
Bild: Der NAD Stereo Integrated Amplifier C350 mit ein paar Wehwehchen die letztlich doch etwas zeitaufwendig wurden
Einen Verstärker aus der NAD Familie wollte ich zu vergleichszwecken in Sachen Klang wie auch dem Studium des Systemaufbaues immer schon einmal haben. Gefertigt zwar in China was aber kein KO Kriterium sein muß.
Ein Angebot aus dem April 2023, defekt, u.a. ein Kanal setzt manchmal aus, um unter €100,- ließ mich zuschlagen.
Anstelle des angebotenen NAD-C320 erhielt ich einen NAD-C350. Mit der Typ 451 Fernbedienung die auch weitere NAD Geräte steuern kann.
Zur Erinnerung: NAD steht für New Acoustic Dimension, ein Unternehmen das seit 1972 in Europa aktiv ist.
Ich werde dann hören ob die Dimension des Klanges tatsächlich "new" sein wird.
Das Gerät war in äußerlich gutem Zustand. Was auffiel, das war gleich an der Unterseite eine fehlende Schraube an der Abdeckplatte was "Vermutungen" aufkommen ließ, die sich nach Öffnen des Deckels auch bestätigten:
"Da war ja schon jemand drinnen" was lt. Verkäufer eine Fachfirma gewesen sein soll.
Was diejenigen getan haben läßt sich nur vermuten: Es dürften Treibertransistoren zumindest nachgelötet worden sein.
Eventuell wurden auch die Ladeelkos des Netzteils getauscht. Einen satten Knall muss es beim Abrutschen an der Endstufe gegeben haben wie ein schwarzer Brandfleck samt Kupferspritzer belegt.
Schon die Sichtkontrolle des Prints zeigte die üblichen Verdächtigen: Kalte Lötstellen am noch nie nachgelöteten Protektion Ausgangsrelais. Aber auch an anderen Stellen.
Die praktische Auswirkung bestätigte sich auch gleich beim Probehören.
Soweit so gut.
In meinem Gerät dürfte irgendwann dem Vorbesitzer(-in) eine undefinierbare Flüssigkeit eingedrungen sein.
Zumindest sind Restbestände an der Bestückungsseite mehrfach erkennbar.
ACHTUNG: Die Bias (Ruhestrom) Meßpunktstifte liegen SEHR nahe an Bauteilen wo mit dem Meßgeräte-Prüfschnur-Spitzen oder Klemmen sehr LEICHT ein KURZSCHLUß verursacht werden kann. Ein solcher Kurzschluss (z.B. TP 104 mit R190) kann zum "Abstechen" eines ganzen Kanals führen!
Lösung: Nur im ausgeschalteten Zustand die Meßstrippen/Klemmen anlegen und mehrfach eine Sichtprüfung durchführen!

Bild: Platz-Fehlanzeige; Die Sicherungen 4 x 6,3 A (!) fädelt man so lange mit einer Zange in die Halterung ein bis sie bricht...
NAD C350 Stereo Integrated Amplifier (BJ: 2000-01)
Power out: 60 watt per Kanal an 8Ω (stereo)
Frequenzgang: 20Hz bis 20 kHz
Klirrfaktor: 0,03%, Dämpfungsfaktor: 150
Input sens.: 325mV (line)
S/N: 96dB (line)
LS Impedanz: 4Ω (minimum)
Maße: 435 x 100 x 290mm
Gewicht: 7kg
Zubehör: IR FB
Der NAD C-350 hat nach Jahren des Betriebes, in meinem Fall selbst noch nach dem Service in einer “Fachwerkstätte”, erst vor einem halben Jahr mehrfach sichtbare Spuren von Elko Problemen.
Probleme im Sinne von Auslaufen was man an braunen Ringen um die Elkos erkennt. Als erstgradig verdächtig mache ich die “Blauen” aus.
Wie andere Forenmitglieder zum Thema wissen, hat NAD zum Teil billige Komponenten und eine sehr schlechte Wärmeableitung aufzuweisen.
Modifikationen für den IC105 mit dem Widerstand R227 der ein unterbewerteter Typ ist.
Es gab ein Service-Bulletin über den Ersatz dieses Widerstands durch einen 560-Ohm-2W-Schmelzleiter.
Außerdem gab es ein weiteres Service-Bulletin für die Kondensatoren C511, C512 und C513, die von Keramikscheibenkondensatoren auf Folientypen umgestellt werden sollen.
Die üblichen Verdächtigen:
In meinem Fall war dies ein Aussetzen des Ausgangsrelais bzw. dessen Lötverbindungen. Der Ring am Lötauge war klar zu erkennen.
Die Klopfprobe bestätigte die Sichtung. Ob man das Relais ausbaut und reinigt, gleich austauscht oder so belässt und nur nachlötet ist dann eine individuelle Entscheidung.
In meinem Fall wurde zudem ein "Made in Austria" Ersatz mit dann gar 8 Ampere Strom eingebaut.
Da es sich um einen DC gekoppelten Verstärker handelt, würde im Fehlerfall einer Endstufe jedes Hochfahren mit dem Netzschalter zu einem Durchbrennen der 6,3A Träge Sicherungen führen können.
Zwar kann das ungeregelte +-50V Netzteil vom Verstärker-Print per Stecker abgezogen werden. Eine Messung von dessen Qualität wie Brumm etc. ohne Last wird aber dann etwas schwierig bzw. nichtssagend.
Zudem diese beiden in der mit 62 mm Bauhöhe mechanisch benötigten Größe vorhandenen 22.000µF/63V Elkos ausgetauscht werden müssen da sie zum Auslaufen neigen.
Alternativ wäre noch die Option sich eine eigene “frei verdrahtete" Elkobank zusammenzubasteln.
Auffallend war: Die -50V Spannung liegt auch fast gleich hoch nach vielen Stunden weiter an.
Die +50 V Spannung sinkt jedoch schon nach wenigen Minuten. An der Plusspannung “hängen” ja auch noch weitere Subspannungsteiler.
Vorsicht daher beim wieder Anstecken an den Hauptprint.
Besser: Man entlädt vorher die Elkos mit einem Lastwiderstand.
Dass diese nicht gerade servicefreundlich erreichbar sind, wird hier nur so am Rande erwähnt.
Hauptproblem jedoch ist, das selbst ein hochfahren des Verstärkers mit einem Regeltrenntrafo, das Stand-By Netzteil das Verstärker Netzteil erst ab ca. 150 VAC schaltet und dann die Ströme im Falle eines Defekts schon zu hoch sein mögen.
Somit unter Umständen gleich wieder Sicherungen “fliegen”.
Lösung:
Da man von der Chassis Unterseite leider nicht zur Print Kontaktbrücke des Stby Relais gelangt:
Ein temporärer Ausbau NUR (!) des St-by Trafos mit zwei Schrauben rückseitig.
Dann gelangt man an die Stand-By Relaiskontakte die man per Draht temporär überbrücken kann. (Dann wieder temp. Einbau des St-By Trafos.)
Nun hat man mit der messbaren Stromaufnahme des Gerätes auch bei niedrigen Regeltrafo-Spannungen ein sofortiges Feedback woran man ist.
Als einfache Meßmethode ist ohnehin das Durchmessen der Endtransistoren bzw. der Netzteil Kupferschienen auf einen Kurzschluß hin sinnvoll.
Das kann obige Maßnahme zwar nicht unbedingt ersetzen. Die Häufigkeit der Anwendung aber reduzieren helfen.
Wie im Service Manual beschrieben werden nach einer Warmlaufphase von 5 Minuten zwischen TP x1 und TP x2 für den rechten Kanal und TP x3 und TP x4 für den linken Kanal 5-6,5 mV eingestellt.
Das wären 0,068 Ohm x 2 = 0,136 Ohm I= U/R = 5mV/0,136 Ohm = 36,8 mA Ruhestrom. Dies spürt man auch an der Wärmeentwicklung an den Kühlkörpern.
Bei 6,5 mA wären es 47,8 mA.
Sofern nicht ein Fehler vorliegt der ohnehin das Protection Relais und damit die Aufschaltung der Ausgänge an die LS Buchsen nicht freigibt, bietet sich an, die Offset Spannung zu prüfen bzw. einzustellen:
Ebenso nach der Warmlaufphase hängt man anstelle von Lautsprechern ein Millivoltmeter an die LS Buchsen je Kanal und stellt 0V +- 30mV ein.
Würden höhere Spannungen anliegen, dann würde das Protection Relais nicht freigeben.
Grenzwertige Spannungen führen zu erhöhter Erwärmung und Unsymmetrien im Verstärkungsweg.

Bild: Regler eher aus der Rubrik "Büllig mit Ü"; der Verstärker hätte sich hier besseres verdient. Kontaktspray muß hier halten was die Potis nicht versprechen.
Wenn man schon einmal dran ist, dann gilt es wie üblich Leerlaufstrom (Ruhestrom der Endstufe) wie auch die Offsetspannung zu kontrollieren und gegebenenfalls wiederholend anzupassen.
Siehe Text oben.
Anmerkung:
Vielfach sind nur "Nachbau" Transistoren und keine Original SANKEN & HITACHI Typen erhältlich. Originale sind dann "vergoldet" bei vertrauensvollen Anbietern extra zu bestellen! In meinem Fall hat sich das bei SANKEN wohl ausgezahlt und eine fast 100ige Pegelgleichheit zu den Originalen ist gegeben.

Es empfiehlt sich die Kühlkörper komplett herauszulösen und die Transi etc. Anschlüsse abzulöten als dies im eingebauten Zustand mit Kunstgriffen zu probieren.
Achtung auf die nötigen Ferritperlen - diese VOR dem Wiedereinbau einfädeln.
Eingespielt von ca. 1,2 kHz hörte man dies im UKW Radio (!) als Oberwelle beim Testen.
| Pos. / Bezeichnung | Type | Hersteller | Stück | Bestellt |
| LS Relais | F1AA024V | Weidmüller | 1 | Reichelt |
| Endtransistor Q127 & Q128 |
2SA1295 | SANKEN | 2 | Reichel |
| Endtransistor Q129 & Q130 | SC3264 | SANKEN | 2 | Reichelt |
| Treibertransistor Q125 & Q126 118 117 | 2SB649A | Hitachi | 4 | Reichelt |
| Treibertransistor Q119 & 120 123 124 | 2SD669A | Hitachi | 4 | Reichelt |
| Treibertransistor Q121 122 | C2690A-Y | 2 | Reichelt | |
| Alle Glasrohrsicherungen | 6,3A T, 20 mm | Div. | 4 | Reichelt |
| C153 & C154 | 220µF50V 5mm Raster | 2 | Reichelt | |
| C133 & 134 | 2.200µF 6,3V 5 mm Raster | 2 | Reichelt | |
| C113 & C114 & C115 & C116 | 100µF 63V 5 mm Raster | 4 | Reichelt | |
| C 159 & 160 & 162 C232, 337, 321, 324, 322, 338 C117 & 118 & 119 & 120 | 47µF 25 V 2/5 mm Raster | 13 | Reichelt | |
| C 161 | 10 µF 25 V 2/5 mm Raster | 1 | Reichelt | |
| C501 & C502 | 2.200µF 50V 10mm Raster | 2 | Reichelt | |
| C 504 | 1.000µF 25V 5 mm Raster | 1 | Reichelt | |
| C 505 & C 510 | 100µF 16 V | 2 | Reichelt | |
| C507 | 1.000µF 16V | 1 | Reichelt | |
| C 103, 104, 107 108 | 10µF 25 V 2/5 mm Raster | 6 | Reichelt | |
| C 101 & 102 C141 & 142 | 10µF 16V 2/5 mm Raster | 2 | Reichelt | |
| C 155, 156 | 220µF 35V 5mm Raster | 2 | Reichelt |
Der Einsatz lohnte mit einem subjektiv guten neutralen Klang. Leistungsreserven inlusive.
Als kommerzielle Reparatur für Kunden würde es sich höchstwahrscheinlich nicht lohnen.
Kauft jemand diese Modelltype gebraucht, so
sollten im Idealfall die Elko-kur und Löt- sowie Abgleicharbeiten zuvor
bereits erfolgreich abgeschlossen sein.

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Der PHILIPS LC2000 Videoprojektor und frühere professionelle Videoprojektionstechnik |
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All meine frühere Unterhaltungselektronik |
© Textzusammenstellung 2023-08; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu www.scheida.at gehörend
zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm gehörend
Updated: 06.02.26