Radiodays -

Grundig Ocean-Boy 209 & 210

sowie der Grundig Luxus-Boy

FOLGT

Bild: Der GRUNDIG Ocean-Boy 209 in der Gehäuseausführung "Chrom-Schwarz"

 

Einführung:

Der GRUNDIG Satellit 6000, Typ 208 lag mir da als jüngerer Erfahrungswert schon vor.

Sein guter Klang und praktikable Empfangseigenschaften sprachen für sich.

Siehe dazu auch mein Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem GRUNDIG Satellit 6000 (FOLGT)

Wofür er aber in meinem Anwendungsfall nur eingeschränkt tauglich war, dass war das nebenbei Radioberieseln auf UKW was zumindest bei mir das wiederholte Wechseln zum nächsten Radiosender (Zappen) bei uninteressanten Textpassagen und anderem zugegebenermaßen bisweilen vorkommt.

Hier läßt sich jedoch das Gute mit dem Besseren verknüpfen, zumindest was das Thema UKW betrifft. Zudem auf einem gebrauchstauglichen Niveau im Jahr 2022 bis 108 MHz.

Die Rede ist vom GRUNDIG Ocean-Boy 209/210 der ZUSÄTZLICH zur obligatorischen AM und FM Abstimmung auch acht (8 !) frei belegbare Festsendertasten bis 108 MHz besitzt.

Lassen wir außen vor, das es heutzutage 1.000e Alternativen an tragbaren Tischradiogeräten mit Festsendern gäbe, zudem dort auch in Stereo und mit Fernbedienung, so bleibt der satte Mono Klang neben dem attraktiven und wuchtigen Gehäuseauftreten des GRUNDIG Ocean-Boy 209/210, alternativ auch der des GRUNDIG Luxus-Boy hier die Wahl der Dinge.

Nicht unbedeutend für mich ist auch die Haptik der gut und stabil einrastenden UKW Preomattasten.


Übersicht:

  1. Einführung
  2. Kleine GRUNDIG Modellkunde
  3. Zur Namensgebung der Boy's
  4. Der Wettbewerb um 1968/69
  5. Mein GRUNDIG Ocean Boy 209
  6. Geplante Reparaturmaßnahmen
  7. Der verharzte Drehkondensator
  8. Das aussetzende Tastenaggregat
  9. Gestörter UKW Empfang
  10. Kaufberatung
  11. Der Betrieb im Alltag
  12. Quellen & Literaturverzeichnis
  13. Lesetipps

 

Kleine Modellkunde:

Begibt man sich auf die Suche nach diesem Modell, dann kommen einem gleich mehrere ähnlich aussehende Geräte unter.

Ein Grund mehr für mich diese auch hier wie schon bei anderen Modelle wie auszugsweise dem SABA Transall de Luxe etwas zu analysieren und zu katalogisieren.

 

Von der Gehäusemaßen hat GRUNDIG hier eine optisch einheitliche Serie mit den parallelen Satellit Modellen aufgestellt.

Aus der Entfernung betrachtet ähneln sich auch die einen wie anderen Bedienelemente und Anordnungen wie etwa der Skala und des Lautsprechers.

Beim genauen Nachmessen erkennt man dann schon, dass der Satellit etwas "Dicker" ist und wir dann naturgemäß schon die unterschiedlichen Konzepte sehen die hinter den einzelen Modellnamen und unterschiedlichen Preiskategorien stehen.


Zur Namensgebung von Max Grundig seinen "Jungs":

Die Namensbezeichnungen waren, wie könnte es anders sein, dem Zeitgeist geschuldet.

Waren es beim GRUNDIG Satellit nachvollziehbarer Weise die neuen den Himmelskörper bevölkernden künstlichen Erdtrabanten die zunehmend seit dem ersten Sputnik insbesonders in der westlichen Welt weltumspannende Kommunikation ermöglichten.

Was dann nahe liegender Weise auch mit einem GRUNDIG Satellit Kofferradio ebenso möglich war, sich, natürlich nur symbolisch betrachtet, in diese Kommunikation "hineinzuhören". Gewissermaßen hatte man dann laut GRUNDIG Prospektwerbung 1972 "Die ganze Welt in einer Hand" [3]


Bei den GRUNDIG OCEAN Boy's also "Max Grundig's Buben" ging es ein wenig leichtfertiger zu.

Der geneigte Hörer und Gerätebesitzer wird so gemäß. Grundig Revue 1970 [3] gar gleich zum "Herr der sieben Meere".

Reminiszensen an die 1961 gegründete Musikgruppe "The Beach Boy's" sind wohl ebenso eher nahe liegend als rein zufälliger Natur.

Denn nun war das Surfen auf allen Wellen leichtfertig auch am örtlichen Schotterteich und im Jugendzimmer möglich geworden [4].

Zudem harmlos mit überschaubaren Risiko für Leib und Leben.

Hinzu kommt, das mit Ausnahme des SSB Einseitenempfangs und einer Doppelüberlagerung die als Ausstattungsmerkmal den GRUNDIG Satelliten vorbehalten waren, die GRUNDIG OCEAN Boy's mit Kurzwellenfrequenzbereichen bis 30 MHz und KW Lupe ebenso ernsthafte Weltempfänger waren.


Einfachere wenngleich immer noch sehr hochwertige Koffergeräte waren als

Die zukünftige EU, damals noch EWG schon 1966 Zollschrankenmäßig ganz vorweggenommen hat Max Grundig mit seinem

Grundig Europa Boy

Bild: Evolution hin zu einem grenzenlosen Europa. Für den Grundig Kofferradiokäufer war dies stellvertretend mit dem GRUNDIG Europa Boy mit seinem gleich als EUROPA Band titulierten zusätzlichen gespreitzten Mittelwellenband möglich.[© Grundig in 3]

Zeitgleich fuhr sein Namensgeber Max Grundig tatsächlich bereits fast grenzenlos mit seinem Mercedes Benz 600 Pullman mit >CC< Kennzeichen, für >Circle Commerciale< stehend, mitsamt Chauffeur an den meisten Grenzübergängen am Diplomatenstreifen zumindest stark beschleunigt durch.

Nachstehende Tabelle beschreibt den Modellnamen, die Type und weitere Eigenschaften nebst Bild anhand derer die Geräte schon äußerlich identifizierbar sind.

Andere Modelle habe ich hier nur aufgrund der relativen optischen Ähnlichkeit zwecks Zuordnung bzw. Abgrenzung angeführt:

Der Grundig Satellit 208

Der Grundig Europa Boy

Der Grundig Concert Boy

Tabelle: Die eigentlichen Weltempfänger MIT UKW Festsendertasten

Bezeichnung    
Grundig Ocean-Boy 209
Export: Transistor 3001 mit gleicher Spezifikation
Grundig Ocean-Boy 210
Export: Transistor 3005 mit gleicher Spezifikation
Grundig Luxus-Boy 210
1969 1970 1970-1972
Grundig Ocean-Boy 209 Grundig Ocean-Boy 210

Gehäuseversionen:
"Vollchrom" - LS Abdeckung und Skalenrahmen
Teilchrom - Lautsprechergitter in Chromblende - Skala "Schwarz" gehalten
Holz-Chrom - Holzdekorlamellenblende bei Lautsprecherabdeckung und "Chrom " Skala
Holz-Schwarz - Holzdekorlamellenblende bei Lautsprecherabdeckung und "Schwarz" Skala
 
20 Transistoren: 11 Dioden, 6 Stabilisatoren, FET Transistor im UKW Teil,

2 x BF224, BF245G, 2 x BF240 oder BF238, 4 x BF241 oder BF237, 3 x BC108A oder BC183A oder BC238A, BC107A oder BC238A oder BC237A, 2 x BC108C oder BC183C oder BC238C, 2 x BC109C oder BC184C oder BC239C, BC181 oder BC252A, AC187K, AC188K.

11 Dioden:
BB104 blau, 2 x BB104 grün, 6 x AA112, G088, AA117

6 Stabilisatoren:
2 x 2322 574 90001, BZ102/2V1, 5532, 9605, 0500.
20 Transistoren: 10 Dioden, 7 Stabilisatoren, FET Transistor im UKW Teil,

Teilweise engere Wahl der Transistorbestückung gegenüber dem Modell 209 sowie geänderte Stabilisatoren.

2 x BF224, BF245G, 2 x BF240 oder BF238, 4 x BF241 oder BF237, 3 x BC108A oder BC183A, BC107A, 2 x BC108C, 2 x BC109C oder BC184C, BC181, AC187K, AC188K.

10 Dioden:
BB104 blau, 2 x BB104 grün, 6 x AA112, AA117

7 Stabilisatoren:
2 x 2322 574 90002, BZ102/2V1, 5532, 9605, 0500, G088.
15 Transistoren:  BF238 BF237 BF224 BF245 BF224 BC107 BC108 BC108 BF237 BF238 BF237 BC109 BC181 AC187 AC188
Eigenschaften
Erkennbar an dem 10 +1 fach Tastenaggregate der Ocean-Boy's. Vier KW Bänder.

UKW: 87 - 108 MHz
LW: 145 - 400 kHz
MW: 510 - 1.620 kHz
KW1: 1,6 . 4,8 MHz
KW2: 4,5 - 12,3 MHz
KW3: 12 - 20 MHz
KW4: 19,5 - 30 MHz

AM ZF: 460 kHz
FM ZF: 10,7 MHz

UKW Anzeigeverstärker
UKW Netzteil für die Abstimmspannungserzeugung


 

Von der "Vollchrom" Version und wenigen Bauteilen abgesehen, konnte kein Unterschied zwischen 209 und 210er Version ausgemacht werden,
Kommt als etwas "abgespeckte" Version.

Erkennbar an den 8 +1 fach Drucktasten anstelle der 10 +1 fach Tastenaggregate der Ocean-Boy's.
9fach Tastenaggregat für UKW Preomat anstelle 11fach wie bei den Ocean-Boy's.
Lediglich zwei KW Bänder. Dafür zusätzliches gespreitztes "Europa Band" auf Mittelwelle (1.370 kHz bis 1.600 kHz).



Alle:


Der Wettbewerb um 1968/1969

Wie schon in meinen anderen Webbeiträgen ersichtlich, liegt mein aktueller Schwerpunkt der Gerätevergleiche bei den damaligen "Weltempfängern" MIT UKW Festsendertasten.

Eine Auswahl an Geräten mit diesem Feature war damals zwar vorhanden aber zugleich überschaubar:

Zudem nicht jedes Gerät den heute vielfach benötigten Frequenzbereich bis 108 MHz aufweisen kann und schon bei 104 MHz "abriegeln".

Bekannt waren:

Am ehesten sehe ich daher, in einer sicher nicht vollständigen Vorauswahl Deutscher sowie Österreichischer Geräte der gleichen Saison, den

Telefunken Bajazzo de Luxe 101/201/205 Telefunken Bajazzo de Luxe 101/201/205 mit ebenso 3 UKW Festssendertasten als Vergleichsmodel den ich auch schon von der Optik her fiktiv 1969 für eine Kaufentscheidung im Geschäft gerne verglichen hätte. Das dort nicht integrierte Netzteil hätte mich aber wahrscheinlich auch wieder zum Saba geführt!
B&O Beolit 1000, Typ 1401 B&O Beolit 1000, Typ 1401
  • 1968–1972. Sehr elegantes Gerät mit optisch dargestellten getrennten Skalen. Drei UKW Festsendertasten. Sicher nicht billig.
  •   Grundig Ocean Boy 209/210 1968 bis 1970. Gar 8(!) UKW Festsendertasten, zudem bis 108 MHz neben einem vollbandigen KW Teil mit eingebautem Netzteil.
    ITT Schaub-Lorenz Touring 70 Luxus ITT Schaub-Lorenz Touring 70 Luxus Luxus der sich mit preisgebundenen DM 425,- kaufen ließ. Netzteil ist keines integriert!
    Philips Dorette Automatik 4S 22 RL 583 Philips Dorette Automatik 4S 22 RL 583 oder Baugleich aus Österreich: Philips Brigitte S 22RL583 gar mit 4 UKW Festsendertasten jedoch auch ohne Netzteil
    Südfunk - Apparatebau, Modell Portable 1011924 Südfunk - Apparatebau, Modell Portable 1011924 - siehe auch baugleich: Quelle Universum TR784 Best. Nr. 09752 wieder ohne Netzteil
    Der österreichische HEA Trixi 2000N Der österreichische HEA Trixi 2000N mit Netzteil und drei mal UKW Festsendertasten. Aber auf KW "nur" mit dem 49m KW Band präsent. Das eher schlichte schon im Stil der 1970er sogar modernere optische Auftreten (ich besitze das Gerät) würde mich aber ebenso eher zum SABA greifen lassen.
    Siemens Turnier RK16 Siemens Turnier RK16 Electronic Mehrbander mit UKW Festsenden. Erst ab der Saison 1969 auf den Markt gekommen. Mit Netzteil. Siemens Katalog 1969

     

    Dass die Auswahl in den Folgesaisonen dann wieder ganz anders aussah ist ein anderes Thema.


    Mein Ocean-Boy 209

    Er soll "in einwandfreien Zustand" sein hieß es in der Verkaufsbeschreibung.

    Nun, bis zu einem gewissen dynamisch gehaltenen Kaufpreis lernt man das mit der Zeit "sportlich" zu sehen. Zudem wir ja von einem "Luxus Hobby" sprechen.

    Das Gerät bekam als erstes eine sanfte jedoch zeitgleich intensive Grundreinigung, da mir persönlich "speckige" Tasten und Schalter ein Gräuel sind.

    Positiv war, das die mittlerweile mit Goldpreisen aufgewogene zweistufen Teleskopantenne einwandfrei war, wenngleich sie scheinbar in der Aufnahme etwas Kontaktschwierigkeiten aufwies.

    Es dürfte schon einmal jemand im Gerät drinnen gewesen sein, wie die Spuren an den Schraubmuttern belegen. Ein Verbasteln war nicht festzustellen, sehr wohl aber ein teilweises "schlampiges" Zusammenbauen was die Kabelführungen betriftt.

    Fehler bzw. (ersichtliche) Mängel

     

    Festgestellte Mängel Geplante Abhilfe/Reparatur
    1. Das zwei Abdeckkappen des Tastenaggregats oben fehlen war schon an den Verkaufsfotos erkennbar - geschenkt
    2. Das dann der AM/FM Seilzug defekt war und somit keine Abstimmung möglich ist steht auf einem anderen Blatt. Für diese Modelle ist dies jedoch zugleich nichts ungewöhnliches.
    3. Umschalten bei den UKW Festsendern erzeugt ein starkes Schaltgeräusch
    4. Ein relativ starkes Netzbrummen ist im Lautsprecher hörbar
    5. Skalenlicht scheint nur zu 50% zu leuchten
    6. Die Basswiedergabe scheint sich schon bei geringen Lautstärken akustisch zu überschlagen
    7. Der UKW Empfang in Feldstärke wie auch Lautstärke sehr stark schwankt
    8. Der Schnurschalter des TN12 Netzteiles hat starke Aussetzesr mit Funkenbildung die gar meinen Laptop außer tritt brachte
    9. Scheinbar nicht direkt die Batterien aber eien andere Flüssigkeit hat den Bereich des rechten Deckelschaniers rosten lassen.
    10. An der Oberseite warf der schwarze Vinylüberzug an zwei Stellen leichte Falten.
    11. Die im Pressspannholz eingelassene Befestigungsschraube für das Chassis rechts unten war leicht herausgerissen.
    12. Beim Abstimmen "rupft" alle paar cm Skalenweg der Abstimmknopf
    13. Am Ferritstab waren zwei Spulen lose
    1. Im Hintergrund die Suche nach einem Ersatztastenagregggat oder Tasten von Satellit/Ocean Boy etc. starten um beizeiten die Oprik entsprechend ergänzen zu können
    2. Reparatur des Seilzuges - Erneuern was eine vollständiges zerlegen erforderlich macht
    3. Es könnte der Muting Kontakt am Preomat korridiert sein - ev. reinigen lößt das Problem
    4. Netzbrumm: Überarbeiten des Nezuteiles wie bereits 2x durchgeführt, siehe Beitrag HIER. Zuvor testen mit Ersatznetzteil ob dies eine Lösung verspricht.
    5. Skalenlämpchen erneuern - beide - LED Umbau lasse ich außen vor.
    6. Prüfen ob NF Endstufenelkos an Kapazität übermäßig zugenommen haben. Lautsprecherqualität prüfen.
    7. Schnurschalter auch wenn er original war muß durch einen neuen erstezt werden
    8. Gerät innen reinigen wenn er ohnehin zerlegt werden muß
    9. Scharnier entrosten
    10. Vinylüberzug durch leichte Wärmeeinwirkung und Kleber zu glätten und neu aufkleben versuchen.
    11. Wieder zurückbringen in die Position per Holzleim
    12. Immer wenn sich das Skalenseil neu an der Abstimmachse aufwickelt. legt sich das Seil neu in der Achsrolle - bereits von Vorgängern getauschtes Skalenseil scheint zu dick zu sein 
    13. Nach dem Neuabgleich mit Wachs fixieren
       

    Geplante Reparaturmaßnahmen:

    Die Praxis:

     

    Der Elko C549 nominal 1.000µF weist 1.300 µF auf was eine bereits frequenzmäßig früher einsetzende vielleicht ungewollte Bassübertragung begünstigt.

    1490

    9800

    288

    5,3 yf

     

    Der verharzte Drehkondensator:

    Nicht der Seilzug war defekt, sondern der Drehkoantrieb sprich die "Achse des Bösen" ließ sich nicht mehr drehen. Der Zeiger war dabei fast ganz oben an der Skala angelangt und stecken geblieben. Der Drehko folglich fast offen.

    Zum Gängigmachen musste selbiger nach hinten herausgezogen, abgelötet und gelöst werden.

    Den Seilzug, da noch optisch einwandfrei aussehend fixierte ich mit provisorischen Drähten und zog das Antriebsrad vom Drehko ab.

    Das herausziehen des Drehkos aus seinem engen Schacht im Kunststoffrahmen des Boy's machten die sich gegenstellenden Masselötlaschen als Widerhaken etwas herausfordernd.

    Das Lager des HOPT Drehkondensators mit rückseitig an der Welle angeflanschtem PREH Widerstandspotentiometer war bei meinem Exemplar leider absolut fest.

    "Mechanisches Einwirken" muss ich als zudem unwirksamen Fehler zwischendurch gestehen bei der sich nur ungewollt die Achsaufnahme, zum Glück reversibel, verschob.

    Herkömmliches Reinigungsbenzin und WD40 über Nacht einwirkend versagten.

    Lediglich Wärmeeinwirkung per 100W Lötkolben sowie zusätzlich einer kleinen Gasflammenerhitzung direkt am Achsflansch brachten zudem auch nur eine kurzzeitwirkung bei der es nicht gelang das Fett aus dem Lagerspiel zu entfernen.

    Erst das Anbohren der Achsführung um dort ein Lösungsmittel wie Nitroverdünnung einbringen zu können ließ nach einigen Versuchen das alte verharzte Fett herausspülen.

    Nachteil:

    Dabei ging auch die korrekte Position der vorgespannten Gegenverzahnung per Zugfeder verloren und muß nach dem Zusammenbau wieder neu eingestellt werden.

    Kein Problem, da nach meinen Erfahrungen beim GRUNDIG R35 Receiver ich dieses Thema noch im Kopf hatte und entsprechend als Dokumentation fotografiert hatte.

     

    Bild: Der originale Zahnradabstand zwischen Antriebszahnrad und Gegenspannzahnrad

    Anders leider mein nicht daran denken hinsichtlich der korrekten originalen Position der Achseneinkerbung zur Abstimmseilzugradführung.

    Diese Position ging verloren und ich musste sie empirisch wieder nachbilden. 

     

    Bild: Korrekte Position der Einkerbung an der Antriebsachse im Verhältnis zum offenen Drehko Paket. (Geschlossen wird nicht gezeigt, da dann ..... )

    Wird hier falsch zusammengebaut, dann hängt plötzlich der Drehko irgendwo mitten im Skalenbereich und läßt sich nicht weiterdrehen.


     

    Skalenseil:

    Zwar war das Skalenseil, falls es nicht gar noch original war grundsätzlich ohne Abnützungen und in Ordnung. Was aber auffiel, das war das ständige "rupfen", also aneinanderschaben und zurückfallen des Seils an der Abstimmdrehknopfachse.

    Das "dicke" Seil musste hier zwangsläufig, um wieder in die Führungsrolle seinen Platz zu finden vom Rand der Rolle in die Mitte überspringen was alle paar Umdrehungen einen gefühlten kurzzeitschlupf verursachte.

    Hierfür bestellte ich über Ebay beim Anbieter "Revisound" angeblich die letzte Einheit von 6 m 0,4 mm Skalenseil, geeignet für GRUNDIG Satellit Radios.

    Das Aufziehen war dank des noch einwandfreien Altskalentriebes sowie der im frei verfügbaren Servicemanual abgebildeten Skizze problemlos wenn auch mit etwas Spielerei möglich.

    Nun ist der in meinen Augen unangenehme Schlupf  mit dem Überspringen weg was der Abstimmhaptik und Präzision insbesondere auf AM zu gute kommt. 

     

    Bild: Des Alte sowie der neue 0,4 mm Skalenseil


     

    Umschalter Batterie/Akku Betrieb - Netzbetrieb

    Da ich ihn eigentlich nicht benötige, hatte ich ihn anfangs gar nicht beachtet, bis ich auch hier eine nicht unerhebliche Unterbrechung beim Umschalten feststellen musste.

    Kontaktspray Behandlung brachte keine Besserung was in Folge ein Aufbiegen der Haltelaschen der Kontaktplatte zwecks Reinigung empfahl.

    Schon kamen die sehr stark oxidierten, hier jedoch dem höheren Strömen geschuldet deutlich kräftiger gestalteten Umschaltschiebeklammern zum Vorschein.

     

    Bild: Der Schalter in seinen Einzelheiten

     

    Zur Reinigung genügte hier jedoch nicht die Kontaktreiniger/Balistol Behandlung alleinig, sondern es war eine "Abreibung" mit einem "sandigen" Radiergummi erforderlich.

    Der Wiederzusammenbau gelang allerdings nicht mehr. Zu groß war das nun entstandene Spiel im Schalter, was mich einen Austausch des Schalters gegen die weitgehend baugleichen, mir noch aus meiner Kindheit bekannten, damals häufig ausgeschlachteten "Japan-Geräte" 2 x 3 UM Schalter andenken ließ.

    Jedoch hier nicht einen womöglich auch schon problematischen Ausschlachtschalter, sondern ebenso in meinem Fundus befindlich, ein original neuer wurde hier verbaut.

     

    Bild: "Japan Schalter" wie sie in so gut wie allen Radiokassettenrekordern der 1970er Jahre verbaut waren. Auch dann wenn sie nicht aus Japan, sondern aus Taiwan oder Hong-Kong kamen.


    Krachendes aussetzendes GRUNDIG Tastenaggregat

    Mehr als nur mit Kontaktspray einsprühen ist hier angesagt! Eine kleinteilige aufwendige Arbeit als "Haftelmacher" folgte:

    Hier kam mir die gut 30 Jahre zurückliegende Erfahrung aus der Zeit in der GRUNDIG Service Werkstatt Wien zu gute. Zumindest das davon was noch in der Erinnerung verblieben war.

    Im Gegensatz zu den von mir parallel in Arbeit befindlichen Radiogeräten, wie der ITT Schaub-Lorenz Weekend Universal sowie der SABA Transall de Luxe E, deren Tastenaggregate entweder gar nicht, oder nur mit dem fast vollständigen Ausbauen aus dem Gerät, was für mich nicht in Frage kommt reparierbar ist, kann man diese hier von verbauten GRUNDIG Tastenaggregate grundsätzlich servicieren.

    Seinerzeit gab es dafür auch die Kontaktfedern als Ersatzteil zu kaufen.

    Abfolge:

    Hiezu ist mit ARGUSAUGEN auf einen sauberen Arbeitsplatz zu achten. Zu leicht fliegen Teile wie Federn, Rücksetzklammern oder die eigentlichen Schieberkontakte weg und müssen dann nicht nur gesucht sondern vor allen auch wieder gefunden werden!

    Für ein rationelles Arbeiten ging ich (nach einer Lernkurve) wie folgt vor:

    Mit Kamera dokumentiert werden die Tastenrückzugfedern mit dem Finger hochgedrückt. Der nun frei zugängliche Einrasthaken wird mit einer kleinen Pinzette oder Spitzzange nach hinten weggezogen was den jeweiligen vollständigen Tastenschieber nach oben hin freigibt.

    Achtung: Beim Ocean Boy 209 gibt es ZWEI Typen von Rasthaken:

    Einmal die für Netz EIN/Aus sowie der Taste ANTENNE, da beide UNABHÄNGIG von den anderen Tasten betätigt werden können.

    Und dann alle anderen Tasten die im Wechselspiel zueinanderstehen. Also entweder Funktion A oder B, C, n was ein wechselseitiges automatisches Rückstellen zur Folge hat.

    Die Wellenschalteraggregatstasten selbst haben je 2 x 5 Kontaktschieber die man rationell in Serie reinigen kann. Die anderen Schalter jeweils nur 2 bis 8 Kontakte.

    Da alle Kontaktfedern gleich sind kann hier eigentlich kaum was passieren.

    MEINE Vorgangsweise OHNE Garantie für einen Lamgzeiterfolg (Erfahrung kann ich nachtragen wenn später verfügbar)

    Zu den fest verbauten Schaltkontakte des Aggregats:

    1. Die nun ohne Tasteneinsatz offenen Kontaktschalter wurden mit den WD40 KONTAKTSPRAY eingesprüht.
    2. Gleich dannach mit einer Kunststoffbürste (Set diverser Größen von Amazon) 10x und mehr je Tastenkontakt gereinigt
    3. Danach mit Druckluft ausgeblasen
    4. Allfällige Restflüssigkeit wegwischen

     

    Zu den Kontaktfedern:

    1. Halten mit der Pinzette von der Seite OHNE die eigentlichen Kontaktoberfläche zu zerkratzen.
    2. Wahlweise einer Mischung mit dem WD40 KONTAKTSPAY erst einmal einsprühen. (Man kann auch alle in ein Reinigungsbad legen. / Achtung: Luftdruck des Sprays bläst mitunter die Federn vom Tisch!)
    3. Mit BALISTOLÖL getränkten Reinigungswattestäbchen die eigentliche Reinigung mehrmals durchführen und einmal Trocken wischen. Ein leichter Ölfilmrückstand war erwünscht, aber keine Schlieren oder Tropfen!
    4. Dabei stellte ich fest, das zumeist nur die oberen Schaltkontakte einen oft starken gelbbraunen Schmutzfilm hatten. Die tiefer gelegenen Kontakte waren hier deutlich sauberer.
    5. Nach dem Reinigen, sind die Kontaktfedern wieder an jeder der Position an den Tastenschlitten einzulegen und, das Gerät liegt mit der Skala nach oben, werden die Tasten/Schlitten alle wieder eingeführt. Fehler sind hier aufgrund unterschiedlicher bzw. zumeist ohnehin immer gleicher Längen kaum möglich. Die Netztaste befindet sich RECHTS! Ein verdrehen ist NICHT möglich da jede Taste eine Führungsschiene hat.
    6. Wenn alle Tastenkontakte schön sicher hineingeschoben sind, wird das Gerät aufgestellt. Nun erst können als Gedulsspiel zuerst LINKS und RECHTS die beidem >U< Haken wieder eingehängt werden. Dann alle >L< Haken mittig. Um wieder zu wissen welche Hakenlänge oben einzuhängen ist, empfiehlt es sich eben Fotos odre Sizzen zu machen.
    7. Gleichzeitiges Drücken/Schieben läßt zumeist die Haken zumeist fast von alleine korrekt einrasten.

    Zumindest in der Gegenwart nach der Reparatur war die elektrische Funktion des Tastenaggregats einem Neuzustand ohne jegliche Störgeräusche entsprechend! Mit nur Sprühbehandlungen erreiche ich solch ein Niveau eher nicht.

    Über die aufgewendete Zeit schreibe ich besser nichts und überlasse dies Ihrer Phantasie.

     


    Gestörter UKW Empfang:

    Es stellte sich ja bald heraus, dass der UKW Empfang unstabil war. Starke Änderungen in der Lautstärke bis hin zur Unhörbarkeit waren die Auswirkung davon. Bei AM Empfang war dies nicht wahrzunehmen.

    Im Hintergrund hörte man jedoch zu meist den Sender zumindest ganz leise. Die Abstimmspannung von 28 V sowie die heruntergeteilte Senderanstimmspannung sowohl bei den Festsendern wie auch der Skalenabstimmung blieben stets stabil.

    Augenscheinlich ohne Funktion war in diesen Phasen zudem die schaltbare AFC.

    Einmal mehr war es wert einen Blick in die Schaltung der UKW Abstimmspannungserzeugung zu machen, da bereits andere Forenschreiber sich über dortige problematische Tantal Elkos ausgelassen haben.

    Dieser Schaltungsteil befindet sich von vorne betrachtet links in einer abgeschirmten Metallbox, die sich jedoch mit nur einer Schraube nach hinten herauslösen läßt und auch einfach zu öffnen war.

     

     

    Bild: Das Modul für die Erzeugung der Abstimmspannung und weiteren Feinheiten

    Gleich sieben (7!) Leitungen gehen in bzw. aus diesem Gerät heraus.

    1. Masse
    2. Spannungsversorgung
    3. Vom AFC Schalter
    4. Zum UKW Tuner
    5. VOM Diskriminatorausgang MP18
    6. Ausgangsspannung zum Preomat 28V
    7. ?

    Meßtechnisch gesehen waren die Elkos dort alle in Ordnung. Dennoch sind sie von mir prophylaktisch getauscht worden.

    Mit dem Resultat sehr zur Freude: Der Fehler blieb.

    Durch klopfen und ziehen an den diversen Anschlußkabeln ließ sich jedoch unkontrolliert der Fehler MANCHMAL reproduzieren. Eben so wie man es sich wünscht ;-(


     

    Kaufberatung:

    Diese Modelltypen erfreuen sich ob ihres Designs, des Klangs wie auch eben der praktikablen 108 MHz UKW Skala nebst den Festsendertasten einer recht hohen Beliebtheit die sich auch in der Nachfrage wiederspiegelt.

    Kaum Geräte, die mit Stand 2022 unter 100 Euro, meist eher um die € 150 bis gar über € 200 angeboten werden.

    Für welche Gehäusevariation man sich dann entscheidet obliegt jedem Käufer selbst.

    Je nachdem ob man selbst Hand anlegen möchte und kann oder nicht, empfiehlt es sich tatsächlich bei einem geprüften oder gar überarbeiteten Gerät etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

    Dabei wäre der Begriff "Überarbeitet" und "Serviciert" zu hinterfragen. Sprühe ich nur in ein Aggreat hinein dann soeilt es einige Wochen wahrscheinlich gut. Dann geht es mit den Ausetzern bald wieder los. Oder inwestiert jemand STUNDEN, dann wird derjenige sie womöglich auch wenigstens ansatzweise abgegolten haben wollen.

    Fehlendes oder defektes kann sonst schnell zur Puzzleteile suche und zum Zeiträuber ausarten.

    Dieses Unterkapitel kann naturgemäß nur einen Auszug an Punkten die es wert sind beachtet zu werden wiedergeben.

    Auch bei der Technik wird es ein Laie anders sehen als ein (Hobby-)Techniker der sich vielfach selbst helfen kann und mitunter sogar Freude empfindet sich ein Wochenende und mehr "hineinmessen" zu dürfen.

    Aber das wird wie immer jeder für sich sebst entscheiden.

    Kaufentscheidungskriterien:

    1. Antenne: Vollständig vorhanden mit Spitze und nicht verbogen = 100 Punkte
    2. Gehäuse, insbesonders der Lautsprechergrill: Keine Dellen oder gar Schrammen und Kratzer. Dellen lassen sich mit Aufwand eventuell von innen herausdrücken. Schrammen/Kratzer kaum.
    3. Alle Tasten und Knöpfe sowie deren Abdeckungen sind vorhanden
    4. Beschriftung an der Oberseite ist vollständig erhalten und nicht abgerieben oder verwischt
    5. Batteriefach ist sauber und keine Korrossionsschäden erkennbar
    6. Seilzug/Abstimmung ist in Ordnung
    7. Tastenagreggat setzt aus - Unterbrechungen die sofort aufkommen wie auch Zeitaussetzer möglich
    8. Gerät spielt (im Dauerbetrieb)?

     

    Der Betrieb im Alltag:

    Als Transistorgerät ist nicht viel an Komplikationen zu erwarten. Mechanische Abnützuungen wie die Seilzugführung und das Seil selbst sind auf (lange) Zeit gesehen ein Verschleißthema.

    Die Kondensatoren und Elkos können sich früher oder später sich mit Kapazitätsverlusten aber auch einer deutlichen Erhöhung der Werte melden.

    Mehr von relevanz sehe ich den Dauerbetrieb an unserem heutigen 230 V Stromnetz:

    Das eingesteckte sehr kompakt aufgebaute Längsreglernetzteil NT12 /NT14 wurde für 220 V Netzspannung mit entsprechenden Toleranzen konzipiert.

    Der sehr eng innen liegende, besser gesagt eingepferchte Schnittbandkerntransformator erzeugt neben dem Gleichrichter, der Zenerstabilisierung und dem Längsreglertransistor eine entsprechende Abwärme.

    Zwar sind das Netzteil entsprechend mit Glassicherungen abgesichert. Ein 24h/7Tage Betrieb ohne Kontrolle muss aber hinterfragt werden.

    Denn an der Oberseite des Radiogeräts kann immer nur die wahlweise anliegende Netzteil Niedervoltspannung oder die Batterie-/Akkuspannung Ein-/Aus geschaltet werden.

    Nicht jedoch die primär zugeführte Netzspannung was also einen permanenten Standby Verbrauch verursacht.

    So empfiehlt sich auch hier, den (idealerweise bereits erneuerten) Schnurschalter zum vollständigen Abschalten zu verwenden.

       


    Quellen & Literaturverzeichnis:

    1. GRUNDIG Ocean-Boy 209 14-1602, Ser Nr. 026817 als Eigengerät
    2. GRUNDIG Reparatur Anleitung zum Ocean-Boy 209, Transistor 3001, aus 1969, & 210 abgerufen bei Elektrotanya am 13.10.2022
    3. Div. Grundig Kataloge und Werbungen auf hifi-archiv.info
    4. GFGF Zeitschrift Funkgeschichte zum GRUNDIG Concert Boy; Heft 259/2021, S.233ff

     


    Lesetipps:
    1. Geräteaufarbeitung der GRUNDIG TN12 Transistornetzteile
    2. Modellkunde zum SABA Transall de LUXE
    3. Gerätebericht zum ITT Schaub-Lorenz Weekend Universal
  • © Wolfgang Scheida / Wien, 10-11/2022

     zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm gehörend

    Letzte Überarbeitung: 05.11.22