Vorstellung von Firmenzeitschriften und Hauszeitungen österreichischer Radiohersteller

 

Die österreichische Radioherstellerszene, man darf in Folge auch den letzten Fernsehgerätehersteller Grundig hinzuzählen, haben im Laufe der Jahrzehnte sowohl mit ihren Kunden wie auch den eigenen Mitarbeitern kommuniziert.

 

Hinzu kamen die betriebsübergreifenden Zeitschriften wie auszugsweise die

Österreichisches Radio und Elektrogewerbe Fachmagazin 1950er Jahre

Bild: Konvolut Hefte des "Österr. Radio-und Elektrogewerbe"

Bekannt sind mir bisher folgende Zeitschriften bzw. auch Hauszeitungen der folgenden Firmen. Letztere habe ich zudem noch selbst "in Echtzeit ihres Erscheinens" als Mitarbeiter erhalten.

Übersicht:

  1. Philips-Philipswelle

  2. EUMIG-Eumig-Lupe

  3. Grundig-Werkszeitung

  4. Sony-Hauszeitung

  5. Quellen & Literaturnachweise

 

PHILIPSWELLE

Die "Philipswelle", eine Zeitschrift gerichtet an die Geschäftsfreunde von Philips deren es in der Hochzeit des Unternehmens wohl viele gab.

Die Namensgebung dürfte passenderweise dem bekannten Philips Logo mit den Sternen und den darin nachempfundenen Ätherwellen welche die Funkübertragung symbolisieren angelehnt sein.

So manches hat die Welle übertragen:

Dem Autor liegen die Ausgaben des

6. Jahrgang, 1. Heft, Wien, im März 1952

6. Jahrgang, 2. Heft, Wien, im September 1952

7. Jahrgang, 1. Heft, Wien, im März 1953

vor.

Herausgeber war jeweils die Philips Gesellschaft am Schwarzenbergplatz 2, Wien 1.

Folglich müsste 1947 der erste Jahrgang erschienen sein.

 

Hefte Philipswelle 1952-1953 

Bild: Konvolut der oben angeführten Ausgaben der Philipswelle als erstes Studienobjekt für diesen Artikel

Bekannt sind auch eine Jubiläumsausgabe der Philipswelle aus dem 27. Jänner 1951, die allen Freunden und Mitarbeitern zum 25. Jubiläum von Philips Österreich gewidmet war.

Dies passend zur Gründung der "Philips Radioröhren GmbH" in Wien am 29.1.1926.

Ab 1. 9. 1928 wurde die Zeitschrift "Philips Radio-Revue" herausgegeben die als Vorläufer der "Philipswelle" gesehen werden kann. Ersteres gab es gar 12x im Jahr. Die Welle finden wir bisweilen lediglich 2x jährlich nachgewiesen für 1949 auch ein Heft 5 und 5. Die als Transport der jeweiligen Markenbotschaft, bezogen auf unseren Fokus, dem Thema Radiotechnik abgestimmte Nachricht lautete: „Willst Du besser hören, kauf Dir Philips-Röhren“

Zu 6. Jahrgang, 1. Heft, Wien, im März 1952:

6. Jahrgang, 2. Heft, Wien, im September 1952

Xandl auf großer Fahrt, Werbebus für Philishave, Philips Olympia Serie, Afrikareise mit Philishave udn Autoradio, Philips Industrielle Einzelteile, Direktor Ir. Hendrik Konigsberger, Herbstmesse, TL-Kampagne 1952, GM7635/01 Diodenvoltmeter, Philips Welt-Serie EABC80 etc., 2978, AG1010 Plattenspieler, Philips Autostörungssucher ER1001, Philips Schwerhörigengerät, Schaufenster Revue, Werbung,  

7. Jahrgang, 1. Heft, Wien, im März 1953

Der Umfang ist deutlich geringer;  Philishave, Taucherlampen, Philips Picknick, Philips Magnetophpon in Indien, Brief mit Stempel der Allierten Stelle, Drucktasten Autosuper, Langspielplatten, Prospektanforderung, TL Lampen, Philips 16 mm Schmalfilm Projektor, Ultraphil, UN Philips Großprojektionsanlage,

 

 


EUMIG-LUPE

Ab dem Mai 1956 gab das österreichische Unternehmen EUMIG eine eigene Werkszeitschrift – die EUMIG Lupe heraus. Dieser Artikelteil ist aus meinem EUMIG Beitrag hier zum Thema passend wiedergegeben!

Damit folgte EUMIG als eines von mehreren österreichischen Unternehmen mit solch einem Magazin das Historiker sicher auch bei anderen Rundfunktechnischen Betrieben auswerten könnten sofern die Zeitschriften zugänglich sind.

Nachgewiesen sind die Auflagen der EUMIG Lupen zumindest bis zum Heft 12/1972.

 

 Eumigette_Titelfoto

Bild: Aufmachung der Eumig Lupe 1956 mit der neuen EUMIGETTE; ©EUMIG Lupe

Gewissermaßen unter einem Brennglas [© Eumig Mitarbeiter Herr Vockenhuber] wurden hier in periodischer Abfolge die sozial ökonomischen Themen jener Zeit, sowohl betriebsintern wie auch Welt- und Gesellschaftspolitisch betrachtet fokussiert. Neue Werkstoffe wie Kunststoffe oder die Energieversorgung wurden mit unterschiedlichem Tiefgang erklärt.

 Mir lagen die Ausgaben 1/1956 bis 12/1965 mit wenigen Ausnahmen fast vollständig vor. Weiterführende Jahrgänge werden der EUMIG Betriebsentwicklung geschuldet „nur“ mehr den Kino-optischen Geschäftszweig nebst sozialem sowie den EUMIG Hi-Fi Kassettendecks abgedeckt haben, weshalb mir diese für eine weitere Analyse als vorerst nicht relevant erschienen.

Der spätere Zweig der Videoüberwachungssysteme die naturgemäß wieder auf elektronischer Grundlage basieren kam dann wieder in den 1980er Jahren bei EUMIG auf. Ebenso die Hi-Fi Leckerbissen wie etwa die EUMIG Metropolitan Kassettendecks die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchten und noch in den 1970er Jahren aufkamen.

Die Hefte waren im annähernden A4 Format gebunden und wurden an die Mitarbeiter verkauft. Abhängig von der Themenfülle, tragischen und anderen Saison bedingten Ereignissen wurden bis zu zwölf, also pro Monat eine Ausgabe, vielfach jedoch auch zusammengefasste Doppelnummern (1958) und vereinzelt Sonderausgaben (bei Todesfällen) aufgelegt.

 

Als Schriftleiter fungierte der EUMIG Mitarbeiter Herr Egon Kott am EUMIG Standort Wien 10, Buchengasse, der nach seinem Tod am 27. Jänner 1963 von seiner Tochter der bereits vormalig als Autorin tätigen Frau Rosemarie Schmidt-Kott in dieser Funktion beerbt wurde.

Als Druckerei diente die ersten Jahre die Fa. Erwin Metten Nachf., Wien 9, Canasiusgasse welche vom Carl Ueberreuter Druck u. Verlag, Wien 9 weitergeführt wurde.

 

Der ursprünglich reine schwarz-weiß Druck wird ab 1964 mit farbigen Einband modernisiert. Als firmeninterne Bildreporterin, der man fachliches können nachsagen darf und Autorin, wird häufig Frau Ilse Tschunko angeführt. Dieser Name verschwindet nach Herrn Kott´s Tod aus dem Heft.

 

Von Zeitereignissen geschuldeten Themen wie etwa den wiederkehrenden Messen und Ausstellungen bis hin zur Werbefördernden Mitwirkung bei Sportveranstaltungen mit der EUMIG Filmzeitmessung fällt zu Beginn ein intensiv kommunizierter „Familienbegriff“ auf.

Dazu gehörte eine ausführliche und wertschätzende Vorstellung von langjährigen das Unternehmen prägenden Mitarbeitern. Vielen davon noch aus der ersten Stunde. Unter dem Begriff „sittliche Verpflichtung“ finden wir das Denken und Handeln der Unternehmensführung wieder.

Auch politische Ereignisse wie etwa die Ungarn Krise 1956 und hiezu organisierte Hilfsleistungen bis hin zur Finanzierung eines SOS Kinderdorfes, des „EUMIG-Hauses“ in Süd Korea (Stichwort: Korea Krieg) zuzüglich weiterführender Unterstützungen sind ein mehr als deutliches Zeugnis des sozialen Gewissens eines Unternehmens selbst über die Landesgrenzen hinaus. 

 Eumig_Lupe_1959-1_Pensionaer

Bild: Eine Rentnerunterstützung die sich auch wirklich sehen lassen konnte; Bild EUMIG Lupe

 

Hinzu kamen die Unterstützungen und Förderungen für Lehrlinge, Rentnern & Stipendiaten. Betriebsausflüge und die Veranstaltung des EUMIG-Balls, ja selbst Sommerferien in Italien für Kinder.

Die betriebsinternen Foto/Filmgruppe BSV EUMIG, Sportwettkämpfe und Betriebsratsangelegenheiten sowie Administratives wie Rechnungsbilanzen fanden ebenso ihren Widerhall wie auch das Neue zusammenwachsende Europa erst einmal ohne wirtschaftliche Zollgrenzen. 

 

Zwischenmenschliche Annäherungen von Vertretern ehemaliger Kriegsgegner [3-4/1958]  und Einstellung von körperlich eingeschränkten Personen sowie Bezahlung von komplizierten Operationen im Ausland [9-10/1958]

 

 Eumig_Lehrlingsbeschenkung_1957

Bild: Man beachte die respektvolle Demutsgeste von Lehrling Herrn Paul Obertlik bei der Überreichung einer Dankadresse stellvertretend hier an den „Chef“ Herrn Vockenhuber. Vergleiche den Verneigungswinkel mit dem der berühmten Silhouette des einstigen Kolonialwaren Julius Meinl Mohrs als Haltung jener Zeit.

   

Mit dem Ableben des Schriftführers ändert sich (erwartungsgemäß) auch der Stil des Blattes. Die Jubilare werden mehr und mehr nur mehr verkürzt, und als Reaktion auf die stetig steigende Belegschaft jetzt ohne Foto, und schon davor eingeführt auch ohne Beschreibung des jeweiligen „Engagements“ und Einsatzbereiches während des Zweiten Weltkrieges in der Deutschen Wehrmacht vorgestellt.

 

Die erhöhte Seitenzahl (z.B. 24) wird auch mit immer mehr Inhalten gefüllt die aus einer Art Redaktionspool aller österreichischen, zum Teil auch international erscheinenden Werkszeitungen oder gar von Presseagenturen stammen, und verwässern so ein wenig den ureigensten EUMIG Charakter.

 

Politisch dürfte das Magazin und damit die Grundhaltung der Führungsebene in der ausgeglichenen Mitte, dem Unternehmertum entsprechend nach der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), dem sozialen Engagement nach aber auch nach der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) gestanden haben.

Dies wohl aus hier nicht näher zu erläuternden Erfahrungen die Österreich und damit dieses Traditionsunternehmen im Jahre 1934, Stichwort Bürgerkrieg, zu machen hatte.

Ausreißer finden sich lediglich in wiederkehrenden Seitenhieben gegen den Kommunismus, der wie bekannt international gleich an Österreichs Ostgrenzen andockend wie auch in Österreich selbst eine wenn auch bescheidene Rolle gespielt hat.

 

Exkurs:

 

 

Auch auf die korrekte Behandlung von Mitarbeitern seitens von Untergebenen aber auch dem hintanhalten der sich einschleichenden Gefahr von Zeitdiebstahl wird zugunsten einer optimalen Fertigungseffizienz eingegangen. Dies auch vor dem Hintergrund, das EUMIG als eines der ersten Unternehmen freiwillig die 40 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich eingeführt hat während andernorts noch bis zu 48 Stunden usus waren (Philips 44,5h Woche [EL 3/1957]).

 

Auf technische Details wird zumeist, wohl in Rücksicht auf die breit gefächerte Arbeiterschaft nicht allzu tief eingegangen was man als Techniker der „genaueres Wissen will“ naturgemäß bedauert. Hinzu kommt, dass der Schwerpunkt bei EUMIG zu dieser Zeit allemal schon bei den Photo-Kino Geräten denn der Unterhaltungselektronik lag was man mit einem inhaltlichen Widerhall zu diesen Themenkreis mit einem geschätzten Verhältnis von rund eins zu vier bestätigt finden kann.

 

Auf seine Kosten kommt man in jedem Fall bei der Schilderung der Firmengeschichte aus erster Hand wo nochmals gesteigertes Herzblut und Stolz für das Erreichte zu spüren ist. Ebenso bei der Expansion und dem Bau von neuen Fertigungsstandorten wie etwa dem in Wiener Neudorf. 


Grundig Werkszeitung

Im Grundig Fernsehwerk Wien 12, Meidling gab es ebenso eine Werkszeitung die geschätzt einmal monatlich herausgegeben wurde.

Es hatte ein Zeitungsformat auffaltbar und diente ebenso dem Informationsaustausch für die Angehörigen in der Fertigung sowie des Service Bereiches. Aufgelegt war sie stets im Kantinenbereich wo man auch Zeit fand darin zu blättern.

"Interaktiv" war dabei auch, wenn Mitarbeiter Urlaubsgrüße bzw. deren dort gemachten Erfahrungen wiedergeben konnten.

Abgebildet war da einmal ein Urlaubsfoto, wonach ein Grundig Fernseher in einer Art vergitterten Käfig in einer Gastwirtschaft stand um Diebstahlsversuche zu verhindern.

Als Fernbedienung diente ein Stecken mit dem die Wirtin die Programme umschalten konnte.

Dazu der Text wonach die Einwohner wenn sie hören das man bei Grundig arbeitet dies anerkennend vernehmen. Zugleich aber dabei denken das jeder Grundig Mitarbeiter automatisch auch fähig ist einen Grundig Fernseher zu reparieren.

In weitere erhalten gebliebene Werkzeitungen werde ich bald Einsicht nehmen können und berichte dann darüber.


Sony Hauszeitung

Bei Sony war man voll des Stolzes, das man aus den aus allen nähten platzenden Hauses an der Laxenburgerstraße mit dem Jahreswechsel 1991/92 in ein neues Leasinghaus, nun an gleicher Straße jedoch knapp vor dem Stadtrand Wiens gelegen unmittelbar nach dem Panasonic Haus Vis-avis des Wiener Groß-Grün Marktes gelegen ziehen konnte.

So wurde auch ein kleiner Werbefilm gedreht, der Sony in diesem neuen Haus und seinen Zielen wiedergab.

Und dann gab es, über die Häufigkeit kann ich nichts mehr sagen auch eine "Sony Hauszeitung".

Der damalige Geschäftsführer FHL Friedrich Lechner mit Foto war darin abgebildet sowie das neu bezogene Haus betreffende Themen.

1992 stand bei Sony die Feierlichkeiten zum Erfolg des Walkman's an. Als Testimonial war dazu der King of Pop, Michael Jackson eingeladen der auf der Wiener Donauinsel eine Statue eines übergroßen Walkman's mit einem Läufer der so ein gerät benutzte enthüllte. Zudem gab es die Werbung für seine "History" Tour und auch einen Besuch von ihm im neuen Wiener Sony Haus.

Als wohl ein High-Light, neben der Gesichtswäsche mit Politikergrößen gab Michael Jackson mit einem dicken Stift ein Autogramm auf einen Faltständer für seine Tour.

Diese Unterschrift lebte nicht allzu lange. Wie es auszugsweise in der Hauszeitung dazu hieß, hatte die Reinigungskraft Dragica M. (Name von der Sony Redaktion geändert) die Signatur für eine Verunreinigung gehalten und diese weggewischt.

Man darf sich die daraus folgenden Dialoge von uns Technikern zum Thema auf der Zunge zergehen lassen was wir in der Phantasieebene belassen wollen. 


 

   

 

Quellen und Literaturnachweise (Auszug)

  1. Philipswelle, Konvolut 3 Hefte,

  2. Philipswelle, Jubiläumsausgabe 1951

  3. Museums Bote Des Ersten Österreichischen Funk- und Radiomuseums Nr. 48 August 1993; Nachfrage nach Heftnummern

  4. Webauftritt: https://tecbil.com/ ; abgerufen am 13.6.2022

  5. http://www.lenhardt.at/ zu Heidenbauer Sony Statue, abgerufen am 14.6.2022

 

 

Gehört zu http://www.scheida.at/scheida/televisionen.htm    

Erstellt: 6/2022 by ©Wolfgang Scheida 

Updated: 17.06.22