Die Anfänge des Wiener Feuerwehrfunks 

 

  Bild: Nichts für Weicheier - Auf der harten Holzbank sitzend durch die Wienerstadt rasend sich Dienstgesprächen (in Morsetelegrafie) hingebend.

EINLEITUNG:

Was wir als BOS Funk (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) für all die wichtigen Dienstleistungen in einer Stadt oder Gemeinde wie eben der Feuerwehr sowie den Rettungs- und Polizeidiensten her kennen, und der in den letzten Jahren wie soviel anderes ebenso seine "Digitalisierung" durchlaufen hat, so hatte all dies naheliegenderweise ebenso einmal seinen bescheidenen Anfang.

Im Besonderen kommt es bei der Bekämpfung von Bränden auf jede Minute an. Naheliegend, das die bereits 1685 gegründete Wiener Berufsfeuerwehr sich eher früher als später auch mit dem Thema der drahlosen Nachrichtenübermittlung becshäftigen würde.

Wertvolle Zeit die im schlimmsten Fall in Ermangelung einer entsprechenden Signaleinrichtung ohne einer nutzbringenden Aktion zwischen der ersten Wahrnehmung und dem Auslösen der Alarmierungskette vergeht.

Beginnend mit der Elektrotechnik und Nachrichtentechnik waren in Wien, wie auch um diese Epoche in anderen dicht bevölkerten Städten der industrialisierten Welt schon früh der Einsatz von drahtgebundener Technik, von einfachen elektrischen Glocken bis hin zu Telegrafiesystemen im Einsatz die nach und nach die bisherigen Meldesysteme wie etwa in Form von akustischen Warneinrichtungen oder Lichtzeichen abzulösen begannen.

Verfeinert und wie man in Neudeutsch formulieren würde "Customised" hinsichtlich ihrer Art der Anwendung wurde diese Gerätschaft zum Teil auch für Laien sprich einfache Passanten zufällig am Ort des Geschehens bedienbar, die an entsprechend bekannten wie auch gekennzeichneten Meldestellen einen Alarm an eine zentrale Stelle abgeben konnten.

Automatisiert arbeitende Meldeeinrichtungen die kodiert die Adresse oder Verortung, mitunter auch die Art des Ereignisses mitsenden konnten kamen hinzu.

Das Wiener Feuerwehrmuseum hat einige dieser Einrichtungen schön demonstriert, wie man sich an den Öffnungstagen u.a. bei der "Langen Nacht der Museen" sich selbst überzeugen kann.

Später kam das Telefon für eine Sprachübermittlung die naturgemäß umfangreichere Informationen beinhalten konnte hinzu.

Anders als heute jedoch war man mit einer terrestrischen Verkabelung jedes Stadtteils mit Telegrafie- und oder Telefonietechnik noch lange nicht so weit fortgeschritten. Bzw. waren vorhandene Leitungen teuer und vielfach aus- wenn nicht gar schon für den Gebrauch für andere Anwendungen überlastet.

Und so bot es sich an im zeitlichen Umfeld der aufkommenden zivilen Radiotechnik nach dem ersten Weltkrieg ab 1919 die neue Funktechnik auch im Feuerwehrwesen der Großstadt Wien einzusetzen.


Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Abgrenzung

  3. Die Anforderung

  4. Unterschiede von FUNK zum Rundfunk

  5. Erste Versuche

  6. Technische Evolution I

  7. Die Wellen werden kürzer

  8. Feuerwehrfunk über Wien hinaus

  9.  

  10. Ohne Radio in der Nachkriegszeit

  11. Quellen und Literaturnachweis

 


Abgrenzung:

Dieser Beitrag geht hinsichtlich seines Umfanges nur auf die unmittelbare Funktechnik in der Anwendung der (Wiener-)Feuerwehr ein.

Alle die Brandbekämpfung selbst begleitenden Themen sind lediglich zum Verständnis des Kontextes allgemein angeschnitten worden und stellen keinerlei Vollständigkeit dar.


Die Anforderung:

Es bestand die Notwendigkeit seitens der Zentralleitung, plaziert in der Feuerwache "Am Hof" Wien I., mit den ausgerückten Feuerwehrabteilungen in Verbindung zu bleiben um einerseits detailiertere Angaben zum Brandort udn der Situation nachzureichen, sowie umgekehrt Rückinformationen über die allfällige Notwendigkeit für Verstärkung oder weiterer Ausrüszung zu empfangen.

Die lokalen im Großraum Wien beheimateten bereits in der Gründungsphase dieser Technik sich etablierenden Unternehmen boten hierfür individuelle Einzellösungen an die es galt in der Praxis auf die Brauchbarkeit wie auch Verläßlichkeit hin zu entwickeln.

Namen wie Schrack, ein bereits für die postalische Staatstelefonie wie auch im  Telegrafiebereich etabliertes Unternehmen, nun auch im frühen Rundfunkbereich tätig fallen dazu ein.

Hinzu kamen feuerwehreigene Meldeeinrichtungen samt deren Verbindungsnetze.

Weiters XXXXXXXXXXX

Ein Blick in die Nachkriegszeit ab 1945 läßt uns das Westösterreichische Unternehmen "Berger" ebenso in Erinnerung rufen, wie die Importgeräte des Deutschen Elektronikriesen "Telefunken" bis hin zu "Motorola" aus den USA.

 

Ing. A. Wagner, seines Zeichens Branddirektor der Stadt Wien spezialisierte sich innerhalb der Wiener Berufsfeuerwehr zu diesem Thema und trat u.a. mit dem Artikel "Radio im Dienste der Feuerewehr" am xXXXX in der Zeitschrift Radio Österreich an die interessierte Öffentlichkeit.

Eine Zeit, die eine breite Schicht der Bevölkerung durch den ebenso erst im Oktober 1924 in Österreich aufgekommenen öffentlichen Rundfunk, der RAVAG mit seinem Sender Wien für dieses Thema der unsichtbaren Strahlen und damit gesendeten Nachrichten sensibilisiert und Neugierig gemacht hat.

 

Was unterschied sich vom reinen Rundfunk und seinen Geräten in den Anforderungen der Feuerwehr Wiens?

 

 

Erste Versuche:

Leider diente auch hier der Krieg als Vater der neuen Funktechnik die einerseits bereits vor dem Ersten Weltkrieg im militärischen Umfeld absolute Pioniere und Fachleute dieser neuen Technik heranbilden hat lassen.

Siehe dazu u.a. EMO Descovich.

Andererseits nun nach 1918 ausreichend

 

Naheliegenderweise begann man nun 1919/1920 mit aus militärischen Beständen übriggebliebenen auf Maschinengeneratoren basierenden Löschfunkensendern, also in Morsetelegrafie Versuche zu starten die auch grundsätzlich Erfolgreich verliefen.

Den Durchbruch hin zu einem praktikablen System, wie oben bereits angeführt, machte aber erst die aufkommende Radiotelefonie mit in der Zwischenzeit weiterentwickelter Technik, die nunmehr nebst

Die in mehrdeutigen Sinne "Feuertaufe" der Technik fand zwischen dem 24, Juli und 10. August 1924 mit den auf der Hohen Warte (Sportstätte Wien 19) stattgefundenen "Aida Opernaufführung" als Großereignis sowie der Feuerwehrzentrale (Wien I) statt, was somit eine kostenaufwendige Installation der geforderten Meldeeinrichtungen sparte.

Sie lautete es in []

"Bei der ,Aida"-Opernaufführung auf der Hohen Warte in Wien-Döbling, welche Ende Juli stattfand, wurde seitens der Wiener Feuerwehr ein Radioseuermeldeapparat in Verwendung genommen. ...."

Eine Erfahrung und Entwicklung bei der man sich im Laufe der Folgejahre, noch hielt der "Radioboom" an, sich damit konfrontiert war wonach Gedanken im Raum standen von nun an "alle" Feuermelder mit dieser vermeintlichen im Vergleich zur drahgebundenen Signaltechnik "kostengünstigen" Technik insbesondere in entlegenen Gebieten Wiens auszubauen.

[Zeitschrift d. Österr. Reichs-Verbandes f. Feuerwehr- und Rettungswesens, 1. September 1927, S.12] 

Es war dies ein Ereignis das auch in der Medienlandschaft sein Echo fand und  uns glücklicherweise auch Bildeindrücke beschert:

 

 


 

Technische Evolution:

Die obig angedeuteten Apparate waren stationär aufgebaute Geräte.

Weitere Marktteilnehmer entwickelten in Folge eine mobil nutzbare Gerätschaft basierend auf zwei 10 Watt Senderöhren die im Bereich 750 kHz und 1 MHz lagen was dem auch zivil benutzten Mittelwellenbereich entsprach. 

Das sich daraus verschiedenste Störungen ergaben liegt auf der Hand.

In beiden Richtungen ausgehend:

Einmal störte der Feuerwehrfunk mitunter zivile Rundfunkübertragungen und vize Versa.

Zudem seitens der Feuerwehr das Erfordernis für gleich mehrere Kanäle (bis zu 8) bestand um die dienstnotwendige Kommunikation erfolgreich abzuwickeln wofür diese Technik angesichts der noch mangelhaften Kanaltrennung xxxxx 

den Empfänger bestand aus einer HF Verstärkerstufe, dem obligatorischen Detektor, einem Überlagerer sowie einer NF Verstärkerstufe. Alles natürlich auf Röhrenbasis.

Versorgt wurde die Gerätschaft mit der damals üblichen Umformertechnik, die aus einem 12V Sammler (KFZ Batterie) die rund 1.000V für die benötigte Anodenspannung bei bis zu 0,9 A (!) Antennenstrom erzeugte.


 

Die Wellen werden kürzer:

Was es bei der RAVAG, der Rundfunkgesellschaft ab 1924 schon recht früh gab, das war ein mobiler Reportagewagen der von Ereignissen im Land auf Kurzwelle Übertragungen an das zentrale Rundfunkstudio senden konnte und dessen Signal letztlich an die Mittelwellen-Sender ging.

 

Diesem Beispiel folgten wohl zwei ambitionierte Angestellte der Feuerwehr die mit selbst gebauten Sendern im 30 - 60 m Band (5 - 10 MHz) im vom damaligen Rundfunk störungsfreien Bereich Erfolge in Stabilität und Reichweite erzielten.

(Anmerkung: Die Kurzwelle war damals noch ein Stiefkind die man in Unkenntnis deren Möglichkeiten vorerst den Amateuren überlassen hatte)

Das noch spielerisch amateurhafte bestätigt sich mit radiotelegrafischen  Empfangsbestätigungen aus den Weiten Russlands oder gar Tripolis als gewissermaßen der Kür zur lokal erfolgreich absolvierten "Pflicht".

Die Präferenz für die Kurzwelle ehe in späteren Dekaden die Ultrakurzwelle zur neuen Welle der Wahl wurde ist hiermit gegeben.

Als fachlich definierte Schaltungen kam beim Sender die Hartley Schaltung. Und beim Empfänger die Reinartz Schaltung zum Einsatz.

 

Bilder: Prinzipschaltbilder zu den Schaltungen  

 

Dem vorerst lokalen Feldtest folgte ein breiter ausgebauter Versuchsballon im Sinne der Ausgestaltung der Hauptfeuerwache in Wien 16/17 mit stationären wie auch mobilen Anlagen.

Die bestehenden Hauptfeuerwachen Mariahilf (Wien 6.) Favoriten (10), und Floridsdorf (über der Donau exponiert liegend, Wien 21) sowie Wien Döbling (19) wie auch der Zentrale am Hof.  

Nachstehend ein erster wichtiger Einsatz dieser Technik [ZdÖVFRW, 1. September 1924, Seite 7] der auch den Kollegen in Salzburg eindrucksvoll den Nutzen der Radiotechnik demonstrieren konnte:

Zwecken nutzbar zu machen.

Gegenwärtig ist man in der Feuerwehrzentrale Wien I. Hof damit beschäftigt, einen Radiodienst auf den Hauptlösch- und Fernlöschzügen einzurichten. Es bietet naturgemäß ungemein viel Vorteile, wenn die ausführenden Löschzüge stets mit der Zentrale in Verbindung bleiben können, um noch während der Fahrt später einlaufende Meldungen und genauere Weisungen zu empfangen. Branddirektor Ing. Wagner (Wien), der Konstrukteur der einzig in ihrer Art dastehenden elektro- und automobilen Feuerwehrgeräte, als Organisator und Feuer- wehrosfizier weit über die Grenzen Oesterreichs und Deutsch­ lands bekannt, eröffnet durch seine neuerliche Schöpferarbeit „dem Verständigungswesen für hilfszwecke" ein ungeheures Feld der Betätigung. Der Landesverband Salzburg hat durch die eingeholten Informationen seines Landesfeuer­ wehrinspektors den festen Willen, den Radiodienst für Hilfs- zwecke für das ganze Land Salzburg nutzbar zu machen und die Salzachlinie, die Linie der Lämmer und Taugl, ferner den Raum um Radstadt, Loser—Saalfelden^ Strobl, Strah- walchen und Lambrechtshausen radiotelephonisch auszu­ bauen. Gerade das letzte Hochwasser und viele Brand­ katastrophen haben gezeigt, daß diese Art der Verständigung unbedingt notwendig ist. Um aber schaffen zu können, muß Personenkultus, Kleinlichkeit, Eifersüchtelei, Bureau­ kratismus beiseite geschoben werden.

Die Oeffentlichkeit dürfte es wahrscheinlich interessieren, daß Branddirektor Ing. Wagner vor einigen Tagen mit einem mit einer Sende- und Aufnahmsstation versehenen Automobil zu einer Besprechung nach Kritzendorf fahren mußte und unterwegs in Kahlenbergdorf die Radiomeldung vom Ausbruch eines großen Brandes erhielt und umkehren mußte.

Die Firma E. Schrack in Wien hat die mobilen Sende- und Aufnahme­ stationen in die Löschzüge der Wiener Feuerwehr eingebaut.

Es haben sich daher die erst vor wenigen Tagen eingerichteten mobilen Stationen der Feuerwehr Wien bewährt.

 

Die Technik II - Zur Gerätschaft

 

Hierbei sei auf die bereits 2014 durchgeführten Recherchen und der Vorarbeit unseres Sammlerkollegen Herrn Schumnik verwiesen, der im Österreichischen Radiobote Heft 52/20214 auf einen sehr seltenen erhalten gebliebenen SCHRACK TE alias einem Telegrafie Empfänger mit der Apparatenummer "1" eben aus der originären  Wiener Feuerwehrnutzung eingehen konnte.

An Geräten der Feuerwehrfunkgründerzeit konnten bisher folgende Hersteller wie auch Typen identifiziert werden:

WESTINGHOUSE 3 Röhrenempfänger Type RA/DA o SCHRACK Telephonieempfänger Type TE9 o SCHRACK Einheitsgeräte der Type U4fgfg

 

Ein Blick in die Weiterentwicklung der 1930er Jahre führt uns 1931/32 zum Hersteller ÖTAG, der Österreichische Telefonfabriks-AG aus Wien 15 der mit einer mutmaßlich abgewandelten Type >Berliner Standard 3 xx(Version unbekannt)< des in seinen Geräten verwendeten Chassis XXX auch den Brandwachehabenden wahlweise unterhalten oder mehr alarmiert und informiert haben dürfte wie eine Fotomontage im Wiener Feuerwehrmuseum "Am Hof" Wien 1 belegt.

 

Bild: XXXXXX

ÖTAG wurde nachmals 1933 von Czeija, Nissl & Co. übernommen,

ein Hersteller der ebenso, zumindest nachgewiesen in der Nachkriegszeit in Sachen "Sonderradioversionen" für die Feuerwehr tätig war. Siehe Nachkriegszeit. 

 

Da das Gerät wie sein Umfeld gut beschrieben ist soll hier nur ein Auszug die verwendete Technik beleuchten:

Das Gehäuse hat die kastenförmigen Maße (B/H/T) von 37,4 x 37,4 x 25 cm.

Als Röhren dienten vier Stück SV9 die von einer externen Heizbatterie um die 1,2 V gespeist wurden sowie einer im Gerät integrierten Anodenbatterie.

 

Zum Hersteller, der Firma E. Schrack, Wien:

 

 

 

 

 

 


 

Überschwenglicher Lokalpatriotismus?

Man führt sich an als die "weltweit erste Feuerwehr" die den Versuch gemacht hat das Radiowesen im Dienste der Feuerwehr zu Nutzen und hofft selbige im Sinne eines dann zu folgenden Regelbetriebes baldigst beenden zu können.

Wir werden bei Gelegenheit die Situation in anderen Weltstädten wie London, Berlin, Paris oder New York hinsichtlich deren Feuerwehr Funk-Chronologie Vergleichen.


Anekdote 1 Schulungen:

Was bald in der Erwachsenenbildung wie auch als Schulfunk bekannt wurde, das waren eigene radiosendungen eben als Schulung für die entsprechenden xxxx

Und so folgte man dem Beispiel und bot Radioschulung für XXX und Breslau an um eben effizient eine große Zahl an Feuerwehrleuten zu erreichen....

Der Rundspruch im Feuerwehrdienst [Zeitschrift d. Österr. Reichs-Verbandes f. Feuerwehr- und Rettungswesenfdfdfdfdf] xxxx 1. Februar 1925

 

Anekdote 2 Radiogefahren:

Was ebenso in die Früheit der Radiotechnik, hier jedoch vordergründig ausgelöst an der Empfängerseite der breiten Öffentlichkeit, alleine in Wien waren es zu dieser Zeit bereits über 130.000 offizell angemeldete Haushalte das waren die "Neuen Radiogefahren bzw. Das Gefahrenmoment beim Radio" auf die eine ebenso österreichische Koriphähe die leider ab 1938 zur Emigration gezwungen war letztlich Weltweit in das Bewustsein für Prevention wie auch den Umgang im Fall des Falles.

Die originäre Gefahr war dabei nicht das Radio selbst, sondern der obligatorische oft unzureichende Umgang mit der damit verbundenen Elektrizität.

Die Rede ist von Univ. Prof. Dr. med. Stephan Jellinek der nebst körperlichen Folgeschäden hier insbesondere über Brandursachen durch (falsche) Radiobeschaltungen und Nutzungen referiert.

[Feuerwehr-Signale 15. Juni 1925, S.11]

Sinngemäß galt dies damals und bis in die Gegenwart generell für den Umgang mit dem Elektrischen Strom.


Feuerwehrfunk über Wien hinaus

Weitere Bundesländer wie Salzburg folgten dem Wiener Beispiel und ließen sich auf Basis der nun bekannten Möglichkeiten der Technik wie man heute sagen würde "briefen" um eigene Pläne dieser Art in die Wege zu leiten.

So heißt es in [Feuerwehr-Signale, 1, August 1924] also noch kurz vor dem offiziellen öffentlichen Radiobeginn in Österreich wie folgt:

Radio-Telephondienst und Feuerwehrwesen

Der Landesverband für Feuerwehr- und Rettungswesen in Salzburg richtete an seine Landesregierung folgende Eingabe:


Der enorme Fortschritt im Radio-Telephondienste veranlaßte obigen Verband, seinen Landesfeuerwehrinspektor bei der Berufsfeuerwehr Wien Studien machen zu lassen, und beauftragte ihn, an der Hand, der Fach- und Feuehwehr-Kiteratur einen anM�rendem Vortrag im der .'^mptausschuUitznng am 29. Juni M halten.
Der Verband kam zu dem grundlegenden Entschlüsse, dem Radio-Telephon- und Telegraphenwesen seine vollste Aufmerksamkeit zu schenken und den Einbau einer AufnaWsstation in der Feuermelde Mirale Saltzburg anzustreben. Als Provisorium wurde zu Versuchszwecken eine Ansnahmsstation in der eigenen Kanzlei (Ehiemseehos) installiert.
 
Der Gedankengang des Ausbaues von Ansnahme- und Sendestationen mit einer Reichweite von 200 Kilometer im Lause der nächsten Jahre ist in erster Limie die Ausstellurrg von Stationen an der Salzachlinie bis Krimml, ferner der L�mmer bis Annaberg, des Tales bis Untertauern, das Tal bis B�ckstein, ferner Saalselden und llniken.
Dieses Netz 'imrspan�nt den s�dwestlichen Teil des Landes 'Salzburg und w�rde mit der 'Zeit auch den Raum Mattsee bis Strobl und den Lnngau umfassen.
Der Radio-, Telephon- und Telegraphendienst, den der Landesverband für Feuerwehr- und Rettungswesen anstrebt� würde nur für Hochwasser-, Feuer-, ferner anderwertigen -Hilfsdienst, wie Herbeirufen von Ärzten, -Hebammen, Bekanntgabe von Elementarereignissen und selbst auch als Verbindngsdienst für Polizeizwecke verwendet werden und hiezu die fest-gef^te Organisation der Feuerwehr- und Rettungsabteilungen herangezogen lver- den k�nnen.
Da die gv��tc Entfernung bis Salzburg eine Reichweite von nicht 200 Kilometer ausuiacht, könren nur kleinere Ausnahnrsstatiomn bis zu zwei Röhren und Sendestationen wie für Flnrgzeuge, die im Kriege oer- ivendet wurden, in Betracht.
Der Landesfcilerwehrinspektor wn'rdx. angewiesen, in: Einvernehmen mit dem Herrn -Hofrat Jng. Ml�- baunier der Landesregierung, welcher seine Mta'rbeit in einer Sitzung der technischen Kommission freundlichst M- gesagt hat, dem Radioklub Salzburg, dem Herrn Professor Jng. Sonimerstein der Bnn'^sgewerbeschnle und dem -Herrn, Katechet Oberndorfer in Maxgla>n, ferner der Berufsfeuerwehren Wien, München, Berlin und -Hamburg alle Ne-rierungen evident zu führen;, die einschlägigen Bestimmungeir, Fachzeitschristen zu verfolgen und das gesteckte Endziel, Ausbau des Radiodienstes für Feuerwehr- und Rettnngszwecke, für das Land Salzburg nutzbar zu machen.
Zu diesem Behufe ist in erster Linie notwendig, daß die hohe Landesregierung ge-m'de jetzt, wo im Mtionalrar das Radiogesetz in Bearbeitung steht, ehestens erwirken wolle, da� ftir Feuerwehr-, Rettungs- sowie andere Hilss- .zwecke 1. eine gesetzliche Wellenlänge fixiert wird, die von nienmndenr außer s^uerwehren und Rettungsstationen in den Bundesländern angetastet werden Darf,
2. die staatliche Gebühren- und Abgabensteihcit zu erwirken, da ohnehin dem Landesverhande, seinen Feuerwehren und Rettungsabteilungen große Kosten der Anschaffung und für den Ausbau des Radionetzes bevorstehen werden. Die Auswirkung des täglich sorffchre'itenden Radiowesens ist gar nicht auszndenken.
So wie einst das Flugwesen rapid arffsteigend rasche Erfolge brachte, wird auch das Radiowesen in kurzer Zeit eine Unnwälzung im Bcr- ft�ndignngswcscn nach sich ziehen.
Nachdem im Feuer- und -Hilfsdienst die r-ascheste Berbindnng die beste ist, trxlchtet obiger Verband Dieses msche Berbindnngsnnttel für sich ehestens in Dienst zu stellen.
Nicht das Abhören von Konzerten, Tanzmusik, Börsenberichten, llhrzeiten und Vorträgen soll angestrebt werden, sondern Apparate� die nur fiir 2M Kilometer, also für das Land Salzburg tarrgen, sollen für -Hilfsdienste Verwendung finden. Da unser Bundesstaat anderen Ländern gegenüber ohnehin weit im Radiow^en zur�ch'teht, wird es die hohe Landesregierung nur begr��en, lvenn ein Verband, der über eine große Organisation verfügt, sich in den Dienst der Sache stellt und selbst große Kosten tim des Fortschrittes willen nicht scheut.
 
Der LandesfeuerwehrinspektorT-welcher in der ztveiten H�lft� dieses Monates mit einem modernen automMlen Fonerwehrger�t durch das ganze Land fahren wird, wird bei dieser Gelegenheit Vortrage, die auffl�rcnd wirken sollen, in jenen Orten halten, die für den Ausbau des Radiowesens in Betracht gezogen werden.
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Ohne Funk in der Nachkriegszeit

Nach dem Kriege war einerseits der verbliebene Fuhrpark auf sehr bescheidenem Niveau, hinzu kam, das viele Kabelverbindungen durch die Kampfhandlungen zerstört waren.

Hinzu kam das Verbot seitens der allierten Besatzungsmächte Funkstellen zu betreiben.

Im Besonderen auch die Anwendung von UKW Funk.

Anekdote: 
Nachstehend soll eine aus erster Hand erzählt bekommene Erinnerung von Herrn Werner Balaty, seines Zeichens sein Leben lang mit Amateurfunk verbunden in zusammenhang seiner illegalen UKW Funkversuche i 

Genau das traf dann seinen Sohn, also Werner Balaty selbst der in seinem kleinen Zinshaus in der Bentheimstrasse 11/2 im 21. Wiener Gemeindebezirk das er später geerbt haben dürfte auf dem Dachboden stand. Bei geöffneter Lucke die er mir im Rahmen eines Auftrages zum Antennenbau zeigte stand er mit einer auf das 2 m Band umgebauten Wehrmachts Dorette (Kleinfunksprecher d " Dorette " KlFuSpr.d) und funkte. Dabei wurde er von Nachbarn gesehen und an die "Russen" (Sowjets) - der lokalen Besatzungsmacht in Wien verraten (1945-1955).
Es war schon die Zeit wo man dafür nicht mehr nach Sibirien musste, schilderte Herr Balaty seine anschließende Konversation mit der russischen Übersetzerin.

 

Erst ab 1953 kamen langsam diesbezüglich Lockerungen die den bekannten UKW RUNDfunk also Radiosendungen gestatteten, was zugleich auf die Beherrschung dieser neuen Technik durch die Industrie hindeutet.

& 

Aber erst mit dem 12. Februar 1955, also noch vor dem Staatsvertrag durfte offiziell bei der Feuerwehr Wien ebenso wieder "gefunkt" werden.

Trara mit UKW-Funk

Die Wiener Feuerwehr darf nach zehn Jahren wieder mit Sprechfunk arbeiten Wien, 12. Februar. (WP.)

Vom Auto aus werden in Kürze die Wiener Feuerwehrleute mit ihrer Zentrale Am Hof telephonieren können.
Zahlreiche Feuerwehrautos wurden bereits mit Sprechfunkgeräten ausgerüstet, so daß bei der Befehlsübermittlung oder bei der Anforderung von Verstärkung kostbare Minuten erspart werden können.
Sprechfunk gab es bei der Wiener Feuerwehr schon vor dem Krieg.
1945 wurde den Feuerwehrleuten dann das Funken verboten.

Oftmals mußten sie kilometerweit vom Brandplatz oder von einer Unfallstelle zum nächsten Telephon fahren, bis sie endlich Rettungsautos oder Spezialgeräte herbeirufen konnten.
Die Zentrale kann nun über einen UKW- Sender jeden „Kommandantenwagen“ anrufen. Der Feuerwehrmann im Auto andererseits braucht nur auf einen Knopf zu drücken,um die Verbindung mit der Zentrale herzustellen.
Die ausgerückten Mannschaften können aber auch untereinander in Verbindung treten.
Mit gewöhnlichen UKW-Radioapparaten wird der Feuerwehrfunk, der nur in Alarmfällen eingeschaltet wird, nicht zu hören sein.

Das Morsezeichen „FW“ (Punkt-Punkt-Strich-Punkt & Punkt-Strich-Strich) auf der Welle der Feuerwehr, in Abständen von dreißig Sekunden gesendet, ist das Signal, daß es irgendwo in Wien brennt.
Auch für die Polizei
Die Polizei, die bereits Probefahrten mit Funkstreifenwagen unternimmt, wird in der nächsten Zeit ebenfalls den Sprechfunkverkehr einführen.e

[Die Weltpresse, Sa, 12. Februar 1955]

Die Angabe wonach bereits "zahlreiche Feuerwehrautos" ausgerüstet sind, deutet auf einen bereits zuvor stattfindenden "Probebetrieb" hin.

Es folgten in gleicher Zeitung in einer Märzausgabe die ersten Erfolgsmeldungen hinsichtlich eines raschen Eingreifens durch den neuen UKW Sprechfunkeinsatz.

Dazu passt, wonach bereits in der Saison 1953/54 was mit der UKW Rundfunkeinführung einhergehen würde, 

das Unternehmen Czeija, Nissl & Co. Wien, den Standard Super 350/1 als Sonderausführung für das Abhören des Feuerwehrfunksprechverkehrs auf "besonderen Feuerwehrfrequenzen" gefertigt und angeboten hat [gem. Museumsbote].

Inwieweit hier bereits etwas pragmatisch umgesetzt und als "Probebetrieb" geduldet war bleibt vorerst im Dunkeln. Zudem ja auch Exportlieferungen denkbar wären.

CN war unter seinem technischen Direktor O. Koton hierbei auch wie schon zur Anfangszeit des AM Rundfunks mit einem UKW FM Sender zur Stelle der bereits 1949 abgeschlossen war. [Öst. Radioamateur Heft 7/1953].

 

Bild: Unbestätigt, aber einer Werbung der Saison 1954 entsprechendes CN Modell lt. []

 

Das diese Funktechnik nicht nur der Wiener Feuerwehr sondern auch anderen Städten zur Verfügung stand belegt u.a. [Zeitschrift der oberösterreichischen Feuerwehren, Nr. 2, S.12, 1956].

 

ImIm Sinne einer einheitlichen Vorgangsweise wiederum, sah man sich gemäß den [Mitteilungen des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes, Nr. 3, S.12, 1957] veranlasst, Richtlinien für die Verwendung von Funksprechgeräten herauszugeben, die u.a. auch die Zuteilung von Feuerwehrfrequenzen zu regeln die wiederum an die Genehmigung der Postdirektion gekoppelt waren. 

Das dieser Ausbau eine länger Zeit erfordert wird in [Mitteilungen des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes, Nr. 4, S.10, 1960] ersichtlich, das auf das nunmherige Kommen des Funksprechverkehrs eingeht.p>

So sah die erste Ausbaustufe u.a. vorerst die Errichtung von sieben Funkleitstellen vor.

Diese, werden bei den schon bestehenden Katastrophenzügen der Bezirksverbände, und zwar: Waidhofen an der Thaya, Krems, Mistelbach, Wiener Neustadt, Mödling, Tulln und Ybbs auf gebaut.

Jede dieser Funkleitstellen besteht aus einer

Diese Funkleitstelle steht im Einsatz mit den Geräten des Katastrophenzuges bzw. mit den Fahrzeugen des Einsatzzuges auf der dem Bezirk zugeteilten Frequenz in dauernder Funkverbindung.

So standen mit April 1961 17 Fixstationen und 8 Funkleitstellen bei Feuerwehren in Niederöstererich in Betrieb.

Tabelle zu allen Funkgesprochen 1961 in [Mitteilungen des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes, Nr. 11, S.11, 1961]

 


 

Als einer der zudem österreichischen Hersteller solcher Ausrüstung gilt die Firma Berger, Unternehmung für Radio- und Elektrotechnik,

Wien XIII, Speisingerstr. 10, und Innsbruck, Heiliggeiststr. 10.

Ein Unternehmen das auch in der Bauteilefertigung, allen voran von Emailierten Drahtleistungswiderständen auch die Unterhaltungselektronikbranche beliefert hat und sich auf die Anforderungen des Nischenmarktes des BOS Funks, also UKW Funk im VHF Band I bis III, zudem in robuster kompakter Bauweise so u.a. für den mobilen Fahrzeugbetrieb entwickelt und gebaut hat.

 

 

Bild: Beispiele der frühen BERGER BOS Funkgeräte bei der Wiener Feuerwehr links, sowie xxxxx   

Zur Firma Berger:

Der Firmengründer Hermann Berger wurde 1913 in Innsbruck geboren,

 Beginn des Studiums an der technischen Universität Wien. 1932 Amateurfunkprüfung. 1937 Abschluss des Studiums (Starkstrom- und Fernmeldetechnik). Arbeit bei Dr. Hollmann, 1938 Wechsel zur Fa. Lorenz, Entwicklung von Senderöhren. 1939 bis Kriegsende Abteilungsleiter des Senderöhrenlabors mit 220 Mitarbeitern.

1945 600 km Fußmarsch nach Innsbruck, Gründung der Fa. Berger.

1948 Entwicklung des BE20/2, bis 1952 100 Garnituren erzeugt und an die Franzosen geliefert, daher auch die französische Beschriftung des „Poste Cunzi“. Diese Informationen stammen großteils aus den FMTS-forum

Mein Vater Dr. tech. Dipl. Ing Hermann Berger was wir als Kinder alles miterlebten:

In Innsbruck nach dem Krieg, im Juli 1945, Aufbau einer eigenen Firm in einem zur Hälfte bombenzerstörten Haus Entwicklung des Gerätes 100 Watt Sender "Berger 01/1" für die französische Besatzungsmacht von denen einige dann an die sogenannte B-Gendamerie gingen.

Zur Fabrikation

Übersiedlung in die Räume der auch halb zerbomten Pradler Schule die hergerichtet werden mußten.

40 Stück. Als Anschlußauftrag kamen dann 20 Satz der Geräte BE 01/2. Jeder Satz bestand aus einem Netzteil dem zwei Sendeteile zugeordnet waren, welche man wahlweise auf je eine Tag- und Nachtwelle abstimmen konnte. Von diesem Geräten sind leider nur mehr Fotos vorhanden.

 

 

 

 

 

 

 

  1. Weitere Lesetipps des Autorsa>


Zum Gerät:

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Quellen & Nachweise:

  1. Radio Österreich, Radio im Dienste der Feuerwehr von Ing. A. Wagner, Seite 2325, Heft 52 1926

  2. http://adl508.at/news/82-agentenfunk-auf-tirolisch-berger-be-20-2dfdfdfdfdfd


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© Textzusammenstellung 10/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 10.10.26