Radio MROZ und HEMRAG Transformatoren - Einblicke in das Wiener Radiogewerbe der 1920er Jahre

Werbung Radio-Apparate-Bauanstalt MROZ Radiowelt 1926

  Bild: Werbung der Radio-Apparate-Bauanstalt Josef MROZ aus [Radiowelt 1926 Nr. 43]. Zu beachten ist das abgebildete grafisch interessant gestaltete Logo oder Markenzeichen des stilisierten und mit Namensverweisen ausgeschmückten Radiohörers (Vergleiche mit der Radiohörenden Dame bei der Firma HORA,) 


 

EINLEITUNG:

In Sachen früher WIENER Radiotechnik der 1920er Jahre ist uns Nostalgiefreunden der umtriebige aus Lemberg dem vormals Österreichisch-Ungarischen Staatsgebiet stammenden und bereits 1925 "seit Jahrzehnten" in Wien lebenden Josef MROZ mit seinem Geschäft in Wien VI bereits mehrfach untergekommen.

Und das scheinbar so beliebt, das es gemäß RM.org sogar in jüngerer Vergangenheit der 1990er bis frühen 2000er Jahre rund acht verschiedene vermutete Fälschungen bzw. Fake Radios mit dem Herstellerzeichen "Radio Mroz, Apparate-Bauanstalt, Wien VI, Windmühlgasse Nr. 1" gibt.

Alle Geräte sind äußerlich im Stil der 1920er Jahre gehalten, jedoch mit zum Teil 1940er Jahre Bauteilen aus dem DKE u.a. bestückt bzw. verdrahtungstechnisch nicht fertiggestellte "Geräte".

Inwieweit alles nachgebaut bzw. gefälscht war oder zufällig aufgefundene Restbestände und Firmenschilder falls sie echt waren verwendet werden konnten lasse ich hier im Raum stehen.

Eine meinerseitige Kontaktaufnahme vor grob geschätzt 15 Jahren mit der Nachfolge Geschäftsführung, des damals noch aktiv tätigen Fotogeschäfts in Wien 6 bestätigte die einstige Tätigkeit in Sachen Radios sowie der Aussage der Herkunft aus Lemberg.

Jedoch, was nachvollziehbar war, dass nichts mehr aus diesem (Radio-)Geschäftszweig erhalten geblieben sei.

Erst 2009 wurde das Geschäft wohl in Verbindung mit Pensionierung und der stetig steigenden Digitalisierung aufgelöst.


Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Verortung

  3. Stimmungsbild der 1920er Jahre

  4. Zur Person Josef Mroz

  5. Zwischenkriegszeit -Ende

  6. Das radiotechnische Vermächtnis

  7. Erwähnung von HEMRAG in der Literatur

  8. Kaufmann Franz Ferdinand Neubauer

  9. Vorläufiges Fazit zu MROZ Radio

  10. Bekannte MROZ Radiomodelle

  11. Offene Fragen

  12. Abgrenzung

  13. Quellen und Literaturnachweis

  14. Weitere Lesetipps des Autors


Örtliche Zuordnung:

An Adressen zu MROZ scheinen für 1927 auf,

alles in unmittelbarer Geh Weite zusammenliegend.

Der NEUE Standort Windmühlgasse als Vergrößerung wird auch in einem Werbefaltblatt für den 1. Oktober 1926 als Eröffnung angekündigt.

Wie bereits in meinen Beitrag zu Neubauradio Eugen Goldschmied ausgeführt, galt all dieser Bereich als das "Wiener Radioviertel" mit seinen unzähligen Verkaufs- aber auch Fertigungsstätten.


Damaliges Stimmungsbild und Zeitgeist:

Interessanterweise, bzw. als Bestätigung des in der Zwischenkriegszeit bereits schwelenden nationalen Bestrebungen, wurde Mroz je nach Interessensphäre zugeordnet:

Die Reichsgrenzen des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn bis 1919 hier "Interpretationen" zulassen. Eine polnische Volksgruppenzugehörigkeit aus Lemberg, der heutigen Ukraine stammend wird da nicht Falsch sein.


Zur Person Josef MROZ:

Wie es u.a. in [Photografische Nachrichten Nr. 49/1925] hieß, studierte Josef MROZ (geb. 9.11.1893 als Pole in Lemberg, bis +1945, vermisst in Berlin) zuerst technische Wissenschaft ehe er als zunehmend namhafter Aufnahmeoperator in der Filmindustrie tätig wurde und er "es sich vom Mund abgespart" als österreichisches Erfinderschicksal auf einen zahlungskräftigen Kapitalisten für seine Erfindungen wartete.

Bild: Josef MROZ Portrait abgebildet als geschätzt 30-jähriger in [Die Stunde, 19. Juni 1925], was uns hilft einmal mehr unseren einstigen Wiener Radioschaffenden auch ein Gesicht zu geben.

 

Verheiratet war er mit Frau Ida, und hatte zumindest einen bekannten Sohn, Thaddäus, ebenso in der Fotobranche stehend.

 

Mroz der Mann des Fotos und Filmes

So sehr seine Entwicklungen, Erfindungen und man darf vielleicht sagen wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Foto, Film und insbesondere der Farbfotografie mindestens ebenso interessant wären zu betrachten, so möchte ich bei diesem Metier an entsprechende Arbeiten von Fachkollegen/innen verweisen die in der Lage sind seine einstigen Ansprüche entsprechend kompetent einordnen zu können und bleibe hier bei unserem Thema Radio.

Auszugsweise darf hier auf die Arbeit von Frau Stefanie Zingl, tätig u.a. für das Österreichische Filmmuseum bezuggenommen werden. Sowie Herrn Jonas der in den 1970er Jahren den vormaligen MROZ Betrieb übernahm.

 

Bilder: Auszugsweise Belege seiner Tätigkeit im film-fotografischen Bereich der damaligen unter dem Stichwort "Wiener Filmgründe am Laaerberg" als Hollywood Wiens bezeichneten Branche. [Quelle: ANNO, Neue Kino-Rundschau, 28. Juni 1919 zu "Martin"] & [2. August 1919 zu "Hanussen"]

Gemäß der [Wiener Zeitung, 26. Juni 1922], wurde mit Gesellschaftervertrag vom 11. März 1922 zur Verwertung der Patente die "Colorita" Farben-Photo-Gesellschaft mbH, in Wien 12 gegründet, in der Josef Mroz wie auch Artur Schwarz als Gesellschafter wie Geschäftsführer u.a. die Patente 9655/21 vom 4. März 1921 verwerten wollten. 

So darf es uns nicht wundern, dass seine Erzeugnisse ebenso den aus der Radiobranche bekannten noch umtriebigeren Josip Sliskovic, seinerzeit als Chefentwickler für die Fa. Kapsch tätig, erreicht hatten und der ebenso auch für sein Engagement in Sachen Schmalfilm bekannt ist.

Über diesen hat sich eines der drei bekannt gebliebenen System MROZ Farbfilm(foto)streifen erhalten.

Ein weiterer Name, Apfelthaler, wird ebenso mit einem noch erhaltenen Exemplar genannt. Ein Name der mir persönlich im Zusammenhang mit neuzeitlicher PHILIPS Videoprojektion unterkam. Siehe dort.

Bei MROZ kommt u.a. noch sein nachgewiesenes Engagement im >Österreichischen Touring Club< mit einem von ihm 1937 aufgenommenen Schmalfilm zum Clubleben hinzu was bei aller kolportierten Bescheidenheit auch auf die dazu erforderlichen wirtschaftlichen Mittel für die Motorisierung hindeutet.

 

Bild: Werbung für sein "Fotografieren in Naturfarben" wie sie vielfach u.a. in [Die Stunde] vom 18. November 1927 vorzufinden ist, das Ganze von Zeit zu Zeit mit sich in mehrere Zeitungen gleichenden Vorstellungen der Erfindung die wohl als "Pressetext" von ihm an diese Blätter gesandt wurden.

Da er jedoch, vielleicht zum Nachteil der Wiener Radioszene, im Metier der ebenso damalig neu aufkommenden bzw. von ihm mitgestalteten zudem leistbaren Farbfotografiertechnik für Amateure mit gar mehr als 30 zudem vielfach internationalen Patenten dessen Basis er seit 1913 eher ein Auslangen zu finden dachte verließ er bald wieder die vom Wettbewerb schon stark besetzte Bühne des neuen Mediums Radio in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre.

MROZ war somit wenn auch in ungleich geringerem Umfang nebst dem Unternehmen EUMIG ebenso in der Fotografie, der Filmtechnik sowie eben auch in der Radiotechnik zudem zeitlich kürzer bemessen aktiv.

Unter "Schmalfarbfilm und Heimtonkino" (letzteres gekoppelt mit Schallplatten) führt die [Radiowelt, 1931] seine stetig weiterführende Vervollkommnung seiner Techniken und Anwendungen aus.


Zwischenkriegszeit, Kriegszeit und sein Ende?

Das Photoatelier Mroz bestand auch während des Krieges und weiter in veränderter Form und Führung bis 2009.

An dieser Adresse, der Gumpendorferstraße wird auch 1942 die (Wieder-?)Verehelichung von Ida Mroz mit Schubert in der [Photografischen Zeitung] verkündet.

Gemäß [https://www.filmatlas.com/entry/493, abgerufen 29.3.2026] wird [Fuhrmeister 2006] zitiert, einem Werk das den Spuren des 1943-45 durchgeführten "Führerauftrag" zur Monumentalmalerei nachging.

Dort heißt es auszugsweise:

"Aufzeichnungen belegen Josef Mroz enge Verbindungen zur nationalsozialistischen Ideologie.

Dokumente im Bundesarchiv Deutschland weisen darauf hin, dass er bereits 1932 Mitglied der NSDAP wurde*.

Während der Zeit des (NSDAP) Verbots (in Österreich ab 1933 bis 1938) ermöglichte Mroz in seinem Geschäft Zusammenkünfte für Parteimitglieder, hielt verschiedene nationalsozialistische Veranstaltungen auf Film fest und zeigte sie den Parteimitgliedern (Bundesarchiv Deutschland, 1938).

Zwischen 1943 und 1945 beteiligte er sich am „Führerauftrag Monumentalmalerei“, einer von Adolf Hitler in Auftrag gegebenen Kampagne, bei der gefährdete Gemälde und Innenräume von historischer und künstlerischer Bedeutung in Farbe fotografiert wurden.

Josef Mroz wird zusammen mit seinem Sohn Thaddäus in der Liste der offiziellen Farbfotografen (tätig für die >Deutsche Farbbild GmbH<) erwähnt (Fuhrmeister 2006)."

 *Ergänzung: Die nun mit März 2026 frei Online zugänglichen NS Akten (Seite 2.116) ergeben die "provisorische" Ausstellung der Mitgliedskarte mit 25.11.1932 für die Nr. 1.306.101, eingetreten am 9.11.1932 in der Ortsgruppe Mariahilf im Gau Wien. Markant scheint, dass der Bezirk Mariahilf mit dem NSDAP Hauptquartier in der Hirschengasse 25 zudem für MROZ sehr nahe gelegen ein Zentrum der Partei bildete.

Josef Mroz war da vermutlich gegen Ende der 1930er Jahre bereits nach Berlin Kreuzberg übersiedelt, von wo er die obig angeführten Arbeiten durchführte.

Zu den Arbeiten gehörte auch die Anfertigung übergroßer Portraits der NS Größen.

An diesem Ort verliert sich mit dem Einmarsch der Sowjets 1945 in Berlin auch seine Spur die eine Verschleppung in den Osten ohne Wiederkehr vermuten lässt.


Das Radiotechnische Vermächtnis des Josef MROZ

Mroz-Unor Werbung

Bild: Radio MROZ seine Erzeugnisse und deren Verbreitung gab es u.a. auch beim Radiohaus RUBEL in Wien 6 in Gehweite unweit seiner Erzeugung.

 

Was uns von Mroz radiotechnisch blieb, das sind bekannte Radiomodelle die sich unter anderem durch das Fernbleiben einer damals meist erforderlichen Hochantenne und eines Erdungsanschlusses, das Ganze zudem tragbar ausgeführt auszeichneten.

Hinzukommen erhalten gebliebene Werbeblätter und Announcen in Fachmagazinen sowie die Mitwirkung als Testimonial wie wir heute sagen würden.

Dieser Beitrag soll zudem auf ein verwendetes Detail von MROZ, den HEMRAG Transformatoren abzielen.


Erwähnung von HEMRAG in der Fachliteratur

MROZ HEMRAG Transformatoren 

Bild: Klare Werbeaussage wonach HEMRAG Mroz zuzuordnen sei aus [Radiowelt 1926, Nr.49].

"Jeder Kramer lobt seine Ware" so die Worte meines Berufschullehrers im Allgemeinen zu all den groß Mundig verlauteten Eigenschaften deren Angebote.

 MROZ Reflexempfänger

Hier konkret sind es Bauvorschläge die F. Mroz im [Radio-Amateur Heft 25, 1925] preisgab und in denen er die Verwendung eines HEMRAG Hochfrequenz-Transformators für eine röhrensparende Reflex-, also Schaltung mit Mehrfachnutzung einer Röhre anführte.


Radiotechnisches Wissen

Wenngleich man in der Rubrik "Was willst du wissen?" auf eine im [Radio-Amateur September Heft 1925] abgedruckte Leseranfrage zu einer durchaus als anspruchsvoll zu bezeichnenden Reflexschaltung nichts Nachteiliges zu den angefragten HEMRAG Trafos zu nennen wusste, so wirkt diese Anfrage dennoch etwas "fingiert", passend zu der im gleichen Heft "zufällig" geschalteten Werbung.

 Leserbrief HEMRAG

  Hemrag Trafos

HEMRAG wird hier als MARKENBEZEICHNUNG angeführt wenngleich es keine Hinweise auf einen gesetzlich geschützten Eintrag gibt.

Wie gut das sie da schon "bei jedem Händler" lt. Werbetext erhältlich waren.

Weitere Werbeschaltungen finden sich für eben diese HEMRAG Transformatoren u.a. hier:

 HEMRAG TrafosHEMRAG Trafos

Aus [Österreichischer Radioamateur, Heft 48, September 1925 S.130.] (links)

Und in überzeugender Propaganda jener Tage, wonach "jeder" Radiohändler sich von diesem HEMRAG Transformatoren angesprochen fühlen sollte gemäß [Österreichischer Radioamateur, Heft 36, 1925 S. 30.] (rechts)

"Werbetricks" auch anders:

Im [Österreichischen Radioamateur, 1927, März. S.244] wird überdimensional von Ing. Gilbert Stalski, Vertrieb Leopold Heine AG, Marke "LEHAG" ebenso in Wien VI beheimatet ein neuartiges "Original-Super-Weagant" Schaltungskonzept samt Bausatz beworben.

Was nicht fehlen darf, das sind wohl nicht zufällig angeführte Leserbriefe von "Testimonials" zu denen nebst dem Marchegger Oberrevident der Bundesbahn in Pension, eben auch "unser" J. Mroz mit seiner Bestätigung des tadellosen Empfangs gehört.

Dies zudem an seinem Standort in der Windmühlgasse 1, einem damaligen Neubau bereits in der Betoneisenkonstruktionsweise, also etwas abschirmend für Radiowellen errichtet. 

Das Mroz zudem Fabrikate anderer Hersteller und Marken propagiert mag als Indiz des Endes seines eigenen diesbezüglichen Betriebes gelten. Siehe auch untenstehendes. 


Zu Franz Ferdinand Neubauer, Kaufmann in Wien:

Als Hauptvertrieb der HEMRAG Transformatoren, nun in Wien 6, Brückengasse 4 wird wieder Franz. Ferd. Neubauer angeführt.

Es findet sich eine Firmenprotokollierung in der [Wiener Zeitung vom 30. März 1923], also noch knapp VOR dem Radioboom, wirksam mit 9. März 1923 für den Großverkauf elektrischer und Gasbeleuchtungs- und Beheizungsapparate sowie von Installationsmaterial. Sechshauser Straße 54, Wien 14.

Einer in Verbindung der parallel einsetzenden Elektrifizierung Wiens attraktiv scheinende Branche wie wir unter anderem auch mit dem BELEUCHTUNSGHAUS WALTER kennenlernen durften.

Auch unter F.F. Neubauer aufscheinend.

Obig angeführte spaltenfüllende Werbeschaltungen im [Radio-Amateur] finden mit eher kleinzeiligen Werbungen u.a. in [Radiowelt], [Der Tag], sowie [Neues Wiener Tagblatt, Nov. 1925], ebenfalls aber schon bereits gegen Ende 1925 ihr augenscheinliches Auslaufen.

In Folge verliert sich vorläufig die Spur zu Neubauer was zumindest Vermutungen zu einer kurzen Geschäftsdauer aufkommen lässt. 


Vorläufiges Fazit zu MROZ Radioapparatebau:

Die Phase der bekannten und durchaus öffentlichkeitswirksamen Darstellung seiner Gerätschaft und Entwicklungen in den Fachmedien und darüber hinaus passen zur von der normalen Wirtschaftlichkeit temporär etwas abgekoppelten Boomphase des Radios beginnend mit Oktober 1924 in Österreich, allen voran in Wien.

Mroz Ausbildung und fachliche Breitbandigkeit sowie berufliche Profession zum Thema Film/Foto ließ für einen Bastler, Tüftler und Erfinder nur einen kleinen Spielraum zu um parallel auch in einem eigenen letztlich neuen zudem stark umkämpften Wirtschaftszweig, eben der Radiotechnik ernsthaft und nachhaltig Fuß zu fassen.

Es erging ihm wahrscheinlich wie vielen die spätestens nach dem Abklingen des reinen passiv arbeitenden Detektorgerätebaues ihr Auskommen verloren.

Mroz jedoch mit tragbaren zudem Röhrenradiogeräten hier vielleicht noch eine kleine Nische bedienen konnte ehe all die Großen mit dann Netzempfängern das Feld breitenwirksam bestellten.

Ein Markt für Portables der auszugsweise abseits der "Großen der Branche" wie eben RADIONE (mit deren bekannten R2 etc. ), nach dem Krieg dann von Firmen wie HEA, Kristallwerk oder Zehetner bedient wurde ehe auch hier "die Großen" und mehr noch dann schon Importware das Ruder übernahmen.

Als Innovativ, wenngleich es kein Alleinstellungsmerkmal war darf man die Mehrfachausnutzung einer Verstärkerröhre durch die Anwendung sogenannter Reflex- also Mehrfachnutzung für die HF wie auch der NF sehen.

Das Ganze lt. Werbung zudem ordnungsgemäß mit der TELEFUNKEN Bauerlaubnis lizensiert.

Dazu gehörte für einen stabilen Betrieb jedoch ein solider Aufbau und eben, auch die Verfügbarkeit, idealerweise durch Eigenfertigung von den benötigten HF wie auch NF Koppeltransformatoren wie sie eben durch seine parallel vermarkteten HEMRAG Erzeugnisse gegeben schienen.

Diese Eigenfertigung der HEMRAG Transformatoren wird in dem MROZ Faltblatt aus 1926 angeführt.

MROZ radiotechnische Präsenz sich aber letztlich auf maximal drei Jahre von 1925 bis 1927 mit derzeitigem Wissen beschränkt.

So findet sich im [Neues Wiener Tagblatt, 20. Jänner 1927], unter dem Namen Mroz und der bekannten Adresse Windmühlgasse 1 "Von aufgelassener Radiowerkstätte sind Apparate und Bestandteile billigst abzugeben..." das Ganze idealerweise nach dem Weihnachtsgeschäft.

Was mag davon Propaganda im Sinne wohl schon damals praktizierter "ewiger Schlussverkäufe", und was daran wahres sein, da der Verkauf lt. späteren Anzeigen noch einige Monate weiterging.

Die Lokalität in Sachen Radio dann in die nahe Theobaldgasse 19, lt. Werbung [Neues Wiener Tagblatt 19. Mai 1927] wechselte wo es um öS 50,- "erstklassigen" Empfang mit Telefunkenröhre zu haben gab.


 

In der zweiten Hälfte des Jahres 1927 dann der Farbfotomann Mroz und seine Erfindung in den Vordergrund der Vermarktung trat währen das Thema Radio in Verbindung mit Mroz verschwand.

 

Was alles davon originär an Entwicklung und Forschung direkt Josef Mroz oder aber vielleicht auch befähigten Mitarbeitern oder Zukäufen von Technikern die nicht zu einer schreierischen Selbstvermarktung imstande waren zuzuschreiben ist bleibt offen.

Schlussendlich war es ja auch damals schon keine "Raketentechnik", sondern die einfache Geradeausempfangstechnik, vielfach als Einkreiser ausgeführt wie sie in jenen Tagen auch von Amateuren zumindest nachgebaut werden konnte.

Bei der nächstfolgenden anspruchsvolleren radiotechnischen Entwicklungs- und Komfortstufe der Superhetempfänger und Netzempfänger war Mroz dann schon nicht mehr dabei.

Sein Engagement in Sachen Radios somit bis auf weiteres eine wenngleich interessante Randnotiz in der Wiener Radioerzeugerszene auch was die vermuteten Stückzahlen betrifft bleibt.

Orginalgeräte zeigt mit Stand März 2026 RM.org keines.


Übersichtstabelle über bisher bekannte MROZ Radiogeräte

Bilder Modellname Saison Eigenschaften Preis
         
MROZ Reflexempfänger    MROZ Reflexempfänger   1925  Bauplan, Prototyp?   öS 8,- (Trafo)
MROZ-UNOR  MROZ-UNOR 1926 1 Röhrenreflexempfänger öS 170,-
MROZ-QUAROR  MROZ-QUAROR 1926 4 Röhrenempfänger öS 500,-
MROZ-UNOP  MROZ-UNOP 1926 3 Röhrenreflexempfänger öS 150,-
Detektor Empfänger  Detektor Empfänger 1926 als Set   
  NF Verstärker hiezu 1926 als Set öS 70,-
MROZ IMRO 7 ( JIMRO 7 )  IMRO 7 ( JIMRO 7 ) 1926 1 Röhrenempfänger öS 96,-


Passendes ausklingendes Szenenbild:

Ein Foto zeigt eine Familie um 1925 mit einem Portable Radio am Laaerberg, unweit der Wiener Filmgründe zu denen das brotberufliche Umfeld von Mroz passt und dahinter liegend, die markanten Radio-Austria Empfangsanlagen zu sehen sind.


Offene Fragen: (Stand April 2026)

  1. Gibt es Nachweise das MROZ auch die Herstellung dieser Trafos selbst durchführte? 

  2. Welche Stückzahlen kann es zu MROZ Radios gegeben haben?

  3. Ließe sich in Archiven der Verbleib von Josef Mroz in Berlin bzw. einem Deportationsort erforschen?

  4. Wie ging es mit Franz Neubauer weiter?

 


Abgrenzung:

Wie immer erfolgen alle Marken- und Modellnennungen nur in beschreibender Weise und wird auf die jeweils aktuellen Marken- und Rechteinhaber und deren Ansprüche verwiesen.

Ebenso folgt die Nennung politischer Orientierungen nur dem Verständnis des geschichtlichen Kontextes.


Quellen & Nachweise:

  1. Anno, Öst. Radioamateur, div. Hefte aus 1925, 1926, 1927, 

  2. Werbefaltblatt Radio MROZ 1926 (Mit Dank vom Archiv Erwin Macho) 

  3. Diverse Modellanlagen bei RM.org (Stand März 2026 sowie "Fake" Modelle

  4. http://www.photohistory.at/mroz.htm (abgerufen März 2026)

  5. https://geschichte.lbg.ac.at/events/who-is-josef-mroz (Mit dem Verweis zum Vortrag von Frau Zingl)


Suchbegriffe: MROZ Radio, F.F. Neubauer, HEMRAG, Mroz-Unor, 


Lesetipps aus dem Repertoire des Autors:

 

Die Eumig Eumigette 382W - Ein Radio als Beitrag zum österreichischen Wirtschaftswunder
Alles zum DDR Fernsehen
PHILIPS LC2000 LCD Großbildprojektor 1994 Der PHILIPS LC2000 Videoprojektor und frühere professionelle Videoprojektionstechnik
Meine erste Unterhaltungselektronik in den 1980ern All meine frühere Unterhaltungselektronik
  für Freunde der Geschichte des Satelliten TV in Europa
TV DX und das Testbild - Für die denen lokale Fernsehprogramme auch über Antenne nie genügt haben
Analoge Antennennostalgie in Wien und in der Wachau in Niederösterreich

 


© Textzusammenstellung 3/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 30.03.26