Eine Darstellung des Fernsehens aus dem "anderen" Deutschland - der DDR : 

Aus der Reihe Televisionen der DDR der RFT Color-20 - Das erste volltransistor FARBfernsehgerät Europas!?

DDR Televisionen - Der Volltransistor DDR Farbfernseher Color20 Color-20 Color 20 aus 1969

  1. Einführung

  2. Der Hintergrund

  3. Das Gerät

  4. Die Schaltung

  5. Die Varianten

  6. Der Color 20 im DDR (Reparatur-)Alltag

  7. Quellen & Links

  8. Nachtrag - Bauelemente 

  9. Offene Fragen

 

Einführung:

Nachdem Anfang der 1950er Jahre der erste Anlauf zu einem mechanisch basierten Farbfernsehen (System CBS) sowohl in den USA wie auch in Moskau gescheitert waren, wartete man im Rest der Welt auf eine Verbesserung des bereits vollelektronisch arbeitenden amerikanischen NTSC Systems mit dem Ziel eine stabile Farbartübertragung zu gewährleisten.

Diese Verbesserungen fanden ihren Niederschlag in den Farbsystemen PAL und SECAM sowie einer vernünftigen Fertigungsreife bei der Erzeugung von Farbbildröhren. 

Und so kam es mit dem 3. 10. 1969 zur Aufschaltung des 2. DFF Fernsehprogramms in FARBE gesendet vom neuen Berliner Fernsehturm auf dem Alexanderplatz auf UHF Frequenzen.

1969 war zugleich das Jahr des 20. Jahrestages der DDR - 1949/1969. Und zu jener Zeit erhob der sozialistische Block noch den Anspruch den Westen überholen zu wollen.

Was jetzt noch fehlte war ein Farbfernsehempfänger der etwas ganz besonderes sein sollte - und auch den lieferte der VEB RFT Staßfurt pünktlich zum Festtag ab.   

 

Der Hintergrund:

Während in den späten 1960er Jahren Westdeutschland wie auch u.a. Großbritannien das PAL Farbsystem einführten, wurde im Osten Europas aufgrund einer politisch motivierten Entscheidung der Kremlführung das französische SECAM III Farbübertragungssystem gewählt.

Dabei wurde von den Sowjets selbst die dafür geschaffene CCIR Normenkonferenz mit dem Ziel eines einheitlichen Farbfernsehstandards in Wien 1965/ Oslo 1966 ausgehebelt, indem die Sowjetunion seinen vorab Entschluss zum SECAM System bekannt gab. Hauptgrund für diese Entscheidung entgegen dem PAL System war u.a. das Versprechen der Franzosen eine betriebsfertige Farbbildröhrenfabrik auf Basis des (späteren Sony Trinitron) Chromatron Prinzips im Gegensatz zur allgemein üblichen RCA Lochrasterröhre zu liefern. Ein Versprechen das aufgrund der nichtvorhandenen technischer Serienreife des besonderen Bildröhrensystems nie erfüllt worden ist und alle Welt, auch die des Ostens zwang Lizenzfertigungen der RCA Lochrasterröhre zu produzieren.

Eine Entscheidung die den RGW Ländern und hier im Besonderen der DDR noch Jahre Kopfzerbrechen bereiten sollte bis zuerst durch Westimporte und später in den 1980er Jahren durch Lizenzfertigung japanischer Toshiba Röhren eine Normalisierung stattgefunden hat.   

RFT Color 20 - Das Gerät:

Das außergewöhnliche an diesem Empfänger war der Umstand das er vollständig nur mit 66 Transistoren (1969!) bestückt war und daher im Vergleich zu Westgeräten jener Zeit eine sehr geringe Leistungsaufnahme (nur ~180W zu 350W und vereinzelt auch 500!W) besaß. Eine Zeit in der im Westen sowohl bei den S/W Empfängern und auch bei den PAL Farbfernsehempfängern bestenfalls Hybridlösungen angeboten wurden*. Inwieweit dieses hohe Ziel in Kollision mit den Mängeln der realsozialistischen Planwirtschaft stand wird dieser Beitrag aufzeigen. 

Auch die gelebte Praxis der deutsch/sowjetischen Freundschaft innerhalb des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) zeigt klar auf wem da eigentlich geholfen wurde. 

Der DDR Bürger war mit 3.700 Mark am Buntfernsehen mit dabei.

Die Schaltung: 

Hier der Auszug aus den "Mitteilung aus dem Zentrallabor für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik" 1969:

Anmerkung- Beschrieben wird hier die wieder/alternativ mit Röhren bestückte Hochspannungserzeugung!

  1. "Mitteilung aus dem Zentrallabor für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik" 1969: Seite 1

  2. "Mitteilung aus dem Zentrallabor für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik" 1969: Seite 2

  3. "Mitteilung aus dem Zentrallabor für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik" 1969: Seite 3

  4. "Mitteilung aus dem Zentrallabor für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik" 1969: Seite 4

            

  1. Schaltungsdetail: Hochspannungserzeugung mit Selenkaskade

  2. Schaltungsdetail: Vollständiger transistorisierter Endstufenbereich

  3. Beschreibung: 1971 Technische Änderungen für Reparaturen

  4. Color20 Schaltung September 1969 - DDR Pläne bei Raupenhaus

 

Die verschiedenen Varianten:

Technische Daten des DDR Farbfernsehgerätes Color20 Color-20 Color 20/!

Es soll folgende Varianten gegeben haben die sich im wesentlichen in der Wahl der Bildröhre und/oder der Bestückung mit einer Selenkaskade zur Hochspannungserzeugung anstelle von drei Gleichrichterröhren unterscheiden.

Typ Color 20 Urtyp: UdSSR 59lk3z Bildröhre mit Selengleichrichter 

Typ Color 20 (Paralleltype?): UdSSR 59lk3z Bildröhre mit Röhrenhochspannungsgleichrichterschaltung

Typ Color 20/1: A56-120X Importbildröhre mit Röhrenhochspannungsgleichrichterschaltung

Typ Color 18 (Noch unbestätigt): Wie Color 20 jedoch mit UdSSR 59lk3z Bildröhre bestückt die nicht den TGL Normen (vergleichbar mit DIN Norm) entsprachen - 

"Montagsgeräte" - programmierter Ausschuss?

Color 21 Nachfolgetype 1973: siehe http://www.radiomuseum.org/r/ferns_st9_color_21.html

Hinweis zum Übergang von Röhren auf Selenhochspannungsgleichrichtung in der VEB Fernsehgerätewerke Stassfurt Information RFT 1.1969  

DDR_RFT_VEB_Stassfurt_1969_Color20_Data_Selenkaskade.jpg (18925 Byte)

Bilder aus der seinerzeitigen Fertigung aus obiger Quelle:

DDR_RFT_VEB_Stassfurt_1969_Color20_Leiterplattenpruefung.jpg (90775 Byte) DDR_RFT_VEB_Stassfurt_1969_Color20_Prueffeld.jpg (89525 Byte)
Leiterplattenprüfung Prüffeld

 

Der Color 20 Color-20 im DDR (Reparatur-)Alltag

Alle Theorie ist bekanntlich grau - und so nützt es nichts wenn wir heute schöne Datenblätter betrachten während uns der reale Sozialismus eine etwas andere Geschichte erzählt.

Es folgen zwei Erzählungen aus der Praxis:  - Sollten Sie weiteres wissen so schreiben Sie mir bitte! 

Beitrag auszugsweise dankenswert von Sammlerkollegen Herrn Wolfgang Lill übernommen.

 

Hallo Herr Scheida, ....

Sie haben zum Hochspannungsproblem des Color 20 .... geschrieben.

Als Anlage sende ich ihnen das  Serviceinfo aus rfe Heft 19/1969.

..ich kann es nur aus meiner damaligen Sichtweise schildern, sozusagen als Erfahrungsbericht  eines kleinen Mechanikers....

Ich hatte damals das Vergnügen, diese Geräte zu reparieren. Häufig kamen auch Fachingenieure aus Staßfurt oder vom Zentrallaboratorium aus Dresden.

Hauptproblem waren, wie Sie das geschrieben haben, die überschlagfreudigen sowjetischen Bildröhren.

Man hatte zunächst die Endstufe mit Transistoren sowjetischer Bauart bestückt, dann liefen Versuche mit 2N3055, wofür es wohl aber für die Serie keine Devisen gab....?

Eine richtige Antwort hat man einem kleinen Mechaniker natürlich nicht gegeben....auf jeden Fall waren die Geräte mit EY51 (Anmerkung d. R.: Hochspannungsgleichrichterröhren anstelle des Selengleichrichters) in diesem Punkt weniger störanfällig.

Das Problem Bildröhren war so (ich habe es in Staßfurt selbst erlebt).

Die UdSSR-Bildröhren wurden ausgepackt und jede geprüft.

Anhand des Prüfergebnisses wurde festgelegt: Ausschuß (in die Abfallkiste),

funktioniert, aber erfüllt die TGL nicht (vergleichbar mit DIN-Norm) in Color 18 eingesetzt,

die Bildröhren, welche die Norm erfüllten, wurden in den Color 20 eingebaut.

Die sowjetischen Lieferanten hatten den Vertrag so ausgehandelt, das sie keine defekten oder unbrauchbaren bzw mangelhaften Bildröhren zurücknahmen.

Die DDR blieb als auf dem Müll aus Freundesland sitzen .

Laut interner Information (offiziell wurde dies niemals bestätigt) soll anfangs nur jede 7.Bildröhre aus der UdSSR einwandfrei funktioniert haben.

Unbestätigt ist weiterhin, aber es machte hier damals die Runde, das zunächst die Bildröhren für die eigene sowjetische Produktion Raduga und Rubin ausgesucht wurden und der Rest als Export in die DDR  kam...

Die Endkunden wurden wiederum unzufrieden, da die Wartezeiten für den Bildröhrenaustausch

im Rahmen der Garantie erheblich zunahmen. unter 6 Wochen war da kaum was zu machen.

Nach der Garantie kostete das gute Stück  ca. 700 DDR-Mark + Reparatur also runde 800 DM, mit einer Garantie von 6 Monaten. Die Beschaffung dieser Röhren war dann noch schwieriger, da einfach 95% der verfügbaren in die Neugeräte verbaut wurden.

Nach vielen Protesten von Bürgern hatte man im Ministerrat der DDR wohl erkannt, das die Bildröhren aus Freundesland

nichts taugen und es ist wohl Willi Stoph, dem damaligen Ministerpräsidenten zu "verdanken", dass Devisen bereitgestellt wurden und  dann wurden von verschiedenen westlichen Lieferanten 56 cm Bildröhren eingekauft.

Übrigens hatte ich nicht einen einzigen Fall, wo eine solche Bildröhre ausgefallen ist!!! (das soll keine Verallgemeinerung sein)

Ich hatte zuerst einen Color 18 für stolze 3400 Mark der DDR erworben  und habe nachdem die Euphorie "Erlebnis Farbfernsehen" verflogen war,  auch geschrieben an den Industrievertrieb Rundfunk und Fernsehen (IRF) und weiterhin an den Ministerrat der DDR wegen des Bildröhrenproblems.

Seitens Verkäufer IRF wurde dann nachdem der Ministerrat eine entsprechende Empfehlung gegeben hatte, der Color 18 zurückgenommen und ich erhielt einen Color 20/1 (3700 Mark der DDR)

Dieses Gerät funktionierte über 20 Jahre und es waren nur kleine Reparaturen in den Jahren.

Mit den richtigen Bauteilen konnte Staßfurt eben auch Qualität produzieren.

 

Viele Grüße

Wolfgang L.

 

 

... Es gab einen Schaltplan, wo Color 18 eingestempelt ist, aber der einzige Unterschied ist zum Color 20 die nicht TGL-gerechte (DIN-gerechte) Bildröhre

 Ich hatte dann den Begriff Farbfernseher in das Wort "Buntfernseher mit Gewittereffekten" (Überschläge) in meinem Schreiben an den Ministerrat der DDR formuliert.

Unser Pudel zuckte immer zusammen, wenn es wieder knallte, das Buntbild war so, das die ganze Familie rätselte, hat die Dame jetzt ein gelbes oder ein grünes Kleid an, denn wenn die Schauspielerin von links nach rechts ging, änderte sich manchmal die Farbe erheblich. 

Aber wie schon gesagt, bei allen solchen Ergebnissen soll man die Ursachen nicht beim Hersteller oder Entwickler suchen, denn die mussten  in der DDR den Plan erfüllen, auch unter widrigsten Bedingungen....Schließlich wurde ein knappes Jahr vor Einführung der Farbfernsehtechnik in der DDR die Entscheidung zu SECAM III b getroffen. Damit hatte man das osteuropäische System übernommen und saß  nun zwischen zwei Stühlen. 

Tonnorm CCIR , Bild SECAM III b, das war einmalig auf der Welt. Ziel der DDR Regierenden war offensichtlich durch das einzigartige TV-System die Zuschauer auf den Empfang des DDR Fernsehens einzuschwören. Im Raum Pirna - Dresden hatten wir sowieso nichts anderes außer noch CS , natürlich ab 1970 auch schon in Farbe von Usti n.L. (Aussig) , aber eben ohne Ton.( Anmerkung d.R. - Die CSSR sendete mit 6,5MHz Ostton anstatt 5,5 MHZ CCIR TON!)

 Der Effekt trat in gewissen Umfange ein, die Besitzer von Farbfernsehern schauten zunehmend DDR-Fernsehen. Zumindest die 5 Stunden pro Woche, die DDR 2 anfangs sendete.

 Der Erfolg kehrte sich jedoch schnell ins Gegenteil.

 1. kam die Exportauflage. Die Devisen für den  Einkauf der Bildröhren durch Exporte von Fernsehern zu erwirtschaften --- da mußte der PAL Dekoder serienreif gemacht werden. Damit kam das Know-how natürlich auch in Bastlerhände und die Eigenbau-Baugruppen  wurden  zu gewaltigen Preisen (etwa 700 Ostmark ) verkauft.

Der zweite Chromat 1060 hatte dann beide Normen (ich glaube so 1976).

 Aber die DDR-Oberen hatten etwas nicht eingeplant, das war der Effekt, das die DDR-Farbprogramme im Westen nicht gesehen werden konnten, und meines Wissens hat Anfangs keiner im Westen Zweinormengeräte PAL-Secam III b produziert.

Aber der Chromat und weitere Geräte wurden ja dann auch exportiert und bei Versandhäusern angeboten.... so konnten die Westberliner und Hamburger doch noch DDR TV in Farbe sehen, aber eben viel später......

Viele Ostergrüße

Wolfgang Lill

 

Vielen Dank Herr Scheida,
........ Habe mich gestern nochmal mit einem Zeitzeugen  dazu unterhalten. Er sagt die Bildröhre 56 cm aus den Westen war ein politisches Thema, wichtiger als Kaffee.
 
MFG Wolfgang L.

 

Nachtrag 3/2009 von Sammelkollegen Herrn Wolfgang L.

Die Studios und Übertragungswege waren bereits in PAL ausgestattet. Buchstäblich über NACHT kam die Anweisung des Politbüros : Die DDR übernimmt SECAMIII b (die sowjetische Variante  mit CCIR-Ton). Nun hatten wir also das sowjetische Buntfernsehen zum 03.10.1969 und sicher dachten sich die Regierenden der DDR, das mit diesem Anreiz , Farbsendungen von 5-6 Stunden pro Woche im 2. DDR Fernsehen das Sehen vom Westfernsehen zurückgedrängt werden kann.

 
Welcher Schaden damit für die DDR an sich entstand, hat sicher noch niemand so richtig ermittelt. Zunächst mussten bereits entwickelte PAL-Geräte erneut entwickelt werden, die Möglichkeit, solche Geräte nach dem NSW (nichtsozialistischem Wirtschaftsgebiet) zu exportieren, war zunächst nicht gegeben, nur als OIRT version wurden Geräte ab 1973 nach der CSSR exportiert).
 
Ich hatte damals in einer Parteiversammlung die Frage  gestellt: Warum hat die DDR nicht die historische Chance genutzt, das PAL System einzuführen. So hätten Millionen von Menschen in der Bundesrepublik die Möglichkeit, das Fernsehen der DDR zu schauen....
 
Die unbequeme Frage hatte ich bald wieder vergessen, fand diese jedoch in einem Bericht wieder, der bei dieser Versammlung von einem eifrigen VERFASST wurde.
 
So gingen nicht nur eine Menge Devisen flöten, denn 1969 hatten wir ja schließlich den Color 20 und mit japanischer Bildröhre lief der tatsächlich stabil volltransistoriert...
 
Vielleicht noch ein Auszug aus dem Buch: SECAM Farbempfang vom Verlag Technik , Herausgeber: Dipl.-ing Schlesiger von 1971 den ich hier anhänge...wo man doch die Vorzüge des PALsystems lobt...aber was konnten wir machen....die Fachleute wussten das schon...

 

Fachbeitrag auszugsweise von Sammlerkollegen Mario Spitzer:

Der erste DDR Farb TV Color 20 wurde als erster volltransistorisierter Farb TV Europas gefeiert.

Inoffiziell wurde er als "Transistorengrab" bezeichnet, da die russischen Bildröhren zu Überschlägen geneigt haben sollen.

Eigenentwicklungen waren Aufgrund der RGW Vereinbarungen nicht möglich, weshalb die 59lk3z im Programm blieb. Angabe mit 1.000 Betriebsstunden offiziell, soferne diese überhaupt errreicht wurden.

3 Bildröhren Austausche in der Garantiezeit sollen vorgekommen sein, was sinngemäß dann auch für die Raduga/Rubin UdSSR TVs jener Zeit gegolten haben muß?!

(Danke an Mario Spitzer für Hintergrundinfos)

Email vom 23.1.2008

Hallo Wolfgang,

ich habe, im Moment leider nur kurz die Diskussion um den DDR Color 20 beim Radiomuseum gesehen. Eventuell kann ich ein bisschen dazu beitragen. Ich hatte 3 Color 20, und habe noch 2 davon. Den ersten habe ich um 1980 gebraucht gekauft. Nach Dokumentenlage waren die Color 20 mit westdeutscher 56 cm (meiner hatte eine Telefunken) Bildröhre mit der Röhrenkaskade bestückt und als Color 20/1 bezeichnet. Ob meiner 20/1 hieß weiß ich nicht mehr, jedoch hatte er eine vollkommen verbrauchte Telefunkenrohre drin und eine Selenkaskade. Ich hatte mir den als Schüler zurechtgemacht, russische Röhre rein und Pal Decoder. Zu Wendezeiten habe ich den weggegeben. Das hat mich später so geärgert, dass ich 2 weitere gekauft habe.  Der eine davon war offensichtlich original auch mit der westdeutschen Durchsteckröhre bestückt. Wurde aber auf russische 61 cm umgebaut. Er heißt nur Color 20 und hat eine Selenkaskade. Der prägnanteste Unterschied ist, dass die Russischen Röhren mit der weißen Frontblende versehen wurden und die westdeutschen  als Durchsteckausführung in eine Holzfront eingebaut worden.  Ich habe wieder eine 56cm Weströhre eingebaut. An der Blende muss ich noch arbeiten, ist nicht gut gelungen. Der 3. ist die normale Ausführung mit weißer Blende und 59cm Russenröhre auch Selenkaskade. In der Zeit als ich meinen ersten umgebaut habe hatte ich mir ein Buch aus der Bibliothek ausgeliehen, in dem der Color 20 beschrieben wurde nur mit Röhrenkaskade. Das scheint also die erste Ausführung gewesen zu sein, wenn auch der Schaltplan der auf dem Netz rumwandert was anderes sagt.

Übrigens hatte in Amerika Motorola 1968 einen komplett transistorisierten Farbfernseher herausgebracht aber schnell wieder eingestellt, weil damals die Kosten für die Endstufentransistoren zu hoch waren.

Gruß, Ingo K.

DDR Color 20 Color20 Color-20 SECAM Farbfernseher DDR Televisionen - Der Volltransistor DDR Farbfernseher Color20 Color-20 Color 20 aus 1969

 

 

Anmerkung: (Dem Autor wurde um 1995 berichtet, das zur Zeit des Ostblocks deren Fernsehanstalten genötigt waren UdSSR Geräte wie Filmabtaster o.ä. gemäß Kontingentzuteilungen abzunehmen. Dabei soll es vorgekommen sein dass diese Geräte gleich bei der Lieferung ungesehen in Lager deponiert wurden und der eigentliche Bedarf mit Westgeräten der Fernseh GmbH etc. mit Devisen gedeckt worden ist.)

 

Weitere Links und Quellen:

http://www.radiomuseum.org/r/stern_stas_color_20.html

Schaltplan + Typenunterschiede: http://www.raupenhaus.de/down/sauge.php?download=1&id=16

"Mitteilung aus dem Zentrallabor für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik" 1969 siehe Beitrag!

Interessante Abhandlung das in der DDR bereits an einer eigenen Farbbildröhrenproduktion Type B43G4C gearbeitet wurde.:

http://www.razyboard.com/system/morethread-b43g4cdie43er70farbkabildroehrederddrentwickeltimwfberlin-rundfunkmuseum-1215648-3591332-0.html

Danksagung an Herrn W. Lill und M. Spitzer für ihre Wort und Bildbeiträge

 

Nachtrag 1*: War der RFT Color 20 tatsächlich der erste Serien Volltransistor Farbfernsehempfänger? 

Soweit bekannt ist der RFT Color 20 der erste nach dem SECAM System arbeitende Volltransistor Farbfernsehempfänger.

Der erste volltransistorisierte PAL Farbfernsehempfänger stammt aus Großbritannien um 1968. Es war das von mehreren Geräteherstellern verwendete BRC2000 Gemeinschafts-  Dualstandard 405/625 Zeilen Chassis. Die unmittelbaren Nachfolgetypen waren aber auch wieder Hybridlösungen! (BRC3000)

Ein Westdeutsches Serien Volltransistorgerät aus 1968/69 ist nicht bekannt.

Mögliche Französisch/Belgische Modelle sind derzeit (noch) nicht bekannt.

 

Nachtrag 2- Bauelemente zur Hochspannungserzeugung - Eine Achillesferse in den frühen Jahren des Farbfernsehens? 

Laut Funkschau 1966 Heft 19 Seite 602/1578 gab es im Westeuropa zumindest die hochspannungsrelevanten Bauelemente in Halbleitertechnik. Eine Vertikalendstufe wäre mit 2N3055 wie später bei Telefunken praktiziert zu realisieren gewesen.  Ob es 1966/67 auch bereits einen wettbewerbsfähigen Zeilenendstufentransistor gegeben hätte?

Siemens stellte auf der Messe Hannover lt. Funkschau 1968 Heft 12 Seite 981 ein Volltransistor 47cm Farb TV Gerät als Labormuster vor.

 

Nachtrag 3 4/2010

Ich erhielt von einem Sammlerkollegen nachfolgende Erläuterung zum Color 18 

"„Color 18“-was ist das?

Die BRD führte 1967 zur internationalen Funkausstellung ihr Farbfernsehen (PAL) ein. Danach brauchte die DDR auch ihre TV-Sendungen in Farbe. So eine Entscheidung geschah in der DDR immer auf Beschluss der Partei und Regierung. Die Entwicklung übernahm damals das ZRF Dresden in Mitarbeit des VEB FSGW Staßfurt, wobei die Federführung in den Händen des ZRF lag. In Staßfurt wurden lediglich der Empfangskanal mit den beiden Tunern, der ZF-, der DF- und der AFC-Stufe entwickelt.

Die gesamte Entwicklung erfolgte unter großer Geheimhaltung. Alle Mitarbeiter wurden verpflichtet und alle Räume mit dem Inhalt der Entwicklung und Konstruktion wurden versiegelt.

Das Gerät bekam in der Entwicklung den Namen „Objekt 114“. Warum?- weiß keiner. Im Mai 1969 war dann in Staßfurt die 0-Serie. Ab etwa Mitte August bis zum 02.10.1969 erfolgte die Produktion von 1000 Stück „Color 20“ in 2 Schichten jeweils 12 Stunden. So standen zum Startbeginn des Farbfernsehens aus Staßfurt 1000 Geräte zur Verfügung.

Die Produktion wurde in Staßfurt weitergeführt. Ein schwieriges Problem war dabei unter anderem die Farbbildröhre. Sie wies große Schwächen bezüglich Farbreinheit und Konvergenz auf. Das wurde zu dem Zeitpunkt erst festgestellt, wenn das Gerät fertig eingestellt war. Bei Beanstandung des Gerätes war die gesamte Arbeit umsonst!! Da Geräte fehlten und der Verlust zu groß wäre, wurden die Geräte mit einer schlechteren

Bildröhre einer „Kommission“ vorgestellt. Diese entschied die Einstufung bezüglich der Qualität der Farbbildröhren. Farbgeräte mit schlechterer „Farbgüte“ wurden abgestuft und bekamen mit einem Zusatzschild die Bezeichnung „Color 18“. Der Preis wurde gegenüber dem „Color 20“ um 150,- M verringert (später war die Differenz noch größer). Später wurden die Farbbildröhren vor der Endfertigung mit entsprechenden Einrichtungen vorgeprüft. Zur weiteren Absicherung der Produktion erfolgte dann auch der Import von Farbbildröhren aus dem NSW („Color 20/1“).

(Preisspiegel) 

SFT, 23.03.2010

re"

 

Offene Fragen: 

Auf letztere Frage hat ein Sammler mit folgenden Zeilen geantwortet: 

Sehr geehrter Herr Scheida,

es gab bereits in Japan (SONY) und in den USA (Motorola) seit 1966 Versuche, einen volltransistorisierten Farbfernseher aufzubauen.

Motorola brachte 1968 ein solid state ctv heraus, der sich jedoch nicht rechnete. SONY hatte 1967 im ersten Trinitron-ctv noch eine

Hochspannungsgleichrichterroehre. Zum 20. Jahrestag der DDR sollte das Farbfernsehen eingefuehrt werden,

und ein modernes Geraet die technische Ueberlegenheit gegenueber dem "Klassenfeind" demonstrieren. Daher wurden keine Entwicklungskosten

gescheut, ein volltranistorisiertes Geraet heraus zu bringen. Das Projekt "Color 20" war eine reine DDR-Eigenentwicklung (ohne westliche

Bauteile) und auch ein reines Zuschussgeschaeft. Im Westen hielten sich die Hybridloesungen, weil sie, sowohl im Hinblick

auf Zuverlaessigkeit als auch Preisgestaltung, die beste Loesung darstellten. Die letzten Farbfernseher mit Roehren in den Endstufen

wurden noch 1975 verkauft. .......

Mit freundlichen Gruessen

Eckhard Etzold (Email 4.5.2008)

   

© 12/2006 + 4/2007  + 3/2009 - W. Scheida gehörend zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm

Updated: 13.06.10