Televisionen-Kuba - Die Einführung des Fernsehens in Kuba

Einführung:

Die Insel Kuba würde man im heutigen Sprachgebrauch wohl als "early adopters" - also, als schnell entschlossen bei der Übernahme neuer Techniken bezeichnen. Die Rede ist natürlich von der Zeit vor 1959 - dem Jahr der kubanischen Revolution.

Nach den USA war Kuba das zweite amerikanische Land, das Fernsehen eingeführt hat. Und nach den USA überhaupt, auch erst das zweite Land dass das NTSC Farbfernsehen übernahm. Das Farbfernsehen bei den hohen Gerätepreisen und nur einem Farbsender [5] eine starke Verbreitung erlebte darf jedoch bezweifelt werden. Zu dieser Zeit sind auch westdeutsche Firmen wie Siemens noch stark im Geschäft mit u.a. Antennenlieferungen [6].

Dass der Gerätepark, wie man es bis heute 2010 noch vom Straßenbild her kennt natürlich auch zumeist US amerikanischer Herkunft war bedarf keiner weiteren Erläuterung.  

Die "Casinoinsel" der USA hatte auch für seine Gäste etwas zu bieten, wie Berichte von Fernsehempfängern mit gar gleich zwei Bildschirmen zeugen [8]. Demnach zeigte in den Riviera Hotels ein Bildschirm eines der regulären kommerziellen Fernsehprogramme, während der zweite Bildschirm einen Blick auf die Roulette Spieltische des Kasinobetriebes erlaubte....

Nach der Revolution war natürlich auch mit diesem Treiben Schluss, und das Land verfiel auch fernsehtechnisch in die Rubrik "ferner liefen".

Wenngleich wie ein Zeitzeugenbericht schildert an der Zahl der Antennen auf den Dächern eine breite Verbreitung andeuten so wurden auch 2,5 Jahre nach der Revolution noch schwerlich US amerikanische Fernsehgeräte aus den Schaufenstern verkauft (Reine Antipropaganda?). Die Nachfrage nach Fernsehapparaten ist höher als die nach Rundfunkgeräten. Im Land hat man eine Lizenzfertigung polnischer Geräte aufgenommen und eine größere Menge sowjetischer Geräte importiert. So ist es jetzt nicht nur den oberen Volksschichten sondern auch dem Arbeiter erschwinglich geworden ein Gerät anzuschaffen [10]. Reparaturwerkstätten die zu den früheren Filialen von General Electric, Philco etc. angehörten sind nun in nationales Eigentum überführt worden und in der ÖKONOIVA zusammengefasst..

 

In den 1990er Jahren hörte man von Exilkubanern in Florida, die mit Sendern in Heißluftballons nach Sendeschluss des staatlichen kubanischen Fernsehens auf gleicher Frequenz "dreinfunken" wollten. Über Dauer und Erfolg dieser Aktionen ist mir leider nichts überliefert.

Ob und inwieweit die verhältnismäßig kurze Entfernung von etwa 250 km zwischen Havanna und der USA für Weitverkehrsempfang praktisch tauglich waren, und welche Restriktionen in den Jahren des kalten Krieges der Bevölkerung blühte die sich solchem Treiben hingegeben hätte wird bei Kenntnislage noch nachgetragen.  

Das neue Jahrtausend brachte aber nach 40 Jahren Revolution auch für die Bevölkerung Kubas die eine oder andere Erleichterung, und so stellt nach dem Abtreten der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre jetzt China den Fuß in die Tür.

Dazu gehören Gastgeschenke wie elektrische Schnellkochtöpfe, deren Vorzüge der Maximo Lider in stundenlangen Monologen im staatlichen Fernsehen gleich selbst anpreist. Das ist die kubanische Variante des Teleshopping.

Ein Blick in die Wohnzimmer der Kubaner bringt, was die Ausstattung mit televisionärer Ausrüstung sprich dem Fernsehgerät betrifft durchaus erstaunliches an den Tag. So sind - und die Szenen wirken nicht gestellt - zumeist Farbfernsehgeräte moderner Bauart der Jahrtausendwende - also mit bereits flacher echter Rechteckbildröhre und Stereodesign im Einsatz. Daneben findet man interessanterweise oft noch Rundfunkgeräte sowjetischer Herkunft wie den VEF Kurzwellenempfänger (Symbolbild).

Auf die einst guten wirtschaftlichen Beziehungen sozialistischer Bruderländer, so auch der DDR mit Kuba sei verwiesen (1960/70er Jahre). Die beliebte Fernsehserie "Zur See" wie auch Exportfernsehmodelle der Rafena Werke für Kuba sind Indize dafür.  

Neben verkauften Markengeräten wie Sony, sollen auch rund eine Million Farbfernsehgeräte als Geschenk der Chinesen jüngst ins Land gekommen sein [3]. Andere Quellen führen an: "Für einen Kredit von 330 Millionen Mark kauft Kuba Fernsehgeräte der Panda-Gruppe"[2]. Wenn man Kuba faktische Zahlungsunfähigkeit unterstellt, dann käme der Begriff Geschenk gar nicht mal von ungefähr.  

Bei über 11 Millionen Einwohnern ist jedoch ein hoher überalterter Gerätebestand bei den Teilen der Bevölkerung die nicht zum Zug gekommen sind nachvollziehbar. Zudem würden wir im Westen zwischenzeitlich gut 10 Jahre alte Geräte ebenfalls bereits als Alteisen bezeichnen.  

Wiewohl die Staatsführung sicher gerne CNN und amerikanisches Baseball über Satellit verfolgen wird, so ist dieser Informations- und Unterhaltungszugang der normalen Bevölkerung verboten.

Umgekehrt ist es seit Jahren möglich, >Cubavision International< über Satellit auch in Europa sowie über Internet Streaming zu empfangen.  

 Zeitschiene - Fakten 

 

 

Sendestandard: US FCC-CCIR M, NTSC 525/60  
   
1955/56 In Camaguey ist der achte Sender des Landes in Betrieb, gegenwärtig 300.000 Fernsehteilnehmer [7]
1958 Das NTSC Farbfernsehen wird auf Kanal 12 in Havanna eingeführt (TV de la Libertad [4]), jedoch nach der Revolution wieder außer Betrieb genommen [5]. 

An Fernsehsendezeiten ist Kuba mit 115 Wochenstunden im Ranking an 2. Stelle: USA 133 h / Kuba 115 h/ Kanada 91h / Europa: Monte Carlo 56 h/ GB 55 h / Italien 45 h / Frankreich 41 h / Deutschland West 28 h / Österreich 26 h / Schweiz 16h [9].

1961 Es werden 25 Fernsehsender = Kanäle mit zum Teil 100 kW Sendern angeführt, einschließlich einem Sender auf UHF Kanal 73 [4]. 
1975 Der NTSC Farbfernsehstandard wird erneut übernommen, Ausrüstung von NEC Japan [5]. 
   

Quellen (Auszugsweise): 

  1. Zeitschrift "Fernseh-Informationen", 7. Jahrgang 3. Februar Ausgabe Nr. 6/1956, Seite 133, aus dem Archiv DOKU Funk Wien
  2. "Die Ein-China-Politik spaltet Lateinamerika"  Nummer 327/328 - September/Oktober 2001 der Latein Amerika Nachrichten
  3. D-TV Doku
  4. Word Radio & TV Handbook 1961, S.195  
  5. Wikipedia 12/2010 
  6. >Größerer Abschluß der Siemens Werke mit Kuba über Antennenlieferungen< "Fernseh-Informationen" 2. November Ausgabe S. 597,  Nr. 22/1955. 
  7. "Fernseh-Informationen" 2. Jänner Ausgabe S. 48,  Nr. 2/1956
  8. Magazin "Radio Österreich" Heft 29, 12. Juli 1958, S. 2.
  9. A - Radio Österreich, Heft 29, 12. Juli 1958, S.2
  10. siehe DDR [49] Rafena Informationen

 

© 12/ 2010  - by W. Scheida zu www.scheida.at/scheida/televisionen gehörend

Updated: 03.01.11