Aus der Werkstattausrüstung eines Radio- und Fernsehtechnikers -

Der Regeltrenntransformator

Bild: Mein "Selbstbau" Regeltrenntransformator mit diversen Modifikationen [1]

Einleitung:

Nicht ohne Grund stand und steht in so gut wie jeder professionellen aber auch zunehmend in Hobbyelektronikwerkstätten ein Regeltrenntransformator.

Geben sich manche Techniker noch mit Vorschaltlampen und der Kontrolle von Amperemetern zufrieden, so macht es es Sinn defekte Geräte der Unterhaltungselektronik mit Netzanschluß eher schonend erst einmal hochzufahren.

Und von genau dieser Technik und der dahinter stehenden Zusammenstellung handelt dieser Beitrag.

Da diese zumeist hochwertigen und "ewig" lebenden Werkstattausrüstungen sehr begehrt sind, haben sie in der Regel zwangsläufig ihren Preis in der mehrere Hundert Euro Preisklasse.

Ein "Schnäppchen" kann so vielleicht der machen, der einen Defekten wieder reaktivieren kann, oder so wie ich ein einstiges "Bastelwerkstück" wohl nach Jahrzehnten erst zu seiner funktionierenden Fertigstellung bringt.

Bei wie aktuell (2023) stetig steigenden Kupferpreisen wird es für den Privatanwendungsbereich auch bei einem "Gebrauchten" bleiben.

Die vielen aufgelassenen Reparaturbetriebe der letzten rund 20 Jahre sollten aber ohnehin genug Modelle dieser Geräteklasse verfügbar machen.

Weiters gibt es neben den Tischgeräten auch die direkt als Ringkerntrafos ersichtlichen Regeltrenntransformatoren.

 

Bild: Regeltrenntrafo "Adjust-A-Volt" von Standard Electrical, Ohio, USA in der rustikalen Grundgestaltung. Zumindest mein Geschmack ist es nicht.

In US Amerikanischen YouTube Videos von Sammlerkollegen sehen wir bevorzugt diese Bauvariante.

Auch wenn sie sich funktionell kaum unterscheiden, so bevorzuge ich die bei uns übliche Tischgerätegehäuseausführung.

Begriffsklärung:

Um niemanden an den gewählten Begriffen zu stoßen:

De facto ist es ein Stell-Trenn-Transformator, wenn man Regeln-und Steuern korrekt definieren will.

Wir bleiben aber dennoch hier bei der allgemein landsläufigen Bezeichnung.


Übersicht:

  1. Einleitung

  2. Welcher Regeltrenntrafo ist der Richtige für mich?

  3. Mein erster Trenntrafo

  4. Der Systemaufbau

  5. Marktanalyse an Regeltrenntrafos

  6. Vorläufiges Fazit

  7. Quellen/Literaturnachweise


Welcher Regeltrenntrafo ist der richtige für mich?

Diese Frage kann wie so oft nur individuell bantwortet werden.

Betreff der Leistungsklasse genügen für netzbetriebene Transistor- und Röhrenradios und kleinere s/w TV's mitunter auch günstigere 300 VA Geräte.

Hat man aber vor sich ernsthaft der ersten Generationen der 1960er/1970er Farbfernsehgeräte zu widmen, dann sollten eher 800 VA bis 1.000 VA die geeignete Wahl sein.

Bei im Regelfall identen Gehäuseabmessungen schlägt sich letztlich "nur" das Gewicht wie auch der Kaufpreis unterschiedlich durch und man weiß was man hat.

 


Grundlagen:

Die Normbezeichnung:

 

 

Mein erster Trenntrafo:

Mit der Anschaffung meines ersten Oszilloskops, dem Kenwood Dual Trace Oscilloscope CS-1021 musste natürlich auch zeitgleich ein Trenntrafo zum gefahrfreien Anschließen von netzbetriebenen Geräten auch in der "Heimwerkstatt" her.

Gelangte ich doch noch zu meiner GRUNDIG Zeit zu einem ausgemusterten reinen 220V ca. 300VA Trenntransformator, einem der in den orangenen 24h Dauertestwagen fest integriert war um ein sofortiges wie auch sicheres Hantieren durch Techniker im Störungsfall sicherzustellen.

 

Bild: Für gut 30 Jahre fand ich damit mein auskommen: Der 300VA "Selbstbau" Trenntrafo

Der reine Trafo erhielt von einem befreundeten Feinmechaniker ein einfaches abgekantetes Gehäuse in Hammerschlaglackierung. Als Steckdose diente eine damals NEUE reine zweipolige Einbausteckdose, die ein weiterer Bekannter irrtümlich zwar billig jedoch als Fehlkauf im Ungarn der politischen Wendezeit für seinen Fertighausausbau in Österreich bezogen hatte und sie mir schenkte.

Der Rest an der Verschaltung bedarf keiner weiteren fachlichen Erläuterung.

Das Einschalten aber wird bis heute mit einem satten Netzbrummen begleitet. 

 

So fehlte dem Trafo immer schon eine Regelung, korrekter Steuerung der Ausgangsspannung.

 

Die wirklich hochwertigen GRUNDIG RT 5 etc. Regeltrenntransformatoren wie auch die von Müter oder auch Nordmende hatten und haben immer ihren Preis.

Ein Ebay Kleinanzeigen Inserat bot sich an ein unfertiges, mit dem Restrisikos eines Defektes jedoch günstigen Regeltrenntrafo zu erwerben an dem noch so einiges zu machen war:

 

Zustand:

 

Dem Gehäuse hingen lose die Anschluß bzw. abgehenden Leitungen heraus.

Ein analoges Spannungs- wie auch Strommessgerät war jedoch bereits integriert.

Detailthema - Der Einschaltstromstoß:

Wie ich es von der Ausbildung aber auch danach noch kannte, läßt der Einschaltstromstoß solcher "fetten" Eisentransformatoren sehr gerne gar auch den (16A) Leistungsschutzschalter der Hauselektrik auslösen.

Bild: Schaltung des GRUNDIG RT-4 aus 1973. Noch war man in Sachen Lernkurve ganz am Anfang. Ein normaler Netzkippschalter sollte es richten....

Bild: Schaltung des GRUNDIG Regeltrenntrafos in dem die "Einschaltverzögerung" im Netzschalter mechanisch integriert ist und über den 10 Ohm Widerstand der Trafo vorgesättigt wird.. 

Daher haben so gut wie alle kommerziellen Hersteller elektromechanische und später auch elektronische Einschaltverzögerungen realisiert.

Z.B. ein zweistufiger arbeitender Netzschalter mit parallelgeschaltetem 10 Ohm/25W Vorwiderstand der entsprechend sanft zu betätigen ist um ausreichend "Zeit" für die Vormagnetisierung zu ermöglichen.

Was folglich hilft, das ist der Einbau einer Einschaltverzögerung, während dessen das Ringkern-Trafoeisen, und wenn auch nur wenige Millisekunden bzw. Halbwellendurchgänge der Wechselspannung eine Vormagnetisierung erhält.

Natürlich kann man mit Verzögerungsschaltungen, ob Monoflop, NE555 Timer und anderes solches selbst herstellen.

Ich habe mich für ein fertiges "China Modul" entschieden, das ein Subnetzteil enthält, das Relais und auch die Leistungsvorwiderstände für die Einschaltphase.

Lediglich die Sicherungshalterung für die 35mm Sicherungen wie auch der spätere Montageort war mir nicht passend, was mich das Verlegen der Sicherung auf 20mm Standard sowie eine für Primär und eine für Sekundär durchführen ließ.

 

Bild: Die Hartmann & Braun Klipphalterungen habe ich per Lötkolben um die mechanische Funktion als Gewindestütze für das Modul erweitert.


Kommerzielle Regeltrenntransformatoren für Radio-und Fernsehtechniker - eine grobe (nicht vollständige) Übersicht


Bild Hersteller Type Details Baujahr(e)
BLOCK Stell-Trenn-Transformator BR-350 max. 1,4 A (!)  
GRUNDIG-HB Regel-Trenn-Transformator 0,3 kVA, Typ 718 110/220 V Umschaltbar ca. 1958
GRUNDIG-HB Regel-Trenn-Transformator RT 3    
  GRUNDIG Regel-Trenn-Transformator RT 4 Alte Ausführung mit normalem Netzschalter. Nachfolger in BLAU mit Verzögerungsschalter 1972
  GRUNDIG Regel-Trenn-Transformator RT 4A 300VA, max. 3,5A 1972
  GRUNDIG Ringkern-Regel-Trenn-Transformator RT 5 800VA, 1972
  GRUNDIG Regel-Trenn-Transformator RT 5A    
MÜTER Regel-Trenn-Transformator 1000 Watt, RTT 2
NORDMENDE Regelbarer Trenntransformator RT3390  300 VA   
  NORDMENDE  Regelbarer Trenntransformator RT3390 Typ RT 390 B 300 VA, ohne Amperemeter   
  NORDMENDE  Regel-Trenntransformator RT 397/1 electronics  700 VA   
Nordmende Stell-Trenntransformator RT 397/2  NORDMENDE  Stell-Trenntransformator RT 397/2  1.000 VA   
  KSL Transformatoren RG7 Regeltrenntrafo, 750 VA, Sek. 120 - 250 V, 3,41 A; nur Voltmeter  
KSL RG7A Regeltrenntransformator KSL Transformatoren RG7A Regeltrenntrafo, 750 VA, Sek. 120 - 250 V, 3,41 A; Volt- u. Amperemeter  
KSL Transformatoren Regel-Trenntransformator RU 8    
  KSL Transformatoren Regel-Trenntransformator RU8s 0-240V 800VA max. 3A  
  PHILIPS HA 38004    
  RFT (DDR) Sparstelltrafo LSS 020 ! KEINE Netztrennung !  

Mein Gerät

Gekauft in 6/2020 über Kleinanzeigen. Es gelang den Verkäufer von einem Versenden zu überzeugen.

Der eigentliche Ringkern-Regeltrenntrafo stammt von der Firma Schuntermann + Benninghoven, Hilden Reinland, Type RGE25/3,15.

220V Eingang, 0-250 Volt, Ausgang mit 3,15 A.


Der Systemaufbau:

Mechanik:

Das Metallgehäuse im Hammerschlaglackierung dürfte ein Zukaufteil sein, da es entsprechend professionell und zudem nicht 100% passend ist.

Anzeigeinstrumente:

Die beiden analogen Einbaumeßinstrumente sind von H&B - Hartmann und Braun, Type ELIMA 1,5% Genauigkeit. Folge ich dem Datumsstempel, so dürften diese in 7/1972 hergestellt worden sein.

6,9 kOhm Shunt Widerstände 1% Genauigkeit

 

Hartmann & Braun Einbaumeßinstrument

Bild: Hartmann & Braun Einbaumeßgerät mit Shunt - Parallelwiderständen

Sie werden von je zwei Federklammern an ihrer Position vor dem Herausfallen aretiert.

An diese Klemmen lötete ich je eine M 2,5 mm Innengewindestange um die mechanische Verschraubung der Einschaltverzögerungsplatine daran durchführen zu können.

Netzschalter:

Um immer gleich eine Orientierung über den Betriebszustand zu haben, wählte ich einen beleuchteten Ein-Aus-Kippschalter.

Einschaltverzögerung:

Das von mir zugekaufte Verzögerungsmodul über Amazon bezogen, von Electronics-Salon, CZH-LABS.COM.

Bild: Brauchbares China Fertigmodul auf Basis des NE555 Timer IC's mit NTC Widerständen. Da lohnte der Selbstbau kaum!

Zwar in SMD aufgebaut, so ist der "Klassiker" in Form eines NE555 Timer IC's anzutreffen.

4 NTC Widerstände in Parallelschaltung.

Der eigentliche Regeltrenntransformator:

Es handelt sich um ein kommerzielles Produkt in stabiler mechanischer Ausführung und wie man es auch bei Grundig kennt mit einer Graphitrolle zum Abgriff.

Diese gewährleistet einen weitgehend schonende Kontaktnahme zu den an der Oberfläche befindlichen blanken Kupferdrähten.

Bild: Der eigentliche Regeltrenntrafo mit abgenommenen Graphitradschleifabnehmer

Anschlußsteckdose:

Da der mechanische Freiraum im Gehäuse zu gering verblieb, musste ich eine JUNG Aufbauschukosteckdose (Lieferant Amazon) anbringen.

Der Schutzkontakt wurde zeitgleich vollständig entfernt.

Andere kommerzielle Hersteller wie GRUNDIG beschriften alternativ diese Steckdosen mit "Schutzkontakt nicht angeschlossen".

 


Vorläufiges Fazit:

Für meine Gelegenheitsanwendungen ist diese letztlich relativ preisgünstige Variante eines Regeltrenntransformators ausreichend.

Wenn man es ganz genau haben will, sind zusätzlich zur Analoginstrumentorientierung auch je eine Digitalanzeige für Strom- und Spannung sinnvoll!

 


 

Quellen und Literatur (Auszug)

  1. Eigengerät W. Scheida
  2. GRUNDIG Technische Informationen, 2-1973, Fachartikel von H.Sinning zum RT4 & 5

 

   


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Weiters: 

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Updated: 02.10.23