
Bild: Der WSW Radio-Kurier, Modell FSR 840 aus 1958
Zwar nicht als "Kurier des Kaisers"*, aber als modernes Kombinationsgerät für den nunmehrigen "König Kunden" gab es in der Saison 1958 diese interessante Radio-Fernsehkombination für den österreichischen Markt das es allemal Wert ist wohl erstmalig in der neuzeitlichen Reprospektive öffentlich vorgestellt zu werden.
Ein Beweis, dass es nebst der Marktdurchdringung von PHILIPS, HORNYPHON und MINERVA eben auch weitere Marktteilnehmer mit schönen wie auch technisch interessanten Fernsehgerätemodellen gab.
Einen "Kurier" als Modellbezeichnungen für Radiogeräte finden sich seit den 1930er Jahren bis zu dieser Saison vorwiegend bei Geräten aus dem Hause "Telefunken". Die Hersteller "Seibt" und "Metz" folgen damit weit abgeschlagen.
Es liegt die Namenswahl zudem nahe, da nach dem gleichnamigen Printmedium als Zeitung, nunmehr mit dem Radio, vielmehr später mit der Bildinformation des Fernsehens "Nachrichten" besonders schnell mittels dieser Medien befördert wurden.
"Der "Kurier des Kaisers" war dann eine 1950er
Verfilmung die wir hier für österreichische Verhältnisse passend als Vorlage
finden. In östlicheren Regionen mag es dort der "Kurier des Zaren" gewesen sein.
Bild:
Filmheft 1950 der Filmbühne
Noch gab es 1955 und auch später seitens der geneigten Käuferschaft in sachen der (teuren) Fernsehgeräte Unklarheiten hinsichtlich der Zukunft des neuen Mediums.
Wird das Fernsehen das Radio verdrängen?, war da so eine Frage,
Die andere zielte wiederum auf den Wunsch nach einem "Universalgerät" ab, das eben die neue Fernsehfunktion mit einem Radiogerät, idealerweise mit dem für Österreich ab September 1953 neuen UKW Radioempfang gleich mit verknüpfen könnte.
Ein dann vermeintlich günstigerer Preis, mitunter aber mehr die mögliche Platzersparnis mag potentielle Käuferkreise diesen Radio-Fernseh-Kombinationsgeräten zugesprochen haben.
An Platz bedürfte es in diesem Fall 490 x 470 x 470 mm in dem Maßen, bei 28 kg Gewicht was dem 43 cm Standard Fernsehgeräten entsprach.
Was ist daran Überzeugend?
Welche Argumente können auch heute noch nachvollzogen werden?
Und wo ging die Rechnung für den Käufer vielleicht doch nicht ganz auf?
Die Geräteklasse der Radio & TV Kombinationsgeräte in den 1950er Jahren
Frühe TISCH Kombinations-Radio- und Fernsehgeräte im einstigen Ostblock
Weitere bekannte in- und ausländische Radio-Fernsehkombinations-TISCH-geräte der 1950er Jahre
In meinem Beitrag zum beliebten und häufig anzutreffenden Modell des einstigen lokalen Wiener Wettbewerbers führe ich den MINERVA Schrank, ein Radio-TV und Phono Kombigerät wie auch seine Nachfolger und den inländischen Wettbewerb am Markt an.
Alles waren sie STANDGERÄTE unterschiedlicher Bauform und Größe, die eben ihren Platz in den einst eher bescheidenen Platzverhältnissen heimischer Wohnzimmer der arbeitenden Bevökerung beanspruchten um entsprechend auch optisch als neues Prestigeobjekt und als Beleg "in der neuen Zeit angekommen zu sein" gegenüber Besuchern wirken zu können.
Dieses Tischmodell aber hat vom Auftreten her diese Allüren nicht da er kaum bzw. überhaupt nicht größer als ein vergleichbares 43 cm Fernsehgerät seiner Zeit war.
Diese Gehäuseklasse gab es auch noch nicht zu anbeginn des österreichischen Versuchsfernsehens ab August 1955 zu kaufen.
Denn noch galt es damals überhaupt erst einmal Gerätekäufer für die wenigen Stunden Fernsehprogramm je Woche zu finden.
Erst mit dem Beginn des regulären, zudem mittels Monatsbeitragsgebühren kostenplichtigen Fernsehdienstes des österreichischen Rundfunks ab 1957 ging es auch damit los mit nach und nach weiteren neuen Gerätemodellen und zusätzlichen "Features" wie wir heute sagen um die Gunst des Kunden zu buhlen.
Mit 1957, ernsthaft ab 1958 zog dann merklich das Fernsehgerätegeschäft an, wie zudem auch allgemein relativ gesehen viele erhaltene Geräte dieser Zeit belegen.
In Österreich war man jedoch mit TISCH-Kombinationsgeräten eher erst später dran.
Zudem sich diese Geräteklasse bis zum Aufkommen der ersten japanischen transistorisierten eher kleinen zudem portablen Kombiimportgeräte ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre weniger durchsetzen konnte.
Länder wie die DDR, der Sowjetunion aber auch der CSSR hatten hier von anbeginn jedoch solche Modelle am Start die in der Lage waren die elektronischen Bauteile und Gehäuse somit doppelt und damit effizenter ausnutzen zu können.
Nach Annahme des Autors diente diese Geräteklasse aber auch
dazu, um die Produktionsziffern für Fernsehgeräte wie auch für Radiogeräte mitunter
geschönt weil vielleicht doppelt zählend deuten zu können was aber nur eine Vermutung zum planwirtschaftlichen
Vorgehen ist.
Ein Vertreter dieser Klasse, der weiterentwickelte sowjetische >START 3< mit integriertem UKW Radioteil wird demnächst in meiner Werkstatt einer Instandsetzung und einem Praxistest unterzogen werden. Bleiben sie schon einmal dran.
Als auszugsweise angeführte Beispiele dienen der
1950/51 DDR Sachsenwerk "Leningrad T2" (UKW & MW/LW/KW Radio). Die Bildröhre ist hinter der Schiebetür abgedeckt.

1953 aus den Moskauer Radiowerken der "ZENIT" (nur OIRT UKW)

und 1954-57 der tschechoslowakische "TESLA 4002A" Radio-Fernsehkombiempfänger (Nur MW/LW/KW)
Beide erstgenannten hatten zudem auch schon das dort ebenso neu eingeführte UKW Radioband.
So berichtet >Radio-Österreich< [25. August 1951] in "Neues aus der Sowjetunion" von einem sowjetischen "Universalgerät T-3" das womöglich, wenn auch das Fernsehen in Österreich noch weit in der Ferne lag, die potentiellen zukünftigen Teilnehmer in diese Richtung schon etwas "anspitzte".
Dies abgesehen davon, das 1951 in Österreich notgedrungen eine prosowjetische Haltung im politischen Besatzungsalltag oportun war und das eigentliche Standgerät als ein absolutes Luxusmodell sicher nicht Beispielgebend für die Arbeiterklasse bestimmt war.

Das WSW Fernseh-Erstgerätemodell am österreichischen Markt war der >WSW FS 5643<, der zeitgerecht zum inländischen TV Start 1955 um öS 7.800,- Schilling, zudem mit einer absperrbaren Frontklappe erschien.

Bild: WSW Radio und Fernsehgeräte aus "Radioschau" Heft 10, Oktober 1957
Erwähnt sei, das es den >WSW Radio-Kurier FSR 840< der öS 7.480,- Schilling kostete, auch ohne dem Radioteil als >KURIER 59 FS 5843< um öS 6.480,- Schilling, also um öS 1.000,- Schilling entsprechend günstiger zu kaufen gab.
Das waren die öS 1.000,-, um die es zum "normalen" Fernseher dieser Preisklasse ein vollwertiges extra UKW/MW Radio, die EUMIG Eumigette gab!
Andere Markengleiche SIEMENS WSW Radiogeräte ähnlicher (bescheidener aber ausreichender) Ausstattung ab rund öS 1.295,- kosteten.
Das Argument für ein Kombigerät so womöglich am ehesten der nicht erforderliche zusätzliche Platzbedarf und die so nicht zusätzlich belegte, damals noch nicht so inflationär vorhandenen Stromsteckdosen in den Wohnungen belegte.
Im Fall eines Defekts dann wahlweise das Radio- oder der Fernseher alleine weiterbenutzt werden konnte. Beim Radio-Kurier aber mitunter der ganze Apparat ausfallen konnte ehe er in einer Werkstatt oder im Heimservice wieder instandgesetzt werden konnte.
Die >8< für die Saison, hier 1958 stand, die häufig schon im jeweiligen Vorjahr mit der Wiener Herbstmesse begann.
Die >43< für die Bildröhrendiagonale in cm.

Nur wenig in der Fernsehschaltung verändert, bekam man ihn als >WSW Kaleidoskop FS 5853< eben auch als 53 cm reines Fernseh-Tischgerät um öS 8.450,- Schilling ab etwa März 1958 zu kaufen.
Etwas viele Bedienorgane mit in Summe acht frontseitigen Reglern, alle in Doppelfunktion auf nur vier Achsen, weist der Kurier für den potentiellen Nutzer auf, die mitunter für Verwirrung, vielleicht auch gerade deshalb gar zum Ablehnen dieses Modells bzw. des Konzepts selbst geführt haben könnten.
Hinzu kommen fünf Drucktasten für die Funktionsumschaltung und der AUS Schalter.
Obiges bleibt einerseits Spekulation. Andererseits finden sich diese Geräte im Vergleich zu den allgemeinen Fernsehgeräten jener Zeit, aber auch den Kombinations Standgeräten eher selten, um nicht zu sagen fast gar nicht am Nostalgiemarkt.
Ausnahmen wie ein Angebot aus dem salzburgerischen Raum im Frühjahr 2025 oder im niederösterreichischen St. Pölten 2026 zeugen die Ausnahme von der Regel.
Die Knöpfe bzw. Regler sehen durchaus zierlich aber haptisch gut brauchbar und dabei elegant wirkend aus. Hinten unsichtbar integriert ist ein solider Messinggrundkörper mit der obligatorischen Madenschraube für die Achsbefestigung der einmal mehr von Qualität zeugt.
Bild: Die Innenreglerknöpfe 10467 sowie der Kanalwählerknopf 10468 (nicht abgebildet) sind mit Nummer versehen.
>OKW< steht rückseitig lesbar was uns als einstigen Lieferanten die heute (2026) immer noch existierende Fa. Odenwalder Kunststoffwerke; Buchen im Odenwald/BRD ausmachen läßt.
Ein Unternehmen das auf den Radioknopf als Meilenstein seiner Fabrikationspalette nebst den Drucktasten und weiteren Kleinteilen gesetzt hat und mit der damals noch recht jungen Kunststofftechnik und dessen Bearbeitung ein eigenes Branchenfeld belegte.
Auch Pressteile für das damals neue Fernsehen, und hier sind wir jetzt dick drinnen, für SIEMENS & HALSKE und damit für unseren WSW wurden ab 1953 übernommen.
Bild: ©Katalog OKW 1955. Zur Firmengeschichte siehe Quellenangaben
Das Unternehmen kommuniziert rührig seine Geschichte auf seiner Website in der auch ein vielfach nach wie vor in der Öffentlichkeit nicht umfänglich behandeltes Thema einmal mehr eine Erwähnung findet: „Bei uns war es so, dass die Urzelle der Facharbeiter aus dem Kreis der (nach dem Krieg aus dem Osten) Vertriebenen stammte". Weiteres zum Thema würde außerhalb dieses Beitrages liegen.
Als für den einstigen Kunden absolut interessant, gibt es den damals relativ neuen UKW Radioempfangsteil mit einer eigenen Abstimmeinheit zusätzlich zur ebenso damals noch bedeutungsvollen Mittelwellenabstimmung.
Bild: Beispielhaft zwar aus dem September 1955, aber das Grundkonzept der damals möglichen UKW aber zumeist normalen MW Sender die zur Abstimmung in Österreich standen. Das dritte Programm war dabei exklusiv nur auf UKW Frequenzen ausgestrahlt! Quelle: Heft 37, Radio-Österreich 9/1955
Somit hatte der Radiohörer gewissermaßen bequem zwei frei einstellbare "Festsender" per Klaviertastenagreggat aufrufbar, um eben das Programm >Österreich I< auf UKW, und das >Regionalprogramm< auf Mittelwelle aufrufen zu können.

Hinzu kamen die Lautstärke und Tonblende zum Einstellen.

Weiters bot das Gerät das Anwählen eines extern anzuschließenden Schallplattenspielers.
Im Gerät integriert ist dieser jedoch nicht, wiewohl mit etwas Phantasie und "Ingenieursbiß" dies sicher ebenso von oben eingebaut möglich gewesen wäre.
Was fehlt, das ist ein Kurzwellenteil, ebenso eine damals übliche häufig gar drehbare Ferritantenne für MW und ein Langwellenteil.
Ebenso er sich "verdient" hätte und zu dieser Klasse passend, wäre ein zweiter Lautsprecher, idealerweise frontseitig abstrahlend gewesen.
Für den Alltagsbedarf aber wird UKW und MW allemal ausreichend gewesen sein.
Bild: MINERVA beispielsweise bot im Vergleich in seinen (teilw. späteren) Modellen auch zwei Lautsprecher für einen besseren Ton an.
Ebenso bedienfreundlich konnte per Tastendruck die Fernsehfunktion eingeschaltet bzw. vom Radio her umgeschaltet werden.
Anders als etwa der auch heute vielfach angebotene MINERVA Schrank, bot dieser WSW einen eigenen VHF Tuner für die Programmabstimmung.
Diese wird im Groß der Fälle immer fest auf dem lokalen Sender, wie etwa VHF Kanal 2a für St. Pölten am beispiel des eigenen Gerätes, oder Kanal 7 für Graz eingestellt geblieben sein. Lediglich die üblicherweise per Doppelachse ausgeführte Feinabstimmung bedurfte mitunter hin und wieder einer Nachjustierung.
Anders war dies in Grenzregionen wie etwa in Oberösterreich, Salzburg oder im Tiroler wie auch Vorarlberger Raum, in denen vielfach auch der Empfang zumindest eines Nachbarprogramms aus dem Ausland technisch möglich war und am Kanalwähler z.B. auf VHF Kanal 3 für das schweizer Fernsehen SRG, oder etwa VHF Kanal 10 für den bayrischen ARD Sender Wendelstein umgeschalten wurde.
Was man technisch bereits einsparen konnte, das war eine
frontseitig erforderliche Nachstimmung durch den Zuseher für die vertikale wie
auch horizontale Bildsynchronisation, die man als nur mehr selten und im Bedarfsfall
dann eher
nur einmalig von der Rückseite her bedienen konnte.
Als Zubehör gab es, wie auch bei so manch anderem Hersteller, eine Kabelfernbedienung, Typ >Febe 7< mit 5 m Anschlußleitung und der Regelmöglichkeit für Lautstärke und Helligkeit. Als Kaufpreis waren öS 3xx,- Schilling, also grob 5% des Gerätekaufpreises aufgerufen.
Etwas in der Literatur untergegangen ist die hier 1958 angewandte Modul- bzw. Baugruppentechnik die sich mit dem Radioteil aber auch den TV Gruppen ergeben hat.
Untereinander sind so fünf Baugruppen oder Module wechselseitig im Servicefall austauschbar gewesen.
Bild: Auszug an Module im WSW Radio-Kurier
Ein Attribut, das für sich etwas vollmundig der österreichische Hersteller EUMIG für seinen ebenso gegen Ende 1958 erschienenen EUMIG TV310 als "weltweit erster Modulfernseher" in Anspruch nahm.
Lesen Sie in meinem Beitrag darüber wie man dies verstehen darf.
Was wir ebenso hier bei SIEMENS-WSW finden, ist die starke Philips Lastigkeit, allen voran des Fernsehteiles.
Nebst der Bildröhre, VDR, NTC Widerstände, dem Drehkondensator Typ 5127, dem Ticonal Lautsprecher, allen Ablenkteilen wie dem AT 1007 Ablenkjoch und der AT 4008 Zeilenspule, dem NT1600 Zeilentrafo, bis zu dem Netzelkos, den Tauchtrimmern, sowie dem AT 7630/02 VHF TV Tuner haben wir alles, im Sinne bewährter massenhaft bekannter Technik, nicht zuletzt zum Vorteil damaliger TV Techniker aus dem Hause Philips.
Auch wir "Restaurateure" profitieren letztlich davon.
Potentiometer und Trimmer von INGELEN,
Kondensatoren von Kondur/König, Ingelen aber auch von Siemens selbst einschließlich Elkos.
bestimmte Niederspannungs Elkos von DITMAR Austria,
Lampen und Metallwarenfabriken R. Ditmar, Gebrüder Brünner AG, Wien

Widerstände von VITROHM,
Lediglich alle Transformatoren stammen von WSW selbst mit Ausnahme des ZAGT. Ebenso die ZF Filter sowie der UKW Tuner.
Man könnte vermuten, das daraus folgend die kaufmännische Marge und Wertschöpfung womöglich nicht ganz im Sinne von Siemens-WSW gelegen sein wird.
Wir finden ein damals übliches Allstromnetzteilchassis vor das für 220 V Gleich- und Wechselstromnetze gedacht war.
Die Netzgleichrichtung erledigt bereits ein Halbleitergleichrichter.
Im TV Tuner arbeitet bereits die auch von MINERVA sowie in der BRD von GRUNDIG so beworbene "Wunderröhre" PCC88 die sehr gute VHF Fernseh-Empfangseigenschaften bot.
Insgesamt war es ein 20 Röhren Gerät, die Bildröhre mitgezählt.
Auch sonst haben wir einen damals durchaus üblichen Röhrensatz mit:
PCC88, PCF80 im 12 Kanal VHF Kanalwähler der Österreich typisch auch den VHF Band I Kanal 2a für den Sender Jauerling aufweist.
4 x EF80, PCL82 im Bild-ZF Teil
2 x PCF80, PCL82, PL36, PY81 und DY87 im Impulsteil
PCC85, ECH81, EBF89, EF80, PCL82 (NF Verstärker) und einem magischen Fächer EM81 im kombinierten Fernsehton und Rundfunkteil
Germaniumdioden finden sich dann u.a. in der Signalgleichrichtung und dem Ratiodetektor
eine Philips AW43-80 diente als Bildröhre noch mit Ionenfalle versehen
Bild: Das modular aufgebaute Chassis mit den Funktionszuordnungen. Quelle: WSW Literatur
Während der Fernsehteil mit der da schon üblichen 38,9 MHz Bild ZF arbeitet, und der TV Ton mit der 5,5 MHz Ton ZF, so sind es beim UKW Radio ebenso die 5,5 MHz anstelle der sonst standardisierten 10,7 MHz.
Ob und inwieweit dies im praktischen Betrieb einen Qualitätsunterschied, Stichwort Nachbarkanaltrennung, Trennschärfe, Kreuzmodulationen ausmachte?
Bild: Schema des UKW-MW-FS-Tonteils bei 33,4 MHz Ton ZF, ab Chassis Nr. 874.500 betrug sie außer der Norm 31,9 MHz.
Das MW-AM Radio aber bietet die üblichen 460 kHz ZF.
WSW steht für Wiener SchwachstromWerke, die wiederum zur SIEMENS & HALSKE Gesellschaft m.b.H gehörten.
1948-1960 betrieb Siemens & Halske (zwischendurch auch WSW/Siemens Austria genannt) eine eigene Radio- und Fernseh-Produktion.
Bild: WSW Logo jener Zeit. Die Wellenform, die wir auch von Logos anderer Radiohersteller kennen dürften "Radiowellen" symbolisieren.
Folglich WSW Geräte auch einen gewissen Lokalpatriotismus auszustrahlen vermochten.
Dies gilt auch für die studiotechnische Ausrüstung des österreichischen Rundfunks bis hin zum Fernsehen, wie stellvertretend erwähnt der erste Außenübertragungswagen ab Dezember 1955 wofür es viele Speziallösungen gab.
Der Autor dieser Zeilen war in den frühen 1990er Jahren kurzzeitig ebenso im Wiener Funkhaus Wien IV für SIEMENS bei Arbeiten am HKR Hauptkontrollraum sowie weiteren Studioräumen, Stichwort erste abrufbare digitale Mediendatenbanken mitwirkend.
Die Website https://geniswebsite.org/BLOG/Siemens-Halske_WSW_SIEMENS.pdf gibt auszugsweise angeführt zu WSW wie folgt an:
"Nach dem Krieg 1945 wurde das Unternehmen (SIEMENS) verstaatlicht, in Wiener Schwachstromwerke umbenannt und setzte seine Expansion fort.
Zweigbetriebe entstanden außerhalb Wiens.
1955: Die österreichischen Siemensgesellschaften verpflichten sich im so genannten „Innsbrucker Dokument“, gegebenenfalls auf Verlangen der deutschen Stammhäuser den Firmennamen derart zu ändern, dass er nicht mehr an Siemens, Halske oder Schuckert erinnert.
Die Siemens Schuckert Werke AG, Zweigniederlassung Wien mit den Standorten Engerthstraße und Siemensstraße werden an die Siemens Schuckertwerke GmbH übergeben, die Wiener Kabel- und Metallwerke Aktiengesellschaft wird in die staatliche Industrie eingegliedert.
Siemens & Halske GmbH sowie Siemens Schuckertwerke GmbH
Ausrüstung der Wiener Staatsoper und des Burgtheaters mit neuen Stark- und Schwachstrominstallationen
1956: Rückwirkend zum 1. Januar erfolgte die Fusion zwischen der Österreichischen Elektroindustrie GmbH und der Siemens Schuckertwerke GmbH.
(Die Eintragung in das Handelsregister erfolgt erst im April 1957.)
Siemens & Halske GmbH und Siemens Schuckertwerke GmbH wird die Generalvertretung für die Erzeugnisse der Siemens & Halske AG, Berlin und München, und der Siemens Schuckertwerke AG, Berlin und Erlangen, in Österreich übertragen.
1958: Am 18. Juni erfolgt die amtliche Eintragung des Warenzeichens „WSW“ – Wiener Schwach- bzw. Wiener Starkstromwerke.
1965: Am 1. April ändert die Siemens Schuckertwerke GmbH ihren Namen in Wiener Starkstromwerke GmbH (WStW) [Anmerkung: Das Kürzel selbst kannte man auch für die Wiener Stadtwerke stehend] und die
Siemens & Halske GmbH in Wiener Schwachstromwerke GmbH (WSW)."
Hier kennen wir u.a.
die bereits obig angeführten FRÜHEN osteuropäischen Modelle, die jedoch nie nach Österreich importiert wurden.
am ehesten und relativ häufig zu sehen sind die westdeutschen Modelle
1956/57 GRAETZ Reichsgraf und Landgraf F29 (LMKU Radio)
1957/58 GRUNDIG Zauberspiegel 348, LMKU Radio
1956/57 TONFUNK Bildjuwel UKW (nur UKW Radio)
1956/58 METZ 952 (UKW Radio) weitere des
Herstellers auch mit LMKU
Wie erwähnt, blieb es mit Wissenstand 2025 bei alleinig diesem Radio-TV TISCHkombigerät österreichischer Fertigung.
WSW bot 1960 mit dem >Radio-Stadion< Typ 132.058, einem 53 cm TISCHkombigerät mit gesamt 24 Röhren einschließlich einem UKW, MW und LW Radio um öS 7.485,- Schilling an. Der Röhrensatz zudem verrät, das es gewissermaßen ein eigenes Radiochassis integriert hatte.
Somit blieb diese Geräteklasse ein Exot.
Anders als eigenständige Standgeräte jedweder Konstellation, bedarf ein Tischgerät stets eines Kastens, einer Wandkosole oder eben eines besagten Tisches um ihn darauf aufstellen zu können.
Bild: Radio Rudolf Faulhaber Wien V. Werbeblatt 1958/59 zu
u.a. den Fernsehtischen
Zeitgleich mit der Verbreitung des Fernsehens daher "dankenswerterweise" die Möbelindustrie diesen Bedarf erkannte und entsprechend mit dafür geschaffenen Beistelltischchen oder fahrbaren Wägelchen bedienen konnte.
Der Juni 2026 brachte aus dem Raum St. Pölten/NÖ ein solches Gerät das in unbekanntem Zustand angeboten wurde. Lediglich die schon in Mitleidenschaft geratene Gehäuselackierug/Furnier ließen spontan aufkommende Begehrlichkeiten wohl auch anderer Sammler hintanstehen.
Das Gerät schein vollständig zu sein. Eine starke Staubschicht darin wohl noch aus den Tagen des Betriebes angenommen darf.
Ebenso sieht man dem Lack bzw. der Furnier die Jahre des mitunter unsachgemäßen Lagerns an. Schade, da man nicht einfach darüber streichen kann sondern Maßnahmen zum Retten oder Nachbilden der Funktionsschriftzüge über den Drehknöpfen sowie der "WSW Radio-Kurier" Beschriftung in Goldschrift sorgen muß.
Die Tastenumschaltung mit zwei Schaltern im Fernsehbetrieb eben auch den reinen Rundfunkteil wie auch die Skalenbeleuchtung überbrückt bzw. direkt gegen Masse leitet.
Der Heizkreis dann mit 15W und 35W spezifizierten Reihenwiderständen die Spannung "vernichtet", sprich in Wärme umsetzt.
Eine eigene 300mA Glasrohrsicherung, anders als die beiden primären 2A Lamellensicherungen die Versorgung der Zeilenendstufe absichert.
An einem der beiden Seilzüge ist ein lose wirkendes Metallseil erkennbar. Spoiler: Es war das Zugseil des WSW UKW Tuners mit induktiver Abstimmung das nur "von der Rolle" gefallen war.
Die Bildröhre läßt noch unbestätigt einen Brandfleck mittig, oder doch nur Staub zwischen Bildröhre und Sicherheitsglasscheibe vermuten.
An den frontseitigen Bedienorganen wurde einmal ein neuzeitlicher Elko eingelötet was noch als damals wenn auch in später Epoche, so doch noch als Zeitwertreparatur durchgehen könnte.
Im Hochspannungskäfig ebenso schon wer drinnen war: Einmal eine Befestigungsmutter bei der DY87 Fassung fehlt. Und "frische" Lötstellen am Zeilentrafo erkennbar sind.
Eingeleimte Holzwinkelstücke kamen mir entgegen dir umgehend mit Holzleim wieder eingeleimt wurden.
Vom Fehlen sämtlicher Rückwandschrauben wie auch der meisten an der Unterseite von der Chassisabdeckung wollen wir uns nicht hinwegtäuschen lassen.
Augenscheinlich Manipuliert wurde mit dem sehr legeren Nachrüsten eines Leistungswiderstandes (NTC ?) anstelle der Skalenbeleuchtung. Eine der Skalenlämpchen 7V/0,3A war halb herausgeschraubt und durch diesen Widerstand ersetzt worden.
Damit dürfte die aus allen Rundfunkempfangsrelevanten Röhren die Heizleistung erhöht oder auch reduziert worden sein.
Wie man sah, wurde der Selengleichrichterblock einmal gegen eine zeitgenössiche SIEMENS Gleichrichterdiode mit Kühlfahne ersetzt.
Nach Prüfung aller Röhren begann ein vorsichtiges Hochfahren der Spannung.
| Baugruppe | Position | Röhre | Funktion | Zustand Eigengerät in % | |
| Radio | 14 | EF80 | Audio ZF | 41 | |
| Radio-TV | 15 | PCL82 | NF Vor- Endstufe | 116/70 | |
| Radio | 17 | ECH81 | AM Mischer/ZF Verstärker | 61/83 | |
| Radio | 18 | EBF89 | AM Demodulator, ZF Verst. | 76/155/66 | |
| Radio | 19 | EM81 | Abstimmanzeigeröhre | 111 aber schwaches Schirmbild | |
| Radio | 20 | PCC85 | UKW Tuner, Verstärker/Oszillator/Mischer | 47/81 | |
| TV | 8 | PCF80 | Vertikal | 92/0 | |
| TV | 13 | PCL82 | Vertikalendstufe | 69/87 | |
| TV | 1 | PCC88 | VHF Tuner - ADZAM | 51/31 | |
| TV | 2 | PCF80 | VHF Tuner - ADZAM | 81/73 | |
| TV | 3 | EF80 | 1. Bild ZF | 49 | |
| TV | 4 | EF80 | 2. Bild ZF | 64 | |
| TV | 5 | EF80 | 3. Bild ZF | 47 | |
| TV | 6 | EF80 | 4. Bild ZF | 53 | |
| TV | 7 | PCL82 | Vid. Verst. | 13/43 | |
| TV | 9 | PCF80 | Zeilenoszillator | 59/45 | |
| TV | 10 | PL36 | Zeilenendstufe | 81 | |
| TV | 11 | PY81 | Boosterdiode | 96 | |
| TV | 12 | DY87 | HS-Gleichrichter | 87 | |
| TV | 16 | AW43-80 | Philips Bildröhre Ser. N. | ||
| Radio | 7V/0,3A | Skalenlämpchen | |||
AM-MW:
Mit nur sehr wenig Störgeräuschen konnten unter Tags ca. 3 Sender wie eben Budapest relativ Brauchbar mit einer Kurzdrahtantenne Empfangen werden.
UKW:
Man spürte "er wollte" einrasten, schaffte aber keinen Empfang. Erst das 90° Drehen der Kurzantenne ließ einen Sender sehr schlecht, zudem nicht Abstimmbar hörbar werden. Also vermutlich Tuner Defekt bzw. dessen PCC85 ist nicht mehr arbeitend.
TV:
Noch ist Vorsicht angesagt. Zuerst ist noch die Bildröhre zu messen.
Diese heizt schon noch udn weist keine Systemschlüße auf aber zeigt nur "ehrliche" 38µA maximalen Strahlstrom an. Zuwenig zum Fernsehen wo wir aus dem Stehgreif mind. 250 eher bis zu 750µA erwarten oder uns zumindst wünschen würden.
Und wahrscheinlich auch schon zuwenig zum nochmaligen Regenerieren.
Da stellt sich einmal mehr die Frage wie es denn dazu im Betriebsleben des Geräts soweit kommen konnte? Hat er etwa als vor sich hinschimmerndes Nachtkästchenlicht sein drittes Leben nach dem angenommenen Wohnzimmer und dann fiktiven Kinderzimmergebrauch verbracht?
Es wird wohl eine Mischung aus allen obig angeführten Leistungsumfängen werden.
Einmal, noch bevor man sich in endlose Detailsuche von Fehlern begibt wird hier ein Tauschen der meisten Elkos aber auch der schon "tropfenden" Wachspapierkondensatoren fällig sein.
Probemessungen bestätigen die mehrheitliche doch deutliche Abweichung der Werte noch abseits ESR etc.
Wie macht man das? Nicht im Sinne der reinen Funktionalität, sondern das es optisch etwas hergibt.
Die DITMAR Elkos werden aufgefüllt.
Die KONDUR Kondensatoren mit bauähnlichen jedoch nicht gleichen Folienrundkondensatoren Axialtypen von Jan Wüstens ersetzt. Wer Biß hat kann auch noch die alten Beschriftungspapiere auf die neuen darüberstülpen. Oder gar neue Ausdrucken.
Lediglich der Booster Kondensator, zudem mit einem gänzlich anderen Wert im Schaltplan, dort 0,15µF 600V ist in real ein 39nF 1000/4000V Typ. Diesen Spannungswert, idealerweise Impulsfest wird es zudem axial schwer wo geben.
| Menge | Position | Bauteil | Art | Sollwert | DC Spannung | Info | Lieferant |
| 1 | 90 | Kondensator Netz | C | 0,1µF | 500 | Wüstens | |
| 1 | 136 | Kondensator Netz | C | 15nF | 750 | Wüstens | |
| 1 | 109 | Netzteil | C | 0,1µF | 250 | Wüstens | |
| 1 | |||||||
| 1 | 66 | C | 5nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 68 | C | 25nF | 250 | Wüstens | ||
| 1 | 70 | C | 0,25µF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 73 | C | 25nF | 1500 | Wüstens | ||
| 1 | 72 | C | 0,1 µF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 74 | C | 100µF | 18 | In Altelko integrieren | Reichelt | |
| 1 | 75 | C | 25nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | |||||||
| 1 | 65 | C | 8µF | 550 | 2 x 20µF Serie | Reichelt | |
| 1 | 76 | C | 10nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 69 | C | 1nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 78 | C | 0,1µF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | |||||||
| 1 | 57 | C | 10nF | 125 | Wüstens | ||
| 1 | 60a | C | 0,1µF | 125 | Wüstens | ||
| 1 | 59a | C | 10nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 63 | C | 5nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 62 | C | 1nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 64 | C | 5nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 126 | C | 0,15µF | 800 | Booster | Wüstens | |
| 1 | C | 39nF | 4000 | Booster | Wüstens | ||
| 1 | 21 | C | 5nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 22 | C | 500µF | 15 | Reichelt | ||
| 1 | 24 | C | 5nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 27 | C | 8µF | 4 | Tantal | Reichelt | |
| 1 | 29 | C | 0,25µF | 125 | Wüstens | ||
| 1 | 30 | C | 5µF | 15 | 50V | Reichelt | |
| 1 | 33 | C | 5nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 34 | C | 7nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 39 | C | 5µF | 35 | Ratio, 50V | Reichelt | |
| 1 | 41 | C | 10nF | 125 | Unter Kupferschirm | Wüstens | |
| 1 | 42 | C | 5nF | 125 | Unter Kupferschirm | Wüstens | |
| 1 | 44 | C | 10nF | 125 | Unter Kupferschirm | Wüstens | |
| 1 | 45 | C | 50nF | 125 | Wüstens | ||
| 1 | 46 | C | 50nF | 125 | Wüstens | ||
| 1 | 47 | C | 0,1µF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 48 | C | 25nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | 49 | C | 25µF | 25 | Wüstens | ||
| 1 | 50 | C | 1nF | 500 | Wüstens | ||
| 1 | ? | C | 5nF | 9 Khz Sperre | Wüstens | ||
| 1 | |||||||
| 2 | 300mA T | Reichelt |
Wartungs- und Reparaturanleitung zum WSW Radio-Kurier, Sammlung Scheida. Erworben Radioflohmarkt Breitenfurt Frühjahr 2025
Digitalarchiv Scheida
Angebote auf Online Plattformen wie Willhaben.at
Diverse Einträge auf Radiomuseum.org
https://geniswebsite.org/BLOG/Siemens-Halske_WSW_SIEMENS.pdf, abgerufen am 18.4.2025
Eigenes Gerät erworben 2026-06, BJ 1958, Serien Nr. 874905
https://www.okw.com/de/Ueber-OKW/OKW-Historie-Fundstuecke, abgerufen am 21.6.2026
Suchbegriffe:
Siemens WSW Radio-Kurier FSR 840, Radio-TV Kombitischgerät,©
Textzusammenstellung 4/2025; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu www.scheida.at gehörendLetzte Überarbeitung: 24.06.26