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Die Geschichte des EUROPÄISCHEN Kabelfernsehens

Rückblende: 

Das Kabelfernsehen in Österreich mit Schwerpunkt für Wien:

Telekabel Wien - UPC 

Die ersten Alternativen zum terrestrischen ORF 1 & 2 Einheitsfernsehen: Das Kabelfernsehen

Als zuerst Wahlberechtigt wurden dann ab 1979 die „roten SPÖ Arbeiter“ Betonburgen der Wiener Vorstadt Bezirke wie etwa Floridsdorf und Donaustadt auserkoren, die von der Telekabel Wien Gesellschaft - einem Unternehmen mit Philips und Stadt Wien Beteiligung Fernseh- und Radio Programme über rauschende VHF Netze an den Mann oder besser gesagt an die Koax- und oft genug noch an symmetrische Antenneneingangsbuchsen gebracht haben.

Zuerst die Betonburgen sprich Plattenbauten deshalb, da zum Einen über die Beteiligung der Stadt Wien am Telekabel Netz Diskussionen über die Zulassung der Kabelzuführung in die Häuser des größten Haus- und Wohnungsverwalters Wiens (=ohne Übertreibung auch der größte der Welt!) nämlich der Gemeinde Wien schon zustimmend geendet haben bevor sie überhaupt begannen.

Zum anderen waren bauartbedingt Plattenbauten mit Ihren leicht zugänglichen Steigschächten ohne teure Stemmarbeiten und damit Optik- oder Substanzschädigende Maßnahmen leicht zu erschließen. Zudem konnte mit Anschluss nur eines Stiegenhauses gleich eine Vielzahl an Wohneinheiten und damit zahlenden Klientel (damals öS 2.500,- für den Anschluß = € 182,- ohne Inflationsanpassung) erfasst werden, was natürlich in Bezirken mit niedriger Baudichte und Höhe wie zum Beispiel in der Cottagelage Döbling 1190 Wien teilweise bis heute das Kabel wenn überhaupt nur im Gehsteig liegend am Haus vorbeiführen läßt.   

Zu sehen gab es für die Verkabelten „Das Deutsche“, eine neu entstandene umschreibende Status Bezeichnung die sofort am Arbeitsplatz wie in auch in der Schule die wissenden Insider (=die Kabel Zuseher) von den uninformierten (nur ORF Zusehern (mich L) outete.

„Das Deutsche“, das waren zu Beginn ARD, ZDF, BR3, WDR, das Schweizer SRG und der mit wirklich extremer Rauschzahl über Satellit im analogen Halbtransponderbetrieb eingespeiste „Super Channel“ aus Großbritannien den man, um den Internationalen Anspruch der UNO Stadt Wien zu unterstreichen mit eingespeist hat und dieses Programm noch dazu in Englisch den Hauch der weiten Welt in die Wohnzimmer brachte. So kam man auch zu den ersten Musikvideos was damals durchaus noch ein Novum war.

Die Zeit blieb natürlich nicht stehen und ab 1984 sind dann 3SAT, SAT 1 und RTL Plus, später der Britische Sky Channel und viele weitere Programm auf- und teilweise auch wieder abgeschaltet worden.

Nicht vergessen darf man auch, das auf allen Kanälen zumindest zu den Tageszeiten noch endlos das damals verwunschene, und heute ob dessen fernbleiben sowie im Angesicht des medialen Unrates verklärt herbeigesehnte Testbild zu sehen war.

Momente, in denen sich ein „politisch nicht korrekter“ Zuseher einen „Schwarzen Kanal“ gleichgültig ob mit oder ohne Arthur von Schnitzler herbeiwünscht der dem entgleisten Treiben am Bildschirm Einhalt gebieten möge.

Oder was die Online Angebote der Fernsehmacher betrifft so könnte selbst ein Volksschullehrer mit durchschnittlichen Rechtschreibkenntnissen doch zumindest die schlimmsten Ausrutscher der Schreibtisch- oder wie man heute sagt der Web-Desktoptäter verhindern.....

 

Zugeführt wurde das Fernsehsignal zu den Kabelnetzbetreibern durch die Österreichische Post die auch Betreiber der Richtfunkstrecken war.

Ein passender Mast, ein 180 cm Parabolschirm und ein standardisierter 19“ SHF/VHF Zentralumsetzer der gleich die Kanalbelegung samt Sonderkanäle zur weiteren Verstärkung fest vorgab war die Grundausrüstung die auch in den Bundesländern und kleineren Gemeinden lokale Kabelgesellschaften am Vorabend des Satellitenzeitalters aus dem Boden hat sprießen lassen.

Der Rest der Arbeit war die eigentliche Netzplanung mit den Linien-Streckenverstärkern (~96 dB/µV) sowie den Verteilverstärkern (~105dB/µV).

Bessere Netze hatten automatische Regelverstärker die Schwankungen selbsttätig ausglichen. Mühevoll war aber dennoch deren Einpegeln für Wartungs- und Netzabgleicharbeiten. 

Dann musste man für die ausreichende Stromversorgung mit heiß laufenden 220V/65V Transformatoren sorgen.

Auch konnten die Verstärker (zumeist das Philips oder Bosch System) aufgrund der Rauschzahlen nicht beliebig kaskadiert werden.

Der Not, sprich dem Verlangen nach einem Anschluss bestimmter Ortsteile gehorchend, kam es in der Praxis zumindest im ländlichen Raum dennoch nicht selten dazu das auf Teufel komm raus expandiert wurde. Nicht der Teufel aber das störende Grundrauschen kam aus dem Bildschirm heraus wo erst die eigene Satellitenanlage später auch diesen Teilnehmern erstmals neben der Programmauswahl auch eine angemessene Bildqualität ins Haus brachte. In der Vielzahl der Fälle waren es aber finanzielle Motive und Autonomiebestrebungen des Zusehers mit einer eigenen SAT Anlage keine monatlichen Kabelgebühren mehr bezahlen zu müssen, die Liberalisierung zur Erlaubnis der Errichtung einer eigenen SAT-Antenne tat ihr übriges.

Den ORF aber, den musste sich die Kabelgesellschaft wie auch der private SAT Teilnehmer erst terrestrisch „organisieren“ was zumindest bei den Kabelgesellschaften zu den interessanten gestockten Antennenaufbauten zur Unterdrückung von Reflexionen und der Erhöhung des C/Ns führte. Bei den individuell versorgten Teilnehmern war daher „Das Deutsche“ in nicht minderer Zahl von besserer Qualität denn das Bild des hauseigenen ORFs.

 

Die Kabelgesellschaften rüsteten in den 1980ern dann so nach und nach ihre reinen 450 MHz Netze auf das untere Sonderkanalband (Kanal S 3 – S 10), das obere Sonderkanalband (S 11-S 20) und wieder später auf das Hyperband (S 21 – S 40) auf (Telekabel Wien war immer schon UHF tauglich) und konnten so das aktuelle Programmangebot stetig steigern.

Auch Zusatzdienste wie VPS und Stereo wurden so Alltag bei den Kabelteilnehmern.

Wien hatte nebenbei bemerkt 3 unterschiedliche Telekabel Netze und damit Kanalbelegungen die erst in relativ jüngerer Zeit zusammengefasst und homogenisiert wurden.

Es war daher ein Quantensprung in der Technik, und für den Zuseher speziell im UHF Bereich eine deutlich sichtbare Verbesserung der Bildqualität als die Netzzuführung in den 1990er Jahren auf Glasfaser umgestellt wurde.

 

Baggerarbeiten beim Straßenaufreißen und Häuslbauen brachten stundenweise damals noch schneetreibende Bildschirme bei den Teilnehmern bis sich ein beherzter Techniker, einem Soldaten der Fernsehtechnik gleich, in die morastige Künette hinunterbegab um dort das zerfetzte Kabel wahlweise mit den sogenannten 3db (die ganz dicken grünen Kabel), die 6 dB ~11mm starken schwarzen oder grünen Kabel oder das 12dB Standard weiße oder schwarze UV feste/erdalkalibeständige Kabel zu flicken. Danach vulkanisieren und weiter zum nächsten Ort des Grauens oder mit Gatschklumpenstiefel ab zum nächsten Kunden um ihm im Wohnzimmer die TV Anschlussdose zu montieren. Ständige Verkühlungen und andere arbeitsbedingte Unzulänglichkeiten ließen dem Autor des Artikels dieses Arbeitsumfeld recht bald wieder verlassen.

 

Obwohl das Kabel wie ja auch der Satellit jeweils von Anbeginn auch Radioprogramme, noch dazu in guter techn. Qualität und großer Auswahl „mitgeliefert“ hat, sind mir in den Jahrzehnten meiner televisionären beruflichen Tätigkeit nur eine Minderzahl an Kunden bekannt die von diesem Angebot selbst nach erfolgtem Hinweis darauf Gebrauch gemacht haben.

Vielleicht mit ein Grund, weshalb auch das im Netz der Telekabel Wien übertragene DSR (Digitales Satelliten Radio) Anfang der 1990er Jahre Schiffbruch erlitten hat.     

 

Mitte der 1980er Jahre sah man sich gar mit einer Plakatwerbung genötigt die wachsende Zahl der Kabel-Schwarzseher zur Räson zu bringen:

Sinngemäßer Text eingebettet zu lesen in einem „Kabel wirwar“: „der Herr XXX (Name war geschwärzt) aus dem Rennbahnweg hat’s gut – er glaubt er braucht keine Kabelgebühren zu bezahlen............. „

Eine Gegend also, wo in den anonymen Wohnburgen ungeniert die Anschlusskästen aufgebrochen wurden oder anderweitig die Nachbarleitung angezapft worden ist.

Die Fahndung nach solchen Tätern ist bisweilen schwierig, besonders wenn man die legal angeschlossenen Teilnehmer nicht durch gebietsweise Testabschaltungen u.ä. beleidigen will.

 

Der Rennbahnweg und die Großfeldsiedlung waren und sind das zur Realität gewordene Synonym einer Betontrabantenstadt im Norden Wiens was aber nichts desto trotz sofort Grätzelschützer zum Plan rief die sich eine Herabwürdigung ihrer Wohnsiedlung zur Brutstätte des Schwarzsehertums ausdrücklich verbaten...... danach wurde es medial für immer still was dieses Thema betraf als gäbe es seit damals niemanden mehr der illegal am Kabel hängt.   

 

Das Kabelfernsehen hatte in Wien wie auch sicher anderswo eine Metamorphose von einem elitären Luxusartikel, einem Statussymbol, einer Sache die man nicht braucht, eine Sache die zu teuer ist, einer Qualität die zu schlecht ist, eine Auswahl die zu gering oder auch nur zu einseitig sei, Resortiments gegenüber dem vielen Fernsehen überhaupt und weiteren Behauptungen zumeist von Fernsehgegnern initiiert durchzumachen.

In den 1990er Jahren wurden die Contra Stimmen immer weniger bis sie mit Beginn des neuen Jahrtausends fast gänzlich verstummten, und ein Anschluß an Telekabel Wien – schon längst von der Stadt Wien und Philips zum Konzern UPC übergegangen, wurde ein Standard Artikel der zu jeder Wohnung so wie der Kühlschrank gehört.

Heute müssen sich die Produkte von UPC „nur“ mehr im wirtschaftlichen Wettbewerb zu allen anderen Alternativen der Telekom einschließlich dem individuellen Satelliten Empfang oder der DVB-T Angebote stellen.

 

Doch die Zeit blieb nicht stehen und man darf Wien als eine der bestversorgten Gebiete zu im Wettbewerb stehenden und damit moderaten Preisen in Sachen Breitbandnetz ( Internet über Kabel TV seit etwa 1995) und später des sogenannten Tripple Plays mit zusätzlicher Telefonie über das Kabel bezeichnen.

Und während man für diesen Satz noch Luft holt wird bereits die Telefonie im Telekom Festnetz wie auch im Kabelnetz nach und nach auf Voice over IP umgestellt.

Digital TV, jedoch leider nur auf einer Proprietären Ebene gibt es schon seit etwa 2000, HDTV über DVB-C folgt jetzt im Sommer 2008. Mit 2013 sind nun (alle freien?) DVB-C Programme auch ohne Zusatzgerät frei empfangbar.

Dies wohl angesichts des Drucks seitens der Zuseher mit ihren Digitalen 2. TVs sowie dem neuen DVB-T2 Digitalen Antennen Fernsehen "Simpli TV" der ORS gegen € 10,-/Monat bereits mit HDTV Programmen.


Der Leser und leidgeprüfte Telekabel User Herr Wolfgang U. schreibt mir [3]: 

Guten Abend Hr. Scheida!
 
Immer wieder lese ich gerne Ihre Seite, um auch eigene Geschichte wieder zu erleben.
 
Ich bin heute auf der Seite Fernsehen Österreich gewesen, Besonders der Kabel TV Abschnitt hatte es mir angetan.
 
 
Ein paar Sachen habe ich anders in Erinnerung und dann auch mit Recherche abgeglichen.
 
Ich hatte erst ab Jänner selbst in einem Gemeindebau (älter aus 1929, kein "Plattenbau") Telekabel.
 
In der HTL hatte ich Kollegen, aus der Hansson Siedlung, die das schon früher hatten.
 
Also angefangen hat Telekabel 1979 so
 
FS1
FS2
ARD
ZDF
BR Fernsehen
 
Schweiz - am Anfang abwechselnd einen Tag DRS (deutsche und rätoromanische Schweiz)
ein Tag TSI (italienisch) dritter Tag SSR (französisch)
 
 Radio die ORF Programme und dann die damaligen 4 BR Hörfunkprogramme . Leider zwitscherten die bis zur unbrauchbarkeit. Trotz Spitzenequipment, zb JVC T-X 900 L (2 Antenneneingänge, umschaltbarer Attenuator, umschaltbare Bandbreite etc.) war es unbrauchbar.
 
Das kommt rein aus meiner Erinnerung, Teledebakel, so wie ich diese Hassliebe Firma nenne, hat keinerlei Info dazu.( Ich habe immer recht offensive Briefe an die geschrieben, wurde vom damaligen Geschfü, Hr. Wilfing anläßlich des Eurosport Abschaltens zu einem Gespräch in die damalige Zentrale in der Erlachgasse eingeladen...)
 
1982 hat man die Rotation der 3 Schweizer Programme eingestellt und nur mehr DRS also die deutsche Schweiz eingespeist. Bis zur wenig glorreichen Abschaltung von DRS im Frühling 1997.
  
1984 kam das 7 Programm,. das war aber Sat , nicht terrestrisch.
 
Es war aber die Vorgesellschaft zu Sky Channel:
 
"satellite Television" über ECS-F1, der im Oktober so schwach war, dass ihm um 2300 die Pusta ausging, bis zum nächsten Sonnenaufgang!
 
http://en.wikipedia.org/wiki/Sky1
 
unvergesslich die amerikanischen Serien wie Mr.Ed, Greenacres, die Quiz shows wie
Card Sharks, Password, Super Password,
und der Musikshows mit Pat Sharp, usw,   bis zur SKY FI MUSIC SHOW.
 
1985 hat (Helmut) Zilk (früherer Bürgermeister Wiens mit Medienaffinität) statt Sat1 dann  3sat einspeisen lassen, Erst 1 Jahr später kam Sat1.
 
Der WDR3 kam erst 1992, zusammen mit NDR und HR, aber im Hyperband. Das war fast mehr Ausschluß der Öffentlichkeit als HDTV im Jahr 2008. Ich habe das Programm nur über den S-VHS Videorecorder sehen können, nicht über meinen nur 1 Jahr alten 63 cm Stereo TV!!!!
 
Die Reihenfolge kann ich deshalb noch so gut, weil ich die Reihenfolge eingestellt habe.
 
10. war RTL plus.
 
11 und 1987 kam erst der Super Channel http://de.wikipedia.org/wiki/NBC_Europe
12 1989 SWR baden Württemberg 
13 1990 CNN (Anmerkung des Autors: Als dieser Sender aufgeschaltet wurde stand auch der Telekabel Mann in meiner ersten Wohnung in der Küche zum erfolglosen Info/Abschlußgespräch)
14 1993 RTL 2
15 Tele 5 später DSF
16 Vox
 
 na und so weiter.
 
1989 ging dann Sky voll auf Sendung und verschwand dann aus Europa, und EUROSPORT, einer der 4 Murdoch Sky UK Sender kam dann anstelle davon.
  
Uff.. ich hör besser auf, bevor mich die Nostalgie total erwischt.
 
Liebe Grüße
 
W.U (Name bekannt)

Wenn auch Sie etwas zum Thema einbringen wollen dann schreiben Sie mir Ihre Erinnerungen!


Literatur:

  1. Programm & Kanaltabellen Telekabel Wien 19X
  2. Horst Holzer - "Report: Kabelfernsehen in der BRD" 1976
  3. Email Korrespondenz vom 7.4.2012

Quellenverweise:

Satelliten TV in Europa

Quellenverweise:

 

 

© 6/2008  - W. Scheida  gehörend zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm

Updated: 22.04.13