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Dieser Beitrag erzählt von einem Vertreter des klassischen "Japan Barocks" - dem Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P ; 9 Transistor 3 Band, Ser# 3151

Vielleicht nur mehr Monate, möglicherweise wenige Jahre trennen uns vor dem allumfassenden Abschalten aller herkömmlichen analogen Radioausstrahlungen zugunsten neuer digitaler Übertragungsformen. Noch bleibt uns die Zeit um die praktische Verwendbarkeit und Empfangseigenschaften anhand von Radio-Sammlergeräten und solche die es noch werden können in der Gegenwart nochmalig zu erforschen, zu reparieren und auszuprobieren. Begleiten Sie mich auf dieser Zeitreise durch die Technikepochen und mehr....

 

  Chassis des Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P

Bild: Der Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P

 

Inhalt:

 

  1. Einleitung:
  2. Kleine Modellkunde
  3. Die Technik
  4. Die Schaltung
  5. Der Abgleichvorgang
  6. Fazit
  7. Wie das ideale SANYO Transistorradio ausgesehen hätte
  8. Gesichtete Quellen und bekannte Literatur

 

 

Einleitung:

 

Gesehen als eher unscheinbare Henkelware im Japan-Look aus der Epoche der ausgehenden 1960er Jahre von ca. 1966 bis 1970 erweckte dieses Gerät mein Interesse.

 

Also ein tragbarer Transistorradio mit klappbarem stabilen Tragegriff. Ein an der Front in lateinischem Schriftzug als "All Wave Deluxe" bezeichnetes Gehäuse in Kunststoffrahmen-Pressfaserholz Kombination mit einem Folienüberzug in Holzfurnierimitat. Und das in den kompakten, wenn auch schon nicht mehr ganz zierlichen Maßen wie L: 234mm x H: 145mm x Tiefe: 70mm jeweils zuzüglich der Anbauteile wie etwa die vier stabilen Gummifüßchen mit denen das Gerät ein zerkratzen der Tischoberfläche vermeidet.

 

Außen mit attraktiven Chromelementen als Ausdruck des anderswo gerne auch etwas abschätzig bezeichneten Japanbarocks, den ich hier wie auch anderswo wie etwa den PKW's jener Zeit als aber eben gerade interessant und zumeist gestalterisch ansprechend positiv bewertet wissen möchte.

Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich immer streiten was wir hier aber nicht tun wollen.

 

Vielleicht war genau das wiederum das reizbare, dass die Motivation zum Kauf des zwar günstigen aber auf dem Verkaufsportal im Internet als teilweise defekt deklarierten Geräts ausgemacht hatte.

 

Ein schlichtes Auftreten mit nur zwei Bediendrehknöpfen, dem Lautstärkeregler mit dem Ein/Ausschalter in der Drehfunktion verkoppelt, sowie den obligatorischen Abstimmregler die eine Bedienungsanleitung überflüssig werden lässt.

Oben rechts lugt die konisch geformte Kappe einer zudem einwandfreien zehnteiligen Teleskopantenne mit 68 cm Nutzlänge hervor.

An der Rückseite, schon fast versteckt, zumindest jedoch sicher für den Fall des Umkippens in einer Einbuchtung liegend befindet sich der dreifach Bandwahlschalter.

Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P mit dem Bandwahlschalter

 Bild: Rückseite des Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P mit dem Bandwahlschalter

 

Was hier konkret "Deluxe" sein soll bleibt der jeweiligen Vorstellungskraft zugewiesen. Selbiges wird uns das "All Wave" an Fragen abverlangen. Doch dazu später.

 

 

Nichts, was sich nach auch damaligen Maßstäben als etwas besonderes, vom bereits beschriebenen Gehäusedesign abgesehen, ein wenig abhebt oder bewerten ließe.

 

Kleine Modellkunde:

 

Nur drei Frequenzbänder verraten schon das hier etwas fehlen muss was wir insbesondere in Europa unter "All Wave" erwarten würden. Nämlich das fehlende Langwellen Band.

Bild: Typenschild der Version L

Bild Typenschild des Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P

Dies mag damals eine Kaufentscheidung für Geräte in bestimmten Empfangsregionen gewesen sein. Heute ist es dies naturgemäß nicht.

Das Internet belegt für uns die Leistungsfähigkeit der japanischen Industrie die immer schon exportorientiert gedacht und vor allem zum Leidwesen der europäischen Industrie so auch nachhaltig gehandelt hat.

Typenschild Version L

Bild: Typenschild der Version L

Wenig überraschend, dass es auch dieses Modell als Typ 9G-605L eben mit Langwelle anstelle der Kurzwelle zu kaufen gab wie uns die französische Sammlerplattform >doctsf< aber auch ein Tschechisches Auktionsportal belegen.

Sanyo Bandwahlschalter mit und ohne LW

Bild: Bandwahlschalter mit und ohne LW

 

Es würde mich nicht überraschen, wenn es auch weitere Versionen wie eine originäre japanische Inlandsversion mit dann versetztem japanischem FM Band gegeben hätte. Das japanische Yahoo Verkaufsportal lässt hier mit einigem Aufwand, Phantasie und Akribie oft interessantes ans transkontinentale oder besser gesagt ans transpazifische Tageslicht gelangen.

Ohne Phantasie, dafür zudem belegt als Bild- bzw. Videodokument kennen wir auch den Nachweis des 9-G-605A wobei ich das A hier für "Arabic" also für eine arabische Regionenversion deuten möchte. Dort mit KW 6.0 - 15.0 MHz sowie einer anderen subjektiv zudem besser gelösten Ausführung der Kopfhörer- wie auch Netzteilbuchse sowie deren Verortung wie sie auch schon bei der womöglich etwas später auf den Markt gebrachten L Version bekannt ist.

Bild: Unterschiedliche Versionen der Buchsenanordnungen: Links A & L Version, rechts P Version

Bild: Unterschiedliche Versionen der Buchsenanordnungen: Links A & L Version, rechts P Version

 

 

9G-605 Skalenversionen LW SW Bild: Zusammenstellung der drei bekannten unterschiedlichen Skalen - von oben nach unten Typ P, L und A

Ein Sanyo Werbe bzw. Informationsblatt aus Spanien/Andalusien von 1970 führt dort ebenso noch diesen Radio Sanyo 9-G-605 mit Bild an. Welche Version ist aber nicht ersichtlich.

 

 

 

 

 

 

Zurück zum vorliegenden Gerät:

 

Somit bietet es uns alltagstauglich UKW von 87 bis 108 MHz. Mittelwelle und den KW Bereich von 3,2 bis 10,0 MHz (~ca. 30 bis 99 m Band), was das damals interessante 49 m Band mit beinhaltet. Im abschließenden nächtlichen Tests waren auch einige SSB Amateurfunkstationen stark zu vernehmen. Aber natürlich im AM Demodulator nicht verständlich hörbar.

 

An der Seite gibt es eine 3,5 mm Klinkenbuchse für den Mono Kopfhöreranschluß bei zeitgleichem wegschalten des eingebauten 8 Ohm ca. 10 cm Rundlautsprechers mit 0,4 Watt und eine ebensolche für den Anschluss eines externen Netzteils für 6 V Gleichspannung.

Deren Buchse ebenso dann das in zwei Einheiten aufgeteilte Batterie Ensemble mit in Serie drei x 1,5 V in einer Kunststoffhülse vor dem herausfallen schützt und eine extra 1,5 V Zelle, jeweils ausgeführt als die "dicken" Typ D Monozellen elektrisch wegschaltet. Dieses Batteriepack führt dann auch in eine ernsthafte Gewichtsklasse über 1 kg.

Um dorthin zu gelangen, gilt es an einem, am vorliegenden Gerät leider nicht mehr vollständig erhaltenen, Lederstreifen oben mittig zu ziehen um den vollformatigen Presspappendeckel mit seiner Metallklemmnase für den Verschluss zu lösen und aufzuklappen. Tischlerische Verarbeitung wenn auch auf einfachem Niveau fällt mir als Beschreibung dazu ein.

 

Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P

Bild: Innenansicht des Batterieensembles sowie Chassis des Sanyo "All Wave Deluxe" Portable Radio 9G-605P

 

Und schon präsentiert sich das Chassis, was möglicherweise im Original Abdeckungen in Kartonausführung gehabt haben könnte (laut Vergleichbildern aber scheinbar dann doch nicht) und jetzt eine Sicht auf fast alle Bauteile ermöglicht. Ebenso stark raumfüllend das bereits beschriebene aufgeteilte Batteriepack. 

 

Die Technik:

 

 

An Stromaufnahme im FM Bereich nimmt bei subjektiv eingestellt moderater Zimmerlautstärke das Gerät 14,5 mA (FM LS abgedreht 13,5mA; AM 13,5-14,5 mA). Wenig genug um mit den vier D Zellen ausreichend lange und zudem wirtschaftlich haushalten zu können. Im heutigen Alltags- oder auch nur dem Sammlervorführbetrieb sofern man es wollte, würde wohl eher ein Steckernetzteil zum Einsatz kommen.

 

Das Gerät selbst spielte in allen Bändern mit zu erwartenden Schaltkontakt- und Kratzgeräuschen sowohl mit Batterien (Monozellen können heutzutage im Supermarkt gekauft auch wieder teuer sein wie der Autor feststellen durfte) wie auch mit der 6 V Netzteileinspeisung. Letztere mit dem Pluspol in der Mitte entgegen so manchen anderen japanischen Geräten die zeitweise diese "Regel" durchbrochen haben (Siehe der Artikel des Autors zum Sony Captain 55 ICF-5500M).

 

Was es im Wesentlichen zu bemängeln gab, das war der schlechte, zudem in der Frequenz um einige MHz deutlich verschobene UKW Empfang. Optisch machte ich eine UKW Luftspule aus, an der augenscheinlich herumgefummelt worden war um möglicherweise Funkdienste wie Flugfunk, Polizei, Taxi, Rettung etc. vermeintlich oder auch real in der Analogzeit empfangen zu können. Unter dem unteren UKW Bandende wären der Euro-Pagerdienst oder zeitlich noch etwas zurück semikommerzielle Funkdienste präsent gewesen, wie uns auszugsweise eine Philips Mobilofon SFR 296 also Mobilkommunikationsanlagenbeschreibung eines "Boatanchor" Geräts, in unseren Breiten auch "Röhrengrab" genannt belegt.

 

Herausgelöstes Chassis zum Löten

Bild: Herausgelöstes Chassis zum Löten

Das Chassis wirkt aufgeräumt, alles hat seinen Platz und eine logische Baugruppenzuordnung, jedoch dabei so eng platziert das eine Bauteilzuordnung und auch Messungen mitunter sehr schwierig waren.

Es fand sich auf "doctrf . org" ein Schaltplan zur Type 9G-605, das P fehlte dort, was vielleicht auf die hier in der Schaltung fehlende 6V "Power Buchse" hindeuten dürfte die in der Realität jedoch vorhanden ist. Das tut aber keinen Abbruch, da zum Einen dieses Detail in der Praxis bis auf anfängliche Kontaktprobleme funktioniert und zudem ohnehin keine fachliche Herausforderung darstellt.

 

 

 

 

 

Teilauszug UKW Tuner

Die Schaltung selbst ist klar gezeichnet:  

Bild: Teilauszug UKW Tuner

 

Der Aufbau schließt sich der Logik an und bietet kaum Überraschungen.

Drei Meßpunkte, TP alias "Test Points" werden ebenso in der Schaltung angeführt, die aber erst nach einigem herumexperimentieren entsprechend am Print zuordenbar und nutzbringend wurden. Diese sind herausgeführte Drähte mit einer Öse für ein Multimeter oder einem Greifer. Im Normalbetrieb aber per transparentem Schlauch geschützt zusammengebogen.

Mit Hilfe derer wird die AM sowie FM ZF abgeglichen.

 

Was aber leider fehlt, das ist ein verortender Bauteileplan sowie eine Abgleichanleitung. Und gerade wegen letzterem wollte ich zum Anlass des ohnehin verstimmten UKW Teils den "Stier bei den Hörnen" packen und mit allgemein gültigen Abgleichregeln dieses Gerät entsprechend wieder voll spielbereit machen.

 

Ich habe daher ein Bild mit der Zuordnung der Filter angefertigt. Links am Drehko wären noch die UKW C's zu finden

Alignment

 

Bild: Lageplan der Filter sowie Trimmkondensatoren für den Abgleich.

 

 

 

 

Der Abgleichvorgang.

 

Allgemein gültige Abstimmregeln heißt in Kurzfassung soviel wie:

 

 

 

Auch wenn AM funktionierte, wollte ich hier erste Erfahrungen sammeln. Zudem ohne bekannter Zuordnung der Filter ohnehin ein empirisches verstehen und vorsichtiges Herantasten notwendig wurde.

 

Es dauerte etwas, bis ich lose die Teststrippen mit vom Testgenerator aufgeschalteter angenommener 455 AM ZF so platziert hatte sodass auch ein (Pfeif-)Ton dabei herauskam. Besser ging es mit dem induktiven Einspeisen per externem Ferritstab.

Hier waren aber alle Filter bereits auf Maxima eingestellt und brachten keine relevante Verbesserung.

 

FM war ähnlich, wenn auch hinsichtlich des korrekten Signalabgreifens am Ratiodetektor etwas komplexer. Auch hier gab es keine spürbare Verbesserung. Eingespielt wurden 10,7 MHz ebenso lose anliegend in die Schaltung. Der Antenneneingang dafür war zu sehr entkoppelt was die ZF betraf.

 

Tuner Abgleich:

 

Anders war es nun beim Tuner also dem Headend.

Auch hier musste zuerst geklärt werden welche Spule und welcher Trimmkondensator, auch die rückseitig am Hauptdrehkondensator angebrachten, je welche Funktion hatten.

Mit etwas Spielerei fanden sich diese. Die UKW Trimmer im Drehko könnten auch der wahre Grund für die UKW Verstimmung gewesen sein. Erst eine Tunerspray 600 Reinigung und mehrfaches Abgleichen brachten die Frequenzen dorthin wo sie hingehörten.

 

Bei AM war zuerst die MW abzugleichen, dann folgte darauf basierend die Abstimmung für die KW.

Das herumschieben der Induktivitäten am Ferritstab auf Maxima habe ich aber unterlassen. Hier die Verklebungen der Spulenwindungen zu lösen und Verbesserungen zu erwarten, war, da so wie schon erwähnt, AM ohnehin brauchbar war, nicht allzu sinnvoll, bzw. war das Risiko von Beschädigungen höher als ein möglicher Nutzwert der Aktion.

 

Wiewohl das Gerät nun spielte, setzte ich meinen neuen low Budget Joy-it "China Multi-function Tester" T7 , mittlerweile oft gesehen bei Sammlerkollegen rund um den Globus ein um einmal die Elkos auf Kapazität und ESR hin zu messen. Die meisten waren in der Kapazität mehr als das Doppelte des Nominalwertes was nicht unbedingt störend sein musste. Dennoch habe ich die meisten ausgewechselt.

 

Dazu war das Chassis auszubauen, was zwar etwas Schraub- und Lötarbeit aber keine Schwierigkeiten aufwarten ließ. Man sollte sich jedoch genau merken oder fotografieren welche Schraube wo im Detail eingeschraubt war, da es unterschiedliche Längen wie auch Gewinde gibt.

Den Kunststoff Subrahmen für den Skalenlauf empfinde ich ebenso gut gemacht. Es bot sich wenn dann auch etwas eingeschränkt aber immer noch genug Platz um daneben und mit Sicherheitsabstand zum Skalenseil zu löten.

 

Dabei wurde erkennbar, dass die rot gefärbte Messing Skalennadel ihre Farbe etwas abblättern hat lassen. Hier habe ich mit rotem Farbspray lokal nachgeholfen. Dies hätte aber nicht unbedingt sein müssen.

 

Was aber ein Thema ist, dass ist das Ablösen der sehr eng beieinander liegenden dünnen Leiterbahnen und Lötaugen beim Herausarbeiten der Elko's bzw. beim Wiedereinlöten. Hier hat es sicher auch damals schon besseres im Sinne der Verarbeitung gegeben. Spätestens bei mehrpoligen Bauteilen wie Transistoren oder gar Filterspulen wäre es sehr herausfordernd geworden.

 

Die ZF Filter, hier die Marke Toko möchte ich dabei aber als absolut löblich deklarieren.

Mit einer Ausnahme, der letzten AM Stufe, die hinsichtlich der mechanischen Drehbarkeit etwas kratzig und ruckelig war, waren alle Filter mit leichtem Drehmoment mittels normalem Schlitzschraubendreher der hier nicht induktiv verstimmend wirkte auch abstimmbar.

Das verbliebene Drehmoment gibt zudem die Sicherheit, dass sich die Kerne nicht von selbst einmal verstimmen werden. Ganz anders ist das mitunter bei Philips und Co. was aber eine eigene Geschichte ist bzw. noch werden wird.

 

Fazit:

 

Technisch ein einfach gehaltenes Gerät als Spiegel seiner Zeit für die üblichen Empfangserwartungen und einfach gehaltenen NF Klang Bedürfnisse.

Das Gehäuse mag es vom damaligen Mitbewerb in Holzimmitation und Chromfinish als etwas höherwertiger erscheint haben lassen. Ein angenommener günstiger Kaufpreis für die in den 1960er Jahren zumeist erst im Export Aufbau befindlichen Fernost Marken wird einen Wettbewerbsvorteil im Vergleich zur inländischen Hausmannskost gebracht haben. 

Mit dem verchromten Frontgrill und dem Aussehen eines kleinen "Weltempfängers" wirkt das Gerät auch in einer Radiosammlung der Gegenwart (2022) rein optisch noch entsprechend nach.

Für die Alltagsradiobeschallung aber gibt es höchstwahrscheinlich anderwärtig überzeugenderes.

Wie das ideale Sanyo Radio ausgesehen hätte:

Es fand sich tatsächlich gewissermaßen ein Klon oder zumindest ein sehr naher Verwandter dieses Geräts das weitgehend die oben beschriebenen Mängel in Sachen fehlender Ausstattungsmerkmalen hier ausgeführt hat:

Es handelt sich dabei um die "Deutsche Marke", man müsste besser sagen Vermarktungsmarke OCEANIC mit ihren 1967/68er Waldorf Modellen K, K II sowie L. Ebenso mit dem Modell Sanremo L.

OCEANIC Waldorf K mit vom SANYO bekannten Merkmalen. Oder nahm SANYO Merkmale des OCEANIC?

Bild: OCEANIC Waldorf K mit vom SANYO bekannten Merkmalen. Oder nahm SANYO Merkmale des OCEANIC? Lesen Sie selbst:

Radiomuseum . org führt auch den Zusammenhang an: "So war unter anderem SANYO einer der damals noch verlängerten japanischen Werkbänke die im vorliegenden Fall, noch entwickelt in Deutschland als Billigmarke für ITT - Schaub-Lorenz OCEANIC Geräte fertigten. Nach einem anfänglichen Desaster in Sachen Serienfehler kam man bei SANYO darauf zukünftig die eigenen Geräte gleich selbst in Deutschland und anderswo direkt vermarkten zu können" [7].

Ja, der Print ist bezogen auf den NF Teil hier gespiegelt aufgebaut. Es befinden sich zwei 2SB171 anstelle der 2SB186er Transistoren in der SANYO Schaltung darin. Aber sonst finden wir klare Parallelen:

Chassis zum OCENIC Waldorf - Der Bandwahlschalter sowie das "gespiegelte" Baugruppen Arangement

Bild: Chassis zum OCENIC Waldorf - Der Bandwahlschalter sowie das "gespiegelte" Baugruppen Arangement

Als eben am Deutschen OCEANIC Waldorf K (II), sozusagen als vorbildlicher Waldorf Musterschüler bzw. als Vorgabe was der Deutsche Markt den so brauchen wird gibt es hier ausgeführt:

Etwas weniger für den OCEANIC spricht jedoch das einfachere Gehäuse in einer pseudo "Leatherette" Ausführung was mehr den vielen damaligen billigen No-Name oder besser gesagt Fantasienamen Marken aus Hong-Kong entspricht. Dagegen ist der SANYO fast hochwertig auch im rückseitigen Gehäuse aufgebaut.

Mit Chromverzierungen ist man auch etwas spartanischer umgegangen. Nur der Lautsprechergrill glänzt hier ebenso.

UKW geht nur bis 104 (105) MHz. Das KW Band ist mehr auf den Bereich 41 m Band bis 49 m Band mit Überlappungen zugeschnitten. Mittelwelle wie auch KW mit "Luxemburg" besitzt eine Sendernamenskala.

 

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es hier vom Design her der SANYO, mit der ansatzweise tatsächlichen "Luxusausstattung" des OCEANIC.

 

Wenn es auch schon abgedroschen klingen mag, einmal mehr haben wir hier das Beispiel der "klugen" europäischen Marketing Experten die mit der Fremdfertigung, später schon nur mehr dem direkten Zukauf mit Umkleben der Markennamen sich selbst das Wasser mehr oder weniger langsam abgegraben hatten.

Weitere Beispiele wie Kapsch, Grundig, SABA usw. lassen sich jederzeit finden und ähnlich dokumentieren soweit noch nicht geschehen.

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Macht man sich noch tiefer auf die Suche, so ergibt sich wiedrum ein leicht abgewandeltes Bild:

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So existierte der von mir beschriebene Gehäusestil bei SANYO augenscheinlich schon viel länger: Bei anfangs reinen AM Geräten mit MW sowie 2 x KW für andere den den Europäischen Märkten., sowie mit LW ausgestattet für den Britischen Markt. Hier fehlt naheliegenderweise der komplette UKW Schaltungszug, ebenso ein Transistor. Der NF Teil ist ebenso wie der Waldorf links angesiedelt.

Das Gehäuse gibt es dann je Modell mit Holzgehäuseimitat oder ebenso als Leatherette ausgeführt.

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Tabelle: Modelltypen als Beispiele sind der

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Bild Modell Bemerkungen
 ANYO AllWave Deluxe 8U-604A SANYO All Wave Deluxe

8U-604A

SW1: 2,3 - 7,3 MHz, SW2: 8 - 22 MHz; 1967
  sowie der baugleiche jedoch für den Neuseeländischen Markt unter AUTOCRAT SANYO vermarktet    
   All Wave Deluxe 8U-604B Wie Suffix A jedoch LW anstelle SW2 
  Andere Type: Weniger formschön und nur mit Kunststofffront für den Britischen Markt  MW/SW und LW. Anschlußbuchsen an der Front sowie Fine Tuning rechts
  8U-604E  MW/SW/LW - Details unbekannt; 1966 
 

All Wave Deluxe 8U-604N

 
Wie Suffix B, jedoch sollen OC Transistoren als Bestückung dienen. Wiewohl ein reines Batteriegerät mit Netzteilbuchse wird es an der Front als AC/DC gekennzeichnet. 
 

All Transistor AC/DC 10GA-605P

 
FM/MW/SW mit einem eingebauten Netzteil
     
     
 

Wobei sich einmal mehr "All Wave Deluxe" als eine reine Modellfamilienbezeichnung denn einer realen Funktionsausstattungsbeschreibung entlarft. 

Gesichtete Quellen und bekannte Literatur:

 

  1. Schaltplan 9G-605, Elektrotanya, Abgerufen im Juni 2021
  2. Sanyo Verkaufsprogramm Deutschland 1970/71, Hifi-Archiv.info, Abgerufen am 20.2.2022
  3. Sanyo 9G-605A; Gerätevorstellung Youtube Video, abgerufen am 20.2.2022 https://www.youtube.com/watch?v=kYBEJMzVe1I
  4. Sanyo 9G-605L; Auktion auf aukro . cz/stare-radio-sanyo-9g-605l-na-nd-6983144359 abgerufen am 20.2.2022
  5. Modellanlage auf Radiomuseum . org, abgerufen am 20.2.2022
  6. Modellanlage auf doctsf.com mit Schaltplan sowie deren Verweis auf die 1970er Werbeseite aus Andalusien; abgerufen am 20.2.2022
  7. RM . org, zu OCEANIC und Waldorf Geräten; abgerufen am 30.3.2022
  8. Ebay & Ebay-Kleinanzeigen zu OCEANIC und Waldorf Geräten; abgerufen am 30.3.2022
  9. thecodemachine . co.uk / Schematics/Buy.php?manuf=Sanyo&model=8U604E&book=RTV&vol=1966&sec=Radio&page=287&thumb=Pics/RTV.jpg; abgerufen am 2.4.2022
  10. nzvrshome.files.wordpress . com/ 2020/10/autocrat-8u-604a.pdf; abgerufen am 2.4.2022

 

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Updated: 31.05.22