
Bild: Letzte ergreifende Blicke auf die einzigartige monumentale KW Drehstandantenne aus 1983 von Moosbrunn. Ein nun vergangener Ort wo noch Ströme und Spannungen "greifbar geblieben waren", so wie es einst in der Nachrichtentechnik und Elektrotechnik im Lehrbuch Stand.
Die letzte Welle: Abschied vom ORF Kurzwellenzentrum in Moosbrunn.
Am 31. Dezember 2024 endete eine Ära:
Die legendäre Kurzwellensendeanlage Moosbrunn, seit den späten 1950er Jahren mit der zurückerlangten Eigenständigkeit Österreichs ein Symbol für österreichische Ingenieurskunst und internationaler Rundfunkgeschichte, wurde endgültig abgeschaltet.
Bild: Die Uhren waren leider für Moosbrunn als österreichischer Kurzwellensenderstandort abgelaufen. Ein Blick in den einstigen Kontrollraum.
Nur wenige Wochen später, am 28. Januar 2025, wurde nun auch die ikonische Drehstandantenne gesprengt, als ein finales Kapitel einer Station, die Österreich für über sechs Jahrzehnte lang die Welt mit Informationen, Kultur und Nachrichten verbunden hat.
Wenngleich wie es hieß diese Antenne bereits seit rund drei Jahren nicht mehr aktiv bespielt worden ist.
Bild: Relikt aus den Anfangsjahren von Moosbrunn die man der noch verbliebenen Rundstrahlantenne schon ansah.
Die Richtstrahl-Drehstandantenne von Moosbrunn wurde zum Herzstück der Anlage und war weltweit ein Meisterwerk das hinsichtlich der tatsächlichen Funktionalität auch im Vatikan sowie in Frankreich mit deren dort ähnlichen Konzepten unerreicht blieb. Und bestenfalls auch nur Nachahmer wie es hieß mit sowjetischen Konzepten in Bulgarien zur Zeit des “Ostblockes” sowie ähnliches im Iran sich befunden hat.
Abgeleitet war die Drehstandantenne von ungleich kleineren Dimensionen die nun hier vom Wiener Stahlbau Unternehmen Waagner-Biró AG in den Jahren 1981-1983 Jahre jenseits des “Prügelweges” am ORF Kurzwellenzentrum gelegen errichtet wurde.
Originär stammt dieses Anlagenkonzept aus dem Fachgebiet des Bühnenbaues für Opern.
Gemäß dem Interview mit dem jahrzehntelang tätigen Sendetechniker Herrn Ing. Ernst Spitzbart wurde dafür ein halbes Jahr das Fundament mit tiefem Kern in die großteils sumpfige Landschaft gegossen. So wurde der 85m Kreisdurchmesser alle zwei Meter mit einem 15m langen Piloten in den Boden stabilisiert sowie auch geerdet.
Das Fundament der Antenne, ein massives Betonbauwerk, wird aber leider im Sinne einer Renaturierung ebenso in absehbarer Zeit verschwunden sein.
Anschließend, wie es hieß, wurden anfang der 1980er Jahre für eineinhalb Jahre in "Handarbeit" bei aller Witterung, also ohne Kran wie man es heutzutage machen würde, der eigentliche Aufbau der Antennen Stück für Stück durchgeführt.
220 Tonnen schwer, auf Schienen drehbar über 70m hoch, konnte sie präzise bis zu einer maximalen Drehung bis zu 360° innerhalb von acht Minuten und wieder zurück auf Zielgebiete ausgerichtet werden, um Signale auf den für den Rundfunk bestimmten Kurzwellenbändern mit maximaler Effizienz zu übertragen.
Technisch eine Vorhangantenne mit 4 x 4 Dipolen bei einer 15° Keulenbreite und einem Antennengewinnfaktor von 100.
Zur Spitzenzeit fuhr die Anlage 15-20 Positionen am Tag an, was in Summe bis zu fünf mal eine Kreisfahrt am Tag bedeutete.
Nur die Antriebsmotoren mussten zwischenzeitlich einmal getauscht werden.
Mit leistungsstarken 300 kW Telefunken-Sendern ausgestattet, wurde die Anlage von Beginn an für höchste Reichweiten optimiert.
Bild: Das war noch Stahlbau vom Feinsten, zudem noch "Made in Austria".
Im Nachhinein betrachtet darf man sich eine private Dokumentation eines der einstigen deutschen Telefunken Sendertechnikingenieure auf Youtube ansehen, die bereits 1993-2003 mit der Abwicklung der Telefunken Kurzwellen-Großsendetechnik, ein Fachgebiet noch aus der Gründerzeit von TELEFUNKEN stammend betraut waren.
Dies war dann schon ein Indikator dafür, wohin die Reise nämlich bis an das Ende des AM Rundfunks letztlich gehen würde.
Aus “Telefunken - Ein Rückblick” von YT user "0707tomtom".
120 Stück solcher in den etwa 1970/80er Jahren konstruierten weitgehend baugleichen KW Sender gingen von West-Berlin aus in die Welt.
Bild: Symbolbild für die wie Drahtseile angespannten Nerven als es noch um die Rettung des Antennenensembles ging.
Ein Arbeitsumfeld, für Mitarbeiter für die es nicht nur ein “Job” war, sondern die mehr noch von Leidenschaft getrieben waren.
Noch aber war für rund drei Jahrzehnte für den KW Senderstandort Moosbrunn “Schonzeit”, wenngleich sich bereits weltweit dunkle Wolken im Sinne einer Abkehr von diesem Rundfunk-Übertragungssystem zunehmend abzeichneten.
Bild: Das blieb von der fest stehenden Vorhangantenne die bereits im September 2024 dem Sprengmeister und Schneidbrennern zum Opfer fiel. Interessant auch die massive noch verbliebene Betonbrücke zur Signalzuführung über den nahen Bachlauf.
In den letzten Jahren waren es zwei Sender mit einer Leistung von jeweils 100 kW die bis zum Schluss zuverlässig arbeiteten.
Die drehbare logarithmisch-periodische Antenne und die Quadrant Antenne, die die Anlage ergänzten, ermöglichten in ihrer Blütezeit eine unvergleichliche Flexibilität im internationalen Rundfunkbetrieb.
Bild: Die 360° drehbare logarithmisch-periodische Antenne. Winkelgrad ablesbar am Drehsockel.
Ein Kurzwellensendedienst, wenngleich kleiner und schwächer denn denen großer Nationen wie in etwa der BRD mit der Deutschen Welle mit ungleich größerem Budget, informierte auch in Fremdsprachen die Weltbevölkerung über Befindlichkeiten und Kulturelles aus Österreich.
Hinzu kamen Botschaftsangehörige, Wirtschaftsreisende und eine wie man sagt nicht geringe Gemeinschaft an emigrierten Auslandsösterreichern zu Zeiten als es hier in bestimmten Bundesländern wirtschaftlich noch etwas stockte.
Auslandsmonteure und zunehmend die Gruppe an Fernreisenden die mit der Heimat zumindest als Basisinformation in den Zeiten lange vor dem Internet oder erst viel später leistbaren Telefonverbindungen verbunden bleiben wollten.
Bild: Noch echte gar künstlerische Antennenästhetik kann man in der "Takelage" der Reußenantennenanlage vorfinden ehe auch sie wohl in kürze dem Schneidbrenner und der Flex heimfallen wird. (Nachtrag: Bereits geschehen)
Zudem konnte sich das neutrale Österreich mit seinen ebensolchen objektiven Nachrichten im kalten Ätherkrieg als renommierter Informationsdienst behaupten, wo andere Stationen wie etwa die Voice of America etc. von Sendern der "unfreien Welt" oftmals gestört wurden.
Bis zum Abschalttermin am 31. Dezember 2024 bot die Station noch einige letzte Highlights.
Besonders Radio DARC vom Deutsche Amateur-Radio-Club e.V. verabschiedete sich mit Sondersendungen auf 6070 und 6055 kHz, die die technische und kulturelle Bedeutung des Kurzwellenfunks würdigten.
Die letzte reguläre Ausstrahlung war eine Produktion von SM Radio Dessau, die den Sender als Symbol für die Kontinuität der Kurzwelle im 49-Meterband, das war zudem der Kurzwellenbereich der auch bei den meisten Heimradios wie auch tragbaren Koffergeräten einstellbar war, verabschiedete.
Bild: Der SABA Transall De Luxe E als ein Beispiel eines Radios mit direkter 49m Band Taste.
Bild: Es fand sich auch gleich das Moos und auch die architektonisch imposant gestaltete (Orts-)Brunnenanlage war nicht weit davon entfernt. Die hohe Bodenfeuchte ist zudem der Garant für das gute Erdreich.
"Ohne Moos nichts los", war aber erst als der Geldhahn für diese Art der Übertragung jäh endete.
Bild: Das Moosbrunner Wasserwerk, aus Zeiten stammend die mit etwas Phantasie an James Bond 007 und Blohbergs Unterwasserlabor erinnern.© A. Brocolli. Beiden gemein war in jedem Fall das Abnehmen von Wasserproben.
Dabei war Moosbrunn nicht nur ein technisches Zentrum, sondern auch ein Ort der Begegnung.
Technikinteressierte, Amateurfunker und auch organisierte Gruppen wurden stets freundlich empfangen.
Ein Zeichen für die besondere Leidenschaft der Mitarbeiter zu ihrem Beruf.
Sendeingenieur Ernst Spitzbart und der spätere ORS Stationsmanager bzw. Frequenzplaner Ing. Ernst Vranka OE3EVA und sicher auch weitere deren Teamkollegen waren ebenso diesen Dienst prägende Persönlichkeiten.
Senderbesichtigungen wie wir sie von der Berufschule u.a. noch vom im Betrieb befindlichen Sender Bisamberg organisiert kannten motivierten mich privat einige Jahre später Anfang der 1990er Jahre spontan und unangemeldet beim österreichischen Kurzwellensendezentrum in Moosbrunn so einfach „hereingeschneit“ zu kommen.
Bild: Der Kontrollraum - "Macht braucht Kontrolle" hieß es einst in einer Parteiwerbung. Und Macht kann ein KW Sender mit 30 kV Spannung und hunderten Ampere durchaus haben. Und wenn er auch nur einmal das Umspannwerk in die "Knie gehen läßt".
Ein Freund und ich wurde tatsächlich von einem sehr freundlichen diensthabenden Technikerteam (Es war schon damals u.a. Herr Spitzbart) begrüßt und wie unter Fachleuten auf Augenhöhe herumgeführt.
Einschließlich dem als Faradayschen Käfig ausgestatteten Labor/Messraum wo die starke HF Strahlung abgeschirmt war und ein ungestörtes Arbeiten und Reparieren möglich wurde.
Selbst ein angebotenes Trinkgeld für das Entgegenkommen wurde abgelehnt mit dem Hinweis er sei ja ohnehin im Dienst.
Und da gab es dann später auch die Zeit, als man begann sich um ein leistbares Grundstück im sprichwörtlichen Speckgürtel von Wien umzusehen.
Die Suche führte einem letztlich auch zweimal über einschlägige Inserate ins etwas südlich von Wien gelegene Moosbrunn.
Bild: Reste der bereits 2024 gesprengten Antennenanlage wo sich gleich das Grundwasser sammelt.
Eine Gegend, wo einem tatsächlich schon gleich spatentief das Grundwasser entgegen kommt und Anrainer vom Bau eines Kellers nachvollziehbarer Weise eher "abgeraten" hatten.
Bei allem Technikinteresse für die Sendeanlage, wohnlich stellte ich mir das damals etwas anders vor.
Der Autor war sicher nicht der einzige, der nach seiner aktiven Zeit als SWL (Kurzwellenhörer) bestenfalls nur mehr sporadisch einmal in die Kurzwelle oder in andere zunehmend “tote” oder zumindest "langweilige" AM Bänder hinein hörte.
Bild: Auszug eines Konvoluts aus meiner "Funkmappe" um etwa 1990. Insbesondere ROI Radio Österreich International war da auch noch federführend dabei um die Hörergemeinde angemessen zu bedienen.
Ebenso gab es damals einen gut sortierten Markt an Weltempfängern, auch Kommunikationsempfänger genannt für "fast" alle Preisklassen.
Zuzüglich der Literatur dazu was man damit alles anfangen kann sowie Funkwetterprognosen und noch viel mehr.
Später dann wurde die Kurzwelle bestenfalls nur mehr für eine überschaubare Zeit in Verbindung mit der Reparatur oder dem Abgleich eines der "Nostalgie Schätze" aufgerufen.
So war der Höhepunkt des Senders mit den Ausstrahlungen zur Zeit des Kalten Krieges zumindest für Österreich langsam vorbei.
Hatte sich doch bis dahin für ROI - Radio Österreich International vom April 1987 bis Oktober 1998 Prof. Paul Lendvai als Intendant von ROI als Kenner des Ostblocks eine sehr lange Zeit über einbringen können.
Bild: Nicht von "Dick Smith", sondern um wohlfeile öS 1.200,- Schilling bekam ich den schon intensiv gut 10 Jahre gebrauchten japanischen YAESU FRG-7 Receiver, auch unter "Sommerkamp" vertrieben von einem Hobbykollegen mitsamt auf Nadeldruckerpapier vom Heimcomputer ausgedruckten "Modifikationsanleitungen" überlassen, ehe er später wieder an einen weiteren Hobbyanfänger weitergereicht wurde. Bildquelle: Awarua Communications Museum Inc.
Betrieben an einer "wild gespannten Drahtantenne" gab es durchaus ernsthafte Empfangsleistungen. Einzig die Abstimmung war mit dem Vorkreis und der Bandwahl etc. etwas komplex und in Sachen Bedienkomfort schon aus der Zeit gefallen.
Meine Hobbywünsche in Richtung des damals angesagten Kenwood R-2000 (ca. öS 13.000,- Schilling), oder gar R-5000 sowie dem Flaggschiff, dem NRD 525G (ca. öS 25.000,- konnte ich aufgrund anderer wirtschaftlich anspruchsvolleren Investitionen dann doch nicht realisieren. Schade, denn als dies wieder als nun Gebrauchtgeräte möglich wurde war es mit der interessanten Zeit auf der Kurzwelle leider schon vorbei.
Hinsichtlich der Erneuerung des Kurzwellenstudios gab es da schon etwas über erste ”Verzögerungen” im Dialog mit dem einstigen technischen Direktor des ORF ROI zu hören.
Weiters geänderte Hörgewohnheiten die mitunter einer “Radiosendung on Demand" in einer Mediathek im Internet abgerufen den Vortritt gaben gegenüber einem für einen speziellen Kreis an Zuhörern gedachten Evangeliumsrundfunk von Adventist World Radio.
Ein solcher stellvertretender Hörer war damit eben nicht der Einzige.
Denn auch im umgekehrten Sinne, auch hier traf das Henne-Ei Problem den Sender bzw. seine Hörer.
Ein (weltweit) geringeres, mitunter weil weniger europäische Sprachen transportiert wurden wenig attraktives Programmangebot bringt weniger Hörer oder war es umgekehrt?
Hinzu kamen stetig steigende Empfangsstörungen durch elektronische Netzteile, PV Wechselrichter uvm. zu denen im Vergleich die Störsender des Kalten Krieges ein Lapsus waren.
Ein Indikator für den Zustand der Kurzwelle war wohl die ADXB-OE, Vereinigung “junger” DXer, also interessierter Personen die sich vorzugsweise mit der Wellenjagd nach Radio und Fernsehsignalen auf allen Bändern beschäftigten.
Keine 100 Mitglieder mehr im Jahr 2022 ließ diesen durchaus engagiert und rührig tätigen seit Anfang der 1970er Jahre, der Zeit der Hochblüte an Sendern und auch leistbaren Welt- und Kommunikationsempfängern bestehenden Verein mit seinem Clublokal in Wien 8 sich letztlich selbst auflösen.
Die insbesondere seit Corona, sowie der aufkommenden "Prepper Szene” wieder mehr in den Fokus gelangte Amateurfunk Community dürfte der Meinung des Autors nach mehr auf eine weitgehend lokale Vernetzung für den Fall des Falles auf VHF und UHF Kanälen abzielen denn einem weltumspannenden Gedanken- und Informationsaustausch auf Kurzwelle.
Dafür sprechen die Art der Geräte und HF Leistungen wie auch die im Regelfall eher nicht allzu intensiv betriebene Funkerei im Vergleich zu früheren Dekaden als es noch kein Internet gab.
Zudem hat dies ohnehin nicht primär etwas mit dem Erfordernis für den Betrieb und Unterhalt eines KW Großsenders zu tun.
Das Schicksal der Station wurde letztlich durch wirtschaftliche Zwänge und technische Entwicklungen besiegelt.
Die Digitalisierung des lokal ausgestrahlten Rundfunks und Fernsehens (DAB & DVB-T und deren Weiterentwicklungen) sowie die “Selbstversorgung” der Nutzer mit Internetempfang taten das eine.
DRM als angedachten neuen digitalen AM Übertragungsstandard wurde zwar an einigen Senderstufen noch implementiert was die Station somit für die Zukunft ertüchtigt hätte.
Allein es gab weltweit gesehen, Europa eingeschlossen, kaum mehr einen Markt für geeignete Empfänger um die Weiterentwicklung des AM Rundfunkempfangs nachhaltig abzusichern.
Davon abgesehen, dass es da schon gar keine europäische Elektronikindustrie wie einst GRUNDIG, SABA, TELEFUNKEN und viele andere mehr gab.
Auch hörte man von bei Signalfading gänzlich unterbrochenem Empfang der im Unterschied zur Analogwelt dann eben vollständig "weg war".
Wie es hieß, bemühte sich Ernst Vranka von der ORS um eine entsprechende Auslastung der Sendeanlage.
Auch weitere dem Amateurfunk, dem Kurzwellenradio und ähnlichen Interessengruppen zugehörende bemühten sich um eine Schutzstellung der Anlagen im Sinne eines Denkmalschutzes.
Und damit sind wir dort, wo der Autor dieser Zeilen bereits 2010 bei der Sprengung der Sendeantennen des Mittelwelle Station Wien-Bisamberg beiwohnte.
Dort waren die Abspannseile, die einen erheblichen sechsstelligen Betrag gekostet hätten, aus Sicherheitsgründen zu erneuern, was man im Gedanken einer Wirtschaftlichkeit unterlassen wollte.
Gleiches wohl auch hier.
Bei aller Nostalgie Liebe und Faszination für die Technik. Den Zahn der Zeit an den Außenanlagen sah man ihnen an wenngleich sie nicht gleich zusammengebrochen wären.
Darüber in welchem finanziellem Ausmaß Mindesterhaltungs- und Sicherungsinvestitionen erforderlich gewesen wären liegen aktuell keine Daten auf.
Eine ernsthafte KW Station für einen fiktiven Tag X vorzuhalten ist aber (leider) insbesondere in Zeiten von Budgetkrisen, dem Druck wie auch dem generellen Hinterfragen des öffentlich rechtlichen Rundfunks nur schwer durchzubringen da der klassische österreichische Urlaubsreisende fast weltweit eine Internetverbindung nicht nur für einen Informationsempfang sondern auch u.a. mit Skype und ähnlichen Apps gleich eine vollwertige bidirektionale Kommunikation mit seinen daheimgebliebenen Aufbauen kann.
Und für die, die es im "Segelboot auf hoher See", auf Fotosafari oder sonstwo (noch) nicht können wird kaum ein Wirtschaftstreibender noch ein Politiker Geldmittel für den Sender Unterhalt argumentieren wollen.
Inwieweit sich ein reiner Kurzwellensender für die Notfallversorgung einer österreichischen Inlandsbevölkerung eignet darf bestenfalls spekuliert werden.
Wenn überhaupt, dann wäre dies noch eher die Mittelwelle gewesen für die “so gut wie jedes Radio” noch empfangsbereit wäre.
„Das ist sehr traurig. Es gibt weltweit nur mehr wenige solcher Anlagen. Als Notfunksender wäre sie immer noch nützlich gewesen“, sagte Wolfgang Schnelzer vom ÖVSV.
Er sprach sich wie viele seiner Funk-Kollegen für den Erhalt und die Schutzstellung als Denkmal aus.
Es hatte sich mit 27. Jänner 2025, also erst sehr kurz vor dem endgültigen Fallen des “Antennenvorhangs” noch eine Petition mit dem Titel “Rettung der letzten Kurzwellensendeanlage Moosbrunn / Österreich”, initiiert von Herrn Bernhard Boneberg zum Erhalt des Senders und speziell der Antennenanlage formiert.
Bild: Die ganze Kurzwellenfunkerei in Europa scheint schon seit längerem aus dem Gleis geraten zu sein...
Zu spät in jedem Fall. Man darf annehmen, dass dies formell die zuständigen Stellen womöglich gar nicht mehr erreichte.
Da hatte man wohl schon seit längerem seitens der ORS/ORF bereits Nägel mit Köpfen gemacht da man augenscheinlich die Anlage unbedingt und so rasch wie möglich auch aus allen weiteren Diskussionen herausnehmen wollte.
Auch die Kultur des Erinnerns daran sollte natürlich unter rein sicherheitstechnischen Aspekten erst gar nicht allzu hoch kommen, wie es einst 2010 beim Wiener MW Sender Bisamberg als “halber Volksauflauf” der Fall war und sich gar Anrainer nicht aus dem Haus “vertreiben” lassen wollten und die Sprengung der Masten um einige Zeit verzögerten.
Bild: Das hätte es zu Zeiten als Gerd Bacher am Steuerrad stand wohl nicht gegeben. Der Kapitän ging als letzter von der Brücke
Inwieweit diese "rasche, still und heimliche" Abtragung bei Kenntnislage von einem interessierten Publikum sich mit dem Begriff "ÖFFENTLICH Rechtlich" verträgt mögen entsprechend ausgebildete Kreise beantworten.
„Das Gelände wird nun wieder an den ORF (dem ORS Mutterkonzern) übergeben. Nachnutzungsmöglichkeiten werden geprüft“, heißt es dazu knapp im ORS Pressesprecher Jargon.
Symbolisch: Das abgewrackte Schiff ging in den Wellen des Äthers letztlich unter
Ein Satz der Nostalgiefreunden mehr als nur einen schalen Beigeschmack hinterläßt, da die für eine Sendestation mehr als relevanten Antennen dann ja nicht mehr existieren und das Sendegebäude mit nutzlosen Sendern zwar als Immobilie nur mehr ein wirtschaftliches “Asset” im Portefeu darstellen wird für das man noch eine kommerzielle Verwertung sucht.
Ob die aktuell als landwirtschaftliche Untermieter untergebrachte Hühnerhaltung und die Bienen Imkerei gemeint sein können?
Dafür spricht, das anders als in den 1950/60er Jahren und auch noch dannach in diesen nicht für Bautätigkeit ausgewiesenen Gebieten lediglich die Böden wie auch bereits bestehende Objekte genutzt werden dürfen.
Jedoch keine neuen erreichtet werden können.
Bild: Es summen nur mehr die Bienen und keine Lüftungsventilatoren mehr.
Die resultierende übergeordnete Frage, inwieweit sich die Sendeanstalt stellvertretend für den Öffentlichen Rundfunk generell auch in allen anderen Belangen nur mehr an ihrer reinen Wirtschaftlichkeit, einer Effizienz und einer tatsächlichen Kundenakzeptanz messen lassen möchte wird in der österreichischen Politik aber auch in Nachbarländern aktuell gerade kontrovers diskutiert, was aber in diesem Artikel für uns kein Thema sein soll.
Auch hier ist die Zeit nicht stehen geblieben. Der Gedanke, wonach die Bevölkerung oder zumindest messbare Teile davon in Afrika oder Asien einer “neutralen und freien Stimme Europas" ausgerechnet auf Kurzwelle zuhören ist scheinbar ebenso nicht mehr so groß wie man annehmen möchte.
Lt. Wikipedia zog sich mit Beginn des Jahres 2002 der Bund aus der Finanzierung zurück und der Auslandsdienst wurde zu einer freiwilligen Aufgabe des ORF.
Bild: Infotafel in der Station über eine Zeit als noch ausgebaut und noch nicht abgebaut wurde...
Hinzu kam die spätere Aufspaltung in den ORF Programm- und den ORS Sendebetrieb.
Auch in Ländern, die seinerzeit als die “Dritte Welt” zumindest nach altem Schema eingeordnet waren, hat sich mit Satelliten TV und insbesondere eben mit Smartphones sowie lokalen Medienverbreitungen der Zugang zu Information über die letzten Jahre stark gewandelt.
Inwieweit ein neutrales Österreich gezielt Informationen, und wenn ja welcher Art in Krisen- und echten Kriegsregionen aber auch in Ausgangshäfen starker Emigration in Richtung Europa produzieren und ausstrahlen könnte und dürfte, darüber wird man in den Entscheidungsstellen womöglich geteilter Meinung sein.
Die Technik mit den noch einsatzbereiten 2 x 100 kW sowie 2 x 300 kW Sendern wäre noch da. (Nachtrag: Vergangenheit)
So wird man das Thema seit der diesbezüglichen hohen Zeit Österreichs einschließlich seines Rundfunkes u.a. mit Intendant Gerd Bacher am Steuerrad stehend zur Zeit des kalten Krieges und dem in unmittelbarer Nachbarschaft stehenden Konflikt am Balkan in den 1990er Jahren als scheinbar abgeschlossen wahrnehmen.
Und der letztlich weltweite Niedergang des eben mit zum Teil auch kritischen Empfangs- und Hörqualitäten innehaftenden AM-Rundfunks, verbunden mit für Österreich drastisch gestiegenen Strompreisen machte den Weiterbetrieb untragbar.
Bild: Das nahe Moosbrunner Umspannwerk wo nun ebenso ein oder mehrere Transformatoren "arbeitslos" wurden soferne sie nicht nach einer "Transformation" für die vielfachen Windkraftwerke und Photovoltaikanlagen eine neue Zukunft fanden.
Eine Renaturierung des Standorts, der Abbau der Anlagen und die Sprengung der Drehantenne und anderer dienen nun mitunter auch dem Schutz vor Vandalismus und den befürchteten Folgeschäden die unbesonnene “Urbexer”, "Lost Place" Besucher, Metalldiebe, Vandalen, Graffiti Sprayer und auch Jugendliche als “Klettermaxe” an und in den nun unbewachten frei zugänglichen Anlagenteilen verursachen würden.
Ein nettes Detail für den Techniker war auch die “SAT-Farm”, also die Satellitenantennen die für die einstige Programmzuführung genutzt wurden. Gar eine C-Band Antenne für den 4 GHz Bereich war da noch dabei.
Eine innovative Abluftheizung aus den KW Sendestufen wurde einfach mittels “Installateurtechnik” auf die SAT Antennen geleitet und verhinderte zu Zeiten als es noch echte kalte Winter gab die Vereisung der Anlage und sparte dabei Strom.
Bild: "Farmers Best", C-Band und zwei Ku Band Offset Antennen in Richtung Ost fest ausgerichtet als weiterer Teil des Zuspiel- und Kontrollantennenparks. Eine "Luftnummer" war dann die Antennenenteisungsanlage per Abluft.
Ein kleiner, aber bezeichnender Beweis für die technische Raffinesse der Anlage.
Wobei der C-Band Empfang selbst ebenso schon zum Museumsstandard wie auch die analoge Übertragungs selbst mutiert ist. Gleiches gilt zunehmend für den Digitalen DVB-S Standard mit der TV Standardauflösung die ebenso mit Anfang 2025 beim ORF wie auch Deutschen Stationen seine Parallelausstrahlung beendet hat.
Moosbrunn hat das reguläre Auslandsprogramm des ORF, Radio Österreich International, um 21 Jahre überlebt.
Mit dem Ende der letzten Ausstrahlungen endet auch ein bedeutendes Kapitel österreichischer Rundfunkgeschichte.
Bild: Einblicke in das kleine Museum als Anschauung wie sich Rundfunk- aber auch Sende- und Messtechnik im Laufe von gut 100 Jahren entwickelt hat. Ein Ort wo es eben auch den Platz für solcher Art Lagerung gab.
Doch die Erinnerungen an die weitreichenden Signale und das majestätische Drehen der Antenne im Nebel von Niederösterreich bleiben.
Die Drehantenne von Moosbrunn war mehr als ein technisches Bauwerk. Sie war ein Tor zur Welt.
Nun schweigt sie, aber ihre Wellen schwingen weiter in der Erinnerung und in den Herzen all jener, die den Wert der Kurzwellentechnologie verstanden haben.
Bild: Ein Blick in einen der ansonsten geschlossenen Senderschränke auf eine Röhre von EIMAC. "Wie im alten Röhrenradio" nur alles etwas größer mit handtellergroßen Kondensatoren und armdicken Spulengreifern.
Röhren, deren Ersatz Kosten bis zu 100.000 Euro entstehen ließen da sie eben keine Massenfertigung mehr sind.
Somit darf sich für Ostösterreich Moosbrunn in die Reihe der bereits aufgelassenen und abgebauten Stationen nach dem ORF Mittelwellensender Wien-Bisamberg (2010) aber auch der letztlich postalisch betreuten Empfangs- wie auch Sendestationen der RADIO-AUSTRIA AG am Wiener Laaerberg wie auch in Bad-Deutsch-Altenburg (1985) einreihen.
Ob dann auch neben der landwirtschaftlichen Nutzung eine Tischlerei einziehen wird?
Bleibt bis auf weiteres nur noch der steirische Sender Dobl als Anschauungsobjekt für AM Technik übrig.
Wie auch im unmittelbaren Umfeld des einstigen MW Senders Bisamberg wo aus "jedem Installationsrohr" mit Kupfer/Eisenübergang der Radioklang ertönte und Empfänger übersteueren konnte, bis hin zu dauerhaft leuchtenden Leuchtstoffröhrenlampen, so war man auch mit den 300 - 500 kW Kurzwellen-Sendeleistung in Moosbrunn in der Nachbarschaft nicht immer glücklich was auch zu lokalen Interessensvereinigungen zwecks einer Stilllegung führte.
Radio- und TV Störungen bis gar zur Beeinflussung von landwirtschaftlicher Gerätschaft durch die Strahlung werden durchaus plausibel angeführt.
Herr Ing. Spitzbart wiederum schilderte uns 2019 seinen persönlichen Einsatz an einer SONY Playstation wo die dort ungeschützte USB Schnittstelle eines "Upgrades" in Sachen KW Entstörung unterzogen wurde um ungestörte Spielabende in der Moosbrunner Jugend zu gewährleisten.
Über körperliche und mentale Auswirkungen der starken Strahlung würde man sich womöglich ebenso umfangreich beschäftigen können.
So gesehen waren es nun "geschenkte" weiter vier Jahre da bereits mit Ende 2020 seitens des ORF gegenüber Vertretern der Gemeinde die Abschaltung angekündigt wurde.
Die Kurzwelle als Sprachrohr in Richtung der Ukraine und einer dafür dahinterstehenden zuerst zahlungsfähigen Interessensgruppe sicherten noch weiter den Betrieb ehe auch dort das Geld ausging.
Der Rest siehe oben im Text.
Da träumt der KW-DXer wie auch SWL sein Leben lang von einem bestmöglichen Empfangsstandort und einer maximal möglichen Größe für eine Antenne und dann hätte er diese ja hier wenn auch nur für wenige Tage zumindest fiktiv “frei zur Verfügung” stehen gehabt.
Ein Anpass Balloon, vielleicht noch ein regelbares Dämpfungsglied zum Schutz der Eingangsstufe und ein mobiler Multibandempfänger welcher Art auch immer daran angeschlossen, bereit für all das, was die vorgegebene Drehrichtung und die Bänder zur Winterszeit eben hergeben.
Oder der QRP Betrieb mit geringsten Hochfrequenz-Leistungen, aber einem Antennengewinn von 100 und einer Richtwirkung das es einem das Herz erfreut?
Für ersteres war es zu kurzfristig und zu kalt um hier etwas, man ist keine 20 mehr, zu organisieren. Zudem die gegen statische Aufladung und Blitzschutz geerdeten Antennenanlagen erst freigeschaltet werden müssten.
Für zweiteres fehlte die Ausrüstung, hier gehörte wirklich ein max. 5 W QRP, als Ehrensache als Selbstbau Kit für 20-40-80-160 m und CW Betrieb dran. Eine Lizenz mit Rufzeichen vorausgesetzt.
So blieb es, wie im OE1 Radiobeitrag geschildert, einem ORS befugten HAM Peter Knorr OE1OPW vorbehalten, der eben mit 5 W QRP Sendeleistung noch 200 amerikanische Amateurfunkstationen im CW Morsebetrieb in dieser Art abarbeiten konnte. Wie schon noch aus ADXB-OE Zeiten bekannt ist er wie auch Ernst Vranka ein Virtuose an der Taste.
Nach dem "Fall des eisernen Vorhangs", gleich am 1. Februar 2025 sah man sie dann, die Funkamateure gar mit einem Wohnwagen als Shack angereist und einer Stabantenne ihre QSO's, nun von historischen Boden aus zu führen.
Eine gute Erdung war ihnen gesichert.
Bild: Ein DX Shack der OM's vor Ort wo schon drohend der Abbruchbagger stand. Und sie waren dort keineswegs alleine! Wir möchten es als würdevolle Ehrenwache bezeichnen.
Bei der Gelegenheit darf auf die Arbeit von DOKUFUNK hingewiesen werden die das weltweit größte Archiv an QSL Empfangsbestätigungskarten besitzt und dies seit den Anfängen des Amateurfunks vor über 100 Jahren.
Moosbrunn und die verbliebenen Antennen als Gelände zum Symbolpreis als seitens des ORF für den Österreichischen Amateurfunk, SWLer und Radiotechnikenthusiasten zur Verfügung gestellt wäre vielleicht so ein verbleibender Traum.
Der Artikel erschien als Erstveröffentlichung im Österreichischen Fachmagazin >Radiobote<, Heft 110, Mai-August 2025.
Siehe dazu https://www.radiobote.at/
Mit einem Jahr Abstand nun auch online auf meiner Website in Absprache.
Eigene Erinnerung des Autors und Besuche an der Anlage um 1993, 2019 sowie 2025 sowie Bildarchiv
Petition per https://www.change.org/p/rettung-der-letzten-kurzwellensendeanlage-moosbrunn abgerufen am 30.1.2025
Das Ohr zur Welt - Literatur zum Thema ROI Kurzwellenempfang vom ORF in Zusammenarbeit mit der ADXB-OE aus Februar 1989, 2. Auflage.
ROI Datenblatt Funkprognose
ADXB-OE Webseite https://www.adxb-oe.org/ abgerufen am 30.1.2025
ORF OE1: Die Jet Lag All Stars auf Kurzwellen-Exkursion. Ein letzter Besuch beim Kurzwellensender Moosbrunn, von Jänner 2025 - Den angeführten ORF OE1 Beitrag finden Sie leider nur mehr auf Sicherungsservern. Zum Hineinhören in die Interviews sei auf CARO verwiesen
Suchbegriffe:
ORF ROI Kurzwellenzentrum Moosbrunn, Sendersprengung, Sendeantennensprengung, Telefunken, Kurzwelle, SWL, ADXB-OE, C-Band Antenne, Drehstandantenne,
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Letzte Überarbeitung:
08.09.26
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