Bild: Der PHYWE - PEK FFLE 2001 PAL 17061.93 Farbfernsehlehrempfänger, letztlich gelandet im Elektronikmuseum Wien 22 im Jahr 2025. Oben rechts zu erkennen der bekannte PHILIPS PAL Farbtestbildgenerator PM5509 aus den 1970ern für das einspielen des obligatorischen Kreises, Gittermusters oder auch des Farbbalkens.
Um sich als angehender Techniker mit dem Wesen eines Fernsehgerätes vertraut zu machen gab es grundsätzlich den Weg sich per "Learning by Doing", also dem empirischen in Verbindung mit Fachliteratur und von fähigen Meistern oder Gesellen geleiteter Ausbildung herantasten.
Damit einher ging zumeist das Verstehen der einzelnen Funktionsstufen am "lebenden" bzw. noch leblosen weil funktionsunfähigen Objekt, dem Fernsehgerät eines Kunden.
In der Mehrzahl der Fachwerkstätten wird dieser Weg den Alltag begleitet haben ehe ein Lehrling, alias Auszubildender nach drei, bzw. dreieinhalb Lehrjahren als letztlich vollausgebildeter Radio- und Fernsehtechniker so gut wie alles bezogen auf die jeweilige Gerätegenerationen gewissermaßen intus hatte.
Das Ganze mit einmal wöchentlichen oder als mehrwöchige Blockveranstaltung durchgeführten Berufschulbesuches im Rahmen des dualen Ausbildungssystems.
Siehe dazu auch meine Erinnerungen an die Ausbildungszeit.
Es gab aber neben dem direkt mit Kunden in Kontakt stehenden Reparaturgewerbe wo klarerweise auch unmittelbar das Geld kommerziell eingespielt werden musste Institutionen, in denen zumeist etwas Abseits der unmittelbar zu realisierenden Wirtschaftlichkeit die Ausbildung etwas umfangreicher, dafür meist auch in einer etwas mehr theoretischer Natur stattfinden ließ.
Dazu passen für Österreich die Fachschulen in denen auch abseits des Gewerbes das Handwerk erlernt werden konnte.
Und dann gab es den breiten Bereich der Erwachsenenbildung das als wesentlichen Träger das WIFI - Wirtschaftsförderungsinstitut inne hatte um Ausbildung allen voran der Weiterbildung wie eben Meisterprüfungsvorbereitungen anbieten zu können.
Womöglich gab es auch noch Institutionen der Wirtschaftskammer selbst im Gewerbehaus Wien 3 mit einer ähnlichen Aufgabenstellung, zumindest für die Zeit vor dem WIFI.
Für das weitläufigere ländliche Österreich hingegen kann stellvertretend für ähnliche Einrichtungen der bereits anderweitig beschriebene Ing. Prenner in Poysdorf Niederösterreich angeführt werden, der ob parallel oder zusätzlich zu seinem Fachbetrieb auch die Ausbildungsschiene für seine Region, zudem als aktiver Kammerfunktionär betrieb.
Und in diesen Institutionen galt es letztlich systematisch und auch soweit wie möglich fair einen Techniker hinsichtlich seiner Fehlersuchkompetenz und als angehenden öffentlichen Vertreter der Branche nach außen hin auf Herz und Nieren, oder besser gesagt nach den fachlichen Fähigkeiten hin zu prüfen.
Bezogen auf die Fernsehreparatur gelang dies wohl am besten und effizientesten mit einem standardisierten Prozess mit klar definierten Fehlerbildern an denen sich auszugsweise nach dem Zufallsprinzip der angehende Techniker(Meister) daran mit einer eintrainierten Fehlersuchsystematik abarbeiten konnte.
Dreimal bin ich bisher (schon lange nicht mehr in diesem Gewerbe stehend) mit den Fernsehtrainern bzw. Fernsehschulungsaufbauten konfrontiert worden:
So gibt es leider kein originales Erinnerungsfoto des großen imposanten Aufbaus eines frühen Farbfernseh Fernseh Trainer Gestells, an dem zukünftige Fernsehtechniker Gesellen und wohl auch Meister ihre Prüfung vorbereiten und auch ablegen konnten.
Ich selbst stand Anfang der 1990er Jahre allerdings andernorts vor einer etwas modernen Version einer solchen Geräteanordnung, an der der Geräteschaltplan auf aufgeständerten Tafeln abgebildet war und per Tastatur bestimmte künstliche Schaltungsfehler vom Prüfer eingegeben werden konnten.
Bild: Am Beispiel der Tonstufe konnten Signale abgenommen werden. Die zu erwartbaren Oszillogramme bzw. Spannungen waren übersichtlich am Gerät aufgedruckt. Dazu gab es den eigentlichen Schaltplan in Papierform.
In Folge galt es, sich durch Analyse und gezieltem Messen möglichst effizient und zielgerichtet dem Fehler, im schlimmsten Fall einer Fehlerserie zu nähern. Bei mir war ein Grundig Super Color Chassis mit der Thyristor Zeilenendstufe der ausgehenden 1970er Jahre die Basis des Gerätetrainers.
Bei Ing. Prenner war es denke ich ein Körting oder sonstiges FFS Chassis deutscher Herkunft ich denke als Hybridchassis als Basis das geschätzt eine Fernsehgeneration, was ja nur eine sehr kurze Zeitspanne gewesen sein kann, schon zuvor am Markt erschienen war. Also geschätzt um 1970.
Schon immer waren diese Aufbauten sehr teuer und daher nie ein Massenerzeugnis!
Leider hatte ich weder den Platz noch die Transportmöglichkeit um einen Erwerb auch nur ansatzweise überlegen zu können. Ebenso wusste ich keinen Kollegen der sich dies "umhängen" hätte können.
Mit Zustimmung des Verkaufsteams jedoch versuchte ich den Gerätesatz einmal testweise zum Laufen zu bringen. Der Tausch der Primärsicherung brachte aber leider nichts, da durch die lange Standzeit mit Sicherheit eben die Ladeelkos zuerst langsam formiert werden mussten was im Rahmen meines kurzen Besuchs naturgemäß nicht möglich war.
Was bleibt, ist die Frage was mit den imposanten Gestellen und der damals sicher noch eingesetzten A63-120X Delta Farbbildröhre passiert sein mag. Hat sich ein Sammler seiner angenommen?
Und dann gab es für mich im Rahmen der >Lange Nacht der Museen< 2025 in der HTL Wien-Donaustadt in Verbindung zu den Feierlichkeiten "70 Jahre Fernsehen in Österreich" ein Deja-Vu als ich "meinen" seinerzeit studierten Fernsehtrainer wieder in Natura sah. Es war zumindest die baugleiche Version davon soweit ich sie in Erinnerung hatte.
Bild: Eine Corporate Identity in allen Belangen fand sich beim voll mit Herzblut engagierten HTL Museumsteam. Beachten Sie den Aufdruck am Hemd!
Per Zehnfachtastenfeld können digital Fehlerbilder nach einem vorgegebenen Katalog eingegeben und auch mehrere davon gespeichert und vom die Prüfung oder die Übung absolvierenden Techniker abgearbeitet werden.
Zwar erkannte ich wie die meisten Kollegen, falls es uns nicht ohnehin auch noch gesagt wurde das GRUNDIG Supercolor Farb TV Thyristorchassis jener 1970er Jahre an den aufgedruckten Schemata. Zu meiner Zeit ein noch im Kundenstock durchaus präsentes Gerätekonzept, aber dennoch schon längst vom reinen Transistorkonzept in der Zeilenendstufe, oder gar den (Grundig typischen) kombinierten Netzteil-Zeilenendstufen abgelöst.
Detail: In der einstigen DDR ging man ab Ende der 1960er Jahre (!) also von Anfang deren Farb TV Technik an den Weg des Transistorzeilenendstufenkonzepts, um insbesonders den höheren induktiven Bauteilaufwand als Kupfermaterialeinsparung im Vergleich zum Hinlauf-Rücklaufthyristorkonzept zu erzielen. Stichwort "RFT Color 20" Entwicklung.
Bild: Rechts oben die Tuner-ZF Baugruppe. Rechts unten der Trenntransformator. Links mitte die Fehlerzuschaltmatrix mit Netzteil dazu unten links.
Was ich damals nicht wusste, das war das die einzelnen GRUNDIG Chassis von PEK als eigene Printplatten je Funktionsstufe neu konzipiert, aufgebaut und womöglich auch anderes arrangiert worden sind.
Das ist letztlich nachvollziehbar, war aber zugleich sicher in Summe sehr aufwendig.
Bild: "Die Matrix schlägt zurück" oder doch letztlich der sie bekämpfende Techniker? Schaltrelais für die Wahl der Fehlerbilder.
Die Art des Modulaufbaues erleichterte "echte" Reparaturen aufgrund der eher intensiven fallweise im Grenzbereich betriebenen Schaltungsabschnitten im Fehlerfall.
Zudem was zweifellos sinnvoll war, jeder IC eine Steckfassung bekam um unmittelbar im erweiterten dann echten Reparaturfall die damaligen Standardbauteile just in time austauschen zu können. Gewissermaßen als Reparatur vor der "Reparatur".
Mittels einer wie obig beschrieben angesteuerten Relaisschaltmatrix griff diese in die Baugruppen wahlweise als Unterbrechung, als Kurzschluß oder als geänderter Bauteilwert ein und schuf so ein Fehlerbild das der Techniker fachlich zu beheben hatte.

Bild: Symbolbild für einem hier noch in s/w Technik aufgebauten zudem kleineren Fernsehgerätetrainers für Ausbildungs- und Prüfungszwecke auf 10 Schaltplatten um die AW28-13W Bildröhre aus dem Jahr 1968 vom Hersteller PEK-Electronic, Paul E. Klein Electronic; Tettnang.
Verwendet wurde ein Graetz/ITT Chassis. Ebenso erkennbar links das PEK 2001 Oszilloskop sowie der Nordmende TV Wobbler.

Bild: Stellvertretend das Einzelmodul eines s/w Fernsehtrainers für ein zusammenhängendes Gestell an dem die Funktion wie auch Fehler manuell dargestellt werden konnten.
PEK, Paul E. Klein Electronic; Tettnang, damals BRD
Gemäß RM.org 1973 verkauft Dr. Klein die Fa. PEK an den Lehrmittelhersteller Phywe A.G. Göttingen; 1976 wird die Fa. PEK Tettnang durch die Phywe A.G. aufgelöst.
Inwieweit diese obig beschriebenen Geräte unter PEK oder Phywe vermarktet wurden ist noch zu untersuchen. Hilfreich hierzu wären Kataloge.
In jedem Fall war man da schon länger mit diesem Metier vertraut wie hier nur Stellvertretend angeführt es bereits zumindest seit 1955 gemäß der Radioschau bereits Schulungsapparaturen für den reinen Rundfunkempfänger selbst gab.
Wir wünschen dem Team des Elektronik Museums der HTL Donaustadt die Zeit und Muße den TV Trainer wieder voll funktionsfähig herzustellen um "Retrotechnikern" ihre Erinnerungen an ihre Zeit als Reparaturtechniker wiederbeleben zu können, aber auch um jungen angehenden Ingenieuren der Gegenwart einen Einblick in diese vergangene Zeit des Reparaturgewerbes hobbymäßig und gefahrfrei zu ermöglichen.
Vertiefende Erkenntnisse können dann hier nachgetragen werden.
Bekanntes PEK Gerät seinerzeit in den 1990er Jahren im WIFI St. Pölten
bekanntes Gerät ~BJ ca. 1970 um 2010 bei Ing. Prenner NÖ,
bekanntes Gerät HTL Donaustadt ca. 2025 als Schenkung erhalten
Foreneintrag zu 1966er s/w Version im dampfradioforum.de/viewtopic.php?p=33459&hilit=pek#p33459ert abgerufen am 5.12.2025
PEK Beschreibung zum Trainer in der Funkschau Jahrgang 1968 Heft 9, Seite 739
Nennung PHYWE Schulungstrainer in der RADIOSCHAU Heft 6 1955.
Eine allgemeine Beschreibung der PEK-Lehrsysteme findet sich in der Funkschau 1972, Heft 22, Seiten 817 bis 820. Titel: "Lehr und Lerngeräte für Elektrotechnik - Elektronik", Autor: Paul E. Klein
Suchbegriffe:
PEK Fernsehtrainer, Grundig Super Color, Phywe Schulungsempfänger, Körting, Hybridchassis, HTL Donaustadt,
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Textzusammenstellung 12/2025; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu www.scheida.at gehörendLetzte Überarbeitung: 14.12.25