Unvollständiger Beitrag gegenwärtig noch in Arbeit: 6/2008 - 3/2010

Die Geschichte des EUROPÄISCHEN Kabelfernsehens

Rückblende: 

Das Kabelfernsehen in Österreich mit Schwerpunkt für Wien:

Telekabel Wien - UPC 

Die ersten Alternativen zum terrestrischen ORF 1 & 2 Einheitsfernsehen: Das Kabelfernsehen

Als zuerst Wahlberechtigt wurden dann ab 1979 die „roten SPÖ Arbeiter“ Betonburgen der Wiener Vorstadt Bezirke wie etwa Floridsdorf und Donaustadt auserkoren, die von der Telekabel Wien Gesellschaft - einem Unternehmen mit Philips und Stadt Wien Beteiligung Fernseh- und Radio Programme über rauschende VHF Netze an den Mann oder besser gesagt an die Koax- und oft genug noch an symmetrische Antenneneingangsbuchsen gebracht haben.

Zuerst die Betonburgen sprich Plattenbauten deshalb, da zum Einen über die Beteiligung der Stadt Wien am Telekabel Netz Diskussionen über die Zulassung der Kabelzuführung in die Häuser des größten Haus- und Wohnungsverwalters Wiens (=ohne Übertreibung auch der größte der Welt!) nämlich der Gemeinde Wien schon zustimmend geendet haben bevor sie überhaupt begannen.

Zum anderen waren bauartbedingt Plattenbauten mit Ihren leicht zugänglichen Steigschächten ohne teure Stemmarbeiten und damit Optik- oder Substanzschädigende Maßnahmen leicht zu erschließen. Zudem konnte mit Anschluss nur eines Stiegenhauses gleich eine Vielzahl an Wohneinheiten und damit zahlenden Klientel (damals öS 2.500,- für den Anschluß = € 182,- ohne Inflationsanpassung) erfasst werden, was natürlich in Bezirken mit niedriger Baudichte und Höhe wie zum Beispiel in der Cottagelage Döbling 1190 Wien teilweise bis heute das Kabel wenn überhaupt nur im Gehsteig liegend am Haus vorbeiführen läßt.   

Zu sehen gab es für die Verkabelten „Das Deutsche“, eine neu entstandene umschreibende Status Bezeichnung die sofort am Arbeitsplatz wie in auch in der Schule die wissenden Insider (=die Kabel Zuseher) von den uninformierten (nur ORF Zusehern (mich L) outete.

„Das Deutsche“, das waren zu Beginn ARD, ZDF, BR3, WDR, das Schweizer SRG und der mit wirklich extremer Rauschzahl über Satellit im analogen Halbtransponderbetrieb eingespeiste „Super Channel“ aus Großbritannien den man, um den Internationalen Anspruch der UNO Stadt Wien zu unterstreichen mit eingespeist hat und dieses Programm noch dazu in Englisch den Hauch der weiten Welt in die Wohnzimmer brachte. So kam man auch zu den ersten Musikvideos was damals durchaus noch ein Novum war.

Die Zeit blieb natürlich nicht stehen und ab 1984 sind dann 3SAT, SAT 1 und RTL Plus, später der Britische Sky Channel und viele weitere Programm auf- und teilweise auch wieder abgeschaltet worden.

Nicht vergessen darf man auch, das auf allen Kanälen zumindest zu den Tageszeiten noch endlos das damals verwunschene, und heute ob dessen fernbleiben sowie im Angesicht des medialen Unrates verklärt herbeigesehnte Testbild zu sehen war.

Momente, in denen sich ein „politisch nicht korrekter“ Zuseher einen „Schwarzen Kanal“ gleichgültig ob mit oder ohne Arthur von Schnitzler herbeiwünscht der dem entgleisten Treiben am Bildschirm Einhalt gebieten möge.

Oder was die Online Angebote der Fernsehmacher betrifft so könnte selbst ein Volksschullehrer mit durchschnittlichen Rechtschreibkenntnissen doch zumindest die schlimmsten Ausrutscher der Schreibtisch- oder wie man heute sagt der Web-Desktoptäter verhindern.....

 

Zugeführt wurde das Fernsehsignal zu den Kabelnetzbetreibern durch die Österreichische Post die auch Betreiber der Richtfunkstrecken war.

Ein passender Mast, ein 180 cm Parabolschirm und ein standardisierter 19“ SHF/VHF Zentralumsetzer der gleich die Kanalbelegung samt Sonderkanäle zur weiteren Verstärkung fest vorgab war die Grundausrüstung die auch in den Bundesländern und kleineren Gemeinden lokale Kabelgesellschaften am Vorabend des Satellitenzeitalters aus dem Boden hat sprießen lassen.

Der Rest der Arbeit war die eigentliche Netzplanung mit den Linien-Streckenverstärkern (~96 dB/µV) sowie den Verteilverstärkern (~105dB/µV).

Bessere Netze hatten automatische Regelverstärker die Schwankungen selbsttätig ausglichen. Mühevoll war aber dennoch deren Einpegeln für Wartungs- und Netzabgleicharbeiten. 

Dann musste man für die ausreichende Stromversorgung mit heiß laufenden 220V/65V Transformatoren sorgen.

Auch konnten die Verstärker (zumeist das Philips oder Bosch System) aufgrund der Rauschzahlen nicht beliebig kaskadiert werden.

Der Not, sprich dem Verlangen nach einem Anschluss bestimmter Ortsteile gehorchend, kam es in der Praxis zumindest im ländlichen Raum dennoch nicht selten dazu das auf Teufel komm raus expandiert wurde. Nicht der Teufel aber das störende Grundrauschen kam aus dem Bildschirm heraus wo erst die eigene Satellitenanlage später auch diesen Teilnehmern erstmals neben der Programmauswahl auch eine angemessene Bildqualität ins Haus brachte. In der Vielzahl der Fälle waren es aber finanzielle Motive und Autonomiebestrebungen des Zusehers mit einer eigenen SAT Anlage keine monatlichen Kabelgebühren mehr bezahlen zu müssen, die Liberalisierung zur Erlaubnis der Errichtung einer eigenen SAT-Antenne tat ihr übriges.

Den ORF aber, den musste sich die Kabelgesellschaft wie auch der private SAT Teilnehmer erst terrestrisch „organisieren“ was zumindest bei den Kabelgesellschaften zu den interessanten gestockten Antennenaufbauten zur Unterdrückung von Reflexionen und der Erhöhung des C/Ns führte. Bei den individuell versorgten Teilnehmern war daher „Das Deutsche“ in nicht minderer Zahl von besserer Qualität denn das Bild des hauseigenen ORFs.

 

Die Kabelgesellschaften rüsteten in den 1980ern dann so nach und nach ihre reinen 450 MHz Netze auf das untere Sonderkanalband (Kanal S 3 – S 10), das obere Sonderkanalband (S 11-S 20) und wieder später auf das Hyperband (S 21 – S 40) auf (Telekabel Wien war immer schon UHF tauglich) und konnten so das aktuelle Programmangebot stetig steigern.

Auch Zusatzdienste wie VPS und Stereo wurden so Alltag bei den Kabelteilnehmern.

Wien hatte nebenbei bemerkt 3 unterschiedliche Telekabel Netze und damit Kanalbelegungen die erst in relativ jüngerer Zeit zusammengefasst und homogenisiert wurden.

Es war daher ein Quantensprung in der Technik, und für den Zuseher speziell im UHF Bereich eine deutlich sichtbare Verbesserung der Bildqualität als die Netzzuführung in den 1990er Jahren auf Glasfaser umgestellt wurde.

 

Baggerarbeiten beim Straßenaufreißen und Häuslbauen brachten stundenweise damals noch schneetreibende Bildschirme bei den Teilnehmern bis sich ein beherzter Techniker, einem Soldaten der Fernsehtechnik gleich, in die morastige Künette hinunterbegab um dort das zerfetzte Kabel wahlweise mit den sogenannten 3db (die ganz dicken grünen Kabel), die 6 dB ~11mm starken schwarzen oder grünen Kabel oder das 12dB Standard weiße oder schwarze UV feste/erdalkalibeständige Kabel zu flicken. Danach vulkanisieren und weiter zum nächsten Ort des Grauens oder mit Gatschklumpenstiefel ab zum nächsten Kunden um ihm im Wohnzimmer die TV Anschlussdose zu montieren. Ständige Verkühlungen und andere arbeitsbedingte Unzulänglichkeiten ließen dem Autor des Artikels dieses Arbeitsumfeld recht bald wieder verlassen.

 

Obwohl das Kabel wie ja auch der Satellit jeweils von Anbeginn auch Radioprogramme, noch dazu in guter techn. Qualität und großer Auswahl „mitgeliefert“ hat, sind mir in den Jahrzehnten meiner televisionären beruflichen Tätigkeit nur eine Minderzahl an Kunden bekannt die von diesem Angebot selbst nach erfolgtem Hinweis darauf Gebrauch gemacht haben.

Vielleicht mit ein Grund, weshalb auch das im Netz der Telekabel Wien übertragene DSR (Digitales Satelliten Radio) Anfang der 1990er Jahre Schiffbruch erlitten hat.     

 

Mitte der 1980er Jahre sah man sich gar mit einer Plakatwerbung genötigt die wachsende Zahl der Kabel-Schwarzseher zur Räson zu bringen:

Sinngemäßer Text eingebettet zu lesen in einem „Kabel wirwar“: „der Herr XXX (Name war geschwärzt) aus dem Rennbahnweg hat’s gut – er glaubt er braucht keine Kabelgebühren zu bezahlen............. „

Eine Gegend also, wo in den anonymen Wohnburgen ungeniert die Anschlusskästen aufgebrochen wurden oder anderweitig die Nachbarleitung angezapft worden ist.

Die Fahndung nach solchen Tätern ist bisweilen schwierig, besonders wenn man die legal angeschlossenen Teilnehmer nicht durch gebietsweise Testabschaltungen u.ä. beleidigen will.

 

Der Rennbahnweg und die Großfeldsiedlung waren und sind das zur Realität gewordene Synonym einer Betontrabantenstadt im Norden Wiens was aber nichts desto trotz sofort Grätzelschützer zum Plan rief die sich eine Herabwürdigung ihrer Wohnsiedlung zur Brutstätte des Schwarzsehertums ausdrücklich verbaten...... danach wurde es medial für immer still was dieses Thema betraf als gäbe es seit damals niemanden mehr der illegal am Kabel hängt.   

 

Das Kabelfernsehen hatte in Wien wie auch sicher anderswo eine Metamorphose von einem elitären Luxusartikel, einem Statussymbol, einer Sache die man nicht braucht, eine Sache die zu teuer ist, einer Qualität die zu schlecht ist, eine Auswahl die zu gering oder auch nur zu einseitig sei, Resortiments gegenüber dem vielen Fernsehen überhaupt und weiteren Behauptungen zumeist von Fernsehgegnern initiiert durchzumachen.

In den 1990er Jahren wurden die Contra Stimmen immer weniger bis sie mit Beginn des neuen Jahrtausends fast gänzlich verstummten, und ein Anschluß an Telekabel Wien – schon längst von der Stadt Wien und Philips zum Konzern UPC übergegangen, wurde ein Standard Artikel der zu jeder Wohnung so wie der Kühlschrank gehört.

Heute müssen sich die Produkte von UPC „nur“ mehr im wirtschaftlichen Wettbewerb zu allen anderen Alternativen der Telekom einschließlich dem individuellen Satelliten Empfang oder der DVB-T Angebote stellen.

 

Doch die Zeit blieb nicht stehen und man darf Wien als eine der bestversorgten Gebiete zu im Wettbewerb stehenden und damit moderaten Preisen in Sachen Breitbandnetz ( Internet über Kabel TV seit etwa 1995) und später des sogenannten Tripple Plays mit zusätzlicher Telefonie über das Kabel bezeichnen.

Und während man für diesen Satz noch Luft holt wird bereits die Telefonie im Telekom Festnetz wie auch im Kabelnetz nach und nach auf Voice over IP umgestellt.

Digital TV, jedoch leider nur auf einer Proprietären Ebene gibt es schon seit etwa 2000, HDTV über DVB-C folgt jetzt im Sommer 2008.

 

 


Literatur:

  1. Programm & Kanaltabellen Telekabel Wien 19X
  2. Horst Holzer - "Report: Kabelfernsehen in der BRD" 1976

Quellenverweise:

D/Hamburg : FS 2/1983 Seite 28

D/München - Rückkanal Nutzung FS 1/1983 Seite 27

F/ Ausbau 1,4 Mio Teilnehmer bis 1985 geplant / FS 1/1983 Seite 18

USA / Pay TV  zu großes Angebot FS 4/1983 Seite 28

D/ Art der Programme im D Kabel:  FS 4/1983 Seite 28

Belgien/ 16 Programme - mit TSS-1 FS 5/1983 Seite 28

D Rundfunkgebühren - Kabelgroschen  FS 6/1983 Seite 14

D/ München Tests FS 6/1983 Seite 20 + Störung 2m Band aus dem Kabel

D/A - Wiener Versuchsnetz? FS 7/1983 S 68 

D. Zu Hohe Kosten  - FS 8/1983 S 3 + Vorfeldeinrichtungen

FIN - Salora Pay TV FS 8/1983 S 30 22.000 Teilnehmer + US Turner Probleme

D Pilotprojekte - FS 8/1983 S 53

D Genehmigungspflicht für Antennenanlagen FS 8/1983 S 86

D Gebührenerhöhung FS 10/1983 S 14 & S 29/29 adressierbare Kabelnetze S 55 US Kabelfernsehen 4600 Netze..

 

 

Satelliten TV in Europa

Quellenverweise:

UdSSR : FS 4/1983 Seite 48

Lux SAT kontra F : FS 5/1983 Seite 30 

 

 

© 6/2008  - W. Scheida  gehörend zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm

Updated: 19.03.10