PHILIPS Bürokommunikation der 1970er Jahre - Das LBB 7050/60 Haustelefon

Philips LBB 7050/60 Intercom Haustelefon NC 8900 705 06001

  Bild: "Fräulein Trude bitte zum Diktat" mag es im einstigen Sprachgebrauch über den Lautsprecher womöglich geklungen haben.

EINLEITUNG:

Sie gehören in die Rubrik der einst stets präsenten Büroausstattungstechnik die aber in der Erinnerung ein Schattendasein führt.

Mehr sind da noch ein zentral aufgestellter Fernschreiber, zumindest aber ein Faxgerät bekannt, nebst schon moderat vor sich hinklappernden elektronischen Schreibmaschinen. Die rein mechanische wurde da nur mehr für die Beschriftung von Umschlägen oder Typenschildchen eingesetzt.

Über die gewöhnlich omnispräsente Filterkaffeemaschine werden sich schon andere Autoren ausgelassen haben. Erwähnenswert ist vielleicht noch die Zentraluhrenanlage in größeren Betrieben die den Tekt für Pausen aber auch Schichtbeginn- und Ende visualisierte.

Im Gegensatz zur Radio- Fernseh- und HiFi-Technik ist die Sammlergemeinde für frühere Kommunikationsanlagen, alias Haustelefone und Intercom-Anlagen für Büro- wie auch Industriebetriebe eher überschaubar geblieben.

Erste bekannte elektronische Lösungen in der Nachkriegszeit:

Gab es zuvor wie vom Schiffsbau bekannt Rohrleitungssysteme mit einem Sprech- bzw. Hörtrichter, so hielt früher oder später die Elektro- später auch die aktive Verstärkertechnik hier einzug.

Ein, bezogen auf den europäischen Markt als Novität zu bezeichnende zudem günstige Lösung habe ich bereits im Artikel PHILIPS Adagio mit einem Heimsprechanlagen Nachrüstsatz für Röhrenradios aus dem Anfang der 1950er Jahre beschrieben.

Dort jedoch nur für den Heimgebrauch bzw. für ein Kleinbüro einsetzbar.

Spätere bereits transistorisierte Modelle zeigten immer mehr die breitere Einsatzmöglichkeiten dieser Intercoms.

Philips Intercom EL7320 Bild: Philips Intercom EL7320 als weitere Zwischenstufe der Entwicklung

Andererseits wurde der Autor zu seiner Lehrzeit in den 1980er Jahren wie auch im späteren alltäglichen Anwendungsbereich mit dem PHLIPS LBB 7050/60 NC 8900 705 06001 Sprechterminal konfrontiert das an neuralgischen Stellen wie eben Büros leitender Mitarbeiter und anderer entsprechend verkabelt angeschlossen war.

Bild: Als es noch eine Aufbaustimmung in der "It's a mans world" gab. Das vom Philips Tochterunternehmen Norelco in den USA propagierte MASTERCOM M100 System in der 1970er Werbung aus "Electronic Technician 1970-07"

Dieser Beitrag soll ein wenig Einblick in diese Zeit und der Technik geben. 


Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Das Gerät

  3. Zweck der Geräte

  4. Nicht alles war früher schlecht

  5. Zur Technik

  6. Einsichten

  7. Weitere bekannte Ausführungen

  8. Abgrenzung

  9. Weitere Lesetipps des Autors


Das Gerät

Der Zufall, wie so oft, ließ mich an dieses Gerät jüngst 2026 kommen das auch Kollegen in der Serviceabteilung damit als etwas "persönliches" wahrnehmend auf der auswechselbaren Rufnummernverzeichniswahlwalze kenntlich machte.

Hinzu kam der Name meines einstigen Lehrwerkstättenleiters Herrn Rudolf Bäumler (Vertreten im Web mit seinem eigenen interessanten Webportal >https://www.bin-br.at/<, Stand 2026, zur GRUNDIG wie auch MINERVA Geschichte).

Sogar der Geschäftsführer Herr Dir. Herbert Mraz (†), Nachfolger von Dir. Beutelhauser konnte damit von befugten Kreisen direkt angesprochen werden. Zumindest jedoch sein Sekretariat.

Als Sammelgut oder als attraktiver Demonstrationsgegenstand taugt es jedoch wenig.

Es kann zudem jegliche Interaktion ja nur im Zusammenspiel mit einer Zentralstelle die wohl das Netzteil beherbergte sowie zumindest einer weiteren Sprechstelle funktionieren.

Vielleicht läßt sich einmal eine Kunstschaltung zu Demonstrationszwecken aufbauen. Man wird sehen falls sich Schaltungsunterlagen auffinden lassen sollten.


Zweck dieser Geräte:

Zwar gab und gibt es zumeist in diesen Gebäuden und Firmen naturgemäß auch umfassende Nebenstellentelefonanlagen die jeden entsprechend ausgestatteten Teilnehmer bzw. die Abteilung, zudem ohne postalisch amtliche Minutensprechgebühren verrechnet zu bekommen im Gebäude erreichen ließ.

Bild: Rufstellenverzeichnis aus den Intercoms der Grundig Serviceabteilung. Herrn Penzinger (†), finden Sie mit seinen einstigen Aktivitäten wie auch Erinnerungen auf seiner eigenen Webpage (Stand 2026) unter Penzinger.at.

Das Verzeichnis ist zugleich auch ein Zeugnis des damaligen Qualitätsstandards der Kopiertechnik.

Die "besseren" Abteilungen und deren Personal hatten dann auch eine abrufbare Amtsleitung für das Telefonieren nach Außen, während der "ordinäre" Arbeiter zum Münzsprechautomaten bei der Kantine im 2. Stock montiert verwiesen wurde.

Je nach Ausbaustufe waren das zum Teil auch noch Wählscheibenapparate.

Zeitlich stammt die besagte Technik aus der Mitte der 1970er Jahre als u.a. eben GRUNDIG wie auch PHILIPS ihre Häuser bzw. Werksanlagen auch in Österreich/Wien dementsprechend ausrüsteten.

Als Herstellerland der Terminals wird Norwegen angeführt.

Phiips LBB 7050/60 Haustelefon 

Die kurze, nur informelle Anfrage jedoch wie fiktiv: "Fräulein Trude bitte zum Diktat" oder "Herr XY sind Sie noch im Büro" usw. für eben Kurzfragen und Abklärungen war die ideale Anwendung dieser Einrichtung für "kurze Wege".

"Herr Sowieso, bitte zu Roboter 3 kommen" war zudem stellvertretend so eine tatsächlich von mir einst gehörte Durchsage gegen Ende der 1980er Jahre in der Fertigungshalle im 2. Stock bei GRUNDIG Wien 12, die von einer solchen Sprechstelle ausgehend über eine daran verknüpfte PA - Lautsprecheranlage für alle zu hören war.

LBB 7050/60 Haustelefon

Lokaler ging es dann im vom einstigen PHILIPS Haupthaus, nunmehr "Phils Place" abgesetzt errichteten, zwischenzeitlich abgetragenen kleineren Gebäude an der Triesterstraße in Wien 10 zu, wo unsere Büros ebenso mit diesen Intercoms eine formfreiere Kommunikation ermöglichten.

Früher war nicht alles schlechter

Schon vor diesem Artikelanlaß erinnerte ich mich fallweise an diese als durchaus praktisch wahrgenommene Einrichtung die das nach den 2000ern üblich gewordene Anrufen eines Kollegen am Smartphone auch nur zwei Zimmer weiter zum ad absurdum führt.

So nebenbei erwähnt, im GRUNDIG Werk existierte zudem noch eine Rohrpostanlage die bestimmte Abteilungen miteinander verband die eben auch Dokumente oder kleine Fertigungsmuster zu versenden hatten.

Zusätzlich gab es sicher auch noch eine Hauspost Verteilung wie allgemein üblich.

Was diese Art der Kommunikation nicht bieten konnte, das war eine Privatsphäre oder Vertraulichkeit der Gespräche, da man ja frei in einem Abstand von vielleicht einem Meter je nach Umgebungsgeräusch das Gerätemikrofon ansprach und der Lautsprecher den Gegentext an alle Anwesenden im hörbaren Umfeld weitergab.

Eine Privatsphäre zu schaffen war aber ohnehin nicht Aufgabe des Systems in einer Zeit als Telefonzellen noch eine Vertrautheit von Gesprächen boten die in der Handy- und später Smartphone Zeit scheinbar nicht mehr benötigt wurde.


Zur Technik:

Erkennbar waren die Sprechstellen, sei es als Tisch- oder Pultgerät an der Wand befestigt an einer roten LED, einer Blende mit dem Lautsprecher und dem Mikrofon dahinter und einem für unser heutiges Verständnis seltsam anmutenden Multikabelstecker, einem MEK 16 von HIRSCHMANN als 16 poligen Stecker für eine wohl parallele Vieldrahttechnik wie man sie in dem Bereich der Fernmeldettechnik verorten würde.

MEK 16 von HIRSCHMANN

Was eben dazu gehören muß, das ist die in Parallelverkabelung oder gar als Ringleitung (?) errichtete Verkabelungsstruktur wo es sei es Aufputz oder auch im Kabelkanal wie im Servicetrakt üblich gewesen liegend die Vielpolsteckdosen ausgeführt gab.

Bild: Fest angelötet der kleine Lautsprecher sowie die Mikrofonkapsel

Irgendwo muß es dann die Zentrale mit besagtem Netzteil, und womöglich eine Übergabe für die Durchschaltung zu einer PA Anlage falls erforderlich gegeben haben.

Eine für fachlich nicht im Thema steckende Techniker etwas unklare Anleitung ist mit einem Musterbeispiel abgedruckt im Gerät unter der Rolle dabei.

Bild: Die Kurzanleitung für die Adressierung der Geräte. Einmal für die Einzelstelle und einmal für die Gruppenzuordnung.

Im GRUNDIG Werk hat es augenscheinlich zwei oder gar mehrere Netze parallel mit je einem eigenen Kreis an Nutzern mit denen eben laufend zu kommunizieren war gegeben:

  1. Einmal das Service, mit Lager und Vertrieb

  2. der Bürotrakt einschließlich dem "obersten Chef",

  3. und vielleicht weitere?

Die beiden Portiere konnten lt. Listen in den getrennten Systemen einmal über DW34 und DW70 erreicht werden.


Einsichten:

Mit zwei Kreuzschrauben unter der drehbaren Plexiglasrolle versteckt ist einmal die Adressierung des Gerätes mit fünf Stiftsteckern durchzuführen.

In jedem Fall geht daraus hervor, das es nicht nur einen Einzelanruf von einer einer Gegenstelle, sondern auch einen Gruppenanruf an eine daran adressierte Abteilung wie vielleicht der gesamten Serviceabteilung gab. Ich nehme an, das bis zu 100 Sprechstellen mit diesem System pro Gruppe adressierbar waren.

Mehr hätte die papierene Adressrolle zur Orientierung auch kaum mehr überschaubar anzeigen können. 

Nach dem Öffnen zeigt sich in den Maßen 195 x 180 mm ein ernsthafter Print mit einem markanten großen Übertrager, einem kleineren Übertrager, ein paar Transistoren, davon einem Leistungstransistor, einem >GYY141< IC  womöglich ein EPROM, einem SAA 1026 noch unbekannter Funktion, TCA 210 und TCA220 als Low Power NF Verstärker und OP Kombi IC nebst üblichen passiven Bauteilen.

Die IC's weisen mit der Stempelung 75xx 1975 als mögliches Herstelljahr und damit zugleich den Errichtungszeitraum des GRUNDIG Werkes Wien auf.

 

 


Weitere bekannte Ausführungen:

Es dürften später leicht modifizierte Ausführungen wie der M100P verbaut worden sein die sich in den Details etwas unterscheiden. So eben mit der "10er Tastatur" sowie einer frei einstellbaren Lautstärke. Ebenso ist die Anrufstellenrolle etwas breiter ausgeführt. 

In den 1990ern gab es die PHILIPS LLB 7089/10 Desktop Master Call Station immer noch aus der M100 Systemreihe die aber schon mehr an ein modernes Bürotelefon erinnert. 


Abgrenzung:

Wie immer erfolgen alle Marken- und Modellnennungen nur in beschreibender Weise und wird auf die jeweils aktuellen Marken- und Rechteinhaber und deren Ansprüche verwiesen.


Quellen & Nachweise:

  1. Bekannte Geräte mit den Seriennummern #29360, #32645

  2. Diverse Online Angebote vergleichbarer Modelle


Suchbegriffe: Philips Intercom, Haustelefon, LBB7050/60, Norelco Mastercom M100,


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© Textzusammenstellung 1/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 24.01.26