
Bild: Als Stellvertreter österreichischer "Multimediacenter" aus 1960
Was der Immobilienbranche im Verkauf ihr dreifaches Credo mit "Lage, Lage und nochmals die Lage" darstellt, das muß Sammlerfreunden nostalgischer Rundfunktechnik das Credo eines guten optischen Erhaltungszustandes einer Neuerwerbung sein.
Also ein Gehäuse das von Reinigungstätigkeiten abgesehen kaum eine Bearbeitung benötigt soferne man diese Behandlungen nicht als eigenes der Tischlerei/Schreinerei oder gar Möbelrestaurierung zugehöriges Hobby betreiben möchte soferne man dazu in der Lage ist.
Lassen sich elektronische Bauteile wie Röhren, Widerstände und Kondensatoren von Ausnahmen abgesehen in der Regel "unsichtbar" gegen einen Ersatz austauschen, so ist die bei sichtbaren dem einstigen Zeitgeist und Modegeschmack unterworfenenen Zierteilen mitunter (wirtschaftlich betrachtet) schwer bis kaum möglich.
Zum Thema möchte ich den EUMIG Phono 3D 386M vorstellen, wobei das M in der Modellbezeichnung für Musikschrank steht, ein Radio-Phono Kombinationsgerät das auch heute, etwas modifiziert durchaus in einer Nostalgieecke seinen Platz haben kann.
Vorausgesetzt der optische Zustand hält was die Technik zumindest im Idealfall zu versprechen hat.
Blicken wir hinein in den Zeitgeist seiner Entwickler und betrachten wir "frevelhaft" im Sinne des Originalfetischisten zeitgemäße Adaptierungen.
Es war eine Art zudem wenig verwundernden deja-vue Erlebnisse, hatte ich doch so ein Gerät vor bereits rund 25 Jahren einmal besessen, jedoch mangels Zeit und Muße im Prinzip unbearbeitet wieder weiterveräußert, zudem der Zustand deutlich schlechter denn der aktuelle war.
Zu den Leistungen um dem allgemeinen Produktsortiment des einstigen Traditionsunternehmens EUMIG möchte ich auf meinen diesebezüglichen Beitrag zur FIRMA Eumig zum Einstieg verweisen.
Wo es ebenso Remineszenzen gibt, das ist die bekannte EUMIG Eumigette dessen grundsätzliche Schaltung wir ausgeschmückt um ein paar Extras in diesem EUMIG Phono 3D Modell aus der Saison 1960, damals zum besseren Preis verkaufbar wiederfinden.
Gab es nach dem noch teureren EUMIGO Auftaktmodell zum Thema UKW Rundfunk die bekannte EUMIGETTE, .....
| Bild | Modell | Saison | Info | Preis |
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EUMIGO 380W(U) | 1954 | Erstes Eumig Modell mit UKW | |
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EUMIGETTE W(U) | ~1955-1960 | Damals preisgünstigster MW/UKW Radio | öS 999,- |
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PHONO-Eumigette 384W | Offeriert als das am Markt "preiswerteste" Kombigerät auf Basis der 100.000 fach bewähren Eumigette | öS 1.799,- | |
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Eumig Musikschrank W | Unten mit Fach für Schallplatten | öS 2.850,- | |
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EUMIG 3D 385W | Klangtasten & 3 Lautsprecher | ||
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Eumig Phono 3D | öS 2.490,- | ||
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Eumig 3D MUSIKSCHRANK, Type 386M (Dieser Beitrag) | 1960 | öS 3.550,- | |
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Eumigett 300, Type 387W | |||
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Phono-Eumigett 300, Type 388W |
... und daraus abgeleitet die Phono Eumigette, also einem TISCHGERÄT mit integrierten DUAL Plattenspieler, so findet sich ein Standgerätemodell als durchaus gefälliger Musikschrank W um öS 2.850,- Schilling ebenso wieder.
Der MUSIKSCHRANK 386M ist jedoch auf Basis des bereits im Tischmodell EUMIG 3D 385W bewährten Chassis aufgebaut.
Nochmals als Tischmodell jedoch MIT integriertem DUAL Schallplattenspieler gab es ihn als Phono EUMIG 3D 386W in gleicher Technik wie unser vorgestelltes Gerät um öS 2.490,- Schilling.
Weiter ging es dann mit der Entwicklung des Eumigett 300, den es ebenso als Phono-Eumigett mit dem Dual Plattenspieler gab was wir hier aber nicht weiter beleuchten möchten.
An Bändern im Vergleich zu der Eumigette gab es nebst Mittelwelle und UKW (bis 100 MHz) hier den auch vorhandenen Langwellenempfang, jedoch keine Kurzwelle.
Ein passiv arbeitendes zusätzliches Klangregelwerk (alias Wunschklangregister, neudeutsch Equalizer genannt) und eben den damals populären 3D Klang, also eine Art plastischen Klangeffekt mittels drei Lautsprechern, davon zwei seitlich strahlenden statischen Lautsprechern erzeugt.
Alles natürlich nur auf einer Mono Signal Zuspielbasis.
Als weiteres Extra findet sich die getrennte UKW und AM Bänderabstimmung was ein "Speichern" des jeweils zuletzt im jeweiligen Band abgestimmten Senders und damit im Höreralltag zumeist einen Komfortgewinn bedeutet.
Siehe zum Thema "Festsenderabstimmung" zudem meinen Artikel >Österreichische Spitzenempfänger<.
Hörte man doch vielfach z.B. den Regionalsender noch auf Mittelwelle, und den "neuen Sender" Ö3 oder Ö1 im besten Klang auf UKW ehe nach und nach alle österreichischen ORF Sender im UKW Band auffindbar waren.
Mit öS 3.550,- Schilling war man dabei.
Der siebenfach Röhrensatz und damit die wesentlichen technischen Eckdaten sind ident mit der einfachen Eumigette und, etwas breiter ausgeholt, die der meisten mit dem damalig üblichen Röhrensatz konstruierten Geräte.
ECC85, ECH81, EF89, EABC80 und die Standard NF Röhre EL84 nebst der Abstimmanzeigeröhre, alias dem magischen Band EM84 und der Gleichrichterröhre EZ80.
Was auffällt bei diesem Wechselstromsuperhet ist das Fehlen jeglicher Entstörkondensatoren im Netzteil.
Lediglich der Röhrenheizung bei der EABC sowie ECC hat man eine Drossel bzw. einen Kondensator gespendet.
Als Feature wie man sagt, gab es hier eine damals weit verbreitete Modeerscheinung die für wenig Mehraufwand einen Extrapreis oder zumindest ein Kaufargument am POS - dem "Point of Sale" alias dem Radiohändler des Vertrauens generierte, galt der 3D Klangeffekt.
Bild: Eumig 3D Schaltung, Quelle: RM.org
Dieser ist mit an der EL84 Mono Endstufe per je nach Stellung des Klangregisters zuschaltbaren elektrostatischen Lautsprechern des lokalen Herstellers Ing. Ernst Richter aus Wien-Klosterneuburg in Form der Type "Colibri HT 83" erreicht.
Wobei "HT" für Hochtöner und "83" für den Durchmesser der Membranen steht. Richter bot auch Schwingspulenhochtöner unter der Bezeichnung "Colibri" an die jedoch hier nicht zur Anwendung gelangten.

Bild: Werbeschaltung von Richter aus [Das Elektron, Heft 8/1955]. In Wien gab es ein Musterlager.
Rund 275 pF an Kapazität weist uns die Messtechnik angeschlossen an den HT's aus.
Schaltungstechnisch werden sie direkt über einen 3nF Kondensator NF mäßig von der Endstufenanode noch vor dem Ausgangstrafo liegend gespeist. Gleichspannungsmäßig sind sie über rund 16 kOhm an der Betriebsspannung hängend versorgt.
Stellte man den Preisbrecher in Form des 36cm Fernsehapparats Modell EUMIG TV310 um öS 3.990,- Schilling noch oben drauf, dann hatte man bis auf ein theoretisch noch mögliches Tonbandgerät ein damalig aktuelles Multimediacenter.

Bild: So stellte man es sich am Messestand idealisiert für die Kleinwohnung zum damals "schlanken" Preis für 7.420,- Schilling vor.
Im Wettbewerb wäre dann u.a. der MINERVA Schrank ab der Saison 1957 für öS 10.950,- gestanden der jedoch 5 Lautsprecher und eine 43cm Bildröhre aufzuweisen hatte.
Frei nach dem einstigen Gredo des Deutschen Magazins >Focus<, wollen wir uns auch hier nur mit "Fakten, Fakten, Fakten" zum Thema auseinandersetzen.
Gemeint ist damit der naheliegende Umstand, wonach auch und insbesondere damals EUMIG wie auch Wettbewerber es verstanden ein und dasselbe Radio Grundchassis mit letztlich eigentlich nur geänderten Kleinigkeiten zu neuen eigenständigen Modellen oder gar Nachfolgemodellreihen zu stilisieren.
Der 3D war so einer wie obiges von der Designsprache her sichtbar werden läßt.
Von der Technik her war er nicht viel anders:
Lediglich ein einfach gehaltenes zusätzliches Tastenaggregat mit Umschalt-Schiebern erlaubt vermeintlich neue und wichtige Klangeinstellungen wie man es eben auch von der Konkurrenz her kannte.
Eine bereits etablierte mechanische Umschaltung der Abstimmung erlaubte dies nach AM und UKW getrennt als "Duplex" (Ingelen) zu realisieren.
Bild: "Nur" eine Achse an der die Umschaltverzahnung angebracht wurde.
Der Rest war die umfangreich bekannte "Eumigetten" Technik die hier noch um Zusatzbuchsen erweitert (Phono-in, Tonband-in) sowie den nun an den Europäischen Wellenplan angepassten UKW Bereich bis 104 MHz betraf.
Der 3D Effekt selbst "nur" aus der Anordnung der zusätzlichen Lautsprecher bestand.
Ähnlich der Eumigette, kommen diese Modelle in unterschiedlichstem Erhaltungs- wie auch Funktionszustand, vom Ausschlachtchassis bis zum schön zum Teil aufgearbeiteten Gerät laufend auf den Markt.
Befund meines vorliegenden 3D Modells erworben um ein Handgeld im Frühjahr 2026 und damit gerettet vor der Entsorgung:
Durch wohl unsachgemäße Lagerung sind diverse Kondensatoren von Mäusen angebissen.
Es sind die üblichen Verdächtigen "Kondur" Papierkondensatoren aus Wiener Fertigung die ohnehin obligatorisch zu tauschen sind.
Wie immer ist es eine Frage der Philosophie wieweit man in die Tiefe des Bauteiletauschens und der damit zum Thema stehenden Originalität geht. Hier belasse ich es bei der reinen Funktionalität mit neuer WIMA Standardware.
Bild: Ideales Knabbergebäck für Mäusezähne an den zwischen Ende 1960 bis Anfang 1961 gefertigten KONDUR Kondensatoren.
Die Röhren wurden mit dem ROETEST gemessen und allesamt als gut bis sehr gut befunden.
Die Gleichrichterröhre hatte noch als mutmaßliche Originalbestückung volle Werte. Die EF89 wurde einmal getauscht.
Bild: Weiters hat man "Wickel" mit dem sich auflösenden wohl Marke NIRO 1.500 Ohm Siebwiderstand im Netzteil der zu ersetzen ist.
Bild: Sprichwörtlicher "Kammerton" findet sich im unteren Fach wo die Lautsprecher zwecks Reinigung der Stoffe erst einmal auszubauen sind. Datumstempel des Philips LD3670 Lautsprechers mittig: Woche 33/1961
Umgestellt wird obligatorisch auf die 240V Netzspannungsstellung der aktuellen Situation geschuldet.
Der Versuch einer umfassenden Reinigung, die ein Nacharbeiten mit Schellack an den angegriffenen Lack/Furnierfronten nötig macht.
Vorsichtiger Ausbau der Skala um auch in diesem Bereich sehr sanft (!) zu reinigen und während der Reparaturmanipulation diese nicht zu brechen.
Geliefert aus Deutschland. Für 16, 33, 45 und 78 UPM, wobei erstere für damalige Sprachaufnahmen (z.B. Englischkurse), letzere für die vormals verwendeten Schellackplatten vorgesehen war.
Bild: Es handelte sich um die Chassisseitig bereits in Stereo Ausführung die für Mono Anwendungen einfach kurzgeschlossen wurde.

Bild: Eine Funktion die auf Reibung
basierend ist. Und diese ist wie ersichtlich am Ende der Lebensdauer zumindest
bei zwei der Gummis angelangt.

Fällig ist weiters der ERO 10nF 500V Entstörkondensator.

Bild: "Wenn Sie einmal nichts mehr hören - dann tun Sie besser Entstören..."
| Radiochassis | Menge | Position | Bauteil | Wert | DC Spannung |
| 1 | R31 | 1,5k | 3W | ||
| 1 | C59 | Parallel Ko | 5.000pF | 125V | |
| 1 | C54 | Ko | 0,5µF | 125V | |
| 1 | C52 | Klang | 15.000pf | 125V | |
| 1 | C64 | Klang | 15.000pf | 125V | |
| 1 | C56 | EABC | 20.000pf | 125V | |
| 1 | C53 | LS Pot | 20.000pf | 125V | |
| 1 | LS Pot | 20.000pf | 125V | ||
| 1 | C65 | Zu statischen LS | 3nF | 500V | |
| 1 | C51 | LS Pot | 30.000pF | 125V | |
| 1 | Ratioelko | 5µF /6,4µF | 70V | ||
| 1 | Reserve | 70NF | |||
| 1 | Reserve | 3NF | |||
| 1 | Kathodenelko EL84 | 50µF | 12V | ||
| 2 | Skalenlämpchen | 7V/0,3A | 7V | ||
| Dual 300a Plattenspieler | 1 | Übersetzungsrad Gummi | |||
| 1 | Übersetzungsrad Gummi | ||||
| 1 | Plattenauflagegummiteller | ||||
| 1 | Nadelsystem | ||||
| 1 | Entstörkondensator | 10nF | 500V | ||
| 1 | 50µF Laden und Siebelko | OK |
Kernfragen für mögliche Käufer (der sich selbst in der Technik nicht zu helfen weis):
Sind alle Tasten einwandfrei und nicht gebrochen?
Sind alle vier Beine vorhanden?
Ist die Furnier und die Lackierung noch einwandfrei?
Sind die Beschläge noch optisch einwandfrei?
Läßt sich die Schiebelade einwandfrei öffnen?
Sind die Stoffabdeckungen der Lautsprecher ausreichend sauber?
Sind die Reibräder noch nicht verhärtet oder gerissen?
Frei laufend ohne "eiern"
Funktioniert das Abtastsystem
Funktioniert die Abstimmung ?
Rastet nach der AM/UKW Umschaltung das Zahnrad gut ein oder "rattert" es?
Leuchten die beiden Skalenlämpchen ?
Gibt es einen ausreichend lauten verzerrungsfreien und brauchbaren Empfang zumindest auf UKW?
Wie bei ALLEN Geräten dieser Generation sei auf die nicht mehr zeitgemäßen sicherheitsrelevanten Abschirmungen verwiesen und ist es nur fachlich versierten Empfohlen sich mit der Materie zu beschäftigen.
Wie immer erfolgen alle Marken- und Modellnennungen nur in beschreibender Weise und wird auf die jeweils aktuellen Marken- und Rechteinhaber und deren Ansprüche verwiesen.
Ebenso folgt die Nennung politischer Orientierungen nur dem Verständnis des geschichtlichen Kontextes.
Die Bildnachbearbeitung erfolgte zum Teil mit Google KI Gemini.
Eigenes Gerät mit der Seriennummer XXXXX aus 1961
Suchbegriffe:
Eumig 3D 386M, Statische Lautsprecher, 3D Klang,
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Die Eumig Eumigette 382W - Ein Radio als Beitrag zum österreichischen Wirtschaftswunder |
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Alles zum DDR Fernsehen |
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Der PHILIPS LC2000 Videoprojektor und frühere professionelle Videoprojektionstechnik |
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All meine frühere Unterhaltungselektronik |
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für Freunde der Geschichte des Satelliten TV in Europa |
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TV DX und das Testbild - Für die denen lokale Fernsehprogramme auch über Antenne nie genügt haben |
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Analoge Antennennostalgie in Wien und in der Wachau in Niederösterreich |
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Textzusammenstellung 5-7/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu www.scheida.at gehörendLetzte Überarbeitung: 01.07.26