Erhard RITSCHARD, ein Wiener Radiohändler der ersten Stunde und sein "Vitamin B"

Erhard RITSCHARD Wien Crystal B 

  Bild: Gut wenn ihn wer hatte: Den Crystal "B". So wie "B" in Besser?

Frühen Radiohändlern an der Achse Wien-Graz (Steiermark) auf der Spur.


EINLEITUNG:

Eine aktuelle Auktion im Frühjahr 2026 mit einem Konvolut an Detektorgeräten im Wiener Dorotheum bietet den Anlaß sich mit einer der einstigen Marken etwas intensiver zu beschäftigen.

Nach dem "Hotspot" der Österreichischen Radioentwicklung mit naheliegenderweise Wien im Mittel- wie auch Ausgangspunkt, darf an den zweiten Radiosender in der zweitgrößten Stadt Österreichs und den dort ebenso agierenden Radiohändlern erinnert werden.

Einer der schon sehr früh einer der ersten an dem Medium verdiente war der Kaufmann Erhard Ritschard, der nebst Wien auch Graz bediente.

©Google Maps ©Google Maps 

Bilder: Ein zudem schönes Hausensemble. Der einstige Standort in Graz, Maiffredygasse 1. Rechts würde man passenderweise das einstige Geschäft vermuten das jedoch lt. Werbung im 1. Stock angesiedelt war.©Google Maps


Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Von Anbeginn dabei

  3. Eigene Marken Crystal B & WIRUF  

  4. Gerichtsfall in 3 Akten

  5. Zeittafel bekannter Ereignisse

  6. Das Ausgleichsverfahren

  7. Über den Gründer RITSCHARD

  8. Bekannte Geräte

  9. Vorläufiges Fazit

  10. Abgrenzung

  11. Quellen und Literaturnachweis

  12. Weitere Lesetipps des Autors


Von Anfang an dabei

Der Messestand 1924 zeigt schon einmal die ersten Marken von Ritschard in Form des Liliput Detektorapparats sowie den "WIRUF" Baukasten.

WIRUF

Bild: Messestand von RITSCHARD an der Wiener Messe [Radiowelt Nr. 29/1924]

Unterscheidungsmerkmal: Eigene Marken

Der Kaufmann hatte dabei die naheliegende Idee die für die damalig verwendeten Detektorgeräte unerläßlichen Kristalle wie so manch anderer seiner Branchenkollegen zu einer speziellen exklusiven Marke hochzustilisieren die die Eigenschaften zu den jeweiligen Konkurrenzprodukten einzigartig darstellten.

Kristall "B" im Generalvertrieb von Ritschard (Beide Schreibweisen sind bekannt)

Crystal B

Bild: So fing es an mit "Crystal B" lt. Werbung [Radiowelt, Nr. 43/1924]

Es lautet ein vermeintlich redaktioneller Text zur allgemeinen Produktvorstellung in der [Radiowelt, Nr 2. 1925] wie folgt:

MIT KRISTALLDETEKTOR 800 KM REICHWEITE!

Dies ist kein Märchen, sondern Tatsache und werden zum Beispiel in der Schweiz die Sender von Radio-Paris und Chelmsford (London) an vielen Orten mit guter Freiantenne mit Kristalldetektor‚ ohne Verstärkung empfangen.

Grundbedingung, um einen weitreichenden Empfang zu erzielen, ist natürlich eine gute, möglichst hohe Antenne, aber noch wichtiger ist die Verwendung eines äußerst empfindlichen Kristalles.

Man wird selten mit einem Kristall, auf welchem. nicht die ganze Oberfläche empfindlich ist, eine weit entfernte Station „finden“, weil auf einem solchen Kristall selbst die Lokalstation oft gesucht werden muß.

Ein wirklich guter Kristall soll keine Stellen aufweisen, auf welchen überhaupt kein Ton zu hören ist;

derselbe soll überall ansprechen und‚ dabei eine große Anzahl von außergewöhnlich guten Stellen haben, wo das Maximum an Lautstärke erreicht wird.

Die meisten im Handel befindlichen Kristalle werden auf künstlichem Wege hergestellt (synthetische Kristalle) und sind im allgemeinen überall empfindlich, jedoch hat sich in der Praxis gezeigt, daß Naturkristalle gewisse Stellen aufweisen, wo mit überraschender Lautstärke empfangen wird‚ während bei künstlichen Kristallen der Empfang überall ungefähr gleich laut ist.

Bei der diesjährigen großen Ausstellung, der Radioindustrie Frankreichs, Concours Léepine, wurde ein einziger Kristall mit der höchsten Auszeichnung bedacht, und zwar ist dies der auch hier bekannte »Crystal B«,

Dieser Kristall ist ein Naturprodukt, welches einem gewissen chemischen Verfahren unterworfen wird und dadurch Wohl‚ das Maximum an Lautstärke: erreicht.

95 Prozent von dessen Oberfläche sind höchst empfindlich und wurden damit bei Versuchen Reichweiten bis 800 km erzielt.

„Crystal B“ kömmt in einer geschützten durchsichtigen Verpackung in den Handel und ist jedes Stück garantiert geprüft.

Wie RM.org ausführt, sind zumindest drei Varianten, das Modell "602F, 603F und 604F" ab 1925 zu je öS 2,50,- bekannt.

Eine "Bühne" für seine Inserate bot auch die Zeitschrift [Die Bühne] wie in Heft 15/1925.

Und wie es scheint, war er nicht der Einzige der "Crystal B" angeboten hatte, sondern es dürften zumindest aber "Grauimporte" vielleicht sogar Fälschungen seitens des Wettbewerbes in den Umlauf gebracht worden sein.

Bild: Nun kennen wir auch den Originalen Roß & Reiter in Form der Firma "Unis-Radio" Paris, [Radiowelt, Heft 6/1925]

Bild: Weiter geht es im [Radioamateur, Heft 8/1925] wo seine Werbeschaltung gar "WARNUNGEN" ausspricht. Noch mag man dies als "Propagandagag" halten, doch bald wird aus Spaß Ernst...   

Nur der Vollständigkeit halber und um die Bedeutung dieses heutzutage "lächerlich" scheinenden Marktsegments zu verstehen, führt gleiche Zeitschrift ebenso eine Warnung in gleicher Sache, jedoch vom in geschäftlicher Verbindung stehenden "Fabrik Schwapa, Inhaber Paul Schwarz" und seiner Marke, dem "RUSONITE-Kristall" aus. (Siehe zu Schwarz auch die WIRUF Marke).

Einer noch: Im Folgemagazin [Radiowelt, 9/1925] klärt man uns nun auf und verweist auf Fälschungen. In ebensolches Horn stößt ein augenscheinlich redaktioneller Beitrag in [Die Stunde, 8. Februar 1925] mit einer Direktmeldung der Fa. Radio-Unis.

 

Bild: In der [Radiowelt, 10/1925] leistet er sich gar eine halbe Werbeseite die zudem die Marke "WIRUF" bewirbt.


Und wie es sich für zünftige Kaufleute gehört, ist auch der eine oder andere Rechtsstreit, zudem Medial ausgetragen mitunter dabei was uns im Rückblick hilft die Ereignisse in der damaligen Zeit besser einorden zu können.

So mutierte dieser Kristall daüberhinaus bald zum "Super Kristall":

Dabei ging es um den mit dem Prädikat "Höchste Empfindlichkeit" angepriesenen "Super-Crystal B" wie er von Ritschard in [Radio Wien, 12. Februar 1926] wirksam offeriert wurde.

Super Crystal B 


Wir werden EINEN Richter brauchen:

"Kein Markenschutz für Radiokristall B"

wusste das Boulevardblatt [Die Stunde, 15. Mai 1926] zu berichten was auf eine Komödie in 2 oder gar 3 Akten hinauslief. 

Die Vorgeschichte war, wie sie u.a. auch in [Der Radiohändler 5/1926] ausführte, wonach RITSCHARD nach dem Erwerb des Alleinverkaufsrechtes sich von einer theoretisch nicht möglichen lokalen Konkurrenz bedroht sah.

1. Akt. Die Falschmeldung [Die Stunde, 9. Mai 1925]

Kein Markenschutz für Radiokristall B

Ein interessantes Urteil!

Der Kaufmann Gerhart Ritschart erwarb das Alleinverkaufsrecht für „Crystal B“ für Österreich.
Er bezog die Kristalle von dem Pariser Erzeuger um weniger als einen Franc, das sind weniger als 20 Groschen pro Stück und vertrieb sie hier zu einem Preis von 2 Schilling und mehr das Stück.
Es versprach ein gutes Geschäft zu werden und Ritschart investierte sein ganzes Geld in, die Reklame für „Crystal B“.
Allein, einige Radiohändler, darunter auch große Firmen, pfuschten in das Geschäft des Herrn Ritschardt hinein: sie bezogen aus Paris, allerdings nicht vom Erzeuger, „Crystal B“ und vertrieben ihn trotz des um eine Kleinigkeit höheren Anschaffungspreises bedeutend billiger, als Herr Ritschart, so daß dessen Geschäft empfindlich gestört wurde.
Nachdem Ritschart die Marke „Crystal B“ in Österreich registrieren ließ, erhob er schließlich gegen einen Kaufmann, Julius Gelles, die Anklage wegen Vergehens gegen den Markenschutz.
Das Landesgericht, unter Vorsitz des Gerichtspräsidenten Altmann, sprach den Angeklagten Gelles frei und heute bestätigte auch der Oberste Gerichtshof, unter Vorsitz des Senatspräsidenten Kocevar, dieses Urteil, mit der Begründung, daß der Buchstabe B keine Qualitätsbezeichnung ist und daher ein Markenschutz für die Bezeichnung „Crystal B“ überhaupt nicht möglich ist. Folglich kann in diesem Fall kein Vergehen gegen den Markenschutz konstatiert werden. 

 

Anmerkung: Das es diese Zeitung nicht so genau nahm, erkennt man an der vom Original übernommenen falschen Schreibweise von Ritschard.

2. Akt, Die Richtigstellung

Wir erhalten von Rechtsanwalt Dr. Ludwig Gallia folgende Zuschrift: „Im Auftrag des Herrn Erhard Ritschard, Kaufmann in Wien, IV., Rechte Wienzeile 39, ersuche ich Sie zur Berichtigung des in der Tageszeitung „Die Stunde“ Nr. 950, Seite 2, erschienenen Artikels.

„Kein Markenschutz für Radiokristall B“ um Aufnahme folgender Mitteilung:

Es ist unrichtig, daß das Landesgericht für Strafsachen Wien I unter Vorsitz des Gerichtspräsidenten Altmann den wegen Vergehens gegen den Markenschutz angeklagten Herrn Julius Gelles freigesprochen hat und daß der Oberste Gerichtshof dieses Urteil bestätigte.

Richtig ist vielmehr, daß mittels Urteiles des Landesgerichtes für Strafsachen Wien I vom 18. Februar 1926, Geschäftszahl Nr. 5757/25, Herrn Julius Gelles wegen des Vergehens des Markeneingriffes im Sinne des §23 Markenschutzgesetz zu einer Geldstrafe von S 100 verurteilt wurde, an deren Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit Arrest in der Dauer von vier Tagen zu treten hat, und daß der Oberste Gerichtshof nach durchgeführter Verhandlung am 7. Mai 1926 die von Herrn Julius Gelles gegen das erwähnte Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien I eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde verworfen hat.

Unrichtig ist ferner, daß der Oberste Gerichtshof in der Begründung seine» Urteils erklärt habe, daß der Buchstabe „B“ keine Qualitätsbezeichnung und daher ein Markenschutz für die Bezeichnung „Crystal B“ überhaupt nicht möglich ist.

Richtig ist vielmehr, daß der Oberste Gerichtshof ausdrücklich in der Begründung seines Urteils hervorhob, daß das Zeichen „Crystal B“ die Eignung zur registrierungsfähigen Marke besitzt.“

3. Akt, Vom Spott aus der Schreiberzunft

Wie die Sensationspresse berichtet: [Reichspost, 16. Mai 1926]

... erhellt in krasser Weise wieder aus folgendem Fall:

Der Kaufmann Erhard Ritschard erwarb das Alleinverkaufsrecht für «Crystall B" für Österreich und investierte viel Geld in die Reklame für „Crystal B". Allein einige Radiohändler pfuschten in das Geschäft des Herrn Ritschard  hinein, darunter auch ein Julius Gelles, Wien 7. Bezirk, Neustiftgasse 115a, der sich trotz wiederholter Warnungen des Eingriffes in das Markenrecht schulding gemacht hat.

Von Ritschard geklagt, wurde Gelles am 18. Februar des Jahres mittels Urteiles des Landesgerichtes für Strafsachen I unter Vorsitz des Gerichtspräsidenten Altmann wegen des Vergehens des Markeneingriffes im Sinne § 23 zu einer Geldstrafe von 100 S verurteilt, an deren Stelle im Falle der Nichteinbringlichkeit Arrest in der Dauer von vier Tagen zu treten hat.

Der Oberste Gerichtshof unter Vorsitz des Herrn Senatspräsidenten Kocevar hat nach durchgeführter Verhandlung am 7. Mai das erwähnte Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen I bestätigt und die Nichtigkeitsbeschwerde des Herrn Gelles verworfen.

In diesem Urteil hat der Oberste Gerichtshof ausdrücklich hervorgehoben, das die Marke „Crystall B" auf Grund einer weitgehenden Vorprüfung durch die Handelskammer die Eignung zur Registrierung besitzt. Außer der Strafe wurde J. Gelles zur Tragung sämtlicher Spesen und zu einer Entschuldigung an Ritschard von 50 S verurteilt.

Wie erstaunt war nun Herr Ritschard, als er in einem der Wiener Sensationsblätter, teilweise noch fett gedruckt, lesen mußte, das Landesgericht hätte Gelles freigesprochen und der Oberste Gerichtshof hätte dieses Urteil mit der Begründung, daß der Buchstabe "B" keine Qualitätsbezeichnung ist und daher ein Markenschutz für die Bezeichnung "Crystal B" überhaupt nicht möglich ist, bestätigt!

Herr Ritschard schickte dem Blatte sofort eine Berichtigung, das diese auch veröffentlichte.

Aber man sieht, wie ernst die ganzen Nachrichten dieser Blätter zu nehmen sind.

Bemerkt sei noch, daß Julius Gelles von der Telegraphendirektion Wien wegen unbefugten Handels mit Kopfhörern und Apparaten mmit einer Geldstrafe bestraft wurde und, wie uns Herr Ritschard noch mitteilt, erst seit kurzer Zeit einen Gewerbeschein besitzt.

Das ein >B< im Markennamen zumindest auch für Trittbrettfahrer "Besser" sein mag, bestätigt das Produkt "IDEALIT B", ein Radiokristall für den Kenner.

Ja und wer kennt ihn denn nicht.Idealit B

Bild: Werbeschaltung eines mutmaßlichen Trittbrettfahrers in der Propaganda und Produktaufbereitung der das "Geheimnis" lüftet, von Emanuel Klausner Wien I. [Der Radiohändler, 1926]


Marke WIRUF

Eine weitere Marke von Ritschard lautete "WIRUF", angegeben als gesetztlich geschützte Ausführung bei der lt. Werbeschaltung mit einer Silhouette der Stadt Wien gar der erhabene Stephansdom mit auf Sendung gehen musste.

WIRUF Ritschard

Bild: [Radiowelt, 41/1924]

Interessanterweise das erste WIRUF Inserat jedoch nicht RITSCHARD sondern ein Händler Namens Schwarz zumindest einmalig geschaltet hatte.

Rusonite

Bild: Schaltung von Paul Schwarz in [Radiowelt 19/1924]


Zeittafel bekannter Ereignisse zu RITSCHARD

Nachstehendes gibt die Zusammenfassung weiterer u.a. auf dem Portal Anno öffentlich gemachten Ereignisse zu Ritschard an:

E, Ritschard:

"Wenn auch wenig Abschlüsse gemacht worden sind, so ist die Radiomesse für Einführung gewisser neuer Artikel von großem Nutzen, wie ich dies heuer, wo ich meinen Fernempfangsdetektorapparat herausbrachte, mit Freude feststellen konnte. Auch von dem Standpunkt der Fühlungnahme mit den ausländischen Interessenten ist die Radiomesse unerläßlich."

ERI-Herkules Präzisions Niederfrequenz-Transformatoren, beworben in [Österreichischer Radio-Amateur, Februar 1928]

Ausgleichsverfahren:

Die Zeit der Wirtschaftskrise machte wohl auch bei Ritschard nicht halt.

Ein Ausgleichsverfahren wird lt. [Wiener Zeitung, 16. Jänner 1929] eröffnet der am 22. März 1929 mit einer 35% Quote abgeschlossen gilt.

Das Ausgleichsverfahren ist beendet [Wiener Zeitung 14. Mai 1929], was ein Indiz für einen seriösen Kaufmann gelten darf.

In Folge taucht er nur mehr mit sporadischen zum Teil branchenfremden Kleinanzeigen auf wie etwa:

Die intensive für uns derzeit nachvollziehbare Zeit mit einem Markenaufbau, deren Pflege und intensiven Bewerbung also zwischen 1924 und bestenfalls um 1929 lag.   

Im August 1929 suchte er noch einen Praktikanten für seine "Radiogroßhandlung".

Im selbigen Monat, als Adresse wird das gleiche Haus mit der Wohnungsnummer 28 angegeben, wird eine Singer Nähmaschine "billigst" abgegeben.

Nicht viel Klüger macht uns ein Blick in Lehmanns Adressanzeiger 1931: Einmal findet sich Ritschard als Radiohändler & Bestandteile en gros, sowie an gleicher Adresse als Anbieter neuzeitlicher Waschkücheneinrichtungen "Lavator".

1932 dann nur mehr der Radiohändler wie gehabt, und ab 1933 keine Einträge mehr.


Was wissen wir über den Gründer Erhard RITSCHARD?

Geboren am 3.3.1895 ,, mit leichter Unschärfe übersetzbar in "Matten im Kanton Bern", was sich zumindest mit der sonstigen Verbreitung des Namens in der Schweiz, bestenfalls auch in Westösterreich decken würde.

Als Indizien für die Schweiz in der zudem auch Französisch unterrichtet wird mag sein Bezug auf Französische Messen sowie die Bezeichnung TSF für Télégraphie Sans Fil (französisch für „drahtlose Telegraphie“) wie in seiner 1924er Werbung angeführt wurde stehen.

Ebenso, und es bleibt Mutmaßung die aber erwähnt werden soll, ein "Hotel Central Interlaken" Schweiz, mit einem Ed. Ritschard (ein Verwandter?) als Besitzer. [Reichspost, 18. Juni 1914].

An bekannter Adresse Rechte Wienzeile 39 war ab 1913 bis durchgehend 1924 lt. Lehmann Karoline Ritschard gemeldet.

Von welcher Art familärer Beziehung, er wäre 1913 18 Jahre Alt gewesen, hier ausgegangen werden kann?

Über seinen familären Status, ob Kinder oder nicht liegen uns bisweilen keine Informationen vor.

Vom Berufsstatus war er Kaufmann.

Erst 1925 taucht "unser" Ritchard mit der "Erzeugung von Radioapparaten und Bestandteilen, Importe von Spezialitäten" auf.

Hier kommen einmal mehr Französische wie auch US Kontakte in Erwähnung.

 

Bild: Lehmann 1925

Ort und Datum seines Ablebens sind bisher unbekannt. Ebenso unbekannt der Grund des offensichtlichen Wegzugs aus Wien um etwa 1932.

Er dürfte jedoch "zu 2 Leuten" in einem Haushalt gelebt haben wie bereits in [Neues Wiener Tagblatt, 11. Februar 1923], also vor dem neuen Geschäftsfeld der "Radiotechnik" eine Announce für die Suche nach einem "Tüchtigen braven Mädchen für Alles" im Sinne einer Haushälterin, im damaligen Sprachjargon gesucht wurde. Dies zudem eine weitgehende wirtschaftliche Basis hierfür annehmen läßt.

Als Adressen scheint bereits VOR dem Radioboom ab 1924, sein Geschäft in der Rechten Wienzeile 39, Wien IV, auf. ©Google Maps

Bild: Die Adresse Rechte Wienzeile 39 als eher "hässlicher Kasten" aktuell um 2026. Als "zeitgemäße Anpassung" finden wir nun den klassischen Billa wie auch ein asiatisches Lebensmittelgeschäft dort firmierend. ©Google Maps

Später (1924) findet sich noch ein Eintrag für die Filiale in Graz in der Maiffredygasse 1 einem etwas stattlicherem Gebäude.


Bekannte Geräte


Branchenfremde Artikel:


Und was gab es da sonst noch zu berichten?

Im einschlägigen der NS Gesinnung "nahestehenden Fachmagazin" [Der Kampfruf, ab der Ausgabe 13. Juni 1931 fortfolgend bis Ausgabe 11. Juli 1931] bewirbt er

unter dem NS Emblem mit dem Wortlaut das "Parteimitglied Erhard Ritschard" allgemein "Radiogeräte" an seiner Adresse Wien 4, Rechte Wienzeile 39.

Augenscheinlich war sein öffentliches Engagement hinsichtlich dieser Gesinnung nur kurz was die Dauer der Inserate dort betrifft.

Aber auch die öffentlich abrufbare Parteimitgliedschaft mit der Nummer 440416 in der Ortsgruppe Wien/Wieden mit dem Eintrittsdatum 11.2.1931 weist unter "Ausgetreten" und der Angabe "lt. Gau West" den 1.7.1932 nach nur knapp 1 1/2 Jahren aus.

Die zweifache Durchstreichung zudem ebenso auf einen Austritt verweist bzw. eine Beendigung unterstreicht.  

Vorläufiges Fazit zu Erhard RITSCHARD

Er war ein Kaufmann, der den neuen Radioboom gleich 1924 in sein Geschäft integrierte bzw. mit eigenen Marken wie Crystal B sowie WIRUF Bausätzen, nebst weiteren Marken und Artikeln bis hin zu Generalvertretungen in seinen beiden Geschäften Wien und Graz feilbot.

Seinen wirtschaftlich bedingten Ausgleich hat er erfolgreich bedient, dennoch ist es dannach in den greifbaren Medien um ihn "leise" geworden. Der Versuch über eine Mitgliedschaft "Parteigenossen" bedienen zu können scheint ebenso nicht tragfähig gewesen zu sein.

In Folge verliert sich die Spur zu RITSCHARD vermutlich wieder in die Richtung der Schweiz.

Abgrenzung:

Wie immer erfolgen alle Marken- und Modellnennungen sowie Namen nur in beschreibender Weise und wird auf die jeweils aktuellen Marken- und Rechteinhaber und deren Ansprüche verwiesen.

Ebenso folgt die Nennung politischer Orientierungen nur dem Verständnis des geschichtlichen Kontextes.


Quellen & Nachweise:

  1. Nennung in Museumsbote 1989 

  2. Einträge in Anno zu u.a. Reichspost, Die Stunde, Wiener Zeitung etc.

  3. Einträge in Lehmanns Adressanzeiger

  4. DÖW Archiv, abgerufen am 21.5.2026 ohne Hinweise

  5. Genteam Datenbank, abgerufen am 21.5.2026 ohne Hinweise

  6. Findbuch, abgerufen am 21.5.2026 ohne Hinweise

  7. Verstorbenensuche Wien, abgerufen am 21.5.2026 ohne Hinweise

  8. Verstorbenensuche Graz Gesamt, abgerufen am 21.5.2026 ohne Hinweise


Suchbegriffe: Ritschard, Wiruf, Crystal B, Messe Wien, Eri-Herkules, Rusonite,


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© Textzusammenstellung 5/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 26.05.26