Die Geschichte des EUROPÄISCHEN Kabelfernsehens

*Den Beitrag zu den allerersten Anfängen beginnend ab den 1930er Jahren finden sie unter Televisionen-Drahtfunk-Kabelfernsehen

Das Kabelfernsehen in Österreich mit einer Schwerpunktbetrachtung für Wien ab etwa 1978/79, mit der Firma "Telekabel" - nachmals UPC* bis zum Anfang der 2000er Jahre. 

Rückblende: 

Wie mir ein Besuch im Niederländischen Postmuseum um 1994 zeigte, war man am Beispiel der Niederlande bereits in den frühen 1960er Jahren mit dem ersten Aufbau von Kabelfernsehnetzen beschäftigt. Dies basierend auf einer einerseits etwas liberaleren Postgesetzgestaltung aber auch einem anderen Verständnis sowie Interesse für die Rundfunk- und Fernsehausstrahlungen der Nachbarländer wie Deutschland oder auch Belgien.

Das die Niederlande mit den Unternehmen Philips und NSF auch eine entsprechende Industrie dafür hatte war sicher dem Thema förderlich.

Für 48 Gulden Jahresgebühr wurden zu beginn drei Fernsehprogramme, das niederländische, ARD sowie das flämisch/belgische Fernsehen nebst 12 Radioprogrammen eingespeist.

Kabelausbaues in den Niederlanden

Bild: Szene des ersten Kabelnetzausbaues in den Niederlanden 1963 ©Niederländisches Postmuseum-PTT Museum

Soweit mir bekannt ist, haben andere europäische Länder bzw. deren Postverwaltungen, zumeist zuständig für die Rundfunk- und Fernsehsignalverbreitung in diesem Zeitraum sich lediglich mit der besseren Versorgung der Bevölkerung mit den originären Landesprogrammen zumeist auf Basis terrestrischer Umsetzer, Stichwort "UHF Ausbau" beschäftigt. Davor noch die Erweiterung des VHF Netzes um den zumindest in Österreich verwendeten Kanal 12, der vereinzelt erst in die Tuner nachgerüstet werden musste um die neuen Füllsender empfangen zu können [31].

Osteuropa möchten wir hier generell ausklammern, wiewohl auch dort in bestimmten Ländern und Landesteilen es mehr oder weniger privat basierte Antennengemeinschaften gab um u.a. das Fernsehen aus Österreich bis nach Budapest oder auch nach Prag zu bringen.

Lesetip: Die Situation in der DDR mit dem Westfernsehen sei zudem HIER bereits ausführlich in buchstäblich ALLEN Details durch den Autor geschildert.

In Italien ging man einen Schritt weiter und versorgte mit illegal errichteten Senderumsetzern Teile des Landes direkt über die Antenne was aber ohnehin eine andere Geschichte auch auf die Technik bezogen wäre.

Wie der "Report: Kabelfernsehen in der BRD" aus 1975 zeigt, hat sich auch die Deutsche Bundesregierung bereits 1973 mit der Weiterentwicklung der elektronischen Kommunikation beschäftigt [31].

Inhalt:

  1. Die aufkommenden Wünsche der Fernsehteilnehmer
  2. Rückblende
  3. Telekabel-Wien - Als das Kabelfernsehen kam
  4. Kindheitserinnerungen
    1. Exkurs: Die Haustürsprechanlage
    2. Das Testbild - Die nächste Erinnerung
    3. Kabelfernsehen für den Aufenthaltsraum des Volksschulwarts
  5. Das Kabel kommt
  6. Die bisherige Antennenversorgung im Viertel
  7. Das gab es ab etwa 1979 im Wiener Kabelfernsehen zu sehen
  8. Die Anfänge des Kabelfernsehens
  9. Wo kam "Das Kabel" überhaupt her?
  10. Die Ausbaustufen der Kabelnetze
  11. Teilnehmerzahlen 1
  12. Teilnehmerzahlen 2
  13. Die Arbeiten am Kabelnetz
  14. Schwarzseher im Kabel
  15. Kabel kontra SAT - oder beides?
  16. SAT-Kabel - Die unnötigen braucht ihr ja nicht...
  17. Pay TV im Kabelnetz - Am besten doppelt zahlen
  18. DSR - Das Digitale Satelliten Radio Intermezzo
  19. Die Weiterentwicklung der Kabelnetze
  20. OKTO TV - Ein eigener Fernsehkabelsender für Wien
  21. Vorläufiges Fazit zum linearen Fernsehent:
  22. Die ersten Kabelnetze im und um den Speckgürtel von Wien
    1. Kabelsignal
    2. Telesignal
    3. KTAM - Kabelfernsehen Amstetten
  23. Literatur - und Quellennachweis

 

Die ersten Alternativen zum terrestrischen ORF FS 1 & FS 2 "Einheitsfernsehen":

*Die Verwendung von Markennamen, Logos und Kürzeln erfolgt ausnamslos nur in beschreibender Weise und macht der Autor die Eigentumsrechte daran niemenden streitig. Es wird auf die jeweiligen Rechteinhaber verwiesen. 

Die aufkommenden Wünsche der Zuseher

Waren schon vor dem offiziellen Start des österreichischen Versuchsfernsehens im August 1955 die ersten Zaungäste in Tirol, Salzburg und Oberösterreich im Grenzbereich zur Schweiz und Deutschland/Bayern mit dem Deutschsprachigen Fernsehen der Nachbarländer verwöhnt worden, so galt dies auch viele Jahre später noch immer nicht für den Teil des Landesinneren wie etwa der Steiermark sowie dem Osten des Landes mit Niederösterreich, Wien und dem Burgenland.

So sehr den Technikern auch damals die einstrahlenden Ostsender aus der ehemaligen CSSR und Ungarn bekannt waren, nebst anderer technischer Empfangsparameter waren diese Programme letztlich sowohl sprachlich wie auch von der darin verpackten "anderen" politischen Ausrichtung nur wenigen Zusehern wie Flüchtlingen und Journalisten von Bedeutung.

Aus dieser Ecke, mitunter in Kombination mit schwierigen innerstädtischen Empfangsbedingungen kamen mehr oder weniger große Gemeinschaftsantennenanlagen so wie anderswo auch in Wien z.B. im Bereich des Gürtels auf. Die Anlagen waren zudem örtlich begrenzt errichtet. 

 

  Antennenanlage Wien 1 Schwarzenbergplatz für Ostprogramme  TV Antennenanlagen Wien

Bild: Links "Exotenanlage" um auch Ostprograme im Herzen Wien empfangen zu können. Rechts: Beispiel einer, da mittlerweile durch SAT überholten Technik, mit schon "müde" herunterhängenden gestockten Antennen nur um ein weiters "exotisches" Zusatzprogramm in Wien 11 hereinzubekommen.

Diejenigen wiederum, die mit der Zimmerantenne oder sonstig so nebenbei diese Programme empfangen konnten stuften diese zumeist in abwertender Weise als "Nebochantensender" ein.

 

So war es kein Wunder, das auch im Osten Österreichs der Ruf nach mehr Fernsehprogrammen zur Information, Unterhaltung wie auch dem kulturellen Austausch von immer mehr Fernsehteilnehmern erging.

Die alleinige Durchschaltung bei Eurovisionssendungen im DACH Raum alleine genügte da nicht mehr.

Die Schaffug von Alternativen mit einem Privatfernsehen wie auch Privatradio blieb all die Jahrzehnte ein Tabu. Daran bissen sich beherzte Idealisten die Zähne aus was anderweitig einmal beschrieben werden kann.

Für einen letztlich erfolgversprechenden Zugang beschäftigte sich bereits 1974/75 die Stadt Wien mit der Schaffung der Voraussetzungen für ein erweitertes Programmangebot.

So "gründete die Stadt Wien im September 1975 die Kabel TV-Wien, Studien- und Forschungsgesellschaft für Kabelfernsehen Gesellschaft m.b.H., die alle Möglichkeiten, aber auch alle Probleme und notwendigen Maßnahmen für eine Realisierung ausloten sollte, um auch für Wien eine Programmvielfalt schaffen zu können" [30].

Es galt daher auf mehreren Ebenen die Voraussetzungen zu schaffen um, stabil und in einem rechtsstaatlichen Rahmen den Aufbau eines Kabelfernsehnetzes zu realisieren.

  

Die Programmzuführung:

Technischer Teil:

Anders als im nördlichen Italien, wo "wild" Empfangsstellen samt privater Sender zur Weiterleitung der Programme aus der Schweiz und anderswo auf Bergketten errichtet wurden, war dies für Österreich so nicht denkbar.

In Sachen des Nachrichtentransports hatte die österreichische Post und Telegraphenverwaltung die klare Hoheit, zudem als Monopol, in den Händen.

Dies führte schon viel früher zur krotesken Auseinandersetzung, ob eine Verkehrsampelanlage, welche ja ebenfalls per Lichtsignal Nachrichten übermittelt nicht ebenso in die Zuständigkeit der Post fallen würde.

Die Zuständigkeit beim Transport von Radio- und Fernsehsignalen jedoch war hier relativ klar.

Das was es galt Auszubauen, das war ein bereits bestehendes Richtfunknetz das nicht nur die österreichischen Inlandssender versorgte, den ORF Fernsehstudios den Programmaustausch mit den Nachbarländern sowie der Eurovision ermöglichte, sondern auch die Programmweitergabe von der Eurovision an die Intervision der östlichen Staaten abwickelte.

Bild: Als Ausdruck nationaler Errungenschaften in der Wirtschaftswunderzeit wurde es sogar als Briefmarke verewigt: Der Ausbau des österreichischen Richtfunknetzes, hier auf der Zugspitze.

In Folge würden ja anfangs mit ARD und dem ZDF zwei Kanäle, bald folgend mit Bayern gar drei Kanäle dauerhaft von Deutschland übernommen werden und über diese Netze letztlich österreichweit im Ring und zu Stichstationen übertragen werden.

Diese weiteren Stationen gab es damals ja noch nicht, und wurden erst nach und nach errichtet. Der Großraum Wien, mit seiner Anbindung über den Richtfunkturm am Arsenal war hier mitunter ein wenig bevorzugt denn ländliche Regionen.

Anmerkung: Eine Satellitenübertragung war in dieser Phase hier in Europa auch für Fernsehstationen noch nicht in der uns später bekannten Weise in Gebrauch. Europa setzte generell auf den Richtfunk, in manchen Fällen auch dem direkten Ballempfang. 

Von einem, der das im Bezirk Amstetten/NÖ nicht abwarten konnte lesen Sie im Endteil des Beitrages.

 

Die rechtlichen Voraussetzungen -

 

Rechtlich waren Urheberfragen zu klären etwa ob und welche Abgaben/Tantiemen für den nun größer werdenden Zuseherbereich je Programm und wie zu bezahlen seien.

Zudem waren verschiedene bestehende Gesetze noch anzupassen bzw. zu ergänzen was höherer Einflußebenen, heute würde man sagen Lobbying, bedurfte um einen solchen Dienst möglich zu machen.

Der damalige Akteur und Zeitzeuge Herr Fritz Senger erzählte im Jahr 2013 aus jener Zeit die insbesondere von Brotneid wie auch "Hackeln in's Kreuz" wie wir auf Wienerisch sagen würden geprägt waren.

So bedurfte es mitunter einer nachhaltigen letztlich erfolgreichen Überzeugungsarbeit auf breiter Front die er als "gelernter Österreicher" mitprägen durfte.

 

Siehe ab Minute 38 den Teil zum Thema Kabelfernsehen.

Video Copyright Stadt Wien.

Für Wien war dies eine Aufgabe die der "Kabel-TV Wien" Gesellschaft, einem 100% Unternehmen der Stadt Wien zukommen würde, die sich mit der Beschaffung und Zubringung der Programme sowie der damit verbundenen urheberrechtlichen Fragen zu beschäftigen hatte.

Diese Gesellschaft hielt in Folge 5% Anteile an der 30. November 1977 (29. Dezember 1977) neu gegründeten Telekabel Gesellschaft.

Das übergeordnete zugehörige Politikum als Auftakt der neuen Zeit:

Die grundsätzlich erforderliche Technik und Erfahrung für Gemeinschaftsantennenanlagen GA wie auch Großantennenanlagen GGA waren ja nicht gänzlich neu. Neu war lediglich die Adaptierung auf unsere lokalen Verhältnisse.

Und was wäre Österreich ohne in fernmelderechtlichen Fragen die große Politik bemühen zu müssen.

Und dabei hatten "wir" im Vergleich zur damaligen BRD in Sachen Kabelnetze letztlich "liberale" Rahmenbedingungen erhalten. Wo und wie ausgebaut wurde und was eingespeist wurde entschied jeder Kabelnetzbetreiber selbst gemäß dem wirtschaftlich/technischen Rahmen. Bestenfalls die Lokalpolitik bis hin zur Landesebene hatte da mitunter noch ein Wort zu sagen dem im Rahmen der österreichischen Sozialpartnerschaft mitunter "freiwillig" gefolgt wurde.

Für die damaligen Volksvertreter galt es "ein modernes Österreich" auch in Sachen Medien zu schaffen, wenngleich die genauen Konturen dafür immer schon etwas unscharf waren.

Bzw. anders betrachtet eigentlich sehr scharf und klar im Sinne einer Stärkung und Exklusivität am österreichischen Markt nur durch den lokalen Medienanbieter ORF.

Hinzu kam noch die politisch gewollte Versorgung der technisch erreichbaren Teile des Ostblocks mit dem Radio wie auch Fernsehen.

Antennenwälder die ganze Städte verschandelten gehörten da im Rahmen des aufkommenden Landschafts- und Städteschutzes nicht mehr dazu.

Mehr noch dazu kamen die Bildschirmzeitungen (Teletext/Videotext, später dann der BTX Bildschirmtext) deren Interessensphären man da schon festgemacht hatte.

Aber natürlich alles streng reglementiert mit der Definition wonach der Fernsehempfänger des Teilnehmers nicht weiter als 500m vom Antennenstandort entfernt sein darf...

Eine Abhandlung über all diese Themen sind in einer Sitzung des österreichischen Bundesrats - 365. Sitzung - 23. Juni 1977 online nachzuvollziehen [].

Die Finanzierung:

Um stabile Verhältnisse zu haben, bot sich vielfach an, die Industrie ins Boot zu holen, welche die in Summe teuren Anlagen vorfinanzieren und/oder gar selbst fertigen würden.

Dies galt auszugsweise für die Fa. Siemens im südlichen Speckgürtel von Wien, und eben der Fa. Philips für den Wiener Raum mit einer 95% Beteiligung an der Telekabel Gesellschaft.

Für Wien war die Rede von damals zwei Milliarden Schilling (ohne Inflationsanpassung waren das über 72,5 Millionen Euro) an Finanzbedarf für die Errichtung eines Kabelnetzes.

Deren Aufgabe lt. auszugsweise wiedergegebenen Gesellschaftervertrag geschrieben in Juristen deutsch waren:

Örtlich fand sich diese Gesellschaft in Wien 10, in der Erlachgasse 116 wieder, wo es auch im Erdgeschoß ein Kundenzentrum gab wie auch die bzw. eine von mehrerern Kopfstellen von denen sich der Autor um 1994 überzeugen konnte.

 

Als das Kabelfernsehen kam...

Als zuerst wahlberechtigt wurden ab etwa 1979 die „roten SPÖ* Arbeiter“ Betonburgen der Wiener Vorstadt Bezirke wie etwa Favoriten (Wien 10) Floridsdorf (Wien 21) und Donaustadt (Wien 22) auserkoren, die von der Telekabel Wien Gesellschaft - einem Unternehmen mit 95% Beteiligung von Philips und 5% der Stadt Wien, Fernseh- und Radio Programme über "rauschende" VHF Netze an den Mann oder besser gesagt an die Koax- und damals oft genug noch an die symmetrische 240 Ohm Antenneneingangsbuchsen am Fernsehgerät gebracht haben (*SPÖ- Sozialistische Partei Österreichs).

Wien 23 mit der Per Albin Hanson Siedlung, wird unbestätigt als ein Vorreiterbauprojekt wohl auch wegen der örtlichen Nähe zu dort wohnenden Philips Mitarbeitern eine Rolle gespielt haben. Ein lokal stark präsentes Unternehmen das in jenen Tagen noch mehrfach Fertigungswerke in Wien 10 und 23 sowie den Bundesländern unterhielt.   

 

Betonburgen, Stadtrandsiedlung, Gemeindeghetto, Plattenbausiedlung,

Symbolbild: Stellvertretendes Beispiel jener Gemeindebauten alias Betonburgen in Plattenbauweise an den Stadträndern Wiens die man zur Linderung der Wohnungsnot ab den 1960er Jahren errichtet hatte und in die Kabelfernsehen als erstes eingeleitet wurde.

Das Bild erzählt auch über Fotografieexperimente mit einer Zeiss Box Tengor mit 6 x 9 Rollfilm, einem Erbstück von Großonkel Egon.

Zuerst die Betonburgen sprich Plattenbauten deshalb, da zum Einen über die Beteiligung der Stadt Wien am Telekabel Netz sämtliche Diskussionen über die Zulassung der Kabelzuführung in die Häuser des größten Haus- und Wohnungsverwalters Wiens (=ohne Übertreibung auch der Größte der Welt!) nämlich der Gemeinde Wien, nachmals Wiener Wohnen, schon zustimmend geendet haben bevor sie überhaupt begannen.

Dies war in privaten Häusern mitunter eine langandauernde Auseinandersetzung ob und zu welchen Konditionen der Hauseigentümer bereit war sein Stiegenhaus aufstemmen zu lassen.

Eine Mischung aus dem Druck der Mieter wie auch dem Recht der freien Wahl des Informationszuganges, später ohnehin auch durch EU Direktiven geschützt löste so nach und nach "letzte Blockaden" in feiner Zermürbungstaktik auf.

Kindheitserinnerungen:

Damals war unsere Familie als Zweitbezug erst relativ neu in eine dieser angeführten "Betonburgen", damals noch "exteritorial" jenseits der eigentlichen Stadt gelegen, jedoch mit relativ viel Wohnraum und Grün rundherum eingezogen, als schon kurz darauf zwei elektrotechnische Errungenschaften Einzug im Stiegenhaus gehalten hatten.

Exkurs: Die Gegensprechanlage:

Das eine war der obligatorische Einbau einer Gegensprechanlage im ganzen Stiegenhaus. Alles "streng demokratisch" entschieden von den Hausparteien. Was letztlich auch obligatorisch war, das war die Zahlung eines Pflichtanteils dafür, der ebenso um die öS 2.500,- betrug.

"Um den vielen Fremden" den Zutritt zu verwehren und den Hausbewohnern, genau genommen dem damals noch existierenden Hausmeistern es zu ersparen den Schließdienst allabendlich durchführen zu müssen.

Das mit diesen Sprechanlagen der Vandalismus daran wohl gar erst neu erfunden wurde sei nur so nebenbei erwähnt. Nicht selten sah man eine Elektrikerpartie daran wieder arbeiten. Etwas was in dieser Art wohl nur Kinder feststellen können die sich hier nach der Schule oder der Ferienzeit auch aufhalten und beobachten können.

Der italienische Hersteller "Urmet" wird es ob der damals großen Auftragslage mit den Nachrüstungen gedankt haben.

In der Bedientafel eingelassen mit den Namen aller Hausparteien, ehe sie jahrzehnte später zugunsten des Datenschutzes in falschen vorauseilenden Gehorsam wieder entfernt wurden, befanden sich dann immer zwei Schlösser:

Bild: Typische Front einer Haustorsprechanlage von Wiener-Wohnen in einer bereits erneuerten Version. Die alten hatten mehr eckige Tasten aus Kunststoff die sich von "Feuerzeugzündlern" zumindest bis zur Unkenntlichkeit verkohlen ließen.

Ein kleines Bartschloß für den Hausmeister bzw. der "Gemeinde Wien".

Das andere kleinzylindrische war das "Postschloß" von dem sich die zugehörigen Spezialschlüssel über die Jahre und Jahrzehnte begannen "selbstständig zu machen", ehe es damit den "Zentralschlüssel für Wien für Jedermann" auch ohne einem Ehrenakt des Bürgermeisters gab.

Mitunter soll auch das eine oder andere Personal der weit verbreiteten Schuhabsatzreparatur- und Schlüsselservicekette "Mister Minit" dem Thema gegenüber aufgeschlossen gewesen sein.

Ab den 2000er Jahren erkannte man dies nicht zuletzt auch bei den Hausverwaltungen und den Herstellern von Schließsystemen und das Spiel begann mit neuen propriäteren Systemen und Anlagen auf ein neues.

Das Kabel kommt:

Wahrscheinlich wurde das Kommen medial, durch Werbung, damals im sogenannten "Feibra Sackerl", ausgeteilt durch gleichnamige Firma an der Türe hängend oder sonstigen Zusendungen in der lokalen Bezirkszeitung wie auch Überregional begleitet.

Wie auch immer, ich als Kind war zuerst eher mit der praktischen Umsetzung bzw. der geäußerten Kritik daran konfrontiert.

Auftakt war die per Bürgermeister Leopold Gratz am 1. Oktober 1978 vollzogene Eröffnung des Telekabel Versuchs-Fernsehdienstes beim Wiener Donauzentrum in 1220 Wien.

Noch waren es nur 533 Haushalte die am Versuchsbetrieb zudem gratis mit nur ARD und ZDF als zusätzliche TV Programme teilnahmen, ehe die Verbreitung ab 1979 seinen zwar strukturierten aber auch exponentiellen Fortgang nahm.

Das Donauzentrum, damals wie heute einer der größten Einkaufstempel in der Stadt, wurde wohl nicht nur wegen der publikumswirksamen Zugänglichkeit gewählt.

Unmittelbar daneben gab es das Postgebäude für mögliche technische Richtfunkeinrichtungen, bzw. schräg mit knapp 1.000 m Entfernung eine ausgewählte "Betonburg" welche später dann im Dachgeschoß für viele Jahre die Richtfunkantenne samt Kopfstellentechnik für diesen Bezirksteil zumindest als einer Redundanz übernehmen sollte.

Von der Straße aus erkennbar an der entsprechenden Gebäudeunüblichen Antennenkonstellation am Dach.

 

Bild: Faltblatt "Kabelfernsehen für Wien" aus der unmittelbaren Anfangszeit. Ein grundlagen Training für die künftigen Teilnehmer; ©Telekabel Infofolder um 1978/79

Bei uns:

Die Wohnsiedlung war eben noch recht neu und unbeschädigt, ehe ein gelber "Ford Traktor" alias ein Baggerlader mit Frontschaufel und am Heck die Künettengrabeinrichtung sowie mit eingebautem Kompressor für die Presslufthämmer im Rasen und auf den Gehwegen der Wohnanlage ganz ungehemmt herumfuhr.

Es wurde am Boden der Leitungsweg angezeichnet und der Aushub im wesentlichen natürlich maschinell begann.

Im Gehsteigbereich hüpften dann die Presslufthämmer am Asphalt um die nötigen Querungen zu realisieren.

Zu den Zeiten meiner Kindheit war es dann ein alltägliches Bild, das bei solcherlei Arbeiten auch im Straßenbaubereich, das Aushubmaterial an Ort und Stelle zwischen provisorischen Abplankungen gelagert wurde, ehe es wieder nach den Arbeiten verfüllt, verpresst und ergänzt worden ist. So auch bei uns im Hof. Über die Jahre dann wurde scheinbar auf allen Baustellen begonnen all den Aushub komplett wegzufahren und zu deponieren.

Auf die Frage von uns Kindern, was sie denn da machen und warum antworteten die Arbeiter sinngemäß: "Wir legen hier das Kabel damit ihr euer Kabelfernsehen bekommen könnt".

"Hand anlegen" durften wir buchstäblich, als die schmale Künette recht bald wieder zugeschüttet wurde und das Erdreich wieder verfestigt wurde ehe erneut Gras darauf angebaut wurde. Zum Verfestigen gab es zumindest für das Erdreich keine Rüttelplatte, sondern eine Art Pressstempel alias einem handgeführten Verdichter (Stampfer/Frosch) mit handausgelöster Zündung per Zündungshebel für den darin befindlichen benzinbetriebenen Hubkolben.

Bild: Hüpfte munter vor sich hin, wenn man denn wusste wie es geht und die Kraft dazu hatte - Pressstempel alias einem handgeführten Verdichter (Stampfer/Frosch)

Der Arbeiter ließ das schwere Gerät durch gleichmäßiges ziehen am Abzug munter vor sich hinhüpfen bei zeitgleichem Ertönen der lauten Explosionsgeräusche aus dem Inneren.

Gehörschutz trug man damals natürlich noch nicht.

Und dann bot er uns an wir dürfen auch ran wenn wir wollen. Ja wer wollte nicht?

Sicher alle, was aber in der Praxis daran scheiterte, das kaum jemand den schweren Abzug an der mechanisch ausgelösten Induktionszündungsanlage ausreichend schnell und vollständig drücken konnte.

Theoretisch war es ja auch gefährlich, aber bei aller auch schon damals wertgelegten Vorsicht waren Helikoptereltern eher die Ausnahme und so konnten wir inoffiziell zumindest zusehen.

Der Gehsteig wurde dann denke ich schon mit einer kleinen Walze und Asphalt zuerst provisorisch, später dauerhaft und eben wieder hergestellt.

Soweit mein kleiner Ausflug in erste Tiefbau Erfahrungen die sich stellvertretend im ganzen Viertel und letztlich in ganz Wien zu diesem wie auch anderen Themen vollzogen.

Das Kabel, das hieß wie noch später folgt das "dicke Grüne" wurde verlegt von Stiegenhaus zu Stiegenhaus. Wo es ging natürlich auch über die Kellergänge ohne Grabarbeit.

Bild: Prospekt jener Tage von Telekabel-Wien um auf die Vorzüge des Kabelfernsehens in Sachen Programmauswahl aber auch der technischen Störungsfreiheit zu informieren. ©Infofolder von Telekabel um 1979

Dazu kamen schön silbrig glänzende verzinkte Verstärkerboxen außen an den Gebäuden angebracht. Ebenso mit einem exklusiven Schloss für Telekabel Mitarbeiter versehen, wie auch die im Stiegenhaus, zumeist in den Zählernischen angebrachten mit "Telekabel" in Reliefprägung versehenen weißen Metallverteilboxen aus denen es dann in jede einzelne Wohnung, sofern vertraglich angeschlossen ging.

Da Kabelfernsehen noch was ganz neues, für die meisten zudem unbekanntes war, bot Telekabel ein Probesehen für ich denke etwa einen Monat an.

Im Fall des Nichtinteresses, das Risiko für Telekabel dürfte sich bei zumeist anmeldewilligen in Grenzen gehalten haben, wurde der Anschluß wieder stillgelegt.

Über die begleitenden Kommentare, wonach wie schon zu Beginn des Fernsehzeitalters generell zuviel Fernsehen und jetzt auch noch soviele Programme wie auch immer schädlich sein sollen lasse ich mich hier nicht weiter aus.

Das der Kabelanschluß ob seiner Kosten, insbesondere den monatlichen Gebühren lange Jahre bei eher konservativ denkenden Personen als durchaus "elitär", in einzelnen Fällen auch als etwas "versnobt und abgehoben" galt gehört ebenso am Rande miterwähnt.

"Ich könnte die vielen Programme wegen Zeitmangels gar nicht ausnützen" war stellvertretend so ein Kommentar, als es schon viele Jahre später in umliegenden Tullner Gemeinden in Niederöstererich zu ähnlichen Szenen kam. Bei deren späterer SAT Antenne war die "Ausnützung" dann natürlich gleich gegeben.

Letztlich über die Jahre entstand ein pragmatischer Zugang dazu: Aus einer Mischung der Standardfrage ob eine SAT Antenne errichtet werden könne oder eben der Kabelanschluß problemloser herzustellen sei.

Mit zur Verbreitung des Kabels wie auch später der SAT Antennen "half", das subjektiv von vielen empfundene inhaltliche ausdünnen des terrestrischen ORF Programms mit seinen nur zwei Programmen.

Bei Neubauten wurde zudem gleich das Kabel mit in die Wohnungen gelegt und nur durch HF Sperren für Abonnenten freigeschaltet bzw. für Teilnehmer ohne Vertrag blockiert.

Beim Einzug war zumeist Kabel Fernsehen gleich einmal freigeschaltet zum Kennenlernen.

Was es in Wien nicht gab, das war die vertragliche Teilung der technischen Ausführung wie in Deutschland am BK Netz (Breitbandkabelnetz) der Deutschen Bundespost gepflegt:

Das Herstellen des BK Hausübergabepunktes durch die Bundespost und individuelle Anschlußverkabelung durch lokale Dienstleister zu denen eben gerade das Antennenbaugewerbe gehörte die ja nun um Antennenbauaufträge gebracht worden sind.

Bei uns lieferte Telekabel zumeist das gesamte System bis in die Wohnung, wobei man sich natürlich ebenso diverser entsprechend großer aber auch spezialisierter Firmen (Stichwort: Spleißen der Glasfaserleitung), zumeist aus dem Elektroinstallationsgewerbe bediente.

Was damals bei aller Technikgläubigkeit niemand vorraussehen konnte oder wollte, das wäre das gleich mithineinlegen von Leerrohren für die später mögliche Glasfaserversorgung gewesen.

Das begann aber erst um die Mitte der 1990er Jahre als das böse Erwachen ob der nunmehrigen benötigten Neuinvestitionen in die Netzinfrastruktur bei dem Betreibern kam.

Böses Erwachen aber nicht nur Hinsichtlich der nun entstehenden Kosten und der nicht immer gegebenen Wirtschaftlichkeit, sondern auch aufgrund von Sperren seitens der Gemeinden/Kommunen die eine Wiederaufreissen der Straßen erst wieder in X Jahren zulassen würde um nicht Dauerbaustellen in der Stadt zu haben.

Das sich mit Glasfaser Geld machen läßt, entdeckten schnell auch andere, insbesonders im gerade in Österreich aufbrechenden nun deregulierten Telekom Markt.

Die Einen kämpften um die letzte Meile um den Telefonteilnehmer noch über Kupfer zu ererichen. Die Anderen, auszugsweise das Unternehmen "Colt" widmete sich gleich dem Glasfaserausbau und konnte so wertvolle Geschäftskunden mit Telefonie- wie auch Datenanbindung gewinnen.

Das sollte mit dem "Tripple Play" also Fernsehen, Radio spielte beim Kabel eher immer schon eine Stiefmütterliche Rolle, sowie Internet und Festnetztelefonie seinen vorläufigen Höhepunkt haben.

Dazu gab es noch den "Rückkanal" über den noch vor der von der Allgemeinheit angekommenen Internetzeit "Daten" vom Kabelteilnehmer an den Kabelnetzbetreiber zurückgesendet werden sollten.

Eine praktische Anwendung mit dem Rückkanal ist mir ebenso nur im UPC Kabelnetz in den Niederlanden in einem Hotel in Breda untergekommen, wo schon in den 1990er Jahren kostenpflichtig angebotene Filme (Video on Demand) bzw. ganze Kanäle über diesen Rückkanal am Zentralrechner für den Fernseher im Hotelzimmer freigeschaltet und in Folge am Ende des Hotelaufenthalts abgerechnet wurden. 

 

 

Kabelfernsehen für den Schulwart:

Wie erwähnt galt zumindest in meiner persönlich erlebten Kindheit/frühen Jugend ein Kabelfernsehanschluß als eher elitär und als etwas mehr oder weniger besonderes.

In dieser Rubrik waren auch das damals kolportierte "Farbfernsehen" für Gefängnisinsassen zu finden. Einer Zeit wo das Farbfernsehen wie auch das Kabelfernsehen noch nicht jeder hatte bzw. sich nicht jeder einen Anschluß leisten konnte.

Dies galt aber auch damals selbst für einen Telefonanschluß der bei großer Verbreitung aber eben auch sein Geld zudem mit noch nennenswerten Gesprächsminutenabgeltung kostete (Stichwort: Vierteltelefon, Regionaltarif, Abendtarife etc.). 

Bis heute "ein Rätsel" blieb mir der Kabelanschluß für den Schulwart in meiner nahe des Wohnorts gelegenen Volksschule:

Er hatte im Administrationsgebäudeteil neben der Direktion einen kleinen Verschlag alias sein Büro. Und dort stand dann ein kleiner japanischer 36 cm Farbfernseher den er eben mit dem Kabelsignal bespielte.

Auch da sah ich damals den Arbeitern beim Verlegen und Bohren durch die Betonaußenwand im Keller gelegen zu. Es kam aber nicht das "Dicke" sondern hier nur das "dünne" 6 dB Kabel zum Einsatz.

Wer ihm das bezahlt hat fragte ich mich immer schon. Er es sich selbst? Real war es "nötig" da umgeben von all den Betonbauten er unter einem Blechdach auf Erdgeschoßebene sitzend wirklich kaum ein brauchbares terrestrisches Bild ohne mehrfach Schatten zusammengebracht hätte.

"Und wer zahlt das Kabel?" hörte ich als Frage in die Runde gestellt, als ich als Philips Mitarbeiter sehr viele Jahre später bei einer Neubauschule in Wien 21 an der Brünner Straße einen der ersten Videobeamer vorführte und der dortige Schulwart an seine Fußballübertragungen in der Aula für seine Freunde des Abends dachte. "Der Elternverein?" blieb als Gegenfrage des Bauleiters im Raum ohne einer weiteren Mitwirkung meinerseits stehen. 

Die bisherige Fernsehsignal Versorgung im Neubauviertel

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, das für unser gesamtes Gemeindebauviertel irgendwo eine Zentralradio- und Fernsehantenne ausgerichtet auf den lokalen Sender Wien-Kahlenberg auf einem Flachdach stand.

Dies im Kontrast zu den vielen innerstädtischen Zimmerantennenteilnehmern wie auch solche mit unter-Dach wie auch über-Dachantennen mit mehr oder weniger guter Signalgüte.

An dieser obligatorischen Gemeinschaftsantennenanlage "hing" die ganze Gegend, ehe um 2010 aufgrund von Straßenbauarbeiten mehrere "Inselanlagen auf DVB-T Basis errichtet wurden.

Ausnahmen kannte ich nur für wenige. Solche denen die Qualität zu schlecht war und die sich wenn es sich denn dann wirklich auszahlte sich eine eigene Antenne am Dach oder einem entsprechend ausgerichteten Balkon montieren ließen.

Persönlich bewunderte ich immer den, der an seinem Balkon die Antennen aufgebaut hatte, justament in dem Haus, wo auch die Telekabel Kopfstation für Wien 22 befindlich war!

Ebenso hatten die Schulen, mit Ausnahme besagter Voksschule je eigene Antennenanlagen. Hinzu kamen die Amateurfunker mit zum Teil sehr beachtlichen Antennenaufbauten auf den Dächern, wobei letztere nach und nach wieder verschwanden und diese Bewohner wohl in eigene Häuser zogen wo dies zudem flexibler gestaltet werden konnte.

Und dann gab es noch die ehemals vor dem Kommunismus 1956 aus Ungarn und 1968 aus der ČSSR geflüchteten, die aber den informativen und kulturellen Aspekt nicht verlieren wollten und die ebenfalls wenn auch an Anzahl wenige solche Antennen für die Sender Bratislava, Brünn oder Sopron benötigten.  

Die Kanäle im VHF Band III Kanal 5 sowie im UHF Band IV Kanal 24 nebst den ORF UKW Radiosendern wurden auf Kanal 7 und 11 umgesetzt.

Hier schon mit dem Wohnanlagenbau und nicht mit Telekabel in Verbindung stehenden Erdleitungen die auch öffentliche Straßen unterquerten und ebenso Verteilleitungen in den Kellergängen per gemischter Stern-/Stichleitungsverteilung in den Wohnungen mit EINEM Anschluß mittig im Wohnzimmer per Auslassdose übergeben.

Die Dose benötigte sodann erneut einen Adapter für je einmal TV und Radio da sie noch weder IEC noch F-Stecker Norm besaß.

Bild: Damalig anfang der 1970er Jahre eingesetzte Siemens Kunststoff Antennendose noch vor den IEC genormten Anschlußdosen. Es war dann einmal ein Winkeladapter auf IEC Anschlüsse erforderlich. Authentisch die Spuren mehrfachen Übermalens wie aus dem echten Leben. Ebenso aber auch der billige Kunststoffaufbau der auf geringe Abschirmungswerte verweist was über die Jahre zu Problemen führte.

"Spaß" machte es dann, wenn irgendwer im gleichen Stiegenhaus tapeziert hatte und die von Wohnung zu Wohnung durchgeschliffene Fernsehanschlußdose demontiert und/oder wieder nur schlampig neu montiert hatte. Von starken Rauschen über Bildstörungen bis zum Vorschatten war da alles mit dabei was man dann beim "Hausinspektor" im lokalen Büro reklamieren konnte oder es in der Nachbarschaft "geregelt" wurde. 

 

     

Bild: "Hirschmänner" - Damals noch fallweise bei älteren Radio- und Fernsehgeräten benötigt: Im Beispiel eine Hirschmann Antennenweiche von der 75 Ohm Koaxialleitung auf symmetrische 240 Ohm Anschlüsse für VHF und UHF getrennt. Ein damals dazu passendes Fernsehgerät das soetwas benötigte siehe am Beispiel des Sony Trinitron KV-1310E.

 

Zum Anderen waren bauartbedingt Plattenbauten mit Ihren leicht zugänglichen Steigschächten ohne teure Stemmarbeiten und damit Optik- oder substanzschädigende Maßnahmen leicht zu erschließen.

Zudem konnte mit Anschluss nur eines Stiegenhauses gleich eine Vielzahl an Wohneinheiten und damit zahlendes Klientel (damals öS 2.500,- für den Anschluß = € 182,- ohne Inflationsanpassung) erfasst werden.

Das war natürlich in Bezirken mit niedriger Baudichte und Höhe wie zum Beispiel in der Cottagelage Döbling in 1190 Wien nicht immer der Fall was vereinzelt bis heute das Kabel wenn überhaupt nur im Gehsteig liegend am Haus vorbeiführen läßt.   

Bild: Kabelfernsehen konnte man mit jedem Fernsehapparat: Schade dass man dies ab etwa 1987 "vergessen hatte" den Teilnehmern mit nicht sonderkanaltauglichen Fernsehgeräten mitzuteilen bei denen gleich einige Programme "außen vor" blieben.

Der Autor weiß wovon er spricht, als beispielhaft gebrauchte "alte Farbfernsehröhrenhybridkisten" im 5. Wiener Bezirk nur mehr mit einem deutlichen "Nachlaß" an den Mann gebracht werden konnten. Selbiges, dann schon mit durchaus noch relativ neuwertigen gebraucht Geräten das gleiche Spiel in Neusiedl am See im Sonderkanalkabelnetz der BKF. ©Infofolder von Telekabel um 1979

   

Das gab es bei Telekabel Wien ab etwa 1979 zu sehen

Zu sehen gab es für die Verkabelten „Das Deutsche“, eine neu entstandene umschreibende Status Bezeichnung die sofort am Arbeitsplatz wie in auch in der Schule die wissenden Insider (=die Kabel Zuseher) von den uninformierten (nur ORF Zusehern [mich L]) outete.

„Das Deutsche“, das waren zu Beginn ARD, ZDF, kurz darauf auch BR3, das Schweizer SRG und der (später ab dem 23. Jänner 1984) mit wirklich extremer Rauschzahl über den Satellit ECS im analogen Halbtransponderbetrieb eingespeiste „Super Channel“ aus Großbritannien, den man, um den internationalen Anspruch der im gleichen Zeitraum deklarierten UNO Stadt Wien zu unterstreichen mit eingespeist hat und dieses Programm noch dazu in Englisch den Hauch der weiten Welt in die Wohnzimmer brachte.

Letzteres erwähnte wohl nicht ohne Friktion, wie damals eine APA Nachricht zum gar Medienpolitischen Streit dazu ausführte:

Es ging, wie könnte es anders sein, um Geld. Interessanterweise vorgebracht vom Österreichischen Gewerkschaftsbund, dem ÖGB, wonach dieser private Satellitenprogrammbetreiber nun Werbeeinnahmen aus Österreich abschöpfen würde.

Dieser "Versuchsballon" wie das Programm beschwichtigend seitens Kabel TV Wien bezeichnet wurde, sollte lt. ÖGB hinsichtlich seines Inhaltes besser in einem Dritten Kanal des ORF als Bildungs- und Kulturkanal landen.

 

Bild: Die noch etwas vollmundige Ankündigung nun gar die BBC, das Italienische oder das Französische Fernsehen empfangen zu können. Hier mag es erste Enttäuschungen gegeben haben, bei denen die diese Programme wirklich sehen wollten und noch ein paar Jahre auf deren tatsächliche Aufschaltung warten mussten.

Bezogen auf die Bildqualität des ORF Signals war aber aufgrund der vorhandenen Gemeinschaftsantenne für viele kein wirklicher Bedarf gegeben. Das war im innerstädtischen dicht verbauten Stadtgebiet mit den unzähligen Einzelantennen auf Altbauten stehend mitunter ganz anders! ©Prospekt von Telekabel Wien um 1979

Zitat jener Tage geäußert von einem entfernt flüchtigen Bekannten zum Thema: "Ja, wenn die BBC im Kabel wäre, dann würde er sich anschließen lassen", da er aus Jugendzeiten durch einen Großbritannienaufenthalt sowohl der Sprache entsprechend mächtig war wie auch von der Qualität des Programms überzeugt wurde. Soviel zum hätte-hätte-Fahrradkette....

Das sich der einstige ORF Generalindendant Gerd Bacher ebenso von der BBC als Qualitätsmaßstab leiten ließ sei hier nur so nebenbei erwähnt.

 

Denn die wenig verfügbaren Kabelkanäle waren natürlich attraktiver mit deutschsprachigen Unterhaltungs- und Sportkanälen zu füllen als mit fremdsprachigen Nischenprogrammen.

 

So kam man auch noch vor dem MTV (Music Television, z.B. ab Oktober 1993 im BKF Burgenländischen Kabelnetz eingespeist) zu den ersten Musikvideos was damals durchaus noch ein Novum war. Selbstverständlich nur in mono!

Die Zeit blieb natürlich nicht stehen und noch Anfang der 1980er Jahre sind dann 3SAT, SAT 1 und RTL Plus, später der Britische Sky Channel und viele weitere Programm auf- und teilweise auch wieder abgeschaltet worden.

Auch das Italienische RAI Uno wurde aufgeschaltet und Jahre später als man dachte es sieht ohnehin keiner und man den Kanal anderwertig vergeben wollte waren die Proteste so groß das es wieder aufgeschaltet werden musste. (Insiderzitat um 1994 bei meinem Besuch der Technikzentrale in der Erlachgasse Wien 10)

Ende der 1980er Jahre folgte auch CNN in der Europaversion aus Großbritannien.

Tabelle: Aufschaltung der Programme auf Telekabel

Nr. Jahr Programm Sonstiges  
1 1978/79 ORF FS1 Zusätzlich zur obligatorischen
 lokalen terrestrischen Austrahlung
 
2 1978/79 ORF FS2 - // -  
3 1978/79 ARD    
4 1978/79 ZDF    
5 1979 Bayern 3    
6 1981 Schweiz Im Time Sharing Modus
 beide Schweizer Programme
 
7 1984 3SAT    
8 1984 SAT1    
9 1984 Sky-Channel Aus Rubert Murdochs Medienhaus  
10 1986 RTLplus    
11 1987 Super Channel    
12 1989 SW3    
13 1989 Eurosport    
14 1990 CNN    
15 1990 Tele 5    
16 1991 PRO 7    
17 1991 1 Plus 1993 Einstellung  
18 1991 RAI Uno Italien; 1993 Abschaltung  
19 1991 TV 5 Frankreich, 1993 Abschaltung  
20 1993 RTL2    
21 1993 MTV    
22 1993 VOX    
23 1993 DSF    
24 1993 n-TV    
25 1993 ARTE    
26 1994 MDR    
27 1994 West3    
28 1994 Nord3    

Die BBC fand sich in all den Einspeisungen als Fernsehprogramm jener Jahre hier nicht!

Eingespeist (wohl besser "Abgespeist") wurde diesbezüglich nur die Übernahme des Mittelwellen BBC World Service Dienstes als Radioprogramm.

Für meine nichtösterreichischen sowie jüngeren Leser:

Im Gegensatz zu Deutschland gab es österreichisches Privatfernsehen in all den Jahren NICHT.

Erste zarte Pflänzchen in dieser Richtung wurden mit Stehbildern, Laufbildern, Diashows und Infokanälen dann auch schon mit Tonuntermalung in einer damals rechtlich sehr ausgereizten um nicht zu sagen überreizten Grauzone aufgezogen ehe das sich selbst nach der Wendezeit um 1990 so bezeichnete "Medienalbanien" erst ab den 2000er Jahren mit Privatfernsehen aufgrund der erst dann rechtlichen Möglichkeiten began.

Mit Stolz schilderte mir ebenso noch um 1994 ein mit der Materie befasster Regierungsrat wonach er herausgefunden hätte, "dass die B-MAC Signalverschlüsselung der Fernsehsignale die beste Lösung sei", um nur ein entsprechend befugtes Minimalpublikum technisch erreichen zu können.

Anmerkung: "Zu dürfen" wäre da besser formuliert. Ohne es dem Mann individuell anschreiben zu wollen, aber vielfach war Österreich mit seinem Beamtendenken damals eher eine Gesellschaft der verhinderer denn der ermöglicher. Diese Gene lassen sich auch in unserer Gegenwart noch finden.

Persönlich hatte ich mit nachfolgender Thematik am Rande zu tun:

Erste wie beschrieben zaghafte rechtlich geschaffene "Freiräume" ermöglichten Kabelkanäle die ín bestimmten Ausmaß lokale Nachrichten etc. senden durften.

In meiner damaligen Funktion als Philips Electronic Verkaufsingnieur verfolgten wir natürlich das Thema mit Argusaugen um mit unseren Produkten der Fernsehmeß- wie auch Studiotechnik auch abseits des ORF's wo "landen" zu können.

So führte mich lt. meinem Fahrtenbuch am 20. April 1995 der Weg zum damaligen BKF Geschäftsführer Herrn Dr. Heinz Bundschuh nach Eisenstadt wo ich mich und unser Produktportolio vorstellte.

Die Sprache kam bald auf die bereits seit etwa Juni 1994 laufenden Lokalfernsehbeiträge. Und hieraus sinngemäß aus meiner Erinnerung wiedergegeben sprach der Geschäftsführer davon, das man sich nach außen natürlich offen und interessiert für die Öffnung der Netze und für die Gestaltung eigener Programme, alias "Burgenländer im Bilde" geben würde.

Intern man jedoch nicht wüsste woher je eine Kostendeckung für Programm und Technik kommen solle. Werbung alleine vermochte dies augenscheinlich nicht.

Die praktische Seite davon lernte der Autor Jahre später wiederum im Umfeld von Wien kennen: "Verwandtschaftliche Beziehungen" waren es, die das Geld vom Alltagskabelgeschäft und der Technik hinauf in den ersten Stock des Geschäftsstandortes in die Medienfirma schaufelten wo mit semiprofessioneller Sony Betacam etc. Studiotechnik "Programm gemacht" wurde.

Intern im Betrieb führte dies mitunter zu "Friktionen" wo die Technik meinte das Geld würde ihr abgezogen werden. 

   

Nicht vergessen darf man auch, das auf allen Kanälen zumindest zu den Tageszeiten noch endlos das damals verwunschene, und heute ob dessen fernbleiben sowie im "Angesicht des medialen Unrates" verklärt herbeigesehnte Testbild zu sehen war.

Auszug einiger Programm und Kanaltabellen wie sie von Telekabel eingespeist waren:

 

 

 Tabellen: Senderaufstellung 1991 sowie 1994, letztere von der ©ADXB-OE Herrn Brazda der für den Osten Österreichs seit mittlerweile Jahrzehnten bis dato ein Frequenzmonitoring mit Hintergrundrecherchen betreibt. Vielen Dank an dieser Stelle für die Arbeit!

Zu sehen sind auch die terrestrisch einstrahlenden Kanäle aus dem Osten. "Testbilder" gaben Hoffnung für die zukünftige Aufschaltung hoffentlich interressanter und unterhaltsamer Kanäle.

Der Infokanal gab die in diesen Tabellen stehenden Infos am Bildschirm wieder um das Einstellen der Fernseher zu erleichtern.

 

Das Testbild im Kabel: Eine weitere kindliche Erinnerung:

Ein Klassenkamerad und damaliger Volksschulfreund lud mich zu sich nach Hause ein wo wie selbstverständlich in der Wohnung mindestens zwei große Farbfernseher standen. Einer davon, im "Herrenzimmer", war sogar mit einer per Kabelfernbedienung öffenbaren Schiebewand versehen. Der Volksschulkollege hatte da auch schon seinen eigenen etwa 31 cm s/w Fernseher in seinem Zimmer stehen. Auf mein ersuchen hin zeigte er mir die Programme durch wechselseitiges Durchstimmen des VHF Trommeltuners sowie drehen am UHF Abstimmrad da sich sein auch sonst technikbegeisterter Vater gleich bei der Einleitung ins Haus am Kabel anschließen hat lassen.

Es waren in meiner Erinnerung unter dieser für Kindertreffen üblichen Tageszeit fast nur Testbilder zu sehen. Am wohl eindrucksvollsten in Form und Geometrie, weil für mich neu, blieb mir das vom Sender Bayern 3 Wendelstein in Erinnerung.

Bild: Ich sah es ja damals nur so am kleinen s/w TV: Das eigentlich farbige FuBK Testbild am Portable TV von BR3 Wendelstein. In der Erinnerung müsste BR3 ebenso noch im Logo zu sehen gewesen sein oder aber es wurde im akzentbehafteten Ton einer Frauenstimme angesagt, denn sonst hätte ich damals nicht gewußt wo oder was der Wendelstein ist und das er in Bayern liegt.

Die Anfänge des Kabelfernsehens:

Wenige Zeit später erhielt ich - und so schloss sich wohl der Kreis, vom Vater des besagten Schulkollegen der von meiner Technikbegeisterung wusste nebst anderen Utensilien auch zwei "Hobby Hefte" aus den 1960er Jahren geschenkt.

Dort war nebst diversen technisch natürlich schön zumeist überholten Themenabhandlungen auch von einem, heute würden wir sagen nordamerikanischen Entrepreneur die Rede der für seine Ortsschaft in der er lebte privatwirtschaftlich einen hohen Mast errichtet hatte und mit Verstärkereinrichtungen in der terrestrisch wohl schlecht versorgten Gegend somit eines der ersten Kabelnetze errichtet hatte.

Bild: Symbolbild für die Zeit der rein terrestrischen Kabeleinspeisungen am Beispiel der Niederlande 1963 für deren CAS Centraal Antenne Systeem  ©PTT Museum Den Haag

Natürlich nur mit Einspeisungen von terrestrisch über mitunter per Weitempfang geholte Fernsehsender. Satelliten Fernsehen gab es auch in den USA damals noch nicht.

Anders im postialisch reglementierten Österreich:

Auch hier bildeten sich ab den 1960er/70er Jahren Antennengemeinschaften bzw. wurden diese über die Gemeinden geschaffen.

Auszugsweise erwähnt gab es im Niederösterreichischen Purkersdorf nahe an der Wiener Westgrenze ganze Straßenzüge die auch mit erheblichen Antennenaufwand bedingt durch die abgeschattete Lage des Senders Wien-Kahlenberg zu keinem brauchbaren Empfang gekommen wären.

Dort entstand beispielsweise eben eine Gemeinsschaftsantenne auf einem Mast. Die Umsetzer und Verstärkereinrichtungen und dann die im Straßenbereich verlegten Erdkabel. Hier nur das schwarze 6 dB Kabel da ja nur der VHF Bereich genutzt wurde als Zuführung in die Häuser.

Solcherlei Anlagen wurden teilweise gefördert. Später sind sie je nach örtlicher Situation in die neu geschaffenen Kabelfernsehnetze integriert worden. Sehr zum Leidwesen der Techniker, da eben technisch doch anders aufgebaut und somit eher störanfällig und dem weiteren Ausbau mitunter entgegenstehend. Umgekehrt boten sie den Kabelgesellschaften den Sofortanschluß von X weiteren Kunden fast ohne Mehraufwand an was zu Beginn des Ausbaues der Kabelnetze eine nicht unwesentliche kommerzielle Rolle spielt.  


Exkurs:

Momente mag es geben in denen sich ein „politisch nicht korrekter“ Zuseher einen „Mahnenden Kanal“ herbeiwünscht der dem manchmal entgleisten Treiben am Bildschirm einhalt gebieten möge. Ein möglicher Ansatz dafür mag die Sendung "Kalkofes Mattscheibe" sein. 

Oder was die Online Angebote der Fernsehmacher betrifft so könnte selbst ein Volksschullehrer mit durchschnittlichen Rechtschreibkenntnissen doch zumindest die schlimmsten Ausrutscher der Schreibtisch- oder wie man heute sagt der Web-Desktoptäter verhindern.....


 

Wo kam das Kabel eigentlich her?

Das Kabel war ja nicht immer "im Kabel". Gemeint ist, das Signal für das Kabel musste ja von irgendwo herkommen.

Zwar hat es schon um 1935 in Deutschland tatsächlich so begonnen, wonach den auf Telefonleitungen basierenden Übertragungen von Tonsendungen alias einem Telefonrundspruch wie er noch lange in der Schweiz Tradition hatte, man teilweise noch vor dem Aufbau von Fernsehsendern, eben ein gemischtes Kabelfernsehnetz über eigene Koaxialkabelstrecken mit den letzten Metern über die Telefonleistungen realisiert hatte.

Der wesentliche Aufbau der Fernsehsendernetze war aber generell auf Basis von Richtfunkstrecken im Mikrowellenbereich und parabolartigen Antennen aufgebaut.

Diese, zumeist technisch hochwertigen Fernsehsignale wurden wahlweise nur durchgeleitet wie am Beispiel der Eurovision oder der im Ostblock verwendeten Intervision.

Gleichzeitig konnten die Signale aber auch auf einen Fernsehsender aufgeschalten werden, der wiederum ganze Regionen wie auszugsweise den Großraum Wien oder Graz etc. versorgen konnte.

Und genau von diesem Richtfunkstreckennetz bediente man sich bei den Kabelbetreibern.

Gegen namhaftes Geld konnte bei der Österreichichen Post und Telegrafenverwaltung ein Anschluß beantragt werden.

1993 nannte uns in der Meisterkursklasse der Niederösterreichische Innungsmeister die Kosten für seine eben in Niederösterreich gelegene Kabelstation mit dem erforderlichen Mast mit öS 1 Million Schilling (~73.000 €).

 

Richtfunkturm der Österreichischen Post am Anninger

Bild: Richtfunkturm der Österreichischen Post bzw. deren nunmehrigen Rechtsnachfolgern am Anninger in Niederösterreich südlich von Wien gelegen. Über solche Türme wurde das von den Nachbarländern wie Deutschland, Schweiz oder Italien übernommene Signal den Kabelkopfstellen mit entsprechender Gegenempfangsanlage zugespielt. Gut zu erkennen die teilkreisförmigen Reflektorantennen.

Ein Blockumsetzer gab dann das im dem SHF - Super High Frequency Bereich liegende Kanalspektrum wieder an die herkömmlichen Fernsehkanäle im VHF/UHF Band wo sie im Idealfall unbearbeitet weitergeleitet werden konnten.

Es folgten das kaskadierte HF Verteil- und Verstärkersystem.

Zugeführt wurde das Fernsehsignal zu den Kabelnetzbetreibern durch die Österreichische Post die auch Betreiber der Richtfunkstrecken war.

Ein passender Antennenmast, ein 180 cm Parabolschirm und ein standardisierter 19“ SHF/VHF Zentralumsetzer der gleich die Kanalbelegung samt Sonderkanäle zur weiteren Verstärkung fest vorgab war die Grundausrüstung die auch in den Bundesländern und kleineren Gemeinden lokale Kabelgesellschaften am Vorabend des Satellitenzeitalters aus dem Boden hat sprießen lassen.

 

Bild: Ein Punkt der den Unterschied machte: Beispiel eines damals verwendeten professionellen SAT Empfängers um 1985 aus dem Hause Blaupunkt (Bosch Gruppe)

Auszugsweise genannt seien die Gesellschaften "Kabelsignal" und "Telesignal" als naheliegende Wortschöpfungen zum Thema passend.

Der Rest der Arbeit war die eigentliche Netzplanung mit den Linien-Streckenverstärkern (Signalpegel mit ~96 dB/µV) sowie den Verteilverstärkern (~105dB/µV).

Bessere Netze hatten automatische Regelverstärker die Schwankungen selbsttätig ausglichen. Mühevoll war aber dennoch deren Einpegeln im Rahmen der Wartungs- und Netzabgleicharbeiten. 

Dann musste man für die ausreichende Stromversorgung mit heiß laufenden 220V/65V Transformatoren sorgen. Die Hitze milderte dann der Umtausch auf die 230V Variante gegen Ende der 1990er Jahre. Transformatoren von "Rusa", einem dafür bekannten Wiener Unternehmen kamen dabei zum Einsatz.

Auch konnten die Verstärker (zumeist das Philips oder Bosch System) aufgrund der Rauschzahlen nicht beliebig kaskadiert werden.

Der Not, sprich dem Verlangen nach einem Anschluss bestimmter Ortsteile gehorchend, kam es in der Praxis zumindest im ländlichen Raum rund um den Sender Jauerling in Niederösterreich und sicher auch anderswo dennoch nicht selten dazu, das auf "Teufel komm raus" expandiert wurde.

Gehörtes Originalzitat, geäußert von einem leidgeprüften Technikers dazu in jenen Tagen 1993: "Der Oide scheißt sich da nichts...", als der Spezialist der WISI Vertretung die idealen Parameter der Kabelnetzplanung in der Theorie referierte.

Zwar nicht gleich der Teufel, aber das störende Grundrauschen kam aus dem Bildschirm heraus wo erst die eigene Satellitenanlage später auch diesen Teilnehmern erstmals neben der erhöhten Programmauswahl auch eine angemessene Bildqualität ins Haus brachte.

In der Vielzahl der Fälle waren es aber finanzielle Motive und Autonomiebestrebungen des Zusehers mit einer eigenen SAT Anlage keine monatlichen Kabelgebühren mehr bezahlen zu müssen.

Die bereits eingesetzte Liberalisierung zur bewilligungsfreien Errichtung einer eigenen SAT-Antenne um 1990 tat dazu ihr übriges.

Den ORF (Österreichischen Rundfunk) aber, den musste sich die Kabelgesellschaft wie auch der private SAT Teilnehmer erst terrestrisch „organisieren“ was zumindest bei den Kabelgesellschaften zu den interessanten gestockten Antennenaufbauten zur Unterdrückung von Reflexionen und der Erhöhung des C/N's (Signal/Rauschverhältnisses) führte.

Bei den individuell versorgten Teilnehmern war daher „Das Deutsche“ in nicht minderer Zahl von besserer Qualität denn das Bild des lokalen ORF's.

 


Das angekündigte Ende des Richtfunks

 Mit dem Aufkommen der ersten Satelliten für den kommerziellen Anwendungsbereich kamen bei uns ab etwa 1984 nach und nach die Programme über den bzw. über die Satelliten. Zu erkennen an den manigfaltigen großen verschiedentlich ausgerichteten SAT Antennen bei den Kopfstellen zuzüglich der Richtfunkantenne wie auch den nach wie vor herkömmlichen terrestrischen ORF Antennen.

 Der Ausbau dieser Satelliten, Stichwort 12 GHz Bereich, machte den Parallelbetrieb von Richtfunk wie auch SAT zunehmend schwieriger. Stichwort 25Hz Verwischungssignal.

Die österreichische Post ließ daher verlauten, wonach gegen Ende der 1990er Jahre die Wartung und Aufrechterhaltung des Teils des Richtfunksystems für die Kabelnetzzuspielung sein Ende finden würde. Programme die aufgrund defekter Geräte ausfallen würden bleiben dann weg bis zur vollständigen Abschaltung.

Für das Groß der Programme stellte dies kein Problem dar. Waren ohnehin die meisten bereits auf Satellit problemlos technisch wie auch rechtlich zu übernehmen.

Anders sah dies u.a. für das Schweizer Fernsehen aus, wo mitunter "das Zittern" los ging ob und wie lange man das seitens der Zuseher durchaus anerkannte Programm streichen werde müssen, da anders als per Richtfunk, die Übernahme des nun verschlüsselten Programms über Satellit andere sprich höhere Lizenz bzw. Einspeisegebühren bedeuten würde.

Eine ähnliche Thematik soll es auch bei Eurosport gegeben haben.

Schon um 1994 führte mich der Weg hinauf per klapprigen Lift auf den Arsenalturm in Wien 3 wo man die diensthabenden POST Nachrichtentechniker "beim Fernsehen" besuchen konnte.

Erste digitale komprimierte Verbindungen waren da gerade das Thema. Der Kabelnetz Richtfunk ließ anhand der schon verbrauchten Beobachtungsmonitore sein langsames Ende zumindest erahnen.

     

Die Ausbaustufen der Kabelnetze 

Die Kabelgesellschaften rüsteten in den 1980ern dann so nach und nach ihre reinen 12 Programm 450 MHz Netze auf das untere Sonderkanalband (Kanal S 3 – S 10), das obere Sonderkanalband (S 11-S 20) und wieder später auf das Hyperband (S 21 – S 40) auf (Telekabel Wien war immer schon UHF tauglich) und konnten so das aktuelle Programmangebot stetig steigern.

Auch Zusatzdienste wie VPS (Video Programing System) und Stereoton ab etwa Mitte der 1980er Jahre wurden so Alltag bei den Kabelteilnehmern denen oft erst viel später die terrestrischen Fernsehzuseher folgten.

In Wien gab es nebenbei bemerkt drei unterschiedliche Telekabel Netze und damit Kanalbelegungen die erst in relativ jüngerer Zeit der 1990er Jahre zusammengefasst und homogenisiert wurden.

Es war daher ein Quantensprung in der Technik, und für den Zuseher speziell für Sender im UHF Bereich dann auch eine deutlich sichtbare Verbesserung der Bildqualität als die Netzzuführung in den 1990er Jahren auf Glasfaser umgestellt wurde.

Die Stromversorgung:

Nicht ganz unbedeutend blieb die Frage wie diese Netze denn mit Strom versorgt wurden?

Technisch handelte es sich im Netz jeweils um Wechselstromversorgung durch die sogenannte Phantomspeisung. Die durch große Transformatoren von ursprünglich 220V auf nachmals 230V auf ca. 65 Volt heruntertransformierte Spannung wurde dem Innenleiter im Koaxialkabel aufgeschaltet und versorgte für ein bestimmtes Streckengebiet die Verstärker, die jeweils wiederum ein eigenes Netzteil eingebaut bzw. angeschlossen hatten.

So gab es den einen oder anderen Kasten am Straßenrand stehend, der letztlich nichts anderes als einen Stromzähler des Energie-Versorgers sowie davon abgetrennt die Transformatoren beinhaltete.

Man kann sich den organisatorischen wie auch den Kostenaufwand vorstellen um diese Art der Stromversorgung flächendeckend zu gewährleisten.

"Einfacher" wäre es, in den zu versorgenden Wohnblöcken nicht nur deren direkt benötigte Verteilverstärker, sondern, hier selbstverständlich nur als reiner fiktiver Ideenansatz genannt, auch gleich die zugehörige Kabelnetzinfrastruktur kostenarm sprich für den Betreiber gratis mit Strom zu versorgen.

Auf diese Weise könnten letztlich auch Nichtkabelteilnehmer über die Betriebskosten zu mitfinanzierern des laufenden Kabelbetriebes werden.

So nach dem Motto, was niemand weiß, man niemanden heiß.

 

Teilnehmerzahlen:

Bezogen auf Telekabel Wien sind folgende Zahlen im Web verfügbar:

Laut APA Pressemeldung vom Jänner 1984 sowie "Geschichtewiki Wien" waren per Ende 1983 in Wien 270.000 Haushalte (30 % Haushalte) in 16 Wiener Bezirken verkabelt (von 23 Bezirken in Wien), bei interessanterweise nur 90.000 zahlenden Teilnehmern.

Für 1984 hofft man auf 20.000 weitere Neuzugänge. Bis Jänner 1987 strebt man 450.000 Haushalte an. Dies im Rahmen einer systematischen sektoralen Ausweitung des Netzes innerhalb der Stadt.

Tabelle: Bekannte Teilnehmerzahlen

Jahr Angeschlossene Teilnehmer Verkabelte Haushalte Anschlußdichte in % Gebührenzahler
Nov. 1979 10.000      
1980 24.082   26,1 92.200
1983 90.000 270.000 30  
1984 100.000      
1985 122.400   49 250.000
1990 242.009   58.2 416.000
1994 350.150   66,7 525.000

Interessant auch die Aussage, wonach laut Telekabel 40% aller Wiener Haushalte als Kabel-TV-Teilnehmer wegen Fernsehverweigerung, Gebührenbefreiung oder Schwarzsehertum nicht nicht in Frage kämen. So liest sich auch die Zahl der (Zwangs-)Gebührenzahler unabhängig vom Thema Kabelfernsehen etwas befremdlich [30].

Für den 10.000. wie auch 100.000. angeschlossenen Teilnehmerhaushalt bemühten sich zudem die jeweiligen Bürgermeister Leopold Gratz und Helmut Zilk zum Feiern was zum Darstellen von Wien als "moderne" Stadt allemal dienlich war.

Als Erfolgsgaranten werden für Telekabel angeführt [30]

  1. die stetige Ausweitung des Programmangebotes,

  2. der hohe Standard des technischen Netzes,

  3. der Wille zum Erfolg und Unternehmerischen Gewinn was Wien bereits 1984 zum drittgrößten Kabelnetzanbieter nach San Diego und Amsterdam werden ließ.

Den Teilnehmerzahlen und dem dahinter stehenden Ausbau standen bis 1988 bereits 1,6 Milliarden Schilling an Investitionen gegenüber.

Da Philips seine Verstärker in Österreich fertigte, kamen so mit den Installationsdienstleistungen etc. rund 80% der Investitionen der Österreichischen Wirtschaft zu gute. In den Ausbaujahren 1979-1994 waren so zusätzlich rund 500 Arbeitsplätze gesichert [30].

Der obige Punkt 1 galt letztlich wenn auch zeitlich mitunter verzögert für alle Kabelnetzanbieter. Die Punkte 2 und drei jedoch variierten, wobei letzterer nicht nur vom Willen, sondern wie auch bei Immobilien von der Lage, sprich Bevölkerungsdichte ebenso abhänngig war.

Die Arbeiten am Kabelnetz 

Baggerarbeiten beim Aufreißen der Straßen und dem Häuslbauen brachten stundenweise damals noch schneetreibende Bildschirme bei den Teilnehmern bis sich ein beherzter Techniker, einem Soldaten der Fernsehtechnik gleich, in die morastige Künette hinunter begab um dort das zerfetzte Kabel wahlweise mit den sogenannten 3db (die ganz dicken grünen Kabel), die 6 dB ~11mm starken schwarzen oder grünen Kabel oder das 12dB Standard weiße oder schwarze UV feste/erdalkalibeständige Kabel zu flicken. Danach vulkanisieren und weiter zum nächsten Ort des Grauens oder mit Gatschklumpenstiefel ab zum nächsten Kunden um ihm im Wohnzimmer die TV Anschlussdose zu montieren. Ständige Verkühlungen und andere arbeitsbedingte Unzulänglichkeiten ließen den Autor des Artikels dieses Arbeitsumfeld schon recht bald wieder verlassen.

Zum Verständnis: 3dB/µV Kabel bezieht sich auf eine definierte Signaldämpfung im Kabel je 100 m Kabellänge bei 200 MHz was dem unteren VHF Band III entsprochen hat.

Je geringer die Dämpfung, desto weniger muß man (mehr oder weniger rauschend) Nachverstärken. Selbiges bei 6 dB, und 12 dB Kabel Typen.

 

Hier ein Bild einer typischen Szene an den im Wiener Straßenbereich aufgestellten Kabelkästen:

Erdnah im wahrsten Sinne des Wortes was all den Unrat, Lärm und störende Ablenkungen der Straße mit einschließt. Ruhiger ging es in der Regel bei den Niederösterreichischen Netzen zu.

 

 Wien - Austausch eines Kabel TV - Tripple Play Verteil- oder Srreckenverstärkers

Bild: Szene für den angenommenen Austausch eines Verstärkers. Im Idealfall hat man für eine planbare Arbeit bereits in der Werkstatt selbst oder durch Kollegen vorkonfektionierte Anschlußkabelstücke dabei wie die graue Box belegt, da von leichten mechanischen Unterschieden sich die Arbeit beim Verstärker erneuern ja wiederholt.

Die Meßmittel waren "zu meiner Zeit" noch etwas größer. Eine echte Bildkontrolle zudem mit einem Farbbildschirm war bisweilen über das Prüfen des reinen Signalpegels hinaus  erforderlich. Es gab sie aber auch damals schon die ersten Generationen der praktisch tragbaren "Hand-Held" Geräte.

 

Und das galt es um 2000 einzubauen: Im Fall Wiens waren es die Philips Verstärker, im benachbarten Bundesland Niederösterreich auszugsweise die Bosch Verstärkerserien die nun gegen den Nachfolger der Philips Verstärker getauscht wurden.

Die gesammelten Altverstärker hatten zum Teil noch ein zweites Leben in Bulgarien wo sie pallettenweise hingekarrt wurden.

Das ehemalige Philips Unternehmen nannte sich seit 1999 als nunmehriger Teil des amerikanischen Konzerns ADC Telecommunications (Audio Development Company), ADC Phasor Electronics GmbH, aus 9020 Klagenfurt, Kärnten.

Es belieferte die Kabelgesellschaften mit zum Teil "Customized" also den Kundenbedürfnissen zugeschnittenen Produkten. Gemäß deren Pressetext aus 1999 wurden rund 70 Prozent der heimischen Kabelnetzbetreiber von ADC Phasor betreut. So zählten Telekabel in Wien, Graz und Klagenfurt, Kabelsignal in Maria Enzersdorf sowie Telesignal in NÖ/West zu den Kunden der Kärntner Breitbandentwickler.

DC Phasor Electronics LHB 8721/24-2

Bild: Der ADC Phasor Electronics LHB 8721/24-2. Zu erkennen die Durchgängigkeit der Bandbreite bis in den UHF Bereich mit 862 MHz. Eingebaut ist hier ein Schaltnetzteil für 28 bis 65 V Wechselspannung, was den üblichen Versorgungen in Kabelnetzen (Phantomspeisung) entsprach. Netze mit Gleichspannung waren wegen der Ausfallsanfälligkeit bei Gewitter eher seltener.

Die Gehäusebauart diente zugleich der optimalen Wärmeabführung was insbesonders im Hochsommer ein Thema ist.

Unten zu sehen ist die ebenso abgeschirmte Klemmbox für die Einspeisung bzw. der Entnahme der Niedervolt Versorgungsspannungen.

Gut auch zu erkennen auch die Datumskennung mit Woche 41 im Jahr 2000 so als ob fast ich den damals montiert hätte.

Echte Streckenverstärker wurden durch den Einsatz von Glasfaser immer weniger benötigt. Anders war dies bei den Verteilverstärkern bzw. den Fibernodes, bei Phasor FOX genannt, die, per einsteckbarer Module den Verstärkungsfaktor insbesondere des Rückkanals, der für Internet wie auch Telefonie benötigt wurde liefern konnte. Dies gab es dann zudem teilweise mit einer Versorgungsredundanz um Telefonieren auch bei Stromausfall sicherzustellen.

Je nach Netz und Kanalbelegung, galt es für den für Internet erforderlichen Rückkanal das VHF Band I, also die Kanäle 2, 3 und 4 frei zu machen. Dieser Frequenzbereich diente dann der Telefonie, dem Internet Upload etc.

Die mitunter aus Urzeiten dort aufgecshalteten ORF Programme mussten daher erst einmal auf einem alternativen Kanal übersiedelt werden.

Um keine Kunden zu verärgern, gab es hierfür eine gewisse Zeit eine Parallelphase bis zur Abschaltung.

Dazu war es ebenso nötig die Filterpatronen für all die Teilnehmer die zwar Anrecht auf die ORF Grundeinspeisung hatten, gegen Filter der nun gültigen Kanalsperren zu tauschen.

NL Tratec Kabel TV Filter

Bild: Eine Kanalsperre "Low Pass Filter" der Niederländischen Firma Tratec als Beispiel dieser Einschleiffilter die zudem auch UKW stets durchließen.

Das Messen:

Im Unterschied zu einer einfachen Antennenanlage mit zwei drei Programmen, zudem verteilt im gesamten VHF/UHF Frequenzspektrum liegen in schon damaligen Kabelnetzen die Kanäle nachbarkanalmäßig nebeneinander, zum Teil eben ohne Zwischenkanal als Puffer um Kreuzmodulationsrisiken zu vermeiden.

Umso wichtiger ist die gleichmäßige Pegelhaltung im Netz. Dafür gab es damals zwei Pilotfrequenzen, also Träger die, und nun sind es Hausnummern aus meinem Gedächtnis, bei 200 und 400 MHz definiert waren und mit den einfachen "Hand-Held" Geräten sofort visuell kontrolliert werden konnten. Wobei die 200 MHz für den VHF Bereich, und die 400 MHz für den UHF Bereich standen.

War das Verteilnetz grundsätzlich "gesund" so war mit dieser Messung auch schon alles getan. Mitunter war noch die "Schräglage" der Vertstärkung nachzujustieren, da die VHF Signale stets weniger bedämpft waren als die UHF Signale. 

Wo dies nicht der Fall war musste man sich ohnehin auf die Suche begeben um z.B. in Koaxkabel in denen sich durch mechanisch/chemische Veränderung eine Art Frequenzfilter (Notch/Kerbe) gebildet hatte herauszufinden. Ebensolches mit frequenzabhängigen Anschlußdosen.

Für das Liniennetz gab es dafür auch Einschleifmeßgeräte die eine Rückmeldung an den Betreiber ermöglicht hätten. Das war aber nur möglich, wo die Büro-/Technikzentrale auch selbst am Kabelnetz angeschlossen war, was nicht bei jedem Betreiber der Fall war. 

In Österreich, anders als z.B. in den USA, Japan oder auch Osteuropa wurden dieserlei Kabel zu fast 100 % geschützt in die Erde verlegt. Was den Vorteil eines Schutzes vor Wetter wie auch Vandalismus bot, das war dann eine Herausforderung und ein entsprechender Aufwand, wenn es galt ein in der Erde verlegtes defektes Kabelleitungsstück zu finden.

Straßenmast mit Kabel TV HF Verstärker in 9200 Moson Ungarn

Bild: Stellvertretend die in den USA wie auch hier nur knapp hinter der Grenze zu Ungarn stehender Straßenmast mit dem Kabel-TV HF Verstärker frei hängend darauf.

Dies bedingt natürlich auch entsprechender Fahrzeuge mit einem Hubsteiger um überhaupt verläßlich und sicher dorthin zu gelangen. Die Wartung ist somit aufwendiger.

Obig beschriebene Messungen, zumeist nach entsprechende Kundenbeschwerden über Bildstörungen, bei zudem nur bestimmten Kanälen ausgelöst, liesen dann mitunter ein bestimmtes Kabelstück als fehlerhaft identifizieren.

Bild: Der Kathrein Meßempfänger mit großer Farbbildröhre an und mit dem sich so einiges an Problemsignalen erkennen und wie ein EKG beim Arzt interpretieren ließ.

Dann rückte man mit dem "Reflektometer" aus. Einem tragbaren Gerät von Tektronix, mit Oszi Bildschirm an dem die bekannten Kabeldaten per Schalterstellung eingegeben wurden. Anhand der Zeitmessung, den Vergleichstabellen etc. konnte dann festgestellt werden, ob die Leitung wie lt. Plan z.B. 100m lang ist und dort sein Echo erhielt, oder bei Defekten z.B. bereits nach 25 m das Echo zurückkam und dieser Punkt als Störungsstelle definiert werden konnte.

Damit die Baufirma mit Preßlufthammer und Bagger sowie dem Einverständnis der Gemeinde an dieser Stelle aufgraben konnte, war wiederum ein Aufschalten von einem Suchsignal auf die Leitung erforderlich. Ein Generator lieferte auf den Außenleiter der Schirmung ein Piepssignal, während der Techniker mit einer Art Sonde den vermuteten Kabelweg im Erdreich unter dem Asphalt nachging. Bei hier fiktiv 25 m Abstand wurde dann mit einem gelben Signalspray am Boden der erforderliche Bereich für das Auskoffern gekennzeichnet. Der Rest der Arbeiten wurde ja schon weiter oben beschrieben.

Das Reflektometer kam zudem dort zum Einsatz, wo bei Neubauten die ideale anschlußfolge am Tap, also dem Verteilblock mit den F-Buchsen ermittelt werden sollte.

Jede Leitung war zu messen und die Kabellänge mit einem Edding Stift dauerhaft lesbar zur Wohnungs-TOP Nummer dazuzuschreiben. Wohnungen die am nächsten lagen bekamen somit den Anschluß mit der höchsten Dämpfung. Die am weitesten entfernten den mit der geringsten Dämpfung soweit es eben praktisch möglich war.

Davon hing letztlich auch ab, ab wann ein Teilnehmer für seinen falls gewünscht 2. oder gar 3. Anschluß in der Wohnung einen Nachverstärker in seiner Wohnung benötigte.

  

Radio im Kabel:

Obwohl das Kabel wie ja auch später der Satellit jeweils von Anbeginn auch Radioprogramme, noch dazu in guter technischer Qualität und großer Auswahl „mitgeliefert“ hat, sind mir in den Jahrzehnten meiner televisionären beruflichen Tätigkeit nur eine Minderzahl an Kunden bekannt die von diesem Angebot selbst nach erfolgtem Hinweis darauf Gebrauch gemacht haben.

Vielleicht mit ein Grund, weshalb auch das im Netz der Telekabel Wien übertragene DSR (Digitales Satelliten Radio) Anfang der 1990er Jahre Schiffbruch erlitten hat.     

 

Schwarzseher im Kabel

Mitte der 1980er Jahre sah man sich gar zu einer Plakatwerbung genötigt um die scheinbar wachsende Zahl der Kabel-Schwarzseher zur Räson zu bringen:

Als sinngemäßer Text eingebettet in einem „Kabel wirrwar“ war auf dem Plakat zu lesen:  „der Herr XXX (der Name war geschwärzt) aus dem Rennbahnweg hat’s gut – er glaubt er braucht keine Kabelgebühren zu bezahlen............. „

Die Rede war gar, das solche, wenn sie denn erwischt und verurteilt würden die zugehörige Gemeindewohnung verlieren würden, da Wien ja Anteilseigner an Telekabel war.

Eine Gegend also, wo in den anonymen Wohnburgen ungeniert die Anschlussverteilkästen aufgebrochen wurden oder anderweitig die Nachbarleitung angezapft worden ist.

Die Fahndung nach solchen Tätern ist bisweilen schwierig, besonders wenn man die legal angeschlossenen Teilnehmer nicht durch erforderliche wiederholte Testabschaltungen u.ä. beleidigen will.

Der Rennbahnweg und die Großfeldsiedlung waren und sind das zur Realität gewordene Synonym einer Betontrabantenstadt im Norden Wiens was aber nichts desto trotz sofort Grätzelschützer zum Plan rief die sich eine Herabwürdigung ihrer Wohnsiedlung zur Brutstätte des Schwarzsehertums ausdrücklich verbaten......

Danach wurde es medial für immer still was dieses Thema betraf als gäbe es seit damals niemanden mehr der illegal am Kabel hängt.   

 

Das Kabelfernsehen hatte in Wien wie auch sicher anderswo eine Metamorphose von einem elitären Luxusartikel, einem Statussymbol, einer Sache die man nicht braucht, eine Sache die zu teuer ist, einer Qualität die zu schlecht ist, eine Auswahl die zu gering oder auch nur zu einseitig sei, Resortiments gegenüber dem vielen Fernsehen überhaupt und weiteren Behauptungen zumeist von Fernsehgegnern initiiert durchzumachen.

In den 1990er Jahren wurden die Contra Stimmen immer weniger bis sie mit Beginn des neuen Jahrtausends fast gänzlich verstummten, und ein Anschluß an Telekabel Wien – schon längst von der Stadt Wien und Philips zum Konzern UPC übergegangen, wurde ein Standard Artikel der zu jeder Wohnung so wie der Kühlschrank gehört.

Heute müssen sich die Produkte von UPC „nur“ mehr im wirtschaftlichen Wettbewerb zu allen anderen Alternativen der Telekom einschließlich dem individuellen Satelliten Empfang oder der DVB-T Angebote stellen. Über spätere kommende mehr und mehr digitale Angebote verschiedenster Anbieter gehe ich in diesem Artikel nicht weiter ein.

 

Doch die Zeit blieb nicht stehen und man darf Wien als eine der bestversorgten Gebiete zu im Wettbewerb stehenden und damit moderaten Preisen in Sachen Breitbandnetz (Internet über Kabel TV seit etwa 1995) und später des sogenannten Tripple Plays mit zusätzlicher Telefonie über das Kabel bezeichnen.

Und während man für diesen Satz noch Luft holt wird bereits die Telefonie im Telekom Festnetz wie auch im Kabelnetz nach und nach auf Voice over IP umgestellt.

Digital TV, jedoch leider nur auf einer proprietären Ebene gibt es schon seit etwa 2000, HDTV über DVB-C folgte im Sommer 2008. Mit 2013 sind nun (alle freien?) DVB-C Programme auch ohne Zusatzgerät frei empfangbar.

Dies wohl angesichts des Drucks seitens der Zuseher mit ihren digitalen zweit TV's sowie dem neuen DVB-T2 Digitalen Antennen Fernsehen "Simpli TV" der ORS gegen € 10,-/Monat mit bereits HDTV Programmen dabei.


Der Leser und leidgeprüfte Telekabel User Herr Wolfgang U. schreibt mir [3]: 

Guten Abend Hr. Scheida!

Immer wieder lese ich gerne Ihre Seite, um auch eigene Geschichte wieder zu erleben.

Ich bin heute auf der Seite Fernsehen Österreich gewesen, besonders der Kabel TV Abschnitt hatte es mir angetan.

Ein paar Sachen habe ich anders in Erinnerung und dann auch mit Recherche abgeglichen. (Anmerkung: Der Autor hat zwischenzeitlich einige der angeführten Punkte im Text bereits nachgetragen!)

Ich hatte erst ab Jänner (1979?) selbst in einem Gemeindebau (älter aus 1929, kein "Plattenbau") Telekabel.

In der HTL hatte ich Kollegen, aus der Hansson Siedlung (1230 Wien), die das schon früher hatten.

Also angefangen hat Telekabel 1979 so

  1. ORF FS1

  2. ORF FS2

  3. ARD

  4. ZDF

  5. BR Fernsehen

  6. Schweiz - am Anfang abwechselnd einen Tag DRS (deutsche und rätoromanische Schweiz) ein Tag TSI (italienisch) dritter Tag SSR (französisch) 

Auf UKW Radio die ORF Programme und dann die damaligen 4 BR Hörfunkprogramme.

Leider zwitscherten die bis zur Unbrauchbarkeit. Trotz Spitzenequipment, z.b. JVC T-X 900L (2 Antenneneingänge, umschaltbarer Attenuator, umschaltbare Bandbreite etc.) war es unbrauchbar.

Das kommt rein aus meiner Erinnerung, "Teledebakel", so wie ich diese hassliebe Firma nenne, hat keinerlei Info dazu. (Ich habe immer recht offensive Briefe an die geschrieben, wurde vom damaligen Geschäftsführer, Hr. Wilfing anläßlich des Eurosport Abschaltens zu einem Gespräch in die damalige Zentrale in der Erlachgasse Wie 10 eingeladen...)

1982 hat man die Rotation der drei Schweizer Programme eingestellt und nur mehr DRS also die deutsche Schweiz eingespeist. Bis zur wenig glorreichen Abschaltung von DRS im Frühling 1997.

1984 kam das 7 Programm,. das war aber Sat, nicht terrestrisch.

Es war aber die Vorgesellschaft zu Sky Channel:

"satellite Television" über ECS-F1, der im Oktober so schwach war, dass ihm um 23:00h die Puste ausging, bis zum nächsten Sonnenaufgang!  http://en.wikipedia.org/wiki/Sky1

 

Unvergesslich die amerikanischen Serien wie Mr. Ed, Greenacres, die Quiz Shows wie

Card Sharks, Password, Super Password, und der Musikshows mit Pat Sharp, usw, bis zur SKY FI MUSIC SHOW.

 

1985 hat Dr. Helmut Zilk (früherer Bürgermeister Wiens mit Medienaffinität noch aus seiner Zeit als er selbst ORF Indendant war) statt Sat1 dann 3sat einspeisen lassen, Erst 1 Jahr später kam Sat1.

Der WDR3 kam erst 1992, zusammen mit NDR und HR, aber im Hyperband.

Das war fast mehr Ausschluß der Öffentlichkeit als HDTV im Jahr 2008. Ich habe das Programm nur über den S-VHS Videorecorder sehen können, nicht über meinen nur 1 Jahr alten 63 cm Stereo TV!!!!

 Die Reihenfolge kann ich deshalb noch so gut, weil ich die Reihenfolge eingestellt habe.

  • 10. war RTL plus.

  • 11 und 1987 kam erst der Super Channel http://de.wikipedia.org/wiki/NBC_Europe

  • 12 1989 SWR Baden Württemberg 

  • 13 1990 CNN (Anmerkung des Autors: Als dieser Sender aufgeschaltet wurde stand auch der Telekabel Mann in meiner ersten Wohnung in der Küche zum erfolglosen Info/Abschlußgespräch)

  • 14 1993 RTL 2

  • 15 Tele 5 später DSF- Deutsches Sport Fernsehen

  • 16 Vox

  na und so weiter.

 1989 ging dann Sky voll auf Sendung und verschwand dann aus Europa, und EUROSPORT, einer der 4 Murdoch Sky UK Sender kam dann anstelle davon.

 

Uff.. ich hör besser auf, bevor mich die Nostalgie total erwischt.

 

Liebe Grüße

W.U (Name bekannt) - An dieser Stelle nochmals vielen Dank für das Feedback und die Erinnerung!




Kabel kontra SAT - oder beides?


Auch in Wien gab es Gegenden die noch lange nicht mit dem Kabel zumeist aus straßenbaulichen wie auch wirtschaftlichen Gründen erreicht werden konnten.

Neubaureihenhaussiedlungen in Wien 22 oder Wien 10, geschätzt so zwischen 1988 bis Mitte der 1990er Jahre, jeweils an der "Peripherie" gelegen kann man hier nennen.

Diese erhielten dann ihre "SAT Insel", also eine SAT Antenne, zumeist auf EUTELSAT 13°Ost, und/oder später 19° Ost ASTRA ausgerichtet, Dazu eine terrestrische Yagiantennenkombination für den loalen ORF Sender Wien-Kahlenberg für ORF 1, 2 sowie dem Regionalprogramm Wien Kanal 34 nebst UKW Radio.

Die SAT Programme wurden in nun schon relativ günstig zu erwerbenden Aufbereitungsanlagen in das VHF/UHF Netz umgesetzt.
Die angeschlossenen (zahlenden) Teilnehmer waren so Kunden von Telekabel ohne jedoch schon direkt an deren Netz zu hängen.
Dies war wichtig, um neben Kundengewinnung diese auch von ersten "unabhängigkeitsbestrebungen" in Form individueller SAT Antennen möglichst fernzuhalten.

Letzteres gelang aufgrund immer günstigerer Anlagenpreise und immer kleiner benötigter Antennen sowie der größeren Programmauswahl immer schwerer.
Als es dann mit Pay TV wie Premiere oder dem DF1 losging kam das Kabel mangels vergleichbarer Alternativen zuerst nochmals unter Druck.
 
Der Vorteil dieser Anlagen für die Kabelgesellschaft war, das bei anfänglich höheren Errichtungs-. und Betreungsaufwand unmittelbar ab der technischen Erreichbarkeit der "Insel" mit dem Koaxkabel oder auch schon der Glasfaser mit einem Schlag mitunter bereits duzende oder gar hundert oder mehr Kunden aufgeschaltet waren.
Die Gemeinschafts-SAT Anlagen selbst konnten dann stillgelegt und rückgebaut werden.

Anders in meist gehobeneren Wohnbauten, mit wie man wusste, einer Wohnungsbelegung mit ORF Mitarbeitern.
Die zwar selbst gerne am Buffet europäischer televisionärer Unterhaltung kosten wollten.  Dem eigenen Publikum aber nur eine reduzierte Auswahl anbieten wollten.
Dies nicht zuletzt durch das damalige Verbot von privaten Rundfunk- und Fernsehmedien in Österreich, bezogen auf die Politik des Mediums um damit die Kundschaft erhalten zu wollen.

Dort gab es meist schon aus früheren Zeiten eine ORF Gemeinschaftsantenne. Wie damals üblich meist in gemischter Stern/Reihenverteilung was ein späteres Abtrennen bestimmter Wohnungen ohnehin nur schwer möglich machte.

An diesen Häusern im erweiterten Umfeld des ORF Funkhauses am Küniglberg in Wien 13 zu finden, wuchsen dann schon gegen Ende der 1980er Jahre die ersten noch 120 bis 150 cm Parabolantennen mit zugehörigen Umsetzeranlagen.







 

Bild: "Immer dieser Bosch" - Der Mechaniker war gefragt um diese Konstruktionen mit Feedhalterungen und den noch echten SHF BLOCK Umsetzern aufzubauen.
Nur ausgesuchte (!) LNB's boten ein Rauschmaß von unter 2,5 dB was für damals sehr gut war. Hier sogar mit max. 1,4 dB lt. aufgedruckten Datenblatt. SaTAn war das Label von Kathrein für seine massiven SAT Antennen, gut geeignet für eine stabile Signaleinspeisung.

 
Zumeist waren es, den Kapazitäten der Umsetzeranlagen gesculdet, anfangs nur um die acht bis maximal 12 Programme die es dann zu sehen gab.
Auseinandersetzungen zur Abstimmung darüber welche Programme es denn nun sein sollten waren vorprogrammiert.




Bild: Beispiel einer Fuba SAT Aufbereitungsanlage in einer Wohnanlage beim "Adolfstor" des Lainzer Tiergartens in Wien 13. Die Bildqualität der damals frühen VGA Digitalkamera entsprach dem Niveau dieser Aufbereitungsanlage



Auch der beruflich bedingte kritisch geschulte Blick dieser Klientel auf ein Fernsehbild hin, machte es für den Techniker zur Herausforderung.

Stellvertretend, da der Techniker der SAT-Anlagenbau- und Wartungsfirma mit den Reklamationen nicht mehr alleine fertig wurde, entsandte der Grundig Wien Niederlassungsleiter mich und einen Kollegen, weil dieser ein Auto hatte, einmal zu einer solchen Anlage.
Grundsätzlich aufgebaut wie schon beschrieben, mit den Grundig HRM100 Umsetzermodulen die baugleich auch von Hirschman vertrieben wurden.
Im Zusammenspiel mit damals meist noch stark rauschenden LNC/LNC's der ersteren Generationen (Rauschmaß über 2,5 dB) war es auch im gutmütigeren Schmalbandbetrieb (in den Modulen selbst durch Dipschalter umzustellen) kaum möglich die Flitzer im Bild alias FM Ausreißer wegzubekommen.

Ich schilderte dies nach dem Vorort Besuch dem Niederlassungsleiter der die Sache mit "aber es hat ja schon alles einmal einwandfrei funktioniert" abgetan hatte.
Für mich unbefriedigend, da ich den Ärger der Kunden wie auch des Technikers der Betreuungsfirma verstehen konnte. Aber viel mehr hätte mich technisch interessiert was da nun hätte eigentlich getan werden müssen.

Wie ich später noch herausfinden sollte, war so manche Anlage ob mit oder ohne Grundig Modulen, wie etwa Fuba, WISI etc, mit oft ähnlichen Symtomen behaftet.

Fernsehsender auf nicht besonders gut ausgeleuchteten SAT Transpondern gelegen, CNN war meiner Erinnerung nach ein solcher, waren eben nur mit mehr oder weniger stark, zudem witterungsabhängig störendem Rauschen/und/oder Flitzer im Bild zu sehen.


 

SAT-Kabel: "Die Unnötigen braucht ihr ja nicht"


Welche Programe ins Kabel eingespeist waren oder nicht entschied bei Telekabel wie auch den meisten anderen Kabelanbietern zumeist nicht die demokratische Mehrheit der Teilnehmer, sondern es wurde ein Bukett aus kommerziell/politisch gewollten Programmen aufgetischt welches man als ganzes nehmen oder ablehnen konnte.
Geschäftsmodell: Friss Vogel oder stirb!

Etwa Mitte der 1990er Jahre, SAT Fernsehen war da schon Alltag aber nicht an allen Wohngebäuden von der Satelliten Ausrichtung her oder aufgrund des sonstigen Aufwandes von den Hauseigentümern oder aber den Mietern selbst nicht immer auch gewünscht.

Mieter die aber zum Teil schon von anbegin schon 15 Jahre und länger am Kabel hingen und immer brav ihre Teilnehmergebühren zahlten fragten sich zurecht: Muss das so sein?

Und dann kamen "Entrepreneure" alias "Haustürkeiler mit lockerem Schmäh" wie wir in Wien sagen würden in die für solche Anlagen und Bewohnerschichten prädestinierten Wohnsiedlungen wie der "Großfeldsiedlung" in Wien 21.

Ein neuartiges Konzept, etwas entfernt von seriös kaufmännisch kalkulierenden Grundlagen, wurde feilgeboten:

Anstelle monatlich Kabelgebühren zu zahlen, erwirkte diese Firma die Zulassung gegen die Interessen von Wiener Wohnen und natürlich der Kabelgesellschaft, wonach sie eine parallele Koaxialkabel-Verteilstruktur in diesen Wohnblöcken ähnlich wie bereits Ende der 1970er Jahre durchführen darf.

Eingespeist werden würde aber nicht ein von extern herangeführtes Kabelfernsehen, sondern eine am Dach montierte SAT Anlage nebst damals noch benötigter terrestrischer ORF Antennenanlage.

Die SAT Signale würden wie bereits bekannt einer modularen Umsetzeranlage zugeführt die um die 20 Fernseh-Programme für eine EINMALZAHLUNG dauerhaft den angeschlossenen Teilnehmern liefert.  

"Die Unnötigen", wie namentlich genannt die Italienische RAI Uno, CNN, das französische TV-5 und der Super Channel etc. brauchte ja das goldene Wienerherz nicht wirklich zum abendlichen Fernsehen, sondern eben nur die Ankersender televisionärer deutschsprachiger Massenunterhaltung.

Sie kündigten sogar schon bei UPC-Telekabel und warteten nach geleisteter Anzahlung auf ihren Anschluß.

Um es kurz zu machen, "der Anschluß" kam nie. Was aber später kam das war vielfach die reumütige Rückkehr dieser "verlorenen Söhne" zurück zu Telekabel.
Einzelne vielleicht haben sich wo möglich dann zwischenzeitlich für die individuelle SAT Antenne entschieden.

Ich durfte mit zeitlichem Abstand beide Seiten kennenlernen:
 
Den besagten geprellten ein Schnäppchen machen wollenden Fernsehinteressenten der neben Aufwand und Spesen eben seine Anzahlung verloren hatte, da das Unternehmen in die Pleite ging ehe es es die Anlage tatächlich gab.
Vielleicht war deshalb Wiener Wohnen und die Kabelgesellschaft so großzüging mit der Zustimmung des Ausbaues?

Jahre später in Zusammenhang mit WLAN Übertragungen quer durch Ostösterreich lernte ich diesen Entrepreneur und Geschäftsführer kennen.
Risikoschonend lebte er ja selbst in einer der Gemeindewohnungen (Sozialwohnung) in Wien 22 in der Anlage wo seine Frau Hausmeisterin war.
Von sich überzeugt lag die Schuld am Scheitern natürlich nur daran, da sich, soweit seine Worte sinngemäß: "zuwenige Kunden für den Anschluß gefunden hätten, und die Leute eben so dumm wären lieber regelmäßig Kabelgebühren zu bezahlen anstelle einer Einmalzahlung".

Mir, im gleichen Gewerbe stehend, war klar das so ein Modell kaum tragfähig sein konnte.
Denn wer sollte aus welchen Geldern die wenn schon nicht regelmäßig durchzuführenden Wartunsgarbeiten, denn dann die zu erwartenden Reparaturarbeiten wie den Tausch von defekten LNB's, Kabelverstärkern oder den Umsetzermodulen bezahlen?

Die Vision war gleich eine Einmalversicherung dafür abzuschließen. Wenn das überhaupt stimmen mag, dann hat es der Versicherungsgesellschaft wohl an allen kalkulativ erforderlichen Erfahrungsgrundlagen zum Thema gefehlt.
  
Zudem kam, das nur relativ wenige Jahre später gegen Ende der 1990er Jahre eben der Tripple Play Ausbau der Kabelnetze begann.

Also Kabelfernsehen/Radio mit Internet Modem sowie auch einem Festnetztelefonanschluß alternativ zum bisherigen nur möglichen Post Telefonanschluß.
Mobiltelefon war gerade erst im Kommen ehe es rascher als gedacht überhaut sehr viele der privaten Telefon-Festnetzanschlüsse obsolet machte.

All das hätte zudem obiges "SAT-Kabel" Modell nicht bieten können.
 

Pay TV - Das neue Bezahlfernsehen im bereits kostenpflichtigen Kabel

Man muss es sich schon auf der Zunge zergehen lassen:
Heute 2022 mit mehrfachen Streaming Abo's mag es ein alter Hut sein, damals aber Thema vielfacher Auseinandersetzungen:

In Österreich wie auch Deutschland zahlt man obligatorisch als Besitzer einer "Empfangseinrichtung" die entsprechenden Pflichtradio- und Fernsehgebühren.
Hinzu kam eben noch der Monatstarif für den Kabelanschluß.
Und jetzt wurden nochmals weitere Tarife als "Upgrade" etc. der Monatsgebühr aufgeschlagen soferne man sie abonniert hat.

Technisch möglich machte dies um 2000 ein Zusatzgerät, alias einer analogen Set-Top Box mit der zahlende Abonnenten bestimmte weitere Spartenkanäle wie für Sport oder Erotik freigeschaltet bekamen.
Freischalten hieß, ein in technisch eher primitiver Art verschlüsseltes Fernsehprogramm wieder sichtbar zu machen.
Zumeist wurde dabei der Bildinhalt durch ein trennen und verändern der nötigen Bild- und Zeilensynchronsignale unbrauchbar gemacht.

Es dauerte nicht lange, da kamen kluge Köpfe dahinter wie eine Abfrage nach einem Abonnentenstatus erst gar nicht nötig ist, und man sich gleich nur mehr um die Wiederherstellung der Synchronsignale kümmern musste.
 
Es wundert in der Retrospektive, da der Autor bereits Ende der 1980er Jahre dieses "Hacken" der Verschlüsselungen vom damaligen SAT Programm "Teleklub" des Münchner Medienmoguls Leo Kirch her kannte.

"Leo - Lass dir was neues einfallen" war in den per Nadeldruckern gefüllten Textseiten geschrieben von deutschen Fernsehtechnikern beschrieben, die mit einfachen Schaltungen ebenso das Synchronsignal, das auf anderen Frequenzen im Kabelspektrum gesendet wurde letztlich wiederhergestellt haben.

"Leo" ließ sich bekanntlich was neues einfallen und verschlüsselte mit dem Syster System was wenn überhaupt dann kaum mehr mengenmäßig relevant Zaungästen freies sehen ermöglichte.

Anders beim Telekabel-Netz viele Jahre später:
 
Kofferraumweise wurden in Nachtarbeit hergestellte einfache Billigdekoder mit sogar einer Beschreibung veräußert, nach der es sinngemäß hieß "neuartige Mikroprozessortechnik macht es möglich Störungen im Fernsehbild zu beseitigen"......
Es wurde fast ein Volkssport diese Boxen zu besitzen und zu verwenden mit einem auf ein Minimum reduziertes Bewusstsein für eine daraus resultierende illegale Handlung.

Auch hier half die Technik und die Kabelnetze wurden nach und nach von diesen analogen Kanälen zugunsten nun nachhaltig verschlüsselter Digitaler Kabelkanäle umgestellt.



Das DSR - Digitale Satelliten Radio Intermezzo



Nicht in der Verantwortung der Kabelbetreiber stand ein relativ kurzes Intermezzo mit dem Digitalen Satelliten Radio kurz DSR.
Die deutsche Bundespost bot in Zusammenarbeit mit der damals noch deutschen Geräte Industrie wie auszugsweise Grundig, Technisat oder Telefunken eine Programmzusammenstellung mit 16 Radioprogrammen in Digitaler Qualität ähnlich dem CD Platten Niveau an. Dazu gab es Informationsdienste über das Display was ebenso die neue Technik möglich machte.
Die gesamte Entwicklung war dabei auf die Parameter der normierten Zuspielstrecken der Deutschen Bundespost hinsichtlich möglicher Datenraten etc. zugeschnitten.

Letztlich wurde über den Satellit Koperikus 23° Ost das Paket ausgestrahlt wo es mit geeigneten SAT Empfängern wie dem Grundig STR 201 mit seinem 480 MHZ ZF Ausgang an einen DSR Empfänger aufgeschalten werden konnte.

Direkter ging es mit DSR Kabelreceivern die den VHF Sonderkanal X um die 118 MHz empfingen und den Ton über die Stereoanlage wiedergaben.
Fallweise war ein Austausch der Antennendosen auf solche die eben diese Sonderkanäle ausgeben konnten erforderlich, da die alten Dosen beim Radioausgang bereits bei rund 108 MHz endeten, und die TV Ausgänge da im VHF Band III noch nicht anfingen.
Es dauerte nicht allzu lange, und dieses ohnehin im Nebenschatten des Fernsehens nochmals nur als Nischenveranstaltung wahrgenommene Phänomen ging fast sang und klanglos unter.

Zu hören war nur mehr das Jammern und Klagen der enttäuschten wie auch geschädigten Nutzer, die im Kabel wie auch beim SAT Direktempfang mit ihren ohnehin nicht billigen DSR Receivern die nur mehr Elektronikschrott waren übrig blieben.
   
Bestgepflegte, neuwertige zumeist mit Originalverpackung befindliche DSR Geräte finden bis heute über Onlineverkaufsplattformen an die Oberfläche. 




Bild: Als stellvertretendes Beispiel dieser Epoche dient der Grundig DSR 300 - siehe SAT Receiver Museum des Autors ©Grundig Katalog

Die Weiterentwicklung der Kabelnetze am Vorabend der Digitalisierung beim Endverbraucher:

Fachvorträge auf Kabelsymposien wie hier 1993 in Montreux auf denen Branchenvertreter wie Philips, Hirschmann, Kathrein aber auch nicht alltäglich geläufige Firmennamen ihre neuen Konzepte, Stichwort Multiplex, Super Trunk, 64 TV Kanäle und mehr zum Besten gaben.

Nach und nach wurde dann das eine oder andere auch umgesetzt.

Infofolder zum Kabelsymposium 1993 in Montreux

Bild: Philips Infofolder zum Kabelsymposium 1993 in Montreux

Es dauerte nicht lange, da ging es nicht mehr um die Hybridlösung: Also kabelinternes "fahren" der Programme und Dienste auf einer Digitalen Datenautobahn sondern gleich dem Gesamtübertragen eines Fernsehsignals DVB vom Studiocoder über die Zubringerstrecken auf Satellit bis zum Zuseher.

CA - Conditional Access Systeme für Verschlüsselung und Bezahlfernsehen war da gleich das Thema.

 

Ein eigener Kabelfernsehkanal - Okto TV

 

Mit der Liberalisierung in Österreichs Medienwelt kam nach dem mehr oder weniger statischen reinen "Infokanal" auf dem einfach nur die Frequenzen und Kanäle aller verfügbaren Programme angezeigt wurden, ein eigenes "Community" Stadtfernsehprogramm mit "echter Partizipation" als reine Nischenveranstaltung auf.

Der Autor kannte das schon terrestrisch übertragene Programm "FAB - Fernsehen aus Berlin", in der unmittelbaren Nachwendezeit wo man "studieren" konnte wie sowas geht.

Okto TV - gemäß dem auf Deutsch gleichnamigen VHF Kanal 8, wurde von verkabelten "Wienern", und nur diese konnten ihn überhaupt sehen zumeist als reines Sonderprogramm für fremdsprachige Bevölkerungsgruppen wahrgenommen.

Wie interessanterweise erst jetzt 16 1/2 Jahre nach seiner Gründung 2004 übergeordnete Überprüfungsinstanzen kritisieren, sind die alljährlichen Förderungen in teilweiser Millionen Euro Höhe nicht mehr adäquat für das wie es hieß "lineare Fernsehen".

Vorläufiges Fazit:

Wie zu lesen war, hat wie das Fernsehen selbst folglich auch das Kabelfernsehen die verschiedensten gesellschaftlichen aber auch technischen Wandlungen vollzogen.

Möglicherweise mag diesem Medium über die Funktion eines reinen Transportdienstleisters von IP Datenprotokollen in Hinkunft keine tieferes Tätigkeitsfeld mehr bleiben.

Was hier für diese Betrachtung relevant ist, das soll einmal mehr die Bestätigung der offensichtlichen Abkehr von linearen Fernsehen wie es einst begonnen hat manifestiert werden.

Ob es Okto TV oder andere Sender früher oder später noch gibt wird die Zeit zeigen.

Was aber auch schon gegenwärtiig bei aller Fülle durch gratis wie auch Bezahlstreamingdienste sowie Youtube, Mediatheken etc. sich abzeichnet, das ist die Mühe eines Nutzers sich hier eine Abfolge aus einem schier unendlichen Angebot zusammenstellen zu müssen.

Einfach Einschalten nach einem Programmheft und/oder dann weiterzappen ist nicht. Vielleicht schon jetzt noch vor dem Abschalten eine Idee für die Neuauflage eines linearen Fernsehprogramms?

 

Kabelfernsehen im ländlichen Bereich

Hier möchte ich nur AUSZUGSWEISE aus der Ostregion rund um den erweiterten Speckgürtel von Wien einige Beispiele von anfangs kleinen Netzen oder auch Ortsnetzen vorstellen.

 

BKF - Burgenländisches Kabelfernsehen

Gegen Ende der 1970er Jahre war nicht nur für die Großstadt Wien die Zeit für Kabelfernsehen gekommen. Auch das erst in den 1920er Jahren im Zuge der Nachlaßregelung der zerfallenen Habsburgermonarchie zu Österreich gekommene Burgenland begann sich nach und nach schon vor dem EU Beitritt wirtschaftlich aufzumachen.

Weniger ein technisch schlechter Fernsehempfang in der eher flachen Region wird Anlass gewesen sein, denn mehr eine kulturelle Verbindung und Information sowie Unterhaltung aus der weiten Welt, nach Europa im ersteren Fall aus Deutschland.

Hinzu als Initialzünding kam, das ohnehin vielfach Straßenbauprogramme mit dem nun folgenden Erdverlegen von Strom der BEWAG und Telefonkabel der Post im Gegensatz zur bisherigen Freimastverlegung idealerweise anbot eben "ein Kabel" gleich mehr mit in die Künette zu legen.

Parallel erfolgte ebenso in jener Zeit österreichweit der Ausbau des postalischen Richtfunkringes der ebenso bis ins Burgenland geführt wurde und zwei erste Landesteile im Sieggraben Brentenriegel sowie den Hirschenstein im Südburgenland angebunden werden konnten. Weiter Anbindungen kommend vom Arsenal Wien mit Stichstrecken bis auch nach Neusiedl am See folgten, womit letztlich bis zu 18 Empfangsstationen für das damals gebräuchliche 12 GHz Richtfunknetz bzw. die Einspeisepunkte  für das Kabelnetz geschaffen waren [23].

An Anschlußgebühren, ganz anders als im dicht verbauten Wien, lagen hier gar zwischen öS 9.000,- und 14.000,- Schilling! Nicht gerade wenig Geld.

 

Gemäß einem Artikel aus der "Wiener Zeitung" vom 15.12.1998, "stellte die 1978 gegründete Burgenländische Kabelfernseh-Gesellschaft m. b. H. (BKF) innerhalb von zwei Jahren 10.000 technische Anschlußmöglichkeiten fertig und "verkabelte" 47 Gemeinden.

Der provisorische Kabelnetzbetrieb startete im Juni 1980 mit den Programmen ARD, ZDF, ORF FS 1, ORF FS 2 und MTV 1 (NICHT "Music Television", sondern Magyar Televízió = Ungarn 1) der unmittelbaren Nachbarschaft zu Ungarn geschuldet. BR3 folgte nach seiner Aufschaltung am Richtfunknetz.

MTV1 empfangbar im Kabel dann zudem mit herkömmlichen Fernsehgeräten da Ungarn wie der Rest des "Ostblocks" den Ton auf für "unsere" Geräte nicht empfangbaren Frequenzen sprich dem Ostton sendete. Inwieweit für die Einspeisung auch die SECAM Farbe in PAL transcodiert wurde bleibt hier noch offen.

1998 waren 146 Ortsteile und rund 35.200 Haushalte am BKF-Netz angeschlossen. Der landesweite Nutzungsgrad liege damit bei 57 Prozent, betonte der Geschäftsführer Dr. Heinz Bundschuh. Versorgt würden die Teilnehmer mit 32 Programmen auf 22 Kanälen.

Allerdings seien die eingespeisten Programme der "Tod jeder Regionalität" gewesen, und so habe er , Dr. Bundschuh, 1994 begonnen, Regionalfernsehen fürs Burgenland (BKF-TV) zu machen.

Da damals nur Standbilder erlaubt waren, ließ sie Bundschuh mit Ton unterlegen. Dieses "bebilderte Radio" entfachte heftige Diskussionen bezüglich der Rechtslage, doch laut BKF-Geschäftsführer siegte die "normative Kraft des Faktischen" letztendlich. Die vertonten Standbilder blieben.

Seit 1996 bietet die BKF ihren Zusehern Laufbilder: Zu jeder vollen Stunde werden zehn Minuten lang tagesaktuelle Meldungen gebracht....."

Kabelfernsehen hatte auch noch einen regionalen Vorteil: Die Grenzen der jeweiligen Kabelnetze waren regionenweise bzw. an den Landesgrenzen angelehnt.

Wo Wien aufhörte, begannen die Niederösterreichischen Netze und weiter das Burgenländische usw. "Claims" wie in der Goldgräberzeit wurden abgesteckt bzw. wie auch immer zugeteilt, wobei Wien wohl das mit abstand alleinige wirtschaftlich Erfolgreich operierende Kabelnetz hatte.

In der Praxis wie ich feststellen durfte, gab es eine enge Zusammenarbeit im Informationsaustausch zu neuen Techniken den Netzausbau betreffend. Selbst Techniker arbeiteten nach Feierabend beim "anderen Netz" um dann dort des abends deren neuen Kunden anzuschließen.

Im Wissen, das andere besser ausgestattete mechanische Werkstätten hatten, ließ man dort auch Halbprodukte anfertigen die man dann im eigenen Netz verbaute.

 

Die kabelsignal Rundfunks-Vermittlungsanlagen Gesellschaft m.b.H.

Aufgebaut wurde hier ein Kabelnetz im Süden von Wien.

Gemäß Webauftritt der Kabelplus Gesellschaft:

"Die kabelplus GmbH wurde als kabelsignal Rundfunks-Vermittlungsanlagen Gesellschaft m.b.H. 1978 von der Siemens AG als Eigentümer gegründet.
Niederösterreich ist mit 51,0 % Mehrheitseigentümer der EVN AG und die Wiener Stadtwerke GmbH hält Aktien im Ausmaß von 28,4 % des Grundkapitals. Die Wiener Stadtwerke GmbH steht zu 100 % im Eigentum der Stadt Wien."

"Mit Firmensitz in Maria Enzersdorf verfolgte das Unternehmen damals die Ausstrahlung von inländischen und ausländischen analogen Rundfunkprogrammen. Seit 1992 verwendet das Unternehmen Glasfaser als Hauptversorgungsleitung für das Netz. 1997 wurde das klassische Kabelfernseh-Angebot um Internetanbindungen über das Kabel-  und Glasfasernetz erweitert womit sich das Unternehmen als einer der ersten Breitband-Anbieter etablierte.
Seit 1998 ist der Telekomanbieter unter dem Firmennamen kabelsignal AG ein 100% Tochterunternehmen der EVN AG." 

Siemens war als industrieller Partner auch hier nicht rein zufällig an Bord. Hatte Siemens doch so wie Philips enbenso eine damals noch bedeutende Sparte in Sachen Antennen- und HF Technik nebst noch selbst gebauter Unterhaltungselektronik im Portefeu.

Standort war enem der Süden von Wien, wo sich als Abnabelung von Wien die EVN entsprechend auch baulich sichtbar plazierte. Gleich daneben die als Gartenstadt konzipierte Siedlung aus den 1960er Jahren bot mitunter anschlußwilliges Potential.


Teilnehmerzahlen 2 - Eine andere Sicht dazu:

Ein Katz und Maus Spiel war mitunter die Frage wieviele Teilnehmer es im jeweiligen Kabelnetz wohl gab? Musste doch eine Kabelgesellschaft in der Regel entsprechende Zwangsabgaben an Verwertungsgesellschaften bezahlen für die Befugnis so und so viele bzw. bestimmte Radio und Fernsehkanäle einspeisen zu dürfen.

Als diesbezüglicher Grenzwert für Gemeinschaftsantennenanlagen wurden 500 Teilnehmer vom Gesetzgeber definiert.

Da könnten schon findige Geschäftsleute an eine Aufsplittung von Kabelfernsehgesellschaften für bestimmte Zwecke gedacht haben. Dies geht zumindest aus frei über die Google Suche einsehbare österreichische Gerichtsfälle hervor.

Gemäß OGH, am 13. November 2001, Geschäftszahl 4Ob182/01w, Stichworte: Auslegung der Satelliten-RL (93/83/EWG), Kabelnetz XXXXX, Kabelweiterverbreitung unabhängig vom tatsächlichen Empfang, Endzweck öffentlicher Empfang ausreichend.

In der Kurzzusammenfassung hatte der Unternehmer die Idee das vorhandene Kabelnetz in so viele juristisch eigene Gesellschaften aufzuspalten, sodas es theoretisch kein zusammenhängendes Netz mehr mit je mehr als 400 Teilnehmer gab.

Diese kleinen Netze wären dann hinsichtlich der diversen lizenzrechtlichen Abgabenpflichten befreit gewesen.

Eine wiederum eigene Gesellschaft hätte dann diesen Netzen nur die Programme zugeführt.

Wie das Urteil ausführte, sah es das Gericht anders. Die Idee war gut, aber nicht zielführend.... "weil auf die Gesamtzahl sämtlicher Endabnehmer abzustellen ist, die das Programm gerade auf Grund der Signalweiterleitung durch die Erstbeklagte empfangen können".


 

Telesignal Kabelfernsehanlagen GmbH

Das Unternehmen beschäftigte sich seit dem Beginn der 1980er Jahren mit der Errichtung und dem Betrieb von Kabelfernsehanlagen in den Gemeinden Breitenfurt, Laab im Walde, Kaltenleutgeben, Purkersdorf, Mauerbach und einer Dependance in Reichenau/Rax mit dort 352 Teilnehmern [2001/28].

Der Standort des Unternehmens jedoch war etwas "exteritorial" in Wien 12, in der Hetzendorferstraße angesiedelt, wo es die Administration sowie eine Werkstatt wie auch Lagereinrichtungen gab.

In den 1990er Jahren und folgend befand sich die Kopfstation in einem kleinen Häuschen im Ortsteil Breitenfurt/Hochroterd, wo es die direkte Richtfunkanbindung an das Arsenal gab.

Zuvor gab es in den Anfängen des Unternehmens an einem Waldrand mit ebensolcher freien Sicht zum Arsenalturm in Wien 3 stehend schon eine Kopfstelle in einem Blechcontainer die aber vom Wald immer wieder zugewachsen wurde und dann wieder weitergeschoben werden musste bis man sie letztenendes aufgab.

Wiederum später, auch hier dient uns die freie Google Suche wo selbst die Vertraulichkeitsklauseln im Mietvertrag offen in allen Details einsehbar sind, erfolgte der Bau einer neuen SAT - Kabelkopfstation im Ortsteil Purkersdorf in präkarischer Überlassung beim Bauhof in der Tullnerbachstraße.

Hier war schon keine dem Ende des Betriebes entgegengehende Richtfunkanbindung der Post mehr angedacht. SAT Antennen wie auch Glasfaseranbindung prägten diese Kopfstation.

Überhaupt war dieses Netz, stellvetretend für sicher so manches in Österreich reich an geschichtlichen Anfängen von Gemeinschaftsantennenanlagen GA, die später zu GGA - Großgemeinschaftsantennenanlagen mutierten.

Der "Doktorberg" im Kaltenleutgeben war da so ein Beispiel mit unterirdisch zugänglichen Versorgungsleitungen zu den Wohneinheiten und einem großen Antennenmast zentral für die noch nur ORF Programme.

Oder in Breitenfurt wo es an einem Masten etwas hinter der Mehrzweckhalle gelegen früher eine Ortsantennenanlage gab um topografisch bedingt empfangstechnisch benachteiligte Ortsteile zu versorgen.

Der Autor konnte sich im Jahr 2000 im Gemeindeteil Deutschwald bei Purkersdorf selbst von der mit wirtschaftlicher Vernunft fast unmöglich terrestrisch zu versorgenden Gegend überzeugen.

Hier half eben das Kabelfernsehen welches all diese Orte erreichte ehe der Satellitendirektempfang auch hier Einfluß nahm.

Wie auch andere Kabelnetze in Österreich wurde ab etwa Mitte der 1990er Jahre die Glasfaserzuführung ausgebaut (Fibernodes) die einen echten Quantensprung für bestehende wie auch neu anzuschließende Siedlugsteile darstellten. Kein Vergleich zum VHF und Sonderkanalnetz welches nach jedem Streckenverstärker ab einer bestimmten kaskadierten Anzahl mehr und mehr Rauschanteile (primär in den Augen des Technikers wahrgenommen) beinhaltete. Auch die individuellen Nachverstärker bzw. Hausverstärker der Teilnehmer taten dann ihr übriges.

Die Verstärker vom System Bosch, ehe sie beginnend gegen Ende der 1990er Jahre durch Philips Nachfolgeprodukte, den Phasor Verstärkern, die dann auch schon Breitband UHF tauglich wie auch rückkanaltauglich für den Tripple Play Ausbau für Internet und Festnetztelefonie waren.

Dieses Unternehmen stand für viele die mit der überschaubaren Teilnehmerzahl zwar ein Unidirektes Kabelnetz - also vom Betreiber an den Zuseher managen konnten.

Mit den neuen Services wie Internet und Telefonie, die eine direktere Rückmeldung im mehrdeutigen Sinne durch den Kunden (Stichwort: Callcenter) brachte war es dann bald aus und ein Zusammenschluß bzw. Aufkaufen war die ohnehin schon absehbare Konsequenz.

Gemäß "Der Standard" mit einer APA Meldung hat [26]

"Der Wiener Kabelnetzbetreiber UPC Telekabel ...die niederösterreichische tplus Kabel & Kommunikation GmbH & Co KG (Anmerkung: Vormals Telesignal Kabelfernsehanlagen GmbH) gekauft.

Das Unternehmen hat laut UPC 8.000 Kunden und ist in der Region Purkersdorf aktiv.

Für die tplus-Kunden soll das bestehende Angebot durch Chello Breitband-Internet, Telefonservices sowie Digital TV erweitert werden, teilte die Tochter des niederländischen UPC-Konzerns am Donnerstag in einer Aussendung mit."

 

KTAM - Die Kabel-TV Amstetten G.m.b.H (Westl. Niederösterreich)

Gemäß der Unternehmensgeschichte des Unternehmens aus [25], begann "1977 unter KR Ing. Erich Landsteiner das Projekt eines TV-Kabelnetzwerks in Amstetten.

Mit fünf TV (ORF FS1 & ORF FS2 sowie ARD, ZDF und BR3  - und sieben Radio-Programme ging das Kabel TV Amstetten im November 1977 in Betrieb.

Mitte der 1970er Jahre startete Herr Landsteiner das Projekt eines Kabelnetzwerkes in Amstetten. Dazu informierte er sich zuvor in Kanada wie solche Netze modern aufgebaut wurden."

Die Anfänge der Kabellegearbeiten, auch hier idealerweise in Verbindung mit ohnehin zu tätigenden Straßenbauarbeiten gingen zu seinen wirtschaftlichen Lasten da es in dieser Phase noch keine Kunden geben konnte.

"Trotz einiger Widerstände in der Region begann man 1977 das Signal einzuspeisen. Mittels einer 6-Meter (!) Parabolantenne am Kollmitzberg wurde das Signal aus Deutschland empfangen und nach Amstetten per Richtfunk (der Post) weitergeleitet."

Im Gegensatz zu den Kollegen aus Oberösterreich, die zumeist Direktempfang in Grenznähe zu Deutschland hatten war der Kollmitzberg etwas weiter weg gelegen.

Die Größe dieser Antenne und Ausrichtung direkt nach Deutschland deutet darauf hin, das dies noch nicht die Anbindung an das spätere reguläre Richtfunknetz der österreichischen Post gewesen sein wird, da hierfür in der Regel dann nur 1,8 m Antennen erforderlich waren.

"Mittels Postwurfsendungen erklärte man den Amstettnern die Funktionsweise und Vorteile des Kabelfernsehens."

Somit war dies für 1977 tatsächlich technisch wie auch rechtlich eine Pionierleistung. Zumindest was die GA - Großantennenanlagentechnik betraf dürfte er sich wie auf den Fotos erkennbar ist auf den Hersteller Hirschmann verlassen haben.

Auch im Bereich Groß-Hollenstein an der Ypps, sowie weiteren 200 österreichischen Gemeinden sind Gemeinschaftsantennenanlagen bereits in Betrieb (Stand 1977).

 

 

Wenn auch Sie etwas zum Thema einbringen wollen dann schreiben Sie mir Ihre Erinnerungen (2022)!


Literatur und auszugsweise Quellenverweise:

Literatur:

  1. Programm & Kanaltabellen Telekabel Wien 1978 bos 1991
  2. Horst Holzer - "Report: Kabelfernsehen in der BRD" 1976
  3. Email Korrespondenz vom 7.4.2012

Quellenverweise:

  1. D/Hamburg : FS 2/1983 Seite 28
  2. D/München - Rückkanal Nutzung FS 1/1983 Seite 27
  3. F/ Ausbau 1,4 Mio Teilnehmer bis 1985 geplant / FS 1/1983 Seite 18
  4. USA / Pay TV  zu großes Angebot FS 4/1983 Seite 28
  5. D/ Art der Programme im D Kabel:  FS 4/1983 Seite 28
  6. Belgien/ 16 Programme - mit TSS-1 FS 5/1983 Seite 28
  7. D Rundfunkgebühren - Kabelgroschen  FS 6/1983 Seite 14
  8. D/ München Tests FS 6/1983 Seite 20 + Störung 2m Band aus dem Kabel
  9. D/A - Wiener Versuchsnetz? FS 7/1983 S 68 
  10. D. Zu Hohe Kosten  - FS 8/1983 S 3 + Vorfeldeinrichtungen
  11. FIN - Salora Pay TV FS 8/1983 S 30 22.000 Teilnehmer + US Turner Probleme
  12. D Pilotprojekte - FS 8/1983 S 53
  13. D Genehmigungspflicht für Antennenanlagen FS 8/1983 S 86
  14. D Gebührenerhöhung FS 10/1983 S 14 & S 29/29 adressierbare Kabelnetze S 55 US Kabelfernsehen 4600 Netze.
  15. UdSSR : FS 4/1983 Seite 48
  16. Lux SAT kontra F : FS 5/1983 Seite 30
  17. Philips Telecommunication Review PTR, Montreux 1993
  18. Kanal und Frequenzlisten für den Wiener Raum von der ADXB-OE Herrn Franz Brazda
  19. https://www.derstandard.at/story/2000135231082/okto-droht-das-aus-stadt-wien-will-nicht-mehr-lineares; Abgerufen am 1.5.2022
  20. BF Die Burgenlandwoche 18. August 1993 zur BKF MTV Aufschaltung
  21. BF - Nr.15, 13. April 1994, 64.Jahrgang zu BKF Lokaler Kanal
  22. Wiener Zeitung" vom
  23. BF Burgenlandfernsehen "Damals..." Youtube Interview mit Dr Heinz Bundschuh, vom 15.8.2021; Abgerufen am 14.5.2022
  24. https://www.lteforum.at/mobilfunk/liberalisierung-des-kabel-tv-netz.18796/seite-2.html
  25. https://www.ktvam.at/unternehmen/unternehmensgeschichte/
  26. https://www.derstandard.at/story/1825253/upc-telekabel-kauft-tplus
  27. https://rechtsprobleme.at/doks/urteile/breitenfurt.html; Abgerufen am 14.5.2022
  28. Online Protokoll: Sitzung des Bundesrats - 365. Sitzung - 23. Juni 1977; Abgerufen am 14.5.2022
  29. https://www.pressetext.com/news/19991214017; zu Sky Channel, Abgerufen am 11.6.2022
  30. "85 Jahre Philips in Österreich" Die Geschichte eines Unternehmens im Spannungsfeld zwischen der Eigenständigkeit und dem Zentralismus eines Weltkonzerns;  Verfasser Mag. Walter Riegler; Abgerufen am 3.6.2022
  31.  Minerva Technische Mitteilungen, Oktober 1960; S.15

 

 

Hier noch ein Lesetip

 

 

© 6/2008, 3/2010 - 4/2013; 4-6/2022 - W. Scheida  gehörend zu www.scheida.at/scheida/televisionen.htm

Updated: 20.07.22