
Bild: Die SIEMENS Nebenstellenuhr >Oe.Z.nbu.3b< wie sie in einem Amtsgebäude, einer Schule oder einem Industriebetrieb einst Jahrzehnte lang freudig jede Minute vor sich hin gesprungen ist.
Nie geplant, aber als spontaner "Beifang" im Rahmen der Abholung des WSW Radiokurier Radio-TV Kombinationsgerätes aus den 1950er Jahren lagen im Eingangsbereich eines Althauses in St. Pölten zwei aus gleichem Hause im Sinne des Herstellers SIEMENS bzw. WSW stammende große Uhren.
Eingestaubt und sehr stark verschmutzt, die Uhrenabdeckgläser fehlten schon, da anzunehmenderweise irgendwann zerbrochen, aber das schöne Markenlogo wie auch das große Ziffernbatt und die Zeiger ließen mich spontan zuschlagen.
Im geistigen Auge suchte und fand ich zudem gleich einen Platz wo sie zukünftig würdevoll ihr Herz weiterschlagen darf.
Bild: Bemitleidenswerter Zustand beim Erhalt
Bewusst wählte ich von den Beiden das augenscheinlich ältere Modell mit einer Alu-Dose rückseitig die wohl das Uhrwerk schützte. Die andere hatte das WSW Logo und ein Kunststoffgehäuse am Uhrwerk.
Ein schon zerzaustes stoffummanteltes Kabel das für sich schon über das Modellalter Zeugnis gibt hing lose weg.
Erst später erkannte ich die Dellen im Gehäuse die auf einen oder mehrere "Abstürze" verwiesen.
Hatte ich bisher nur am Rande mit der Thematik zu tun, da bei aller Liebe zur Analogtechnik glücklicherweise mit dem ersten Mobiltelefon Anfang der 1990er Jahre und zuvor noch der Zeitansage der Post unter der Nummer 1503, nebst Radioansagen, dem Teletext, dem GRUNDIG Luxus Fernseher mit Uhreneinblendung am Bildschirm, sowie den Uhren im Auto das Thema des erhalts der Zeitinformation alternativ mehr als ausreichend abgedeckt wurde.
Selbst als Kind fiel eine zudem in transparentem Gehäuse befindliche vom Urgroßvater geschenkt bekommene natürlich reine analoge Armbanduhr zuerst dem Zerlegen zum Opfer ehe ich erst später die Zeit mit einer dann weniger attraktiven Uhr zu lesen lernen verstand.
Weiters eine 2021 als Zierartikel für den Arbeitsplatz in Form einer Wassermesseruhr aus Ebay-Kleinanzeigen stammend die elegant ein exakt passendes Quarzuhrwerk integriert hatte.

Zentraluhren selbst kannte ich u.a. vom GRUNDIG Fernsehwerk, wenngleich nur in der passiven Wahrnehmung.
Und dann fällt mir wieder ein, das in meiner einstig besuchten öffentlichen Schule es im Direktionszimmer ja ein schon für die 1980er Jahre sehr altmodischer "Regulator" alias einer Mutteruhr an der Wand hing, der wie sich erst jetzt der Zusammenhang wieder erschließt all die Nebenstellenuhren in den Klassenräumen taktete.
Bild: Der neue Siemens Ausstellungsraum mit eben auch dieser Art der Zentraluhr im Bild. Quelle: Werbebild aus Österreichische Radioschau, Heft 10, Oktober 1955
Dass das weltumspannende Unternehmen SIEMENS mit all seinen Tochtergesellschaften und Länderdependanzen von der Generatorturbine über die professionelle Elektronik bis hinunter zur Unterhaltungselektronik eben auch zudem schon früher den Markt der Industriezeitanzeigen abdeckte, darüber haben sich schon andere sicher umfangreicher beschäftigt.

Bild: Dick drinnen in Sachen elektrischer Zeitmessung wie uns diese zudem hochwertige Farbwerbung anno 1954 zeugt. Quelle: Werbebild aus Österreichische Radioschau, Heft 10, Oktober/November 1954. Beachte, das noch nicht alle potentiell daran interessierte Kunden in Ermangelung eines Wechselstromanschlusses hier zugreifen konnten.
Bisherige in Sachen Uhrwerk-Restaurierung leider wenig erfolgreichen Beschäftigungen bezogen sich auf die bekannt komplexen und meist total verschlissenen Klappzahlenradiowecker sowie Bandzahlenradiowecker am Beispiel des 1970er Modells GRUNDIG sono-clock 30b.
Nach einer sanften Reinigung und Inspektion erkannte ich, das es sich nicht wie Anfangs gedacht um eine 50 Hz Netzsynchronuhr sondern um eine Nebenstellenuhr handelte die einst exakt jede Minute einen zudem 24V Gleichspannungsimpuls gesendet bekam.
Zu erkennen am sehr einfachen Aufbau des Uhrwerkes wo "einige Bauteile" im Vergleich zu einer autonom arbeitenden Uhr fehlen dürften.
Bild: Hintergrundwissen - >Oe.U.nbu.3b - 15K2 R59< sind da an Stempel vorzufinden
Der Minutenzeiger dann schön um genau eben diese eine Minute weitersprang wie man es auch von Bahnhöfen etc. her kannte.
Schon war ich in Gedanken wie ich mir eine "Zentrale" also einen DCF77 geteuerten Taktgeber der alle 60 Sekunden einen Impuls an die Uhr abgab bauen könnte, ehe sich Ernüchterung breitmachte wonach das Uhrwerk, konkret seine Lager für den Anker mit sehr großem Spiel schon so verschlissen waren, dass die Uhr immer nur gerade einen Impuls verkraftete und sich sogleich durch ein Verkanten wieder "aufhing".
Bild: Das Messingplättchen in dem eine Bohrung das gefühlt 0,5mm starke Lager(spiel) vorgibt. - Aber man könnte doch da ... und müsste nur .....
Die Gleichspannungsspule mit 1.200 Ohm für umlötbaren 12V, 24 V oder 60 V Betrieb. >Oe.U.ltw 53d - 15J5 - G< gestempelt.
Da ich nicht in die Tiefen der Feinmechanik mit einem Überholen des Uhrwerks abgleiten wollte, musste eine andere praktikablere Lösung her.

Bilder: Das starke Achsspiel auf der Oberseite.
Die Idee war nun ein DCF77 Uhrwerk einzubauen was aber daran scheiterte, da es scheinbar explizit angeführt keine ausreichend drehmomentstarken Nachrüstuhrwerke gab die die langen und auch haptisch gefühlt schweren Metallzeiger 120 & 155 mm verläßlich und nachhaltig bewegen könnten.
So wurde ein Quarzuhrwerk mit langen Zeigern evaluiert mit dem das Passen könnte.
Zudem mit dem Vorteil, dass die Aluabschirmdose als Staubschutz dann bleiben kann, was beim DCF Langwellenempfänger systembedingt nicht möglich wäre.
Einzig was mich daran stört oder zumindest abgeht, das ist das stilgerechte Weiterspringen des Uhrenzeigers jede Minute was nun durch das gleichmäßige Weiterbewegen leider ersetzt werden wird.
Bild: Auf die Länge kommt es drauf an - Wahl der richtigen Zeigerlänge zum Erhalt des Originalbildes.
Das vermutlich leicht gewölbte Uhrenglas hatte einen 260 mm Durchmesser.
Der schwarze Dämpfungsgummi ist zudem noch einwandfrei ohne Risse erhalten geblieben.
Sollte ich günstig an ein Glas einmal zufällig kommen dann werde ich das noch ersetzen.
Letztlich kommt es anders als geplant.
Es fand sich ein Funkuhrwerk mit langen Zeigern auf Amazon, natürlich made in China das ohne mechanische Änderungen anstelle der Mechanik eingesetzt werden konnte. Kostenpunkt rund 23,- €.
Lediglich die drei Bohrungen wurden adaptiert um drei Stück kurze Blindschrauben einsetzen zu können.
Ebenso musste der Abstand zum Gehäuse mittels Beilagscheiben verkürzt werden.
Natürlich ist es nicht Vergleichbar wie im Original, aber einmal ein Anfang für obig beschriebene komplexere Lösungen an einem Tag X.
Bilder: Umgebaut mit Funkuhrenwerk. Zudem alles reversibel falls einmal wieder das Originalwerk integriert werden soll.
Archiv Scheida
http://www.suessbrich.info/elek/MutterUhrNeu/SiemensIndustrieuhr_Unbu4d.html abgerufen am 23.6.2026
https://clockdoc.org/gs/handler/getmedia.ashx?moid=39772&dt=3ert abgerufen am 23.6.2026
Österreichische Radioschau, Heft 10, Oktober 1955
Suchbegriffe:
Siemens Austria WSW Nebenstellenuhr, Springzeigeruhr, DCF77 Funkuhrwerk,©
Textzusammenstellung 6/2025; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu www.scheida.at gehörendLetzte Überarbeitung: 27.06.26