Alle bekannten deutschen Vorkriegs KATHODENSTRAHLRÖHREN
Fernsehgeräte. (Keine mechanischen TVs) -
Vieles Versucht- wenig vielversprechendes realisiert.
Das war in Europa die Ausgangsbasis für das Fernsehen vor dem Krieg.
Die Armut, im besonderen in Deutschland, vermochte nicht so schnell an
einen Start zu denken zu können.
Sehr wohl aber ermittelte unermüdlich die deutsche Post, welche Verfahren
und welche Technik als Ideal für einen möglichen Start angesehen werden
konnte:
Manfred von Ardenne zeigte sein vollelektronisches Fernsehen auf der
Berliner Messe vor und war damit dem Britischen Entwicklungsstand das
mechanisch arbeitete Voraus. Basis war die Braunsche Röhre als
Bildwiedergabeeinheit sowie einer lichtempfindlichen Aufnahmeröhre deren
Entwicklung die Hauptschwierigkeit in jenen Tagen darstellte.
Beispiel eines Oszilloskops -Oszillographen aus den 1930er Jahren mit
dem elektrische Impulse sichtbar gemacht werden können. Eine
entwicklungstechnische Basis für das Fernsehen.
Der Versuchssender Berlin-Witzleben / Paul Nipkow strahlte daher auch schon
regelmäßige Versuchssendungen aus vom "Langen Lulatsch" dem
Funkturm in Berlin ab.
Eine Sondereinrichtung stellte die Fernsehsprechstelle der deutschen Post
dar:
Zwischen Berlin und Nürnberg wurde ein 2Mhz taugliches Koaxialkabel
verlegt und damit erstmals Erfahrungen mit Breitbandvertärkern gesammelt.
Was uns heute als Videotelephonie bekannt ist - gab es tatsächlich auch
damals schon! - Und die passende Anwendung gezeigt in einem Werbefilm zur
Verbrechensbekämpfung durch rasche Täterprofilübertragung also Aktenzeichen
XY Gelöst gleich dazu.
Es folgte aber ein mediales Großereignis das für die ein diktatorisches
Regime wie das in Deutschland unter den Nazis wie geschaffen war:
Die Olympiade in Berlin 1936 wurde daher auch gleich für einen
propagandistischen Testlauf für das Fernsehen genützt:
Nebenstehendes Bild zeigt den deutschen Fernsehpionier Walter Bruch an
seiner Fernsehkanone bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 in
Berlin.
Das Besondere war die Möglichkeit erstmals außerhalb der
Studiobeleuchtung - nur mit Tageslicht versehen Life Fernsehaufnahmen durchführen
zu können.
Ansonsten musste mit dem Zwischenfilmverfahren gearbeitet werden um einen
lichtempfindlichen fertig entwickelten Film fernsehtauglich abtasten zu können.
Auch dem "Führer" stellte man ein Gerät in die Reichskanzlei
was ihm jedoch nie interessiert haben soll da er lediglich an Massenpropaganda
wie dem Rundfunk glaubte.
Ähnlich Dr. Goebbels welcher die seiner Meinung nach unausgereifte
Fernsehtechnik ins Labor verbannt sehen wollte.
Nur sehr wenige hatten ein solches Gerät zu Hause stehen:
Oben ein aufklappbarer Spiegel, der Notwendig war, da die ersten Bildröhren
noch eine sehr lange Baulänge notwendig machten, und daher stehend eingebaut
wurden.
Die meisten dieser Geräte standen jedoch in für die Öffentlichkeit zugänglichen
Berliner Fernsehstuben, in denen die Olympiade auf 1 bis 2 aufgestellten TV
Geräten, oder gar auf einer Leinwand Projektion mitverfolgt werden konnten.
Norm in Deutschland wurde dann 441 Zeilen bei 25 Bildern in der Sekunde -
ähnlich zur USA mit 441 Zeilen jedoch 30 Bildern in Abhängigkeit zur
jeweiligen Netzfrequenz.
Zuvor war man noch mit 180 Zeilen beschäftigt, während England nachdem es
sich zum elektronischen Fernsehen von EMI entschied bereits hochauflösendes
Fernsehen mit 405 Zeilen vorführte.
1938/39 wäre dann der Fernseheinheitsempfänger um 850 RM fertig für die
Serienreife gewesen.
1938 eben noch brave Deutsche vor dem ersten Heim Fernsehempfänger E1-
bald aber an der Heimat- und der Ostfront anderweitig beschäftigt.....
Wie weit dieses Gerät bereits ausgereift war und selbst Jahrzehnte nach
dem Krieg noch wegweisende Details beinhaltete zeigt die Seite:
http://bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/TV/telefunken/einheitsempfaenger.htm
Dann kam der Krieg 1938/39, und später auch noch die Bomben, und alles
nichtmilitärische legte man auf Eis - So auch den Volkswagen, den Einheits
Fernsehempfänger, die Volkswohnheime, die Volkskühlschränke...
Der Kriegsausbruch stoppte jedoch die Fertigung und Verkauf von Fernsehgeräten
für die Zivilbevölkerung, sodass das Fernsehen eingestellt wurde.
Doch schon bald darauf erkannte man den Wert des neuen Mediums zur
Schaffung von "Frohsinn" für die Unterhaltung von Kriegsversehrten
Soldaten in den Berliner Lazaretten bis spätestens Mitte 1944 entweder alles
zerbombt und ausgebrannt war,
Auch die USA die mit der Weltausstellung 1939 in New York Fernsehen einführten,
stellten den Sendebetrieb bald wieder auf Sparflamme.
Die damalige, auch noch heute gültige Norm:
525 Zeilen bei 30 Bildern / 60 Halbbildern in der Sekunde
Im Vergleich interessant, dass USA TVs von Anbeginn den Kanalwähler an der
Gerätefront zur Auswahl von bis zu 13 Kanälen angebracht haben.
Europa Geräte wie in Deutschland, und den späteren "Ostblock" Ländern
zumeist den Kanalwähler an der rechten Seiten vorn oder gar hinten hatten. Im
Falle des Reichseinheitsempfängers E1 war überhaupt keine Kanalwahl möglich.
Mit einer Wahlberechtigung ging man sehr zurückhaltend um.
Gegen Ende der 1930er Jahre entledigte sich auch Großbritannien offiziell
vom Fernsehen, um keine "Geheimnisse" an die Lizenzpartner von Logie
Biard, sprich der "Deutschen Fernseh AG" nachmals "Bosch
Fernseh GmbH Darmstadt" weitergeben zu müssen.
Um es diplomatisch aussehen zu lassen, steckte man einfach das Sendegebäude
in London in Brand.
" Leider wurde dabei alles Vernichtet..." hieß es für die Ohren
des Volkes....
Damalige Norm in GB: 405 Zeilen bei 25 Bildern / 50 Halbbildern- ein
Standard, der auch nach dem Krieg bis 1985 in England für das erste BBC
Programm und dem ITV gültig geblieben ist.
Die Deutschen starteten zwischenzeitlich die Entwicklung des militärischen
Fernsehens, die die deutsche V2 Rakete mittels TV Kamera zu einer
Fernlenkwaffe aufrüstete.
Man darf sagen, dass das zivile TV in Deutschland so für gut 14 Jahre 1938
-1952 entwicklungsmäßig danieder lag.
Kapitel 2: Fernsehen im Krieg 1939 - 1945
Dann kam der Krieg 1938/39, und später auch noch die Bomben, und alles
nichtmilitärische legte man auf Eis - So auch den Volkswagen, den Einheits
Fernsehempfänger E1, die Volkswohnheime, die Volkskühlschränke...
Der Kriegsausbruch stoppte damit auch die Fertigung und den Verkauf von
Fernsehgeräten wie auch den Ausbau des Fernsehsendernetzes im Deutschen
Reich.
Das was von den Geräten und der geschaffenen Infrastruktur erhalten
geblieben war erhielt schon bald die propagandistische Aufgabe verwundete
Soldaten in den Berliner Lazaretten mit "Frohsinn" aufzuheitern.
Dies funktionierte bis Mitte 1944, danach war entweder alles zerbombt und
ausgebrannt, oder musste als nebensächliche Begleiterscheinung der Invasion
zumindest teilweise wieder "Heim ins Reich" geschafft werden...
Auch die USA die mit der Weltausstellung 1939 in New York das Fernsehen
einführten, stellten den Sendebetrieb bald wieder auf Sparflamme.
Die damalige, auch noch heute gültige Norm: 525 Zeilen bei 30
Bildern / 60 Halbbildern in der Sekunde jedoch noch mit AM Ton;
Im Vergleich interessant, dass USA TVs von Anbeginn den Kanalwähler an der
Gerätefront zur Auswahl von bis zu 13 Kanälen angebracht haben.
Europa Geräte wie in Deutschland, und den "Ostblock" Ländern
zumeist den Kanalwähler an der rechten Seiten vorn oder gar hinten hatten. Im
Falle des Reichseinheitsempfängers E1 war überhaupt keine Kanalwahl
vorgesehen.
Die Wahlberechtigung war hierzulande nicht gerade vorgesehen,
In der 2. Hälfte der 30er Jahre entledigte sich auch Großbritannien
offiziell vom Fernsehen, um keine "Geheimnisse" an die Lizenzpartner
von Logie Biard, sprich der "Deutschen Fernseh AG" nachmals
"Bosch Fernseh GmbH Darmstadt" weitergeben zu müssen.
Um es diplomatisch aussehen zu lassen, steckte man einfach das Sendegebäude
in London in Brand.
" Leider wurde dabei alles Vernichtet..." hieß es für die Ohren
des Volkes....
Damalige Norm in GB: 405 Zeilen bei 25 Bildern / 50 Halbbildern und AM Ton-
ein Standard, der auch nach dem Krieg bis 1985 in England für das erste BBC
Programm (Parallel zur 625 Zeilen Ausstrahlung) gültig geblieben ist.
Die Deutschen starteten zwischenzeitlich die Entwicklung des militärischen
Fernsehens um Gleitbomben mittels TV Kamera zu einer Fernlenkwaffe aufzurüsten.
Auch in Peenemünde - dem ersten Entwicklungsort der V4 / A2 Rakete gab es
Fernsehen zum Zweck der Beobachtung von Startversuchen.
Als unabkömmlich mit dabei der Fernsehpionier Walter Bruch bei der Wartung
und Betreuung der Anlagen in Peenemünde.
Auflösungen bis über 1000 Zeilen wurden getestet wobei die Übertragungstechnik
zum damaligen Zeitpunkt diese Bandbreiten um etwa 14 MHz nicht real erscheinen
lassen.
Man darf sagen, dass das zivile TV in Deutschland so für gut 14 Jahre 1938
-1952 entwicklungsmäßig danieder lag.
Etwas länger war der Einsatz zumindest testweise ebenfalls nach der 441
Zeilen Norm in der UdSSR.
Gehört zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm
Kapitel 3: Nachkriegsfernsehen ab 1945
Eine gute Übersicht über den Nachkriegsstand gibt der Artikel "Die
Entwicklung des Fernsehrundfunks aus Radiotechnik 6-1948_1"
Sowohl die technischen Sendeparameter wie auch mögliche
Verbesserungen zu den E1 Vorkriegsgeräten werden beschrieben. weitere Themen:
Die Wahlberechtigung der USA Zuseher, die Notwendigkeit von
Gemeinschaftsantennenanlagen, Stand der Technik bei den Großbildprojektoren
mit dem Eidophorverfahren!
"Die
Entwicklung des Fernsehrundfunks aus Radiotechnik 6-1948_2"
"Die
Entwicklung des Fernsehrundfunks aus Radiotechnik 6-1948_3"
"Die
Entwicklung des Fernsehrundfunks aus Radiotechnik 6-1948_4"
"Die
Entwicklung des Fernsehrundfunks aus Radiotechnik 6-1948_5"
Dann kam wieder der harte Anfang nach der Stunde Null (1945)
In den USA konnte der bereits vor dem Krieg 1940 von der FCC definierte 525
Zeilen/ 60 Herz Standard nunmehr dem Massenpublikum zugeführt werden. Jetzt
aber mit frequenzmodulierten Ton.
In Europa war Frankreich-Paris ab 1946 mit dem ehemalig deutschen 441
Zeilen Sender wieder dabei um ab 1948 das von Henry de France entwickelte 819
Zeilen Fernsehen parallel auszustrahlen.
Die geschah, bis 1956 der 441 Zeilen Sender abbrannte und nur mehr der von
Francois Mitterand seinerzeit tätig als Informationsminister per Dekret zum
Frankreich Standard erhobene 819 Zeilen Sender übrig blieb. Die Grand Nation
wollte bewusst etwas besseres als alle anderen.
In Deutschland ging es etwas anders zu:
Zuerst war es erforderlich, den erweiterten technischen Möglichkeiten
Tribut zu zollen, und eine neue Fernsehnorm zu definieren.
Hiezu wurden Geräte aus den USA den deutschen Wissenschaftlern im Auftrag
der UdSSR zum Anpassen an die europäische 50Hz Netzfrequenz zur Verfügung
gestellt.
Vorläufige Studien unter anderem von Philips Holland ergab 1948:
Das zum Einen 405 Zeilen, wie in Großbritannien, den Anforderungen nicht
mehr genügen werde;
zum Anderen, dass die 525 Zeilen wie in den USA nicht ohne weiteres übernommen
werden können:
Lösungsvorschlag: 567 Zeilen / 50Hz im USA typischen 6 MHz Kanalraster
Anders die Überlegungen der ehemaligen Deutschen Fernsehexperten wie das
Team um Prof. Dr.Werner Nestel mit Ing. Walter Bruch, Rudolf Urtel sowie Rolf
Möller - dem sogenannten Ettlinger Kreis in Hamburg die ein 625 Zeilen
Empfehlung an den Schweizer Prof. Walter Gerber aussprachen:
Als Basis wurde lediglich die Zeilenfrequenz genommen, was
heruntergerechnet etwa 630 Zeilen bei 50 Hertz ermöglichen würde.
Normiert wurden dann 625 Zeilen bei 50 Hertz was auch eine Änderung in den
Niederlanden nötig machte:
"Pressebericht vom 11.08.1950:
Fernsehbastler in Holland
Kürzlich wurde bekanntgegeben, dass der holländische Fernsehsender
für seine Versuchssendungen von 567 auf 625 Zeilen übergegangen ist. Ein
solcher Wechsel der Zeilenzahl bedingt natürlich auch eine Änderung der etwa
400 in Betrieb stehenden Fernsehempfänger. Diese Anpassung an die neue
Zeilenzahl bereitet keine großen Schwierigkeiten und kann in Holland fast
durchwegs von den Besitzern der Geräte selbst durchgeführt werden, da es
sich herausgestellt hat, dass 90 Prozent aller in Verwendung stehenden Geräte
von Amateuren konstruiert und hergestellt wurden."
Das Verbot der Alliierten, und die Nachkriegsnot verhinderten den
unmittelbaren Nachkriegsstart des Deutschen Fernsehens in beiden Teilen des
Landes wie auch Österreichs.
Als Reparationsleistung für den verlorenen Krieg wurden zuerst einmal in
der deutschen Ostzone Geräte für die Sowjetunion entwickelt und gebaut:
Hier das Modell: "LENINGRAD", das später in der Sowjetunion
weitergefertigt wurde.
04.06.1952 Beginn von täglicher Programmausstrahlung des Fernsehens der
DDR (nicht offiziell)
21.12.1952 Deutscher Fernsehfunk sendet aus Berlin-Adlershof sein erstes
offizielles Versuchsprogramm
Der Volksgenosse in der DDR durfte sich mit dem Modell
"Rembrandt" ab ca. 1952 "unabhängig" Informieren.
Westfernsehen konnte nur gestört empfangen werden.
Ein kleiner Auszug davon, wie Fernsehen in Westdeutschland für
das breite Volk möglich gemacht wurde:
Mit Beginn ca. 1952
Frankreich als eine Siegermacht, konnte natürlich beliebig über
Frequenzen verfügen, daher wurden dort gleich einmal 819 Zeilen bei 25
Bildern/50 Halbbildern als Norm festgelegt.
Doch sie blieben allein damit, und stellten dann in den 70er -
80er Jahren um, auf die üblichen 625 Zeilen.
14 MHz Kanalbandbreite bedeuteten, dass die Verlierer des
Krieges hingegen in Warschau bei der Frequenzkommission betteln mussten um überhaupt
etwas abzubekommen.
Selbst 8 MHz Kanalbandbreite, die sich die Russen für ihr
Imperium genehmigten, wurden nicht gewährt, was den Schweizer Herrn Walter
Gerber veranlasste, für einen Tonträger Abstand von 5,5 MHz in Westeuropa
innerhalb der CCIR zu intervenieren:
Fazit: 7 MHz Kanalbandbreite, die in Wirklichkeit von Dr.
Nestel und seinen Deutschen Spezialisten, dem Rest des Internationalen
Normengremiums an den Abenden des gemeinsamen Wirtshaustisches ausgehandelt
wurden.
Eine Sonderlösung stellte dann die DDR dar:
Grundsätzlich von den Sowjets begünstigt, wurde dort nach
der OIRT Norm also 8 MHz und 6,5 Mhz Bild-Tonabstand 1952 fast zeitgleich mit
Westdeutschland mit dem TV gestartet.
Um kurz darauf die Produktion der TV Geräte zwecks ziemlich
leichter Modifikation zu stoppen, und bereits ausgelieferte Geräte wieder
umzurüsten:
Grund: In Westdeutschland sollte ebenfalls zumindest in den
grenznahen Gebieten zur DDR die Kommunistische Propaganda gesehen und gehört
werden können.
Daher wurde die Norm denen der Westdeutschen angepasst.
Das sah lange Jahre so aus: Normenaufstellung
Davon Ableitend konnten Sie in den meisten Fällen anhand
des Fernsehsystems/Norm die politische Orientierung ablesen.
Damit aber die DDR Bürger nicht ebenfalls auf die Idee
kommen konnten, Westfernsehen und die darin enthaltenen Ideologie zu genießen,
wurde mit Störfunk gearbeitet.
Dort wo dies nichts Half, durfte sich die FDJ
"Freie" Deutsche Jugend
als Dachkletterer betätigten, die die Antennen, welche nach
Westdeutschland gerichtet waren, ein wenig wieder in Richtung Osten zurück
korrigierten.
Eurovision 1954 gegründet zum Austausch von
Fernsehsendungen innerhalb der Blockfreien Staaten. -
am 30.01.1960 folgte
eine Gemeinschaft der Fernsehanstalten von Polen, Ungarn, der CSSR und der DDR
, die "Intervision".
Gehört zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm
Die
625/50 Fernsehrasternorm –
Ein über 60 Jahre alter
sowjetisch-imperialer Exporterfolg?
Auch
als PDF downloadbar!
Inhaltsverzeichnis:
-
Kurzzusammenfassung:
-
Der
geforderte Anspruch:
-
Einleitung:
-
Die
Anfänge:
-
Die
Entw
icklung:
-
Die
Standardisierung:
-
Die
Welt geeint?
-
Ein
neuer Vorsprung in den USA:
-
Die
bisherige Beschreibung der „Deutschen Entdeckung“ der 625 Zeilen in
Verbindung mit der Wiederaufnahme des Fernsehdienstes nach 1945
-
Die
ersten westdeutschen Nachkriegsanfänge im Zusammenhang mit der
Normenfindung:
-
625
Zeilen stehen im Wettbewerb:
-
625
Zeilen - Neue Erkenntnisse aus Russland:
-
Die
Sowjetisch – Deutsche Verbindung
-
Die
Deutschen Fernsehspezialisten in der UdSSR:
-
Die
neue Norm – Das Resultat:
Fazit:
Noch
offene Ungereimtheiten - Eine Erklärung:
625
Zeilen - Welche Alternativen hätte es für Europa gegeben?
Exkurs:
Der
Amerikanische Einfluss auf das europäische Nachkriegsfernsehen
Der
technische Aufbau der US TV Norm
Zahlenspiele
- Wie definieren sich die Zeilenzahlen?
Quellen/
Literatur:
Offene
Fragen:
Kurzzusammenfassung:
Der
Beitrag beleuchtet die verschiedenen Aspekte unter denen es Ende der 1940er
Jahre zur Vorstellung und einer darauf erfolgten Einführung der 625/50
Fernsehnorm kam.
Bekannte
Fakten wurden nochmals überprüft und mit bisher nicht zugänglichen (vorerst
leider nur sekundär) Informationen verglichen und einer neuen Bewertung
unterzogen. Die Leistung der Deutschen nach dem Krieg, sowohl in der besetzten
Ost- wie auch Westzone, aber auch deren Arbeitsbeitrag in der UdSSR selbst
kommt hier zum Vorschein. Ein Blick auf das damalige welt- und
wirtschaftspolitische Umfeld und die amerikanischen Vorleistungen als
Ausgangsbasis für die 625/50 Norm rundet die Betrachtung ab.
Der
geforderte Anspruch:
Zeitgleich
möchte der Autor auf das allgemeine Erfordernis einer Neubewertung und
tieferer Erforschung der jüngeren europäischen Fernsehgeschichte hinweisen,
denn auf der Suche nach einer möglichst umfassenden Gesamtübersicht
hinsichtlich der Entwicklung der europäischen Fernsehtechnik wurde dem
suchenden Autor bald klar das es eine solche noch nicht zu geben scheint.
Zu sehr war jede am Fortschritt des Fernsehens bemühte
Nation auf die überproportionale Darstellung ihrer eigenen Entwicklung
erpicht als das ein neutraler Gesamtüberblick jemals möglich scheint.
Hinzu kommen die sprachlichen Barrieren, die es in mühevoller
Kleinarbeit nicht zuletzt mit Hilfe des Internets zu überwinden gilt.
Die Krönungen der Behauptungen sind aber dort zu finden
wo „Das Fernsehen“ einer Einzelperson als grandiose Erfindung oft als Sohn
der jeweils großen Nation zugeschoben werden sollte.
Auch ist es notwendig zwischen Ankündigungen und tatsächlichen
Ereignissen zu Unterscheiden sowie die Begriffe „Die erste Fernsehübertragung
.. „ etc. genau aufzuschlüsseln, um kenntlich zu machen was daran
„das erste Mal“ war, um damals möglicherweise politisch motivierte
Datierungen zu vermeiden. Bei Unstimmigkeiten oder Mehrfachnennungen wurden
daher alle Daten gelistet.
Einleitung:
Einmal mehr erlauben uns die zeitliche Distanz wie auch
die geänderten politischen Mächteverhältnisse auf längst selbstverständlich
gewordenes ein neues Licht zu werfen. Wie kam es zum 625 Zeilen Fernsehbild
das bis zum heutigen Tag wenn auch bereits zum Teil in digitaler Form einen
Großteil unseres medialen Globus bedient.
Die Anfänge:
Die elektronische Wiedergabe von Fernsehbildern oder
besser gesagt von dem was man damals dafür hielt begann mit der Braunschen Röhre.
100 Zeilen dienten Anfang der 1930er Jahre Manfred von
Ardenne für die Vorführung seines Flying Spot Scanners - dem
Lichtpunktabtaster und ebenso viele Zeilen sind auch von der Arbeit des Vaters
des Japanischen Fernsehens Kenjiro
Takayanagi 1931 überliefert.(10)
Die Entw
icklung:
Nach und nach steigerte sich die Zeilenzahl auf zuerst
120 und später um 1935 auf 180 Zeilen was selbst innovative der Firma Loewe
nahestehende deutsche Forscher bereits als ausreichende Qualität für das
Fernsehen befanden und tatsächlich ein erster „Volksfernseher“
in Serie gehen sollte.
Bekannt aus jener Zeit das Großereignis der Olympischen
Spiele 1936 mit eben 180 Zeilen.
In Frankreich und beim Britischen Erfinder J.L. Baird
waren 240 Zeilen in progressiver Abtastung angesagt, während in den USA die
RCA auf 343 Zeilen interlaced/ also im Zeilensprungverfahren
überging. Einen Standard den in der unmittelbaren Vorkriegs und
Nachkriegszeit von 1938 – 1948 auch die UdSSR jedoch mit 50 Halbbildern
anstelle den USA typischen 60 Halbbildern übernahm.
Die Standardisierung:
Zur Weiterentwicklung in Deutschland dienten ebenfalls
bereits seit 1936 intern eine 375 Zeilen Norm die 1938 in die 441 Zeilen Norm
mündete und auch als endgültig
verabschiedet wurde, was mit der geplanten offiziellen Einführung eines
Publikumsbetriebes mit dem E1
Einheits- Fernseher mit Ende 1939 bestätigt wird.
Mit Juni 1938 galten auch in den USA 441 Zeilen als
Standard – der bereits 1940 auch in Japan für die Übertragung der
Olympischen Spiele in Tokio eingesetzt werden hätte sollen.
1939 exportierte Deutschland seine 441 Zeilen auch nach
Italien wo in Rom ein mit Deutscher Ausrüstung ausgestattetes Studio
errichtet wurde.
„Aus der Norm“ fielen bereits in der Vorkriegszeit
die Briten mit ihren 405 Zeilen und die Franzosen mit 450/455 Zeilen.
Dieses Image pflegten diese Nationen fernsehtechnisch in
ihrer härtesten Form bis in die 1960er Jahre und etwas moderater teilweise
selbst noch bis heute.
Die Welt geeint?
Am Vorabend des 2. Weltkriegs waren also die USA, Japan,
Deutschland, Italien und die UdSSR mit 441 Zeilen geeint.
Das bedeutete eine weitgehend vergleichbare Bildqualität
in allen am Fernsehen beteiligten Ländern, wobei man bezogen auf die real
erzeugbare Bildqualität die 405 Zeilen der Briten und die 455 Zeilen der
Franzosen eigentlich gleichsetzen kann.
Eine praktisch ableitbare Kompatibilität zwischen der 50
und der 60 Hz Variante mit den damaligen Mitteln kann aber nicht abgeleitet
werden.
Lediglich für den Europäischen Kontinent bleiben
politisch orientierte Expansionspläne die letztendlich auch das Fernsehen als
Trägermedium der jeweiligen Ideologie einschließen als Möglichkeit
bestehen. So waren es sicher nicht rein exportwirtschaftliche Aspekte allein,
dass sich Italien für 441 Zeilen entschied, während der um Unabhängigkeit
bemühte Tschechoslowakische
Staat das 405 Zeilen System der Briten angedacht hat.
Ein möglicher geplanter völkerübergreifender
Programmaustausch in einer Art Eurovision konnte für die Vorkriegszeit noch
nicht nachgewiesen werden.
Ein neuer
Vorsprung in den USA:
Während Europa fürs erste fernsehtechnische
Entwicklungen zurückstellte, formierten sich in den USA erneut Kräfte, die
Kritik am von der RCA geprägten 441 Zeilen Standard übten und gemäß den
neuesten technischen Möglichkeiten und Forschungsergebnissen die FCC 1941 zur
Normierung des 525/60 Standards nötigten der im wesentlichen bis heute gültig
blieb. Mitgeliefert wurde ebenfalls ein 6 MHz Kanalbandraster im VHF Bereich für
13 Kanäle um auch mit dem Fernsehen demokratisch wahlberechtigten Pluralismus
zu ermöglichen. In Verbindung mit der Standardisierung sind aber auch die
Vorschläge von Philco mit dem Standard 605/24 und DuMont Television mit dem
Standard 625/15 geprüft worden. Letzteres mit einem Bandbreite sparenden 4:1
zerlegtem Vollbild anstelle des uns bekannten 2:1 Halbbildverfahrens.
Mit in die Kriegsjahre fallen überdies französische
Forschungen mit 729 – 1.029 Zeilen (2 /S130) sowie die über 1.000 Zeilen
der Deutschen Fernseh GmbH die überzeichnet formuliert die Kinderstube
unseres heutigen 720/1080 Zeilen HDTVs darstellen.
Der Sowjet Auftrag:
Die allgemeine fernsehhistorische Geschichtsschreibung
verweist im Wesentlichen auf (aufgrund des Alliierten Kontrollratsbeschlusses
eigentlich nicht erlaubte) Anpassungen amerikanischer
Fernsehstudioeinrichtungen aus den kriegsbedingten USA-UdSSR Lend-Lease
Abkommen, die im Auftrag der Sowjetischen Besatzungsmacht auf europäische
Verhältnisse angepasst werden sollten.
Niemand geringerer als Ing. Walter Bruch (der spätere
Erfinder des PAL Farbübertragungssystems) wurde 1945 mit dieser
Aufgabe in Berlin-Oberschöneweide im ehemaligen Röhrenwerk RFO der AEG, später
besser bekannt als „Oberspreewerk“
unter dem Sowjetischen Fernsehspezialisten Sergej Nowakowsky als Oberingenieur
betraut.
Textauszug: „... kamen WIR(!) auf die Idee das
amerikanische System komplett zu übernehmen und nur die Rasterwechselzahl...
anzupassen...“ (5/S60)
Wobei Bruch davon spricht, das als Ausgangsbasis der
Umarbeitung die Zeilenoszillatorfrequenz herangezogen wurde (3/S79):
Diese betrug bei 525 Zeilen und 60 Halbbildern = 30
Vollbildern: 15.750 Hz
Eine Umrechnung der 15.750 Hz auf 50 Halbbilder (Europäische
Netzfrequenz) = 25 Vollbilder ergibt: 630 Zeilen.
Da eine gerade Zeilenzahl aus technischen Gründen für
das aus ökonomischen Gründen erforderliche 2:1 Zeilensprungverfahren nicht
empfehlenswert war, lag eine Verwendung von 625 Zeilen die genau um 100 Zeilen
höher waren als beim amerikanischen System nahe. Die dann erhaltene
Zeilenoszillatorfrequenz liegt bei 15.625 Hz, also nur unmerklich abweichend
von der Amerikanischen.
Im September 1945 baute Bruchs Team noch einen 625/50
Taktgeber und Leuchtschirmabtaster mit Mechauprojektor. Mit Anfang 1946 waren
seine maßgebenden Entwickler nicht mehr dort tätig und die Geräte wurden später
von anderen Technikern fertiggestellt und nach Moskau geliefert. (3/S80)
„Für die drahtlose Übertragung knobelten WIR(!) dann
eine optimale Kanalbandbreite von 8 MHz und einen Abstand des FM-Tonträgers
zum Bildträger von 6,5MHz aus...“ (4/S60)
Soweit der Informationsstand aus Berlin – der
sowjetisch Besetzten Zone.
Die
ersten westdeutschen Nachkriegsanfänge im Zusammenhang mit der Normenfindung:
Als nächster „Westdeutsch“ Fernsehhistorischer
Termin erscheint der 1.1. 1948 mit der Britischen Verordnung für den NWDR
„Sprache, und wenn später möglich auch Bilder zu vermitteln........ „
Bereits am 13. August 1948 erfolgte die Zustimmung der
Britischen Militärregierung mit ihrem Koordinator Mr. Carlton Greene dem späteren
BBC Generaldirektor, die Arbeiten zur Weiterentwicklung am Deutschen Fernsehen
vorzunehmen.
Der technische NWDR Direktor Werner Nestel der sich auch
um die UKW Entwicklung und Einführung im Nachkriegsdeutschland bemüht
gemacht hatte
war dabei die treibende Kraft, und ausgestattet mit für
damalige Verhältnisse großzügig bemessenen finanziellen Mitteln begann die
Arbeit mit dem „Restpersonal der ehemaligen
Reichspost-Fernsehgesellschaft“ (2/S147).
Und obwohl im britischen Sektor liegend, war man
offensichtlich nicht durch dezidierte Weisungen an die britische 405 Zeilen
Norm gebunden.
Der Telefunken Vorkriegsfernsehingenieur Rudolf Urtel gründete
den sogenannten Ettlinger Kreis – einem Zirkel in dem mit Kollegen wie Rolf
Möller und anderen rund 10 – (später werden ~30 genannt)
Fernsehspezialisten der Vorkriegszeit Fachgespräche über
fernsehentwicklungstechnische Details geführt und diskutiert wurde. Urtel war
von
November 1948 an bei der C. Lorenz AG im Werk Pforzheim als Entwicklungsleiter
für Fernsehtechnik, Empfänger, Sender und Fernseh-Richtfunkübertragung tätig,
bei der er unter anderem den ersten Taktgeber mit Testbild (Monoskop?)
gebaut hatte.(5/S60)
Für die Zeit 1946 bis 1948 klafft jedoch eine
Informationslücke betreff möglicher 625/50 Arbeiten in Deutschland. Bekannt
geworden ist lediglich der von Horst Hewel um 1940 zu Amateurzwecken
zusammengebaute Kamerazug mit peripheren Einrichtungen wie dem Taktgeber.
Diese Apparate sind um 1948 von 441 auf die bereits von Nestels Expertenteam
propagierte 625/50 Norm umgearbeitet und ergänzt worden. (5/S106)
Soweit die bisher bekannten Fakten die auf der CCIR
Konferenz 1950 in die offizielle Gerber 625 Zeilen Norm mündeten die dann
1952 übernommen/ratifiziert wurde.
625 Zeilen
stehen im Wettbewerb:
Zum Einen war klar, dass der während der Kriegsjahre
gemachte Vorstoß der Amerikaner auf 525 Zeilen sowohl aus Imagegründen wie
auch der tatsächlich qualitativen Unzulänglichkeiten eine Wiederaufnahme der
alten 400 Zeilen Dienste nicht opportun erscheinen lies.
Die Britische Sonderrolle die als einzige Nation einen
echten 405 Zeilen Vorkriegs Publikumsbetrieb mit 23.000 Fernsehlizenzen
unterhielt, wollte diesen aus pragmatischen Gründen weiterführen was sie mit
Sendestart am 7. Juni/ 1. September 1946 auch taten.
In Frankreich begann die Nachkriegszeit mit einem
endlosen Zaudern über die Weiterführung der Vorkriegsstandards, der dann
auch halbherzig wieder in Betrieb genommen wurde. Die gleichzeitige Nennung
von 441, 450 und 455 Zeilen als Standard sprechen bei genauer Betrachtung Bände,
in dessen Zusammenhang auf die geplante künftige Arbeit des Autors „La
Television Francais - Frankreich: Ein
nicht immer geradliniger Weg“ verwiesen sei.
Aus politisch-nationalen Gründen der De Gaulle Ära
schied eine Übernahme von Anglo-Amerikanisch basierenden Standards aus und führte
1948 zum Dekret der Einführung eines ausschließlich von Franzosen
entwickelten 819 Zeilen Standards. Und das mit bewusster Unterlassung der
Implementierung aller bis dahin im Ausland gemachten Fortschritte wie etwa der
FM Technik oder der negativen Bildmodulation bei maximaler Trägerleistung als
Synchronimpuls. Der extreme Bandbreitenbedarf von 13,5MHz pro Fernsehkanal tat
unabhängig vom technischen Signalaufbau sein übriges um einen mitteleuropäischen
Einsatz dieses Systems im zusätzlich durch alliierte Verordnungen beengten
VHF I + III Frequenzband gründlich und äußerst kritisch zu hinterfragen.
Als bisher weitgehend unbekannter, jedoch interessanter Lösungsansatz
erweist sich der auch praktisch vorgeführte Vorschlag des international tätigen
Unternehmens Philips in Holland:
1948 war deren Ansatz, das amerikanische 6 MHz
Kanalraster als Maß der Dinge zu nennen, was Angesichts der noch
bevorstehenden Frequenzknappheit in Europa auch einen sehr sinnvollen Lösungsweg
dargestellt hätte:
Die Rechnung lautet: Die rund 4,2 MHz mögliche
Videobandbreite der 525/60 Norm innerhalb des 6 MHz Kanalrasters sind auf die
50 Halbbilder umzurechnen: 4,2MHz
bei 30 Vollbildern ergeben ~280.000 Bildelemente/Pixel pro Vollbild.
Bei rund 485 aktiven Zeilen und einem 4:3 Bildseitenverhältnis
des amerikanischen Systems ergibt die Umrechnung eine vertikale brutto
Zeilenzahl von 567 die sich aus der Einsparung der Übermittlung von 5
Vollbildern pro Sekunde im europäischen 50 Hz System ergibt.
Dazu der Pressetext aus dem österreichischen Magazin
„Funktechnik“ Heft 2 1948:
http://www.scheida.at/scheida/TV_SEITE/philips_48_I.jpg
http://www.scheida.at/scheida/TV_SEITE/philips_48_II.jpg
2 Jahre später, im Sommer 1950 war auch dieses Thema
bereits Geschichte, wobei nachvollziehbare Begründungen für die Ablehnung
(bis jetzt) im Verborgenen blieben.
Pressebericht
vom 11.08.1950: (Öst.
Zeitschrift Praktiker)
"Fernsehbastlern
in Holland
wurde kürzlich bekannt gegeben, dass der holländische Fernsehsender für
seine Versuchssendungen von 567 auf 625 Zeilen übergegangen ist. Ein solcher
Wechsel der Zeilenzahl bedingt natürlich auch eine Änderung der etwa 400 in
Betrieb stehenden Fernsehempfänger. Diese Anpassung an die neue Zeilenzahl
bereitet keine großen Schwierigkeiten und kann in Holland fast durchwegs von
den Besitzern der Geräte selbst durchgeführt werden, da es sich
herausgestellt hat, dass 90 Prozent aller in Verwendung stehenden Geräte von
Amateuren konstruiert und hergestellt wurden."
Für die gerätetechnische Vereinfachung der Empfänger wäre
dieser Weg für Philips, einem weltweit agierenden Großkonzern sicher
entgegenkommend gewesen. (weltweit baugleiche Tuner u. ZF Kreise etc.)
Es kam aber anders wie diese Übersicht
zeigt:
Die
Zeitschiene im entscheidenden Zeilenendspurt der relevanten Nationen:
|
Juni 1938
|
441/60
|
USA RCA
|
6 MHz Kanalraster, 4,5 MHz Bild/Tonträger
Abstand, Restseitenband,
|
|
Dezember 1940
|
441/50
|
UdSSR Nationaler Standard ОСТ
60-40
|
|
|
Juli 1941
|
525/60
|
USA 1. NTSC
|
|
|
1943/44
|
625/50
|
UdSSR
|
Ideenansatz/ Pflichtenheft
|
|
September 1945
|
625/50
|
Deutschland – UdSSR Besetzt
|
Umarbeitung der 525/60 Anlagen auf
625/50 durch W. Bruch (6/S32)
|
|
7. Juni/ 1. Sept.
1946
|
405/50
|
Großbritannien
|
TV Wiederaufnahme
|
|
1947
|
625/50
|
UdSSR
|
Vorstellung der Norm bei der CCIR
Tagung in Atlantic City durch Nowakowsky (6/S31)
|
|
18. März 1948 – Mitte 1950
|
567/50
|
Philips / Niederlande
|
Versuchssender 6MHz Raster
|
|
15. Mai – 11. Juni 1948
|
625/50
|
CSSR
|
TV Vorführung auf Radio Ausstellung
MEVRO Prag
|
|
22. September 1948
|
625/50
|
Deutschland
|
33 Deutsche Experten Einigung unter
Werner Nestel in Hamburg (11)
|
|
3. September/ 4. November/ 31.
Dezember 1948
|
625/50
|
UdSSR
|
Sendebeginn
Moskau Kanal R1 (9/S8)
|
|
20. November 1948
|
819/50
|
Frankreich
|
Normierung/Dekret
|
|
24. Juli 1950
|
625/50
|
CCIR-Konferenz
(CCIR: Comité Consultatif International des Radiocommunications)
|
Die CCIR
in Genf setzt als technische Grundlage für das europäische Fernsehen
die "Gerber-Norm", das heißt 625 Zeilen pro Bild, fest.
Diese Norm wird nach dem Vorsitzenden dieser Komitees und deren
erfolgreichem Verfechter, Dr. Walter Gerber, Fernsehexperte der
Generaldirektion der schweizerischen PTT, so benannt. (Vormulierung)
(11)
|
|
März 1951
|
625/50
|
NWDR Deutschland
|
Nochmalige Selbstbestätigung des
Nestel Expertenteams das 625/50 dem aktuellen technischen Stand
entsprechen.
|
|
1950/51/52
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625/50
|
Niederlande, Deutschland,
Schweden, Dänemark, D-Ostzone
|
Versuchssendungen
|
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1952
|
625/50 + 819/50
|
CCIR
|
Offizielle Annahme der 625/50
„Gerber“ Norm als Europäische Norm +
Frequenzkoordinierungen mit Erweiterungen des Bandes III auf
~230 MHz sowie der Freigabe von Band I für Deutschland.
Nicht ratifiziert von England +
Frankreich
|
625
Zeilen - Neue Erkenntnisse aus Russland:
Wie sich aus dem Verlauf der Nachkriegspolitik der Supermächte
generell herausstellte, hatten die UdSSR unter Stalin bereits ab der
Kriegswende 1942/43 in Stalingrad damit begonnen sehr genaue Pläne für die
Neugestaltung eines sowjetisch-imperialistisch regierten Nachkriegseuropas zu
schmieden, währenddessen es den Nachkriegszielsetzungen der westlichen
Supermacht nicht zuletzt durch den Tod Präsident Roosevelts zeitweilig an
Konturen mangelte.
Diese Pläne betrafen vordergründig die politische
Arbeit und Einflussnahme die in die 1948/49 vollendete Blockbildung mit Beginn
des kalten Krieges mündete.
Fernsehtechnisch betrachtet
bedeutete dies die Erkenntnis, dass der alte Moskauer 343
Zeilen Dienst wie auch der eigentliche als Nationaler Standard Ende 1940
abgesegnete 441 Zeilen Dienst nun wieder von den USA, und das schon nur ein
Jahr später, von einem neuen besseren Standard abgehängt wurde. Ein Umstand,
der mit dem Anspruch der Sowjetunion die leistungsstärkste Nation werden zu
wollen nicht akzeptabel gewesen sein kann. Der Gedanke war naheliegend, das
die nunmehrige 525 Zeilen Norm vorauseilend den zukünftigen technischen Möglichkeiten
weiterentwickelt, und als 2. Weltnorm parallel zur Amerikanischen gestellt
werden musste. Zumindest dort wo die 50Hz Netzfrequenz sowie die sowjetische
Einflusssphäre dies zulassen würde.
Die Voraussetzungen:
Wie auch in vielen anderen Bereichen innerhalb der UdSSR wurden Fachkräfte
und Spezialisten ab der Kriegswende von der Front wieder zurückberufen. So
erhielt Sergej Vasilevich Novakovsky – „Сергей
Васильевич
Новаковский“
1943 den Auftrag, als Chefingenieur die Vorbereitung zur schnellstmöglichen
Wiederherstellung der Einrichtungen des (1941 in den Ural nach Sverdlovsk
–nunmehr Ekaterinburg evakuierte) Moskauer Fernsehzentrums voranzutreiben.
(Das Fernsehzentrum war zwischenzeitlich ein Rundfunkstudio für den
Deutschsprachigen Auslandsdienst, dessen Sprecher unter anderem Wolfgang
Leonhard – bekannt durch das Buch: „Die Revolution entlässt ihre
Kinder“ war, und in seinen Schilderungen auch dieses Fernsehzentrum erwähnt)
Zu den dienstlichen Vollmächten des Chefingenieurs des Moskauer
Fernsehzentrums gehörte neben der Inbetriebnahme auch die perspektivische
Zukunftsbetrachtung der Zeilenstandards.
Wieweit reale Vergleiche und Betrachtungen der Normen unter den Bedingungen
der Kriegsjahre wie auch der einschneidenden Stalinistischen Restriktionen im
Umgang Einheimischer mit Ausländern oder gar Auslandsreisen durchgeführt
werden konnten ist nicht bekannt. Wie die Schriften zeigen hat aber Novakovsky
entsprechende Möglichkeiten nutzen können.
Der 625/50 Anfang
noch während des Krieges
1944 erscheint erstmals ein 64 seitiges Manuskript "Die Projektbegründung
für den Fernsehstandard der UdSSR".
Hier findet sich zum ersten Mal die Empfehlung 625 Zeilen als neuen
sowjetischen Standard zu übernehmen.
1944 wurde eine Kommission zusammengerufen, der
aufgetragen war die grundlegenden Parameter des neuen Standards zu bestimmen.
Die Zusammensetzung der Kommission spiegelt die
Initiatoren der System 625/50 Vorschläge am besten ab.
Die Mitglieder der Kommission waren A.J.Breitbart,
V.N.Gorshunov, I.S.Dzhigit, J.I.Kassierer, S.I.Kataev, S.V.Novakovsky, und
A.A.Raspletin. (А.Я.
Брейтбарт, В.Н.
Горшунов, И.С.
Джигит, Ю.И.
Казначеев, С.И.
Катаев, С.В.
Новаковский,
А.А.
Расплетин)
Die Kommission hat als Ersatz für den alten ОSТ
60-40 „ОСТ
60-40„ (441/50 Standard), 1945 den All Unions- National Standard GОSТ
78-45 „ГОСТ
78 — 45„ (625/50
Standard) genehmigt, der dem Projekt den Status eines Gesetzes verlieh.
Ratifizierungen erfolgten in den Folgejahren. (1/S-fortlaufend)
Hochrangige Köpfe haben aufgrund der katastrophalen
Nachkriegsverhältnisse auf die Rückstellung der Fernsehtechnischen Arbeiten
gedrängt.
Auf den endgültigen Beschluss zur Durchsetzung der Pläne
jedoch, hat die Position des Staatsoberhauptes direkt eingewirkt, die
aufgezeigt hat, dass der neue Standard das sowjetische Fernsehen auf viele
Jahrzehnte bestimmt und Überlegungen nicht aus der gegenwärtigen Situation
abgeleitet werden dürfen.
Mit Nachdruck wurde nunmehr auf die Umstellung des
Moskauer Fernsehzentrums auf die neue Norm gedrängt und autark entsprechende
Geräte wie Monitore, Taktgeber, Kameras und erste 625/50 Fernsehgeräte für
die Serienfertigung (Moskwitsch
T-1) etc. entwickelt. Zwischen 1946 und 1947 wird auch auf die
Arbeit des Entwicklungsingenieurs Mark Krivocheev an den ersten 625/50
Einrichtungen verwiesen und das bereits während seiner Hochschulzeit (8/S1).
1946 war in die
Laboratorien des Forschungsinstitutes 108, das von V.N. Gorshunovym geleitet
wurde, der Taktgeber, der die erforderlichen Impulse für den Standard 625/50
bildet hergestellt worden.
Es war die erste
erfolgreiche technische Erarbeitung zum Bau der Apparate für den neuen
Standard.
Die
Sowjetisch – Deutsche Verbindung
Wie jedoch oben ausgeführt ist, war es Novakovsky der mit Walter Bruch ab
September 1945 die 625/50 Norm „ausgeknobelt“ hatte, und System
bestimmende Anlagen wie Taktgeber etc. in sein ihm unterstelltes
Fernsehzentrum nach Moskau verbringen konnte.
„In (9/S6 – Lose nur auszugsweise Übersetzung) wird
auf den Beschluss der Regierung verwiesen sich in der Tschechoslowakei und
Deutschland an den Fertigungsstätten der ehemaligen Fernseh-GmbH nach
Anlagenteilen umzusehen.
(Siehe
dazu auch VTU - TELEVID: http://www.radiomuseum.org/dsp_hersteller_detail.cfm?company_id=7800
+
Arnstadt DDR http://www.radiomuseum.org/dsp_hersteller_detail.cfm?Company_Id=7770)
Wie in den oben angeführten Beiträgen ersichtlich ist
hat man sich erfolgreich „umgesehen“.
Mit dabei waren unser bereits bekannter Nowakowsky sowie
Salman , Krusser und Rakowsky
(С. В. Новаковский,
А. И. Сальман,
Б. В. Круссер,
В. В. Раковский)
Am 12. Oktober 1945 hat die Zeitung "Izvestija“
die Mitteilung veröffentlicht, wonach im „Ministerrat der UdSSR“ die
raschest mögliche Umstellung des Moskauer Fernsehzentrums auf den 625 Zeilen
Standard vorgesehen ist. In der Verordnung wurde auch über den Bau der
Fernsehzentren in Leningrad und Kiew gesprochen, wobei auf den Einsatz
„einheimischer“ Produkte wertgelegt wurde.“
Im November 1948 ging dann der neue Standard mit 16kW auf
dem ersten Kanal im OIRT VHF Band I offiziell auf Sendung.
Von sowjetischer Seite aus betrachtet war die deutsche
Ostzone – die DDR um 1950 der erste Importeur der OIRT 625 Zeilen Norm. –
(Ein weiteres Themenfeld eröffnet sich damit)
Offensichtliche eigenständige Entwicklungsarbeiten zum
625 Zeilen Vorschlag sind auch aus der CSSR - hervorgegangen aus der oben
angeführten ehemaligen Televid bekannt.
1950 wurde einem Kreis der beteiligten Forscher der
Sowjetische Staatspreis für den Titel "Ausarbeitung eines neuen
Fernsehsystems mit einer hohen Auflösung von 625 Zeilen“ verliehen, was den
Wert der Arbeit für die Sowjetunion wiederspiegelt.
Die Stalin Preisträger waren: Krejtser, Woronow,
Migatschew, Kodess, Novakovsky, Lebedev-Karmanow, Brayde, Kasansky und
Kuprijanow.
(В.Л.
Крейцер, А.В.
Воронов, В.И.
Мигачев, П.Е.
Кодесс, С.В.
Новаковский,
А.И. Лебедев-Карманов,
Б.В. Брауде, Г.П.
Казанский, Н.С.
Куприянов.)
Die
Deutschen Fernsehspezialisten in der UdSSR:
Erstmalig wird auch das Zusammenspiel sowjetischer
Spezialisten mit Deutschen Fernsehtechnikern ersichtlich.
Während in den bisherigen offiziellen Dokumenten nur die
Sowjetischen Forscher genannt wurden, sind nun auch die Namen der
(freiwillig?) tätigen Deutschen Techniker bekannt:
Walter Bruch berichtet, das er selbst nur durch Zufall
einer verbindlichen „Einladung“ in die UdSSR entkam und seine Arbeit für
die Sowjets in Berlin im November 1946 endete.
In dieser Zeit waren auch die meisten wichtigen
Deutschen Wissenschaftler im geschlossenen Forschungsinstitut 17 in Fryazino (Фрязино)
bei Moskau zum Arbeiten eingeladen.
Dazu gehörte auch die Erörterung fernsehtechnischer
Themen. Es soll sich um freiwillige Zusammenarbeit auf Vertragsbasis,
teilweise samt Familienzuzug für die Dauer der jeweiligen Projekte gehandelt
haben.
Erstmalig im Herbst 1991 hat der damalige gerade erst von
der Hochschule ins Moskauer Fernsehzentrum kommende Jungingenieur und
nunmehrige langgediente Professor Mark Krivocheev
(М.И.
Кривошееву) sein
Schweigen gebrochen und die Namen der maßgeblich mittätigen Deutschen
offenbart:
Demnach wurde die Deutsche Gruppe von I. Gunter (И.
Гюнтер) geleitet.
Die
Kameraentwicklung oblag W. Gofman (В.
Гофман)
Synchronisation
und Abtastung: G. Ziegel (Г. Зигель)
Filmabtaster und optische Belange: Z. Chau (З.
Чау)
Allgemeine
Zusammenstellung und Konstruktion der Apparate: A. Matske
(А. Матцке)
Kontrolle und
Messungen: F. Legler (Ф. Леглер)
(1/S-fortlaufend)
Es müsste sich dabei eigentlich auch um ehemalige
Kollegen Walter Bruchs gehandelt haben.
Ein weiterer Puzzlestein der europäischen
Fernsehgeschichte ist damit eingefügt.
Die neue
Norm – Das Resultat:
Die Karte zeigt die Situation nach 1965 nachdem die
Umstellung der vorerst isoliert arbeitenden 819 und 405 Zeilen Länder auf
625/50 erfolgt ist und auch viele Länder die Anfang der 1950er Jahre noch gar
kein Fernsehen hatten.
(Anmerkung:
Als das letzte Land der Erde bekam das Königreich Bhutan 1995 sein Fernsehen
im 625/50 Standard)
Bildnachweis:
http://www.stjarnhimlen.se/tv/TVLinesMap.gif
Das 525 Zeilen System benützen die Wirtschaftsmächte:
USA, Kanada, Japan und Südkorea, sowie Südamerika Mexiko und Brasilien nebst
anderen.
Europa, Afrika, Asien mit China und Indien, die Arabische
Welt sowie Russland und die GUS mit Australien rastert mit 625 Zeilen.
Das 625/50 System bedient zwischenzeitlich mehr als die Hälfte
der Menschheit. Es ist der größte Beitrag der früheren UdSSR mit Russland
an die weltweite Fernsehgemeinde.
Fazit:
Es treffen 2 Behauptungen aufeinander:
- Die
Aussage Walter Bruchs – er habe „erst“ 1945 in einem allgemeinen
nicht Detail spezifizierten Auftrag für die Sowjetunion mit seinem
vorgesetzten sowjetischen Oberst der zugleich der Leiter des Moskauer
Fernsehzentrums war, rein zufällig IN DEUTSCHLAND die 625/50 Rasternorm
wie auch den OIRT Sendestandard kreiert.
- Das
sowjetische Normengremium das bereits 1944 ein Weißbuch für die
auszuarbeitende 625/50 Norm ausgab.
Leider konnten die sowjetischen Unterlagen noch nicht eingesehen werden,
wiewohl es einen Hinweis gibt der auf deren mögliche Vorkriegsarbeit
hinweist:
Auszugsweises Zitat aus www.Mozartturm.de vom
21.08.2000
"Die CCIR-Norm,
auch GERBER-Norm genannt, wurde von den RUSSEN entwickelt.
In unserem Turmarchiv haben wir noch die Unterlagen der
Firma TELEVID und des Entwicklers IOVARNA SMRZOVKA.
Das Unternehmen wurde
aus der
frueheren FERNSEH GMBH in OBERTANNWALD von den Russen gebildet. Wir
haben die Arbeitsunterlagen der Fernsehnorm vom 24.10. 1945.
Erstaunlicherweise hatte man damals 3 Qualitaetsklassen
vorgesehen, und zwar mit Bandbreiten von 0 - 4 MHz, von 0 - 5 MHz und 0 - 6
MHz. Realisiert wurde 0 - 5 MHz.
.......
Der Aufbau des TV-Signals mit BILD, Ton, Austastluecke,
Synchronisierung, Vor-und
Nachtrabanten ist nahezu dem heutigen Signal gleich. Die Russen hatten
ganz eindeutig der Schwarzsteuerung hohe Aufmerksamkeit geschenkt, um ein
flaues Bild durch NACHLEUCHTEN des Bildroehrenphosphors zu reduzieren. Es
durfte also der "Kanone" (Elektronenstrahlerzeugung)
keinerlei Steuerung zugefuehrt werden im SCHWARZ........"
Meiner
Bitte um Kopie/Einsichtnahme in diese sensationellen Akten durch den Redakteur
des Mozartturm Archivs Herrn Tropp wurde wiederholt aus administrativen Gründen
nicht entsprochen, was diesem Text, da er in sonst keinem fernsehtechnisch
relevanten Zusammenhang steht nur bedingt eine Referenzwertung zukommen lässt.
Noch offene
Ungereimtheiten - Eine Erklärung:
Dem damaligen sowjetisch stalinistischen Prinzip liegt zugrunde, das
Informationen jeder Art nur hierarchisch von oben nach unten in immer
kleinerem Umfang weitergereicht werden.
Jeder sollte nur soviel wissen als dies unbedingt für die Durchführung
der jeweiligen Arbeit erforderlich war.
Gleichermaßen muss dies bei einer Zusammenarbeit mit ehemaligen
Kriegsgegnern gegolten haben.
Es erklärt sich daraus die Möglichkeit, das Walter Bruch mit seiner
Gruppe tatsächlich isoliert und in Unkenntnis zu parallelen Arbeiten die
Anpassungen der 525er Geräte vornahm, während er in homöopathischen Dosen
vom Sowjetoberst und zugleich Chefingenieur des Moskauer Fernsehzentrums die
grundsätzliche Ausrichtung bestätigt bekam.
Des weiteren spricht Walter Bruch von „Studio Ausrüstungen“, bei denen
tatsächlich die Zeilentaktfrequenz als Maß der Dinge erscheinen.
Eine Orientierung an einer vordefinierten HF Bandbreite wie der
eingeschlagene Philips Weg kann also zuerst tatsächlich unberücksichtigt
geblieben sein.
Wie obiges Rechenbeispiel zeigte, ergibt sich also bei
der Annahme der Zeilenrasterfrequenz als Fixpunkt zwangsläufig das 625/50
Raster. Die ideale auch rechnerische Ableitbarkeit über die Verkopplung mit
der 50Hz Netzfrequenz (siehe unten) tat ihr übriges.
Kann es wirklich der einmalige Zufall gewesen sein, dass
das westliche Europa zum gleichen Resultat in der Normenfindung wie die
Sowjetunion kam?
Oder war der Sowjetische Ansatz so einleuchtend das er
als logische Konsequenz auf der Hand lag?
Eine nochmalige Teilung Europas die nach Frankreich und
Großbritannien nun auch die Sowjetunion mit Ihren ab 1948 ersichtlichen
kommunistischen Blockpartnern betroffen hätte wäre die Folge gewesen.
Neben der bereits bestehenden
405, (441), 625 und 819 Zeilen wäre möglicherweise ein weiteres
Raster hinzugekommen.
Die 400 Zeilen Systeme schieden aus genannten Gründen
aus.
819 Zeilen waren ebenfalls im beengten VHF Band I + III
schwer unterzubringen insbesondere wenn man Deutschland nicht isoliert
betrachtet, sondern die Notwendigkeit einer genauen Frequenzabstimmung in
Zusammenarbeit mit seinen vielen Nachbarn die auch kurz davor waren
Fernsehsendenetze aufbauen zu wollen berücksichtigt.
Für einen späteren Programmaustausch war eben eine
EUROPÄISCHE Einheitsnorm gewünscht, der sich laut geplanter Absicht Länder
wie die Niederlande, Skandinavien etc. angeschlossen hätten und ab 1952 auch
haben.
Für Deutschland gilt erschwerend noch der Faktor das die
Deutsche Ostzone zwangsläufig das System des Sowjet Blocks annehmen werde (müssen).
Einem gewünschten und damals bedeutenden Propaganda und Programmeinfluss aus
dem Westen hinein in die Ostzone, im Sinne einer beabsichtigten
Wiedervereinigung wäre mit 2 unterschiedlichen Zeilenstandards möglicherweise
ein Strich durch die Rechnung gemacht worden.
Und so kam es wie es kommen musste -
Zuerst war der sowjetische 625/50 Fuß in der Europäischen Tür mit
der Eröffnung des Moskauer Sendebetriebes und dann folgte deren Einführung
in ganz Europa. Es ist jedoch noch nicht gelungen aus diesem Vorstoß eine
tatsächlich geplante medien- oder wirtschaftspolitische Motivation zwecks
Einflussnahme auf Europa abzuleiten.
Exkurs:
Der Amerikanische Einfluss auf das europäische Nachkriegsfernsehen -
Einmal mehr darf die USA als Pate vieler wesentlicher
Eckpfeiler der späteren globalen Fernsehtechnik gesehen werden. (England und
Frankreich waren in vielen Fernsehrelevanten Bereichen bis in die 1960er Jahre
autark)
- Es
sind dies einmal das Ikonoskop das noch vor dem Krieg über die Telefunken
– RCA Verbindung nach Europa kam, und zeitgleich durch persönliche
Reisen von Emigranten Vladimir Zworykin in der UdSSR im Rahmen der RCA-
UdSSR Vertrages eingeführt wurde.
- Es
sind dies die Normdefinition des Videosignalaufbaues sowie der
Synchronsignale des 1. NTSC Systems von 1941.
- Es
sind dies der Einsatz des damals neuen FM Systems für die Fernseh-Tonübertragung
- Es
sind dies das Farb – NTSC System von 1953 das auch beim späteren SECAM
und PAL die Grundlage darstellt, während die neuen Systeme selbst nur
(jedoch entscheidende) Feinheiten und Abwandlungen beinhalten.
Dabei kommt in diesem Fall anerkennend das kapitalistisch
gewinnorientiert ausgerichtete Wirtschaftssystem der USA auch in der Forschung
der RCA Labors mit den großzügig ausgestatteten Etats unter der straffen
Leitung von David Sarnoff zur Geltung. Selbstverständlich waren auch viele
weiter Unternehmen wie etwa die Bell Telephone Laboratories konkret für den
525 Zeilen Vorschlag verantwortlich (7/S296).
Auch in Europa bereits bekannt und im 1. NTSC System
implementiert:
·
Das Restseitenbandverfahren (Begrenzung eines Videosignal
Seitenbandes zur Erhöhung der Frequenzökonomie)
Der technische Aufbau der US TV Norm
|
|
|
|
Das
1. NTSC (National Television System Committee) System von 1941:
(War die Ausgangsbasis, ist jedoch NICHT ident
mit dem NTSC Farb System von 1953!)
|
|
Der abgeleitete weitgehend idente 625/50 Standard
in der sowjetisch geprägten OIRT und der
Mitteleuropäischen CCIR-„Gerber“ Norm.
|
Die Breite eines Fernsehkanals soll 6 MHz betragen
|
1
|
Die Breite eines Fernsehkanals soll 8/7 MHz betragen
|
Die Bildträgerfrequenz soll 4,5 MHz unter dem Tonträger liegen
|
2
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Die Bildträgerfrequenz soll 6,5/5,5 MHz unter dem Tonträger liegen
|
Die Zahl der Bildzeilen soll 525 betragen, die Vollbildfrequenzen
bei 30 Bildern/Sekunde und die Halbbildfrequenz bei 60 Bildern/ Sekunde
|
3
|
Die Zahl der Bildzeilen soll 625 betragen, die Vollbildfrequenzen
bei 25 Bildern/Sekunde und die Halbbildfrequenz bei 50 Bildern/ Sekunde
|
Amplitudenmodulation für Bild und Synchronsignale
|
4
|
Amplitudenmodulation für Bild und Synchronsignale
|
Negativ Modulation (Geringere Lichtstärke führt zu höherer Sendeleistung)
|
5
|
Negativ Modulation (Geringere Lichtstärke führt zu höherer Sendeleistung)
|
|
Allgemeiner Zeilenaufbau nach dem US 1.NTSC
Standard
Detaillierter Aufbau der CCIR
"Gerber" sowie OIRT Aufbau
|
|
CCIR - Horizontaler Zeilen-Synchronimpuls mit Zeitangaben
|
Mitsenden der Gleichstromkomponente
(Schwarzpegel auf 75% der Spitzenträgeramplitude)
|
6
|
Mitsenden der Gleichstromkomponente
(Schwarzpegel auf 75% der Spitzenträgeramplitude)
|
FM Tonsignalübertragung mit +-75kHz Hub bei 100µs Vorentzerrung
|
7
|
FM Tonsignalübertragung mit +-50kHz Hub bei 50µs Vorentzerrung
|
Horizontale Polarisierung der HF Aussendungen
|
8
|
Horizontale Polarisierung der HF Aussendungen
|
Definierung der Zeilensprungsynchronsignale (Vor/Nachtrabanten)
|
9
|
Definierung der Zeilensprungsynchronsignale (Vor/Nachtrabanten)
|
|
|
Synchronsignale auf 100% der Trägerleistung
|
10
|
Synchronsignale auf 100% der Trägerleistung
|
Mitdefiniert wurde die zulässige Dauer einer Zeile
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11
|
Mitdefiniert wurde die zulässige Dauer einer Zeile
|
Der Aufbau des Synchronsignals mit vorderer und hinterer Schwarzschulter
|
12
|
Der Aufbau des Synchronsignals mit vorderer und hinterer Schwarzschulter
|
Festlegung des Bildformats (4 zu 3)
|
13
|
Definierung des Bildformats (4 zu 3)
|
Andere wesentliche Unterschiede des Signalaufbaues bei gleicher Zeilenzahl die dennoch auf eine Emanzipierung hingedeutet hätten wären gewesen:
(Teilw. in Sondernormen verwirklicht – siehe Belgien)
Alternativvariante: Positiv Modulation beim Fernsehen:
1. AM Ton
2. Positiv Modulation
3. Synchronsignale auf 3% der Trägerleistung
4. Synchronimpulse in FM Übertragung
5. Anderes Bildformat (z.B.: 4,12 zu 3 wie bei der 819 Zeilen Norm)
Das die oben angeführten Varianten bei den bis heute hauptsächlich verbreiteten Standards NICHT eingesetzt wurden deutet auf die fortgeschrittene Ausreifung des 1. NTSC Vorschlages hin.
Zahlenspiele - Wie definieren sich die Zeilenzahlen?
- Zur
zuverlässigeren Wiedergabe des 2:1 Zeilensprungverfahrens ist eine
ungerade Gesamtzeilenzahl erforderlich
- Die
Wahl der Zeilenzahl liegt begründet in der technischen Erzeugung und der
Abhängigkeit der entsprechenden Ablenkfrequenzen zueinander mit Hilfe von
Teilungsfaktoren (Sychnronimpulsgenerator - Taktgeber)
- Es
sollte möglichst eine Systemkopplung mit der jeweiligen Netzfrequenz
vorhanden sein.
Anmerkung: Was heute ein Computerchip erledigt benötigte seinerzeit ganze
Schaltschränke voller Elektronik
Zeilenzahl/ Netzfrequenz + mögliche Teilungsfaktoren:
343/60 und 343/50 = 7 x 7 x 7
375/50 =
5 x 5 x 5 x 3 Durch Faktor
5 leichtere Verkopplung mit der Netzfrequenz herstellbar
405/50 =
9 x 5 x 3 x 3 Durch Faktor
5 leichtere Verkopplung mit der Netzfrequenz herstellbar
441/50 =
7 x 7 x 3 x 3
441/60 =
7 x 7 x 3 x 3 Durch Faktor 3 leichtere Verkopplung mit der
Netzfrequenz herstellbar
455/50 = 5 x 7 x 13
Durch Faktor 5 leichtere Verkopplung mit der Netzfrequenz herstellbar
525/60 =
7 x 5 x 5 x 3 Durch Faktor
3 leichtere Verkopplung mit der Netzfrequenz herstellbar
567/50 =
9 x 7 x 3 x 3
605 =
5 x 11 x 11 Durch Faktor 5 leichtere Verkopplung mit der
Netzfrequenz herstellbar
625/50 =
5 x 5 x 5 x 5 Durch Faktor
5 leichtere Verkopplung mit der Netzfrequenz herstellbar
819/50 = 3 x 3 x 7 x 13
Quellen/ Literatur:
(1) http://www.625-net.ru/archive/0798/9.htm
(russisch)
(2) W. Bruch: Die
Fernseh-Story / Franck’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1969
(3) W. Bruch: Kleine Geschichte des deutschen Fernsehens
Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung
Berlin, 1967
(4) PAL - Das
Farbfernsehen - Heide Riedel
(5) Fernsehen -
Von der Vision zum Programm Heide
Riedel
(6) Walter Bruch
- Ein Deutscher Fernsehpionier FKTG
1988
(7) Die
Geschichte des Fernsehens Abramson -
Wilhelm Fink Verlag
(8)
EBU Technical Review – Spring 1993 Portrait of M.I. Krivocheev
(9) http://www.625-net.ru/archive/0405/history.htm
(russisch)
(10) http://www.nhk.or.jp/strl/aboutstrl/evolution-of-tv-en/p05/index.html
(11) Funk Technik S257 Heft
10/1951
Ó
7/2006 Wolfgang Scheida /Wien
Offene Fragen:
- Wozu
bedurfte es einer besonderen Vermittlung Gerbers bei der CCIR wenn die
Standards ohnehin klar waren?
- Warum
spielte der Philips 567 Zeilen Vorschlag keine tragende Rolle?
- Warum
sind 525 Zeilen/50Hz nicht als Vorschlag überliefert?
- War
es lediglich das 7 MHz Kanalraster mit 5,5MHz Tonträger anstelle des 8
MHz Rasters?
- Was
wären die Alternativen gewesen?
- Gibt
es einen Nachweis für die sowjetische 625/50 Systemvorstellung auf der
CCIR Tagung in Atlantic City 1946?
- Erfolgte
die Ton- Bildträger Abstandsänderung laut Walter Bruch in der DDR von
6,5 auf 5,5 MHz tatsächlich erst 1964? (4/S61)
- Es
sollen aus Italien Ansprüche auf die Entwicklung der 625/50 Norm erhoben
worden sein.
Wenn Sie weitergehende Hinweise, Fakten oder Korrekturen
haben würde ich mich über Ihr Mail oder auch Posting freuen.
Sehen
Sie hier die Chronologie einer Entwicklung bis zum heutigen HDTV als pdf!
See
the chronicle of the line development as pdf
zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm
gehörend
Erstellt: 1998/ 1999 / 2000 / 2001 / 2002 / 2003 / 2004
& 2005 by ©Wolfgang Scheida
Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 26. November 2009
zu www.scheida.at
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