Österreichische Spitzenradiogeräte der 1930er Jahre bis 1950er Jahre

Radiodays -

Österreichische Radio-Spitzenempfänger der 1930er bis 1950er Jahre - Das motorisierte Radio mit "Automatik statt Handschaltung" und mehr

Radione Motoselect 6039 Ingelen Gigant 40W 

Bild: Einstige österreichische Spitzenempfänger mit Festsendertasten und Motorabstimmung. Der Radione Motoselect 6039 und der Ingelen Gigant 40 W. Linkes Bild anklickbar für die Beschreibung!

Eine Übersicht

Einleitung:

Da gab es sie, all die unzähligen Detektorapparate, erste Netzröhrenradios, erste Superhet - Überlagerungsempfänger, die Volks- sowie Deutsche Kleinempfänger bis hin zu den massenhaften mit UKW ausgestatteten "Gebissradios" der 1950er Jahre.

Viel gutes und viel interessantes war hier dabei was bereits manigfaltige eigene Fachbeiträge füllt und noch füllen wird.

Hier aber möchte ich auf die absoluten Spitzenempfänger jener Epoche eingehen, die vom sprichwörtlichen "Otto wie auch der Ottilie Normalverbraucher" nicht einmal als Wunschobjekt der Begierde zum Kauf in Frage kamen und selbst bei wohlhabenden Bessergestellten letztlich eher selten den Platz ins Heim fanden.

Auf die bereits von mehreren Fachautoren relativ jüngst erfolgte Auseinandersetzung zum Thema der Radiogeräte mit Festsenderabstimmung, mit dem Schwerpunkt auf die Deutschen Hersteller wie auch einem Britischen Gerät sei hier als Vorarbeit verwiesen. Siehe dazu das Quellenverzeichnis!

Viele Modelle der sicher nicht vollständigen Aufstellung werden u.a. hinsichtlich ihrer technischen Klassifizierung erläutert und auch technisch mit Bild und Schaltung zum Teil auch sehr umfangreich erläutert.

In jedem Fall ist die doch relativ umfangreiche Modellpalette dieser speziellen Geräteklasse für Deutschland auszumachen. Weitere europäische Länder wurden hierfür für diesen Artikel nicht untersucht!

 

Inhalt:

 

  1. Einleitung:
  2. Kundenwünsche
  3. Die damals mögliche technische Umsetzbarkeit
  4. Tabelle - Die in Deutschland hergestellten Motor-und Drucktasten Radios
  5. Tabelle - Aufstellung aller bekannten österreichischen Drucktasten Radios
  6. Der Radione MSWE-MSWU
  7. Der Ingelen Gigant 40W
  8. Die Wartung - Reparatur
  9. Duplex - DieeppreiswerteVariante der Festsenderabstimmungg
  10. Triplex - Einer geht noch mehrTriplex - Einer geht noch mehr
  11. Nachkriegszeit: Motorantrieb
  12. Nachkriegszeit: Tastenabstimmung
  13. Die neue Zeit nach den Röhren
  14. Gesichtete Quellen und bekannte Literatur

Hier möchte ich aber auf die Geräteklasse eingehen die mittels Sendervorwahltasten, sei es durch anschließende Motorabstimmung erwirkt oder aber mittels mehrerer abstimmbarer und abrufbarer Kreise realisiert die gezielte Anwahl von verschiedenen Radiostationen ermöglichten.

Letztere wiederum aufgeteilt in wahlweise kapazitive oder induktive Abstimmung.

Heute ist uns das als "Pre-Set", "Memory" oder Festsenderabstimmtasten bekannt.

Eine grundlegende Technik, die in den USA, wo es im wesentlichen "nur" das Mittelwellenband gab seine zahlreicheren Vertreter gab, während im Vergleich dazu Europa Geräte mit deren Langwellen-, Mittelwellen- und zumeist auch Kurzwellenempfang eine andere weil wesentlich aufwendigere Liga darstellten.

In den USA ging es ab 1930 schon sehr früh mit dem "Lazy Man Tuning", vereinfacht ausgedrückt "Abstimmung für den faulen Mann" mit der Senderabstimmung über eine Art Langhubdrucktasten als "Automatic Tuning" z.B. beim Hersteller Zenith los.

Belmont 636  Philco 41-231 Push-Button Tuning

Bilder: Frühe Beispiele von USA Herstellern - Belmont und Philco für die Drucktastenabstimmung bei Radiogeräten - Letzterer gab gar eine Münze/Token zum Thema heraus!

 

Auch Deutschland bot hier schon seit den 1930er Jahren verschiedene Modelle diese Kategorie an wie hier nur AUSZUGSWEISE angeführt der 1930er Jahre Sachsenwerk Olympia mit Festsendertasten, die Siemens Kammermusikschatulle 76W von 1937, der 1938er Philips "Aachen - Super D58 AU" mit Motorwähler, sowie der 1950er Jahre SABA Freiburg-Automatic mit Motorabstimmung davon zeugen.

Kundenwünsche als ansporn für Ingenieure:

Und dies waren die Kundenwünsche und Bedürfnisse die die Verkaufsexperten wie auch Entwicklungsingenieure beschäftigten:

Waren anfänglich nur wenige zudem leistungsstarke Sender verläßlich und in brauchbarer Qualität empfangbar, so steigerte sich deren Anzahl aber auch das Erfordernis der Trennschärfe im Monatsrytmus der 1930er Jahre in Europa.

Der Bau des Senders Wien-Bisamberg mit seiner Inbetriebnahme 1933 darf hier durchaus als Referenz dazu gelten.

Die Wahl eines Senders am Radio war folglich per

 

Bei wiederholtem Neuabstimmen an einem Radioabend (Fernsehen gab es ja noch nicht) war dies mitunter doch etwas aufwendig und vielleicht auch als unnötig und lästig empfunden worden.

So lag es nahe, den Teil der immer gleichen Sendersuche und der korrekten Abstimmung darauf einmalig festzulegen, und beliebig wiederholbar und automatisiert ablaufen zu lassen.  

Die damals mögliche technische Umsetzbarkeit in den 1930er Jahren:

Schaltbare feste Abstimmkreise

Festsendertasten durch die per Tastdruck vorabgestimmte Schwingkreise aufgerufen werden konnten.

Dazu sind jeweils unterschiedlich voreingestellte Vorkreise sowie Oszillatorkreise an die Empfangsröhre z.B. der EK3 durch manuellen Tastendruck ausgelöst zugeschaltet worden.

Vorteil: Beliebte Sender konnten einfach und rasch aufgerufen werden. Automatische Bandwahlzuordnung bzw. Vorgabe dazu.

Nachteil: Die Suche nach einem neuen Sender wurde schwierig, da die Abstimmeinheiten kaum Möglichkeit für eine Zuordnung der eigentlichen empfangenen Frequenz zuließen. (Um den Gleichlauf zu garantieren waren Oszillator und Vorkreisspule mechanisch verkoppelt.)

AEG-Super 679WK Tastenaggregat

Bild: Die AEG 679WK Druckknopfbelegbarkeit - Eingeschränkte Frequenzbereiche je Taste!

Vielfach war dies dem Radiomechaniker vorbehalten der mitunter einen Spezialschlüssel für die Einstellung benötigte.

Mende Einstellschlüssel

Bild: Ein Schlüsselereignis war mitunter die Neueinstellung der Sender. Immerhin, der Schlüssel war mit 0,75 RM ein leistbares Accessories.

Nicht jede Taste war frei abstimmbar, sondern einem Band oder einem Frequenzbereich zugeordnet.

Sachsenwerk Olympia 405W Senderabstimmung

 

Bild: Der Sender Wien war gleich gar als Referenz der Abstimmanleitung beim Deutschen Sachsenwerk Olympia 405W angeführt! Fairerweise gehört dieser Radio eigentlich nicht in diese Aufstellung da es letztlich nur ein einfacher preisgünstiger Empfänger war.

Als Pendant zur induktiven (Pemabilitäts) Abstimmung, gab es auch die kapazitive Abstimmung, sei es als zuschaltbare vorabgestimmte Kapazitäten, oder unter mechanisch abrufbarer Drehbewegung des Drehkondensators auf die Sender.

Bild: Die in der Siemens Kammermusik-Kassette 94W verbaute mechanische Druckknopfabstimmung für die Drehkondensatorbewegung (siehe auch Blaupunkt und Ideal). Über eine Hub/Druckbewegung wird eine definierte Winkeländerung mit daraus resultierender Drehbewegung des Drehkondensatorantriebs ausgelöst.

    

Automatische Sendersuche per Motorantrieb

Noch keinen Senderspeicher, jedoch eine automatische Sendersuche mit ebensolcher automatischen Senderscharfstellung hatten erste Geräte eingebaut.

Die manuell ausgeführte Funktion des drehens per Hand am Abstimmknopf des Radios wurde durch einen Tastendruck bzw. einer Wippbewegung per Fingerberührung ersetzt.

Der Abstimmzeiger samt dahinter verkoppeltem Drehkondensatorantrieb (mitunter einer Induktivität) fuhr nun den nächsten Sender per Auswertung der Signalstärke an und konnte ihn durch nachstellen mittels Motor, aber auch durch Reaktanzröhren die die Kapazität des Schwingkreises veränderten nachstimmen.

Was einer frühen Version einer AFC - Automatischen Frequenz Abstimmung nahe kommt.

Vorteil: Das Gerät führte den Abstimmvorgang selbsttätig durch

Nachteil: Die extra Umschaltung des Bandes LW-MW oder KW blieb. Ebenso das manuell nötige weiterschalten bis eben der endgültig gewünschte Sender hörbar wurde. Eine Speicherung bis auf den jeweils letzten eingestellten Sender gab es keine.

Gerätebeispiel ist der Saba 980WLK aus 1937/38

Das Non-Plus-Ultra:

Eine automatische Senderabstimmung per Programmtastenvorwahl UND der freien individuellen motorunterstützten automatischen Sendersuche für neue Sender.

Hier wurde also elektrisch und/oder mechanisch voreingestellt wohin der Motor nach dem Aufrufen der entsprechenden Taste laufen sollte.

Also anfahren der Mittelwellenfrequenz von z.B. 592 kHz, korrekter damals 507 m für den Sender Wien.

Ebenso hatte das Gerät Tasten für den wahlweisen links-rechts Lauf an der Skala für die freie Suche samt automatischer Feinabstimmung wenn gewünscht.

Gerätebeispiel: Radione Autoselect und der Ingelen Gigant 40W (letzterer ohne Scharfstellung)

Vorteil: Rasches Wiedergeben der gewünschten Sender mit zumeist automatischer Scharfstellung von selbigen

Nachteil: Das Gerät "wusste nichts" und fuhr immer die vorprogrammierten Positionen an auch wenn dort kein Sender mehr oder kein damals erlaubter Sender zu empfangen war. 


 

Exkurs: Ab 1965 gab es mit dem japanischen National-Panasonic Radar Matic R-1000, gar ein tragbares Transistorgerät dass diese Funktion des automatischen Suchlaufes mittels mechanischem Federwerkaufzug bewerkstelligte was aber eine andere Geschichte ist.


 

 

Tabellenaufstellung der in Deutschland hergestellten Radiogeräte mit Motorabstimmung und/oder Festsendertasten!

 

Bild Herstellerland Jahr Marke Modell Besonderheit      
AEG Super 679WK  Deutschland  1939/40  AEG 

Super 679WK

5 Röhren, 6 Festsenderdrucktasten, 290 RM, ECH11 EBF11 ECL11 AZ11 EM11       
AEG Orchester-Super 709WK  Deutschland  1940/41  AEG  Orchester-Super 709WK  6 Röhren, 6 Festsenderdrucktasten,  ECH11 EBF11 EF11 EL12 AZ12 EM11        
AEG D440W  Deutschland  1940/41  AEG  Super D440W  5 Röhren, 7 Fach Tastenaggregat, 6 Festsendertasten, (Doppelkondensator bei Oszillator f. Temp Ausgleich!) ECH11 EBF11 ECL11 AZ11 EM11, siehe auch Telefunken      
Blaupunkt 11W78 Deutschland 1938/39 Blaupunkt 11W78 sowie Paralleltypen 11W79, 11 Röhren, 6 Drucktasten, autom. Scharfstimmung, Fernbedienbar(!)      
Blaupunkt 7W79D  Deutschland  1939/40  Blaupunkt  7W79D  6 Röhren, 9 Drucktasten, autom. Scharfstimmung, Fernbedienbar(!); 345 RM;   EF11 ECH11 EBF11 EFM11 EL11 AZ11       
Bluapunkt 8W79  Deutschland  1939/40  Blaupunkt  8W79 & 8W79S 8 Röhren, 9 Drucktasten, autom. Scharfstimmung, Fernbedienbar(!); 415 RM;   EF11 ECH11 EBF11 EF11 EM11 EBC11 EL12 EZ12      
Blaupunkt 6W640  Deutschland   1940/41  Blaupunkt 

6W640

5 Röhren, 6 x Festsender mit Drehkoabstimmung, ECH11 EBF11 EL11 AZ11 EFM11       
Graetz 51WT 51GWT  Deutschland  1939/40  Graetz  Tastensuper - Druckknopf-Schnellwähler,  51WT & 51GWT 5 Röhren, 317/329 RM; 6 Festsender MW, 2 LW Festabstimmung;  ECH11 EBF11 EL11 AZ11 EFM11 oder ECH11 EBF11 CL4 CY1 EFM11      
Körting Transmare 39 Deutschland 1937/38 Körting Transmare 38, SB7440W 12 Röhren, Motorabstimmung, 20 Stationstasten, (Auch als Schatulle erhältlich)      
Körting Transmare 39W Deutschland 1938/39 Körting Transmare 39W 11 Röhren, Motorabstimmung, 20 Stationstasten, 820 RM,      
Körting Amatus 40WK-D  Deutschland  1940/41  Körting 

Amatus 40 WK-D / Amatus 40 GWK-D

 
 6 Röhren, (aus Saison 1939/40), 6 + 2 Festsenderabstimmtasten, Röhren: W: ECH 11, EBF 11, EM 11, EF 11, EL 11, AZ 11/  GW: ECH 11, EBF 11, EM 11, EF 11, CL 4, AZ 1       
Körting Dominus 40WK Deutschland 1939/40 Körting Dominus 40WK 12 Röhren, 10 Festsenderstationstasten, autom. Nachstimmung      
Kramolin Druckknopf-Automat 53 Deutschland 1928/29 (!) Kramolin Druckknopf-Automat 53 5 Röhren, 20 Stationstasten, kapazitive Abstimmung zugeschaltet,      
Lorenz Super 150W/II 150W/IV  Deutschland  1939/40  Lorenz Super 150W-II & 150W-IV sowie 150A-II  5 Röhren, 6 Drucktasten, mit/ohne mag. Auge, ECH11 EBF11 ECL11 AZ11 EM11 oder UCH11 UBF11 UCL11 UY11 U2410P;
Baugleich siehe Tefag
     
Mende Grosssuper 595 Deutschland 1938/39 Mende Grosssuper 595 6 Röhren, 9 Festsendertasten.      
Mende 216 WDK Deutschland 1939/40 Mende 216WDK 6 Röhren, 6 Sationsdrucktasten per Schlüssel einstellbar.      
Mende 240WDK Deutschland 1939/40 Mende

Super MS240-WDK

6 Röhren, 6 Sationsdrucktasten per Schlüssel einstellbar.      
Mende MS330WDK Deutschland 1939/40 Mende Groß-Super 330 WDK 6 Röhren, 6 Stationsdrucktasten per Schlüssel einstellbar, 330 RM, ECH11 EBF11 EF11 EL11 EM11 AZ11      
Nora Dux II Deutschland 1939/40 Nora Dux II W89 7 Röhren, Motorantrieb, 8 Stationstasten, 495 RM, EF13 ECH11 EBF11 EF11 EM11 EL12 AZ12      
Philips Aachen Super D58 Deutschland 1938/39 Philips Aachen-Super D58 8 Röhren, Motorabstimmung, 8 Festsendertasten.      
Philips 855X Deutschland 1939/40 Philips 855X & 905X aus 40/41 6 Röhren, 6 Blitztasten m. Schiebekondensator; EF8 ECH3 EF9 EBL1 EFM1 AZ1      
Saba 980
(!) Type 960 - Fronthebel fehlt! 
Deutschland 1937/38 Saba 980WLK 11 Röhren, Nur Motorantrieb-keine manuelle Abstimmung, keine Festsendertasten!      
Sachsenwerk Olympia Deutschland 1939/40 Sachsenwerk Olympia 405W 4(!) Röhren, Nur 8 Festsenderstationen - siehe Artikel!      
Schaub SG45  Deutschland  1941-43 sowie 1948-1950(!)  Schaub & Schaub Lorenz  Tefag Super 90W, Lorenz 45W, Schaub SG42 / Schaub 7K7 7 Röhren, 8 Tasten, 7 fach Drucktastenabstimmung, EF13 ECH11 EBF11 EF11 EM11 EL12 EZ12       
Siemens 94W  Deutschland 1939/40 Siemens Kammermusik-Kassette 94W 6 Röhren, 6 Festsender über Drehkondensatorabstimmung      
Stassfurt Imperial 600 WK - 600 GWK  Deutschland  1939/41  Stassfurt 

Imperial 600WK & GWK

6 Röhren, 8 Festsendertasten mit Drehkoabstimmung, 325/344 RM, ECH11 EF11 EBF11 EL11 EM11 AZ11 bzw. ECH11 EF11 EBF11 CL4 EM11 CY1      
Tefag Tefadyn 150W  Deutschland  1939/40  Tefag  Tefadyn 150W-II & IV sowie 150A-II  5 Röhren, 6 Drucktastenwähler, unterschiedliche Ausstattungen mit oder ohne mag. Auge,  ECH11 EBF11 ECL11 AZ11 EM11      
Tefag Tefadyn 340  Deutschland  1939/40  Tefag  Tefadyn 340W/II  7 Röhren, 349 RM, 7(8) Festsendertasten,  EF13 ECH11 EBF11 EF11 EM11 EL12 EZ12 - Baugleich mit siehe Lorenz 150      
Telefunken D860WK  Deutschland 1939/40 Telefunken D860WK 7 Röhren, 9 Drucktasten für zwei LW Sender und sieben MW Sender, Festkreise, hohe Frequenzstabilität,      
Telefunken D440W  Deutschland  1940/41  Telefunken  D440W  5 Röhren, 6 Sender-Drucktasten, 7 Fach Tastenaggregat, (Doppelkondensator bei Oszillator f. Temp Ausgleich!) ECH11 EBF11 ECL11 AZ11 EM11, siehe auch AEG      
Telefunken D707WKK  Deutschland  1940/41  Telefunken  D707WK  7 Röhren, 10 Sender-Drucktasten, EF 13, ECH 11, EBF 11, EF 11, EM 11, EL 12, AZ 1       
                 
Ideal-Radio S7640 Drucktasten  CSSR  1940/41  Ideal Radio (CSSR) 

S7640

5 Röhren, Hubtasten f. Drehkoabstimmung (s. Siemens) , ECH11 EBF11 EL11 AZ11 EFM11       
  Großbritannien 1939 Ekco PB510 "Radio-Brain" 5 Röhren, Motorabstimmung mit 8 Stationstasten f. MW & LW,      
HMV 1104  Großbritannien    HMV 

1104

2 LW & 3 MW Festsendertasten,        

Abgrenzung:

 

Nicht in obiger Aufstellung von zumeist Spitzengeräten, aber dennoch zu erwähnen ist der 1935er "Hagenuk Nordmark-Super W" der per "Telefonwählscheibe" die Frequenz anwählbar hatte. Jedoch ohne Motor und ohne Festsender.

 Der Ekco PB510, Vollkommenheit jenseits der Grenze?

Von relevanz in den Augen von uns Technikern muss auch der Britische All Wave - Motor-Controlled EKCO PB510 "Radio-Brain" - also das "Radio-Gehirn" oder "Radio-Gedächtnis" sein, dessen Motorantrieb von EKCO in einer recht breiten Modellpalette ab 1938 angeboten wurde.

Dazu gehörten die Konsole C511, PB505, RG516, PB515, PB289, PB199, PB189, RG489, sowie etliche weitere Modelle mit "nur" Festsendertasten ohne Motorantrieb.

Inwieweit ab September 1939 all diese Geräte auch noch zur Fertigung kamen steht auf einem anderen Blatt.

Nicht nur die gute technische Gerätebeschreibung, auch und insbesondere des Teils der Motorabstimmung in der zeitgenösischen Literatur im "Trader Service Sheet 684" in Kombination einer sehr guten Gerätedokumentation durch Herrn Harald Giese auf RM.org [7] lassen uns das Gerät näher kommen.

Dabei zählen im Speziellen die mit den Festsenderdrucktasten mitprogrammierte bzw. verkoppelte und folglich ebenso automatisch mitdurchgeführte BANDWAHL und machen das Gerät um das gewisse etwas noch praxistauglicher und komfortabler.

Dem Liberalismus folgend, lassen sich sechs MW Sender sowie zwei LW Sender natürlich vom wahlberechtigten Nutzer auch selbst frei nach belieben belegen.


 

 

Spitzengeräte aus Österreich der 1930er Jahre

 

Ich möchte daher in diesem Beitrag nur soweit es die Verständlichkeit erfordert die Technik bezogen auf die Motor- bzw. automatische Abstimmung erläutern und im wesentlichen auf die österreichischen Besonderheiten eingehen!

Ein bekannter Vertreter ist bis in unsere Tage, der, besser muß man sagen sind "die" Ingelen Geografic Rundfunkempfänger mit der ganz besonderen Länderskala die sogar als Lizenzprodukt von der polnischen Firma "Capello" in ebenso schönen Modellen in der Zwischenkriegszeit eingesetzt wurde.

Ingelen Geographic US737

Bild: Spitzengerät zumindest vom Auftritt mit der einzigartigen Länderskala - Die Ingelen Geographic Radioserie

 

Radiogeräte aus Österreich (einschließlich der Zeit des "Anschlusses") mit Motorantrieb und/oder Festsendertasten

Wiewohl die österreichische Radioindustrie sehr export orientiert war, wenngleich dies durch die politischen Rahmenbedingungen vor 1938 mitunter gar buchstäblich an Grenzen stieß, gab es relativ wenige Modelle dieser speziellen Spitzenklasse aus unserem Land.

Interessanterweise stieß ich bei meinen Recherchen auf die nicht unerhebliche Präsenz "unserer" Marken wie etwa Eumig, Radione aber auch Zerdik am Rumänischen Radiomarkt der Zwischenkriegszeit!

Genau dort findet sich auch ein Sammler und Restaurateur zum Radione MotoSelect.

Radione Moto-Select Werbung 1936

Bild: Beispiel einer Radione Werbeschaltung für den MotoSelect in der rumänischen Zeitschrift "Radio-Universul" 1936/37

 

Sehen wir einmal auf das was wir hier aus Österreich kennen:

Mit meinem Wissensstand von 2022 haben sich lediglich die vier österreichischen Radiohersteller Hornyphon, Ingelen, Minerva sowie Radione an dieses etwas spezielle zudem aufwendige und damit teure Nischenthema in der Zeit der Massenarbeitslosigkeit und der politischen Instabilität herangewagt.

Das ebenso unten angeführte Fabrikat von Zerdik dürfte zum Einen ein reiner Hornyphon sein. Zudem ist 1940/41 dessen tatsächliche Fertigung überhaupt in Frage zu stellen.

Die anderen Hersteller wie Czeija, Eumig, Kapsch, Philips und Telefunken boten keine lokal hergestellten Geräte dieser Art an.

 

Tabelle - Aufstellung der Radiogeräte mit Drucktasten wie auch Motorabstimmung

Nach Marke und Baujahr gelistet

 

Bild Jahr Hersteller Modell Bemerkungen
Hornyphon Olympic 39 1938/39 Hornyphon Olympic 39W

W564A(U)
8 Röhrengerät; 10 Drucktasten, Motorantrieb, 440 RM/ EK3 EF9 EAB1 EF6 EM1 EL3 EL3 AZ4 sowie sein Gleichstrom/Allstrommodell
Hornyphon Rex 39 1938/39 Hornyphon Rex 39 Mototip,

39W W544A
auch als  Rex 39GW W544U
5 Röhrengerät, 10 Drucktasten, Motorantrieb, 340 RM/ EK2 EBF2 EL3 AZ1 EM1; U Version mit Wechselrichter!
Hornyphon 347A  1941/42  Hornyphon  347A & 347L 5 Röhren, 8 Festsendertasten - 6 x MW, 2 x LW, ECH11, EBF11, EF11, EL11, AZ11 (Exportgerät) bzw. UCH11, UBF11, UFM11, UL12, UY11 
Ingelen Gigant 40W 1939/40 Ingelen Gigant 40W 8 Röhrengerät, Motorangetrieben mit 10 Festsendertasten; 538 RM; ECH11 EBF11 EB11 EF11 EM11 EL11 EL11 AZ11
Ingelen 640W 1939/40 Ingelen

640W

7 Röhrengerät, sonst wie Gigant 40W; ECH11 EBF11 EB11 EF11 EM11 EL11 AZ11,
Ingelen 641W  1940/41  Ingelen  641W  7 Röhrengerät, sonst wie Gigant 40W; höhere ZF, ECH11 EBF11 EB11 EF11 EM11 EL11 AZ11, tasächliche Fertigung ungesichert
1940/41 Minerva  416WD 6 Röhren, 8 mech. Festsendertasten, indukt. Abstimmung, ECH11 EBF11 EF11 EL11 EM11 AZ11
Radione Moto-Select 1936(!)/37 Radione AutoSelectEmpfänger Wechselstrom ASE-W (MSE-W = MotoSelect Empfänger-W) oder ASE-U - Allstrom

7 Röhren Gerät mit 20(!) Festsendertasten, Motorantrieb, autom. Scharfstellung. 840/910 öS, AK2 AF7 AB2 AF3 ABC1 AL4 AZ1, oder ASE-U CK1 CF7 CF3 CBC1 CL4 AZ1 C3  

Radione 6038A-U 1937/38 Radione Motoselect 6038A bzw. U 8 Röhren Gerät mit 20(!) Festsendertasten, Motorantrieb, autom. Scharfstellung, 578 RM; EF9, EK2, EF6, EF9, EAB1, EF6, EL5, EZ4 & 2 x WX6 Halbleitergleichrichter! Auch mit EF5 EK2 EF5 EF5 EB4 EF6 EL5 EZ4
Radione 6039A-U 1937/38 Radione Motoselect 6039A wie Typ 38 jedoch  andere Knöpfe 8 Röhren Gerät mit 20(!) Festsendertasten, Motorantrieb, autom. Scharfstellung, 578 RM; EF9, EK2, EF6, EF9, EAB1, EF6, EL5, EZ4, Fernbedienbar (!)
Zerdik Z 347 A  1941/42  Zerdik 
 Z 347 A & Z 347 L
= HORNYPHON 347 A bzw. L
 
5 Röhren, 8 Festsendertasten - 6 x MW, 2 x LW, ECH11, EBF11, EF11, EL11, AZ11 (Exportgerät) bzw. UCH11, UBF11, UFM11, UL12, UY11
 

 

Obige Aufstellung läßt sich, bezogen auf unser Thema der Art der automatischen Abstimmung wie folgt klassifizieren:

Festsenderabstimmung OHNE Motor

Lediglich der Minerva 416WD sowie der Horny 347 samt seinem Pendant von Zerdik besitzt eine herkömmliche Empfängerschaltung, bei der wahlweise schaltbare Induktivitäten ohne weiterer Kompensation wie einer Reaktanzröhre anstelle der ebenso möglichen handbetriebenen Drehkondensatorabstimmung die Frequenzen und damit die eingestellten Sender vorgeben.

Es kann ohne Detailkenntnis nur vermutet werden, das eine entsprechende Auswahl an temperaturstabiler bzw. sich durch Selektion gegenseitig aufhebender Kondensatorendrifts die erforderliche Langzeitfrequenzstabilität gewährleisten.

Festsenderabstimmung MIT Motorantrieb

Alle anderen Fabrikate haben einen Motorantrieb, der auf einer Art Scheibe die Stationen "programmiert", also wahlweise seitens des Herstellers fest verdrahtet oder vom Radiomechaniker bei der Auslieferung durch setzen der Kontaktreiter voreingestellt hatte.

Der Motor dann je nach Tastendruck den daran mechanisch verkoppelten Drehkondensator in die gewünschte Winkelstellung brachte, die im Idealfall der gewünschten Empfangsfrequenz entsprach.

"Verfuhr" sich der Motor wenn auch nur um wenige Minutengrade dann hörte man natürlich nichts außer rauschen, bzw. eine fehlabgestimmte Station.

Abhilfe schuf hier die Möglichkeit des "Nachziehens" des Oszillators mittels einer automatischen Scharfabstimmung mit einem "Ziehrohr" oder "Schubrohr", uns besser als Reaktanzröhre bekannt.

Radione AutoSelect ASE-W oder U (Allstrom) auch als MotoSelect MSE-W (U) bekannt aus der Saison 1936(!)/37


Gemäß eigener Definition aus dem Radioprospekt von 1938, war Radione am Europäischen Kontinent der erste, der sich zwei Jahre zuvor, also 1936 an das Experiment der Motorabstimmung mit automatischer Scharfstellung gewagt hat.


Es scheint etwas dran zu sein, Geräte finden sich nicht gerade häufig. Auch die Auflistung Deutscher Geräte beginnt zum Thema Motorantrieb erst 1937 mit dem Körting Transmare!

Auch eine Patentsuche zeigt erst für 1935 erste US Amerikanische Nachweise für einen Motor Antrieb. 


Es fing also mit dem Radione Autoselect ASEW (bzw. MotoSelect MSEW) mit dem damalig erhältlichen A Röhrensatz bzw. in der Allstromvariante mit dem C Röhrensatz bestückt an.

Gleich 20(!) Drucktasten, wohl etwas zuviel des Guten, erwarten einem an der Front, was das Gerät, denkt man sich die Skala weg, als Telefonvermittlungskasten ausmachen läßt. Auch die Art der Verkabelung im Gerät und die hohe Zahl an Schaltern lassen in diese Richtung schließen.

Die Vermutung das für diesen Teil der Schaltung eher Telefon-Nachrichtentechniker denn Radiomechaniker mitgewirkt haben läßt sich nicht ganz von der Hand weisen.

Dies mag ein Grund für die Komplexität der Automatisierung sein, die sich hier ganz auf die Elektromechanik konzentrierte, aber auch ein mögliches scheitern "normaler" Radiomechaniker in späteren Dekaden an einem solchen Gerät annehmen läßt.


Für den Autor liegt diese Klasse eine oder gar zwei Etagen höher als beim nachstehend beschriebenen Ingelen Gigant 40 oder den einfacheren Horny's.

Als Herzstück dieser Technik dient klarerweise der hier in Gleichstromausführung gewählte Motor, sowie das Schaltrelais.

Hinzu kommt die hier stattfindende Interaktion der Abstimmung mit der Radioschaltung für eine Scharfabstimmung des Oszillators, jedoch keines automatischen Suchlaufes!


Vorweg: Bei diesem Gerät und seinen beiden Radione Nachfolgern lassen sich die Festsender nicht frei wählen. Jede Taste ist fest mit den zugehörigen Segmenten zur Skala verlötet. Dazu später.

Zuerst betrachten wir den elektrischen Aufbau der für den automatik Modus relevant ist:

Für unser heutiges Verständnis etwas unorthodox gelöst ist dabei die Stromversorgung dieser Funktion.

Radione MSEW Netzteil

Schaltungsauszug: Netzteil und Motor- sowie Steuerbeschaltung beim Radione MWSE / ASWE


Die AZ1 liefert klarerweise die Anodenspannung, mit dem 25µF Ladeelko sowie dem 30µF Siebelko zur Versorgung des Radiochassis.

Im Stromkreis, hier auf der Minus Ebene eingezeichnet, finden wir in Serie die Tastenhaltespule >T< die mechanisch im Bedienteil zusammen mit den 20 Tasten verortet ist.
 
Es folgt ein Hauptrelais >R<, an dessen Anzapfungen parallel die Spulen eines Hilfsrelais >H< sowie der Gleichstrommotor versorgt wird.
Im Ruhezustand dieser Parallelkreis jedoch nicht elektrisch geschlossen ist!



Das heiße elektrische Ende des Hauptrelais >R< ist elektrisch über die Feldspule des elektrodynamischen Lautsprechers >Feld 900 Ohm< gegen Masse verbunden.

Befindet sich das Radio im Normalwiedergabebetrieb, dann ist der Schalter >3< am Schließkontakt des Hauptrelais geschlossen, und die Feldpule wird mit der Anodenspannung von angenommen 250 Volt mit rund 30 mA durchflossen und läßt somit den Lautsprecher sein Magnetfeld aufbauen und entsprechend die NF wiedergeben.

Anwahl eines Festsenders

Das Radio ist nun betriebsmäßig eingeschaltet und arbeitet z.B. auf Mittelwelle. Nun wird eine Vorwahltaste am 20 knöpfigen Bedienteil per Fingerdruck betätigt.


Im Folgenden wird der automatische Abstimmmodus für eine Reihe von Frequenzen aus einer Liste von 19(20) voreingestellten Sendern kurz beschrieben wofür ich mich in loser und frei interpretierter abfolge an Übersetzungen aus dem Text der rumänischen Sammlerkollegen von proradioantic.ro bediene.

Der Skalenmechanismus und der Rotor des Drehkondensators werden von zwei rechtsseitig versenkt angebrachten Bakeliträdern angetrieben. Einem Fein und Grobtrieb, die über einen Untersetzungsmechanismus miteinander verbunden sind.

Sie können manuell oder automatisch betätigt werden. Wenn an einer voreingestellten Position der Abstimmung kein Festsenderabstimmknopf gedrückt wurde oder wenn eine automatische Senderanwahl bereits beendet wurde, dann kann eine manuelle Abstimmung durchgeführt werden.

Das Konzept des automatischen Positionswahlmodus basiert auf der Unterteilung der möglichen Winkelpositionen des Drehkondensator-Rotors in etwa 160 Kontaktpunkte (Messingfahnen), die äquivalent zur Zeigerposition an der Skala auf einem Halbkreis angeordnet sind.

Von diesen Kontaktpunkten ist nur eine bestimmte Anzahl mit der Festsendervorwahltastatur verbunden, entsprechend den Voreinstellungen für bestimmte Frequenzen (Sender) die der Hersteller bestimmt hat.

Wenn eine Taste gedrückt wird, um eine dazu definierte voreingestellte Position anzufahren, hält das elektromagnetische Relais >< den Tastendruck fest (eingerastet), während das andere Relais >< den Elektromotor mechanisch mit dem Zahnrad koppelt und die Drehbewegung für das Anfahren der vorbestimmten Position überträgt.

Zusammen mit der Achse des Drehkondensators bewegt sich auch der Schieber des Positionsgebers, was dazu führt, dass die elektromagnetischen Relais abfallen, wenn der Schieber die Kontaktlamellen erreicht hat, die der gedrückten Taste entsprechen, d. h. die Position, für die die voreingestellte Position empfangen wurde.

Dies ist die grundlegende Beschreibung des automatischen Abstimmmechanismus zu einer voreingestellten Skalenposition.

Auch die Schaltungstechnik des eigentlichen Superhet's folgt einem etwas aufwendigeren Ansatz:

Um eine möglichst stabile Abstimmfrequenz zu ermöglichen, ist im Gerät eine Glimmlampe Typ Osram 210-240 zur Stabilisierung der Oszillatorspannung sowie der nachgeschalteten Pentode AF7 verbaut.

Das Gerät besitzt eine automatische Scharfstellung des Oszillators die nach dem erfolgreichen Anfahren einer der 19 Abstimmpositionen zu einem Sender in Tätigkeit tritt und dauerhaft in Funktion bleibt.

Was das Gerät nicht besitzt, das ist eine Abstimmanzeigeröhre oder ein ebensolches Instrument oder einen Schattenanzeiger.

Handabstimmung:


Um eine Frequenzverwerfung und ein störendes Nachziehen während eines manuellen Abstimmvorganges auf einen Sender zu vermeiden, gibt es eine eigene Taste "Handeinstellung", die so wie wir es viele Jahre später bei der UKW AFC kennen diese auf Dauer der Abstimmung wegschaltet.

Hier wird die ebenso je nach Abstimmsituation leicht positive oder auch negative Nachstimmspannung für die Scharfabstimmung aus der Duodiodenröhre AB2 kommend gegen Masse gelegt, was ein selbsttätiges Arbeiten der Nachstimmschaltung bis zur Beendigung des manuellen Abstimmvorganges (nach Gehör) unterbindet.

Stummschaltung:
Parallel wird die Anode der NF-Endstufe mit einem 0,1µF Kondensator wohl zur Dämpfung der Lautstärke, insbesondere der hohen Rauschtöne gegen Masse gelegt.

Als Taste dürfte dazu der rechts unten liegende in ROT gehaltene Knopf dienen.


Die Funktion der automatischen Scharfabstimmung im Betrieb:

Die Funktion wird in der Literatur zur "Die Abstimmautomatik der Industrieempfänger" auszugsweise erläutert, weshalb ich sie zum besseren Verständnis hier übernehmen möchte:

Radione Autoselect Motoselect Scharfabstimmung Radione Autoselect Motoselect Scharfabstimmung

Bild: Schaltungsauszug zur automatischen Scharfabstimmung aus dem Radione MSE-W sowie MSE-U, letzterer bereits mit den britischen Halbleiterdioden WX6 ausgeführt, so wie bei seinen Nachfolge Modelltypen MotoSelect 6038x & 6039

Funktion:

Diese Nachstimmspannung kann nur in einem symmetrierten Gleichrichterkreis gewonnen werden, dessen Gleichgewicht durch die Verstimmung sich nach der positiven oder negativen Seite verschiebt.

Die Abbildung oben benützt hierfür zwei Diodenstrecken mit je einem Zwischenfrequenzkreis, von denen einer gegenüber der normalen Zwischenfrequenz um +4kHz, der zweite um -4kHz verstimmt ist (Daten vom Körting Transmare; leichte Abweichungen beim Radione sind anzunehmen).

Körting Transmare Scharfabstimmung - AFC

Schaltungsauszug: Von Körting Transmare zum besseren Verständnis der Scharfabstimmspannungsgewinnung (AFC) [Industrieschaltungen aus dem Funktechnischen Ringbuch]

Der Gleichrichter für die Nachstimmspannung ist dem Zwischenfrequenzverstärker bei einem Sender, der eine positive Verstimmung besitzt, wird der Kreis mit der plus Abweichung eine größere Spannung erhalten und eine dementsprechende Spannung U1 erzeugen.

Im gleichen Maße nimmt die Spannung am Kreis mit negativer Verstimmung ab und U2 ist entsprechend kleiner. Da beide Spannungen gegeneinander gerichtet sind und die Spannung U1 jetzt überwiegt, erhalten wir gegen den Massepol eine erhöhte negative Vorspannung.

Bei entgegengesetzter Verstimmung würde U2 überwiegen und wir erhielten eine positive Spannung gegen den Massepol. Bei richtiger Abstimmung des Senders erhalten beide verstimmten Zwischenfrequenzkreise die gleiche Spannung und U1 hebt sich gegen U2 auf.

Die AF7 arbeitet hier als Reaktanzröhre: Eine Änderung der Steuergitterspannung läßt die Anode in den Oszillatorkreis der EK2 eine kapazitive Beeinflussung durchführen.  

Die Nachfolgetypen, die Radione motorisierten Luxus-Gross-Kraftsuper Motoselect 6038A aus 1937/38 sowie der 6039A/AW (je 8 Röhren) aus 1938/39 sind von Details wie einer HF Vorstufe abgesehen im Wesentlichen ähnlich aufgebaut.

Vorteil:

Das Gerät zeigte 1936 das technisch machbare auf
Hohe Anzahl an abrufbaren voreingestellten Festsendern
Automatische Scharfabstimmung (abschaltbar bei manueller Sendereinstellung)

Nachteil:


Neue Festsender nicht vom Kunden, und wohl auch nur sehr aufwendig vom Radiomechaniker einstellbar (durch umlöten)

Keine Abstimmhilfe vorhanden

Kein manuell auslösbarer Motorlauf zum schnelleren anfahren eines Bereichs

Keine automatische Bandwahl

Manuelles Abstimmen am Seitenrad etwas gewöhnungsbedürftig (Wenn dauerhaft keine Motoranfahrt zu einem Bereich mehr funktionieren würde) 



Der Ingelen Gigant 40W

Motorisiert war man nun nicht mehr nur mit dem Kraftrad oder gar Automobil auf den Straßen unterwegs sondern auch im heimischen Wohnsalon!

In ähnlicher Liga war der Ingelen Gigant 40W aus der Saison 1939/40 sowie sein baugleicher Bruder der 640W mit einer Endstufe weniger.

Hier Kriegsbedingt schon nur mehr schwerpunktmäßig für den Exportmarkt wie etwa der Schweiz und nicht mehr für heimische Normalkäufer gedacht gewesen.

Als mögliche angedachte Käuferschicht sehe ich zudem eher auch Veranstaltungsräume, Gaststätten, Parteilokale u.ä. die mit der 2 x EL11 Leistungspentode an zwei ebensolchen Lautsprechern selbige Räume auch beschallen konnten. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Gegentaktendstufe sondern um zwei getrennte NF Eintaktendstufen!

Ein 8 Röhrengerät, Motorangetrieben und mit "nur" mehr 10 Festsendertasten zuzüglich 2 Tasten für die direkte Motoransteuerung.

Funktionsanalyse:

Betrachten wir den Schaltungsablauf beim Gigant 40W, den wir dank der überlieferten Literatur uns nur von der Motorabstimmung her betrachten brauchen.

Denn Radio-Schaltungstechnisch findet mit Ausnahme einer Stummschaltung der Endstufen während des Suchlaufes keine/span> Interaktion zwischen Motorabstimmung und dem Rundfunkteil, wie etwa eine automatische Scharfstellung statt.

 

Ingelen läßt uns im überzeugenden Ton hierzu gemäß den Reparaturunterlagen aus 1939 wissen:

"Die Genauigkeit der mechanischen Motorabstimmung ist so groß, daß sich der Empfänger auch ohne selbsttätige Feinnachstimmung beim jedesmaligen Drücken des betreffenden Knopfes genau auf die Trägerfrequenz einstellt".

Aus der Ingelen Service Bauteileaufstellung liest man nur die Empfehlung Ingelen Bauteile im Servicefall zu verwenden. Einen Hinweis, das es sich um selektierte temperatur kompensierende Kondensatoren handelt finden wir nicht!

Wie funktioniert nun der Teil der Motorabstimmung?

Ingelen Gigant 40W Motorabstimmung

Bild: Die Motorabstimmung des Ingelen Gigant als Schema (Buch: Industrieschaltung)

Ingelen Gigant 40W Motorabstimmung elektrisch

Bild: Zugehörige elektrische Beschaltung zur besseren Übersicht (Ingelen Schaltung)

Betrachten wir hierzu die in verschiedenen Varianten erhältliche schematische Darstellung der Funktionen.


Anmerkung: Einmal Danke an alle Sammlerkollegen die über verschiedenste Kanäle die Schaltungen, Prospekte und Beschreibungen zur Verfügung gestellt haben.

Ohne diese rasche und einfache Zugänglichkeit wäre mir diese Art Artikel anzufertigen nicht möglich.

Dabei ließen sich auch gleich Fehler im Schaltplan Bereich der Spannungsversorgung der Endstufe finden, was aber hier nicht von Bedeutung ist.


Systemaufbau der Motorsteuerung:

Wir sehen, das nach dem einpoligen Einschalten des Geräts ans Netz die in Serie geschalteten Statorwickungen L31/L32 des Motors dauerhaft über zwei parallel geschaltete Kondensatoren C57/C58 an Spannung liegen.

Die Versorgungsspannung beträgt dabei über die hier primärseitige Spartrafoschaltung gewählt immer 220V unabhängig der tatsächlichen gewählten bzw. anliegenden Netzspannung.

Der Motor steht somit vormagnetisiert sofort in "Bereitschaft".

Der Netztrafo liefert sekundärseitig über eine symmetrische Verlängerung der mittig an Masse liegenden 6,3 V Heizspannungswicklung, 8 V Wechselspannung als Speisepannung (von mir hier folgend als Steuerspannung bezeichnet) für den Motorlauf.

Diese Steuerspannung gelangt über ein rückstellbares Schutzrelais >SCHR<, auch Sicherugsautomat bezeichnet an die Schleifringe S1 und S2 die wiederum mechanisch mit der Drehkondensatorachse verkoppelt sind. Dazu später mehr.

Von dort gelangt diese Steuerspannung an eine geteilte und gegeneinander isoliert mit dem Unterbrecherisolierstück >U< versehen angebrachte Kollektorscheibe >KO< an denen die verstellbaren 10 Stück Reiter >R< bzw. Kontaktabgriffe befestigt sind.

Diese Reiterabgriffe gelangen an das 10 fach-Tastenaggregat, deren gemeinsamer Ausgang im Schaltzustand wiederum, je nach Stellung der Reiter auf der geteilten Kollektorscheibe nun mit wechselspannungsmäßig +90° oder -90° Phasenlage auf die Motor-Statorwicklung über L30/L29 gegen Masse gelangt was wiederum die Drehrichtung entscheidet.

Aufrufen einer Festsendertaste:

Drückt man nun eine Festsendertaste der ein voreingestellter Reiter am Kollektorring zugeordnet ist, dann schließt sich der Steuerstromkreis und der Motor beginnt in Abhängigkeit der Ausgangsphasenlage gegen Masse sich wahlweise nach links oder rechts zu drehen. Dabei wird er elektromagnetisch angetrieben auch in der Motorachse selbst axial verschoben, sprich nach hinten gedrückt, was einmal das kraftschlüssige schließen einer mechanischen Kupplung >K< an die >T.K< Triebknopfübersetzung (Handabstimmrad)vollziehen läßt.

Gleichzeitig werden die Kontakte des Federpakets >F< gegen Masse geschlossen was einmal die Endstufenstummschaltung bewirkt, und ebenso das >F.R< Festhalterelais beim Tastenaggregat auslöst, dass die bereits gedrückte Taste sperrt sowie (von mir angenommen möglicherweise) die anderen Tasten vor einem versehentlichen Drücken schützt.

Dieses verhindert das zusätzliche Drücken einer weiteren Festsendertaste was zum Kurzschluß der 8V Steuerspannung führen könnte.

Als Ausnahme, wo diese Sicherungsfunktion noch nicht greift mache ich den jeweiligen Erstmoment aus, bei dem theoretisch zwei Tasten gleichzeitig von "Klavierspielern" betätigt werden könnten.

(Hätte der Autor damals so ein Gerät gehabt, dann hätte er ungeachtet des Alters es auch wissen wollen)

HHier greift für den Fall, daß die Tasten je einen Reiter auf der +90° sowie auf der -90° Phasenlage des Kollektors durchschalten und damit die 8V~ am Trafo kurzschließen, das bereits beschriebene >SCHR< Schutzrelais, auch als Sicherungsautomat bezeichnet an.

Das rückseitig, durch Tastendruck  wieder zurückgestellt werden kann.

Der Motor betätigt dabei die Drehkoachse so lange, bis die Unterbrecherstelle >U< zwischen der geteilten Kollektorscheibe übereinstimmend zum zugeordneten Reiter erreicht ist und kein Strom mehr fließen kann.

 

Die Sendersuche per Motorbetrieb:

Am Tastenaggregat befinden sich am jeweiligen linken wie rechten Ende eine Pfeiltaste, deren Betätigung den Drehkondensator von einem Bandende zum anderen laufen läßt.

FOLGT 

Bild: Tastenaggregat mit den Pfeiltasten links und rechts

Auch diesen Tasten ist je ein Reiter am jeweils äußersten Ende des linken wie auch rechten Kollektors zugeordnet, die zudem laut Beschreibung NICHT versetzt werden sollten.

Im Prinzip hätten auch diese Reiter dem jeweils letztempfangbaren möglichen Sender an den beiden Bandenden zujustiert werden können um damit zwei weitere Festsenderspeicher zu erhalten.

Hier wäre dann die Taste wieder durch wegnehmen des Fingers zu lösen wenn der Abstimmanzeiger in etwa im gewünschten Frequenzbereich angelangt ist.

Für die Bereiche LW und KW hätte man dann im Einzelfall über dieses "Bandende" hinaus mechanisch per Hand weiterdrehen müssen wenn man denn dort einen neuen "Exoten" gesucht hätte.

Da diese Suchfunktion ja jederzeit unterbrochen werden soll, nehme ich an, dass das Festhalterelais hier zwar ebenso elektrisch arbeitet, jedoch mechanisch nicht die Taste festhält, da es ja sonst kein stoppen bei entfernen des betätigenden Fingers geben würde. 

Erst dann wäre der Sender bzw. ein Rauschen bei nicht korrekter Abstimmung zu hören und kann mit dem herkömmlichen >T.K< Triebknopf per Hand der Sender nach Gehör wie auch nach der Anzeigeröhre feineingestellt werden.

Nur eine Halbautomatik?

Was hier nicht verkoppelt ist, das ist die ebenso erforderliche Bandwahl zwischen gar 5 Bändern: LW, MW, KW und 2 x UKW was aber lediglich einen erweiterten AM Kurzwellenbereich bis 64,5 MHz (4,8 m) darstellt und was man als "vorbereitet" für einen zukünftig möglichen Fernsehtonempfang (nach Deutscher Norm) werten darf!

Es ist also mehr eine "Halbautomatik" bei der nach wie vor der "Gang" also eines von 5 Bändern manuell vorgewählt werden musste, und lediglich eine "automatisiertes Kuppeln" in Form des Abfahrens der Skala erfolgte.

(!) Eine wirklich automatische Motorsendersuche mit Scharfstimmung hat dieses Gerät schaltungstechnisch NICHT, was abgesehen von der Komfortfunktion mit den Festsendern lediglich das Handabstimmen so etwas vereinfacht bzw. verkürzt.

Ob die möglichen Käufer diese Details erkannten und als kaufauslösend ansehen konnten? Oder die Vorteile der Modelle des Wettbewerbs kannten und dann wechselten?

Vorteil für die damalige Zeit:

Ab 1939 galt ja im Deutschen Reich, zu dem bekanntlich bis 1945 auch Österreich gehörte die besonderen Maßnahmen zum Rundfunkempfang was "Feindsender hören" unter Strafe stellte.

 Bei dieser Gerätetype war somit das automatische unabsichtliche Auffinden eines "Feindsenders" nicht möglich, was den Hörer u.U. in Bedrängnis hätte bringen können.

Die Festsender konnten ja umprogramiert werden wenn nötig.

Vergleiche hier mit dem Deutschen SABA 980WLK, der ja keine Festsendertasten hatte und automatisch bei jedem Sender stoppte. Das auch bei Radio Moskau oder der BBC da die AM Rundfunkwellen ja technisch alle gleich waren!

Das änderte sich nach 1945 naturgemäß wieder, sofern diese Geräte zuvor nicht dem "Einkassieren" durch die sowjetische Besatzungsmacht (Befehl Nr. X) oder in Deutschland dem verpflichteten Ausbau der automatischen Sendersuchfunktion zum Opfer gefallen sind.

 

Die Gerätepräsenz am Markt:

Eher selten wird dieses Modell, stand 2022, und wenn dann zu Mondpreisen angeboten. Preise zwischen 1.000 und 1.500 Euro wurden lt. RM.org in den letzten 10 Jahren tatsächlich erzielt. 

Nebst mechanischen Reparaturen wie schmieren und reinigen werden auch die Motorkondensatoren 0,35µF und 0,45µF zwingend getauscht werden müssen (Achtung: Keine Netztrennung!)

Offene Fragen die ich ohne direkten Zugang zu dieser Gerätetype nicht selbst beantworten kann:

  1. Wie gut funktionierte die Wiederkehrgenauigkeit wirklich?

  2. Machte die motorgetriebene Fahren einen Sinn oder beließ man es dann beim manuellen Abstimmen gleich bei der Handabstimmung?


Der Hornyphon Rex 39 Mototip, Modell Rex 39W,  Typ W544A

Das Gerät, wenn auch aus der Saison 1938/39 stammend ähnelt sehr dem obig beschriebenen Ingelen Gigant 40W. Bzw. darf der zeitlichen Abfolge angenommen werden, das Ingelen auf gleiche Patente bzw. Lizenzen zugeriffen haben dürfte.

An Radioschaltungstechnischer Besonderheit haben wir lediglich die damals aufkommende Sparschaltung zur Reduzierung des Stromverbrauches von 55 auf 32 Watt durch Reduzierung der Anodenspannung zu verzeichnen.

Eine Bandbreitenumschaltung im 1. ZF Filter vor der EBF2.

Scharfabstimmschaltung gibt es keine.

Somit fährt auch hier der Motor "im Blindflug auf die vorgegebene Position ohne zu wissen was ihn dort erwartet". Dafür gibt eine Abstimmanzeigeröhre EM1 .

Motorabstimmung beim Hornyphon Rex 39A

Bild: Schaltungsauszug des Netzteils für die Motorabstimmung beim Hornyphon Rex 39A

Über die Kollektorscheibe können 10 Sender per Tastendruck angefahren werden.

Ein manuell auslösbarer links-rechts Motorlauf für das vereinfachte Anfahren einer Skalenposition wie beim Ingelen Gigant 40 ist nicht vorgesehen.

Der Motor ist ein Wechselstrommotor der primärseitig an der 220 Volt Anzapfung des Netztrafos in Sparschaltung angeschlossen ist um auch bei 110 Volt Netzen o.ä. arbeiten zu können.

Über einen 0,8µF Kondensator wird der Motor nach dem Doppelpoligen Einschalten des Geräts auf "Bereitschaft" gebracht.

Anders als beim späteren Ingelen wird hier die ebenso symmetrisch an einer Mittelanzapfung gegen Masse geführte Steuerspannung die um die 8 Volt beträgt über eine 4 A Glasrohrsicherung, angebracht vor dem Abstimmautomat, dem Steuerkreis sowie der 2. Motorwicklung je nach Drehrichtung in der Phase liegend zugeführt.

Schaltrelais und sonstige Feinheiten sind keine eingezeichnet. Die Blockade der weiteren Festsendervorwahltasten dürfte hier nur mechanisch erfolgen ohne elektromagnetischen Hilfshalterelais.

Das Schwestermodell Rex 39GW, W544U für den Allstrombetrieb hat einen Zerhacker vorgeschaltet und ansonsten gleich aufgebaut.

 Bezogen auf die Festsenderabstimmung und dem Motorantrieb ist der 8 Röhren Super Hornyphon Olympic 39W W564A sowie sein Allstrompendant im Aufbau ident. Unterschiede finden sich u.a. im NF Bereich wie auch die ZF.

Vorteil:

  • Einfacherer Aufbau, geringere Fertigungskosten,

  • Senderempfangsfrequenzen sind vom Radiotechniker veränderbar

  • Abstimmanzeige vorhanden

Nachteil:

  • Keine manuell gesteuerten Motorfahrten möglich

  • Keine automatische Scharfabstimmung

  • Keine automatische Bandwahl

  • Im Fall der Überlastung des Steuerkreises durch Fehlbedienung ist ein Radiotechniker für den Sicherungstausch erforderlich.

 


Die Wartung - Reparatur

Wir sind hier nachvollziehbarerweise weit weg vom Niveau eines Volksempfängers oder anderer uns mit Standardschaltung versehenen bekannten Geräte jener Tage.

Das gilt nicht nur für uns heute, sei es Hobbyelektroniker oder beruflich vorbelasteter, sondern auch für die damaligen Radiomechaniker die beileibe nicht jeden Tag so ein Gerät in die Hände bekamen.

Und selbst wenn, dann mitunter auch damals an deren Komplexität scheitern konnten.

Komplex sowohl elektrisch, waren doch mitunter einmal mehr spezielle temperaturkompensierte Kondensatoren im HF Schaltkreis eingesetzt, zudem die Beschaltung des Motors für die Störfreiheit aber auch der Anlaufschaltung bis hin zu dem nicht unerheblichen mechanischen Details was das Spiel wie auch die Freigängigkeit betraf und eine möglichst große Wiederhol bzw. Auffindbarkeit kombiniert mechanisch wie elektrisch zu garantieren war.

Die Krönung wird zudem die Ausführung als Gleichstromgerät für die damals in Wien noch häufigen Gleichspannungsnetze mit einem vorgeschalteten Zerhacker dargestellt haben, da die Motoren häufig in Wechselstromausführung waren.

Verharzte Lager bei Motorantrieb und Umlenkrollen waren sicher auch damals nicht "wartungsfrei".

Textauszug aus dem Ingelen Gigant 40W Serviceblatt: Oder, der besser hört, der besser schmiert!

 


 

Die Radio-Nachkriegszeit in Österreich - Das neue UKW Band ab 1953 fordert zusätzlichen Komfort

Deutschland begann bekanntlich bereits 1949 mit dem UKW Rundfunk. Österreich hinkte mit der Einführung 1953 etwas hinterher, ersparte sich aber gemäß Hornyphon Chefverkäufer die "Kinderkrankheiten" des Systems.

Bezogen auf unser Thema der "Senderspeicher" bot diese neue UKW Technik in bestimmten Fällen automatisch den Komfort gleich mit:

Nachrüstung von AM Radios

Als Sonderlösung gab es hier die nachgerüsteten UKW Tuner mit einem seitlich oder hinten am Gerät eingebauten Abstimmrad, häufig ohne sichtbarer Skalenteilung.

Minerva 374 aus der Saison 1936/37

Bild: Der Minerva 374 aus der Saison 1936/37 zeitgenössisch (nachgestellt) nachgerüstet mit einer Minerva UKW-Box mit eigener Abstimmung (Bildspende: Josef H.) Anklicken zur Chassisansicht!

Schaltete man z.B. über die modifizierte Phono Taste von MW auf UKW um, so war auch hier der UKW Sender voreingestellt und sofort abrufbar.

In der eleganten Version gab es dies als fertig kaufbare UKW Einheit (Siemens UKAWETTE) auf die vom Hersteller der dazu passende AM Empfänger Siemens Rondo Super 555 gestellt wurde.

Alternativ konnte man dies mit jedem AM Radio mit dem baugleichen Siemens WSW UKW-Untersatz-Super 547U auch selbst durchführen.

 Der Preis von öS 690,- Schilling (Eine MW/UKW Eumig Eumigette kostetet nur öS 990,- Schilling) beinhaltete eben dann den Komfort eines UKW "Festsenderspeichers".

  • Siemens WSW UKAWETTE UKW-Super 555U

  • Bild: Siemens WSW UKAWETTE UKW-Super 555U aus der Saison 1954/55 mit dem getrenntem AM und UKW Chassis und ebensolcher getrennten Abstimmung (Bildspende: Josef H.) Anklicken zur Chassisansicht!

    Ebenso per Schalter bzw. Knopfdruck ertönte der eigenständig abgestimmte UKW Sender ohne das nach dem Sender gesucht werden musste.


     

    DUPLEX: Die preiswerte Variante eines "Senderspeichers"

    Nicht wirklich in unsere hier beschriebene Klasse gehörend, da preisgünstig und letztlich damals schon sehr häufig verbreitet und keiner speziellen elektrisch-elektronischen Schaltungstechnik bedürfend, waren die mit "Duplex" bezeichneten Radiogeräte der 1950er Jahre.

    Zumeist ausgeführt als "Gebissradios" alias "Klaviertastenaggregate" versehen, die jeweils eine Umschaltmechanik für das Handabstimmrad getrennt für den AM Bereich wie der Mittelwelle und dem "neuen" UKW Bereich besaßen.

    Noch waren nicht alle bisherigen AM Sender auf Mittelwelle ihren neuen Plätzen auf UKW gefolgt bzw. neue UKW Programme wurden nicht nicht mehr auf MW aufgeschaltet (Drittes Programm).

    So bot es sich an, z.B. das Zweite (Nationale) Programm auf Mittelwelle eingestellt zu haben, während Österreich Eins (mit Regionalbezug) auf UKW ebenso dauerhaft abrufbar blieb.

    Soferne man keine weiteren Empfangsbedürfnisse hatte konnte man mitunter damit sein auslangen finden. 

    Als Modellbeispiel sei hier das Empfängerprogramm der Radione Gerätefamilie, wie auszugsweise der "Radione Duplex Register" genannt. Oder etwa der Siemens 3-D UKW Super Bariton, 564 W (1956).

    Radione Duplex Register S 

    Bild: Der Radione Duplex Register S der Saison 1956/57 - Anklicken für Radione Werbetextauszug [Quelle: Hifi-Archiv]

    Lesetip: Zur Einsichtnahme und dem besseren Verständnis für die Österreichischen (Wiener) Empfangsmöglichkeiten in den Jahren 1930 bis 1960 lesen Sie diesen Beitrag des Autors !


    Triplex - Es geht noch einer mehr! 

    Als ein auf dem österreichischen Markt einziges Gerät bot der Hersteller Ingelen auf der Wiener Herbstmesse 1956 seinen UKW-Fidelio 57 3D mit der neuen Triplex Abstimmung an was ihn wiederum zu einem Spitzengerät der Sonderklasse macht.

  • Ingelen UKW Fidelio 57

    Bild: Werbeblatt zum Ingelen UKW Fidelio 57 3D mit der Triplex Funktion für bis zu drei "Festsender". Anklicken für das Datenblatt!

    Nebst der bereits obig beschriebenen "Duplex" Funktion, hier nochmals verfeinert per Planetengetriebe realisiert, besaß das Gerät eine Zusatztaste "Lokal" für, wie der Name sagt, dem Aufrufen eines lokalen AM Senders wahlweise im Bereich LW/MW aber auch KW.

    Folglich konnte das Gerät durch rein mechanischen Tastendruck die jeweils damit zuletzt abgestimmten drei "gespeicherten" Sender, davon einen UKW sowie zwei in AM per Tastendruck wiedergeben.

    Technisch geschah dies durch einen zusätzlichen Abstimmdrehkondensator, der per Taste eben zu- bzw. weggeschalten wurde und der über einen eigenen Abstimmknopf, angebracht über dem Lautstärkeregler zu betätigen war.

    Ingelen UKW Fidelio 57 Triplex

    Bild: Schema der Ingelen UKW Fidelio 57 Triplex Abstimmung - Anklicken für die Bauteileansicht

    Der Preis mit öS 3.180,- machte das Gerät, das es ein Jahr später dann als Ingelen Fidelio Luxus Super 3D mit Halbleitergleichrichter gab, zu einem ebensolchen Luxus, von dem die umfangreichen Klangeinstellmöglichkeiten, der 3D Klang aber auch die drehbare Ferritantenne nebst besagter Triplex Abtimmung zeugen.


  •  

  • Nachkrieg: Motorantrieb

  • Geräte mit Motorantrieb österreichischer Nachkriegsfertigung sind mir bis dato nicht bekannt geworden, wenngleich die österreichische Radioindustrie sonst auf der Höhe der Zeit war.

    Hier kann ich nur Mutmaßungen anstellen:

    Die Zeit bis ca. 1950 war der Konsolidierung geschuldet. Ein Motorantrieb und ähnliches war sicher nicht ein entscheidendes Kaufkriterium in der Masse der wahlweise vorzunehmenden Erstgeräteausstattung bzw. des Geräteersatzes durch Verlust im Krieg bzw. der Geräteüberalterung.

    Die Wiederaufnahme der bereits bekannten Technologie der Vorkriegszeit war in den wechselvollen Zeiten (Besatzungszeit) mit häufig neuen Sendern bzw. Frequenzen für ein Gerät mit festeingestellten Sendern, auch wenn sie rückseitig nachjustierbar gewesen wären mitunter auf mehr Probleme im Kundendienst gestoßen, als das begeisterte Käufer mit Mundpropaganda für die Marke geworben hätten.

    Da in Ö. die UKW Einführung mit dem Fernsehen relativ gesehen zeitlich zusammenfiel, sah man möglicherweise keine entsprechenden Absatzchancen ohne den jeweils anderen Markt zu "kanibalisieren" sprich die Kaufkraft dort abzuziehen.

    Hierfür muß wieder auf unsere deutschen Nachbarn auszugsweise mit dem Luxusgerät SABA Freiburg Automatik sowie den Grundig 4040W, 5040W und 5050W ab 1954 verwiesen werden. Diese Geräte hatten zudem alle schon UKW.


    Nachkrieg: Tastenabstimmung

    Was noch mit den Autoradios ab etwa 1952 auch in Österreich mit den Erzeugnissen der Fa. HEA oder Philips aufkam, das war das Tastenaggregat, bei dem eine Hubbewegung nebst Bandwahl und Nachführen des Skalenzeigers üblicherweise eine Vorabstimmung der Induktivitäten (Permabilitätsabstimmung) durchführte.

    Wiewohl also bekannt, hat sich diese Technik im Nachkriegs-Heimradiogerätebau in Österreich nicht durchgesetzt.


     

    Die neue Zeit nach den Röhren

    Erst ab den 1960er Jahren sind dann auch in Österreich Geräte mit Halbleiter-Diodenabstimmeinheiten und Mehrfachtastenwählern auf den Markt gekommen, was aber dann schon einen Techniksprung beschreibt den wir hier nicht weiter ausführen wollen.

    Der Minerva Stereo 655 als Röhren/Halbleiterhybrid aus 1964 mit drei UKW Festsendertasten mag dafür ein Stellvertreter sein.


    Gesichtete Quellen und bekannte Literatur:

    1. Archiv Scheida

    2. Radioschau, Heft 10, Oktober 1956 zu Messevorstellungen & Gerätevorstellung Ingelen Fidelio Triplex durch Chefingeneur Dipl. Ing. Karl Kontrus

    3. Radiobote, Heft 74, 2018, Gerätevorstellung Ingelen Fidelio

    4. Fortschritte der Hochfrequenztechnik, Band 1; auf den Seiten 343 ff. Autor des dort abgedruckten Artikels "Die moderne Empfängertechnik" ist R. Moebes, Berlin-Tempelhof. Das Buch wurde 1941 in Leipzig vom Verlag "Akademische Verlagsgesellschaft Becker & Erler Kom-Ges." herausgegeben.

    5. RM.org Artikel von Dietmar Rudolph (†) aus 12/2021; Die Abstimmautomatik der Industrieempfänger bis ca. 1941

    6. RM.org Artikel von Harald Giese: Telefunken D860WK - Technische Beschreibung und Reparatur aus dem Juni 2021

    7. RM.org Artikel, Juli 2021, Harald Giese zu "Radio - Brain", die Drucktastenabstimmung des EKCO PB510 sowie Parallelgeräte

    8. Radio-Universul; 27. Dezember 1936 3. Jänner 1937 (Rumänien) bei Arheologie Tv 10.0

    9. Radione Prospekt 1938 by Hifi-Achiv

    10. Schaltungen bei Elektrotanya

    11. Ingelen Originalreparaturunterlagen zum Gigant W40 (3Seiten) beschreibung

    12.  https://www.proradioantic.ro zum Radione Autoselect 6038; abgerufen am 31.7.2022

    13. https://www.radio-bastler.de/forum/showthread.php?tid=11097 zum Radione Autoselect

    14. Radio-Katalog 1940-1944; Abgerufen am 5.8.2022 von https://fdocuments.net

    1. https://www.zwettl.gv.at/Sowjetische_Besatzung (zu Radio abliefern), abgerufen am 5.8.2022

     

      

     

     

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