dieser Stelle kam zumeist in den Werkstätten das Bildröhrenmeßgerät zum Einsatz um die "Katoden" zu schießen falls denn da noch was gehen sollte und man das "Ende" noch eine Zeitlang hinausschieben konnte.

Bild: Fehler mit der Lupe suchen. Gewissenhafte Untersuchung der Farbtrippeldeckung am Anfang der Farb-TV Ära. Quelle: Funkschau 1967

Je nach Zustand der Röhre, Marke, Type, dem Baujahr usw., aber auch den Betriebsstunden konnte so mitunter noch so mancher Monat, vielleicht auch mehr aus der Röhre herausgeholt werden ehe deren Systeme selbige endgültig "ausgelutscht", sprich verbraucht war.

Der König der Regeneriergeräte kam dabei nicht unbedingt von der tatsächlich renommierten und weit verbreiteten Marke in Sachen Werkstattausrüstung und Zubehör der Deutschen >König Electronic GmbH< sondern von der Firma >Ulrich Müter<, aus Oer-Erkenschwick.

Ebenso nicht unerwähnt bleiben soll auch die Fa. STOLLE als weiterer Hersteller solcher Gerätschaft.

Deren Modellfamilie entwickelte sich über die Jahrzehnte der s/w TV Zeit bis zum Ende der Bildröhrenära was auch den Markt für diese eher teuren Geräten ob deren Manufakturfertigung enden ließ.

Nicht zu vergessen ist auch der Markt am Service von allen Arten von (Computer-)Monitoren wie auch Spielkonsolen die allesamt noch mit Bildröhren bestückt waren.

Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Evolution in der Bildröhrenrettung

  3. Bekannte Modelle von Müter

  4. Modifikationen?

  5. Kritik

  6. Fehlersuche/Reparatur

  7. Messungen

  8. Quellen und Verweise


Evolution in der Bildröhrenrettung

Die Anfänge, ohne hier in die tiefen Details der Bildröhrenregenerierung und chemischen Systemzusammensetzung gehen zu wollen bestanden aus einfachen Transformatoren zum Überheizen der Bildröhre und dem "Schießen" der Katoden zum Befreien von Ablagerungen bzw. dem "Herausschießen" von Kurzschlüssen zwischen den Röhrensystemen wie Gitter, Wehneltzylinder usw..

Der einfache Weg der in den 1950er und 1960er Jahren begangen werden konnte, das war der umfassende Einbau von extra Transformatoren die eben sekundärseitig eine höhere Heizspannung für die Bildröhre boten, jedoch den Maximalstrom von 300mA nicht überschritten.

"Zufall" nannte es mein einstiger Ausbildnerchef in der Grundig Lehrwerkstätte der dieses Treiben noch aus eigenem Erlebten in der Wiener Zieglergasse am Standort der Firma MINERVA her kannte.

Ein einfacher zudem preiswerter "Klingeltrafo" mit einem 8V Abgriff anstelle der geforderten 6,3 Volt bei einer Sättigung des Trafos bei max. 300mA am Ausgang bot diese Lösung an.

Bild: Einer dieser Massenhaft verwendeten "Elektrikerware" für den Betrieb von Hausklingeln.

 

FOLGT

Bild: Beispiel eines nachgerüsteten Trafos in einem alten s/w TV.

In den USA, deren TV's hatten allesamt Netzteile mit Netztransformator kam ein sogenannter Picture Brightener als einfach zwischen dem  Röhrenfassung und dem Sockel zu steckender Trafopatrone hinein die diesen Job vollbringen konnte.

Bild: Beispiele der unzähligen USA Typen

 

Anders bei uns, die wir fast ausnahmslos nicht netzgetrennte Allstromfernsehgeräte mit einer Serienheizung aller Röhren, gemischte E und P Typen hatten mit eben den standardisierten 300mA Heizkreisen.

Hier musste nach Entfernen der Bildröhrenheizung dieser Verbraucher durch einen Ersatzwiderstand im Heizkreis ersetzt werden ehe die Bildröhre von besagten eigenem Trafo versorgt werden konnte.


MÜTER Modelle an Bildröhrenmeß-Regenerationsgeräten

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind die MÜTER Modelle bekannt:

BMR 3, BMR 4, BMR 5, BMR 6, BMR 7

BMR 44

BMR 80, BMR 90, BMR 90 NEU, BMR 95

BMR 107, BMR 500, BMR 700, BMR 2005

Je höher die Modellnummer, desto Ausgereifter und Bediensicherer wurden die Geräte.

Bild: GGS Printfertigung - "BMR 80 B" so zu lesen im BMR 90


Bildröhrenregenerieren wird zur Chefsache:

Eine gar per Schlüsselschalter versperrbare Funktion, der "CHEFSCHALTER" erlaubte dabei nur Befugten die wussten was sie taten die Ausführung der erweiterten Regenerierung und die mit den Folgekonsequenzen einer im Risikofall endgültig zerstörten Bildröhre auch kaufmännisch gegenüber dem Kunden adäquat umgehen konnten.

Eben in der Regel vielfach der "Chef".


Mein Müter

Wobei mein Müter BMR 90 schon vor einigen Jahren Einzug in meine Sammlung nahm, wiewohl es bis dato noch nicht eingesetzt wurde.

Gebaut wurde es scheinbar um 1986 was sich aus den Datumcodes an den japanischen "2 Jewels" Meßwerken, spätere Ausführungen hatten sie "made in Taiwan" extrahieren läßt und was 2026 runde 40 Jahre an Alter bedeuten.

Der ebenso noch verbaute BU208 Transistor bestätigt diese Indizien. Ebenso ist die beiliegende Adapterauflistung mit 1984 datiert.

Bild: A-B-BU und drin warst du...

Wie so oft ist im Inneren das eine oder andere Anders als in der bekannten Schaltung sowie in der Bedienungsanleitung beschrieben.


Anders als Gedacht?

Der spontane Anlaß zur rein informativen Messung an einem frühen 1970er HITACHI PAL Farb-TV, siehe Beitrag, verlief im Sande, da der hierfür nötige Adapter leider nicht im durchaus umfangreichen Portefeuille mit dabei war.

Nicht besser ging es mir mit einer gewöhnlichen AW43-80 s/w Standardröhre aus den 1950er Jahren, da eben solch alte Geräte eine in den 1980ern moderne TV-Service-Werkstatt kaum mehr bis überhaupt nicht mehr gebraucht hat.

Es ging ja da nicht um nostalgische Reminiszenzen sondern um das harte gewinnbringende zudem zeiteffizient abzuwickelnde Alltagsgeschäft mit eben zeitgenösischen Farbfernsehgeräten.

Das Suchen nach einem Angebot für den nötigen Müter Adapter Nr. 812 bringt vermutlich nichts.

Deshalb bot sich der Selbstbau eines "Universaladapters " an.

Der User "Hardwaredoktor" ließ sich in einem Forum dankenswerterweise 2004 zum Thema bereits aus und beschrieb die Beschaltung der Adapter und Kontakte:

12polige Steckverbindung am BMR, gesehen von der Lötseite im Stecker aus, Kabelstrang nach unten!

    linke Reihe:   rechte Reihe:  
      schwarz    weiß
      rot    braun
      grün   frei
      gelb   Lücke
      frei   frei
      frei   blau
          grau
          rosa
           

9poliger Rundstecker,

1 = braun, 2 = rot, 3 = rosa, 4 = gelb, 5 = grün, 6 = blau, 7 = grau, 8 = weiß, 9 = schwarz


Gab es Modifikationen?Müter BMR90

Bild: Einblicke in eine Art Beschaltung die man eher in den 1950er Jahren verorten würde. Lampenspiele gleich dreimal.

Anders als im Schaltplan ersichtlich, finden sich in meinem Modell mit Ser. Nr. >41024< drei Vorschaltlampen mit E14 Gewinde verbaut. Wie in diversen Gerätevorstellungen ersichtlich war dies auch bei anderen BMR90 wohl ab einer bestimmten Seriennummer der Fall.

Es findet sich das Fabrikat "Südlicht" 220-230 V, 25 W, sowie 2 x parallel OSRAM 6524 ITALY 260/220V 10/6.

 

Bilder: Deutsch-Österreichischer Patriotismus durch Südlicht und Osram Fabrikate

Wahrnehmungen:

Bild: Kann sich wirklich bei Müter eine Mutter so viele Windungen über selbst freilösen?

Eine weitere in der Anleitung nicht beschriebene 4 mm Buchse ist seitlich montiert und bestückt. Vermutlich als Anodenanschluß für die erweiterte dem "Chef" vorbehaltene Regenerierstufe.


Kritik:

Diese Werkstattausrüstungen waren im Vergleich zu den Kundengeräten der Unterhaltungselektronik ein Nischenprodukt was eben nur spezialisierte Firmen abdecken konnten oder wollten.

Technisch im Sinne des Aufbaues wie auch der Schaltung selbst war nicht allzuviel dran.

Mehr steckte wohl in der der Manufaktur wie sich erkennen läßt.

Also eher einer Einzelgerätefertigung, zwar mit Printplatte, der Rest scheint mehr dem Telefonanlagenbau entlehnt zu sein.

Der Hauptaufwand mag in der Erstentwicklung und laufenden Weiterentwicklung parallel zu stets neuen Bildröhrentypen nebst der Kundenpflege gelegen haben.

Richtig gemacht wird es aber auch ein einträgliches Geschäftsmodell gewesen sein, das höhere Gewinnmargen denn die seinerzeitige industrielle Massenelektronik bot.

So sollen rund 1.400,- Euro der Kaufpreis eines 90ers gewesen sein. Vergleichsweise viel Geld für so wenig Hardware das aber bei häufiger Anwendung wiederum Geld in die Kasse des Reparaturbetriebes, nicht zuletzt mit so aufgearbeiteten Gebrauchtfernsehgeräten spülen konnte.

Siehe dazu meine Erinnerung an die Lehrzeit als TV Techniker.


Proprietäres

Es dürfte eben Müter mit den nachzukaufenden Adaptern zumindest wie man sagen würde einen laufende Deckungsbeitrag generiert haben was eine transparente Kommunikation der Bildröhren Schnittstelle vermutlich nicht zum Ziel gehabt haben dürfte.

Gegen Ende der Bildröhrenzeit sollen es rund 50 Euro je Adapter gewesen sein.

Einerseits nachvollziehbar, andererseits für einen vielleicht nur einmal benötigten Adapter den man kaum 1:1 dem Kunden weiterverrechnen konnte war dies mitunter zuviel.

Weiters die Mehrsteckerbuchse am Gerät einen Exoten darstellt, den man seinerzeit problemlos auch mit überall erhältlichen Centronics Buchsen/Steckern beliebiger PIN Anzahl hätte realisieren können.


 

Fehlersuche und Reparatur:

  1. Die lose Verschraubung zu beheben ist selbstredend.

  2. Ein 10µF/350V Elko wirkt etwas aufgebläht weshalb wir ihm eine dauerhafte Diet im Sinne einer Erneuerung verpassen. Der tatsächliche Wert war aber doch nicht ernsthaft als defekt wahrnehmbar.

Da ich aber drei 450V Typen auf Lager hatte kamen gleich alle drei Elkos dran, was beim doppelt kaschierten Print etwas anstrengend ist.

Aufwendig ist das Ablöten der zudem eher schlampig geführten Glühlampenverdrahtung (so wäre das einst selbst bei einer Lehrlingsarbeit zumindest kritisiert worden) ehe mit dem Lösen von zwei Schrauben die Agreggatplatine herausgeklappt werden kann. Um später vice-versa wieder seinen angestammten Platz einzunehmen.

Lt. leider eher schlecht lesbarem Schaltbild ist eine Art VDR dem Trafo primärseitig vorgeschaltet. Da es kein entsprechendes Bauteil gibt, nehme ich an es handelt sich um eine im Inneren integrierte Thermosicherung.

Je nach Prüf- bzw. Regenerationszyklus wird die Primärseite des Trafos an unterschiedliche Anzapfungen geschaltet. Warum man das nicht nur sekundärseitig gemacht hat bleibt mir unbeantwortet. Vielleicht wollte man die höheren Ströme nicht über die Schalter und Taster schicken?

So vermute ich, es werden die 200V, 220V, 230V und 240V Anzapfung sein.

Spoiler: Es ist ein 220V Trafo mit einer plus 30% und plus 40% Anzapfung. Sekundärseitig liefert er 0-2,7-6,3-11-12,6 V wie ein überlebendes Typenschild am Gerät eines anderen Sammlers überliefert.

Ein nomineller 220V Trafo war aber auch für die 1980er Jahre schon outdatet da 230V angesagt gewesen wären. Umso mehr ist das heute der Fall.


Tastenaggregat - Es platzt (einem) der Kragen

Weil man ja noch nicht genug zu tun hat, das Thema "Müter" sich zudem ohnehin basierend auf einer anderen Gerätereparatur gewissermaßen zwangsweise "eingeschoben" hatte ärgern einem weitere aufkommende Fehler umso mehr.

Leider brach wohl durch Alterung alleine, denn die Benutzung der erweiterten Regenerationsfunktion kann es von der Häufigkeit her kaum gewesen sein, das bei einem der Kontaktschieber selbiger stecken blieb.

Dieses da der Kunststoffhaltekragen an einem Schieber brach, was die Endposition der Rückkzugsfeder um ca. 5 mm und damit zuviel verschob als das das Aggregat noch brauchbar umschalten hätte können.

Aufwendig war es hier eine Fummelei zu finden die das irgendwie kompensieren kann.

So löste ich letztlich den Schieber aus der Führung, wie ein "Haftelmacher" darauf bedacht ja keine Kontaktstreifen und Federn dabei wegspringen zu lassen,

Fertigte ein Anprallplättchen aus einer Beilagscheibe passgenau aus. Bohrte mit einem 0,8 mm Bohrer durch die sich sonst immer wegschiebende Tastenabdeckung und baute alles wieder zusammen.

Durch das Loch kam der obligatorisch abgebrochene dünne Bohrer als Splint. Alles wurde leicht verklebt und funktionierte auf Anhieb.

Das Einfädeln aber ließ dann leider zwei Schieber wegspringen mit entsprechendem zeitlichen Mehraufwand.

Mich wunderte nur, dass diese Schieberkontakte wie neu aussahen, eben anders als die meist extrem Abgenutzten wie ich sie u.a. von GRUNDIG Ocean Boy oder Satellit her kannte.


Praktische Messungen

Folgt bei Gelegenheit



Quellen und Verweise:

  1. Eigenes Originalgerät, BMR90, Ser. Nr. 41024 aus geschätzt 1984

  2. Schaltung auf RM.org; (schlecht lesbar) abgerufen am 18.6.2026

  3. https://www.crowave.com/blog/2023/03/31/muter-bmr-90/, abgerufen am 18.6.2026

  4. https://www.iwenzo.de/threads/mueter-bmr-universaladapter-fuer-alle-roehren-selbst-gemacht.5885/ , abgerufen am 18.6.2026

 


© Textzusammenstellung 6/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 27.06.26