Der bekannte MINERVA Minola 593W Radio mit einem Abstimmproblem

Minerva Minola 593W 

Bild: Der elegante MINERVA Minola Tischröhrenradio (C) Youtube ORF ON Ein echter Wiener geht nicht unter. als weit verbreitetes Volumensmodell seiner Zeit.

Diente es doch selbst in den 1970er Jahren und somit weit über 10 Jahre nach seinem Debüt noch als Wohnzimmerrequisit in der beliebten Fernsehserie "Ein echter Wiener geht nicht unter".

Bild: (C) Youtube ORF ON Ein echter Wiener geht nicht unter.

 

EINLEITUNG:

Mit diesem Gerätemodell kommen wir tatsächlich in meine frühen Kindheitserinnerungen als ich zu meiner eigenen Überraschung binnen weniger Tage in den 1980er Jahren gleich an ZWEI dieser wie sich erst im nachhinein herausstellte weitverbreiteten Modelle herankam.

Der eine wird ein lokaler Sperrmüllfund gewesen sein. Der zweite eine Schenkung von (m)einem einstigen "Technikmentor".

Und so dachte ich mit beiden Geräten turmartig übereinandergestapelt tatsächlich nun ebenso wie bei der Wohnzimmer Anlage der Eltern STEREO empfangen und wiedergeben zu können was sich physikalisch naturgemäß als ein Irrtum und Fehlschlag erwies.

Der damalig dazu gespielte Song auf Ö3 von Freddy Mercury mit "Love Kills" hält sich zu dieser Szene dazu bis heute im Ohr.

Die Geräte selbst haben technisch sogar noch funktioniert.

Vielleicht war schlimmstenfalls eine Gleichrichterröhre defekt oder eine Sicherung durchgebrannt was aber schon damals kein ernstes Thema war.

Die Skalenbeleuchtung war in jedem Fall bei einem der beiden durchgebrannt was den anderen zum "Favoriten" am Nachtkästchen, vornehmlich zum abendlichen Kurzwellenhören, angeschlossen an einer provisorischen Langdrahtantenne machte.

Mein moderner Ingelen MRC200 Transistorradiorecorder hatte diesen KW Teil nämlich nicht.

Das Gehäuse hatte schon seine Gebrauchsspuren abbekommen, sowie Lackabplatzer dort wo die EL84 und EZ80 Röhren ihre Hitze abzugeben pflegten.

Der Lautsprecherstoffbezug war bei einem der Geräte zudem extrem unansehlich da fleckig.

Leider defekt geworden:

So verblieb letztlich nur einer in meiner frühen bescheidenen Gerätesammlung, bis ich viele Jahre später feststellte, dass der AM Drehko an bestimmten Stellen der Skala einen Kurzschluß und damit Empfangsunterbrechungen im MW-LW-KW Band verursachte.

Vorsichtige Versuche hier etwas zu reinigen oder "zurechtzubiegen" scheiterten.

Die "Rosskur" in einschlägiger Literatur der Radiofrühzeit geschildert, wonach man eine 100 W Glühlampe in Serie über den Drehko zum gewissermaßen Ausbrennen der Kurzschlüsse führt, brachten letztlich nur ein defektes Gerät ein.

Unser "Mr. Minerva" in der Wiener Sammlergemeinde, der leider bereits verstorbene Herr Fritz Czapek ließ mir zum Anlaß eines Breitenfurter Radioflohmarkts für kleines Geld einen Ersatzdrehko, wohl als Ausschlachtteil zukommen.

Und nun, viele Jahre seit etwa 2013 im Karton vor sich hin schlummernd, gilt es endlich wieder das in zerlegten Zustand lagernde Gerät wieder zum Leben zu erwecken oder im unwahrscheinlichen Fall der Unbehebbarkeit zumindest einen geordneten "Schlussstrich" unter das Kapitel setzen zu können.

Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Modellpflege

  3. Evolution

  4. Zur Technik

  5. Quellen und Literaturnachweis

  6. Weitere Lesetipps des Autors

 

 

Namensgebung:

Alle Kritik hier vorwegnehmend: Für mich bleibt es immer DAS Radio oder der Radio(-apparat).

Die wie es heißt weiblichen Radiomodellnamen wie eben "Mirella", "Minola" etc. daran nichts ändern werden.

Modellpflege:

MINERVA hatte bereits in den 1930er Jahren ein Modell Namens MINOLA im Programm.

Die Kriegs- wie auch Nachkriegsmodellpalette führte erneut verschiedene Modelle mit dieser Namensgattung an, ehe 1958 dann mit DIESEM hier beschriebenen Gerät die "neue Zeit" der Minola begann.

Bild: MINERVA 1958er "Spätlese", wohl erste Serie, gebaut lt. Baukomponenten um 12/1958-1-2/1959

Beliebt als Einbauchassis:

Es war zudem ein Modell, das auch gerne als Einbauchassis in Phonomöbelschränke eingesetzt wurde.

Einem einstigen Statussymbol im Wohnzimmer gleich in zumeist aufwendigerer Tischlerarbeit.

Auszugsweise für die vielfach bekannten Konsolen stehend, hier die SW-Möbel für SW MöbelSoziale Wohnkultur stehenden günstigen Möbel die u.a. mit dem Minerva Minola Chassis bestückt wurden.

Weitere gab es u.a. vom Hersteller SILVA.

Dann wurde er mit einem Plattenspieler oder gar Plattenwechslerchassis ergänzt. Und zumeist mit zwei Lautsprechern in subjektiver STEREO Optik betrieben was an der MONO Konzeption natürlich nichts geändert hatte.


Evolution

Wie es der Zufall so will, kam als Schenkung vor etwa 15 Jahren oder mehr ein optisch sehr gut erhaltener MINOLA 2 in meine Sammlung.

Dies zudem von der Tochter einer ehemaligen von MINERVA beschäftigten Saisonmitarbeiterin, die mir nicht nur das Gerät, das damals höchstwahrscheinlich zu begünstigten Konditionen bezogen werden konnte, mir überreichte, sondern auch noch das Arbeitsbuch der Mutter, das die Jahre der NS Zeit bis zum "Wírtschaftswunder" der Nachkriegszeit gut dokumentiert.

Minerva Minola 2

Bild: Der schon etwas schlichter und "abgespeckt" oder aufgeräumter wirkende "Minola 2", zudem ohne KW Band.


Themenabstecher:

Wie den das in der Zwischenkriegszeit mit (nicht vorhandenen) Arbeitsstellen so war, habe ich HIER, am Beispiel des in die entfernte Familie eingeheirateten Ferdinand KITTEL zuammengefasst.


Zur Technik:

Bild: Rückseitenansicht zu meiner Erinnerung als Kind. Da hatte ich ja auch schon damals andere Röhrenradiochassis autoidaktisch "studiert". Der vollflächige Pertinaxprint der zudem schön beschriftet war mit den beiden Filtergruppen, weiters den zwecks Netzbrummminimierung zusammengedrillten Heizleitungen.

Und den per transparenten Acrylglas Abstimmstab einstellbaren UKW Tunerblock in Gedanken.

Hinzu kamen die als Schiebeschlitten wahrgenommenen Umschaltkontakte für die Bänder und Klangeffekte.

Ein Teil der Wertschöpfung ging auch bei diesem Modell an den damaligen Branchenplatzhirschen PHILIPS mit deren Ticonal Lautsprecher sowie den zumeist von Philips Miniwatt bezogenen Röhrensätzen.

Zum Vergleich:

Damals gab es ihn um öS 1.595,- Schilling.

Der zwar in Sachen Technik weitgehend idente, hinsichtlich der Bedienelemente wie auch dem 3D Klang mit drei Lautsprechern etwas umfassender ausgestattete "Mirando" war erst um öS 2.075,- zu haben.

Die bekannte EUMIG Eumigette mit der guten wenngleich nur notwendigsten Ausstattung (UKW-MW) um öS 999,-.


Das Design:

Hier sind wir noch im Stile der ausgehenden 1950er Jahre mit verspielten Rundungen unterwegs. Die goldfarbenen Metalltrims wie auch das sonstig überlegte Outfit geben eine gute Haptik für den Nutzer wie ich es zudem selbst am Nachtkästchen in Erinnerung hatte.

Die Maße geben sich mit 450 x 260 x 190 mm bei 7,5 kg der im Inneren zu beheimatenden Technik geschuldet.


Der Empfangsbereich:

FM 87,5 bis 100 MHz
LW 154 - 283 kHz
MW 518 - 1.625 kHz
KW 24 - 52 Meter Band

Die NF Leistung beträgt geschätzt 3,5 Watt.

Der große Rundlautsprecher ist jedoch zu 1/3 mit einer Holzblende abgedeckt um ein scheppern der Skala bzw. des Hintergrundblechs zu verhindern was seine Qualitäten so sicher nicht 100% ausspielen läßt, wenngleich der Klang durchaus als gut zu bezeichnen ist.


Die Fehlerbehebung:

Austausch des AM Drehkos und Abgleich des Tuners

 


Instandsetzungsarbeiten:

  1. Da das Gerät grundsätzlich spielt und wenn, dann bestenfalls für wenige Stunden zwecks Vorführungen eingesetzt werden wird unterlasse ich die sonst zumeist empfehlenswerten Elko- und Kondur Kondensatoraustauschmaßnahmen.

  2. AM Drehko

Dieser wurde 1:1 ausgetauscht, selbst eine Überprüfung der Abstimmung erwies sich als treffend. Was bereits gefehlt hatte bzw. verlustig war, das war der Skalenzeiger der aus rotem Draht nachgebildet wurde.

UKW Abstimmung: Was dann nicht passte, das war die UKW Abstimmung, da die Seillänge nicht (mehr) exakt passte. Die Klemmöse wurde folglich um 3-4 mm nach unten hin neu verlötet und die Skala sowie der Bandbeginn wie auch Ende passten auf Anhieb.


    Tastenaggregat:

    Dies schloss hier ein, wonach das sonst externe Tastenumschaltaggregat direkt und zudem SERVICEFREUNDLICH am Print integriert ist. Es war mir ein leichtes 6+1 Klemmfedern zu lösen um die Umschaltkontaktschlitten zwecks Reinigung heauszulösen. Die Art der Beschaltung läßt auch kaum Fehler beim Wiederzusammenbau zu.

    Für Bauteilreparaturen man so einen Print MIT Beschriftung aller Bauteile vorfindet.

    Das Gerät hochkant auf der Schwerpunktseite des Trafos aufgestellt läßt einem den Lötkolben auf einer Seite, und den Bauteiletausch auf der anderen Seite bequem durchführen. 


    Zerbröselnder Schaumstoff: Hier kam wo immer das Thema aufkam so auch bei den Dämpfungsstreifen an der Skala ein dünnes Gummiband zum Einsatz.

 


Gummipuffer am Gehäuseboden

Was einmal weicher Gummi war ist nun verhärtet und mitunter auch deformiert. Es besteht die Gefahr, das dann die Befestigungsschrauben herauskommen und die darunter stehenden Möbel beschädigen könnten.

Ich habe Filzgleiter angebracht. Alternativ können die Gummis natürlich auch ausgetauscht werden.

 


 

Bekannte Modellreihen in diesem Design (mit den Klangregeltasten): 

Bild Marke Modell  Saison Info
  MINERVA
Minola 593W  1958/62 hier vorgestelltes Modell 
Mirando  MINERVA  MIRANDO 594W  1958-60 3D etc.
  MINERVA Minola 2, 593N  1963/64  keine KW, nur zwei Klangtasten
MINERVA Minola 3, 673  1967/68  Keine KW, folgt bereits der moderneren Formensprache,  
  MINERVA  Minola Cordless 603 1959/60  Transistorgerät
  MINERVA  Minola Luxus 674 1965/66  U-K-M-L mit 1+2 x elektronische UKW Festsendertasten

Quellen & Nachweise:

  1. Eigenes Gerät mit Seriennummer #641994

  2. Schaltung von RM.org  

  3. Sammlerkollegen haben sich ebenso bereits umfangreich mit dem Modell befasst: https://www.saintummers.at/repair/minerva-593w.html, abgerufen am 23.12.2025

  4. Website und Service Unterlagen von Ing. Bäumler zu MINERVA Parallelmodellen

  5. Diverse Online Angebote vergleichbarer Modelle


Suchbegriffe: Minerva Minola, Mirando,



Lesetipps aus dem Repertoire des Autors:

 

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© Textzusammenstellung 12/2025; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 04.01.26