Die Geschichte des privaten SAT Fernsehens in Europa, erste SAT Receiver.

In Memorium der schwarzen SAT Kisten, erste Set Top Boxen,

Ein virtueller Erinnerungsort aller analogen SAT Receiver 

 

 

Die ersten Anfänge und Grundlagen:

Nachdem 1957 der erste Satellit Sputnik die neue Technik und damit den Empfang von Radio Signalen aus dem Weltall einläutete dauert es noch an die 30 Jahre bis zumindest in Europa um 1985 auch der Empfang von Fernsehsignalen durch "Jedermann" seine ersten zarten Knospen hervorbrachte.

Im Gegensatz zu alten Radiogeräten oder Fernsehempfängern die auch nach der Abschaltung der AM Sender bzw. der Umstellung zum DVB-T Überall Fernsehen wo mit entsprechenden Zusatzboxen die Geräte weiterhin verwenden können, ist dies in kürze ab 2012 und bei den verschlüsselten Programmen schon heute nicht mehr möglich die analogen SAT Receiver aktiv in Betrieb zu sehen. 

Das Ergebnis ist, wie aktuelle Recherchen im bekannten Online Auktionshaus zeigen, die drastisch gesunkene Abnahme der entsprechenden Geräte und in der Folge das solche Geräte kaum mehr angeboten werden. 

Zum Sammeln eignen sie sich nicht, da alles nur optisch und vom Design her kaum interessante schwarze Kisten sind. Und technisch verwendbar wie oben beschrieben sind sie auch nicht mehr.

Daher wurde diese Seite ins Leben gerufen um die Erinnerung an diese Periode der Technik lebendig zu halten, bis auch der Nachfolger des analogen SAT Fernsehens - das Digitale DVB letztenendlich durch ein Monoblock LNC mit Netzwerkanschluß für einen Multimedia Bildschirm selbst diese Technik obsolet machen wird. 

Herkömmliches DVB - also SAT Fernsehen im Standard TV Format wird ohnehin ebenso bald durch den vollständigen Wechsel auf DVB-2 für HDTV Abstrahlungen das gleiche Schicksal ereilen.

Ausgegangen war, wie so vieles, auch diese Technik von den USA, das eine Satellitenzuführung im sogenannten C-Band welches um die 3,5 GHz liegt für seine wie Pilze aus der Erde wachsenden Kabelfernsehnetze benötigte.

Es folgte ein Kleinkrieg zwischen den Betreibern der Netze und den Zuspielveranstaltern auf der einen Seite und denen, die sich zum Teil selbst gebaute Gitterantennen (Mash) für den individuellen Privatempfang in den Weiten des Landes aufstellten und kostenlos mitsehen konnten.

Daher wurden die Signale mehr und mehr verschlüsselt, was erneut Bastler und Hacker hervorrief sich dagegen zu rüsten.

Anders in Europa das von terrestrischer Richtfunkversorgung geprägt war bis aus dem Osten, einem Land das es nicht mehr gibt das sowjetische Staatsfernsehen über Satelliten wie den Gorizont nach Europa zur Unterhaltung der Botschaften wie auch Armeeangehörigen ausstrahlte.

Schon zuvor gab es jedoch anders geartete Satellitensysteme die eine Versorgung mit Fernsehen selbst im entlegenen Sibirien ermöglichten.

Die Grundlage für den späteren Individualempfang machte die WARC-77:

Gemäß Wikipedia: "Auf der WARC-77 vom 10. Januar bis 13. Februar 1977 in Genf beschlossen die Teilnehmer einen weltweiten Rundfunk-Satellitenplan. Für 112 antragstellende Länder wurden die geostationären Orbitalpositionen für die zukünftigen Rundfunk-Satelliten im Weltall festgelegt.

Am 1. Januar 1979 galt eine Vereinbarung mit einer Laufzeit von 15 Jahren, die vorsah, das jedes Land fünf Fernsehprogramme oder mehrere Hörfunk-Programme direkt vom Satelliten zum Teilnehmer abstrahlen konnten. Die Direct Broadcasting Satelliten (DBS) sollten in 36.000 km Höhe mit einem Abstand von 6° (ca. 4.000 km) über dem Äquator positioniert werden.

Eine gemeinsame Orbitposition (19° West) wurde Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zugewiesen und wird u.a. durch TV-SAT genutzt".

Das Ganze war bezogen auf das was letztlich daraus wurde von den Konferenzteilnehmern vielleicht mit Ausnahme von Luxemburg anders gedacht gewesen.

Das Staaten des Ostblocks wie die DDR nicht daran interessiert waren, das seine Bewohner nun auch fernab des westlichen Grenzlandempfangs sich auch im Hinterland "alternativ" informieren können war klar. 

Nicht viel anders waren die Postdirektionen bzw. die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten und deren politischer Rücken in den "freien" Ländern Westeuropas eingestellt, da klar war das mit ein und derselben Antenne grundsätzlich auch andere Länder und deren Programme wie auch Geisteshaltung angezapft werden könnte was ja letztlich auch so geschehen ist.

Zumindest so lange bis erneut die technischen Möglichkeiten der kleinteiligen Adressierbarkeit des Teilnehmers, gekoppelt mit kommerzieller Prämisse außer Einheitsbrei alles andere versperrt hat.

Die Rede ist vom verschlüsselten Digitalfernsehen sowie bewußt gewählten limitierten Ausleuchtzonen der Satellitenversorgung möglichst auf eine Region beschränkt. 

Deshalb ist auszugsweise freies britisches Fernsehen oder das Sehen der Hauptprogramme aus Frankreich, Polen etc. nach wie vor (rechtlich) nicht möglich und gewollt.   

Privatsender wie SAT1 oder RTL als neue Player am deutschsprachigen Fernsehmarkt waren an der Verbreitung ihrer Sendungen interessiert. Und auch 3SAT wie der Name schon sagt wählte als eine seiner Verbreitungsformen die Technik des Satelliten.

Ende 1985, Anfang 1986 wurde es ernst in Deutschland mit dem SAT TV für jedermann, nicht jedoch ohne auch hier Einschränkungen aufzuerlegen.

1986 war dann auch in Österreich die Stunde gekommen wie dieses Preisausschreiben einer neuen farbigen Illustrierten Boulevard Wochenzeitung "DieGanzeWoche" beweist:

 

Die einstige Aufforderung lautete: Greifen Sie nach den Sternen (Bilder auf Anfrage)

Zu erkennen ist "unser Freund" aus dem Hause Grundig,  der STR 200 SAT Receiver mit dem Zusatzhinweis "GA AS" - für (rauscharme) Gallium Arsenid Transistoren im Tuner.

Gegen Ende der 1980er Jahre waren dann die zuvor ob des propagierten Kabelfernsehens gemachten Bemühungen etwas ernsthafter einen High-Power Satelliten der mit kleinen Antennen (47 x 47 cm) und einer als neuen und optimalen Technik verkauften Norm D2MAC auf Sendung zu gehen.

Die Position 19° West 

Die Halbherzigkeit mit der die neue Norm D2MAC als elegante Lösung der PAL-SECAM Farbfernsehnormenauseinandersetzung herhalten sollte wurde durch den Solarflügellahmen Satelliten TV-SAT alsbald bestätigt.

Parallel dazu zeichnete sich ab, das allen ursprünglichen National orientierten Verbreitungsplänen das Unternehmen SAS mit dem Satelliten ASTRA ernst machen würde.

Der Satellit ECS10 mit dem offen ausgestrahlten Pay TV Sender Teleclub

Ganze Archive mit 2x8h Video 2000 Kassetten soll der Kanal einst bei Zaungästen gefüllt haben.

Ernst im Sinne einer Aufschaltung von für ein deutschsprachiges Breitenpublikum wurde es noch nicht sogleich da zuerst lediglich die Britischen Kanäle, viele davon zudem als Pay TV der BSB, auf dem Satelliten ASTRA aufgeschaltet wurden.

Nur vier Kanäle der insgesamt 16 möglichen waren für Deutsche Sender "Reserviert" wie es so hieß.

Man wollte es schon gar nicht mehr glauben, bis am .... 

Der Autor wurde um 1991 gerufen um eine, wie sich herausstellen sollte "Cambridge" SAT Anlage, gekauft im lokalen "Baumax*" Baumarkt um öS 8.000,- Schilling (€ 581,-) mit einer für Ostösterreich eigentlich zu kleinen sogenannten Cassegrain Antenne mit nicht sichtbaren LNB am Dach eines Bungalows einzustellen. (Eine Größe in der Baumarkt Branche die es wie so vieles andere mittlerweile nicht mehr gibt.)

Das es die erste SAT Anlage war, war dies ein kleines Abenteuer das letztlich auch gelang und den Satelliten Astra 1A mit RTL, SAT1, Tele5, Pro7 und zumindest dem sichtbaren Teil des deutschsprachigen Programms Teleclub auf den Bildschirm eines nur auf den lokalen ORF geeichten Siemens Bildmeister Fernseher zu werfen.        

Zukunftssicher war das ganze natürlich nicht, da der Cambridge Receiver nur 16 Programme empfangen konnte und schon bald der zweite Astra Satellit, Astra 1B mit weiteren 16 Programmen folgen sollte.  

Stichwörter:

Alba 50, Chapperal Monterrey, EBN-European Business News

 

Die Geräteidentifizierung

198x- Europa SAT Steinzeit Ein Kanal - 19" Rack-Versionen für die SAT Einspeisung in die Kabelstationen, meist mit einer Signalanzeige,

Für "Privat":

Geräte - zumeist modifizierte USA Modelle für das C-Band ~900 - 1.500 MHz 

~1984 Erste Privatnutzer Generation  Getrennte Eingänge für vertikale & horizontale Polarisation 2 x 15 V / meist nur manuelle Abstimmung teilw. ohne Senderspeicher und nur Mono Ton ohne FB, 12 V Schaltsignal als Option, fallweise mit ZF und Basisbandsignal Ausgang 
~1989-1991 Beginn des SAT Zeitalters in Deutschland

Kampf in GB zwischen Marco-Polo mit D-MAC und BSB mit Videocrypt 

Teleclub 

Getrennt und Single Eingang f. ZF ~950 - 1.750 MHz, 13-14/17-18 V Schaltung, Mono/Stereo Modelle, mit/ohne FB/ bis etwa 50 Kanäle / Geräte mit mech. & magn. Polarizer Ausgang, 12 V Schaltsignal als Option, fallweise mit ZF und Basisbandsignal Ausgang, Decoderausgang 

Zumeist eine Scart Buchse & Chinch Video Buchse, Decoderbuchse oft als Sondernorm wie SubminD ausgeführt 

1992-1995 Übergang zur Breitennutzung, DSR - Digitales SAT Radio als Totgeburt, ebenso D2-MAC bis auf Nischenmärkte,     Single Eingang f. ZF ~950 - 1.750 MHz, 13-14/17-18 V Schaltung, Stereo Modelle, mit FB/ bis etwa 200 Kanäle / Geräte mit mech. & magn. Polarizer Ausgang 
~1996 Erweiterter Frequenzbereich (ASTRA 1D) & Eutelsat Umschaltsignal, ADR Astra Digitalradio  Single Eingang f. ZF ~950 - 2.050 MHz, 13-14/17-18 V Schaltung, Stereo Modelle, mit FB/ bis etwa 200 Kanäle, 22 kHz Schaltsignal 
~1997 Erweiterung auf das DiSEQe Schaltsignal  Single Eingang f. ZF ~950 - 2.050 MHz, 13-14/17-18 V Schaltung, Stereo Modelle, mit FB/ bis etwa 200 Kanäle, 22 kHz & Diseque/Tonburst Schaltsignal 
1996 Erste nur Digital und Analog/Digital Kombigeräte  Beginn des Digitalzeitalter in Deutschland mit DVB (D-Box) mit DF1 sowie etwas später mit Premiere als Wettbewerb.
Zeitgleich auch Digitalstart in Italien usw. 

 

Die Geschichte des verschlüsselten Fernsehens IN EUROPA:

     
Werbevideo des Deutschen Antennenspezialisten Kathrein  
https://www.tcpower.de Als Pionier in Europa bot der Schweizer Teleclub ab 1982 Pay TV an. Sehen Sie die Geschichte des Teleclubs auf der Homepage seines Fanclubs!   
     

Frankreich war eines der ersten Länder Europas, wenn nicht überhaupt das einzige, das ein terrestrisch verbreitetes Pay TV, den Canal Plus verbreitete. 

Die Technik dazu war relativ simpel gehalten und es folgten schon bald erste Decodernachbauanleitungen: 

Der Kern der Verschlüsselungstechnik:

Das Fernsehbild, bekanntlich aus 625 Zeilen bestehend wurde von Zeile zu Zeile unterschiedlich verzögert gesendet. 

Erst der Decoder, der die Zeilenverzögerungen wieder ausglich ermöglichte das störungsfreie Betrachten.

Die Sparefroh Variante für solche ohne Decoder war es, ein Teesieb, das man sich ständig bewegend vor die blinzelnden Augen hielt um den Augen ein zusammengehörendes Bild vorzumachen.

Nach den "heißen Filmen" aus dem Rotlichtbereich die man sich auf diese Weise zuführte sollen kalte Kompressen für den nötigen Ausgleich der nun roten Augen gesorgt haben.....    

Für den deutschsprachigen Markt war das wirtschaftliche Umfeld für ein Bezahlfernsehen ungleich schwieriger da es bereits eine Vielzahl an Programmen noch dazu Werbeunterbrechungsfrei kostenlos terrestrisch seit den 1980er Jahren und jetzt auch am Satelliten gab.

(Teleclub gab sich entschuldigend für seine Verschlüsselung, da ein Verfahren verwendet wurde das ein zuweilen leicht störendes Bildflackern hervorrief)

MTV - hier für Music Television stehend, war nach seiner erfolgreichen Akzeptanz insbesondere bei der Jugend auf die Idee gekommen die freie Verfügbarkeit des Programms zu stoppen und nur mehr über das Verschlüsselungssystem Videocrypt verbreitet anzubieten.

Begründung: Wir möchten uns auf das Digitalfernsehen vorbereiten! Diese "Vorbereitung" war dann bald auch wieder abgeschlossen nachdem der potentielle Zuseherkreis sich ungleich groß verringert hat.

Letztlich in der Digital TV Ära mit 2011 gibt es MTV und seine Ableger tatsächlich nur mehr als Pay TV zu sehen.  


 

Bestandteil der privaten Hobby Website 

Alle Markennamen werden nur in beschreibender Weise verwendet und macht sich der Autor diese NICHT zu eigen.

https://www.scheida.at/scheida/Satelliten_Receiver_Museum/Satelliten_Receiver_Museum.htm

©11/12/2009  - by Wolfgang Scheida

Letzte Überarbeitung: 21.10.22