Tag Archives: MTV Europe

Die MTV Musikvideokanal Abschaltung 2026 – Nur das Ende einer Epoche oder doch viel mehr?

Erst um 1986 ging es in Europa für das individuell empfangbare Musikfernsehen los. Zuerst mit dem britischen MusicBox Kanal ehe MTV mit seiner Verbreitung und nach und nach auch eine Einspeisung in Kabel TV Netze die Vormachtsstellung in diesem Metier übernahm. © Fachmagazin Verlag FUNK

Am 1. Jänner 2026 löschte ich MTV von meiner SAT-TV Programmtabelle, da MTV seine Musikvideoübertragungen mit 31. Dezember 2025 eingestellt hat und ich für deren verbliebenes Rumpfprogramm keinen Bedarf habe.

Meine Erinnerungen an Musikfernsehen und Videos im linearen Fernsehen sowie ein Rückblick auf mein erstes MUSIK-SAT Fernsehen.

Mag sein, das mir einst je zu Ohren kam, das es in den USA einen im August 1981 gestarteten Fernsehsender geben soll der den ganzen Tag, womöglich gar 24h durchgehend Musikvideos ausstrahlt. Wie man später erfuhr, wurde der neue Kabelkanal mit den Beagles und deren Videosong „Video killed the Radiostar“ eingeführt der zugleich den Wandel eben vom reinen akustisch wirkenden Radio hin zum nunmehrigen audiovisuellen Erlebnis in Sachen der Musikpräsentation einleiten sollte.

Mit „We watch the shows, we watch the stars
On videos for hours and hours
We hardly need to use our ears
How music changes through the years“…

widmeten Queen dem Thema eine Strophe in Radio Ga Ga dessen Video ab 1984 mit Animationen aus Fritz Langs 1920er Filmklassiker „Metropolis“für sich selbst schon einen Meilenstein dieses Genre darstellte.

50 Millionen US$ sollen für MTV das Budget gewesen sein bei einem Repertoire von anfangs gerade einmal um die 170 Videos. Was nicht heißen kann, das es damals nicht schon mehr Videos gab, aber zumindest (noch) keine Senderechte dafür.

Videos damals vielfach gedreht auf dem günstigen U-MATIC Format, in der US NTSC 480 (525) Zeilen Auflösung was man bei allen heute möglichen technischen Verbesserungen in Form einer eher lausigen Low Band wie auch Hi-Band Bildqualität sehen kann.

Neu war eben auch, das mit den Videos etwas ausgedrückt werden sollte. Nicht mehr nur der Interpret oder die Band, die auf einer Bühne stehend, bestenfalls mit ein paar choreografischen Einlagen oder Interaktionen mit dem Publikum wie etwa von Elvis Presleys „Aloa aus Hawai“ bekannt sondern es galt eine Geschichte als Mini- oder Kurzfilm wirkungsvoll bei Anwendung aller neuesten Videotricks zu erzählen.

Begleitender Teil eines gesellschaftlichen Wandels?

Was wir aus dieser Zeit ebenso nicht sehen konnten, das waren deren internen Auseinandersetzungen nun endlich auch farbige Interpreten und deren Videos auszustrahlen was die Vorherrschaft des „weißen Mannes“ in dieser Branche begann zumindest etwas einzuschränken.

Pop-Musikdarbietungen im österreichischen Fernsehen

Alleine dies hatte keinerlei praktische Auswirkung auf mich und viele Landsleute, ehe sich der ORF 1983 in Österreich aufmachte „Die großen 10“ als nunmehr visuelle Auskoppelung der beliebten langjährigen wöchentlichen Ö3 Hitparade im Radio auf den bei uns im Heim noch schwarz-weißen Bildschirm zu bringen. Moderiert wie auch im Radio selbst von Udo Huber bis 1993.

Das Ganze war gleich einmal mit Kritik seitens meiner Mutter begleitet die all diesem Treiben und „Gesangl“ nichts abhaben konnte, und so blieb mir „Super Trouper“ von ABBA gesehen bei meiner Großmutter in Erinnerung, wo sich Herr Papa wegen des von Benny in die Kamera und damit die Zuseher gar blendend geschwenkten Scheinwerfers erdreiste.

Andere waren u.a. Culture Club – „Do you really want to hurt me“, mit Boy George schon damals ein sehr bunter Paradiesvogel was man selbst am Bildschirm eines s/w TV in allen Farbfacetten wahrnehmen konnte.

Das weibliche Pendant, Cindy Lauper mit ihren schrillen Outfits und durchaus guten Hits, zuerst parallel und anschließend nahtlos von der „Göttin“ Madonna und ihrem Spiel mit religösen Symbolen damit abgelöst wurde.

Davor kam man bestenfalls bei „Wetten dass?“ zu der einen oder anderen aktuellen Popgruppeneinlage samt einem Szenenbild wie etwa mit Rod Stewart und seinem „Downtown Train“, der angesichts einer Ratte die man ins Szenenbild eingefügt hat anschließend umgehend die Flucht ergriffen hat und was aber eigentlich alles keine Musikvideos im eigentlichen Sinn waren.

Unsere deutschen Nachbarn waren da mit „Beat Club“ und Dieter Thomas Heck’s „Hitparade“ im ZDF sowie „Formel Eins“ im Dritten zumindest etwas umfangreicher bedient.

Zur Vorbildwirkung von Videos

Videos bzw. deren Darstellungen die wir einmal jährlich als Schulklasse am letzten Schultag gewissermaßen zum im Hintergrund laufenden Kassettenrecorder „nachspielten“ entsprachen dem Zeitgeist. Der österreichische Austropop mit begnadeten künstlerischen Selbstdarstellern wie der EAV tat hier auf seine Weise das übrige dazu.

Texte u.a. von Reinhard Fendrich, „Es lebe der Sport“ boten ausreichend Interpretationsspielraum.

Ich denke es wird eher ein einmaliges Ereignis ob der Sendezeit gewesen sein, das ich einmal „Solid Gold“ im ORF Fernsehen spätnächtens ansehen durfte.

„Starship“ mit „We built this City“ und Tina Turner blieben mir dazu im Ohr, als wir eingeladen bei einer befreundeten Familie am 36 cm Farbportable Sharp TV das Treiben was aber erneut eher „nur“ eine Musikshow und keine Videos per se waren verfolgen konnten.

Peter Rapp als Musik-Videopromoter?

Weiter in die echte Richtung von Musikvideos ging es dann mit Österreichs bekanntem sich stets „jugendlich“ darstellenden Entertainer Peter Rapp und Co-Moderatorin Lizzy Engstler moderierten „Wurlitzer“ wo wie vom Radio bekannt alias eines Wunschkonzertes nach Zuseherwünschen, wohl telefonisch eingebracht, augenscheinlich Bildplatten abgespielt wurden.

Akustisch lief dies alles in Mono, gab es doch zu dieser Zeit bei uns keinerlei Stereoübertragungstechniken im Fernsehen vom Sonderfall des Neujahrskonzerts das parallel auch in Ö1 Stereo-Rundfunk übertragen wurde ausgenommen.

Was aber uns als noch Kinder kaum störte oder bewußt war.

Zu stark verzauberte uns alleinig die Bilderwelt in den zuvor nie gesehenen Videos die scheinbar noch etwas aus einer uns ebenso unbekannten echten oder auch Fantasiewelt zu erzählen hatten.

Eine Zeit die u.a. auch die amerikanische „Ghettokultur“ und deren Breakdance hervorbrachten und uns jenseits des großen Teiches bekannt werden ließen.

Michael Jackson in „Billie Jean“ mit dem faszinierenden stets zu leuchten beginnenden Straßenpflaster wohin auch immer er tritt.

Music Box der offizielle Vorgänger von MTV?

1985 kam ich über einen CB Funkfreund an die Fachzeitschrift „FUNK“ (siehe oben) in der erstmals vom Satelliten TV für jedermann, natürlich noch nicht in unseren Breiten und schon gar nicht in unserem eigenen Heim die Rede war sondern vorab zumindest in Großbritannien empfangbar ein eigener Musikkanal „Music Box“ angepriesen wurde.

©MusicBox bzw. die aktuellen Rechteinhaber. Quelle: Youtube VHS Mitschnitt 1984

Letzterer wurde zu dieser Zeit dann schon gescrambelt also verschlüsselt übertragen was aber Begriffe und Bedeutungen waren die im Alltag keine Relevanz hatten. Ebenso wenig wie der Umstand, wonach es einen gleichnamigen nun deutschen Musiksender für einige Jahre in deutschen Kabelpilotprojekten gab, also fern einer breiteren Wahrnehmbarkeitsschwelle.

Den von Thorn EMI gegründeten Sender gab es vom Frühjahr 1984 bis Anfang 1987, der zudem von Virgin zwischenzeitlich übernommen wurde ehe er von Super Channel abgelöst wurde.

Gestaltet war das Programm nach dem MTV US Vorbild den es damals ja in Europa noch nicht gab mit dem Ziel der größte Musiksender Europas zu werden. Als technische Reichweite per Satellit und in der Folge der Einspeisung in „fast alle“ Kabelnetze wurden weit über 60 Millionen Zuseher genannt was ich etwas anzweifeln würde. Wie auch immer, die Kabedichte in GB, den Niederlanden und Belgien war zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich stärker ausgebaut.

Mit 30. Jänner 1987 wurde aus Music Box dem zwar bei Jugendlichen (die ihn empfangen konnten) beliebten, jedoch wirtschaftlich erfolglosen Sender der „Super Channel“ mit einer neuen Programmlinie die Musikvideos nur mehr als Teil des Programmes brachten.

Es wurde real mit dem Zugang zu Musikvideos

Es waren die Jahre, in denen Videoclips groß wurden und immer mehr Aufwand und Geld in die Produktion eines Clips zu einer neuen Schallplatte der Protagonisten investiert wurde.

In der Retrospektive aber zeigte es im positiven wie auch im negativen schon einmal an wohin die Reise bald gehen wird.

Die Musikvideos von a-ha – Take on me (1985) im ORF,

oder Musical Youth – Pass the dutchie

oder mit dem Chef auf Kundengerätereparaturtour unterwegs wo Michael Jacksons „Thriller“ mit seinem Attribut „Klamauk“ eben am „Wurlitzer“ abgespielt für meinen jugendlichen Geschmack her etwas zu emphatielos abgetan wurde begleiteten die Jahre, ehe es dann in der GRUNDIG Lehrwerkstatt in der offiziellen Mittagspause die Option gab, die Testbildsender des Haussenders des Fertigungswerkes gegen die Zuleitung der Telekabel Wien am BNC Steckfeld umzurangieren um nun auf dem einstigen „Super Channel“ die in dieser Stunde, für uns in Kontinentaleuropa zeitversetzt um 12:00h Musikvideos ansehen zu können. Später dann Sky-Channel.

Super Channel Intro

Nachstehende Videos blieben mir ob ihrer Gestaltung und filmischen Darstellung tiefer im Gedächtnis als andere:

Black – It’s a Wonderful Life (1986) mit dem Spiel des Schiffs am Horizont

Tears For Fears – Mad World (1983) mit der Tanzeinlage

Sade – Smooth Operator (1984) als Mini Crime Geschichte

Climie Fisher – Love Changes (Everything) (1987) mit der Remineszenz an die Eisenbahnmitfahrer in Güterwaggons der 1930er Jahre

Enya – Orinoco Flow (Sail Away) (1988)

Kate Bush – Cloudbusting (1985) war sowieso ein eigener emotionaler Kurzfilm

Kylie Minogue – I Should Be So Lucky (1988)

Lisa Stansfield – All Around the World (1989)

Holly Johnson – Americanos (1989) Als TV begeisterter kam man nicht um dieses Video umhin

Living in a Box – Living in a Box (1987)

Diese konsumiert in der Silhouette der an der Decke hängenden GRUNDIG Supercolor Baustein Geräte der besseren Art und Ausstattung im Gedächtnis.

Die Möbelplazierung in der Lehrwerkstatt mag sich über die Jahre geändert haben. Die Monitor TV’s blieben als feste Größe und boten u.a. auch Musikvideos in den Mittagspausen.

MTV Europe wurde am 1. August 1987 gegründet

Ehe die nächste Stufe, und hier endlich kommen wir zu „unserem“ MTV Europe mit den Dire Straits und deren „I Want My MTV“ gezündet wurde, bekam als ich in der GRUNDIG Servicewerkstatt am Arbeitsplatz für die SAT Receiver Reparaturen Zugang zu einem Kontrollbildschirm also einem Fernseher und eben der Programmzuspielung nach meinen Wünschen, die natürlich nur parallel zur eigentlichen Arbeit u.a. viele Stunden täglich eben auch auf MTV eingestellt wurde.

MTV mit Wegener Panda Stereo Ton über den Satelliten ASTRA war dann schon eine eigene Welt nun auch in Sachen Tonqualität.

Dazu passt auch all die SAT Empfangsausstattung mit der man sich als Techniker wie auch Heimnutzer zu beschäftigen hatte.

Es folgten viele Videos die im Ausdruck der Bildsprache ihre Geschichte und damit ein Zeugnis ihres Zeitgeistes erzählten.

Duran Duran – mi“t Save A Prayer“ (1982) wird es aus Gründen des zwischenzeitlich anders verstandenen Kulturgutschutzes mit einem Überflug über Tempelanlagen so nicht mehr geben können.

Zugegeben den jeweils tieferen Text in English beherrschte ich in jenen Tagen vom Verständnis und der Deutung nur rudimentär, es gab ja auch noch kein Internet wo man all die Texte/Lyrics sich nachstudieren hätte können.

Musikvideos aus der Konserve – Eine Alternative?

Was es damals ebenso schon gab, das waren die Video 2000 und VHS Videorecorder und erste Bildplattenspieler die aber in meiner Wahrnehmung in Sachen Musikvideos keine Rolle spielten.

Die Ausnahme von der Regel war gegen Ende der 1980er Jahren meine Teilnahme an der Wiener Messe HIT, wo das GRUNDIG Acustorama Bildplattenabspielgerät Videos angeschlossen an der GRUNDIG Fine Arts Anlage wiedergab.

Yellow mit „The Race“ und die Communards blieben mir zu den rund vier Messetagen in Erinnerung.

Da waren sie nun, all die „Boy’s on MTV“ © George Michael, (wie auch weibliche Interpreten)

Die einen die im verschwitzen Unterhemd auf der Bühne standen und sich an ihren Songs abarbeiteten wie auch die „geflegten und soliden“, alias einem Rick Astley im sauberen Anzug und gestylten Ambiente einer Londoner Videokulisse und sein „Never gonna give you up“ ab 1987 vor sich hin trällernd.

Unvergessen weiters die Interpretationen von Milli Vanilli, wo mir nur die Enttäuschung blieb als sie plötzlich geächtet wurden weil sie keine Gesangs-Echtperformer gewesen sein sollen was mir und sicher vielen anderen gleichgültig gewesen war, denn zu gut war deren Auftritt und die Songs. Der hochgespielte „tiefe Skandal“ erschloß sich für mich nie.

Peter Gabriel – Sledgehammer (1986) mit den als neu wahrgenommenen Effekten

New Order – Blue Monday (1983)

Police – Wrapped Around Your Finger (1983)

Tears For Fears – Everybody Wants To Rule The World (1985)

Genesis – Land of Confusion (1986) mit den Spitting Image Puppen wobei die Schlußszene 2026 wieder mehr denn je an Aktualität gewonnen hat

True Faith – New Order (1987)

Queen – Radio Ga Ga (1984)

Bronski Beat, Jimmy Somerville – Smalltown Boy (1984)

Terence Trent D’Arby – Sign Your Name (1987)

The Cure – Lullaby (1989)

und viele mehr

Zwar kam es aufgrund von Rochaden am Arbeitsplatz zu zeitweisen Unterbrechungen hinsichtlich dieses Komforts der aber durch die Errichtung einer heimischen SAT Anlage nunmehr auch im privaten Heim der Eltern weiter gepflogen werden konnte.

So war bis in die Anfänge der 1990er Jahren MTV Europe die wesentliche Quelle für Musikvideounterhaltung obgleich man über Kabel TV und SAT TV nun auch zu den verschiedensten vielfach auf „Pseudo Jugend“ getrimmte Pop und Musikshows der öffentlich rechtlichen Dritten Programme des Deutschen Fernsehens zugreifen konnte.

Die aufkommenden 90er boten mit u.a.

MC Hammer – U can’t Touch this (1990)

AC/DC – Thunderstruck (1990)

Gary Moore – Still Got the Blues (1990)

REM – Losing My Religion (1991) & Everybody hurts (1992)

Björk – It’s Oh So Quiet – (1995)

eine Fortsetzung von damals interessanten Choreografien.

Nicht vergessen wollen wir auch MCM – den französischen Musiksender Monte Carlo Music, der zumindest für in Sachen Fernsehen beschäftigte in der D2MAC Norm am damaligen 19° West TV SAT empfangen werden konnte aber nebst des zusätzlichen technischen Aufwandes eben „uns“ als vorwiegend anglizistisch geprägtes Publikum nicht ganz und schon gar nicht als Ersatz für MTV abzuholen vermochte.

Nur zur Vervollständigung:

MTV stand in der Grenzregion zu Ungarn naturgemäß auch als Abkürzung für „Magyar Televizio“, also den beiden staatlichen Ungarischen Fernsehkanälen MTV1 & MTV2.

Damit war eben etwa ab 1990 im Burgenländischen Kabelfernsehen „ein MTV“ gleich zwei bis dreimal, jedoch mit unterschiedlicher Inhaltsausrichtung empfangbar.

MTV sperrte 1995 seine Zuseher aus:

Und ehe man begann sich an MTV zu sehr zu gewöhnen, sind deren Macher „abgehoben“ worden in der Meinung das nun wie es in einem in meinem Archiv erhaltenen Schreiben hieß „zur Vorbereitung auf das kommende Digitalfernsehen“ müsse man sein Programm nunmehr verschlüsseln.

Weshalb die Zuseher einen (noch analogen) Dekoder und eine Zugriffskarte als Abonement für den Betrag X zu beschaffen hätten.

Ich war weder der einzige, sondern stand systematisch für deren bisherigen Zusehern die mit sehr wenigen, wirtschaftlich in der Summe nicht relevanten Abos dem Sender abschworen und sich anderen Themen oder Programmen wie wenngleich nicht in selben Ausmaß wie etwa VIVA und später VIVA 2 zuwandten.

Hi, this is Steve Blame from MTV news„, hieß es bis 1994, dessen „News“ mich ohnehin nie sonderlich interessierten, sowie „Beavis und Buthead“ mit deren Humor ich noch weniger anfangen wußte war somit Geschichte.

Marketing mäßig betrachtet war dies ein Musterbeispiel dafür wie man ein gutes funktionierendes Produkt zerstören oder zumindest hinsichtlich seiner Verbreitung und Bedeutung ins Abseits drängen konnte.

Anders wird dies in Großbritannien geblieben sein, das all die Zuseher von Rupert Murdochs BSkyB ohnehin auch MTV, später auch den Ableger VH1 im Programmbuquet dabei hatten.

Was bei uns, wo es gerade mal einen Pay TV Kanal „Teleclub“ in Deutschland und dann „PREMIERE“ mit noch überschaubaren Publikum gab ehe viel später erst Digital TV zuerst mit DF1 von Leo Kirch und später eben das Digitale PREMIERE mit vielen Kanälen begann Fahrt und auch eine breitere Akzeptanz, dies in Kombination mit dem ersten Nachlassen der öffentliche rechtlichen Sender aufzunehmen.

In diese Zeit fiel auch die 1993 als „Trotzreaktion gegen das Verbot deutschsprachige Lieder auf MTV zu spielen“ stattfindende Gründung von VIVA, dem bald VIVA 2 folgen sollte.

Auch wenn daraus Showgrößen wie etwa Stefan Raab hervorgegangen sind, mich hat diese „Deutsche Kopie“ auch wenn sie sogar von zumindest zwei Österreichern (mit-)gemacht wurden nie begeistert.

Ich stieg da gewissermaßen erst wieder ein, als es galt in dienstlichem Auftrag einem der beiden den Kabel TV Anschluß in deren Haus in einer Wienerwald Gemeide um 2000 herum herzustellen.

Daran änderte deren berechtigtes Argument alias „Verstehst du denn wirklich was Ray Cokes da eigentlich so sagt“ nichts.

Das sie damit der „Deutschen Welle“ man denke an FANTA4 und anderen endlich den Platz eingeräumt haben der ihnen zusteht sei dabei ungenommen.

Es besann sich MTV 1997 wieder seiner verlorenen Schäfchen und schaltete sein Programm frei und unverschlüsselt auf. Nunmehr jedoch mit regionalisierten Ablegern wie u.a. MTV Deutschland was das ursprüngliche Konzept insbesondere für die, die von Anfang an dabei waren mitunter verwässert darstellte.

Wenige Highlights blieben mir in Erinnerung wie etwa die gut gemachten „MTV unplugged“ Konzerte wo ich auszugsweise „George Michael“ 1996 wenngleich heute nur in technisch minderer Qualität betrachtbar aber künstlerisch hochwertig nennen möchte.

Der Wettbewerb bzw. Kanäle die eine andere Art der Darstellung bzw. eine andere Art der Musikrichtungen bediente war da zwischenzeitlich entstanden, wie etwa

Deluxe TV, auf das ich einst von einem Kunden aufmerksam gemacht wurde.

Hinzu kam, und wie ich es verfolgte war ich nicht der einzige, der mit dem nunmehr auf MTV dargebotenen so gut wie nichts mehr anzufangen wusste.

Man war eben langsam aber sicher kein Jugendlicher mehr.

Die Musikwelt hatte sich verändert. Die „guten 1980er“ Jahre, ja selbst die Anfänge der 1990er und ihre Ausdrucksformen im Video wie auch all das Experimentieren war vorbei.

Expansion und Einschränkung

Der MTV Ableger VH1 oder gar VH2 hätte dieses „in die Jahre gekommene“ Klientel zwar bedient, war aber hinter irgendeiner Paywall zumeist auch nur in bestimmten Länderpaketen versteckt.

Das Argument lautete dazu, wonach sich MTV immer an die aktuelle Generation ausrichten wolle um damit „modern“ zu bleiben.

Das man folglich bereit war die jeweils „alte“ Generation, und hier sprechen wir von nur grob acht Jahren Zeitversatz laufend zu verlieren störte scheinbar nicht sonderlich.

Neue Musikkanäle etablieren sich

So kamen in den 2000er Jahren nach und nach zugegeben billige Spartenkanäle auf die erkannten das es ein Potential an senderlosen Zusehern in Sachen 1980er Pop und anders gab.

HIT 60s, Now70’s, Now 80’s, nebst Rock Sendern, von Schlagermusikkanälen ganz zu schweigen,

um einige zu nennen die frei und unverschlüsselt am britischen ASTRA 28° Ost auch bei uns empfangbar sind bzw. mittlerweile mitunter auch waren wenngleich mitunter auch nur mit kurzer Halbwertszeit versehen ihre Videos abspielen und von mehr oder weniger Prominenten früherer Tage wie etwa dem Sänger >Limal< und anderen im alten Zeitgeist kommentieren lassen.

Das Ganze auf Kanälen mit enger technischer Bandbreite, durch intensive Unterbrecherwerbung finanziert was sich auch in einer eher unterdurchschnittlichen Bildqualität festmachen läßt.

Von grausigen 4:3 auf 16:9 Verzerrungen und damit auch künstlerischen Zerstörung der einstigen Videos abgesehen.

Weitere unzählige gibt es, die außerhalb des Deutschen und anglizistischen Raumes deren Sprachgruppen bedienen.

Geschichte wiederholte sich, wonach MTV, nun digital Unterwegs gegen Ende 2010 erneut sein Programme für rund sieben Jahre bis 2018 nur mehr verschlüsselt auszustrahlen begann ehe es wieder einen h-ha Moment hinsichtlich einer offenen Verbreitung gab.

Neue Verbreitungswege im Internet

Sie kommen und gehen, und in dieser Zeit hat doch YOUTUBE ab seiner Gründung 2005 nach und nach mit zusammenstellbaren Hitlisten jeden Geschmacks vielfach deren Geschäftsfeld bereits okkupiert.

Musikvideos als Zeitzeugnis

Wie ich herausfand, bin ich beileibe nicht der einzige der sich mit den Videos der 1980/90er Jahre beschäftigt.

Ganze Dokumentationen über die Art und Weise wie sie entstanden sind gab es u.a. schon in den 1980ern im ORF u.a. zu Lionel Richie „Dancing on the Ceiling“ mit den Bildeffekten dazu, oder zu Queen’s „Break Trough“ wo an einer aufgelassenen britischen Bahnlinie gedreht wurde und vor Freddy eine dabei entstandene Verletzung verheimlicht werden musste.

An den Ort des Geschehens machte sich einer um die Entstehung von „Last Christmas“ dem jährlichen Erfolgs-Dauerbrenner mitsamt den überlieferten Eskapaden zu studieren.

Lediglich „Freedom“, von WHAM (1984) finde ich in seiner Machart sowas von schlecht und naiv, vielleicht gar westlich überheblich, bestenfalls als Roadtripmovie zu gebrauchen als das man es schon wieder als gut im Sinne eines Zeitzeugnisses sehen muss, nämlich als sich China gerade daran machte aufzustehen um der Welt zu zeigen „wo der Hammer hängt“.

Sie leben in ihrer Musik und in den Videos weiter:

Das uns in all den Jahrzehnten viele der beliebten, vereinzelt in Sachen ihres Lebenswandels später auch mitunter in Ungnade gefallene Künstler verlassen haben gehört zum ablaufenden Bild dazu:

Freddie Mercury, Prince, Michael Jackson, George Michael, David Bowie, Mark Hollis (Talk Talk), Dolores O’Riordan (The Cranberries), Amy Winehouse, Whitney Houston, Tina Turner, Sinéad O’Connor, und viele mehr.

Fazit:

MTV stand mit dem Inhalt, mehr noch mit seiner popigen Aufmachung was schon beim sich stetig verändernden Logo begann und immer neuen mich damals in der Mehrzahl begeisternden Videos und Musik am Puls der Zeit, ehe die Zeit, die weitere Marktentwicklung aber auch die Musik selbst und womöglich marktwirtschaftliche Fehlentscheidungen den Sender zur weitgehenden Bedeutungslosigkeit verkommen ließen ehe er sich selbst hinsichtlich seines Urauftrages Musikvideos zu verbreiten „den Stecker zog“.

Dies gilt aber vorläufig nur für „unser“ MTV Europe.

Wie man beim US Anbieter DirecTV liest geht es bei der originären US Version mit MTV, MTV2, VH1 und MTV Classic munter weiter (Stand Anfang 2026).

Ebenso fand „Music Box“ als Teil von fünf neuen Musikfernsehkanälen seit Dezember 2025 in einem kostenpflichtigen Streamingangebot wieder seinen Auftritt.