Einer der Ersten bei uns - Der PHILIPS K6 Farbfernseher

  Bild: Vor über 55 Jahren am 1.Jänner 1969 ging es formal mit dem Farbfernsehen in Österreich los. Das PHILIPS Modell A25K121/30 mit dem K6 Chassis war da Stellvertretend mit dabei. Gesichert für das Elektronikmuseum in der HTL Wien Donaustadt ist er mit der Seriennummer 18933 und Datumsstempel 5/1968 nun schon einmal.


EINLEITUNG:

Was den ambitionierten Bergsteigern die Gipfelerstürmung des K2 bedeutet, das ist den geneigten Fernsehnostalgikern der Philips K6  als Vertreter der ersten Generation an Farbfernsehern.

Es gibt sie nicht mehr allzu oft. Und wenn sie einmal wo auftauchen dann wissen die Abgeber zumeist das sie dafür ernsthaftes Geld verlangen können und dieses häufig bei gutem Zustand des Gerätes auch bekommen werden.

Die Rede ist von der in Österreich ERSTEN Serie an Farbfernsehgeräten, bei denen der international tätige PHILIPS Konzern nachvollziehbarerweise die Entwicklungsphasen bereits in den Niederlanden und Deutschland vollzogen hatte und Österreich mit seiner lokalen Fertigung davon profitieren konnte.

Auch unter Parallelmarken wie bei uns Hornyphon, in anderen Ländern auch als Mediator, Erres oder Aristona kam das Chassis verbaut in manigfaltigen Modellen "unter die Leute" oder besser ausgedrückt auf seinen Ehrenplatz in die Wohnzimmer.

Zur Erinnerung die Zeitleiste als Auszug zur einstigen Einführung des PAL Farbfernsehens in Mitteleuropa:

Land Datum Info
     
CCIR Konferrenz 3. Jänner 1963 PAL System Vorstellung
CCIR Tagung in Wien / Oslo 1965 / 1966 PAL Zustimmung
Großbritannien  1. Juli 1967 Zu Beginn nur BBC2
BRD 25. August 1967  
Niederlande 1. Jänner 1968  
Schweiz 1. Oktober 1968  
Österreich 1. Jänner 1969

 


Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Erinnerungen

  3. Abholung vom Ende der Welt

  4. Der Auftritt des Geräts 

  5. Zur Schaltung und Details

  6. Zustand beim Erhalt

  7. Modellkunde zu den >K< Chassis

  8. Zwischenstand zur Restaurierung

  9. Quellen und Verweise


Akustisch-haptische Erinnerungen an jene Tage

"Und dann konnte man sich schon freuen das jetzt gleich die Farbe kommen wird" blieb mir als Satz im Ohr hängen.

Die Szene war von einem in kollegialen Stil gehaltenen "After Work" Zusammensitzen im nahen Kaffeehaus mit dem Fachtrainer und Ausbildner nach dem Nachmittags stattgefundenen Übungen am Fernsehtrainer Anfang der 1990er Jahre. Ein Fernsehtrainer(Gestell) den es ebenso im Elektronikmuseum mittlerweile zu bestaunen gilt.  

Einer Zeit, wo wir die "Neuen" diese frühe Schaltungstechnik nicht mehr vom Reparaturalltag her kannten, waren doch einerseits schon diese Gerätegeneration aus dem Alltag verschwunden, andererseits wurde ohnehin bereits 24h in Farbe, zumindest, auch bei alten s/w Filmen mit eingeschaltenem Farbartsignalträger sprich Burst gesendet.

Das Philips K6 und Folgechassis war mit einem auch für Laien hörbaren Relais versehen, das vom Farbartsignal geschaltet die Arbeitspunkte der Bildröhre von leicht bläulich schimmernd auf eine neutrale Farbwiedergabe vorbereitete.

Bild: Das Relais direkt am Bildröhrensockel angebracht diente nebst des technischen Schaltvorganges auch als hörbarer Indikator für den Beginn einer Farbsendung.

 Bei Schwarzweißempfang wird ein VDR-Widerstand kurzgeschlossen, so daß der Blauanteil größer wird und sich ein bläulich weißes Schirmbild ergibt.

Bei Farbempfang wird der VDR-Widerstand im Katodenzweig der „roten" Elektronenkanone kurzgeschlossen, so daß sich der Weißton mehr nach Chamois verschiebt. So erhält man eine optimale Farbwiedergabe.

Der Vorteil dieser Weißtonumschaltung liegt darin, daß bei Schwarzweißempfang der Bildkontrast durch das bläuliche Weiß verbessert wird und das mit dem eines normalen Schwarzweißempfängers vergleichbar ist was in jenen Tagen der Gewohnheit der Zuseher entsprach.

Das fand jeweils wenige Zeit vor dem Beginn einer damalig zudem im Fernsehprogramm angeführten Farbsendung, gekennzeichnet mit einem "F" wie "Flipper" statt.

Dies in netter Erinnerung an dem mittlerweile Verstorbenen Herrn Ing. Rudolf Knoll † 2025, Radio- und Fernsehtechnikermeister und seinerzeit Ausbildner am WiFi St. Pölten.

Von noch früherer Zeit während der Lehrausbildung schilderte "mein" Ing. Meister von seinem Erlebten mit diesen PHILIPS K6/K7 Generationen, wohl bedingt durch eine schadhafte Isolierung in Kombination mit einer hochgelaufenen Hochspannung die auch höher als die 25.000V sein konnte.

So sprang an seiner Schulter ein Funke über, der im Bereich der Schuhe gegen Erde wieder austrat.

"Das Hemd mit dem Brandfleck habe ich heute noch aufbewahrt" schloß er seine schmerzhafte und gefährliche Erinnerung daran. Damals war er noch jung und steckte sowas scheinbar unbeschadet weg.

Bild: So gefährlich das sie hinter Gitter muß - die Hochspannung die manchmal auch schon vergaß "nur" 25.000 Volt haben zu dürfen.

Bild: Die Bildröhre erhielt eine (schwere) Mu-Metallabschirmung gegen das Erdmagnetfeld um eine Farbreinheit zu gewährleisten. Aufgerollt wie eine Seiltrosse erkennen wir die koaxiale Hochspannungsleitung deren Kapazität ein "Pumpen" des Strahlstromes bei starken Helligkeits-Kontrastunterschieden möglichst verringerte.  

Mir persönlich sind dieser Art früher Philips Generationen noch im Fernsehalltagsbetrieb stehend bewußt nur zwei mal vor rund über 35 Jahren begegnet:

Einmal als ein beim Kunden reparierter Royal Color Luxus Konsole, wohl mit dem K70 Chassis, bei dem die PL50x Vertikalendstufe gegen einen Halbleiterersatz ausgetauscht wurde. Selbiger kurze Zeit später mit weiterem Fehler zum Ausschlachten in der Werkstatt landete wo ich ihn zwecks Gewinnung des Gehäuses mit der schönen Schiebetür kanibalisierte, während der Kunde mit seinem Neugerät vertraut gemacht wurde.

Ein zweiter Fall ließ mich im "privaten Pfusch" zur Großmutter eines Bekannten hinführen wo ich mich mit dem Nachlöten u.a. am Bildröhrensockel befasste. Ob letzteres Nachhaltig wirkte blieb unklar.

Diese Zeit war aber für mich da schon vorbei und es waren ausnahmslos Halbleitergeräte angesagt.

 


Abholung vom "A" der Welt

Viele Kilometer später westlich Wiens, aber noch innerhalb der Grenzen Niederösterreichs stand er schon in Pole-Position zum Abholen vorbereitet, ehe es noch sehr freundlich in das Allerheiligste von uns Sammlern und Technikern, sprich in die sorgfältig gestaltete Werkstätte und einem kleinen Ausstellungsraum ging und man sich in Fachsimpeln und Erinnerungen nebst der Übergabe weiterer Kleingeräte hingab.

Bild: Mit dabei gab es für Antennennostalgiker noch eine perfekt erhaltene VHF Band I Antenne für den schon lange abgeschalteten Sender Jauerling Kanal 2a zu bestaunen.

"Einen K6 habe ich noch selbst" läßt uns gleich zum Auftakt der Abgeber beruhigend hinsichtlich der dort lokal weitergeführten Tradition in Sachen Fernsehnostalgie versichern.

Bild: "Changing cars in Memphis, Tennessee" - Die vollbrachte Ankunft in Wien im Juni 2026 (KI Bearbeitet)


Zum Auftritt des Geräts

Ein Kasten wirkt subjektiv mehr tief als breit was real B x H x T 710 x 500 x 600 mm sind, bei rund 50 kg an Gewicht.

Bild: Klare Ansage wer da rein darf sowie der Typenaufkleber samt dezenten Hinweis zur Leistungsaufnahme. Das A stand für die lokale Österreich Fertigung. Das Model X25K121 stand für die Niederländische PHILIPS Fertigung.

Gewichtsklassen an denen wir zu zweit mit einer dritten sichernden Person mit Bedacht umgingen und Erinnerungen an vom Konzept her bauähnlichen "Kisten" den sowjetisch-russischen Raduga Farbfernsehern hochkommen ließen die ein ungarischer Branchenkollege in seinen jüngeren Tagen im Servicefall gar alleine, jedoch hinter unserer Landesgrenze zu Tragen wusste.

 

Bild: "Matching Numbers" innen und außen. Weiters ein Datumsstempel am Chassis mit 1968. Zum richtigen Einstellen der Background Regler bedurfte es wahrlich fachlichen "Backgroundwissens"...

Markant ist auch der nur aus Presspappe bestehende zehn mal verschraubte rückseitige Deckel, der der Gerätetiefe einmal mehr seine Kontur liefert.

Damals war dies im Wohnraum "unnötig" Platzraubend. Heute aber ist dies ein nostalgisches Statement jener Ära des frühen Farbfernsehens wo man noch mit 90° Bildröhrenablenkungen im Betrieb war.

Die Gerätefront selbst wirkt aufgeräumt und gibt dem damaligen Besitzer das Abbild von Vertrautem in Form der bekannten Regler und Knöpfe die sich nur durch einen zusätzlichen Farbsignalregler unterscheiden.

Bild: Damit jeder auch an den Sendestunden mit reinen s/w Sendungen wusste das er es mit einem auch wirtschaftlich potenten Besitzer zu tun hatte gab es das RGB Abzeichen für alle Besucher und Gäste am oberen rechten Rand zu bestaunen.

Bild: Vertrautes von Philips wie den Format 20 Automatic A20T684 s/w TV dazu im Vergleich.

Was ebenfalls, anders als beim damaligen Wettbewerb wie etwa TELEFUNKEN hier sichtbar fehlt, das ist ein vom Zuseher frei einstellbarer Farbtonregler, alias einem Farbgeschmacksknopf.

Das sparte einen sichtbaren "verwirrenden" weiteren Frontregler der wie der Klangregler unter einer Klappe verschwand und damit insgesamt 14 bedienbare Knöpfe bzw. Tasten dem Zuseher bot.

Zwei Lautsprecher, einer davon an der Front, der andere seitlich abstrahlend geben das Klangerlebnis. Zudem in "Sprache" umschaltbar.

Bild: Wenig überraschend auch hier eine fast schnörkellose Klasse A Röhrenendstufe ©Philips Schaltungsunterlagen.

Ein Farbschalter erlaubte zudem per Knopfdruck das Zurückschalten auf s/w falls man sich von der Dramaturgie der noch mit der Farbe experimentierenden Regisseure mitunter überfordert gefühlt haben mag.

Oder aber vielleicht auch das Blut im Kriminalfilm vermeintlich zu sehr die Nerven des Zusehers strapazierte.

Dabei war man mit rund öS 25.000 Schilling und dies war damit fürs Erste der besseren Einkommensschicht vorbehalten. Normalbürger, Pensionisten und Berufsanfänger waren da erst einmal außen vor.


Anekdote - Es gab aber auch Sonderfälle:

Ein in den Tagen meiner Eltern sich ebenso frisch vermähltes Ehepaar besaß wie überliefert zwar keinen Schlafzimmerkasten, aber sie hatten sich einen dieser ersten Farbfernseher geleistet auf dem die Mehrzahl der Sendestunden des ausschließlich empfangbaren ORF's noch das reine s/w Programm lief.


Wirklich technisch wird es dann mit der herauslösbaren Konvergenzeinheit was aber nur dem dazu geschulten Techniker vorbehalten war.

Dies in der Hoffnung er wusste was er da tat und hatte dazu den nötigen "Biß" wie man sagt um die drei Strahlen auch maximal Deckungsgleich hinzubekommen. Und zuvor für die Reinheit nicht nur des Aufstellplatzes sondern der Farbe zu sorgen.


Zur Schaltung und einigen auszugsweisen Details dazu

Es handelte sich um ein Röhren-Halbleiterhybridchassis, bei dem die Röhren in quer Beet allen Stufen noch dominierten und die um die Beschaltung der A63-11X 90° Delta Bildröhre aufgebaut waren.

Bild: Es macht die Verwirrung nicht unbedingt leichter: Einsichten in das "Röhrengrab". "Ob das nicht auch einfacher geht" wird sich damals so mancher Techniker gefragt haben. Und ja es ging.....etwas später

Gleich 27 Stück standen 13 Halbleitertransistoren sowie 47 Dioden mit zusammen 97 Funktionen gegenüber, was sich mit das Wohnzimmer wärmender 380 Watt Leistungsaufnahme niederschlug. Aber auch eine im Vergleich zukünftiger Generationen an "kalten Chassis" auch höhere Störanfälligkeit aufweisen ließ.

Wie Karl Tetzner in der [Funkschau, Heft 13/1967] zusammenfasst, so hört man von Philips folgende Erklärung für den hohen Anteil der Röhren und für die demzufolge geringe Bestückung mit Halbleitern; "Der Werkstatt-Techniker im Handel, so wird gesagt, hat genug mit dem Begreifen der komplizierten Farbfernsehtechnik zu tun, so daß er für eine konventionelle Bestückung mit Röhren in der Anfangsphase des Farbfernsehens dankbar ist....";

Vergleiche deshalb den interessanten Ansatz der Wiener Firma MINERVA zum Color 680.

Bild: Sicher ist sicher - und das gleich fünf mal. Er brauchte ja so viel Strom....

Halbleiterbestückt ist der 6 Programm-Tuner der noch nicht die später bei Philips obligatorischen "Wuzzel-Laden" für die Abstimmelektronik erhielt.

Zu den Philips Tuner Entwicklungen sei zudem auf das Buch, bzw. der Buchfolge von Herrn Maximus Randd [siehe Quellen] verwiesen, den man als tiefen Kenner dieser einmal mehr ganz speziellen Materie seit den 1930er Jahren bis ca. 2000 zählen darf.

 

Bild: Der frontstrahlende 2. Lautsprecher, der halbleiterbestückte VHF/UHF Tuner und im "schwarzen Kasten" die Konvergenzeinstellreglerbatterie fpr deren Bedienung die Techniker eine Schablone erhielten. Rechts (C) Philips 1967

Was die Bildröhrenansteuerung betrifft, so findet sich eine Differenzansteuerung, also das Luminanzsignal an den zusammengeschaltenen Katoden anstehend, hingegen die Gitter eben mit R-Y, B-Y und G-Y bespielt werden.

Bild: "Die Matrix schlägt zurück?" PCF200 Farbdifferenzverstärker. ©Philips Schaltungsunterlagen.

Als Sinn und Zweck lernten wir seinerzeit den Vorteil, wonach die Transistortreiber dann nur die 1,3 MHz Bandbreite anstelle der vollen 5 MHz im RGB Fall beherrschen mussten.

Wo aber hier bei den PCF200 Röhren in der Ansteuerung der Vorteil lag erschließt sich unmittelbar nicht.

Wie es heißt sollen damals in der Großserie nicht immer zu schaffenden lineare Aussteuerungen aller Stufen dieses Konzept betriebssicherer gemacht haben. Zudem Netzspannungsschwankungen ohne Trafonetzteil oder Sperrschwinger der Stabilität ebenso nebst der Erwärmung im Betrieb zu schaffen machte.

RGB fand sich bestenfalls in professionellen Studiomonitoren zu dann gänzlich anderen Preisen.

 

Bild: "Verzögerter Auftritt der Zeile" durch die schon baulich kürzere V-Glasverzögerungsleitung der 2.Generation

Selbst im Umfeld des PAL Decoders leistete man sich noch Röhren wiewohl schon im Vorgänger K4 ein Philips PAL Dekoder mit Halbleitern bestückt war.

Bilder: Die Röhre koppelt an die Verzögerungsleitung. Zu erkennen das PAL Flip-Flop in diskreter Transistortechnik sowie den wiederum per PCF802 realisierten Röhrenfarbträgeroszillator ©Philips Schaltungsunterlagen.

Zur Ablenkung:

Wesentliches Thema war die noch aufwendige Erzeugung der Ablenkströme und der Hochspannung die deutlich über denen eines s/w Gerätes lagen.

Dazu die Zusatzspannungen und Ströme die für die passive Konvergenz erzeugt werden mussten.

So arbeiteten eine PL505 und PL500 (Pumpröhre) mit PY500 als Boosterdiode zusammen um per DY51 die rund 4kV Fokusspannung sowie mittels GY501 Einweggleichrichter die 25.000V zu erzeugen.

Bild: Buchstäblich energiefressender Ballast den es in zukünftigen Fernsehchassisgenerationen galt wieder abzuwerfen. Zu sehen auch der im Hochspannungskäfig integrierte Sicherheitsschalter zum Trennen der Spannungszuführung.©Philips Schaltungsunterlagen.

Stichwort: Hochohmige Zeilenendstufe, die auch schon einmal in Sachen Hochspannung hochlaufen konnte und deshalb eine parallelgeschaltete Ballasttriode Typ PD500 geregelt vom Videosignal bekam.

Wurde diese Röhre in der Emission, also systembedingt durch Gebrauch schwach, dann lief die Hochspannung auch schon auf über 30.000 V hoch mit der entsprechend einhergehenden Röntgenstrahlung. Am Bildschirm wohl durch ein kleineres Bild erkennbar.       


Der Zustand des K6 beim Erhalt:

"Er spielt nicht" wurde uns noch informativ auf den Weg gegeben.

Bild: Das volle Chassis aufgeteilt auf etliche Prints und externe Baugruppen. Es gibt noch viel zu tun - und dabei wurde noch nicht einmal angefangen.

Eine Messung von einem museumsbetreuenden Kollegen mit dem Müter BMR 95 Bildröhrenmeßgerät wies leider nur rund 250µA Strahlstrom, zudem weitgehend homogen über alle drei R-G-B Systeme aus.

Es wird folglich auf einem Hochfahren nach der Reparatur/Instandsetzung, Testlaufen und wenn wirklich auch subjektiv sehr schwach scheinend, einem Regenerierversuch ankommen müssen.

Wo man wenig machen wird, das sind Risse in der Gehäusefurnier, seitlich und allen voran oben auf, dort wo das Endstufen Sextett seine Abwärme den Furnierlack im Betrieb "kochen" läßt.

Bild: Auszug aus dem Netzteil; ©Philips Schaltungsunterlagen.

Was man sich ansehen wird, das ist die sogenannte Halbwellenheizung mit der Gefahr durchgeschlagener Dioden die lt. Fachforen zur Zerstörung ganzer Röhrenstränge führen kann.

 

Bild: Chassis innen. Gut zu erkennen die umfangreichen Elko-Batterien (KI freigestellt)


Kleine PHILIPS K6 K7 K8 Modellkunde:

Wenn der K6 das erste Philips Farbfernsehchassis in einer Großserienfertigung war, dann stellt man doch unweigerlich die Frage was es dann mit dem K5 bis hinab zum K1 Chassis auf sich hatte?

Die Sache mit dem K

In diversen Fachbeiträgen steht das K für eine Fertigung im Philips Fernsehwerk Krefeld/BRD. So ganz will ich das nicht glauben, hatten doch Krefelder Fertigungen ein >KR< als Kennung.

Am Beispiel des aus Deutscher Fertigung stammenden "Leonardo Luxus 23TD341A" mit dem Chassis >K2< gab es folglich eine parallele Chassis Benennung für s/w TV's mit ebenso einem "K" das jedoch nicht für die Farb TV's steht.

Zudem man hier in einem Forschungs- und Vorserienstadium oft auch nur als reine Prototypen bis zum Chassis K5 war, was eher für ein K wie "Kleur", im Niederländischen für Farbe bzw. "Kleurentelevisie" steht.  


 

K1 Farb-Großbildprojektor

Sammlerkollegen wie auch das PHILIPS Museum in den Niederlanden sind dem Thema naheliegenderweise schon auf der Spur gewesen und brachten den K1 aus etwa 1955/56 zu Tage, der noch zu Zeiten in denen die Schattenmaske nicht allumfassend gebrauchsfertig war, drei s/w Bildschirme mit Farbfiltern auf eine Mattscheibe projezieren ließ.

Ein Gerät, gefertigt 10x in einer europäisierten NTSC Standard Ausführung, sowie 10x in einem eigenen abgewandelten PHILIPS Farbfernsehstandard, genannt >TSC<, für "Two Subcarrier" stehend, der 1956 dem CCIR Beratungsgremium zum Stand des Farbfernsehens vorgeführt wurde.

Die Ingenieure Haantjes and Teer bildeten dabei eine Art SECAM Farbsystem nach, jedoch mit Amplitudenmodulation anstelle der Frequenzmodulation der beiden Farbartträger.

Ein System das letztlich dennoch keine entscheidenden Vorteile aufwies und nicht weiter berücksichtigt wurde.

Ebenso das K1 Konzept für einen Massenmarkt nicht tauglich war, wenngleich spätere Farb-Projektorgeräte diverser Hersteller sich letztlich dem Grundprinzip bedienten.


K2 & K3 - Nichts genaues weiß man nicht

Bereits mit (runder) Schattenmaskenröhre aus US Amerikanischer RCA Fertigung folgten die Chassis K2 und K3 in einer europäisierten NTSC Variante, eben mit 4,43 MHz Farbträger angepasst an die CCIR Norm B.


K4, ab 1963 bis 1966 wird es ernst

Erst der K4 soll in gesamt rund 400 Stück für Feldtests wie auch dem Kanadischen Markt gebaut worden sein.

Ausgeführt ebenso wie seine Vorgänger als Konsolen-Standgerät ob der noch voluminösen Technik die irgendwie in den gar 72 kg schweren Kasten unterzubringen war.

Die Philips Website gibt dazu einen Vertrag mit Kanada aus 1962 an, wonach "sämtliche" Philips Farb TV's 1964 an Kanada geliefert worden wären.

Sammlerkollegen halten dagegen, wonach in Kanada bisher kein einziges K4 Gerät in Sammlerbesitz aufgetaucht sei was bei dieser relativ kurzen Zeitspanne 1964 bis grob Anfang der 2000er Jahre als sich Sammler zudem bereits vernetzt mehr denn je dem Thema zuwandten eher unwahrscheinlich ist.

K4 Bild (C) Philips

Dieses zudem ein eigenes Chassis bzw. eine Abwandlung aufgrund der US Norm und Netzspannung haben muss und unter der der Modelltype 21KX105A bekannt war.

In der (späteren) Werbung aus 1967 spricht PHILIPS erneut von einer sehr großen Erfahrung mit Farbfernsehgeräten (dann schon der K6), die auf Basis einer Lieferung nach Kanada in der dort wie in den USA eingesetzten NTSC 525/60 Norm ausgestattet waren. Siehe jedoch oben.

Der K4 jedoch gilt als erstes bei PHILIPS in den Niederlanden entwickeltes Farbfernsehchassis, das noch vor 1963 und damit vor der PAL Spezifikation rein für die NTSC Farbnorm (in allen Normversionen) konzipiert worden war und erst um 1964, lt. Stempel an Decodern ab 1965, dann aber für PAL testweise per Nachrüstdekoder adaptiert wurde.

Volltransistorisierte PAL Dekoder (für die Lizenzgebühren bezahlt werden mussten) und für das eben versuchsweise vom PHILIPS Sender Eindhoven verwendet wurde. Dieser jedoch mit roter "VL 1" Verzögerungsleitung aus dem Hause TELEFUNKEN (mit Seriennummern unter 1.000!) und als Printplatte ausgeführt war.

Dazu wurden am R-Y sowie B-Y Ausgang die bisher verwendete Röhre entfernt. In späteren Serien jedoch mit einem dann eigenen Philips Dekoder und der bekannten M-Type Verzögerungsleitung wieder für die Farbdifferenzsignale eingesetzt.

Optisch ist er ebenso wie die vorangegangenen K 2 & 3 an der verwendeten Rundbildschattenmaskenröhre erkennbar.

Diese Modelle, die Rede ist von 200 Stück, (andere Quellen sprechen von 400 Stück, zudem die Seriennummern A100008 bis zur höchsten mit A100377 bestätigt wurden), wurden zur Erprobung eingesetzt.

Zum Einsatz kam eine 53cm AX53-14 Bildröhre als Kopie einer RCA Type die mit dem handverdrahteten Chassis u.a. zum Modell 21KX100A/04 verbaut wurde.

Die Ablenkung wurde durch zwei paralell arbeitenden PL500 und zwei parallelen PY88 Boosterdioden erzeugt. Eine 3A3 Einweggleichrichterröhre für die Hochspannung und eine DY87 für die Fokusspannung decken diese Thematik, hier ohne einer Ballasttriode ab.

PHILIPS Mitarbeiter dann im Personalverkauf auf diese Geräte einen Zugriff bekamen.

Bedienkomfort:

Anders als das uns später bekannte K6 Chassis, waren die vier Einstellregler wie Lautstärke, Farbe etc. zumindest im Schaltplan allesamt mit Motorantrieb gesteuert per Wipptaster angedacht für eine parallel dazu ansteckbare Kabelfernbedienung versehen. Bekannte Modele weisen eher auf Doppelachsenpotis hin.

Weiters besaß er eine frontseitig sichtbare Abstimmanzeigeröhre EM87 wie vom Radio bekannt.

Einmal mehr bot das Chassis bereits die Vielzahl der ausgearbeiteten Varianten die eben PHILIPS Typisch als "Global Player" bereits den nun auch mit der Farbe zu erobernden relevanten Weltmarkt abdecken konnten.

Erst einmal nur angedacht deshalb, da Frankreich eigene Pläne mit dem SECAM System hatte, und Großbritannien anfänglich noch auf Dual Standard 405/625 Zeilen Geräte angewiesen war was aber das Chassis konzeptionell noch nicht bot.  


K5 Das unbekannte Wesen

Nach aktuellem Wissensstand, soll der Erfolg an den Arbeiten zum K6 Chassis die tiefere Auseinandersetzung, Perfektion und Serienreifung des K5 aufgrund der schon vorhandenen Marktnachfrage übersprungen haben und man so gleich zum K6 übergegangen ist.


K6 - K6N - Zum vorliegenden Chassis der Auftakt in den Massenmarkt

Eben ab 1966, die Farbnormfrage war für die vorerst relevanten Länder wie den Niederlanden und Deutschland weitgehend geklärt, ebenso im Hintergrund die notgedrungene Zusammenarbeit mit dem "Erfinder" des PAL Systems, dem TELEFUNKEN Konzern, Stichwort Lizenzabgaben, sodas es jetzt wirklich den Roll-Out auf Basis der folgenden Farbtauglichkeit der Sendeanstalten geben konnte.

Dieser erfolgte in manigfaltigen Chassisausführungen, erkennbar an "A02 bis über A46".

Versionen wie in den Schaltungen beschrieben sowie Weiterentwicklungen, erkennbar am "N" wie Neu, also >K6N<.

Erfahrungen im Export

"Das im Philips-Farbfernsehempfänger Goya,verwendete Chassis K 6 ist das vorläufige Endglied langjähriger Entwicklung. Die Grundausführung dieses Chassis für die NTSC-Norm wird seit Frühjahr 1966 in Holland produziert und nach Kanada geliefert.

Die PAL Version dagegen kommt seit einigen Monaten aus den Fernsehgerätefabriken Krefeld und Eindhoven und steht seit Anfang Juli 1967 in zwei Gehäuse-Variationen dem deutschen Fachhandel zur Verfügung" gemäß [Funkschau, Heft 13/1967].

Bild: Mit einem Philips Color TV, da sah man alles ganz genau... zumindest vorerst in Kanada. (C) Philips Werbung 1967

Auch hier steht die Frage nach überlebenden Kanada Geräten im Raum.

Der optische Auftritt der Gerätemodelle passte sich wenngleich das Grundkonzept sich wenig änderte den Kundenwünschen an.

Der 90° Ablenkwinkel der Bildröhre bot im Vergleich zu s/w TV's eine geringen Lichtausbeute durch die Schattenmaske.

U.a. existierten auch Mehrnormen Sonderchassis für den Belgischen (u.a. AM Ton/invertiertes Bildsignal) wie auch dem Britischen Markt (G6 Chassis).


K7 - K70 - K7-S - K7N - K7 Skan - ~1969-1971

Mit der A63-11X, gesteigert zur A65-120X, weiters der A66-120X, noch gesamt 14 Röhren und ab 53 Transistoren und einem IC (TAA550) ausgestattet war man eben 1970 u.a. im Royal Color 26xxx wie auch "Funkberater Exklusiv" Modellen unterwegs. Bei rund 315 W, höherer Halbleiterintegration und somit gesenkten Verbrauch.


K8 - K8D - K8L; ~1970-1973

Neuer Wein in alten Schläuchen? Was hatte man denn beim K8 wirklich besser gemacht?

Ehe es bald volltransistorisiert wurde, legte man mit der A66-140X, noch gesamt 15 Röhren und nochmals bis auf gesteigerte 79 Transistoren sowie 2 IC's ausgestattet die letzte PHILIPS Farbfernsehergeneration mit 110° Dickhalsröhre auf.

Was weiterhin blieb, war die Ballaströhre, nun zur PD510 Weiterentwickelt.

Die Leistungsaufnahme stieg durch die höheren Ablenkleistungen wieder an.


K80 - ~1972

Nur mehr 11 (13) Röhren und eine Hochspannungskaskade unter weglassung einer Ballaströhre bestückte u.a. mit der A56-140X oder A66-140X Bildröhre dieses Chassis.


K9 - Das erste PHILIPS Volltransistorfarbfernsehchassis

1973, die entsprechenden Halbleiter (u.a. BU108) waren nun verfügbar, kam PHILIPS mit seinem K9 Chassis einem "Millionenerfolg" auf den Markt.

Das Farbfernsehen erreichte ab nun deutlich energieeffizienter u.a. mit einem niederohmigen Zeilenendstufe den wirklichen Massenmarkt in Form immer mehr leistbarer betriebsstabiler Geräte was selbstredend eigene Fachartikel verdient.


Die >K< Chassis in der Übersicht (©Bildquellen bis K5 alle PHILIPS)

Bild Chassis Saison Info Stückzahlen
K1 ca. 1956 Projektions TV;
20 Stück mit je 3 s/w Röhren mit Schmidt-Optik versehen, davon 10 mit NTSC Decoder und 10 mit TSC Dekoder.
20
K2   Mit RCA Rundbildröhre und 4,43 MHz NTSC Farbdekodern ausgestattete Testmodelle ?
K3 Mit RCA Rundbildröhre und 4,43 MHz NTSC Farbdekodern ausgestattete Testmodelle ?
K4 im handverdrahteten  Modell 27. Juni 1964 Erste (NTSC) Testsendung am 14. Oktober 1964 für rund 100 Philips Mitarbeiter die solch ein Gerät zum Testen hatten und den Philips Werkssender in Eindhoven empfangen konnten.
Es folgten einmal monatlich Farb TV Testübertragungen. Später PAL Umrüstungen.
200-400 Gesamt
K4 im 21KX100A   210-230V, NTSC 625/50, VHF/UHF Tuner nach CCIR B/G gedacht für BRD/Niederlande etc.  
K4 im 21KX101A/01   wie oben jedoch nur UHF, für Frankreich angedacht vor deren SECAM Votum (6,5 MHz AM Ton ZF)  
  K4 im 21KX102A/01   210-230V, NTSC 626/50, VHF/UHF Tuner nach CCIR I (6 MHz Ton ZF) "Brema Version" (Für die >British Radio and Electronic Equipment Manufacturers Association< und deren 1964er "colour television home viewing tests"  
K4 im 21KX105A   117V/60Hz, NTSC 525/60, US VHF Tuner, 21FBP22 70° Rundbildröhre Kanada Export? 
K5 Eine Zwischenvariante die basierend auf dem K4 jedoch bereits dem K6 am meisten ähnelnd durch die schon fortgeschrittenen Entwicklungsarbeiten am K6 und der geforderten Nachfrage des Marktes "übersprungen" wurde. Vermutlich wenige Prototypen 
K6 in allen Varianten 1966-1968 Erstes in Großserie bei Philips gefertigtes Farbfernsehchassis 1. Massenmodell
  K7     2. Massenmodell
  KM-1 1970/71 Vom K7 abgewandeltes Multinorm Chassis u.a. für Belgien 625/819 Zeilen PAL/SECAM Nischentype
  K8 ~ 110° Ablenkung die mehr Ablenkaufwand und Leistungsaufnahme erfordert. 3. Massenmodell
  K9 1973 Erster PHILIPS Volltransistor Farb-TV Chassis was ein eigenes Thema mit einer neuen Ära in der Unterhaltungselektronik darstellt 1. Volltransistormassenmodell

 


Vorläufiger Zwischenstand

Man wünscht dem Elektronik Museum viel Erfolg bei der Wiederbelebung und Aufarbeitung dieses schon selten gewordenen Gerätes.

Einblicke kann es vielleicht an den langen Nächten der Museen auch für die Öffentlichkeit geben.

Der evolutionäre Nachfolger K9 steht dort in jedem Fall schon vorführbereit.


Quellen und Verweise:

  1. Originalgerät K6, A25K121 aus 1968, Ser. Nr. 18933

  2. Philips Originalunterlagen zu Chassis K6

  3. https://www.maximus-randd.com/tv-tuner-history-pt1.html; abgerufen am 11.6.2026

  4.  https://www.worldradiohistory.com/INTERNATIONAL/Funkschau/1967/Funkschau-1967-13.pdf; abgerufen am 11.6.2026

  5. https://www.philips.nl/a-w/philips-museum/verhalen/Philips-viert-70-jaar-televisie.html; abgerufen am 11.6.2026

  6. https://technischmuseum.nl/devices/Philips%20K6/Philips%20K6.html; abgerufen am 11.6.2026  

  7. https://technischmuseum.nl/devices/Philips%20K4%2021KX100A/Philips%20K4%2021KX100A.html; abgerufen am 11.6.2026

  8. Buch: TRANSMISSION AND DECODING IN COLOUR TELEVISION 1964

  9. https://eindhovenfotos.nl/1/televisie_eindhoven.htm; abgerufen am 11.6.2026

  10.  https://collection.sciencemuseumgroup.org.uk/objects/co34507/philips-colour-television-receiver-model-21kx102a; abgerufen am 11.6.2026

  11. https://www.oldtechnology.net/k4.html; abgerufen am 11.6.2026

  12. http://server.idemdito.org/blog/histo/tv/televisie-2.htm; abgerufen am 11.6.2026

  13. https://technischmuseum.nl/documentation/documentation%20files/Philips%20K4%2021KX100A/Philips%20K4%2021KX105A.pdf; abgerufen am 11.6.2026

 


© Textzusammenstellung 6/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 13.06.26