Das MINERVA Stereo 655 Heimradiogerät wird untersucht

MINERVA 655 Stereo

  Bild: Der Stereo 655er war gleich zweimal im Wiener MINERVA "Flagshipstore" anno 1966 zu sehen

EINLEITUNG:

Im September 1964 starteten in Österreich gut 10 Jahre nach der eigentlichen UKW Radio Einführung die ersten UKW STEREO Übertragungen.

Hier lesen Sie meine bereits umfangreich zusammengetragenen Details zur UKW STEREO Einführung in Österreich.

Und es war das innovative Wiener Traditionsunternehmen MINERVA aus Wien 7 das sich der Herausforderung stellte und ein elegantes formschönes Heimstereoradiogerät passend zu dem neuen technischen Übertragungsstandard anbot.

Die auch 2025 immer noch recht häufig zu findenden Angebote, vergleiche mit der EUMIG Eumigette, verdiente so in jedem Fall ebenso eine Vorstellung auf meinen Seiten was letztlich nur eine Frag eder Zeit war. 

Wahlberechtigt per bequemen Tastendruck

Heraus kam der MINERVA Stereo 655, ein Gerät mit integrierten seitlich abstrahlenden Lautsprechern und als zudem für die ersten Saisonen der einzige österreichische Empfänger mit gar drei frei wählbaren UKW Festsendertasten für die eben damalig drei empfangbaren UKW Sender.

Zeitlich wurde das Gerät erstmals zur Wiener Herbstmesse 1964 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Fertigung selbst erfolgte erst im Frühjahr 1965 [2].

Bild: Aus MINERVA Prospekt um 1966 mit den beiden Zusatzlautsprechern

Er war somit bereit für das Radioprogramm von 1965 mit den drei möglichen UKW Sendern (nebst dem Mittelwellenempfang u.a. vom Sender Wien-Bisamberg) oder auch einem KW Sender wie z.B. RTL Luxenburg.

Lokal waren es für Ostösterreich: Ö1, Österreich regional Wien, Niederösterreich oder Burgenland und Ö3.

Moderne Zeiten:

"Elektronik" lautete dabei das Zauberwort für die nun neue Art der zudem beliebig umschaltbaren Abstimmung mittels BA102 Kapazitätsdioden bei UKW.

Somit standen gar vier (3 UKW + 1 x AM z.B. für den eingestellten Regionalsender eben auf AM) per Tastendruck dem verwöhnten Gerätebesitzer und Hörer zur Verfügung.

 

Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Allgemeine 655er Technik

  3. Die Eckdaten

  4. Sein Auftreten

  5. Reparaturen

  6. Mögliche Modifikationen

  7. Bekannte Fehler

  8. Meine Kritik zum Gerät

  9. Das einstige Marktumfeld

  10. Quellen und Literaturnachweis

  11. Weitere Lesetipps des Autors

 

Allgemein zur Technik des MINERVA 655, vielfach auch nur >MINERVA STEREO< genannt

Es handelt sich um einen damals in Hybridlösung aufgebauten Röhrenempfänger an der Zeitenschwelle hin zur reinen Halbleitertechnik nun auch für netzbetriebene Heimgeräte.

Rückseite

Der umschaltbar neben dem UKW Band gemäß dem neuen Wellenplan schon erweitert bis 104 MHz, auch noch die AM Empfangsbereiche wie eben Kurzwelle, Mittelwelle und Langwelle wiedergeben konnte.

Der relativ unspektakuläre Aufbau sieht folglich die Röhrenfunktionen wie folgt vor

Nr Röhre Funktion Meßwerte am Rep. Gerät Maßnahme
1 Telefunken ECH81 AM: Mischer & Oszillator; FM: ZF Verst. 7/3 % = Defekt, Bauart mit Vollschirmung anstatt Lochgitter innen Ersatzröhre
2 Telef. EAF801 ZF, AM Demodulator, 112/4%, S: 0,13 mA/V = Sehr schwache Pentode Belassen da aktuell kein Ersatz verfügbar.
62% Pentode konnten nach einer Regenerierung - Überheizen & Anodenblech glühen erreicht werden.
3 Telef. ECC808 NF Vorstufe 75/62%, S: 1,16 / 1,05 mA/V Belassen
4 Philips ECL86 NF Treiber, NF Endstufe Links Nicht meßbar; bei Pent. bricht ab 8mA ab Ersatzröhre
5 Philips ECL86 NF Treiber, NF Endstufe Rechts 2/9 % = Defekt Ersatzröhre
6 EM87 Abstimmanzeigeröhre (Magisches Band) Gerade noch erkennbar aber sehr schwach, eingebrannter Streifen Vorläufig belassen - letztlich Ersatzröhre erforderlich

Anmerkung: Die schlechten Meßwerte ließen mich zuerst an meinen Messungen zweifeln. Vergleichstypen mit neuen wie auch gebrauchten Röhren bestätigten aber die Werte!

Neu waren die Telefunken ECC808 NF Vorverstärkerröhre mit besonders guter Entkoppelung beider Systeme für die Kanaltrennung sowie Rauscharmut. Ebenso die EAF801 mit geringer Rückwirkung und nur kleiner Regelverstimmung.

Bild: Endstufe mit Klangregelwerk, beschaltbare AM Bedämpfung, Entbrummung und LS Pot mit Anzapfung

Bekanntes waren die bewährte nun lediglich zweite ECL86 für die nun zwei NF Verstärker und die AF126 Germaniumtransistoren in Halbleitertechnik für den nun zusätzlich erforderlichen Stereodekoder sowie 3 x AC126 sind neu im Vergleich zum schon damals bekanntem.

Die ECL86 Endstufe passt in Sachen Leistung und Klirrfaktor zu den wie es hieß in "Stadtwohnungen aussteuerbaren Leistungen unter der wahrnehmbaren Grenze" [2].

Bei Umschaltung auf Mono stehen folglich anstatt 2 x 3 Watt dann 6 Watt Musikleistung zur Verfügung.

Wie in der Praxis feststellbar, ist die Balanceregelung lediglich im Umfang von 6 dB regelbar. Also Links oder Rechts sind nicht vollständig wegzublenden.

UKW Elektronik Tuner

Bild: Schaltung UKW Tuner Vergleich erste Version und überarbeitete Ausführung

Der UKW Tuner ist mit AF 106, AF 125 als Mischer und AF 126 als erster 10,7 MHz ZF Verstärker ausgeführt.

2 x BA102 Kapazitätsdioden zur UKW Abstimmung (bis 37pF), Nachfolger BA124 (bis 66pF).

Dabei wurden damals neuartige Abstimmpotentiometer deren Kennlinie zwischen linear und logarithmisch liegt für eine gleichmäßige Frequenzdarstellung der Skala eingesetzt.

9 x AA119 Germaniumdiode.

Ein einfacher AC128 dient als Schalttransistor für die Strom erfordende rote 6V/100mA STEREO-Signal Kennleuchte.

Eine ZG27 Zenerdiode zur Stabilisierung der UKW Abstimmspannung die mit zwischen 1,6 und 22 V die Dioden beaufschlagt.

Hier ist die Frage ob da nicht schon eine "Reserve" bis eben ca. 25 V eingeplant ist und der Empfangsbereich somit über 104 MHz über sich hinaus wächst.

Die Skala aber bei 103 MHz endet. Also alle Frequenzen dann nicht mehr auf die Skala passen würden. 

Wenngleich heute kaum von Bedeutung, der AM Bereich der senderseitig bis zu 10 kHz Sendermodulation aufweisen konnte wurde NF mäßig begrenzt und erhielt zusätzlich noch eine  Lokal/Fern Taste zur Begrenzung der NF Bandbreite.

Die Eckdaten:

Empfangsbereiche:

FM 3 x 87,5 bis 104 MHz
LW 149 - 350 kHz
MW 512 - 1.625 kHz
KW 5,9 - 10,2 MHz (30 - 50 m, was das damals beliebte 49 m Europaband u.a. mit Radio Luxemburg inkludiert!)

Bauzeit: 1964 bis 1968

Röhren: 6 Röhren,

Halbleiter: 9 Transistoren

Bedienelemente: 10 Drucktasten,

Lautsprecher: 2 x 16 cm

NF Leistung: 2 x 3 W

Leistungsaufnahme: 220/240 V mit 60 Watt

Anschlüsse:

IEC (Philips typisch) Anschluß für Phono,

parallel zu einer Phono DIN Buchse,

Tonband DIN Ein-/Aus.;

ext. Lautsprecher DIN Anschlüsse mit Abschaltkontakt der eingebauten,

 Antenne Bananenbuchsen für AM und UKW

Maße: 64 x 24 x 26 cm

Gewicht: 10 kg

Preis: öS 3.800,- Schilling; Das Paar Zusatzlautsprecher für öS 700,-

Versionen:

ab Chassisnummer 1.069.351 und mit geändertem UKW Tuner ab Ser. Nr. 1.123.350, wobei in dieser Seriennummernfolge wohl auch andere MINERVA Modelle enthalten sind.

Folglich das vorliegende Gerät mit der Ser. Nr. #1.165.188 die bereits geänderte (Tuner-)Version vertritt.

Geändert bedeutet, das nun je zwei BA124 Kapazitätsdioden im Abstimm- und Oszillatorkreis arbeiten anstelle der je einen BA102.  

 

Besonderheiten:

Versionen:

Antennenkopplungsprint

Ich lese dies als "Antennen Spule Schweiz", bezogen auf den dort seinerzeit üblichen weit verbreiteten Telefonrundspruch über die Langwelle, ausgekoppelt eben aus dem Telefonnetz.

Sein Auftreten:

Ein gediegenes dem schon modernem Rechteckdesign entsprechendes Auftreten.  

Das vorhandene Fehlerbild - die Reparatur:

Ehrlich in der Online Verkaufsanzeige beschrieben wurde das Gerät als defekt angeboten.

Das Besondere in der Konzeption und für den offerierten Preis waren ja die beiden externen Lautsprecherboxen die zwar nicht extrem selten, aber umgekehrt im Vergleich zum 655er selbst zudem in gutem Zustand doch bisweilen mit etwas Geduld und Einwurf größerer Münzen gesucht werden müssen.

Das machte die 2h plus im Feierabendabholverkehr vom Gerätebesitzer, einem Mann der das Gerät aus der Haushaltsauflösung seines Vaters und vielen Jahren des Lagerns als Erinnerung nun doch zu einem fairen Preis in gute Hände abgeben wollte quer durch die Stadt bei winterlichen Regen das Ergebnis erträglich.

Das Gerät dürfte "bis zum Abwinken" aller lebenserhaltenden Röhrenfunktionen im Dauerbetrieb gestanden haben.

Optisch von wirklich nur kleinsten Mängeln abgesehen gab sich folgender Auftritt:

  1. Soweit ersichtlich ist alles vollständig und Original

  2. Der UKW Dipolantennendraht ist am Boden festgeklebt

  3. Die "AUS" Taste hängte wie vom Vorbesitzer erläutert (Da kam auch schon eine gebrochene Feder wohl für die EIN/AUS Tastenarretierung entgegen was möglicherweise einen weiteren Hauptmangel in der Alltagsnutzung für den Vorbesitzer darstellte.)

  4. Das Gerät war innen extrem verstaubt und wurde mit Druckluft sowie Staubsauger überhaupt erst einmal "zugänglich" gemacht

  5. Die beiden Lautsprecher waren dabei schon einmal draußen wie an den Schrauben erkennbar war

  6. Der linke Lautsprecher wurde zudem durch einen baulich flacheren, letzteres wohl auch auf die geringer mögliche Basswiedergabe zutreffend getauscht

  7. Die UKW 2 Abstimmung steckt fest Bild: Aufgebrochenes Antriebszahnrad

  8. Das Gerät gibt nur ein leichtes Brummen, zudem nur am rechten Lautsprecher ab

  9. Starkes mechanisches Brummen des Trafos selbst was aber auch "meinem Stromnetz" geschuldet sein mag?

  10. Alle vier 7V/0,3A Skalenlämpchen sind "ausgeglüht" und defekt. Wiewohl es so original vorgesehen war, ließen sie sich nicht von hinten herauslösen sondern erst nach Abnahme der Skalenscheibe von vorne.

  11. Selbst das bereits von Vorgängern von 6 auf 7V/0,1A gewechselte Stereo Lämpchen war durchgebrannt

  12. Weiters, weil es mit dem ROETEST V.10 mir leicht möglich war wurden alle Röhren zuerst gleich einmal geprüft und gemessen. Im Sinne von messen und wissen. Die Werte siehe oben in der Röhrenauflistung.

  13. Fast alle Röhren machen den Eindruck als wären sie bis zum letzten µA Steilheit "ausgebrannt" worden. Ist dies einem intensiven täglichen Betrieb geschuldet?

  14. Erst beim dritten Blick offenbart sich eine "Tischlerarbeit" der besonderen Art um einen losen Standfuß mit Zahnstochern und viel Leim zu verkleben.

Geräteöffnung:

Die Rückwandschrauben sind rasch gelöst. Es folgen vier Pressverschraubungen für die herausschiebbaren Lautsprechereinschübe links und rechts.

Unten sind vier Schlitzschrauben für das Lösen des Chassis.

Und dann braucht man sechs Hände um das Chassis und gleichzeitig die beiden noch angelöteten Lautsprecher herauszuheben soferne man beliebig Platz an einem Arbeitstisch hat.

"Another one bites the dust" - wäre schön aber das muß man leider selbst machen

Bild: "Another one bites the dust" - wäre schön aber das muß man leider selbst machen

Es folgte nochmalig die Reinigung bzw. das Absaugen,

 

Das Herstelldatum:

Gut erkennbar sind Datumsangaben auf Kondensatoren wie 2/1967 was das Gerät schon in die spätere Bauserie einordnen läßt.

Die Skala hat verdeckt unter dem LS Regler die Kennzeichnung 655/7 was wahlweise für 1967 oder der 7. Version der Skala stehen mag.

Erste Reparatur- bzw. Instandsetzungsversuche:

  1. Der Gegenwart geschuldet wurde sogleich auf die alternative 240 Volt Netzpannungswahl umgestellt.

  2. Nach einem oberflächlichen Reinigen der Röhrenstifte und Fassungen sowie teilweisen Austausch spielt das Gerät auf UKW.

  3. UKW bietet einen guten Empfang. Die AFC rastet spürbar beim Abstimmen ein. Das Stereoklangbild wirkt etwas verschoben bzw. ungenügend.

  4. Ob es überhaupt Stereo ist?  Die Anzeige leuchtet ja ebenso nicht.

  5. Es folgte eine sehr vorsichtige Reinigung der Skala sowie eine Ultraschallreinigung der Drehknöpfe nach dem Motto "Weg mit dem Speck".

  6. Vorsicht, die chromfarbenen Abdeckkappen lösen sich leicht von den Knöpfen und gehören folglich SOFORT wieder angeklebt. Dort wo dies nicht geschah fehlen sie bis HEUTE.

  7. Leichter Netzbrumm sowohl direkt mechanisch von Trafo und leicht aus den Lautsprechen kommend verblieb.

    1. Es stellte sich ein erheblicher Kapazitätsverlust von über 50% je 300V Hochvoltelko heraus mit 25 bzw. 42 µF zu den eigentlichen 100 µF !

  8. Was man hier, aber auch in anderen Radios an meiner Destination hört, das sind augenscheinlich von Wechselrichtern oder Schaltnetzteilen eingestrahltes "Zirpen" zwischen den Sendern sowie bei schwachen Sendern hörbar.

  9. AM Bereiche wurden in Ermangelung eines praktisch brauchbaren Nutzwertes aus meiner Betrachtung ausgelassen.

 

Bearbeitung des Tastenaggregats:

Um die Skalenscheibe zwecks VORSICHTIGEM Ausbaues und ebensolcher LEICHTEN Reinigung ausbauen zu können empfielt sich das Tastenaggregat mit VIER Schrauben unten zu lösen.

Acht mal in den Ecken bzw. den Halterungen am Chassis gibt es Gummi bzw- Weichplastikstücke damit die Skalenglas nicht mechanisch verspannt wird und brechen kann. Wo dies fehlt oder defekt ist am besten mit z.B. 3M Dichtband o.ä. ersetzen.

 

In meinem Fall kam noch die endlose Spielerei mit der gebrochenen und wieder einzufädelnden AUS Tastenfeder hinzu. Der Bruch wurde durch einen anderen Federstahl und Aderendhülse improvisierend behoben.

 

VORSICHT: Es kommen einem gleich die Kontaktsätze entgegen wo sehr leicht die Kontaktfedern abspringen können und verloren gehen oder man zumindest nicht mehr weiß wie es war...

So kanm es entgegen...

Besser gleich ausreichend Fotos für die spätere Orientierung machen

Weitere Seite

Reinigen der Umschaltkontakte mit Kontaktspray und Nylonbürste

Noch sieht man den Schmutz auf den UKW Festsendertasten vor dem Reinigen

Bild: Unterseite

Letztlich wurde alles gereinigt und mit etwas Lithiumfett an den mechanischen Schaltstellen eingesprüht.

Naturgemäß kann ich hier (noch) nichts über die Nachhaltigkeit dieser Maßnahmen aussagen. Jeder wird hier seine eigenen Erfahrungen haben.


Kratzendes Lautstärkepotentiometer

Ein leidiges Thema das uns alle so gut wie immer trifft:

Hilft das übliche Einsprühen nichts mehr weil die Kohleschichtbahn bereits Risse oder eine zu starke Abnutzung hat dann wird es kritisch bis hoffnungslos.

Bei obigen Gerät hatte ich dieses Thema zum Glück nicht.

Ein Sammlerfreund jedoch muss sich mit dem Ersatz des Potis bzw. Umbaues der Kohleschichtwiderstandsbahn auseinandersetzen.

Es wird wohl eine Einzelmaßnahme mit viel Aufwand und fraglichem Erfolg bleiben.

 

Bildspende: Josef H. Wien

Leider liefert der Markt keine Austauschpotis von z.B. ALPS oder anderen Herstellern MIT einer Loudness bzw. Anzapfung für die seit den 1950ern verwendete gehörrichtige Lautstärkeregelung.

Unsere Fachauseinandersetzung jedoch geht in die Richtung, wonach seit mindestens 20-30 Jahren die meisten UKW Sender eine Form von Dynamikkompression oder digital vergleichbares haben was Bässe und sonstige Klangspektren ohnehin auch bei kleinen Lautstärken bereits sehr stark betonen bzw. anheben.

Folglich man durchaus "normale" hochohmige Stereo Potentiometer womöglich verwenden kann. 

Ein weiterer Ansatz wären die 1980er Loudness Lösungen u.a. wie sie von Yamaha erarbeitet wurden.


UKW Tunerabstimmung

Buchstäblich der Zahn der Zeit nagt an den kleinen Kunststoffzahnrädern die nach all den Jahrzehnten aufplatzen da sie einst mit etwas Druck auf die geriffelte Metallachse einst aufgebracht wurden.

Mechanische Maße der drei Antriebszahnräder von der UKW Abstimmung, Typ: 12 Zähne bei 3,0 mm Innen DM und 7,5 mm Außen DM bei Modul 1(?) 1mm Zahnhöhe und 1mm Fläche.

 

Heute mögliche 3D Nachfertigungen oder womöglich fertig kaufbare Zahnräder können Ersatz bieten falls ein Kleben oder verschieben an der Achse nicht mehr hilft.

Bild: Von INGELEN ebenso in Wien beheimatet kamen die hinsichtlich deren Charakteristik für eine lineare Skalenaufteilung speziellen 50 kOhm Abtimmpotentiometer.


Reparatur am Stereodekoder:

Das Fehlerbild war, wonach weder die zudem bereits durchgebrannte und mit 10V Spannungswert zudem falsche Stereoindikatorlampe nicht leuchtete, ja nicht einmal angesteuert wurde und auch kein Stereoeffekt hörbar wurde.

Bild: Erfolgserlebnis nach Austausch der üblichen "Verdächtigen"

Messungen im Dekoder ergaben zwar korrekte Gleichspannungswerte an den Transistoren, jedoch keine angemessene NF Verstärkung der 19 bzw. 38 kHz.

In Folge, und hier hätte man den "Kondensatorentauschern" der Zunft recht geben müssen, die in der Schaltung angeführten blauen Philips 6,4 µV/25V Typen allesamt Werte jenseits gut und böse aufwiesen. Ein Tausch folglich die verlorene Verstärkung und damit ein gutes STEREO Klangbild samt Anzeige mittels einer korrekten Indikatorlampe lieferten.

Was seltsam bleibt, das ist der lt. Schaltung 470 Ohm Widerstand in der Ansteuerleitung, der in der Praxis ein 4.700 Ohm Type war, die zudem um die 6.000 Ohm aufwies.

Der Abgleich war anhand von lokalen Sendern einfach zu bewerkstelligen, Das erste mal jedoch, das ich mir etwas schwergängigere Abgleichkerne gewünscht hätte, da diese außerordentlich leicht beweglich waren. Eine Wachssicherung ich mir dennoch ersparte.

 

Studium der einzelnen Printplatten:

In Summe fnden sich vier Printplatte, HF, ZF, Antennenkopplung & NF.


Der 655er bietet Spielraum für Modifikationen:

Umbau auf LED Skalenlicht

 

Anstelle der 4 x 0,3 A = 1,2 A Belastung an der Heizstromwicklung, bietet sich heutzutage das Einkleben eines 12 V LED Streifens wie im Bild zu sehen ist an.

Für die 12 V Bereitstellung aus der 6,3 V Heizleitung bedarf es einer Spannungsverdopplerschaltung.


Umbau auf EL84

Einem Sammlerkollegen war das allgemeine Interesse am 655er, übrigends eine Gerätetype die ob der relativ langen Bauzeit zudem auch 2025 noch sehr häufig angeboten wird, nicht genug und so dachte er gleich in zeitlich größeren Dimensionen.

Der stetig schrumpfende Restbestand an zudem im Preis steigenden ECL86 Röhren, zudem in guter Qualität und "gematscht", da wir ja zwei davon benötigen ließ unseren Sammlerkollegen im Rahmen einer beruflich motivierten Meisterprüfungsarbeit eine neue Endstufenkonzeption mit den jederzeit noch bzw. wieder neu erhältlichen ECC83 sowie EL84 Röhren, u.a. vom slowakischen Hersteller JJ ausarbeiten und in seinem Gerät erfolgreich funktionierend in Betrieb nehmen.

Soweit wollen wir hier jedoch nicht gehen.

Dennoch ist erkennbar was eben alles möglich ist bzw. wohin sich die Sammlergemeinde bewegen kann wenn jemand mit "Biß" daran ist.

Dies betrifft auch die ECC808, einer wie es in Fachkreisen hieß ausgesuchte TELEFUNKEN ECC83 mit getrennten Systemen und somit anderer Beschaltung wenngleich elektrisch weitgehend ident.

Der Betrieb mit einer ECC83 jedoch bedarf eines Zwischenadapters bzw. einer leichten Umänderung der Anschlüsse an der Fassung selbst.


 

Auszug allgemein bekannter Fehler:

  1. Elkos mit Kapazitätsmängel die zu tauschen sind

  2. Verbrauchte Röhren

  3. Durchgebrannte Skalenlämpchen

  4. Abgelöste Drehreglerabdeckplättchen

  5. Gebrochene Zahnradritzel von der UKW Abstimmung, Typ: 12 Zähne bei 3,0 mm Innen D/M und 7,5 mm Außen DM Modul

  6. Hochohmig(er) gewordene Widerstände wie z.B. 4 x 220kOhm im NF Verstärker


 

Meine vorläufige Kritik zum Gerät:

   


Vergleichbare österreichische STEREO Wohnzimmertischgeräte aus dem zeitlichen Kontext MIT UKW Festsendertasten

Fehlanzeige! Hier war MINERVA ein einsamer Marktführer was diesem Modell im Vergleich zum Angebot des Wettbewerbs womöglich den Zuschlag der Käufer geben ließ.

KAPSCH

Vergleichbare Festsenderfunktionen bot u.a. KAPSCH an, hier jedoch NICHT in der STEREO Ausführung. Wobei STEREO in Verbindung mit den neuen Stereo Schallplatten, mitunter auch Stereo Tonbandgeräten zwar langsam aber mehr und mehr ein Thema wurde.

Den KAPSCH Optimat Stereo der Saison 1964/65 können wir hier zwar anführen. Aufgrund seiner eigentlichen Herkunft von GRUNDIG Deutschland aber zeitgleich wieder aus der Liste ausscheiden.

Mit einer ELL80 für die Stereoendstufe, einem OC79 Transistor und ECC81 im Stereo-Automatic-Decoder V bei sonstig weitgehendst herkömmlichen Röhrensatz läßt sich die Schaltung grob zusammenfassen. 

SILVA

Ähnliches darf für die SILVA Modelle gelten die bei KÖRTING Deutschland gefertigt wurden.

Bescheidenes Angebot

Der Markt echt österreichischer STEREO Radiogeräte war überhaupt anfänglich recht übersichtlich.

Für die aufkommende neue Zeit der nun modern gewordenen Steuergeräte alias Receiver wie wir sagen würden schüttelte die ganze Branche das altbackene Radiodesign weitgehend ab und bot mehr oder weniger schön designten, letztlich wieder rechteckige jedoch kompaktere Kästen für das Wohnzimmer wo eben die Lautsprecher extern aufzustellen waren.

Noch im altbackenen Design breschte Horny/Philips 1966/67 mit dem Selecta Stereo Steuergerät WZ566A/00 bzw. /70 in Hybridschaltungsweise vor. Ein Chassis was in verschiedenen Philips/Horny Truhen u.a. als "Stereoplan" usw. ebenso Platz fand.

Man beachte das sich PHILIPS für die Stereoanzeige schlicht eine ZWEITE EM87 leistete.

RADIONE

1967 folgte RADIONE mit dem Jupiter Stereo jedoch wieder als gewöhnliches TISCHGERÄT dessen Schaltung lediglich EINE UKW/AM Duplexabstimmung erlaubt, also nur ein "Senderspeicher" je Band.

Das Interessante hier ist aber das Einsparen der Transistoren im Stereodekoder durch Einsatz einer ECF80 sowie als Anzeigeröhre einer ebenso bereits 1964 verfügbaren EMM803 Abstimmröhre mit eigenem Anzeigefeld für eben der Stereowiedergabe.

Der fortgeschrittenen Entwicklung sind anstelle Röhren oder Germanium hier zwei BFxxx Siliziumtransistoren im UKW Tuner mit herkömmlicher Drehko Abstimmung im Einsatz.

 

MINERVA bot 1967/68 das UKW-Stereo-Steuergerät 675

Mit Ausnahme einer Anzeigeröhre war dieses Gerät bereits Volltransistorisiert und bot "nur" mehr das störungsfreie UKW Band jedoch wieder mit Festsenderdrucktastenabstimmung.

Die Front selbst wirkt jedoch etwas gewöhnungsbedürftig und würde heute auch als einer Arbeit von Selbstbauamateuren wohl nicht mehr durchgehen da zu schlicht und technisch wirkend.

HEA

Auf die neue Volltransistortechnik warf sich dann der Hersteller HEA mit u.a. seinen Bausteinserien wie dem Stereo Tuner St TU 1/1, die wir als Vorgänger der uns bekannten Bausteinserien aller anderen insbesondere Importmarken sehen können. HEA war mit zumindest zwei UKW Festsenderabstimmungen, teilweise auch mehr im Rennen.

KAPSCH

folgte 1968/67 mit den Volltransistor Hi-Fi Stereofonic de Luxe was uns in das neu geschaffene Segment der Hi-Fi Anlagen vorstoßen ließ.

MINERVA

konterte ab 1969 mit dem wirklich elegant wirkenden Hi-Fi Stereo DeLuxe 695 was uns diese AUSZUGSWEISE Betrachtung der Entwicklung und des lokalen Wettbewerbes, der natürlich auch damals schon von Importen aller Art, insbesondere aus Deutschland, England und Skandinavien geprägt war hier  ausklingen läßt.

 

Quellen & Nachweise:

  1. Reparaturgerät, Ser. Nr. #1.165.188 aus 1967 

  2. Heft Radioschau 8/1965 mit umfassender Gerätebeschreibung

  3. Service Anleitung R16 MINERVA Stereo 655 ab Chassisnummer 1.069.351 und R16/2 für Tuner Modifikation von BR Ing. Rudolf Bäumler ehem. Lehrlingsausbildungsleiter Website abgerufen im November 2025

  4. MINERVA Werbeprospekt zum Stereo 655 um 1965

  5. Schaltplan von Elektrotanya

  6. Eine gut gemachte Reparaturbetrachtung für die Alltagsnutzung des Geräts gibt es zudem von Sammlerkollegen Herrn Summers im Web https://www.saintummers.at/repair/minerva655.html abgerufen im Dezember 2025


Suchbegriffe: MINERVA Stereo, 655, EL84, ECL86, UKW, Elektronik, Festsender, Kapsch Optimat, ECC808,  Radione Stereo Jupiter,


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© Textzusammenstellung 11/2025; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 31.12.25