Der AMECO R-5 Allwave Receiver

   Bild: Ein damalig günstiges Einstiegsgerät in die Welt der Kurzwelle in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre stellen wir hier vor.

EINLEITUNG:

 

BEITRAG NOCH IN ARBEIT - Man wartet auf Ersatzteile und macht dann noch einen Abgleich....

 

Aus der Sammlung eines mir persönlich unbekannten Kollegen Herrn "S" mit Nachrichtentechnischem Hintergrund kam über ein lokales Museumsdepot dieses Gerät spontan zu meiner Begutachtung ins Haus.

Die einfach gehaltene Frontgestaltung ließ noch ohne des Lesens der Bezeichnungen Remineszenzen an optisch ähnlich konzipierte Geräte alias

 

Und das waren eben einfache aber durchaus praxisnahe ausgestattete Mutiband Empfänger mit einem BFO für CW wie auch einfachem SSB Empfang.

Bild: AMECO Werbeschaltung um 1968

 

Der zweite Blick verrät, bzw. bestätigt die Vermutung ein amerikanisches Gerät am Tisch zu haben.AMECO R5 ALLWAVE RECEIVER prangt an der Front.Die Rückseite klärt mit einem bereits verbohrten Typenschild zum Hersteller auf: Wie sich im Web rasch finden läßt gab es diese Gerätschaft, die Rede ist bereits von einem Volltransistorkonzept (Solid State) als Bausatz (KIT) oder eben auch als Fertiggerät um nur US$ 89,95 und damit als "Einstiegsdroge" in die Welt des damals noch sehr attraktiven Kurzwellenabenteuers.

Als KIT gab es ihn um US$ 65,- (1968)

Korrekterweise war ja auch die ebenso noch sehr populäre Mittelwelle dabei.

US typisch aber fehlt die Langwelle die in dieser Region buchstäblich "keine Meter" hatte.


Inhalt:

  1. Einleitung

  2. Zum Gerät

  3. Die Schaltung

  4. Reparaturen

  5. Sammlerleiden

  6. Quellen und Literaturnachweise

  7. Weitere Lesetipps des Autors


Zum Gerät:

Keine Raketentechnik sondern "Old School" Style die es in dieser Art der Bedienungsanordnung und Funktionalität die Jahre zuvor auch schon als Röhrengerät gab.

Man darf annehmen, dass dieses erfolgreiche Konzept eben auch von AMECO wirtschaftlich attraktiv wenngleich technisch vereinfacht auf den Markt geworfen wurde.

Die durchaus kompakte Gerätegröße folgt der Anordnung der Bedienungselemente, da der verbaute Print sowie die Periphärie subjektiv weniger Platz in Anspruch nehmen würde als die Außenmaße andeuten.

BHT:  295 x 155 x 235 mm bei rund 5,5 kg Gewicht.

 

Die Bedienung überrascht wenig:

Bild: Frontseite mit allen Bedienelementen erklärt [Quelle: AMECO Manual, KI bearbeitet]

Noise Limiter - Lautstärkeregelung - BFO Tuning - Hauptabstimmung - Fünffach Bandwahlschalter - Bandspreizung - RF Gain - AM/CW Schalter - Netzschalter

540 kHz bis 54 MHz in fünf Bändern bot auch alle (US) CB Funkkanäle (in AM) sowie das 30 - 50 MHz Band (VHF Low Band) das tatsächlich in analogen Tagen (US) Behördenfunk aber auch Polizeifunk je nach Einsatzgebiet bieten konnte.

Konzipiert für den US Markt sind es gedacht für eine 117 V Netzspannung für die der sehr klein gehaltene (60 Hz) Trafo verbaut wurde.

An Anschlüßen gibt es frontseitig eine 6,3 mm Kopfhörerbuchse die wie üblich den seitlich eingebauten ovalen 3 x 5" Lautsprecher abschalten kann.

Die Rückseite bietet nebst dem fest verbauten Netzzanschlußkabel eine Schraubklemmenleiste für eine >Mute< Schaltung, wohl in Verbindung mit einem Sender zur Stummschaltung der ZF gedacht sowie einem asymetrischen Antennenanschluß samt Erdanschluß.

Bild: "Früh übt sich" - Und so sah man bei AMECO den Nachwuchs-Kundenkreis im sich leistbaren Segment der Mittelschicht. [Quelle: AMECO Werbeschaltung um 1968]

Ein Schalter, zwar als solcher Beschriftet, in Natura jedoch nicht bestückt, läßt zwischen interner und externer Batterie umschalten.

Er gehört zu den möglichen Optionen. Siehe dazu unten.

Was fehlt, das ist eine Rückwand die das Gerät deshalb zur Hälfte offen zeigt.

Es ist die gefährliche Netzspannung dort zum Glück jedoch nicht greifbar.

 

Das vorliegenden Gerät trägt die Seriennummer 5144.

Ein zeitgleich auf Ebay.com um US$ 185,- offeriertes Gerät die 5391.

Ein Restaurierungs-Sammlerbeitrag zeigt die 1082. Ein weiteres 1085 was über 4.000 gefertigte Geräte bzw. Bausätze plausibel machen könnte.

Ab 1967 kam dieses Gerät auf den (US) Markt.


Abgrenzung:

Was das Gerät folglich nicht kann das ist eine FM Demodulation.

Ebenso bietet er (wie auch der Wettbewerb) keinen Empfang der UKW Frequenzen wie Radio, Flugfunk oder das 2m Amateurfunkband.

Und eben auch keine Langwelle sowie keine damalig noch aktiven Schiffsnotfallfrequenzen wie die 500 kHz.


Zum Hersteller AMECO

Uns in Österreich, wahrscheinlich auch im Rest Europas wohl weniger bekannt ist die Firma AMECO.

AMECO für American Electronics Co., New. York (NY) stehend, einer Division of Aerotron, Inc., Raleigh, North Caroline.

Ebenso auch: 

AMECO - Ameco Equipment Corp.; 178 Herricks Road Mineola, L.I. New York, a subsidiary (Division) of Aerotron Inc. North Carolina (1960s).

Ein Hersteller der vielfach Amateurfunk- und Kurzwellengerätschaft in der Einstiegsklasse in den 1960er bis etwa den 1970er Jahren anbot.

Bekannt sind nebst den Allwellenempfängern eben auch Kurzwellenband- wie auch 2m Band Sender. Morsetrainer, Netzteile, Vorverstärker, SWR Meter, sowie VFO's und einiges mehr.

Dem Autor kommt nebst Heathkit hier auch der US Hersteller Ramsey Electronics in vergleichender Weise in den Sinn.


Zustand beim Erhalt:

Bild: Das Gerät hatte Aufkleber der 1970er Jahre außen dran die auf Niki Lauda im Wiener Messepalast im Dezember 1977 verweisen.

Ein Jahr wo man diese Gerätschaft durchaus in dieser Klasse als brauchbar zuordnen kann.

Die Rückseite hatte wie beschrieben eine verbohrte Typenschildfläche die annehmen läßt das da wer einst Zusatzanschlüße oder Schalter verbaut hatte und es sich später wieder anders überlegt hat.

Ebenso finden sich im inneren nachträglich angebrachte Bohrungen.

Bild: Zu erkennen ist die mittig nie bestückte Batterieumschaltung, links die Reste einer Zusatzschaltung die wieder entfernt wurde sowie der Zusatzspartrafo für 220V. Letzteres in solider Post-Nachrichtentechnik gebaut. Nur beim Buchstaben N für Netz driftete man ins kyrillische Alphabet ab....

Dem 117V Netztrafo geschuldet gibt es einen fest verbauten Zusatztrafo geschaltet als Spartrafo.

 


Erste Einsichten:

Nach einer ersten Außenreinigung wurde der Deckel abgenommen und das Innenleben mit Druckluft vom Staub befreit.

Da es in einer wohl intensiveren Raucherumgebung stand bleibt dem Gerät diese Note leider anhaften.

Es folgte daher eine umfassende Reinigung auch der Skala.

Wie gedacht, ist es tatsächlich ein 15VA 220/117V Vorschalttrafo der als ein selbst gefertigtes extra Zubehörteil wenngleich mechanisch professionell in das Gerät verbaut wurde.

Verschiedene weitere Hinweise deuten auf ein KIT Set zumindest hin wie etwa handschriftliche Beschriftungen der Spulen und anderer Bauteile. Anderes wie die Kabelbefestigungen läßt wiederum ein Seriengerät aus der Fertigung annehmen.

Ebenso ungewöhnlich für ein US Gerät sind die blauen PHILIPS Elkos made in Holland, die zum Teil schon äußerlich erkennbar anzeichen von Defekten vor sich hertragen.

Bild: Verdächtige Hinweise an den Elkos. 11 Stück (davon einer beim LS Pot) wären es gesamt die dann zu tauschen sind. Alles axiale Typen niedriger Spannung für 16V.

Ebenso habe ich es mir gedacht, das Gerät spielt auf Anhieb. Wie gut wird man hören. Ebenso leuchten die beiden Skalenlämpchen wie sie sollen.

Auffällig nur, dass die Lautstärke nicht vollständig weggedreht werden kann. Es verbleibt bei stärkeren Sendern gar mehr als nur die Zimmerlautstärke durchaus sehr störend stehen.

Diverse Regler und Schalter kratzen was wenig verwundern darf.

Das Gerät an eine Langdrahtantenne angeschlossen bringt gleich am September Abend ein paar Dutzend Stationen was in Summe mehr ist als ich bei ähnlichen Tests mit anderen auch besser ausgestatteten Geräten schaffte.

Die Abstimmung am Hauptdrehknopf passt.

Man kann, was naturgemäß mehr Aufwand und Spielerei darstellt an der Bandspreizung weiter spielen was nicht zwangsweise nötig ist. Eine ruhige Hand vorausgesetzt.

Sender gehen teilweise schön herein, aber leider verzerren die meisten sehr stark was auch mit der >Gain Control< nicht in den Griff zu bekommen ist.

Es dürfte aber eher nicht an der Trennschärfe selbst liegen.

Manche Sender Pfeifen böse ein. Wenn Sender etwas lauter sind dann sieht man an der Skalenbeleuchtung dass die Grenze der Belastung des Netzteils erreicht ist.

Bild: Einfache BFO Spule und die Erkenntnis zum NF Koppelelko

SSB/CW mit dem BFO bringt keine Änderung in der Aufnahme bzw. macht diese Sender nicht hörbar.

Bestimmte Sender, es ist ja kein Doppelsuper kommen gleich zweimal auf der Skala.


Die Schaltung:

Ein Service-Manual samt dem Schaltplan findet sich sofort in Pole-Position bei der Google Suche Online als PDF.

Dank an Mr. Mike Markowski, AB3AP für das Bereitstellen dazu.

Wir finden eine 12 Transistorschaltung vor, davon ein Spannungsregler (mit 7,5 V Z Diode), einer in der AGC Schaltung sowie ein BFO Oszillator.

Weiters vier Stück in der mit Übertrager ausgeführten wie ich denke in Sachen NF Leistung etwas überdimensionierten Endstufe.

Als Typen verwendet wurden 2Nxxxx als Silizium NPN. Lediglich die NF Endstufe beherbergt zwei 2N176 PNP Typen samt Kühlblechen was übertrieben wirkt.

Das Antennen HF Signal gelangt per Zweifach Drehko abgestimmt OHNE jede weitere Verstärkung an die Mischstufe, die von einem Oszillator 2N3646 versorgt wird.

455 kHz als US typische ZF kommt das Signal an einen Doppelten L/C Bandpassfilter.

Wird durch zwei Transistoren, davon einer als extern tastbarer ZF Mute Schaltkeis sowie einem schaltbaren >Noise Limiter< verstärkt wo es an einem weiteren Bandfilter einer 1N34A AM Detektorgleichrichtung zugeführt wird.

Dort kann auch das verstimmbare BFO Signal (um ±455 kHz) für CW Hörbarmachung zugeführt werden wo es weiter zur NF Stufe gelangt.

Netzteil:

Unspektakulär ein primäre geschalteter Netztrafo mit einer Eingangs Kondensatorfilterung (1.400V Typen). Man vermisst aber jegliche Absicherungen.

Sekundärseitig werden zwei Skalenglühlämpchen dauerhaft versorgt.

Es folgt die Bereitstellung einer Doppelwellengleichrichtung für die NF Endstufe sowie per Halbwellengleichrichtung einmal der ZF Verstärkung zugeführt und einmal dem Spannungsregler der wiederum den Oszillator sowie den Mischer versorgt.  

 

Bilder: Man fühlt sich gleich wieder europäisch mit Siemens Dioden und Philips Elkos, wenngleich letztere ihre Zeit nach rund 60 Jahren schon hinter sich hatten. Spezifische Bauteile die AMECO fest dem Gerät zugedacht hat sidn in der Anleitung in einer eigenen Liste festgehalten.

 

Schaltungsversionen:

Bekannt sind die


Reparaturen:

Nebst Kontaktpflege der Schalter werden auch die Elkos zwangsweise einem Tausch unterzogen.

Bild: Kurzzusammenfassung - Die höheren Kapazitäten kann man mit etwas Toleranz noch gelten lassen. Kleine Kapazitäten sind stark fehlerhaft und werden getauscht.

Ebenso sehe ich mir die BFO Schaltung, bzw. deren Nichtfunktion genauer an.

Der Umschalter bekam eine Spraybehandlung und der BFO wenngleich in der Bedienung gewöhnungsbedürftig brachte gleich ein auf Deutsch geführtes gut verständliches HAM QSO im 40 m Band ein.

Bild: Schalter deren Kontaktgabe die besten Zeiten hinter sich hatten

Es ist lediglich eine einfache Spule die am Bedienregler per Spindel ein- und ausgeschraubt werden kann.

Aber ohne Wiederkehr. Man muß also immer wieder alles genau zurückdrehen was in der praktischen Anwendung "gewöhnungsbedürftig" bleibt.

Man wird es dann eher mit dem Bandspreitzungsdrehko kompensieren wollen um CW und SSB brauchbar abzustimmen bzw. auch nachzustimmen.


Optionen und Zubehör:

Wie bei den Profi- und Semiprofigeräten z.B. von Yaesu oder Kennwood bekannt gab es auch hier einen passenden

Für die mobile Anwendung gab es den Batterieschalter nachzurüsten der dann ein

Weiters als passendes Einstiegsset für den dann hoffentlich lizensierten HAM gab es das

 

Noch interessanter erscheint, das es zwischenzeitlich gar einen Replica Markt für diesen QRP Transmitter auf der Nostalgiewelle schwimmend gibt.

Die Preise natürlich entsprechend "der Inflation" wegen angepasst wurden.

Als optisch weitgehend identen Nachfolger gab es den AMECO R5A Allwave Receiver ab 1969. Als Preis sollen es da schon US$ 100,- gewesen sein.


Kritik und vorläufiges Fazit:

Die obersten beiden Bänder läßt UKW Rundfunksender als Oberwelle einschlagen. Natürlich nur verzerrt zu hören.

Was eben fehlt, das ist ein HF Abschwächer noch vor dem Tuner Eingang der den Mischer, geregelte Vorstufe gibt es ja keine, vor dem Übersteuern schützt.

Was mich aber erstaunt hat waren die doch vielen Sender die man mit dem "Kasten" noch hereinbekommt.

Man würde sich wünschen sie auch noch mehr hörbar im Sinne einer Mindestqualität machen zu können.


Sammlerleiden - Sammlerfreuden

Hier ein kleiner Überblick über meine Auseinandersetzungen mit zum Teil ähnlicher kurzwellentauglicher Gerätschaft über die Jahrzehnte:

 


Quellen & Nachweise:

  1. Eigenes Gerät R5, Serien Nr. #5144 

  2. https://www.universal-radio.com/catalog/commrxvr/r5.html, abgerufen am 14.9.2026

  3.  https://copland.udel.edu/~mm/ham/ameco/r5a/r5.pdf, abgerufen am 14.9.2026

  4.  


Suchbegriffe: AMECO, R5,


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© Textzusammenstellung 9/2026; W. Scheida/Wien Medienhistoriker, zu  www.scheida.at gehörend

Letzte Überarbeitung: 17.10.26