Ist Robert Adler der Vater der TV Fernbedienung?

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Dokumentation MP3 ~4,7MB

 

 

English short description: Mr. Robert Adler - Father of the TV remote control? - see this Link

 

 

 Eine Homage an den großen Förderer der Couch Potatoes.

  

http://www.mbteach.org/kidsmedia/homer.gif

 

Das Ableben von Robert Adler dieser Tage im Februar 2007 bietet an, das wir uns als Technikhistoriker ein wenig mit seiner Person sowie den ihm zugeschriebenen Erfindungen und Entwicklungen befassen.

Vornehmlich wird der Name Robert Adler im Zusammenhang der (Mit-)Erfindung und Entwicklung der Fernsehfernbedienung genannt.

 

 

Zuerst eine Kurzbeschreibung zur Person:

 

Wer war Robert Adler ? http://web.mit.edu/invent/iow/images/adlerport.gif

 

In Wien 1913 geboren und späterer Student der Physik an der Universität Wien, zwangen ihn die politischen Ereignisse ab dem Jahr 1933 in der Folge zur Emigration in die USA.

Dort trat er 1941 in das Forschungslaboratorium der Zenith Radio Corporation in Chicago ein, wo er unter anderem als Erfinder der TV Fernbedienung genannt wird.

Weitere Tätigkeiten innerhalb seiner beruflichen Laufbahn bei Zenith betrafen die Verbesserung der Synchronisierungsschaltungen im Fernsehgerät sowie militärische Entwicklungen die er als Vizepräsident des Forschungslabors beendete.  

 

 

 

Und so sah die Evolution der Fernsehfernbedienung beim damalig in den 1950er Jahren namhaften Hersteller und Entwickler von Fernsehgeräten neben unter anderem der RCA oder Philco aus: 

 

Es begann, wie man es auch anderenorts bereits seit den späten 1930er Jahren für Rundfunkgeräte kannte mit dem Einsatz einer kabelgebundenen Steuerung.

Diese kam 1950 auf dem Markt und nannte sich  „Lazy Bones“ - auf gut Deutsch "fauler Knochen".

Technisch gesehen wurde mittels Knopfdruck ein Motor im Fernsehempfänger in Betrieb genommen der den Trommelrevolver des Empfangsteils weiterschalten konnte.

 

Etwas seltsam mutet uns aus heutiger Sicht das Design dieser frühen Zenith Geräte selbst an - Dies waren allesamt Geräte mit rundem Bildröhrenausschnitt - auch als Porthole, oder wie wir sagen würden als Bullaugen Fernseher bekannt.

http://www.radiomuseum.org/r/zenith_mayflower_28t925r.html  1949er Zenith Modell Mayflower

 

Dadurch konnte man die tatsächlich erreichbare Bildgröße höher angeben als dies bei einem rechteckigen Bildschirm der Fall gewesen wäre. 

 

Das stolpern über quer im Wohnzimmer gespannte Anschlussleitungen führte zum nächsten wichtigen Schritt: Weg vom Kabel - hin zur drahtlosen Steuerung.

Dabei war natürlich zu beachten das die Steuerung nur das Gerät des jeweiligen Besitzers beeinflussen sollte. Aus diesem Grund musste daher eine Funkfernsteuerung wie sie bereits vom Modellflug und anderen Einrichtungen bekannt war bis auf weiteres ausscheiden. Dazu kam noch, dass die erforderlichen Batterien oder Akkus für eine noch mit Röhren betriebene Fernsteuerung keine befriedigende Betriebseigenschaften gebrächt hätten.

 

Die Lösung zeichnete Robert Adler mit einer auf Fotozellen basierenden Lichtsteuerung vor:

 

Das Modell nannte sich jetzt „Flash-Matic“ -  "Blitz-Matik" und vermochte 4 Funktionen bei der Lautstärke und Programmwahl auszulösen. Dazu leuchtete man mit einer stärker fokusierenden Taschenlampe - jetzt als Fernbedienung bezeichnet  je eine der vier Fotozellen die in den Ecken des Bildschirms angebracht waren an.

 

Leider brachte stärker einstrahlendes Sonnenlicht bisweilen zuerst das Fernsehgerät zum unkontrollierten Umschalten und in Folge sicher auch den Zuseher vor dem Apparat zum Rotieren.

 

Die Lösung der Stunde bot jetzt um 1955 der „Space Command“ an.

Wir dürfen uns dabei duchaus die Namensgebung der Geräte ein wenig auf der Zunge zergehen lassen und finden uns dann im Zeitgeist des Nachkriegsamerika mit einem Flash Gordon auf dem Bildschirm wieder. Oder es spiegelt sich mit dem "Space Command" das aufkeimende Raumfahrtzeitalter bei der Namensgebung wieder, was im Sinne eines guten Marketings Modernität und Aktualität in der Entwicklung der jeweiligen Erzeugnisse andeuten soll.

 

Funktioniert hat der „Space Command“ ohne Batterien oder Elektronik einfach dadurch, dass im Ultraschall Bereich also über den für Menschen hörbaren Frequenzen ab etwa 20.000 Hertz, kleine Metallplättchen per Knopfdruck kurzzeitig zum Schwingen gebracht wurden.

Diese Schwingungen sind von einem im Fernsehgerät eingebauten Mikrofon verstärkt und über Filter zur Steuerung der gewünschten Funktionen weitergeleitet worden.

 

Was die Verlässlichkeit dieses Aufbaues angeht dürfen Zweifel an der Betriebssicherheit angemeldet werden wenn man es mit auf ähnlicher Funktionsbasis arbeitenden Spielzeugfernlenkungen wie sie bis in die 1970er Jahre gebräuchlich waren vergleicht.

Beim Fernsehgerät kommt noch dazu, dass der Apparat selbst abhängig von der ausgestrahlten Fernsehnorm und der örtlichen Netzfrequenz Störfrequenzen emittiert die die Möglichkeiten des Systems zusätzlich einengen. 

Auch das Betätigen der Tasten selbst erforderte das notwenige Fingerspitzengefühl um den richtigen "Ton" zu treffen der vom Fernseher gut verstanden werden konnte.

 

 

Mit dem Aufkommen des Transistors in den 1950er Jahren war es nun auch möglich geworden kleinste batteriebetriebe elektronische Schwingkreise in eine Fernbedienung zu stecken. Damit wurden dann ab den 1960er Jahren ebensfalls bei auf ultraschallbasis arbeitenden Fernbedienungen eine wesentlich höhere Betriebssicherheit und eine größere Anzahl an übertragbaren Steuerbefehlen erreicht.     

 

 

 

Natürlich übernahmen auch die meisten anderen Hersteller zuerst in den USA und in der Folge im Rest der Welt diese oder ähnliche Lösungen zur Fernsteuerung ihrer Geräte.

Vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung war die um die Mitte der 1970er Jahre aufkommende Infrarot Fernbedienung. Für Spezialzwecke wo bewußt von einem Zimmer sozusagen durch die Wand zu einem iin einem anderen Raum stehenden Gerät gefunkt werden soll, sind ab den 1980er Jahren auch individuell adressierbare Funkfernsteuerungen (zB. SAT Receiver Monterey mit multiroom remote Commander) dazugekommen.     

  

 

 

 

 

Und so sah man zwischen 1950 und 1980 in den USA und Europa fern:

 

Allgemein gilt, dass es in den USA von Beginn an die große Auswahl an Programmanbietern es zumindest in den Großstädten notwendig machte ein Umschalten auf eine andere Station vorzusehen. Auch das Zappen bei Unterbrecherwerbung - denn nur so finanzierte sich anfänglich das kommerzielle US-Fernsehengab es ja dort schon seit den 1940er Jahren.

In Europa war eine intensive Programmwahl, von Grenzregionen oder Mehrvölkerstaaten abgesehen, eher erst ab Mitte der 1980er Jahre ein Thema, als das Kabelfernsehen breiten Fuß fasste.

 

Umgekehrt gehört bis in die späten 1980er Jahre zum US Fernseher der 12 Kanal Trommeltuner sowie das UHF Abstimmrad wie das Amen zum Gebet – während in Europa elektronische Abstimmhilfen, Monomat - Einknopfprogrammwähleinrichtungen  oder auch nur Kurzhubtasten für 4 bis 8 Programme Standard wurden.

Die deutsche Zeitschrift Funkschau (Ende 1960er Jahre) begründet dies damit, dass es sonst in den USA Geräte mit 10 und mehr Programmtasten zumindest in Großstädten geben müsste was von der Bedienfreundlichkeit und Übersichtlichkeit ebenfalls nicht optimal gewesen wäre.

 

In der Praxis zappt man seit den frühen 1980er Jahren in den USA über die Cable-Decoder Set Top Box mit der annähernd 160 Fernsehkanäle gewählt werden können.  

 

 

Und welche Arten von Fernbedienungen für Geräte der frühen Unterhaltungselektronik können wir zusammenfassend unterscheiden?

 

1.      Kabelgebundene Fernbedienungen: Diese wurden in die Tonstufe seriell oder parallel eingeschliffen und ermöglichten zumindest in einem bestimmten Umfang eine Regelung der Lautstärke, der Tonhöhe oder der Helligkeit.

2.      Kabelgebundene Fernbedienungen: Diese können zusätzlich zur Tonregelung Motoren und/oder Elektromagnete zwecks Senderabstimmung aktivieren.

3.      Verkleinerte Steuergeräte: Das sind vom Gerät (Audio und/oder Video Monitor) örtlich getrennte Tuner/ZF/(NF) Einheiten die zwecks direkter Beeinflussung im unmittelbaren Umfeld des Bedieners betrieben werden können.    -     

http://www.radiomuseum.org/images/klein/usa%5Fconrac%5F1956%5Ffleetwood%5F800%5Ffront%2Ejpg

 

      Als Stellvertreter dieser Gattung kann der Conrac Fleetwood genannt werden.

 

      

      Eine Sonderlösung stellt hingegen der Regency RT700 dar.

 

      Es handelt sich dabei um einen beim Zuseher aufgestellten Empfänger mit Programmwahlschalter (VHF-Trommeltuner) dessen stets gleiche Ausgangsfrequenz von jedem herkömmlichen Fernseher über das kabelgebundene Antennensignal wieder empfangen werden konnte.  (Ähnlich den heute gebräuchlichen DVB-T/C/S Set-Top Boxen mit Modulator)   

  

4.      Lichtgesteuerte Fernbedienungen mit Fotozellen – wie etwa bei der Zenith "Flash-Matic"

 

5.      Funkfernbedienungen (möglicherweise gebräuchlich in den USA – in Europa aufgrund allgemeiner postalischer Beschränkungen bis ~1990 nicht einsetzbar)  wegen des großen Volumens der Batterien sowie einer ungewollten Beeinflussung von Geräten in der Nachbarschaft anfangs nicht einsetzbar.

 

6.      Ultraschall Fernbedienung mit mechanischer Schwingungserzeugung – (habe pers. auch bei ähnlich aufgebauten Spielzeugsteuerungen kaum eine mit brauchbarer/verlässlicher Funktion gesehen)

 

7.      Ultraschall Fernbedienung mit elektronischer Schwingungserzeugung wie sie für viele Jahre Standard wurde. (Als ein Flaggschiff dieser Gattung im europäischen Markt nenne ich stellvertretend die Nordmende Fernbedienungen mit Sensortasten und mech. einstellbaren Abschalttimer)

 

8.      Infrarot Fernbedienung

 

Die Technik im Detail:

 

Als ein Stellvertreter der Ultraschallfernbedienungen mit elektronischer Schwingungserzeugung darf uns der deutsche SABA Telecommander aus den späten 1960er Jahren dienen. 

Gepackt in ein als handlich zu bezeichnendes Gehäuse vermag er 5 Funktionen zu steuern.

Lautstärke minus - plus, Farbsättigung minus - plus sowie eine Programmweiterschaltung in Schleifenform. Das war bei vielleicht 6 - 8 Programmspeichern die ja auch bei nur 2-3 Sendern mehrfach programmiert werden konnten eine damals elegante Lösung.

 

  

 

Gespeist wird die Fernbedieung über eine einfache 1,5 Volt Batterie.

 

Saba Telecommander Printplatte

 

Oszillatortransistor mit Induktivität und Trimmerkondensator

 

 

Hochwertige kapazitätsstabile Kondensatoren; zu sehen auch die Mikrofon Sendekapsel. Ins Auge fällt weiters der stabile mechanische Aufbau des Tastenaggregats mit dem die jeweilige Hubbewegung in eine Schiebebewegung umgewandelt wird. Frequenzmäßig liegt das Signal bei etwa 38 kHz. Also weit über der Zeilenfrequenz von 15.625 Hz und der 1. Oberwelle auf 31.250 Hz aber auch unterhalb der 2. Oberwelle auf 62.500 Hz.

 

 

 

Wie bereits erwähnt und nicht nur bei Zenith in dne USA sondern auch bei Grundig in Deutschland angewandt erfolgte die Weiterschaltung des (US-VHF) Trommeltuners oder in Europa die der als VHF/UHF Preomaten - Monomaten bezeichneten Programmwähler mittels Elektromotoren. Möglicherweise wird es auch Einzelgeräte mit elektromagnetischer Weiterschaltung gegeben haben, zumindest liegt diese Lösung nahe.

(Der Technikinteressierte sei in diesem Zusammenhang an das Panasonic Transistorportable RADIO Radar Matic RF-2000 mit der kombinierten elektro-/handaufzugsmechanischen Sendersuche verwiesen.)     

Bei einigen SABA Modellen ist die Lautstärke wie auch die Farbwahl mit Motorspindelpotentiometer von Preh geregelt worden. Leider ist diesen Potentiometern bei nicht 100%ig richtiger manueller Betätigung am Gerät selbst oder durch das Weiterdrehen an den jeweiligen Endanschlägen eine kurze Einsatzdauer beschieden gewesen.

  

Bei Grundig wurde es daher noch interessanter. Ab der ersten Super Color Volltransistor Geräteserie um 1973 ist der Regelwert vom Ultraschallempfänger über die obligatorischen Filter an einen FET Speicherbaustein gelangt. Das heißt ein Kondensator ist auf den gewünschten Wert geladen worden und hielt die Speicherladung. Der Wert selbst wurde über einen mit hochohmigen Eingang versehenen Feldeffekttransistor abgenommen und schaltungstechnisch - im Fall von Grundig nur mehr elektronisch weiterverarbeitet. In diesen Bereichen kam auch schon recht früh die Digitaltechnik zum Einsatz.  Als Anzeige fungierten Glimmlämpchen am Tastenfeld des Fernsehers oder gar eine Nixieröhre.  

Der Fernsehzuseher ist bei Grundig kurzerhand zuerst zum Dirigenten und später gleich zum Piloten befördert worden. 

 

  Quelle: Grundig Jahrbuch 1991

 

Die Schnittstelle Mensch/Maschine war dann eben der Tele-Dirigent, später auch der Tele-Pilot 7 oder 12 - letzteres gab die Zahl der Programmspeicher wieder. Die Basisarbeit für diese Lösung muß es auch bereits beim Color 2000 um 1970 gegeben haben.

 

Heute im Jahr 2007 ist es keine primäre Frage der Technik wie eine Fernbedienung zu konstruieren sei. Vielmehr ist es eine Art logistische Herausforderung geworden, möglichst ergonomisch und übersichtlich die vielen Funktionen, teilweise mit einer Doppel- oder noch höherer mehrfach Belegung einer Taste in den Griff zu bekommen. Ob beispielsweise eine Spracherkennung, oder Menuführung von Befehlen der richtige Lösungsansatz ist wird wie so oft letztendlich der Markt bestimmen.

 

 

Schlusswort:

Wieweit die Inanspruchnahme des Wahlrechts vom bequemen Fernsehsessel aus seinen Beitrag zu einer möglichen Beeinträchtigung der körperlichen Bewegungsfreiheit der letzten Generationen geführt haben mag sei in diesem Beitrag dahingestellt und darf von Personen anderer Profession einer Bewertung unterzogen werden.

Fest steht aber, dass die Fernbedienung eine logische Konsequenz in der fortschreitenden Entwicklung und Verbesserung der Fernsehgerätetechnik darstellt. Herr Robert Adler war daher stellvertretend für das Engagement des Unternehmens Zenith am Puls der Zeit um Bedürfnisse des Marktes den jeweiligen technischen Möglichkeiten entsprechend zu befriedigen.

Die zuerst kurzlebigen und im nachhinein als unausgegoren zu betrachtenden Ideen in den 1950er Jahren mündeten letztenendlich in die seit mehr als 25 Jahren gebräuchliche Infrarotfernbedienung was uns zeigt das Konsequenz und Beharrlichkeit in laufender fruchtbarer Konfrontation mit dem jeweils machbaren letztenendes zum Ziel führt.        

 

 

Quellen auszugsweise:

  • http://www.geocities.com/neveyaakov/electro_science/adler.html
  • Grundig Technisches Jahrbuch 1991
  • http://www.haz.de/wisp/231450.html

 

 

 

Betreffend Ihrer Vorschläge für die weitere Nennung von „Vätern“ der „Ersten“ TV Fernbedienung oder besonderen Bauarten bitte ich um sachliche Ergänzungen.

 

2/2007 W. Scheida

 

 

 

www.scheida.at/scheida/televisionen.htm

 

 

 

© 2/ 2007  - by W. Scheida zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm gehörend

Updated: 15.06.08