| Letzte
Bearbeitung: 31.10.2009 / Kein Nachtrag mehr auf RM.org ab
3.1.2010
40 Jahre PAL Farbfernsehen in Deutschland* Bedingt durch die breite Verfügbarkeit von Quellenmaterial wird auf die Sichtweise des Beitrages von Walter Bruch/Telefunken aus hingewiesen! Um alternative Sichtweisen ist der Autor bemüht und wird den Beitrag laufend um solche gesicherte Erkenntnisse erweitern! Am 25. August 1967 wurde in Deutschland offiziell das PAL Farbfernsehen durch den legendären Knopfdruck des Herrn Außenministers eingeführt. Der geneigte Leser des GFGF Fachmagazins "Funkgeschichte" fand dem Anlass entsprechend einen passenden Fachartikel in der Ausgabe Oktober/November 2007 vor.
40 Jahre PAL Farbfernsehen
1967 – 2007
Bild 6: Titelbild Telefunken
PAL Color 708T; Der stellvertretende Klassiker der ersten PAL
Farbfernsehgeräte mit dem Einheitschassis
Autor:
Fernsehhistoriker Wolfgang Scheida /Wien www.scheida.at/scheida/televisionen.htm
email: office (AT) scheida.at
40 Jahre PAL Farbfernsehen
1967 – 2007
Eine Hommage an den
deutschen Fernsehpionier Prof. Dr. Ing. e.h. Walter Bruch, alias
„Papa PAL“.
Inhalt:
Einleitung:
40 Jahre PAL Farbfernsehen ist ein nachhaltiges Schlüsselereignis
dessen Einführung als Meilenstein für die europäisch geistige
Innovationskraft und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit noch
einmal groß gefeiert werden darf. Damals war das ein finanzieller
Kraftakt von umgerechnet 80 Millionen € [8].
Blicken wir zurück in die Zeit zu Außenminister Willy Brandts
symbolischem Knopfdruck auf der Funkausstellung am 25. August 1967
mit dem der feierliche offizielle Startschuss für das deutsche
Farbfernsehen ausgelöst wurde.
.
.
Die Welt des bunten Fernsehens hätte ursprünglich recht einfach
aussehen sollen.
Nachdem sich auch im späten Nachkriegseuropa für die ausgehenden
1960er Jahre eine Marktsättigung mit schwarz/weiß Fernsehempfängern
in den Industrienationen abzeichnen würde, bemühte man sich
bereits ab 1956 [1] nun auch auf dem alten Kontinent darum etwas
Farbe ins Spiel der televisionären Unterhaltung zu bringen.
Die ersten Schritte für eine einheitlichere Ausgangsbasis dazu
waren bereits getan, indem Länder wie Großbritannien und
Frankreich eine Abkehr von ihren etwas überholten (405 Zeilen)
bzw. ökonomisch nicht vertretbaren (819 Zeilen) Fernsehstandards
auf den in Europa üblichen 625 Zeilen Standard eingeleitet
hatten.
Der angedachte weitere Schritt vieler Länder wäre in Folge die
Adaption des amerikanischen NTSC Farbfernsehstandards auf europäische
Verhältnisse gewesen.
Das letztenendlich alles anders kam war vor allem dem persönlichen
Einsatz eines Mannes – Walter Bruch – tätig seit 1950 als
leitender Entwicklungsingenieur bei Telefunken zu verdanken.
Wer war Walter Bruch?
Eine Kurzbiografie [3][8]:
Walter Bruch (1908 – 1990) war bereits als Schüler 1925 von den
damals verfügbaren theoretischen Abhandlungen (u.a. von Korn
& Prof. Dieckmann) fasziniert die ihn veranlassten 1929
Versuche mit den Ausstrahlungen des mechanisch abgetasteten 30
Zeilen Fernsehens aus Berlin zu unternehmen. Danach studierte er
Elektrotechnik in Mittweida/Sachsen.
Seine spätere Karriere in dieser Branche lies er auch in Zeiten
der Wirtschaftskrise von damaligen Kapazitäten wie Denes von
Mihaly, Manfred von Ardenne, sowie Urtel und Schröter bei
Telefunken formen.
Einsätze führten ihn auszugsweise 1936 als Techniker und
Kameramann an die „Fernsehkanone“ im Olympiastadion aber auch
zu Fernsehvorführungen auf den diversen Funkausstellungen in
Berlin sowie auf die Pariser Weltausstellung 1937.
.
Bild: Walter Bruch in
Mittweida Sachsen
.
Ein kriegsbedingter Auftrag ließ ihn den später als
Industriefernsehen bekannten Aufbau in Peenemünde zur Kontrolle
der A4 Raketenstarts anfertigen und warten. Nach dem Krieg war er
im sowjetischen Auftrag mitbeteiligt an der Erarbeitung des 625
Zeilen Standards bis er später wieder fernsehtechnische Arbeiten
bei Telefunken in leitender Position aufnehmen konnte. Unzählige
Patente – das bekannteste davon ist wohl das PAL System, und
sein persönlicher Einsatz für die Sache rund ums Fernsehen
zeichnen sein Lebenswerk aus. Und er blieb einer der das Fernsehen
stets als Wunder begriff.
Die Ausgangsbasis
Das 2. NTSC (National Television Comittee
– Übergreifender
Zusammenschluss von Unternehmen und Institutionen für
Normierungsarbeiten in Zusammenarbeit der FCC US-Regulierungsbehörde)
Zur Begriffserklärung sei erwähnt, dass die Schlüsseltechniken
des elektronisch simultan übertragenen und zum s/w System
kompatiblen Farbfernsehens in den USA bereits seit den späten
1940er Jahren erforscht und 1954 mit hohen Anfangsverlusten auch
eingeführt worden ist. Dies geschah unter der Federführung der
RCA durch den nachhaltigen Antrieb ihres besessenen Präsidenten
David Sarnoff bei Einsatz erheblicher finanzieller Mittel (20
Millionen US$) und unorthodoxer Motivationsmethoden. Vorhergehende
Versuche der CBS, mit sequenzieller Signalübertragung und
mechanisch rotierenden Farbrädern u.a. die Problematik der
Herstellung einer (damals schwierig zu bauenden) Farbbildröhre zu
umgehen wurden letztendlich von der FCC aus Gründen mangelnder
Kompatibilität zum geltenden s/w Standard abgewiesen[4].
Auszugsweise angeführte Schlüsseltechniken die um das 2. NTSC
erarbeitet wurden [4]:
1954 war es dann soweit, dass eine handvoll Hersteller NTSC
Farbfernsehempfänger zum gestützten Preis von 1.000 US$ im
Handel anboten.
Das was jedoch der Käufer für sein Geld bekam hat natürlich
wenig mit unserer heutigen Vorstellung eines Farbfernsehbildes zu
tun. Hier sei zum einen die runde! 15“ Farbbildröhre erwähnt,
was für Amerikaner der entsprechenden Käuferschicht schon damals
als mickrig galt.
.
.
Farbflecken vom Erdmagnetfeld herrührend, die bei der
Erstinbetriebnahme entfernt werden mussten und beim Verstellen des
Gerätes wieder kamen. Oder etwa Konvergenzprobleme mit nicht
deckungsgleichen Farbstrahlen am Bildschirm.
Und last but not least der Umstand, das systembedingt der Zuseher
in die Pflicht genommen wurde selbst die auf dem Übertragungsweg
entstandenen Phasenverschiebungen des Farbartsignals durch einen
Tint-/Hue-/ Farbtonregler auszugleichen wenn er nicht rote oder grüne
Gesichter sehen wollte. Zur Vereinfachung dieses Vorgangs wurde ab
1956 von der NBC das bekannte Peacock – Pfauen Testbild vor
Beginn einer Farbfernsehsendung eingeblendet um den Zusehern die
richtige Farbtonabstimmung zu ermöglichen.
Daraus folgte auch die spöttische Abwandlung, nach der NTSC die
Abkürzung für – „Never twice
the same color“ – „Nie
zweimal die gleiche Farbe“ wurde.
Erstere oben angeführte „Kinderkrankheiten“ die keineswegs
von der Pionierleistung des 2. NTSCs ablenken sollen waren neben
den hohen Kosten der Grund weshalb Farbfernsehen auch in den USA
erst etwa ab Mitte der 1960er Jahre seinen breiten Durchbruch
fand.
Das Fazit über NTSC von Walter Bruch:
Über seine selbst gemachten Erfahrungen mit NTSC bei einem USA
Besuch 1953 schreibt Bruch [6]:
„ ..als ich ... die roten Haare von Heidi gesehen habe ....und
es mir mit keiner Einstellung gelang die roten Haare so zu sehen,
wie sie am Nachmittag auf dem Monitor im Studio geleuchtet hatten,
da war mir klar: so konnte das für uns in Deutschland nicht
eingeführt werden“ Es schien als wolle er es nicht übers Herz
bringen auch den Deutschen den ständigen Canossagang hin zum
Farbtonregler anzutun.
Die erste Alternative zu NTSC – Das SECAM
Verfahren (Séquentiel couleur à mémoire ~ zeitlich nacheinander
mit Speicher)
Im Mai 1956 stellte der französische Fernsehspezialist Henry de
France ein Patent vor [6], bei dem die beiden
Farbkomponentensignale (jetzt DR & DB) frequenzmoduliert und
sequenziell also hintereinander übertragen werden. Damit beide
Signale zur Demodulation zeitgleich im Empfänger wieder anstehen
benötigt es einen Speicher mit dem das Komponentensignal einer
Zeile gepuffert werden kann.
.
.
Bild: Henry De France
.
Der Umstand das erst die SECAM III b. opt. Variante ihre letzten
endlich vornehmlich politisch durchgesetzte Verbreitung gefunden
hat war den diversen Systemschwächen der
frühen Versionen zuzuordnen.
Damalige Systemvorteile: Siehe auch die
SECAM Ergänzung am Beitragsende!
Nachteile:
Die anfängliche Systemorientierung am damaligen 819 Zeilen
Standard der Franzosen sowie die real nicht vorhandenen Verzögerungsleitungen
für die Speicherung einer Bildzeile ließen SECAM in einem
jahrelangen Forschungsstadium verharren und blieb deshalb außerhalb
Frankreichs vorläufig wenig beachtet.
Die Entwicklung von PAL:
In Gedanken hatte Walter Bruch stets den Auftrag seines Brötchengebers
Telefunken, den er 1959 zusammen mit einem
Fernsehgrundlagenlaboratorium bekam um erste NTSC – SECAM
Vergleichsteststudien vorzunehmen deren Ergebnisse in einigen
Jahren in den regulären Farbfernsehbetrieb münden sollten.
Mit seinen privaten Erfahrungen und dem Gedanken ein Verfahren zu
entwickeln, dass die Vorzüge des NTSC mit dem SECAM System
verband entwickelte er zusätzlich in „Eigenauftrag“ mit
seinem Team im Keller! seines Labors verbesserte
Systemabwandlungen bis er eines Abends träumend mit seiner Frau
in der Oper saß.
Bruch schreibt [3]: „ ... bis mir die Idee kam, die an sich
bekannte Verzögerungsleitung (jetzt als Glaskörper anstelle
eines Kabels).... in einer besonderen Weise zu nutzen .... und
dadurch Übertragungsfehler zu eliminieren.“ Es folgte „...
eine schlaflose Nacht, eine verärgerte Frau ..... während ich
mit den Fingern Zeiger und Vektoren grafisch addierte,
subtrahierte..... am anderen Morgen (hatte ich) verärgerte
Mitarbeiter .... denn eine in zwei Monaten aufgebaute Vorführung
musste während der Weihnachtsfeiertage völlig auf das neue
Verfahren umgestellt werden..... Damit fing es an, aber dann
kam erst die Tat. Sieben Jahre hat es gedauert bis man sagen
konnte, jetzt spricht diese Technik für sich allein.“
Mit seiner neuen Methode wollte er die NTSC Fehler so ausmerzen,
dass er jeweils die 2. Zeile zwang, den vorangegangenen
Fehler in einer Spiegelung in der Komplementärfarbe zu
wiederholen. Das Ergebnis der beiden Farbinformationen ergibt dann
wieder das richtige ursprüngliche Bild.
.
.
Bild
1: PAL V - Verzögerungsleitung
Präzisionsteil zur Verzögerung
von 63,943µs, zu erkennen die Anpassglieder sowie die
piezoelektrischen Wandler, aufgrund der Massenfertigung und
weiterer Miniaturisierung (M-Type) sehr preiswert in der
Herstellung geworden
Am 17. Juli 1961 erfolgte bereits die erste PAL Patentanmeldung
die jedoch zurückgezogen und erst mit einer erweiterten
Systembeschreibung am 30.12.1962 neu und endgültig angemeldet
wurde.
Das herausstechende an seinem Arbeitsumfeld war die Tatsache, das
er obwohl für Telefunken tätig, mehr oder weniger als
Einzelperson für das neue Verfahren stand. Das schützte ihn
anfangs davor von der französischen SECAM Konkurrenz ernst
genommen und bekämpft zu werden. Mit Ende 1962 verlagerte
Telefunken jedoch wesentliche Mittel in die Großcomputerentwicklung
und kürzte damit die Ressourcen für Walter Bruchs
Fernsehforschungsabteilung die sich nunmehr lediglich mit
Rationalisierungsverbesserungen an der s/w Technik sowie einer zukünftigen
europäischen NTSC Farbfernsehgerätetechnik beschäftigen sollte.
Eine Zeit in der sich Bruch gedanklich auch mit einer Trennung von
Telefunken befasste.
Bruch bat jedoch um Erlaubnis zusätzlich seine eigenen
Weiterentwicklungen wie PAL und ein modifiziertes SECAM
(amplitudenmoduliert) als Systemverbesserung am 3.1.1963 der erst
im November 1962 eigens von der EBU (European Broadcasting Union)
geschaffenen „ad hoc Gruppe Farbfernsehen“ vorführen zu dürfen.
Was im Ergebnis zur Aufnahme des „Bruchsystems“ in die Liste
der zu evaluierenden Systeme bei den meist jährlich
stattfindenden EBU - CCIR Konferenzen führte und in Wien 1965
sowie Oslo 1966 seine gebührende Zustimmung seitens der Techniker
fand.
Der Rest ist lebendige Geschichte unter der deutschen
Patentschrift 1 252 731 geworden.
Die auszugsweisen Merkmale von PAL lauten:
(Bild 4: PAL Decoder
Grundschaltung)
Besondere Abwandlungen von PAL stellen
Den Namen PAL fand dieses System in Wahrheit erst am Vortag der
Vorführung bei der „ad hoc Gruppe Farbfernsehen“ (3.1.1963)
als es galt noch schnell einen griffigen Namen für das System zu
finden. Bruch selbst war zumindest im deutschsprachigen Raum
naheliegenderweise kein idealer Namenspate und so entschied man
sich für ein englischsprachiges Kürzel wobei um ein A im Namen
die passende Bezeichnung gesucht werden sollte. Letztenendlich kam
die Bezeichnung PAL heraus was fachlich „Phase Alternation
Line“ (Phasenwechsel je Zeile) bedeutet[6]. Spezialübersetzungen
wie Pay the Additional Luxury
(„Bezahl mal für den zusätzlichen Luxus“) sowie Pay
Another License („Noch eine andere Lizenz kaufen“) waren
dann die amerikanische Retourkutsche auf die vorangegangenen NTSC
Interpretationen. Mit Peace At Last („Endlich
Frieden“) und Perfection At Last („Endlich
Perfektion“) konterte die PAL Gilde offenbar erfolgreich zurück.
[10]
Die schwierige Überzeugungsarbeit:
.
Anders als die Franzosen die in SECAM dem “Bildschirm mit HIFI
Farbe“[6] eine nationale Errungenschaft sahen, stand der
deutsche Werbeauftritt wesentlich sachlicher und zurückhalternder
in der mit harten Bandagen geführten politischen
Auseinandersetzung seitens Frankreich da.
Sie hatten keinen eigenen PAL Minister der um jeden Preis das
System einschließlich nicht erfüllbarer Versprechungen* oder
anderen Sonderrückerstattungen bei den Lizenzgebühren feil bot.
Ebenso war rund 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die
Empfehlung zur Einführung eines deutschen Systems noch keine
Selbstverständlichkeit.
.
Auch politische Unterstützung für PAL gab es kaum. Zudem wollte
Telefunken harte Lizenzgelder (0,3 – 0,5% vom Gerätenettowert)
was Firmen wie Sony veranlasste Sonderlösungen zur Umgehung des
PAL Patents im Empfänger zu entwickeln.
Erst das Interesse der Fachwelt, angeregt durch Hunderte von Vorträgen
und Reisen um die ganze Welt die Walter Bruch persönlich mit
seinem von ihm geschätzten Team bis in die Karpaten und an die
Chinesische Mauer führte und für die er stellenweise in eigener
Verantwortung selbst für die Telefunken Ausrüstung bürgen
musste führte zum Erfolg.
.
Mit dabei im Gepäck immer seine Gerätschaft mit der er alle drei
Systeme teilweise auch simultan im gegenseitigen Vergleich vorführen
konnte. Und um der Konkurrenz und ihren technischen Verbesserungen
voraus zu sein, ließ es sich immer neue „Störungssimulationen“
einfallen um die Schwächen von SECAM zu Tage zu fördern.
.
Bei den europäischen Rundfunkanstalten wurden derweil alle
Signalvarianten durch die Richtfunknetze und adaptierten
Testsender vom Atlantik bis in den Ural und wieder zurück gejagt
um sich zeitlich abgestuft mit allen Systemen und ihren Vor- und
Nachteilen zu befassen.
Die ansteckende Begeisterung hebelte letzten endlich selbst
pragmatische Wünsche deutscher Politikprominenz aus demnach man
im Sinne des Neuanfangs zwischen Deutschland und Frankreich nach
dem zweiten Weltkrieg „am besten das französische SECAM System
übernehmen hätte sollen“ bis sich auch hier letztenendlich der
Ruf der Industrie für den Einsatz eigenständiger entwickelter
Techniken durchgesetzt hat.
*Dabei wurde von den Sowjets selbst die dafür
geschaffene CCIR Normenkonferenz mit dem Ziel eines einheitlichen
Farbfernsehstandards in Wien 1965/ Oslo 1966 ausgehebelt, indem
die Sowjetunion seinen vorab Entschluss zum SECAM System bekannt
gab. Hauptgrund für diese Entscheidung entgegen dem PAL System
war u.a. das Versprechen der Franzosen eine betriebsfertige
Grillfarbbildröhrenfabrik auf Basis des (späteren Sony
Trinitron) Chromatron Prinzips im Gegensatz zur allgemein üblichen
RCA Lochrasterröhre zu liefern. Ein Versprechen das aufgrund der
nichtvorhandenen technischen Serienreife des besonderen Bildröhrensystems
nie erfüllt worden ist und alle Welt, auch die des Ostens zwang
Lizenzfertigungen der RCA Lochrasterröhre zu produzieren. Siehe
auch die Ergänzungserklärung am Ende des Beitrages!
.
Eine Entscheidung die den RGW Ländern und hier im Besonderen der
DDR noch Jahre Kopfzerbrechen bereiten sollte bis zuerst durch
Westimporte und später in den 1980er Jahren durch Lizenzfertigung
japanischer Toshiba Röhren eine Normalisierung stattgefunden hat.
Natürlich wurden in allen Fernsehanstalten weltweit
Vergleichstests der bestehenden Farbfernsehsysteme auf technischer
Basis durchgeführt in denen in der Mehrzahl der Fälle PAL als
das technisch bessere System erkannt wurde. Wie wir aber wissen
ist die Weltkarte der Fernsehsysteme eher von der damaligen
Politik des kalten Krieges denn der Technik gezeichnet worden was
vereinfacht beschrieben folgendermaßen aussah:
.
Alle europäischen Staaten der „freien Welt“
entschieden sich für PAL.
Frankreich und alle dem Ostblock
nahestehenden Staaten sowie auf Wirtschaftshilfe angewiesene Länder
in Afrika oder Asien schwor man auf SECAM ein.
Alle auf den Programmaustausch oder auf den Exportmarkt
mit den USA angewiesene Länder übernahmen NTSC.
.
Der Rest teilt sich in vereinzelte Sonderfälle auf wie die
Insellösung um das argentinische PAL N – 625 Zeilen/50 Hz in
einem 6 MHz Kanalraster oder dem brasilianischen PAL-M Standard,
wobei oben genannte eher auf technischer Ebene entstanden. Andere
bei genauer Betrachtung sind ebenfalls Ergebnis politischer
Wandlungen wie etwa Chinas oder Jugoslawiens PAL Votum nach dem
Bruch mit der UdSSR.
Das letzte Land der Erde das Fernsehen erst im Jahr 1999 offiziell
einführte war das Königreich Bhutan –
selbstverständlich in PAL Sendenorm B.
Nicht unerwähnt bleiben soll die Feststellung das spezielle
Techniken ebenfalls eine weitere Optimierung und Fehlerreduzierung
der NTSC und SECAM Übertragungen im Laufe der Jahrzehnte ermöglichten.
(Wenn Sie darüber Details wissen senden Sie mir
bitte eine Mail - Danke)
Dennoch veranlassten fast alle ehemals osteuropäischen Staaten
die Abkehr von ihrer SECAM Norm und stellten ab 1989 nach und nach
auf PAL um. Weitere Länder senden zum Teil mehrgleisig.
Ein Auszug der ersten Länder die PAL offiziell einführten:
Die ersten Farbfernsehgeräte:
(Bild 6A: Loewe Opta
Color TV Anzeige zur Funkausstellung 1967)
Wer empfangen werden will muss erst senden – und genau hier war
um 1967/68 die Achillesferse zu finden: Die wenigen vorhandenen
Farbfernsehgeräte rechtfertigten nicht die weitere teure
Anschaffung und die Herstellung von Farbübertragungen. Umgekehrt,
wenn nicht gesendet wird kauft auch niemand einen Empfänger.
(Vergleiche mit heutigem HDTV) Ein Kampf um jede Wochenstunde
Sendezeit in Farbe begann, den man mit einem Schmunzeln in alten
Funkschau Heften jener Zeit nachvollziehen kann.
.
Im Gegensatz zu den ersten NTSC Geräten um 1954 war man nun 1967
mit der Stabilität der Technik etwas weiter. Auch konnte man in
Europa gleich mit der 90° A63-11X später der A63-120X Farbbildröhre
als Standardgröße beginnen, die mehr oder weniger einem Nachbau
der RCA Röhre entsprachen. Um die hohen Entwicklungskosten im
Griff zu halten verwendete Philips (K6) oder Kuba-Imperial sein
bewährtes auf PAL umgebautes NTSC Röhren Chassis was sie für
die Bedienung Ihrer Übersee Märkte bereits im Programm hatten. Währenddessen
nutzten Firmen wie Telefunken, Blaupunkt, Nordmende und Siemens
eine Gemeinschaftsentwicklung in Form eines Röhren-Transistor
Hybridchassis. Ebensolches ist aus einem Zusammenschluss
britischer Hersteller bekannt die aber bereits ein volltransistor
Chassis mit all den damals damit verbundenen Konsequenzen
marktreif hatten.
Bild: Philips wirbt mit seiner
Serienerfahrung für Farbfernsehgeräte
.
Das nun auch für Laien erkennbare Merkmal war der zusätzlich
vorhandene Regler für die „Farbe“ oder den
„Farbkontrast“. Dazu gab es meist einen Rot-Grün-Blau
Aufkleber der den Fernsehapparat als stellvertretende Ikone für
den sozialen Status der Besitzer kennzeichnen durfte. Allesamt
Personen die willens und potent waren um umgerechnet rund €
1.200 für die preisgebundenen Basismodelle zu bezahlen.
„PAL-Color“ wurde in der Folge das geschützte Warenzeichen
das auf den Geräten von Telefunken prangte. Später kamen
aussagekräftige Bezeichnungen wie „Super-Color“ bei Grundig,
„Spectra Color“ bei Nordmende, „Ultra Color“ bei Saba oder
zumindest der Schriftzug „Color“ meist in Verbindung
markenspezifischer Errungenschaften wie „Trinitron“ oder
„Quintrix“ auf die Frontblende.
Erste PAL Geräte hatten interessanterweise ebenfalls wie ihre
NTSC Kollegen einen Farbtonregler jetzt als „Geschmacksknopf“
betitelt, der aber vordergründig dazu dienen sollte dem Zuseher
die Möglichkeit zu bieten das unbunte Bild bei s/w Sendungen dem
ihm von der s/w Röhre gewohnten bläulichen Farbton anzugleichen
bzw. subjektiv optimale Weißwerte für die
„Raumlicht-Anpassung“[8] zu finden.
Bild 7:
Farbtonregler – alias „Geschmacksknopf“ zur
„Raumlicht-Anpassung“ (Minerva
707)
.
Philips (K6 Goya) nahm diese Funktion in vorauseilendem
Gehorsam mit einem eigenen Weißwert Versatz mit Blauton
bei s/w Sendungen vorweg der bei Ansprechen der PAL Kennung auf
Chamoisfarben zurückgestellt wurde. Das dabei hörbare Klicken
des Umschaltrelais löste beim Zuseher zusätzlich Vorfreude auf
das bald kommende Farbbild aus.
Neue Arbeit und Herausforderungen für die Service- Studio
und Entwicklungstechniker:
Bild 3: PAL
Decoder Schaltungsauszug
Ab 1966 bot die Industrie wie etwa SEL den Fachlehrgang
Farbfernsehtechnik mit PAL Coder Experimentier Bausätzen sowie
Schulungen und Kurse für die Fernsehtechniker an, um sie mit den
Systemeigenschaften und erforderlichen Messmitteln vertraut zu
machen. Parallel dazu gab es Fernkurse, neue Fachbücher sowie
eine entsprechende Themenserie in der „Funkschau“.
Bild 2:
PAL Decoder – diskret aufgebauter PAL Decoder – erkennbar
rechts oben der 4,43 MHz Referenzoszillator, im großen Rahmen
Teile der beiden Synchrondemodulatoren, im kleinen Rahmen der
Burst Phasenvergleich,
Bild 10:
Y-Verzögerungsleitung für das Luminanzsignal (~800ns))
Studioseitig durfte man sich mit dem oft driftenden Weißabgleich
in Verbindung mit der richtigen Beleuchtung beschäftigen,
Vektorskopzeigerfiguren studieren und neue Kreationen von
geeigneten Farbbalkentestbildvorlagen kreieren die letztendlich
u.a. im FubK- oder Philips Testbild mündeten.
Die richtige Konvergenzeinstellung (Einstellorgane zur Deckung
aller drei Grundfarben am Bildschirm) blieb bis in die 1970er
Jahre für viele Techniker eine oft ungeliebte Pflichtübung.
Schaltungstechnisch galt es wahlweise die Bildröhre mit dem
Farbdifferenz- oder RGB Signal anzusteuern und das mit Chassis die
gut 50! und mehr Trimmpotentiometer und einstellbare Induktivitäten
zum Abprüfen des Könnens eines Technikers anboten.
Bild 11: Konvergenzsegment
für eine Grundfarbe; befestigt an der Ablenkeinheit
Auch schieden sich die Geister ob man die hohe
Anodenverlustleistung aus der Horizontalablenkschaltung gewinnen
konnte oder doch ein Zwei-Zeilentransformatorkonzept benötigte.
Weiters ob eine niederohmige Kaskade (Metz) oder eine hochohmige
Hochspannungserzeugung mit Ballasttriode (Philips) verwendet
werden sollte. Letzteres führte zu Diskussionen um die zulässige
Röntgtenstrahlung in Farbfernsehgeräten und deren mögliche
Gesundheitsgefährdung speziell im Falle eines Defekts der
Ballasttriode. Zuvor ereiferte sich die Fachwelt auch noch über
die Frage ob die vorhandenen Antennenanlagen nun auch wirklich
farbtüchtig seien.
Das „Non plus Ultra“ jener Tage waren dann Geräte die PAL
und SECAM im Besonderen an der deutsch/französischen
Grenze und vereinfacht später an der deutsch/deutschen Grenze
beherrschten wobei das jeweils andere Signal über
Decoderzusatzmodule wie den „Transcodern“ (Grundig) behandelt
wurde.
.
1970 beklagte die Zeitschrift „Hobby“ die mangelnde
Standfestigkeit der Farbfernsehgeräte auf dem deutschen Markt die
sich jedoch bald speziell im Farbteil durch integrierte Baugruppen
und durch zunehmende Transistorisierung verbessert hat.
Volltransistorisierte Gerätegenerationen wie etwa die Grundig
Super Color Serie oder das Philips K9 Chassis führten das
Farbfernsehen in Deutschland dann in den 1970er Jahren zum
erfolgreichen Massenmarkt.
Pragmatisches Nebeneinander der Standards:
.
Anfang der 1980er Jahre liefen dann die Patente für PAL aus und
es kam durch entsprechende Verfügbarkeit von integrierten
Farbdecodern zu Mehrnormenfernsehgeräten die serienmäßig (z.B.
die Grundig CTI Serie) PAL-SECAM Signale
verarbeiten konnten. Ausgelöst durch die weltweite Verbreitung
von VHS/ später DVD und auch dem privaten Austausch von NTSC
codierten Filmen sind heute ein großer Teil der Fernsehgeräte
ohnehin PAL-SECAM-NTSC Alleskönner geworden.*
Am Vorabend der anstehenden Digitalisierung 1994 gab es noch die
Weiterentwicklung mit dem abwärtskompatiblen PAL Plus
Verfahren das eine nutzbringende Verwertung der subjektiv
schwarzen Cinemascope Balken sowie die Beseitigung von Cross Color
und Cross Luminance Effekten ermöglichte. Das hier im
ultraschwarzen Bereich mitgesendete Helpersignal ergab auch wieder
die volle Vertikalauflösung (576 aktive Zeilen) bei 16:9 Empfängern
mit dem entsprechenden Decoder dessen Bild man dann als „Golden
Standard“ bezeichnete.[9]
Bild 5: PAL
Plus LOGO – 1994 kam es zu einer nochmaligen Verbesserung von
PAL
Eine eindrucksvolle detailliertere Darstellung der ersten PAL- wie
auch NTSC Farbfernsehgenerationen bietet GFGF Mitglied Herr Etzold
auf seiner Homepage an.
.
Da eine weitere Auflistung den Umfang dieses Beitrages sprengt
verweist der Autor auf seine bereits früher erstellte Übersichtstabelle
http://www.scheida.at/scheida/TV_SEITE/Liste_aller_ersten_PAL_TVs.pdf
sowie auch den ersten PAL Messmitteln mit Typenverweisen zum www.Radiomuseum.org.
Schlusswort:
Es gehört wohl zur Ironie des Wirtschaftslebens, das Telefunken
zwischenzeitlich vom Markt verschwunden ist nachdem das
Unternehmen in den 1980er Jahren vom französischen Thompson
Konzern einem ehemaligen SECAM Protagonisten aufgekauft wurde.
.
Und wenn sich alltäglich die Mehrheit der europäischen und
asiatischen Fernsehteilnehmer auf ein ausgewogenes farbechtes PAL
Fernsehbild freuen darf so kündet die weltweit im Gange
befindliche analog auf digital Umstellung auch gleichzeitig das
Ende dieses Farbstandards wie auch weiterer Übertragungstechniken
an.
.
Was einmal PAL, SECAM oder NTSC war, wird mehr und mehr als
digitales R, G, B; oder Y, CR, CB Farbkomponenten Signal verpackt
in ein DVB (Digital Video
Broadcasting) Signal und in all seinen Varianten wie DVB-T,
DVB-S, DVB-C, DVB-H gehandelt.
.
In weiterer Zukunft verschwindet wohl auch dies alles in einem
abstrakten IP (Internet Protokoll) Paket und vermag selbst die
herkömmlichen Distributionskanäle obsolet machen.
Inwieweit dann im Jahr 2017 „50 Jahre PAL“ noch eine Resonanz
haben wird nachdem das analog TV terrestrisch, über Satellit und
auch im Kabel abgeschaltet sein wird zeigt uns die Zukunft.
Wünschen wir dem PAL Farbsystem noch einen arbeitsreichen
„Lebensabend“ und das in respektvoller Erinnerung an seinem
Schöpfer „Mister PAL“ Walter Bruch.
Bild 9: Walter
Bruch um 1965
* Siehe Nachrüstsätze der Firma EGIS
Gemäß Funkschau Heft 13 Juni 1981
liefert Metz PAL/SECAM Frankreich Nachrüstsätze für die Chassis
679 G & 680 G aus.... 4 Programmspeicherplätze stehen für
Norm L zur Verfügung.
Bildbeschreibungen:
1 PAL V - Verzögerungsleitung
Präzisionsteil zur Verzögerung von 63,943µs, zu erkennen die
Anpassglieder sowie die piezoelektrischen Wandler, aufgrund der
Massenfertigung und weiterer Miniaturisierung (M-Type) sehr
preiswert in der Herstellung geworden; Ó: W.
Scheida
2 PAL Decoder – diskret aufgebauter PAL Decoder – erkennbar
rechts oben der 4,43 MHz Referenzoszillator, im großen Rahmen
Teile der beiden Synchrondemodulatoren, im kleinen Rahmen der
Burst Phasenvergleich; Ó: W. Scheida
3 PAL Decoder Schaltungsauszug
4 PAL Grundschaltung
5 PAL Plus LOGO – 1994 kam es zu einer nochmaligen Verbesserung
von PAL
6 Titelbild Telefunken PAL Color 708T; Der stellvertretende
Klassiker der ersten PAL Farbfernsehgeräte mit dem
Einheitschassis
7 Farbtonregler – alias „Geschmacksknopf“ zur
„Raumlicht-Anpassung“; Ó: W. Scheida
8 Walter Bruch an der Fernsehkanone 1936 im Berliner
Olympiastadion
9 Walter Bruch um 1965
10 Y-Verzögerungsleitung für das Luminanzsignal (~800ns); Ó:
W. Scheida
11 Konvergenzsegment für eine Grundfarbe befestigt an der
Ablenkeinheit; Ó: W. Scheida
Quellen (auszugsweise):
[1] W. Bruch: Kleine Geschichte des deutschen Fernsehens;
Buchreihe des SFB
[2] W. Bruch: Die Fernseh-Story; Telekosmos Verlag 1969
[3] W. Bruch - Ein Deutscher Fernsehpionier; Heide Riedel FKTG
Ausgabe 1988
[4] Abramson: Die Geschichte des Fernsehens
[5] Fernsehen - Von der Vision zum Programm; Heide Riedel
[6] PAL - Das Farbfernsehen; Heide Riedel
[7] Fernsehen in Farben; Ackermann/DDR
[8] Zeitschrift Funkschau; Jahrgänge 1966, 1967 & 1968
[9] 16:9 PAL Plus; Systembroschüre; Sony Deutschland 1994
[10] Wikipedia; unter den angeführten Stichworten
Verweise:
Die vollständige PAL Patentschrift DE 1 252 731 finden Sie in der
Suchfunktion
des Deutschen Patentamtes.
Das erweiterte politische Umfeld zur Einführung des
Farbfernsehens wird auch in der Studie von Andreas
Fickers "Politique
de la grandeur" versus "Made in Germany",
Politische Kulturgeschichte der Technik am Beispiel der PAL-SECAM-Kontroverse ISBN 978-3-486-58178-2 erläutert.
Zum 40 Jahres Jubiläum der PAL Einführung ist auch ein Film
initiiert von Schülern der Hochschule Mittweida entstanden, die
sich „Papa PAL“ besonders liebevoll angenommen haben. Termine
für die Erstaustrahlung sind noch nicht bekannt.
Aktuelles finden Sie HIER.
Eine weitere Sammlung erster Color TVs finden Sie unter diesem
LINK zu Marcels
TV Museum.
ERGÄNZUNG und vertiefende Begründung zur Sowjetischen
SECAM Entscheidung: 4 - 6/2008
"Zum Thema Secam in der damaligen Sowjetunion kann ich Ihnen aus meiner beruflichen Praxis einige Details nennen. Vorab, ich war von 1970 bis Ende 2002 in der ursprünglichen Firma Fernseh GmbH, später Bosch, BTS etc. beschäftigt. In den Jahren 1973 bis Anfang der 80er Jahre habe ich als Service und Inbetriebnahme Ingenieur u.a. im Fernsehzentrum des russischen Fernsehen gearbeitet. Die Entscheidung Russlands den Standard Secam zu übernehmen, war auch eine Frage der Magnetbandaufzeichnung. Das russische Fernsehen musste Sendungen zeitversetzt für die östlichen Landesteile senden, dies war nur möglich, indem man Sendungen aufzeichnete. Da Russland anfangs keine Aufzeichnungsmaschinen der Firma Ampex bekam, entwickelte man russische Maschinen die für Schwarz-Weiss Aufzeichnung gedacht waren. Ich erinnere mich an die Maschinen vom Typ Kadr 3 und 4. Die Elektronik und Mechanik der Maschinen war aber nicht genügend stabil (Zeitbasis - TBC) um Farbsignale des PAL Standards abspielen zu können. Der Standard NIR 4 war deshalb auch mit dieser gesendeten Referenz über die ganze Zeile ausgestattet, Zeitbasisfehler hätte der Empfänger ausgeglichen, ein sehr kluger Ansatz. Das Secam Signal konnten diese einfachen Aufzeichnungsmaschinen sehr gut wiedergeben. (Solang der differentielle Phasenfehler nicht zu gross war...) Auch waren die bestehenden russischen Richtfunkstrecken nicht besonders für PAL Signale geeignet (Frequenzgang), Secam Signale wurden von diesen Strecken relativ unbeschadet übertragen. (Die Russen sagten immer, Secam, c'est toujour couleur..) Interessant ist, dass die Firma Bosch damals ein komplettes Programm an Secam Geräten fertigte und in fast alle Secam Länder lieferte. (Sehr zum Ärger der Fa. Thomson/CSF) Es gab sogar einen experimentellen 50Hz NTSC Ansatz (Siehe angeschlossener Beitrag) aus dem Hause Bosch Fernseh GmbH FESE." Diesen wertvollen Ergänzungsbeitrag habe ich dankenswerterweise von Herrn Bodo Heyl / Reinheim D 4/2008 erhalten.
Nachtrag: Im Frühjahr 1981
standen erstmals mehr (PAL) Farbfernsehgeräte
als Schwarzweißgeräte in den BRD Haushalten. (Quelle:
Funkschau Heft 17 August 1981 Seite 32)
Copyright:
.
Unter Beifügung meines Namens als Quelle sowie meiner Adresse http://www.scheida.at/scheida/televisionen.htm
können Sie den Artikel oder zusammenhängende Teile davon
frei verwenden und veröffentlichen.
Die nochmalige Reproduktion der Bilder schließt diese
Vereinbarung nicht ein und ist eine Genehmigung bei den
Bildrechteinhabern einzuholen.
Wenn Sie weitere Details oder Modelle kennen schreiben Sie mir
bitte ein Mail.
Den vollständigen Beitrag mit allen
Bildern (~9 A4 Seiten) finden Sie hier als PDF Nachdruck zum
Downloaden: (~2,8 MB)
40 Jahre PAL Farbfernsehen in Deutschland
Auf den Internetseiten des Autors finden Sie den Beitrag auch als MP3 Hörbuch für Podcasts und iPods u.ä. zum downloaden. W. Scheida 2007 www.scheida.at/scheida/televisionen.htm Beitrag überarbeitet 6/2008 & 10/2009
Dieser Beitrag wurde am 31.Oct.09 20:35 von Wolfgang Scheida editiert. |
|
|
PAL Farbfernsehen - War NTSC eine Alternative für Europa? Als Antwort auf den in der GFGF Funkgeschichte 2007 erschienenen Artikel 40 Jahre PAL Farbfernsehen in Deutschland (Siehe auch Veröffentlichung im RM.org) erhielt ich einige interessante Emails von Herrn Bodo Heyl - einem ehem. Bosch Fernseh GmbH Mitarbeiter, deren Kernaussagen Sie zu einem Text zusammengefaßt lesen können. In der Annahme, daß die teilw. kontroverse Meinung der Fernseh GmbH zur PAL Diskussion auch andere fernsehhistorisch interessierte Leser erfahren möchten gebe ich auszugsweise einige Stellungnahmen frei. Den Anlass bot oben angeführter Artikel, sowie die bei aller Würdigung von Prof. Walter Bruch entstehende Feststellung, das "... die Geschichtsschreibung zum Farbfernsehen in der zugänglichen Literatur (allen voran der Funkschau) sehr Walter Bruch lastig ist...", und eine alternative Sicht anderer Marktteilnehmer jener Tage zum Thema NTSC - PAL - SECAM mich natürlich schon sehr zwecks eines Vergleichs interessieren würde.
So soll bei Philips in Eindhoven das PAL System eigentlich 1968 als unnötig angesehen (over engineered..) worden sein, da zu dieser Zeit die Studio Technik so ausgereift war, dass die Phasenfehler und differentiellen Phasenfehler nicht mehr so gravierend waren. Auch die modernen Sender/Richtfunkstrecken waren wesentlich besser geworden. Es hätte ein europäisch angepasstes NTSC System ausgereicht... US - NTSC: Das es natürlich auch andere kluge Köpfe gab die sich schon früher Lösungen ausgedacht haben bestätigte sich hier: "Zur automatischen Phasenkorrektur hat in den 1970er Jahren Tektronix für NTSC in der V-Lücke ein VIR (vertical interval reference) Signal eingeführt, damit die Phase des Farbträgers automatisch korrigiert werden konnte.
Offene Frage: Ist auf diesem Signal auch die AUTO Funktion der Sony Trinitron NTSC Farbfernseher begründet, die diese Funktion auch in der PAL Version manuell schaltbar ausgeführt haben? Bild: Sony KV-8000 Econoquick NTSC Farb TV mit Auto Color Taste
Mit der Referenzzeile in der V-Lücke, da hat Tektronix das Referenzsignal auf einen 70% Luminanzwert, dem Leuchtdichtewert der durchschnittlichen Gesichtswerte gesetzt, .....da dieses System nur die "statische" Phasenverschiebung jedoch nicht die differentielle Phasenverschiebung korrigieren konnte.....
Tektronix VIR Deleter/Inserter - ein im PAL -SECAM Europa unbekanntes Gerät (nicht zu verwechseln mit den diversen VITS Generatoren die Prüfzeilen und später ganze Testbilder und Stationslogos generieren und einblenden konnten & können) So hatte man die differentielle Phase/Amplitude etwas im Griff, und die Gesichtsfarbe ist ja das kritische...."
Die späte Antwort auf die Frage eines Grundig Auszubildenden in den 1980er Jahren erfolgte ebenfalls in einem der Mails: So war der Vorschlag an den Ausbilder nach einer Besprechung der Farbfernsehgrundlagen: "Man bräuchte ja bei NTSC nur eine (Farbträger) Referenzzeile in der vertikalen Austastlücke mitsenden, die eine automatische Nachstimmung des Farbträgers im Empfänger ermöglichen würde.............und den ganzen Aufwand von PAL könnte man sich sparen...." Die damalige Antwort: Das würde nur bei der "statischen" Phasenverschiebung, jedoch nicht bei der differenziellen Phase (unterschiedliche Phasenverschiebung in Abhängigkeit des jeweiligen Luminanz{Helligkeits-}wertes) funktionieren............ Irgendwo habe ich später gelesen, dass mit der PLL Kopplung der Sendersignale das NTSC Phasenproblem sich ohnehin bereits auf ein Minimum reduziert hat. Dieser Beitrag wurde am 13.Sep.09 11:19 von Wolfgang Scheida editiert. Nachtrag: Wie in einem Forum angeführt wirkte sich selbst 1973 also etwa 20 Jahre nach NTSC Farb TV Einführung Der User "Franz" schreibt dazu: ...."Anfang 1973 war ich einige Zeit in einem Labor in San Jose Kalifornien beschäftigt. Arbeitszeit von 23- ca 9 Uhr.Ich hatte also viel Zeit tagsüber im Hotel Farbfernsehen zu schauen. Es fiel mir auf, dass jedes mal wenn ein Flugzeug über das Hotel flog und es flogen sehr viele Kleinflugzeuge, die Bilder einen eklatanten Rotstich bekamen. ....... Dieses Farbfernsehen hatte mich damals nicht sehr überzeugt......" Dieser Zeitzeugenbericht deckt sich letztlich 1:1 mit der Aussage von Walter Bruch über seine 1. NTSC TV Erfahrung Anfang der 1950er Jahre.
|
© 11/2007 - by W. Scheida Bestandteil von www.scheida.at
Updated: 17.06.10