Thema: Ist das Röhrentestgerät "ROETEST" Computer-Röhrenmessgerät empfehlenswert für den Nachbau?

Beitragsstand: 11/2012-1/2013; Softwareversion V.17; Hardwareversion V 6.2 

Der Autor arbeitet 2022 an einer Neuauflage des Artikels der die zwischenzeitlichen Erweiterungen mitberücksichtigen wird.  

! Achtung: Dieses Mustergerät und einige Adapter stehen zum Verkauf ! Anfragen an office klammeraffe scheida punkt at. ! 

ROETEST V 6.2 Bilder und Nachbauanleitung

 

Einleitung: 

Gilt die Liebe von „Radioten“ und anverwandten Elektronikliebhabern der Beschäftigung mit in die Jahre gekommener Materie, so verwendet selbige Gruppe in der Regel dennoch eher ein modernes Messgerät zum Beispiel in Form eines Digitalmultimeters anstelle eines alten analogen Zeigerinstruments aus den 1930er Jahren oder eines Oszilloskops aus den 1940er Jahren für Messungen und Reparaturarbeiten. Insbesondere dann wenn man es einmal "wirklich genau" wissen will.

Geht es hingegen um das Messen des werten Befindens der Röhren die in unseren Sammlergeräten still aber dafür warmherzig vor sich hin werken oder für den Tag X im Karton eingelagert sind, so werden anachronistischer Weise nach wie vor mittlerweile hoch betagte und antike Röhrenmessgeräte wie etwa von Funke & Co. frisch aus dem Geriatriezentrum kommend eingesetzt, die zum Teil um teures Geld auf Auktionen ersteigert wurden um damit die Einhaltung der Werte noch ganz im romantischen Stil der altvorderen Rundfunkmechaniker zu überprüfen.

Funke W20 Analoges Röhrentestgerät aus den 1950er Jahren

Bild: Das "gute alte" Funke W20 Röhrenmeßgerät aus den 1950/60er Jahren. Gut für die zeitgenössische Ausstattung eines Radiowerkstattmuseums, aber noch vollwertig brauchbar für heutige Anforderungen?

 

Wer dies öfter, mit zudem Mehrfachsystemröhren (z.B. der ECC8x oder gar einer EABC80 etc.) durchführt, wird sich bald die Frage nach einem bequemer zu bedienenden, schnelleren und genaueren modernen adäquaten Messinstrument für die weitgehend automatisierte Röhrenprüfung, aber auch für die Kennlinienaufnahme und Dokumentation selbiger stellen. Hinzu kommt ein Verlust der einstig vorhandenen Meßgenauigkeit dieser alten Geräte nach so vielen Jahrzehnten der Verwendung und Lagerung (Stichwort: Nachlassender Magnetismus im Messwerk) nebst Kontaktproblemen bei Umschaltern, Potentiometern und Fassungen.

Die Lösung: 

Für den Sprung in die (leistbare) Moderne des 21. Jahrhunderts hat unser GFGF & RMorg Mitglied Herr Helmut Weigl ein gänzlich neues PC unterstütztes Messgerät entwickelt. Dieses wird zum Selbstnachbau teilweise in Form von Printplatten, einem Spezialtrafo und den PIC Programer auf seiner Webpage käuflich angeboten.

Die grundsätzliche vielfältige Leistungsbandbreite eines solchen letztlich fertig gebauten als >ROETEST< bezeichneten Geräts das zwischenzeitlich auch von gewerblichen Röhrenhändlern bereits eingesetzt wird führe ich aus Platzgründen hier nicht aus.

Der umfangreiche, jedoch allgemein auch für engagierte Hobbyelektroniker angepriesene Nachbau wird zudem anhand einiger Nachbauversionen an denen sich die bisherigen evolutionären Entwicklungsstadien nachvollziehen lassen ausführlich auf der Internet Seite des Entwicklers abgebildet.

Es folgt die Auseinandersetzung mit den Fragen:  

Vorweg sei dem Entwickler Herrn Helmut Weigl Respekt dafür gezollt, vom Stand weg ein modernes Messgerät mit dieser Güte zudem im Alleingang zu entwickeln und soviel Herzblut in eine Sache zu investieren.

Auch die Betreuung per Email während des Testaufbaus erfolgte am Beispiel des Musternachbaues stets prompt und freundlich.

Allfällig hier angeführte Kritikpunkte sind folglich lediglich einer weiteren Steigerung hin zur Vervollkommnung geschuldet, so nach dem Motto, das Bessere sei der Feind des Guten. Hinzu kommen Unzulänglichkeiten beim Nachbau die nicht ursächlich dem Entwickler zuzuordnen sind.

Für welche Anwender ist das ROETEST sinnvoll?

 

Der grundsätzliche Ablauf für Nachbauwillige:

Hat man sich entschlossen so ein Gerät zu bauen und die benötigte Zeit (mit Reserve!), den Platz und die finanziellen Mittel reserviert, dann ist man mit folgenden Arbeitsschritten konfrontiert:

 

Das ROETEST V6 V6.2 Teil der Materialaufstellung ROETEST Teile ROETEST Plexizuschnitte ROETEST Röhrenmesscomputer Koffer

Bild: Teilaufstellung der benötigten elektrisch-/ elektronischen Komponenten des ROETEST V6; Der endlich gefundene "Edel-Koffer" der seinem späteren Inneren gerecht wird; Röhrenfassungen; Plexiglaszuschnitte; Zusatzwerkzeug das bisher nicht in der Werkstatt gebraucht wurde;  

  

Der Aufbau:

Der rein elektrische Aufbau selbst sowie das Einmessen ist ob der perfekten Printplatten des Entwicklers mit Bauteilwertaufdrucken hier ohne besonderer Erwähnung und sollte von jedem der "einen Lötkolben halten kann" zu schaffen sein. Bei der Menge an Bauteilen kann einem aber schon einmal die Übersicht verloren gehen. "Haarig" wird es eigentlich nur beim Einlöten des SMD USB Treiber IC´s der bei "reiferen Nachbausemestern" nach der Anschaffung einer Lötnadel und idealerweise einer Lupe unter gutem Licht verlangt. Einige Bauteile sind zudem auf der Lötseite zu befestigen, eines im Huckepack-Verfahren auf ein anderes drauf. Eine Lötbrücke ist zu setzen.  

Was noch für Irritationen sorgte ist die klare Platzierungszuordnung der Relais da vereinzelt zwischen den Ein- und Zweipoligen Typen bei der Bestückung richtig zu unterscheiden ist und man dann die Typen trennen muss.

Auch das seitenrichtige (Ist aber ohnehin markiert) Einlöten der 64 poligen Messerkontaktleisten am Hauptprint ist nicht unwesentlich. Gnade dem, der hier einmal verkehrt einlötet und dann 64 Pins aus durchkontaktieren Lötösen im Print wieder herauszubringen versucht.

Etwas Verwirrung beim Aufbau, aber leider auch im Bestellwesen sorgte im Fall des Autors der Wechsel des Entwicklers von der Version V6 auf V6.2, wo vereinzelte Bauteile nun "ohne Warnung" plötzlich andere Werte aufwiesen und eine Nachbestellung erforderlich machte. Möglich, dass dies auch in Zukunft fallweise weiterentwickelte Versionen jeweils in der ersten Zeit nach dem Release betreffen kann. Ansonsten wird die Bauteiledatenbank vom Entwickler upgedated auf seine Homepage gestellt. 

ROETEST Chassis ROETEST Anschlussbox

Bild: Das bestückte und zusammengebaute Chassis mit allen erhältlichen Modulen & Detailansicht der "Dockingbox"

 

Leidlich erwies sich die gesamte Bestellprozedur beim unverbindlich empfohlenen Elektronikversand REICHELT. 

So bestätigt deren Online Bestellsystem zwar häufig eine prompte Lieferverfügbarkeit der benötigten Bauteile. Nach der Bestellung und der Geld Vorauszahlung will man dort aber wiederholt plötzlich „nichts mehr davon wissen“ (Stand August bis November 2012).

Kleinweise erhält man in Folge Nachlieferungen was mitunter sehr lästig und aufwendig sein kann. Der Versand RS-Components nimmt sich hier ebenso ein gutes Beispiel und liefert wiederholt nach. Hinzu kommt das Besorgen von Verbindungskabelleitungen in den richtigen Querschnitten und anderen mechanischen Kleinteilen.

Wer stets zu hause ist und die einzeln eintrudelnden Paketdienste empfangen kann wird damit weniger Probleme haben. Wer aber ohnehin beschäftigt ist, zügig die Sache angehen und fertig stellen möchte schon eher. Ich wollte ursprünglich eigentlich zu letzteren gehören. So aber stand das Projekt wiederholt und kostete sehr viel neue Anlaufzeit um wiederholt in die Materie wieder hinein zu kommen. 

Dieser Lieferant bleibt aber bis auf weiteres weiterhin die "erste Wahl" ob deren interessanter Preisgestaltung, und da es eben eine fertige mitgelieferte Bauteiledatenbank für diesen Anbieter gibt.

 

>Der logistische Aufwand des Bestellens und der Nachkontrolle hat ohne Übertreiben den Aufwand für den elektrischen Zusammenbau im Fall des Musternachbaues mehr als deutlich übertroffen. Der mechanische Aufbau ist für Elektroniker ebenfalls eine weit größere Herausforderung als die Bestückung elektronischer Komponenten und den Verdrahtungen!<

Zeit die zum Austüfteln eleganter mechanischer Lösungen benötigt wird kommt nochmals zur späteren eigentlichen Handarbeit hinzu.

Die Mechanik:

Dazu gehört 

 

Bilder: Beispiele von Röhrenfassungsboxen für gebräuchliche Röhrentypen. Kombifassungsboxen sind Themen- bzw. Epochemäßig gewählt worden. 

 

 

 

 

 

 

 

Röhrenfassungsadapter Halterung mit "Universal Klemmen" und "Stiftröhrenfassung"

ROETEST_Universal-Klemmenadapter_Stiftröhrenfassung

 

Anodenspannungskappen für z.B. der "roten Serie" EK1 sowie der PL81 Fernsehröhre 

ROETEST_Gitterkappenadapter

 

 

ROETEST_Andockadapter

 

ROETEST_V6,2_2012_front

Bild: Das (fast) fertige Gerät mit interessanten Detaillösungen 

 

Der Abgleich des Geräts:

Nicht gleich klar ersichtlich war, wo man nach erfolgreichen Anschließen des ROETEST`s per USB, dem Treiberladen und dem Installieren der Software den Testmodus in der Softwaresteuerung aufrufen kann. Erst nach einiger Zeit fand sich das Optionen/Test Menu rechts im Unter- bzw. Nebenordner "B" versteckt. Damit sind unter anderem die Funktion des I²C Bus und der einzelnen Relais schon einmal vorweg zu prüfen.   

Auch war die mitgegebene (elektronische) Literatur der bereits weiterentwickelten Software etwas hinten nach, bzw. die verschiedenen Versionen sorgten vereinzelt für Verwirrung.  

(Weiteres folgt)

Beim Abgleich, der zwar beschrieben ist zeigt sich das jemand der täglich mit der Sache zu tun hat vieles Selbstverständlich nimmt oder bei Elektronikern einfach voraussetzt diverses zu Hause zu haben.

 

Getätigte Modifikationen zum (unverbindlichen) Nachbauvorschlag des Entwicklers:

          Diese Erwärmung wollte ich anfangs nur passiv durch Lüftungsöffnungen und der erwarteten Zirkulation aus dem Gerät bringen. Noch vor den mechanischen Detailarbeiten jedoch fand ich den Punkt in der Software mit dessen Hilfe I²C Bus gesteuert ein Temperaturfühler einen Lüftungsventilator zuschalten kann. Diese Lösung hat mich letztlich überzeugt und die dafür erforderlichen Bauelemente unter Bedacht auf eine hohe Laufruhe nachrüsten lassen. Dafür sei auch dem Entwickler gedankt für seine unbürokratische materielle Teilunterstützung.

Vorläufiges Zwischenfazit: 

Der Nachbau empfiehlt sich nach Ansicht des Autors wahlweise für (Hobby-)Elektroniker die entweder nur bescheidene Ansprüche an die zu schaffende Gerätemechanik und dem Gehäusedesign stellen, oder aber in der mechanischen Materialbearbeitung erfahren und entsprechend mit Platz und Werkzeugausrüstung gesegnet sind. Das es sich so oder so nicht um ein "Wochenendprojekt" wie bei einem ELV Bausatz handelt beschreibt bereits der Entwickler selbst auf seiner Homepage. Die geforderten Bauteile wird man in dieser Menge und Qualität zudem kaum in der Bastelwerkstatt lagernd haben. Am ehesten werden noch Kabel, Kühlkörper und ausgeschlachtete Röhrenfassungen "auf Lager" sein. Röhrenfassungen deren Kontaktgebung mit dem künftigen Prüfling maßgeblich die Meßergebnisse mitverantworten empfehlen sich daher aber auch eher als Gold oder Silber beschichtete Neuanschaffung denn einer wieder Verwendung von Ausschlachtware. Dieses ist nur gültig soweit neue überhaupt verfügbar sind.

Selbst so "Banalitäten" wie die passenden Schrauben müssen erst einmal besorgt bzw. bestellt werden. All dies in der jeweiligen Mindermenge wo das Porto oder sonstiger Bezugsaufwand in die Kalkulation merklich einfließt.   

Auch die finanzielle Investitionssumme für den Nachbau ist am Beispiel des Mustergeräts selbst bei preiswerten Bezugsquellen letztlich sehr deutlich vierstellig ausgefallen wiewohl der "optimistisch" eingestellte Bauteilepreisrechner mit unter € 1.000,- auskommen will (Dies weil insbesondere mechanische Komponenten darin fast völlig fehlen. Ebenso die zusammen addierten nicht unerheblichen Portospesen (dreistellig) die zwangsläufig bei der Menge an Bestellvorgängen entstehen). 

Bei kommerziellen Anwendern wie etwa Entwicklern von High-End Röhrenverstärkern (die aktuell vom Entwickler noch nicht angesprochen werden) kommt der hohe und damit teure Zeitaufwand für eigenes Personal das "Tagelang herumlötet, bohrt und schraubt" als kosten treibender Faktor hinzu.

Wünschenswert ist daher die Bezugsmöglichkeit für ein fertiges funktionierendes Gerät welches mit Sicherheit Röhrenfreunde, kommerzielle Unternehmen und Bastler mit nicht so ausgeprägten Nachbaufertigkeiten ansprechen würde.

Für die vom Autor empfohlene Einhaltung der (unverbindlichen) mechanischen Abmessungen der Fassungsboxen spricht die dann gegebene Austauschbarkeit (Kompatibilität) unter Röhrenfreunden die seltene nicht so häufig vorkommende Röhrentypen insbesondere mit teuren oder nur schwer beziehbaren Spezialfassungen prüfen wollen und so diese untereinander zeitweise verleihen könnten. 

Kontinuität und Weiterentwicklung:

Unklar ist noch die Kontinuität der Hardware Weiterentwicklung, aber auch der Software selbst und der Datenbanken für die Röhrentypen. Da mit der aktuellen Hardwareversion V6.2 aber ohnehin bereits ein sehr ausgereiftes Produkt bereit steht und weitere Röhrentypen im Bedarfsfall selbst jederzeit eingepflegt werden können ist auch bei vollständiger Einstellung jeglichen Services seitens des Entwicklers kein unmittelbarer Nachteil zu erwarten. Bis auf den exklusiv zu beziehenden PIC sind alle Bauteile frei und zumeist breitbandig am Markt verfügbar was eine eventuelle Selbstreparatur mit den mitgelieferten Schaltunterlagen auch später gut möglich macht.   

Mit Ende Dezember  2012 bietet der Entwickler nun auch die Version 7.00 an, die u.a. die Option der Lüftersteuerung und andere "Extras" bereits gleich integriert sowie den Nachbau von der elektronischen Seite her noch etwas leichter machen..      

 

Unterstützung & Hilfe - Mechanisches Material:

Da ein großer Aufwand wie beschrieben die Mechanik darstellt, bietet der Autor nachbauwilligen Interessenten an "überschüssiges Material" und Halbzeug wie oben auf den Bildern zu sehen beziehen zu können. Details auf Anfrage. Von kommerziell orientierten Anfragen bitte ich abzusehen. Leider NICHT mehr möglich!  

 

Quellen & Verweise sowie ein Auszug weiterer als ernsthaft einzustufende Röhrenmeßcomputer:

© Wolfgang Scheida, Wien im November 2012

zu www.scheida.at gehörend