Bild:
Der elegante MINERVA Minola Tischröhrenradio
als
weit verbreitetes Volumensmodell seiner Zeit.
Diente es doch selbst in den 1970er Jahren und somit weit über 10 Jahre nach seinem Debüt noch als Wohnzimmerrequisit in der beliebten Fernsehserie "Ein echter Wiener geht nicht unter".
Bild: (C) Youtube ORF ON Ein echter Wiener geht nicht unter.
Mit diesem Gerätemodell kommen wir tatsächlich in meine frühen Kindheitserinnerungen als ich zu meiner eigenen Überraschung binnen weniger Tage in den 1980er Jahren gleich an ZWEI dieser wie sich erst im nachhinein herausstellte weitverbreiteten Modelle herankam.
Der eine wird ein lokaler Sperrmüllfund gewesen sein. Der zweite eine Schenkung von (m)einem einstigen "Technikmentor".
Und so dachte ich mit beiden Geräten turmartig übereinandergestapelt tatsächlich nun ebenso wie bei der Wohnzimmer Anlage der Eltern STEREO empfangen und wiedergeben zu können was sich physikalisch naturgemäß als ein Irrtum und Fehlschlag erwies.
Der damalig dazu gespielte Song auf Ö3 von Freddy Mercury mit "Love Kills" hält sich zu dieser Szene dazu bis heute im Ohr.
Die Geräte selbst haben technisch sogar noch funktioniert.
Vielleicht war schlimmstenfalls eine Gleichrichterröhre defekt oder eine Sicherung durchgebrannt was aber schon damals kein ernstes Thema war.
Die Skalenbeleuchtung war in jedem Fall bei einem der beiden durchgebrannt was den anderen zum "Favoriten" am Nachtkästchen, vornehmlich zum abendlichen Kurzwellenhören, angeschlossen an einer provisorischen Langdrahtantenne machte.
Mein moderner Ingelen MRC200 Transistorradiorecorder hatte diesen KW Teil nämlich nicht.
Das Gehäuse hatte schon seine Gebrauchsspuren abbekommen, sowie Lackabplatzer dort wo die EL84 und EZ80 Röhren ihre Hitze abzugeben pflegten.
Der Lautsprecherstoffbezug war bei einem der Geräte zudem extrem unansehlich da fleckig.
So verblieb letztlich nur einer in meiner frühen bescheidenen Gerätesammlung, bis ich viele Jahre später feststellte, dass der AM Drehko an bestimmten Stellen der Skala einen Kurzschluß und damit Empfangsunterbrechungen im MW-LW-KW Band verursachte.
Vorsichtige Versuche hier etwas zu reinigen oder "zurechtzubiegen" scheiterten.
Die "Rosskur" in einschlägiger Literatur der Radiofrühzeit geschildert, wonach man eine 100 W Glühlampe in Serie über den Drehko zum gewissermaßen Ausbrennen der Kurzschlüsse führt, brachten letztlich nur ein defektes Gerät ein.
Unser "Mr. Minerva" in der Wiener Sammlergemeinde, der leider bereits verstorbene Herr Fritz Czapek ließ mir zum Anlaß eines Breitenfurter Radioflohmarkts für kleines Geld einen Ersatzdrehko, wohl als Ausschlachtteil zukommen.
Und nun, viele Jahre seit etwa 2013 im Karton vor sich hin schlummernd, gilt es endlich wieder das in zerlegten Zustand lagernde Gerät wieder zum Leben zu erwecken oder im unwahrscheinlichen Fall der Unbehebbarkeit zumindest einen geordneten "Schlussstrich" unter das Kapitel setzen zu können.
Alle Kritik hier vorwegnehmend: Für mich bleibt es immer DAS Radio oder der Radio(-apparat).
Die wie es heißt weiblichen Radiomodellnamen wie eben "Mirella", "Minola" etc. daran nichts ändern werden.
MINERVA hatte bereits in den 1930er Jahren ein Modell Namens MINOLA im Programm.
Die Kriegs- wie auch Nachkriegsmodellpalette führte erneut verschiedene Modelle mit dieser Namensgattung an, ehe 1958 dann mit DIESEM hier beschriebenen Gerät die "neue Zeit" der Minola begann.


Bild: MINERVA 1958er "Spätlese", wohl erste Serie, gebaut lt. Baukomponenten um 12/1958-1-2/1959
Es war zudem ein Modell, das auch gerne als Einbauchassis in Phonomöbelschränke eingesetzt wurde.
Einem einstigen Statussymbol im Wohnzimmer gleich in zumeist aufwendigerer Tischlerarbeit.
Auszugsweise für die vielfach bekannten Konsolen stehend,
hier die SW-Möbel für
Soziale
Wohnkultur stehenden günstigen Möbel die u.a. mit dem Minerva Minola
Chassis bestückt wurden.
Weitere gab es u.a. vom Hersteller SILVA.
Dann wurde er mit einem Plattenspieler oder gar Plattenwechslerchassis ergänzt. Und zumeist mit zwei Lautsprechern in subjektiver STEREO Optik betrieben was an der MONO Konzeption natürlich nichts geändert hatte.
Wie es der Zufall so will, kam als Schenkung vor etwa 15 Jahren oder mehr ein optisch sehr gut erhaltener MINOLA 2 in meine Sammlung.
Dies zudem von der Tochter einer ehemaligen von MINERVA beschäftigten
Saisonmitarbeiterin, die mir nicht nur das Gerät, das damals höchstwahrscheinlich zu
begünstigten Konditionen bezogen werden konnte, mir überreichte, sondern
auch noch das Arbeitsbuch der Mutter, das die Jahre der NS Zeit bis zum "Wírtschaftswunder"
der Nachkriegszeit gut dokumentiert.

Bild: Der schon etwas schlichter und "abgespeckt" oder aufgeräumter wirkende "Minola 2", zudem ohne KW Band.
Wie den das in der Zwischenkriegszeit mit (nicht vorhandenen) Arbeitsstellen so war, habe ich HIER, am Beispiel des in die entfernte Familie eingeheirateten Ferdinand KITTEL zuammengefasst.
Sieben Röhren der Novalreihe leisten noch ganz ohne Halbleiterunterstützung ihre Arbeit:
Zustand der Röhren gemessen mit dem ROETEST V.10
Der relativ unspektakuläre Aufbau sieht folglich die Röhrenfunktionen wie folgt vor
| Nr | Röhre | Funktion | Meßwerte am Rep. Gerät | Maßnahme |
| 1 | ECC85 | FM: Mischer & Oszillator; | 79/89 % | Belassen da bereits einmal durch Tungsram Röhre getauscht wurde |
| 2 | ECH81 | UKW ZF, AM Mischer/Oszillator, | 56/49%, | Gebrauchte Ersatzröhre eingesetzt |
| 3 | EF89 | ZF Verstärker | 72%, S: 2,66 mA/V | Belassen |
| 4 | EABC80 | Demodulatoren & NF Treiber, | Fehlte zwischenzeitlich | Philips Ersatzröhre |
| 5 | EL84 | NF Endstufe | Fehlte zwischenzeitlich | No Name Ersatzröhre |
| 6 | EM84 | Abstimmanzeigeröhre (Magisches Band) | 64%. Schwach und eingebrannter Streifen | Vorläufig belassen - letztlich Ersatzröhre erforderlich |
| 7 | EZ80 | Gleichrichter | 92/44% | Belassen |
Printplattenchassis:

Bild: Auszug aus der MINERVA Darstellung seiner Modellentwicklungen, wonach, und hier ist GENAU zu lesen, der 1958er Minola als der erste U-K-L-M Radio in der damals neuen Printplattentechnik anstelle der bis dahin üblichen Handverdrahtung bei MINERVA gefertigt wurde.
Heute in Sachen Sicherheit undenkbar, damals aber gab
es in den Räumen
zumeist nur eine spartanische Ausstattung mit Stromsteckdosen. Und hierfür hatte der Stecker
des Radios eine Steckdosenkupplung für die bereits
vorhandene Lampe oder gar andere Geräte wie dem Fernseher
integriert. Es mag jeder anderes halten. Ich bleibe bei den
Originalsteckern die mit einem Adapter ohnehin zumeist nur zu Vorführzwecken
betrieben werden. Leider ist die Messingbuchse zerbrochen was einen Erhalt
so nicht möglich machte.
Formal ist es ein UKW-MW-LW-KW Radio in der damals üblichen Gebiss-Drucktastenanordung.
UKW bietet bis 100 MHz in den ersten Ausführungen. Später dann soll es Ausführungen bis 104 MHz gegeben haben die mir aber noch nicht untergekommen sind.
Die LW-MW Ferritantenne ist als Komfort von hinten manuell in einem engen Bereich drehbar und somit bestmöglich auf den Sender einstellbar montiert. Bei Luxusgeräten sowie u.a. dem PHILIPS Präludio war die Ferritantenne per Bowdenzug gar von der Front bedienbar.
Er besitzt ein "magisches Band" als Empfangsabstimmhilfe. Anders als Modelle des Wettbewerbes schließt der Fächer sehr präzise.
Als optisch erkennbare Besonderheit besitzt er vier in dunklem Farbton gehaltene Klangregeltasten links und rechts der Bandumschaltung ausgeführt.
Rückseitig besitzt er jeweils Bananensteckerbuchsen als Anschlüsse für den Plattenspieler sowie einem Tonbandgerät (Was es von MINERVA selbst nie gab).
Einem externen Lautsprecher
UKW Dipol und/oder einer AM Antenne runden die Anschlüsse ab.
Der Netzanschluß für Wechselstrom bei rund 55 W Leistungsaufnahme ist auf 220V, wechselbar auf 240V und mit letzterem dann ideal für unsere aktuelle Zeit festgemacht.
Zwei Skalenlämpchen 7V/0,3A illuminieren die Skala.
Es in diesem MINERVA noch viel Eisen, in Form des Netz-, wie auch Ausgangstransformators gibt.
Den vertikal nach innen liegenden Röhren.
Den beiden Minerva typischen hellbraunen Lamellensicherungen.
Bild: Rückseitenansicht zu meiner Erinnerung als Kind. Da hatte ich ja auch schon damals andere Röhrenradiochassis autoidaktisch "studiert". Der vollflächige Pertinaxprint der zudem schön beschriftet war mit den beiden Filtergruppen, weiters den zwecks Netzbrummminimierung zusammengedrillten Heizleitungen.
Und den per transparenten Acrylglas Abstimmstab einstellbaren UKW Tunerblock in Gedanken.
Hinzu kamen die als Schiebeschlitten wahrgenommenen Umschaltkontakte für die Bänder und Klangeffekte.
Ein Teil der Wertschöpfung ging auch bei diesem Modell an den damaligen Branchenplatzhirschen PHILIPS mit deren Ticonal Lautsprecher sowie den zumeist von Philips Miniwatt bezogenen Röhrensätzen.
Zum Vergleich:
Damals gab es ihn um öS 1.595,- Schilling.
Der zwar in Sachen Technik weitgehend idente, hinsichtlich der Bedienelemente wie auch dem 3D Klang mit drei Lautsprechern etwas umfassender ausgestattete "Mirando" war erst um öS 2.075,- zu haben.
Die bekannte EUMIG Eumigette mit der guten wenngleich nur notwendigsten Ausstattung (UKW-MW) um öS 999,-.
Hier sind wir noch im Stile der ausgehenden 1950er Jahre mit verspielten Rundungen unterwegs. Die goldfarbenen Metalltrims wie auch das sonstig überlegte Outfit geben eine gute Haptik für den Nutzer wie ich es zudem selbst am Nachtkästchen in Erinnerung hatte.
Die Maße geben sich mit 450 x 260 x 190 mm bei 7,5 kg der im Inneren zu beheimatenden Technik geschuldet.
| FM | 87,5 bis 100 MHz |
| LW | 154 - 283 kHz |
| MW | 518 - 1.625 kHz |
| KW | 24 - 52 Meter Band |
Die NF Leistung beträgt geschätzt 3,5 Watt.
Der große Rundlautsprecher ist jedoch zu 1/3 mit einer Holzblende abgedeckt um ein scheppern der Skala bzw. des Hintergrundblechs zu verhindern was seine Qualitäten so sicher nicht 100% ausspielen läßt, wenngleich der Klang durchaus als gut zu bezeichnen ist.
Austausch des AM Drehkos und Abgleich des Tuners
Dieser wurde 1:1 ausgetauscht, selbst eine Überprüfung
der Abstimmung
erwies
sich als treffend. Was bereits gefehlt hatte bzw. verlustig war, das war der
Skalenzeiger der aus rotem Draht nachgebildet wurde.
UKW Abstimmung: Was dann nicht passte, das war die UKW Abstimmung, da die Seillänge nicht (mehr) exakt passte. Die Klemmöse wurde folglich um 3-4 mm nach unten hin neu verlötet und die Skala sowie der Bandbeginn wie auch Ende passten auf Anhieb.
Dies schloss hier ein, wonach das sonst externe
Tastenumschaltaggregat
direkt und zudem SERVICEFREUNDLICH am Print
integriert ist. Es war
mir ein leichtes 6+1 Klemmfedern zu lösen um die
Umschaltkontaktschlitten zwecks Reinigung heauszulösen. Die Art der
Beschaltung läßt auch kaum Fehler beim Wiederzusammenbau zu.
Für Bauteilreparaturen man so einen Print MIT Beschriftung aller Bauteile vorfindet.
Das Gerät hochkant auf der Schwerpunktseite des Trafos aufgestellt läßt einem den Lötkolben auf einer Seite, und den Bauteiletausch auf der anderen Seite bequem durchführen.
Zerbröselnder Schaumstoff: Hier kam wo immer das Thema aufkam so auch bei den Dämpfungsstreifen an der Skala ein dünnes
Gummiband zum Einsatz.
Was
einmal weicher Gummi war ist nun verhärtet und mitunter auch deformiert. Es
besteht die Gefahr, das dann die Befestigungsschrauben herauskommen und die
darunter stehenden Möbel beschädigen könnten.
Ich habe Filzgleiter angebracht. Alternativ können die Gummis natürlich auch ausgetauscht werden.
| Bild | Marke | Modell | Saison | Info |
|
MINERVA |
Minola 593W | 1958/62 | hier vorgestelltes Modell |
|
MINERVA | MIRANDO 594W | 1958-60 | 3D etc. |
|
MINERVA | Minola 2, 593N | 1963/64 | keine KW, nur zwei Klangtasten |
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MINERVA | Minola 3, 673 | 1967/68 | Keine KW, folgt bereits der moderneren Formensprache, |
| MINERVA | Minola Cordless 603 | 1959/60 | Transistorgerät | |
|
MINERVA | Minola Luxus 674 | 1965/66 | U-K-M-L mit 1+2 x elektronische UKW Festsendertasten |
Eigenes Gerät mit Seriennummer #641994
Schaltung von RM.org
Sammlerkollegen haben sich ebenso bereits umfangreich mit dem Modell befasst: https://www.saintummers.at/repair/minerva-593w.html, abgerufen am 23.12.2025
Website und Service Unterlagen von Ing. Bäumler zu MINERVA Parallelmodellen
Diverse Online Angebote vergleichbarer Modelle
Suchbegriffe:
Minerva Minola, Mirando,
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Der PHILIPS LC2000 Videoprojektor und frühere professionelle Videoprojektionstechnik |
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TV DX und das Testbild - Für die denen lokale Fernsehprogramme auch über Antenne nie genügt haben |
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Analoge Antennennostalgie in Wien und in der Wachau in Niederösterreich |
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Textzusammenstellung 12/2025; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu www.scheida.at gehörendLetzte Überarbeitung: 04.01.26